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die von der Stöchiometriebegriffsgeschichte berührt werden

Warum der theologisch - metaphysische Charakter des Stöchiometriebegriffs 200 Jahre ignoriert wurde:

1. Klassische Philologie

Die platonische Kosmologie des Timaios , die mit ihren geometrischen und arithmetischen Reihen als theologisch-metaphysische Grundlage bzw. als idealistisch-romantische Wissenschaftstheorie des Werkes "Anfangsgründe der Stöchiometrie" bildete, zählt zum Standardwissen humanistischer bzw. altphilologischer Allgemeinbildung. Die Geschichte der Stöchiometrie beweist, daß humanistische Tradition und naturwissenschaftliche (hier: chemische) Bildung im Stöchiometriebegriff keine Gegensätze waren, wie dies oft von Chemie- ,Biologie- und Physik-Historikern propagiert wurde.

2.Philosophie-Geschichte:

a.) Idealismusforschung

(Platon-, N.v. Cues-, Kepler-, Leibniz-, Wolff-, Kant-, Schelling-, Fichte-, Fries- und Hegel-Forschung)

Der Kant-Schüler J.B. Richter benutzte in seiner Chemie Platons Kosmologie, was Schelling zu Lob auf die geometrischen Reihen in Richters Chemie veranlaßte, während Hegel Richters Chemie wegen ihres theologisch-metaphyischen Charakters als eine mit "vielen scholastischen Reflexionen" durchtränkte Naturwissenschaft kritisierte. Richter nahm sich Christian Wolffs Algebra als wissenschaftstheoretische Grundlage seiner Stöchiometrie. Richter nannt seine chemischen Grundsubstanzen auch Monaden, womit eine geistige Verwandtschaft zum Mathesis-Universalis-Ansatz vonLeibniz verbunden war. Da Richter großen Wert auf die apriorische Konstruierbarkeit chemischer Phänomene legte, ist die idealistische Geistesverwandschaft mit FichtesWissenschaftslehre nicht zu übersehen.

b.: Renaissance- und Humanismus-Forschern

Aus renaissance-humanistischer Sicht ist es nicht uninteressant zu wissen, daß das Werk "Anfangsgründe der Stöchiometrie" einen Versuch darstellt, mit Hilfe platonischerMathesis Universalis-Schemata einen christlichen Gottesbeweis zu führen, was vor 500 Jahren bei den platonisch-christlich orientierten florentinischen Humanisten (M. Ficino u.a.) ein häufiges Argumentationsschema war. Außerdem wird von Romantikforschern allgemein anerkannt, daß die Romantik eine Art Renaissance des renaissance-humanistischen Denkens war.

c.: Scholastik- und Mittelalter-Forschern

Scholastikexperten bzw. Mittelalterforscher möchte ich den scholastisch-mittelalterlichen Charakter der Stöchiometrie nahebringen, da nicht nur Hegel der Stöchiometrie J.B. Richters einen scholastischen Charakter vorwarf, sondern auch der Chemiepublizist Ludwig Wilhelm Gilbert der Chemie einen "primitiven" scholastischen Charakter vorwarf. . Beide haben zum Teil Recht, denn Richters Chemie war eine Mischung aus scholastischer (d.h. theologisch-metaphysischer ) Wissenschaftstheorie, die aber mit mehr 2000 empirisch-chemischer Untersuchungen untermauert werden sollte. Die theologisch-mystische Suche nach Gott und die philosophisch-rationale Suche nach der (absoluten) Wahrheit standen im Mittelpunkt der Stöchiometrie und nicht die ökonomische Nutzanwendung, die der Positivismus später in den Mittelpunkt stellte.
 
 

3. Theologie-Geschichte

Kirchenhistoriker, Bibelexegeten, Moraltheologen möchte ich auf den physikotheologischen und moraltheologischen Charakter des Stöchiometriebegriffs aufmerksam machen, da Richter den Nachweis geometrischer Reihen in den Mischungsverhältnissen von Säuren und Alkalien als "physicotheologiae probationes de existentia Dei" interpretierte. Durch die religiöse Interpretation chemischer Naturgesetze erhielt die Stöchiometrie einen moralisch/ethischen Charakter. Außerdem gab J.B. Richter im Vorwort zu seinem Werk "Stöchiometrie" an, die mathematische Methode Christian Wolffs als Leitfaden für seine Forschung zu nehmen, so daß Stöchiometrie in der Tradition der Aufklärungstheologie Christian Wolffs, des Systematisierers der leibnizschen Philosophie stand. 
 

4.Naturwissenschaftshistoriker:

(Chemie-, Biologie-, Medizin-, Physik-,Pharmazie- und Astronomie-Historiker), die häufiger mit stöchiometrischen Formeln zu tun haben, könnten an meinen Forschungsergebnissen ebenfalls interessiert, weil viele berühmte Chemiker wie Berzelius, Klaproth, Döbereiner, Liebig, Wöhler, Gay Lussac, Meinecke, J. Dalton, Thomas Thomson,Hermann Kopp und der Chemienobelpreisträger .Ostwald zum Teil sehr ausführlich (- leider nur als Positivisten!- ) zum Stöchiometriebegriff Stellung genommen haben.
Richters Epistemologie deckt sich mit Keplers Epistemologie der Planetengesetze sehr stark, was Astronomiehistoriker interessant finden könnten. Richters astronomisch beeinflußte Chemietheorie deckt sich mit der Medizintheorie des Paracelsus sehr stark, dessen Theorie ebenfalls noch sehr stark astronomische Bezüge besaß, wodurch ein Bezug zwischen Stöchiometrie und Medizingeschichte herstellt wird..

5.Kunstgeschichte und Naturwissenschaftsgeschichte als An-wendungsgebiete der platonischen Proportionslehre

a.) Literaturgeschichte

Mit den gleichen Proportionen, mit denen Richter chemische Theorien aufstellte, versuchte der Barockpoet Chr. Gottsched harmonische Versmaße zu konstruieren, wodurch Chemiegeschichte und Literaturgeschichte in Verbindung miteinander treten.

b.) Architetkurgeschichte

Mit den gleichen Proportionen, mit denen Richter chemische Theorien aufstellte, versuchte der italienische Renaissance Architekt Alberti Kirchenbauten zu entwerfen, wodurch Chemiegeschichte und Architekturgeschichte miteinander in Verbindung treten

c.) Geschichte der Malerei und Plastik

Mit den gleichen Proportionen, mit denen Richter chemische Theorien aufstellte, versuchte Albrecht Dürer Plastiken und Gemälde zu kreieren. J.B. Richter selbst betrachtete sich als Künstler, als er aus Holz chemische Salzkristalle schnitzte, die er aus Hexaedern und Tetraedern schnitzte, um sich seine chemische Theorien räumlich besser vorstellen zu können.

d.) Geschichte der Musikwissenschaft

Weil Richter die Proportionslehre des Titius-Bode-Gesetzes, dessen Kern von Astronomiehistorikern als harmonikal bzw. musikalisch-metaphysisch interpretiert wird, auf seine Stöchiometrietheorien anwandte, indem er die geometrische Reihe, mit der Planetenabstände gemessen wurde auf chemische Mischungsverhältnisse übertrug, dürfte es Musikhistoriker interessieren,, daß die platonische Sphärenharmonie als Musik-Metaphysik gleichzeitig die theologisch-metaphysischen Grundlage der idealistisch-romantischen Wissenschaftstheorie der Stöchiometrie bildete, was die Musikhistoriker in ihrer lang gehegten Auffassung bestärkte, daß die Musik noch vor 200 Jahren in der idealistisch-romantischen Epoche einen interdisziplinären, weil theologisch-metaphyischen Charakter besaß.
 
 
 
 

Zentrales Ergebnis der chemiehistorischen Forschung:

Im Werk "Anfangsgründe der Stöchiometrie" (1792-1794) stehen nicht die chemischen, d.h. die einzel- wissenschaftlichen Forschungs- Ergebnisse im Zentrum der Überlegungen, sondern die philosophischen, d.h. die universal-wissenschaftliche Forschungs- Methode. Weil die Einheit der Forschungsmethode die Einheit der Wissenschaft unterstellt, steht im Stöchiometriebegriff nicht die Chemie im Mittelpunkt, sondern der christlich-platonische Mathesis-Universalis-Ansatz, der der Chemie die Forschungsmethoe vorschreibt.   
 
 
 

8. Universalgeschichtsschreibung

Aufgrund sehr negativer Erfahrungen mit "normalen" bzw. "klassischen" Historikern (d.h. Politik-,Kriegs-, Wirtschafts- und Kunst-Historikern), die als rein geisteswissenschaftlich geprägte Historiker einen großen Bogen um die Geschichte der Naturwissenschaften machen, habe ich es aufgegeben, mich mit diesen Geschichtswissenschaftlern zu unterhalten, weil sie mehr an den Kriegen, Königen und Konferenzen der Vergangenheit interessiert sind als an naturwissen-schaftlichen Entwicklungen der Vergangenheit.

Bitteres Fazit: Viele Universitäts-Professoren sind in Wahrheit nur Fachhochschulprofessoren z.b. für Chemie, weil sie an einer universellen Sicht auf den Stöchiometriebegriff gar nicht interessiert sind. Mit anderen Worten: Der Stöchiometriebegriff wird seit 200 Jahren nicht so interpretiert, wie es sich für einen Universitätsprofessor für Chemie gehört, sondern wie ein Fachhochschul -professor für Chemie diesen Begriff interpretieren würde.
 
 

Von den unter Punkt 1 bis 8 genannten Forschern erhielt ich überwiegend positive Zuschriften, ohne daß mir ein Forscher den Vorwurf gemacht hat, meine gedanklichen Querverbindungen zwischen den unter 1 bis 6 genannten einzelwissenschaftlichen Bereichen seien an den Haaren herbeigezogen gewe-sen. Im Gegenteil! Viele Forscher fielen aus allen Wolken, als sie lasen, daß so berühmte Chemiker wie Berzelius, Dalton, Gay Lussac, Liebig und Wöhler sich haben, als sie dem Stöchiometriebegriff eine rein chemische Dimension unterschieben wollten, ohne daß sich diese berühmten Chemiker als Positivisten für die theologisch-metaphysische Dimension der Stöchiometrie zu interessierten.
 
 

Ich möchte folgende Gründe dafür anführen, die dazu führten, daß der theologisch - metaphysische Charakter des Stöchiometriebegriffs 200 (ZWEIHUNDERT!) Jahre ignoriert wurde:
 
  • Die meisten Chemiker hielten den chemischen Charakter des Stöchiometriebegriffs für zentral, weil sie sich auf dem Gebiet der Chemie gut auskannten und ihr geballtes Chemiewissen ihren Zuhörern "vor die Füße kippen" konnten, während sie auf geisteswissenschaftlichem (d.h. theologischem, philosophischen) Gebiet wegen ihrer positivistischen Erziehung im 19.Jahrhundert nur wenig Allgemeinbildung besaßen, obwohl gerade die geisteswissenschaftliche Dimension der Stöchiometrie wichtiger war als die naturwis-senschaftliche Dimension, die Chemiker wie z.B. Berzelius, Liebig oder der Chemienobelpreisträger Wilhelm Ostwald in seiner Biographie über J.B. Richter irrtümlich für wichtiger erachteten. Es ist ein Grundübel an den Universitäten, daß viele natur-wissenschaftliche Akademiker häufig naturwissenschaftliche Aspekte für bedeutsam halten, obwohl nichts selten die geisteswissenschaftlichen Aspekte naturwissenschaftlicher Begriffe, wich-tiger in der Vergangenheit wichtiger waren. Viele Spezialisten nehmen ihr Spezialgebiet für zu wichtig.
     
  • Unter umgekehrten Vorzeichen kann man diesen Vorwurf auch den Theologen, Philosophen und Altphilologen machen, deren Respekt vor Chemikern, Biologen und Physikern so groß zu sein scheint, daß sie seit 200 Jahren Chemiespezialisten wie z.B. Liebig, Berzelius oder dem Chemie-Nobelpreisträger W.Ostwald blind vertrauten, wenn diese Spezialisten dem Stöchiometriebegriff eine rein chemische Dimension unterstellten. Letztendlich haben hier beide Seiten große Fehler in ihrer Interpretation des Stöchiometriebegriffs gemacht: Die Natur- und die Geisteswissenschaftler. Es muß sehr nachdenklich stimmen, daß bereits vor 100 Jahren die Wissenschaften so stark zersplittert waren, daß der spätere Chemienobelpreisträger von 1908, W. Ostwald, in seiner 12 seitigen Biographie über J.B. Richter (in Günther Bugges "Buch der großen Chemiker") nicht mehr in der Lage war zu erkennen, daß die idealistische Philosophie im Stöchiometriebegriff eine größere Rolle spielte als die Chemie selbst. Welcher Theologe hätte es vor 90 Jahren gewagt, dem frischgebackenen Nobelpreisträger Ostwald zu sagen, daß die christliche Theologie im Stöchiometriebegriff wichtiger war als die Chemie selbst? Einem Chemie-experten vorzuwerfen, er habe den wahren, d.h. philosophisch-idealistischen, Charakter des Stöchio-metriebegriffs nicht er kannt, ist beinahe so polemisch wie der Vorwurf an einen Germanistikprofessor, er könne weder lesen noch schreiben.
     
  • Als dritten Grund für die Fehlinterpretation des Stöchiometriebegriffs möchte ich auf die akademische Organisationsstruktur hinweisen, denn heute schadet es den beruflichen Ambitionen eines Naturwissen-schaftler nicht, wenn er keine philosophische, theologische oder humanistische (griechisch-lateinische) Allgemeinbildung mehr hat, so wie es einem Theologen, Philosophen oder Altphilologen nicht schadet, wenn er ein naturwissenschaftlicher "Nichtschwimmer" ist. Im Gegenteil! Wer als Physiker, Chemiker, Biologe oder Mediziner in sein Bewerbungsschreiben darauf hinweist, daß er sich gern mit Philosophie oder Theologie befaßt und außerdem Platons Schriften intensiv studiert hat, wird als Spinner betrachtet, der sich besser mit dem Erlernen einer Computersprache hätte beschäftigen sollen, um seine Anstellungschancen zu erhöhen. Weil man als Spezialwissenschaftler für sein Fachidiotentum heute beruflich nicht mehr bestraft, sondern eher belohnt wird, weil die ökonomische Verwertbarkeit chemischer Forschungsergebnisse wichtiger ist als die Analyse der philosophischen Fundamente, auf denen chemische, biologische oder physikalische Theorien in der Vergangenheit oft standen, empfinden viele Akademiker es auch nicht als Mißstand, einseitig gebildet zu sein. Weil Chemiegeschichte im Studienverlaufsplan eines Chemiestudenten heute keine Rolle mehr spielt, sagt der Notendurchschnitt eines Diplomchemikers überhaupt nichts darüber aus, wie gut seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Chemiegeschichte bzw. Chemiephilosophie sind. Ob jemand ein guter Chemiker, Biologe oder Physiker ist, wird oft von anderen Chemie-, Biologie- oder Physik-Experten beurteilt, deren philosophische, theologische und altphilologische ALlgemeinbildung als Prüfer genau so gering ist wie die des Geprüften.
     
  • Die Zahl der Naturwissenschaftler, die sich durch Berater- und Forschungsverträge mit der Privat-wirtschaft ein Zubrot verdienen und ihre Forschungseinrichtungen finanzieren, ist größer als die Zahl der Physiker und Chemiker, die mit den philosophischen Seminaren ihrer Universität Kontakt aufnehmen. Ich bin mir bewußt, daß die Industrie als Geldgeber für die Finanzierung universitärer Forschungs-vorhaben unverzichtbar ist, aber daß hätte nicht dazu führen dürfen, daß es "unrentable" Forschungs-zweige in der Chemie wie die Philosophie der Chemie, die keinen direkten Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland durch chemische Produktinnovationen liefert, eigentlich als universitä-res Fach nie gegeben hat. Ich möchte daher meine Kritik nicht als wirtschaftsfeindlich verstanden wissen., weil ich die finanzielle Untersstützung der Universitätsforschung durch die Industrie für unverzichtbar halte. Trotzdem halte ich den philosophischen Analphabetismus unter Chemikern, Physikern und Biologen für einen unterträgliche Zustand, denn wenn mir vor 12 Jahren, d.h. im Jahre 1986, jemand erzählt hätte, daß ich der erste bin, der sich mit der philosophischen Vergangenheitsbewältigung des Stöchiometriebegriffs beschäftigt, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Nachdem ich mir aber die Stellungnahmen berühmter Chemiker wie Berzelius, Liebig, Gay Lussac, Döberei-ner, Meinecke, Klaproth, Liebig, Wöhler, Kopp und Ostwald über den Stöchiometriebe-griff durchgelesen hatte, wurde mir klar, daß alle diese Chemiker zum positivistischen Meinungskartell des 19.Jahrhunderts zählten, das bis heute die Interpretation des nur scheinbar rein chemisch geprägten Stöchiometrie-begriffs bestimmt.  
  • Es ist ein Geburtsfehler des Chemieunterrichts an den Schulen und Universitäten gewesen, daß z.B. Friedrich Wöhler ab 1825 Chemieunterricht an einer Gewerbeschule erteilte, die (- wie der Name schon sagt-) aus ökonomischen Motiven den Schülern Chemiewissen vermittelte. Auch später, als zwischen 1890 und 1900 die Chemie aufgrund des politischen Drucks der chemischen Industrie Einzug an den humanistischen Gymnasien hielt, waren es ökonomische und nicht philosophische bzw. theologisch-metaphysische Interessen, die die Art und Weise bestimmten, in der Chemie (chemiedidaktisch) gelehrt wurde. Vor 100 Jahren setzten sich Industriedirektoren wie Adolf Bayer (heute BAYER Leverkusen) für den Chemieunterricht ein und nicht theologisch-metaphysisch gesinnte Bischöfe und Kardinäle. Die theologisch-metaphysischen FUndamente des Stöchiomet-riebegriffs werden aus diesem Grund seit 180 Jahren ignoriert, weil der Chemieunterricht seit ca.1825 (= Beginn der Lehrtätigkeit Wöhlers an einer Gewerbeschule) empirisch-positivistisch in der Vermittlung chemischen Wissens vorging.
     
  • Die schier unglaubliche Spezialistengläubigkeit ist der sechste Grund dafür, daß sich der Irrtum, Stöchiometrie sei ein rein chemischer Begriff, bis heute in deutschen, englischen, französischen, italienischen, spanischen, portugiesischen, niederländischen, belgischen, schwedischen, norwegi-schen, dänischen, finnischen, ungarischen, griechischen, polnischen, russischen (=kyrillischen)und jugoslawischen Lexika festgesetzt hat. Von den 250 chemiehistorischen Abhandlungen über den Stöchiometriebegriff, die ich bearbeitete und die zwischen 1795 und 1997 erschienen sind, habe ich nur zwei Publikationen (-also weniger als 1 %) gefunden, die sich mit den theologisch-metaphysischen Dissertationsthesen J.B. Richters auseinandergesetzt haben. Die meisten Chemie-historiker glaubten, sie könnten nichts falsch machen, wenn sie unreflektiert die Stöchiometrieinterpretationen berühmter Chemiker wie Liebig, Berzelius oder Gay Lussac übernehmen. Diese Forscher gelten als "Kirchenväter der Chemie", deren Ansichten über die Stöchiometrie ebenso kritiklos nachgebetet wurden, wie die Mönche im Mittelalter auf ihren Klosterschreibstuben die Aussagen der Bibel und der Kirchenväter für absolute Wahrheiten hielten.
     
     
  • Ich hoffe, daß meine Forschungsergebnisse zur philosophischen Vergangenheitsbewältigung des Stö-chiometriebegriffs gerade deswegen eine gewisse Breitenwirkung erzielen, weil sie

    1. einen inter-disziplinären (theologischen, metaphysischen, ethischen, chemischen, astronomi-schen, musikalischen, biologischen und physikalischen) Charakter haben

    2. einen inter-nationalen (englischen, französischen, italienischen, spanischen...) Charakter besitzen und

    3. eine inter-temporäre Dimension des Stöchiometriebegriffs offenbaren, der wegen seines "hohen Alters" von 206 Jahren (d.h. seit 1792) jeweils so interpretiert wurde, wie die philosophiege-schichtlichen Strömungen der jeweiligen Epochen dies erzwangen, d.h. in der idealistisch-romantischen Epoche (d.h. zwischen 1792 und 1802) interpretierte man Stöchiometrie theologisch-metaphysisch und in der positivistischen Ära ab 1802 empirisch und rein chemisch.

     

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen zur Beantwortung der anfangs gestellten Fragen, Herr Weische,
    und in gespannter Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich  
     
     

    MIT FREUNDLICHEN GRÜßEN
     
     
    CHRISTOPH POGGEMANN
     

    Salzbergen, den 18.März 2000