P A R I S

30.3-3.4.1994                                                                                                 Back      Index      Next

30.3.94
Auch dieser Kurzurlaub beginnt zu nachtschlafender Zeit, genauer gesagt 3.50 Uhr. Aber frische Morgenluft hat noch niemandem geschadet und so soll es los gehen, doch bevor es soweit ist, muß noch unser Gepäck im diesmal roten Auto der Marke Citroen AX verstaut werden, auch die eigens für Alex organisierten Disneyballons werden auf die Rückbank verbannt, bevor wir in die Sitze dieses Vehikels, das für die nächsten Tage unser Heim sein wird, gleiten können. Auf Richtung Grenze! 
Leider hat keiner der Fahrtgäste am Vorabend mitbekommen, wie das UEFA-Cup-Halbfinal-Hinspiel Salzburg gegen Karlsruhe entschieden wurde. Wie kann man das in Erfahrung bringen? Ganz einfach, wo wir uns befinden, sprechen noch alle deutsch und somit müssen wir nur noch jemanden finden, der zu dieser ungemütlichen Zeit auf ist und wenn möglich über den Endstand informiert ist. Kein Problem also, denn wir nähern uns mit Riesenschritten dem Grenzübergang bei Passau. Der nette Zöllner will uns zwar durchwinken, doch der hat nicht mit uns gerechnet. Wir bleiben stehen und fragen nach dem Spielergebnis. Zuerst wollte er uns verschaukeln mit 3:0 für Karlsruhe, doch dann hat er eingelenkt und uns mit einem 0:0 in den Fußballhimmel gehoben.
Die Fahrt durch unser westliches Nachbarland gestaltet sich nicht weiter schwierig, erst die Autobahngebühren in Frankreich machen uns wieder Probleme. Doch als wir die vertrauten Skulpturen am Straßenrand entdecken, fühlen wir uns schon wieder heimisch, diesmal versucht Alex diese Gebilde sogar in Farbe festzuhalten, was aufgrund meiner halsbrecherischen Geschwindigkeit beinahe ein Ding der Unmöglichkeit war, aber sie hat die ihr gestellte Aufgabe mit Bravour bestanden. Gegen 15 Uhr treffen wir bereits bei unserer bevorzugten Schlaftankstelle ein.
Nachdem es zum Schlafen noch zu früh ist, machen wir eine Erkundungstour durch das Hotelviertel rund um Eurodisney, wir schießen Fotos, werden dabei genauestens beobachtet und machen schließlich die Fliege.
Im Supermarkt erstehen wir noch das notwendige Wasser und etwas Gutes zum Osterfrühstück.
Zurück an der Tankstelle überfallen uns erste Zweifel, überall stehen Schilder mit Camping- und Caravanverboten, tja, was tun, wir müssen ja nicht sofort schlafen, obwohl unser Körper sehr wohl nach einer Mütze Schlaf verlangt hätte, doch aus Angst, eventuell aufgeweckt und der Tankstelle verwiesen zu werden, widmen wir uns der Erweiterung unseres Horizonts mittels einer Partie Trivial Pursuit.
Schließlich entschlummern wir doch, gut bewacht von den LKWs rund um uns. Das Wetter beginnt kühler zu werden!
 

31.3.94
Nach dem Aufwachen beschließen wir, zum Frühstücken auf die gegenüberliegende Tankstelle zu fahren. Nach Frühstück und Auto-Zusammenräumen geht es auf ins Eurodisney. Heute ist Donnerstag und somit halten sich die Wartezeiten an den diversen Attraktionen in Grenzen. Wir speisen Mitgebrachtes im Grenzbereich Frontier/ Adventureland und lesen beim Abendessen, daß wir eigentlich gar nichts zu essen hätten mitnehmen dürfen, aber Verbote sind da, um übertreten zu werden.
Das Phantom-Manor ist noch immer das Alte, aber heuer wird es vom "Professor" bewacht, er tut auch seine Pflicht, versucht uns zu erschrecken und sonstige Späße. Aber bei uns ist seine Mühe umsonst, wir als eingefleischte Disneybesucher kennen alle Tricks.
Auch sonst hat sich das Personal wieder gebessert, natürlich nur nach dem Aussehen gewertet.
Abends fallen wir todmüde in das mühsam errichtete Bett und versuchen uns warm zu halten. Es gelingt so halbwegs!

1.4.94
Erster April und das Wetter hält, was der alte Spruch verspricht. Der heutige Disneytag spielt sich hauptsächlich überdacht ab, denn die längeren Hagelschauer können im wahrsten Sinne des Wortes verletzend sein. Im Geisterhaus habe ich, laut Alex, die Gesichtskontrolle nicht bestanden. Ich halte das für eine reine Interpretationssache, aber es sei jedem selber überlassen, wie er darüber denkt.
Trotz der Regen- und Hagelschauer finden die "Good morning, Mainstreet"- und die Aladdin-Parade statt und tatsächlich schaut die Sonne hervor. Besonders hinterhältig ist es, weil nun auf beinahe allen Fotos ein blauer "Kitschhimmel" zu finden ist. Beweise dieser Beobachtung können jederzeit angefordert werden.
Diese Nacht wird kalt, kalt, kalt und kälter.

2.4.94
Wir beschließen, nicht länger in dieser unwirtlichen Stadt zu bleiben. Auf in Richtung Chartres in der Annahme, es gäbe dort ein Loireschloß. Eigentlich hätte uns ein intensiver Blick auf die Karte schon den Fehler in dieser Annahme klargemacht, doch soweit kam es nicht. Erst als wir durch die Straßen dieser Stadt irrten, immer auf der Suche nach einem Schild mit "Chateaux" kam uns der Gedanke, daß wir den Namen Cartres vielleicht in Zusammenhang mit der Kathedrale gelernt haben.
Nichts desto trotz entdecken wir in ungefähr 50 km Entfernung (wir sehen sehr gut) Chambord, von dem wir mit 100%iger Sicherheit wissen, daß sich dort eines der von uns gesuchten Örtlichkeiten gibt. Am späten Nachmittag treffen wir dort ein und besichtigen es im Einzugstempo, der Hunger treibt uns vorwärts, Treppen hinauf, Stiegen hinunter, von einem Zimmer ins nächste. Nachdem die Besichtigungstour hinter uns lag, kann uns nichts mehr halten und wir wollen essen. 
Nach dem Mahl geht es auf Richtung Osten, wir müssen uns nach dem Kompaß orientieren, denn wie immer fahren wir mit den modernsten Karten auf denen auch die kleinsten Kuhdörfer verzeichnet sind. Nur wurde die Größe eines Kuhdorfes, das in unserer Karte verzeichnet wird, noch nicht definiert.
Kurz vor der Schweizer Grenze übernahm ich wieder das Steuer und Alex machte es sich auf dem Beifahrersitz mit ihrem Schlafsack bequem, sie war leicht müde. Gegen 12 Uhr nachts fragt sie, wie es mir geht, worauf ich wahrheitsgemäß antwortete: "Gut, nur haben wir bereits die Jahreszeit gewechselt!" Mit einem Schlag war sie hellwach und klagte an, warum ich sie nicht geweckt hätte. Natürlich fotografierte sie auch dieses Naturschauspiel, meine Geschwindigkeit war diesmal kein Problem, denn es war nicht möglich, schneller als 40 km/h zu fahren.
Im Schneesturm passierten wir die Grenze und fuhren noch bis Bern. Dort ruhten wir uns ein paar Stunden aus.

3.4.94
"Frisch und munter" starteten wir am Ostersonntag, ohne Schweizer Franken in der Tasche, Richtung Zürich, wo wir am Flughafen (aufgrund meiner Empfehlung parkten wir im hintersten Parkhaus, was Alex mir noch heute übel nimmt) unsere begehrten Franken der Schweiz erhielten. Nach Auffüllung des Tanks hält uns nichts mehr und Winterthur bzw. St. Gallen rufen. Am Bodensee entlang geht es nach Österreich und wieder nach Deutschland, schließlich über Salzburg zurück ins Heimatland, wo wir gegen 16.30 Uhr in der Goethestraße eintrafen. Wer ist nicht zugegen? Meine Mutter! Doch irgendwann kommt auch sie und Alex verläßt mich wieder einmal.

Doch es sind sich hoffentlich alle, die bis hierher gelesen haben sicher, daß es nicht der letzte Urlaub der beiden Irren aus Austria war. Fortsetzung folgt!

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