| Spoiler: 'First Date' (R) Autor: Ariane Übersetzer: RavenX |
| Er kann nicht glauben, dass es so weh tut. Laut seufzend starrt er auf seine zerkratzen Stiefel und die abgewetzten Jeans. Er hätte nicht kommen sollen. Warum um alles in der Welt hat er sich freiwillig gemeldet, fragt er sich und hält dann plötzlich inne. Natürlich weiß er, warum er hier ist. Diesen Moment hat er gefürchtet seit sie ihm damals den Laufpass gegeben hatte. Es bringt mich um. Möglicherweise hat er sich schon seit diesem grauenvollen Tag auf diese Nacht hier vorbereitet. Sie waren keine Freunde mehr und würden niemals etwas anderes füreinander sein, als ein Mahnmal vergangener Sünden und Fehler. Er hatte ihr gesagt, dass es ihm egal wäre, dass er nicht länger von weißen Gartenzäunen träume. Oder von Liebe. Das Wort schwebte unausgesprochen zwischen ihnen als sie versuchten, sich nüchtern über Buffys Verabredung zu unterhalten. Auf wie viele Arten kann ein Mann sich selbst belügen? Wie viel Verständnis und Zurückhaltung kann von jemanden erwartet werden, der seine Hoffnungen von Tag zu Tag kleiner werden sieht? Unerträglich. Er hatte sich freiwillig gemeldet, um sie zu finden. Nicht wegen Xander, sondern weil er es mit eigenen Augen sehen wollte. Weil er der Wahrheit mit seinen eigenen Augen ins Gesicht sehen muss: es gibt nichts, absolut nichts, das er jetzt noch tun kann, um ihre Liebe zu gewinnen. Und da liegt diese Wahrheit im dämmrigen Licht des Restaurants, nett und adrett, direkt vor ihm ausgebreitet. Sie ist so schön heute Nacht. Sie hat ihr Haar wieder wachsen lassen und es glänzt und leuchtet, fließt über ihren Rücken. Fällt wie ein Wasserfall über ihren geschmeidigen, starken Rücken. Er gibt sich selbst einen Tritt. Heute Nacht ist die Nacht, in der du sie vergisst. Lass sie gehen. Lachen und Bruchstücke von Gesprächen schwappen aus dem Restaurant zu ihm und er erkennt ihre Stimme – hell, eifrig, ungezwungen. Sie ist glücklich, denkt er traurig. Er geht näher zu dem kleinen Fenster und beobachtet die Szene. Es tut weh. Und er weiß nicht, wo er hinlaufen könnte, um sich vor ihrem Glück zu verstecken. Sie hat ihn für immer verlassen, vergessen. Sie ist erleichtert, das merkt er, nicht mit ihm zusammensein zu müssen. Er war eine Last für sie, gesteht er sich selbst ein und sieht ihre Fürsorge als das, was sie war: ein grimmiges sich Kümmern, ungeduldig, aber zweckmäßig in seiner Unpersönlichkeit. Er ist ein Problem. Etwas, das behandelt, repariert und aussortiert gehört. Seine Seele - ein Geschenk, das sie nie wollte. Jetzt ist er für sie unsichtbar. Und weil er fühlt, dass nichts mehr wirklich wichtig ist, dass er nur der kleine Nachrichtenjunge ist, geht er einfach hinein und unterbricht die innige Szene zwischen der Jägerin und ihrem neuen Freund. Freund, denkt er voller Abscheu. Der Mann muss zehn Jahre älter sein als sie. Warum baggert der Typ nicht jemand seines Alters an? Und dann erinnert er sich, dass er selbst über hundert Jahre alt ist - was wäre er dann? Ein Narr. Einer der Kellner versucht, ihn am Betreten des vornehmen Lokals zu hindern, aber Spike stößt ihn zur Seite und geht geradewegs auf den Tisch zu, wo die Frau, die er liebt, von einem anderen Mann hofiert wird. Er nimmt den teuren Anzug des Direktors und dessen ganze elegante Gestalt wahr. Und am schmerzlichsten, die bestehende Vertrautheit und Wärme, nur allzu offensichtlich, als Wood sich vorbeugt und Buffy mit einem weiteren Leckerbissen füttert. “Ich glaube, das ist das Beste, was ich je im Mund hatte”, säuselt sie zu Wood. “Das kann ich kaum glauben”, antwortet er und lächelt über die Zweideutigkeit Spike räuspert sich. Während ihres koketten Wortwechsels haben sie gar nicht bemerkt, dass er vor ihnen steht. Er ist für sie unsichtbar. Wood senkt seine Stimme und fragt: “So, Miss Buffy Summers, was möchten Sie vom Leben haben?” Können sie ihn nicht sehen, wie er neben ihrem Tisch steht? Ist er ein Geist? “Hmm, noch mehr Süßes wäre toll. Oder vielleicht, vielleicht ...“ Ein verträumter Ausdruck erscheint in ihren Augen und eine kleine Grimasse fliegt über ihr Gesicht. Spike macht einen schnellen Schritt zurück und Buffy dreht ihren Kopf bei dieser plötzlichen Bewegung. “Spike.” Sie klingt irritiert. „Was willst du?“ Nichts. Ich will nichts. Nicht mehr. Nie wieder. “Nichts”, sagt er heiser. „Äh ... Buffy, du solltest du zuhause anrufen.“ Er dreht sich auf dem Absatz um und hastet aus dem Restaurant in die dunkle Gasse. Zur Hölle mit Xander. Die Scobbies sollen ihre Sauerei gefälligst selbst beseitigen. Die Dunkelheit beruhigt ihn. Er will das Spiel nicht mehr mitspielen. Müde. Er bleibt an der Straßenecke stehen und kickt eine verbeulte Bierdose in den Kanal. Sie schlittert über die Straße und prallt einige Male mit einem hohlen, metallenen Echo vom Randstein ab. Glockenläuten, denkt er. Jemand stirbt. Jemand wird den nächsten Sonnenaufgang nicht erleben. Es tut weh. * * * * * Es dauerte ein paar Tage, ehe sie begriff, dass Spike nicht zurückkommen würde. Robin war bei den Zukünftigen eine wirkliche Hilfe gewesen und es war eine große Erleichterung, wieder einen richtigen Mann in ihrem Leben zu haben. Sie rief sich die Momente ihrer Verwirrung ins Gedächtnis als Spike mit seiner Seele zu ihr zurückgekommen war. Sein trauriges Zuschaustellen von Mut und Elend in der Kapelle. Die ganze an sie verschwendete Energie und Mühe. Was zur Hölle hatte er geglaubt, dass er da tat? Wollte ihr Mann sein. Liebte sie. Dachte, sie könnte ihn wiederlieben. Der Gedanke schoss ihr durch den Kopf, dass er vielleicht nicht mehr „dachte“. Dass er vielleicht nicht mehr „war“. Fort. Mehr als fort. Staub. Aus einem seltsamen Grund, den sie nicht verstand, wurde die Idee, herauszufinden was aus ihm geworden war, zu einer Art Besessenheit. Ausradiert vom Angesicht der Erde. Verschwunden. Unsichtbar. * * * * * Ihre Besessenheit überdauerte die sieben Jahre, die dem glorreichen Sieg über das Erste Böse und dem abschließenden Versiegeln des Höllenschlundes folgten. Sie hielt exakt bis eine Woche vor ihrer Hochzeit mit Robin Wood an. Dann sagte Buffy sich, dass sie damit aufhören müsse. Was sollte es jetzt noch bringen? Eines Nachts nahm sie den Haufen Papier voller falscher Spuren und ungültiger Telephonnummern, zusätzlich noch den Stapel Notizbücher, die sie tief in ihrem Kasten versteckt hatte und verbrannte alles. Es war doch jetzt wirklich egal, oder? Immerhin ist er gegangen, dachte sie während sie den Haufen Asche anstarrte, gegangen ohne ein Wort. Nach allem, was sie für ihn getan hatte. Undankbarer, blöder, starsinniger Vampir. Völlige Zeitverschwendung. All diese Jahre. Der Tag ihrer Hochzeit war sonnig und heiß. Die Quecksilbersäule näherte sich der 40 Grad Marke. Als sie durch den Mittelgang auf den Altar und ihren ungeduldig wartenden Bräutigam zuschritt, fühlte sie sich plötzlich schwach und stolperte. Jemand streckte die Hand aus, um sie aufzufangen als sie fiel. Eine seltsam vertraute Hand. Eine starke Hand, lindernd und kühl in der brennenden Hitze. Sie starrte in dunkelblaue Augen. Seine Augen. * * * * * Später, in einem kleinem Motelzimmer, mehrere hundert Meilen von Sunnydale entfernt, stöhnt sie - nackt und ausgelaugt - vor Vergnügen als er kaltes Eis auf ihren Nacken presst. Sie rollt sich an seiner Brust zusammen und sieht ihn an, studiert sein Gesicht. Erinnert sich an jede Line, an die Konturen seiner Wangen, den Schwung seiner Brauen. Und seine Augen. Träge in der Hitze und voller Glück. Atemberaubend. Starrsinniger, zärtlicher, unbeschreiblich schöner Vampir. Er wusste immer, was sie wollte. Immer. Und jetzt hat sie eine Ewigkeit lang Zeit, ihm das zu geben, was er wirklich verdient. ~fin~ RavenX Buffy Fanction Archiv dark dreams |