Lebenslauf Salvador Allendes

1908 Am 26. Juni wird Salvador Allende Gossens in Valparaiso geboren. Sohn des Rechtsanwalts Salvador Allende Castro und Laura Gossens Uribe.

1910 Die Familie zieht in den Norden Chiles. Salvador verbringt seine Kindheit in Tacna, Iquique und Valdivia.

1921 Rückkehr nach Valparaiso. Aus diesem Jahr stammt seine Wahrnehmung der sozialen Ungleichheit. Er freundet sich mit einem anarchistischen Schuhmacher an, der ihm Bücher leiht.

1922 Gründung der Kommunistischen Partei Chiles (PC), angeführt von Luis Emilio Recabarren

1925 Salvador Allende beginnt mit dem Studium der Medizin an der Universidad de Chile in Santiago

1926-1931 Während des Studiums beteiligt er sich an Protesten gegen die Diktatur von Oberst Carlos Ibanez del Campo. Er wird zum stellvertretenden Präsidenten der Föderation chilenischer Studenten (FECH) gewählt, 1929 tritt er der Freimaurerloge und der Gruppe "Avance" bei.

1932 Ein Aufstand von Zivilisten und Militärs, angeführt von Marmaduque Grove, ruft die Sozialistische Republik aus. Nach der Niederschlagung der Bewegung wird Allende inhaftiert.

1933-1935 1933 wird die Sozialistische Partei Chiles (PS)gegründet, und Allende wird Parteisekretär der Region Valparaiso. 1935 wird er wegen Opposition gegen die Regierung von Arturo Alessandri in ein Dorf im Norden verbannt.

1936 Wie in Spanien und Frankreich wird auch in Chile eine Volksfront von Kommunisten und Sozialisten gegründet. 1937 wird Allende zum Abgeordneten der PS gewählt; seine lange parlamentarische Laufbahn beginnt.

1938-1940 Mit der Unterstützung der Volksfront erreicht Pedro Aguirre Cerda von der Radikalen Partei die Präsidentschaft. Allende wird Gesundheitsminister. 1940 heiratet er Hortensia Bussi

1943-1945 1943 wird er zum Generalsekretär der PS gewählt und zwei Jahre später zum Senator. Er bringt eine Reihe von Gesetzesänderungen im Gesundheits- und sozialen Versicherungswesen ein. Er beteiligt sich an einer antifaschistischen Bewegung, die den Bruch mit der Rom-Tokio-Berlin Achse fordert.

1951-1952 Teile der Sozialisten unterstützen die Kandidatur von General Ibañez. Die PS spaltet sich und eine Fraktion angeführt von Allende schließt sich mit der PC in der Volksfront (Frente del Pueblo) zusammen und stellt ihn als Präsidentschaftskandidaten auf. Allende bekommt nur 52000 Stimmen. In diesem Jahr wird er erneut zum Senator gewählt.

1953 PS und PC gründen gemeinsam die CUT.

1954 Allende besucht zum ersten Mal die Sowjetunion und die Volksrepublik China. Er ist stellvertretender Senatspräsident.

1957-58 Wiedervereinigung der Sozialistischen Partei und Gründung der FRAP ( Frente de Accion Popular - Volksfront), in der sich PS, PC und andere linke Gruppierungen zusammengeschlossen haben. Als Präsidentschaftskandidat der FRAP erhält er 28% der Stimmen und muß sich nur knapp dem konservativen Jorge Alessandri geschlagen geben.

1959 Kurz nach dem Sieg der Revolution besucht er Kuba, wo er Fidel Castro und Che Guevara kennenlernt.

1964 Er wird nochmals als Präsidentschaftkandidat aufgestellt und vereint 39% der Stimmen auf sich. Aus Angst vor einem Sieg der Linken unterstützt die Rechte die Kandidatur von Eduardo Frei Montalba, der mit 56% der Stimmen gewählt wird.

1966 Wahl zum Senatspräsidenten.

1967 Allende ist aktiv and der Gründung der OLAS (lateinamerikanische Solidaritätsorganisation) beteiligt. In Bolivien wird Che Guevara erschossen. Auf dem Parteitag in Chillan radikalisiert die PS ihr politisches Programm.

1968 Allende stellt die Überlebenden aus der Guerilla von Che Guevara unter seinen persönlichen Schutz. Die Rechte fordert seinen Rücktritt als Senatspräsident und die Aufhebung seiner Immunität. Er verurteilt den sowjetischen Einmarsch in Prag.

1969 Die Unidad Popular wird als Zusammenschluß von Sozialisten, Kommunisten, Radikalen und Sozialdemokraten gegründet. Allende wird erneut zum Senator gewählt.

1970 September: Am 4. Sept. erzielt Salvator Allende als Kandidat der UP die relative Mehrheit (36,3%) bei den Präsidentschaftswahlen.

Oktober: Nachdem er ein Statut über Verfassungsgarantien, vorgeschlagen von den Christdemokraten, unterzeichnet hat, wird er am 26. als gewählter Präsident durch den Kongreß bestätigt. In der Zeit zwischen Wahl und der Ratifizierung wurden mehrere Versuche unternommen, die Machtübernahme der Linken zu verhindern. Ein Mordanschlag wird auf Allende verübt, und während des durch die CIA angestifteten Versuchs, General René Schneider zu entführen, wird dieser erschossen.

November: Am 4. wird Allende zum Präsidenten der Republik erklärt, und das Regierungsprogramm der UP wird in Angriff genommen.
Diplomatische Beziehungen zu Kuba und anderen sozialistischen Ländern werden aufgenommen.

Dezember: Die UP und die CUT unterzeichnen ein Abkommen, das "die Beteiligung der Arbeiter" in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens festschreibt. Im wirtschaftlichen Bereich wird ein Umverteilungsplan ausgearbeitet.

1971 Januar-Februar: Aufgrund des großen Drucks der Bauern, besonders in Temuco und Cautin wird die Agrarreform schneller vorangetrieben: Allende verlegt das Agrarministerium in dieses Gebiet. Als Teil der "vierzig Maßnahmen" wird mit der Verstaatlichung der Banken und Unternehmen sowie der Verteilung eines halben Liters Milchs pro Tag und Kind begonnen.

März: Die ersten Konflikte mit der Judikative treten auf. Die Unterstützung der Christdemokraten für die Veränderungsmaßnahmen kann nicht erzielt werden.

April: In den Kommunalwahlen erzielt die UP fast 51% der Stimmen.

Mai: Am 21. hält Allende seine erste Rede vor dem Kongress. "Der chilenische Weg zum Sozialismus".

Juni: Am 8. wird der christdemokratische Ex-Minister Edmundo Pérez Zújovic von einer Gruppe Linksextremisten getötet. Obwohl die Regierung eine schnelle Untersuchung einleitet und die Verantwortlichen festnimmt, unterbricht die Tat die Annäherungen zwischen UP und DC.

Juli: Am 15. stimmt der Kongreß einstimmig der Verstaatlichung der Kupferminen zu.

Oktober. Allende bringt einen Gestzesentwurf über "Wirtschaftskreise und Beteiligung der Arbeiter" ein, der die Schaffung dreier verschiedener Besitzerkreise vorsieht: den sozialen, den gemischten und den privaten. Das Parlament stimmt dem Entwurf nicht zu und bringt den "Hamilton-Fuentealba-Entwuf" ein, der später verabschiedet wird. Die Diskussion über den sozialen Besitzkreis wird das unversöhnliche Auseinanderlaufen zwischen UP und DC bestimmen.

November: Fidel Castro trifft zum offiziellen Staatsbesuch in Chile ein und bleibt 3 Monate.

Dezember: Am 1. findet die Demonstration der "leeren Töpfe" der Opposition statt und endet mit gewaltätigen Auseinandersetzungen. Später wird gegen den Innenminister José Tohá eine Anklage wegen Verfassungsbruch erhoben. Diese ist die erste einer Reihe von Machteinschränkungen der Exekutive durch das Parlament.

1972 Februar: Erste Anzeichen der Wirtschaftskrise. Allende trifft sich mit den Vorsitzenden der UP und Technikern der Regierung, um über Veränderungen der Wirtschaftspolitik nachzudenken.

März: Ein nordamerikanischer Journalist bezichtigt ITT und die CIA der Konspiration gegen die Amtsübernahme Allendes 1970.

Juni: Angesichts der wachsenden Krise und der Arbeitskonflikte trifft sich die UP. Der radikalere Flügel der Regierung ist für die strikte Umsetzung des Programms, Allende und die KP sind für eine moderatere Linie, die einen Dialog mit der DC möglich machen soll.

Juli: Die MIR schlägt in Concepción die Gründung einer "Volksversammlung" vor, der sich MAPU und PS anschließen. Die PC spricht sich dagegen aus. Allende verurteilt die Spaltungstendenzen innerhalb der UP.

August: In diesem und dem darauffolgenden Monat ereignen sich Streiks der Einzelhändler, der Transportunternehmer und Aktionen der rechten Gruppe Patria y Libertad, die mit parlamentarischen Klagen einhergehen. Allende gibt bekannt, daß er, wenn nötig, die chilenische Revolution mit Gewalt verteidigen würde.

September: Die UP deckt den Plan "September" auf, der das ganze Land in den Bürgerkrieg treiben soll, und ruft zur Gründung von Komitees gegen Faschismus und die Verschwörung auf. Der von Rechten bezahlte Streik der Lastwagenfahrer beginnt.

Oktober: Attentate und Sabotageakte der Patria y Libertad. Die Regierung ruft den Notstand aus. Die sogenannten Industriegürtel und Kommunalen Koordinationskommitees werden gegründet, um die Auswirkungen des Streiks zu lindern und die Regierung zu unterstützen. Viele Fabriken werden besetzt und in den sozialen Besitzkreis integriert.
Eine Schiffsladung Kupfer wird durch die Gesellschaft Kennekott im französischen Le Havre beschlagnahmt. Aus Solidarität mit Chile, weigern sich die französischen Hafenarbeiter die Ladung zu löschen, ein französisches Gericht hebt die Beschlagnahmung auf.

November: Durch den Einzug des Militärs ins Kabinett wird die Krise behoben. General Prats wird Innenminister. Die höchsten Vertreter der CUT sind ebenfalls im Kabinett.

Dezember: Allende begibt sich auf Reisen (Peru, Mexico, Algerien, UDSSR, Kuba und Venezuela). Er klagt vor der UNO die Agressionen der internationalen Monopole gegen Chile an.

1973 Januar: Neue Kupferbeschlagnahmungen durch die Kennekott in Hamburg.

März: Am 4. erzielt die UP 43,4 % der Stimmen bei den Parlamentswahlen und beendet somit die Möglichkeit der Amtsenthebung durch die Opposition. Trotzdem gelingt es Allende nicht, die Parteien auf eine Linie zu bringen.

Mai: In seiner dritten Rede vor dem Kongreß warnt Allende vor den Gefahren, die die Demokratie und den Frieden bedrohen. Er bittet die Spannungen zu beheben, die das Land erschüttern.

Juni: Am 29. erhebt sich ein Panzerregiment unter dem Kommando des Oberst Souper, Generalprobe für den Putsch am 11. September.
Die CUT sowie die Industriegürtel stehen zur Regierung.
Die Streitkräfte wenden in Siedlungen, Fabriken und Volksorganisationen das Gesetz über die Waffenkontrolle an, das im Oktober 1972 mit den Stimmen der Opposition verabschiedet worden ist. Die Blockade durch das Parlament ist total und macht die Regierung arbeitsunfähig. In den USA überreicht Senator Church den Bericht über die destabilisierenden Aktivitäten von ITT und CIA.

Juli: Mit der Vermittlung Kardinal Silva Henriquez versucht Allende den Dialog mit der DC, was jedoch scheitert.
Terroristische Aktionen der Patria y Libertad nehmen zu. Am 27. wird Arturo Araya, loyaler Marineadjudant des Präsidenten ermordet.

August: Die Lastwagenfahrer nehmen ihren Streik wieder auf.
Am 22. erklärt die Abgeordnetenkammer den Rechtsstaat für gebrochen und die Regierung für illegitim.
Am 23. tritt General Prats als Oberbefehlshaber der Streitkräfte zurück, Augusto Pinochet nimmt seinen Platz ein.
Allende ernennt am 28. ein neues Kabinett "der nationalen Rettung", was von den Sozialisten kritisiert wird.

September: Die Organisation der Arbeitgeber ruft zur landesweiten Offensive gegen die Regierung auf.
Am 4., dem dritten Jahrestag der UP finden Demonstrationen im ganzen Land statt. In Santiago bekunden hunderttausende ihre Unterstützung Allendes.
Am 9. deckt Altamirano die Putschpläne auf. Allende beordert am 10. alle Minister zu einem außerordentlichen Treffen. Aufgrund der nicht mehr handhabbaren Krise will er zu einem Plebiszit aufgerufen, und teilt dies den Militärs mit. Auf deren Bitte verschiebt er die öffentliche Bekanntmachung auf den 12. In der Nacht wird er über Truppenbewegungen informiert, die von den hohen Militärs abgestritten werden. Die letzten Treffen mit Vorsitzenden, Beratern und Freunden finden in der Nacht vom 10. auf den 11. in seinem Haus in Tomas Moro statt.
Um 7:40 Uhr des 11. Septembers begibt sich Allende in den Regierungspalast. Zur Mittagszeit beginnt die Bombadierung der Moneda. Allende bleibt mit seinen Wachen und vertrautesten Mitstreitern und kämpft. In den Arbeiterbezirken warten viele vergeblich auf ein Zeichen zur bewaffneten Verteidigung. Zwar sind Waffenlager vorhanden, doch gibt es keinen Plan zum Widerstand.
Als die ersten Truppen die Moneda stürmen, ergibt sich Allende nicht. Er nimmt sich, je nach Sichtweise, das Leben oder wird von den Angreifern ermordet.

1973-1974 Die Militärjunta übernimmt das Kommando über das Land sowie die parlamentarische und die verfassungsgebende Macht.
Versuche des bewaffneten Widerstands werden niedergeschlagen. Während der ersten Tage des Militärregimes durchlaufen Tausende von Menschen Gefangenenlager wie das Nationalstadion. Die MIR und die Sozialistische Partei stehen im Mittelpunkt der Repression. 2500 Personen verschwinden. Hinzu kommen die von der Militärregierung zugegebenen zahlreichen Toten aufgrund der Anwendung des internen Kriegszustandes.
Im September werden in Buenos Aires General Prats und seine Ehefrau auf Anordnung der DINA unter dem Kommando von Oberst Contreras ermordet.
Im Dezember ernennt sich Pinochet selbst zum Präsidenten der Nation.
Etwa 150 000 Chilenen müssen aus politischen Gründen das Land verlassen.

aus: Salvador Allende - Das Ende einer Ära, Fernando Diego Garcia, Oscar Sola (Hg.) mit einem Vorwort von Isabel Allende, Aufbau Verlag Berlin, 1998 (auf dem Umweg über eine andere Seite, die scheinbar leider nicht mehr existiert)

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