by Erich Kassing  

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918

Verdun > Artillerie > Schwere Geschütze > Deutsches 38-cm-Bettungsgeschütz im Bois de Warphemont

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
ARTILLERIE 
SCHWERE GESCHÜTZE
DEUTSCHES 38-CM-BETTUNGSGESCHÜTZ IM BOIS DE WARPHEMONT

Das schwerste deutsche 38-cm-Eisenbahngeschütz im Bois de Warphemont ("Langer Max") war gegenüber den älteren Geschützen im Bois de Watlemont (auch Bois de Muzerey) und an der Sorel-Ferme besser ausgestattet. Es bestand aus drei Hauptteilen: Bettung, Drehscheibe, Gerüst mit Rohr. Nach Fertigstellung der Bettung, einem Betonfundament, wurde innerhalb von drei bis sechs Wochen das Geschütz auf dem Schienenweg zur Bettung transportiert, eingefahren, mit Winden hochgezogen, die Fahrgestelle ausgefahren, das Geschütz auf den Drehkranz abgesenkt und schließlich verschraubt.

38-cm-Bettungsschiffsgeschütz Langer Max auf Eisenbahnbettungslafette, 1917

Der Gebrauch einer halbkreisartigen, betonierten Verschalung im Bois de Warphemont verbesserte die Erweiterung des Schußfeldes des Geschützes auf 144 Grad. Eine Rotation von 360 Grad und damit eine Reichweite von 45 km wurde gegenüber den beiden anderen 38-cm-Geschützstellungen (Bois de Warlemont und Sorel-Ferme) möglich!

Die ersten behelfsmäßigen Schießunterlagen, Betonbettungsgerüste, erforderten längere Bauarbeiten. Die am auf wendigsten hergestellte Bettungsgrube für die Schnellladekanone S.K.L./45 im Bois de Warphemont hatte einen Durchmesser von 20 m und eine Tiefe von 4 m. Diese Grubenmaße waren notwendig, damit die zerlegbare Eisenbettung, die mittels Hilfskran zusammengebaut wurde, in ihr montiert werden konnte.

Die zur Anvisierung des Zieles notwendige Verschiebung des Geschützes wurde mittels leistungsfähiger Höhenrichtungsmaschinen, Schwenkwerke mit Handkurbeln und Triebwerken vorgenommen. Mit Hilfe der Drehscheibe konnte das Geschütz 360 Grad Seiteneinrichtung einnehmen. Die elektrische Energie für die Höhenrichtanlage bezog man aus einem von einem Benzinmotor angetriebenen Generator, der auf einem Güterwagen stand.

Zur Stellung gehörten außerdem betonierte Beobachtungs- und Munitionsräume. Ein Holzgerüst mit einem überspannten Tarnnetz schützte1000 kg schweres 38-cm-Geschoß, 2001 die Bettungsgeschütze vor Feindeinsicht durch Aufklärungsflugzeuge. Auf Grund der langen Bettungsbauarbeiten war ein Überraschungsangriff allerdings unmöglich. Das Bedienungspersonal der drei 38-cm-Geschütze, die auch vom Gleis feuern konnten, bestand vorerst aus Soldaten der Marine-Artillerie: des Fußart. Batl. 5000 unter der Leitung des Korvettenkapitäns Schulte.

Zuerst wurden die über 1.000 kg schweren Geschosse für das Geschütz auf einem Schmalspurwagen herangefahren. Dann transportierte man auf einer Ladeplattform die Wagen nach oben. Deren schwere Ladung legte man auf einen Geschoßwagen, der die Munition zum Verschluß brachte. Anschließend schoben zwölf Soldaten des Bedienungspersonals das Geschoß mit ihren Händen in den Verschluß.

Das im Bois de Warphemont, westlich von Duzey, gelegene 38-cm-Geschütz, das in einer der aufwendigsten Betonbettungen stand, beschoß während seiner Einsatzzeit Verdun und zerstörte die Stadt größtenteils. Der Beschuß des Forts de Moulainville führte zum Ausfall der 150-mm-Zwillingskanone der Festung. Die im Februar 1915 vor Verdun verwendeten und speziell entwickelten Schrapnells konnten mit grosser physischer und moralischer Wirkung gegen die in den Schluchten und Seitentälern versammelten französischen Truppen eingesetzt werden.

Sämtliche Geschützstellungen waren untereinander mit Zufahrtsgleisen und Munitionsdepots verbunden: Von Longuyon zog sich das Gleis über die Handeville-Ferme zur 38-cm-Geschützstellung im Bois de Warphemont und nach Duzey. Von Duzey nach Süden mit der Weiche nach Spincourt und dem Munitionsdepot nördlich von Muzerey nach Billy.

Bahnhof von Billy, 1916

Von Billy durch den Bois de Hingry zur Sorel-Ferme mit einer Abzweigung nördlich an Loison vorbei nach Spincourt mit der Weiche zur Stellung im Bois de Watlemont.

Am 28. März 1916 besichtigte Kaiser Wilhelm zwei im Wald von Consenvoy aufgebaute 38-cm-Eisenbahngeschütze. Jedes Geschütz hatte bis Ende März über 200 Schuß abgegeben. Allerdings hatten die Kanonen zehn Prozent ihrer Reichweite eingebüßt. Die Tiefenstreuung lag schon bei 1.400 m! Der durch den Schuß erzeugte Feuerausstoß von 15 m und die auf 10 km zu hörende Explosion machten aus dem Geschütz ein leicht Teilansicht der betonierten Kesselbettung, 2003auszumachendes Objekt für die französische Fliegeraufklärung. Um vom eigentlichen getarnten Geschütz abzulenken, erzeugte man mit sog. Attrappen eine ähnliche Lärm- und Rauchentwicklung. 

Während der Schlacht wurden die 38-cm-Geschütze eher schwerpunkt- mäßig eingesetzt: z.B. Beschuß der Forts de Douaumont und de Vaux, am 20. Mai 1916 der Doppelhöhe Toter Mann am westlichen Maasufer usw. Noch während des Krieges baute man im Januar 1917 das Geschütz im Bois de Warphemont wieder ab. Ende September 1917 folgte das Marine-Geschütz an der Sorel-Ferme und im Juli 1918 die Kanone im Bois de Watlemont.Zufahrt zu einem der beiden Munitionstransporttunnel mit Feldbahn, 2003

Heute sieht man, wenn die halbrunde Bettungsgrube nicht unter Wasser steht, Teile des Bewegungsapparates und den betonierten Feuerleitstand. Die fest eingebauten Eisenteile sind in gutem Zustand.

Außerdem existieren noch zwei gut erhaltene betonierte Munitionsräume. Auch die Trasse der Feldbahn für die Geschützmontage ist deutlich erkennbar. Nördlich der betonierten  Bettung befindet sich noch eine weitere Ausschachtung, Reste von Holzbohlen und zu Stein gewordene Zementsäcke: Zeugen einer geplanten weiteren Geschützstellung.

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Quellen und Literatur:

  • Fischer, Kurt/Klink, Stephan: Spurensuche bei Verdun, Bonn 2000. 

  • Kaiser, Franz Nikola: Das Ehrenbuch der schweren deutschen Artillerie, 2 Bde., Berlin 1934. 

  • Kosar, Franz: Eisenbahngeschütze der Welt, Stuttgart 1999. 

  • Spilker, Rolf/Ulrich, Bernd: Der Tod als Maschinist. Der industrialisierte Krieg 1914-1918, Osnabrück 1998.

Abbildungen: Erich Kassing.

weiter mit Artillerie

Deutsches 38-cm-Bettungsgeschütz im Bois de Watlemont

Nach der französischen Entdeckung des Geschützstellungs- baues nahe der Sorel-Ferme sahen sich die Deutschen gezwungen, eine neue Geschützbettung im Bois de Watlemont zu bauen, nur vier Kilometer weiter nordöstlich von Loison, außerhalb der Reichweite der französischen Artillerie. Dieser Bettungsbau konnte vollendet werden. 

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