zurück


Wie fing es bei mir an?

Schon lange habe ich mit einer Nervenerkrankung zu tun. Und wie das bei solchen Erkrankungen fast üblich ist, es wird gewöhnlich schlechter und es kommen immer mehr "Wehwehchen" hinzu. So war es auch bei mir. Ich verspürte urplötzlich Harndrang und wenn ich dann keine Toilette in der Nähe fand, war's das auch schon. Das ist mir ein paarmal passiert, dann habe ich es meinem Neurologen gesagt. Fürs erste - um mir die Angst zu nehmen, in die Öffentlichkeit zu gehen - verordnete er mir Vorlagen (Wegwerfwindeln). Das war natürlich ein Schlag: Von einem Tag zum anderen in das Babydasein zurückversetzt !!
Zu Anfang kam ich damit nur sehr schwer zurecht. Nach geraumer Zeit hatte ich mich damit abgefunden, zumal auch eine medikamentöse Behandlung keinen Erfolg brachte. Das ist nun gut 5 Jahre her. Heute fühle ich mich mit meiner Windelpackung sicher und noch etwas mehr.

Doch der Reihe nach

Erst habe ich versucht, die Vorlagen möglichst trocken zu halten. Am Anfang war das auch noch ganz gut möglich, da ich noch einigermaßen Kontrolle über den Blasenschließmuskel hatte. Doch zunehmend wurde es schlechter damit und so "laufe", ich jetzt aus, ohne es beeinflussen zu können. Wenn ich erst feuchte Windeln als sehr unangenehm empfunden habe, so fühle ich mich heute darin richtig wohl. Worin dieser Wandel begründet ist, kann ich nicht sagen - ich weiß es nicht. Es ist sogar so, daß ich, z.B. nach dem Duschen die bereits getragenen Vorlagen wieder anlege, wenn sie noch aufnahmefähig sind. Dann genieße ich die Feuchte und Schwere richtig!
Mit den zu den Vorlagen gehörenden Netzhöschen zum Fixieren der Vorlage kam ich nicht klar und verwende seitdem Windelhosen aus PVC, eigentlich zur Sicherheit, einmal wegen der Geruchsbelästigung und zum anderen als Auslaufschutz.
Inzwischen habe ich einen neuen Job, wo es in unmittelbarer Nähe keine Toilette gibt, ich also direkt auf meine Verpackung angewiesen bin. Da dann eine Vorlage nicht ausreicht, nehme ich mehrere, die ich nach einem bestimmten Schema anlege. Das sieht dann wie folgt aus:
1. Vorlage normal, 2. und 3. Vorlage längs gefaltet im Schritt (so >< angeordnet, Schutzfolie innen) und die 4. quer gefaltet am Po (Falte am Schritt). Darüber dann 2-3 Windelhosen und zum Abschluß eine Miederhose. Manchmal nehme ich anstatt der Miederhose auch ein Hosenkorselett bzw. Body, allerdings im Schritt zugenäht, so daß ich das Ganze nicht ohne weiteres ausziehen kann. Das Hosenkorselett hat gegenüber der Miederhose den Vorteil, daß es eine volle Windelpackung besser hält. Diese Vorlagen in unterschiedlichen Größen kombiniert nehmen über einen Zeitraum von 12 - 24 Std. bei normalen Trinkverhalten den Urin auf ohne überzulaufen. Ich verwende Moliform "normal" und "plus" von der Firma Hartmann und habe damit eigentlich gute Erfahrungen gemacht. Mit Moliform normal trägt das Windelpaket mit Miederhose unter einer etwas weiteren Jeans oder anderen Hose auch noch nicht zu sehr auf. Da mein Bekanntenkreis von meiner Inkontinenz und dem damit verbundenen Windeln Bescheid weiß, habe ich mal nach der Auffälligkeit meiner Verpackung gefragt. Die Antwort: Wenn man es nicht weiß, fällt es bei entsprechender (loser) Bekleidung nicht direkt auf. Daß ich manchmal selbst das Gefühl habe, daß es mancher, wenn er mich genau betrachtet, erraten könnte, läßt mich kalt. Vielleicht liegt das jetzt auch daran, daß ich mein Windelpaket als ganz normal betrachte, um am öffentlichen Leben teilnehmen zu können.
Ja, ich hätte nie gedacht, daß mir das eigentliche "Handikap" noch mal so angenehm erscheinen wird, vor allem auch das Tragen von Windelhosen. Hier tritt etwas zu Tage, was in meiner Kindheit vielleicht das sogenannte Schlüsselerlebnis war, bis jetzt aber keine Rolle, auch in meiner, leider durch den Tod meiner Frau zu früh zu Ende gegangenen Ehe nicht, gespielt hat. Ich kann mich erinnern , daß ich als Kind bei den üblichen "Doktorspielen" gern die damals (50iger Jahre) üblichen Regenmäntel und Schürzen aus Igelit auf der nackten Haut getragen habe. Ich weiß noch, einmal hatte ich meinen blauen Igelit-Regenmantel im Bett an und meine Mutter kam hinzu. Das gab vielleicht ein Donnerwetter. Diese Erlebnisse haben evtl. dazu beigetragen, daß ich das Tragen von Windelhosen - Gummi oder Plastik auf der Haut- leichter verkraftet habe, nun sogar als angenehm empfinde. Das anfängliche starke Schwitzen ist zurückgegangen, bzw. stört auch nicht mehr so sehr. Andere als meine Gummi- und Plastikslip trage ich und besitze ich auch nicht mehr. Inzwischen habe ich auch einiges an Gummi- und Plastikwäsche erstanden bzw. selbst angefertigt, wie z.B. Unterhemden und lange Unterhosen und fühle mich sehr wohl in diesen Kleidungsstücken.
Zwei Dinge noch am Rande. Damit mein Glied in der Windelpackung nicht steif werden kann, habe ich mir aus einem Stück Gummischlauch und einem halben kleinen Gummiball ein "Gefängnis für Ihn" angefertigt, in welches ich Hoden und Penis stecke. Er wird zwar durch die Bewegung und Reibung gereizt, aber erigieren kann er nicht. Ein irres Gefühl! Meinen Darm versuche ich täglich beim Windelwechsel zu entleeren. Den Urin vertrage ich längere Zeit auf der Haut, aber Kot nicht. Anschließend kommt meistens ein Analstöpsel in den After, der diesen absolut dicht verschließt. Auch hier habe ich zur Selbsthilfe gegriffen und mir passende Stöpsel mit dem entsprechendem Durchmesser und Länge hergestellt, die nach dem Einführen nur sehr schwer wieder herausrutschen.
Es gäbe sicher noch eine ganze Menge zu berichten, doch das möchte ich mir für einen späteren Zeitpunkt aufheben. Interessiert wäre ich natürlich an Kontakten zu anderen Windelträgern. Sehr gern auch mit solchen, die die gleichen Probleme (Inkontinenz) haben und dabei gern auch mit weiblichen. Es ist eigentlich verwunderlich, daß sich so wenig Frauen melden, denn laut Statistik sind 2/3 der mit Inkontinenz behafteten Menschen Frauen!


zurück