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Die Geschichte vom schwarzen Badeanzug

Ich bin ein alter schwarzer Badeanzug aus Lycra mit geradem Beinschnitt und gesteiftem Büstenteil. In meiner Mitte habe ich geraffte Schrägfalten - angeblich macht das die Trägerin schlanker. Ich finde, ich bin ein elegantes Teil. Ich habe schwarz immer elegant gefunden; es hat was. Was von Hollywood und Marilyn, so etwas Süßes, Blondes, aber auch was von Marlene, dem Vamp, auch blond, aber herb und kühl, rauchige Hinterzimmer, Bars, Sie wissen schon, was ich meine. Knappe Teile in Umgebungen, in denen man eher angezogen sein sollte. Ich bin so geschnitten, daß ich auch üppiges Fleisch vertrage, durchaus, meine Trägerinnen müssen wirklich nicht gertenschlank sein. Ich mag es eigentlich lieber, wenn ich wirklich gebraucht werde - also, ich will nicht nur bekleiden, verbergen, sondern auch zusammenhalten, hochdrücken, formen. Fundamental sein. Man hat schließlich auch seinen Stolz. Und seine Aufgabe. Wenn ich den Busen so richtig hochwölbe, so daß das gebräunte weiche Fleisch zwei Hügel bildet, die sozusagen auf einem Tablett liegen, sich dem Auge des Betrachters entgegenstrecken, zum Anfassen auffordern, sanft erzittern bei jedem Schritt, ja, dann fühle ich mich zufrieden und lebendig. Dann drücke ich mein vom vielen Chlor aufgerauhtes Tuch gegen die Brustwarzen, die meist ganz knapp unter meinem Stoffrand liegen, kratze und scharre und massiere sie mit meinen Nähten bis sie sich aufrichten und nach Zuwendung schreien. Und wenn dann eine Männerhand - ich weiß natürlich nicht von wem, ich bitte Sie, das geht mich nichts an - meine Träger von den Schultern meiner Partnerin streift, und wenn dann, ach!, die beiden strammen Brüste herausgeschält werden, ins Sonnenlicht gehoben, gewogen und geküßt werden, erst sanft, dann grob, ach!, dann wird mir ganz anders.

Dann wird mir feucht und ein tieferer Teil meines Selbsts rückt ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Der Zwickel, ja, so nennt man ihn wohl, obwohl ich diesen Ausdruck, weiß Gott, beleidigend finde. Es geht um ein winziges Streifchen schwarzen Stoffs, das den Eingang zum Paradies verbirgt.

Es liegt stramm auf der weichen Haut und wenn diese schwillt, was unweigerlich der Fall ist, wenn das geschieht, was ich oben beschrieben habe, dann züchtigt er das Fleisch, reibt, kneift, schabt, kitzelt, juckt die Kostbarkeiten, die ich nur ahnen kann. Es hat sich in mein Lycra ein unnachahmlicher Duft eingenistet, der dort unten auf märchenhafte Weise entsteht - ich brauche ihn nur einzuatmen, und schon bin ich erregt. Aber lassen wir das - ich kann sonst nicht weiterreden. Sprechen wir von etwas anderem, dem schönsten aller weiblichen Körperteile, dem Po. Ich mag ihn, weil er so rund ist, so voll in meinem Gewebe liegt. Weil ich seine Hängematte, seine Hollywoodschaukel, sein Trampolin sein darf. Manchmal, wenn ich frech bin, schlüpfe ich hinein in die weiche Falte und kuschle mich dort zusammen, bis die ungeduldige Hand meiner Trägerin mich herauszerrt ans Licht, in der Mitte, und links und rechts herunterzieht, um die saftigen seitlichen Scheiben der Honigmelone zu bedecken. Das mache ich einen Augenblick mit, aber nicht länger, dann schlüpfe ich wieder hoch und entblöße das blasse schaukelnde Fleisch. Es ist ein Spiel, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich will niemanden bloßstellen, weiß Gott nicht, aber ich will ein wenig zeigen, vom dem was ich so gut kenne, will meine Trägerin ins rechte Licht rücken mit ihren Reizen. Und wenn mir dann eine Hand einen Klaps gibt auf mein pralles Fell, dann weiß ich, daß ich den Anforderungen gerecht geworden bin, dann kichere ich vergnügt in mich hinein. (Politically correct ist das natürlich nicht, aber man muß doch differenzieren können!) Aber das ist nichts gegen den großartigen Augenblick, in dem ich nicht mehr gebraucht werde, den Höhepunkt meiner Bemühungen: Wenn ich dann von ihrer (oder einer anderen) Hand heruntergezogen werde, auf den Boden stürze, ein schwarzes Häufchen, und mir dann meine Trägerin entsteigt - eine füllige Göttin, eine braune Fee mit leuchtend weißen Hügeln vorne und hinten, und ganz und gar flüssig zwischen den Beinen, dort . . . ich will ja nicht indiskret sein, wie gesagt, aber ich bin schließlich auch nicht mehr neu im Geschäft - also, dort, wo ich diesen göttlichen Augenblick schon alles erlebt habe, Sie würden es mir nicht glauben!

Unter Wasser, ja, unter Wasser in einem undurchsichtigen Moorsee, direkt neben anderen . . . ach, was sage ich, anderen schrecklich eifersüchtigen Artgenossen, die oben an ihren feuchten Körpern kleben bleiben mußten, während ich ganz frei umherschweben durfte . . ., in einem Ruderboot ganz weit draußen, ohne Zeugen, nur vom hohen Rand geschützt, oder damals, im Hallenbad, in der Umkleide, nur Zentimeter entfernt von einem älteren Professor in der Nachbarkabine, der ächzend aus seinen Unterkleidern stieg. Sie und ich, die rote Badehose und der schwarze Badeanzug, wir kuschelten uns am Boden aneinander, während oben, über uns die eigentliche, harte Arbeit getan wurde. Nur Millimeterchen vom Professor entfernt! Wir Stoffe, wir lieben sanft und schmiegsam, müssen Sie wissen, aber unsere Partner, unsere Partnerinnen, die kennen so viele Varianten, daß man niemals auslernt . . einmal, ich werde es nie vergessen, blieb ich die ganze Zeit dabei, ein eigenartiges Gefühl. Es mußte alle so schnell gehen, daß lediglich mein Zwickel zur Seite geschoben wurde, also ich weiß nicht, ob ich das eigentlich gemocht habe ... man kommt sich doch ein wenig überflüssig vor, nicht wahr? Ein anderes Mal, jetzt, da ich schon beim Erzählen bin, kann ich noch ein bißchen aus der Schule plaudern ... blieb ich vorne an die Vorderfront gepreßt, aber hinten nicht, denn meine Trägerin beugte sich über ein Spielgerät im nächtlichen Freibad, in das man damals noch heimlich eindringen konnte, ohne zu bezahlen. Na ja, heute haben sie das abgestellt. Manchmal will es mir vorkommen, als ob die Sterne seither weniger schalkhaft funkelten ... Ach herrje, ich könnte viel erzählen, aber ich will nicht geschwätzig sein, bin schließlich ein Kavalier, ein Gentleman, ich genieße und schweige. Hoffentlich noch lange - aber so ein schwarzes Teil wird ja niemals unmodern, nicht wahr?


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