ARPA

Automatic Radar Plotting Aid

ARPA steht fuer Automatic Radar Plotting Aid. Es ist der in der Berufsschifffahrt zur Zeit übliche Standard der Radartechnologie. Da die MIR ein Ausbildungsschiff für zukünftige Offiziere auf Handelschiffen ist, steht an Bord selbstverständlich auch eine solche Anlage zur Verfügung.

Das Radar auf der MIR kann in verschiedenen Einstellungen betrieben werden. Anders als Yacht-Radargeräte, die meistens eine "Head-Up/relative motion" (also recht voraus orientiert mit relativen Vektoren) Darstellung der Umgebung bieten, kann hier zwischen North-Up und Course Up, sowie jeweils noch zwischen relative vectors und true vectors gewählt werden. So kann jeder Wachoffizier die für ihn handlichste Einstellung aussuchen und damit arbeiten. Wenn Radar zusammen mit ECDIS (Electronic chart display and information system) betreiben wird, hat sich die "North Up / off-center / relative motion / true vectors" Darstellung als guenstig erwiesen, so dass diese in der Regel die Standardeinstellung auf der Brücke ist.

Das System erlaubt die Wahl verschiedener Bereiche (ranges). Diese beginnen bei 0,75 sm und reichen bis zu 96 sm. Im Bereich Ostsee allerdings, ist der Bereich 96 sm komplett sinnlos, denn Radarstrahlen sehen nicht um die Ecke, sondern werden vom ersten Ziel (target) auf das sie treffen, reflektiert. In den engen Gewässern der Ostsee, ist die nächste Küstenlinie immer näher as 96 sm. Ich persönlich bezweifele, dass ein Range von 96 sm überhaupt irgendwelche brauchbaren Ergebnisse liefert, ausser vielleicht bei einem Landfall an einer charakteristischen Küstenlinie nach einer Ozeanueberquerung. Teilweise ist es möglich, Hinweise auf die Wetterentwicklung mittels eines Radarbildes aus 96 sm zu erhalten.

Für unsere Zwecke auf der Brücke der MIR nutzten wir in der Hauptsache einen Range von 12 Meilen. In engen Fahrwassern oder während Ansteuerungen wird vorzugsweise der 6- oder sogar der 3-Meilen-Bildschirm verwendet, weil er detailliertere Informationen liefert. Als Grundregel sollte der Radarschirm in etwa den Bereich abdecken, den das Schiff innerhalb der nächsten Stunde durchfahren wird. In der offenen Nordsee bei 15+ Knoten Fahrt wurde denn meist mit einem Range von 24 Meilen als Standardeinstellung gearbeitet. 

Auf einem herkömmlichen Radarschirm erscheint das eigene Schiff in der Regel in der Bildmitte. Mit modernen Geräten ist das nicht mehr unbedingt die Regel. So ist auch die Einstellung des ARPA-Bildes auf der MIR relativ voraus optimiert, sodass wir mehr Informationen vom Seegebiet direkt voraus erhalten.

Bei ARPA erscheinen die Ziele nun nicht wie auf einem herkömmlichen Radarschirm nur als kleine Punkte, bzw. Kreisbogenausschnitte (azimut), sondern es wird zusätzlich die Bewegungsrichtung des Ziels angezeigt. Dadurch kann der Nautiker auf der Brücke sofort entscheiden, welches Ziel für uns interessant (gefährlich) ist und welches nicht. Schiffe, welche für uns gefährlich werden könnten, also solche, die unseren Kurs kreuzen oder sehr nahe kommen, werden mittels Joystick ausgewählt und auf dem Bildschirm erscheinen weitere Informationen zu diesem Schiff: Geschwindigkeit, Kurs, wie nahe sie uns maximal kommen werden und wann das voraussichtlich geschehen wird. Zusätzlich erscheint jedes ausgewählte Schiff mit einem kleinen Bewegungspfeil, der Richtung und Geschwindigkeit anzeigt, auf dem Display des ECDIS im Navigationscomputer. Auf diese Art und Weise kann der Wachoffizier die anderen Schiff auch vom Kartentisch aus beobachten. Erscheint ein neues Ziel im ARPA, welches noch nicht durch den Wachoffizier begutachtet (acknowledged) wurde, gibt es ein akustisches Signal, das erst aufhört, wenn der Wachoffizier entscheidet, es auszuwählen oder als ungefährlich zu markieren. Tochterbildschirme des ECDIS stehen auf der Übungsbruecke, sodass jedes Crewmitglied jederzeit Informationen über die Position, Fahrt und die Umgebung des MIR erhalten kann, sowie in der Kabine des Kapitäns, damit er auch von seinem Schreibtisch aus jederzeit alle notwendigen Informationen zur Verfügung hat.

Im ARPA wird zur weiteren Sicherheit noch ein kleinster Passierabstand (CPR - closest passing range) eingegeben. Kommt ein Schiff in diesen CPR, gibt das Gerät akustisch und optisch Alarm, da spätestens jetzt ein Ausweichmanoever erfolgen muss. Die Standardeinstellung hierfür ist bei guter Sicht 1 sm, bei schlechter Sicht mehr.

Anders als in der Einstellung mit relativen Vektoren, wo ein Schiff auf Kollisionskurs sich auf dem Peilstrahl zur Bildmitte (=eigenes Schiff) hin bewegt, müssen bei der Einstellung mit true vectors Seitenpeilungen gemacht werden. Dazu wird das Peillineal auf den Kollisionsgegner ausgerichtet und wenn die Peilung steht, also sich der Winkel nicht aendert, besteht Kollisionsgefahr. Dies ist im Prinzip nicht anders als bei Schiffen in Sicht, wo man ja auch mit Seitenpeilungen arbeitet.

Da MIR ein Schulschiff ist, steht neben der ARPA-Anlage auch noch ein herkömmliches Radar auf der Bruecke. Einerseits dient dieses als Reservegeraet bei einem Systemausfall des computergestützten ARPA, andererseits dient es der Ausbildung der Kadetten, die ja später eventuell auf weniger gut ausgerüsteten Schiffen arbeiten müssen.

Nach 2 Wochen Arbeiten mit ARPA in guter Sicht ankerten wir eines Morgens in dichtem Nebel. Man sah den Grossmast von der Brücke aus nicht. Durch Funkkontakt wussten wir, dass die KRUZENSHTERN 3 Kabel entfernt von uns ebenfalls vor Anker lag. Von der Information, die das ARPA uns über das befreundete Schiff gab, jedoch hätte man eher auf eine Boje als auf ein 115m langes Schiff geschlossen. Objekte, die sich nicht bewegen, erscheinen nur als kleiner grüner Punkt.

Man braucht eine Menge Erfahrung, um ein Radarbild interpretieren zu können und das gilt insbesondere auch für ARPA. Nur durch permanente Praxis bei gutem Wetter ist man in der Lage, auch bei schlechtem Wetter brauchbare Informationen entnehmen zu können. Professionelle Nautiker dürfen nur dann ausschliesslich unter ARPA-Sicht navigieren, wenn sie eine entsprechende Fortbildung gemacht haben und darüberhinaus jedes Jahr eine Mindestzahl an Praxisstunden nachweisen können.  

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