Wenden und Halsen

 

Zwei Arten Manoever kommen auf der MIR regelmaessig vor: die Wende und die Halse. Beides ist auf einem Rahsegler ein komplizierte Angelegenheit und beduerfen sowohl gruendlicher Vorbereitung als auch einer eingespielten Crew - vor allem die Wende, die hier zuerst beschrieben wird. Wir sehen uns das Manoever einmal aus der Sicht des kommandierenden Offiziers, also von der Bruecke aus, an. Dazu beschreibe ich hier einmal eine geplante Wende/ Halse, wie sie z.B. dann vorkommt, wenn das Schiff gegen den Wind kreuzt und dabei auf den anderen Bug gehen soll. Meistens kommen solche Wenden nicht "aus heiterem Himmel" sondern werden angekuendigt. So haben sich Kapitaen und Steuermann darueber abgestimmt, wie lange ein bestimmter Kurs gehalten werden soll, z.B. bis eine bestimmte Position erreicht ist, eine bestimmte Landmarke in Sicht kommt oder auch zu einer bestimmten Uhrzeit - wie beispielsweise zum Wachwechsel, wenn sowieso schon ein Grossteil der Crew an Deck anwesend sein wird. Ueblicherweise wird dann eine Durchsage gemacht, dass z.B. um 20.00 Uhr eine Wende mit "all hands" anberaumt ist. Wir gehen hier einmal davon aus, dass wir die Wende nach geografischen Gesichtspunkten planen. Dazu ueberprueft der Wachoffizier regelmaessig die Position und leitet je mehr er sich der vereinbarten Wendemarke naehert, verschiedene Dinge ein. Kurz vorher wird dann auch - sofern er nicht von alleine schon erschienen ist - der Kapitaen geweckt, damit er das Manoever selber leiten kann.

1. VORBEREITUNGEN

Noch bevor die Deckscrew oder gar die Freiwache ueberhaupt mitbekommt, dass ein Manoever gefahren werden soll, muessen von der Bruecke her Vorbereitungen getroffen werden. 

2. DIE WENDE 

In der Regel geschieht auf der MIR ein Kurswechsel durch eine Wende, denn es ist eine genuegend grosse Crew vorhanden und MIR ist ein ausgesprochen handliches Schiff, das Ruder und Segeln selbst bei starken Winden noch willig folgt.  Bei der Wende geht das Schiff mit dem Bug "durch den Wind". Man sagt dazu auch "ueber den Stag gehen". Mit einer eingespielten Crew und ohne besondere Vorkommnisse dauert die Wende etwa 20 Minuten. Nachfolgend wird eine Wende beschrieben, wie Kapitaen Antonov sie durchfuehrt. Jeder Schiffsfuehrer macht das ein kleines bisschen anders, aber im Grossen und Ganzen ist es immer das Gleiche. 

3. DIE HALSE

Bestimmte Witterungsverhaeltnisse (nur maessiger Wind oder aber Sturm), sowie eine reduzierte Crew in der Vorsaison, wenn keine Kadetten an Bord sind oder nachts, wenn man (weil keine Regatta ist) nicht die Freiwache wecken will, sondern nur mit einer Wache das Manoever fahren will, oder eine untrainierte Crew (viele neue Trainees), koennen dazu fuehren, dass sich die Schiffsfuehrung entschliesst, eine Halse zu fahren. Dieses Manoever ist leichter zu segeln, dauert aber laenger und das Schiff verliert dabei an Raum, da es quasi eine Schleife faehrt. Das wesentliche Merkmal der Halse ist, dass hierbei nicht das Vortopp durch den Wind geht, sondern das Schiff "vor dem Wind" dreht.

4. NACHBEREITUNGEN

Nachdem das Schiff nun auf dem neuen Kurs ist, gibt es noch einiges zu tun, bevor alle wieder zu ihren Routinen zurueckkehren koennen und die Freiwache entlassen wird.

Text: B.Beuse, Februar 2001

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