Das Wachsystem auf der MIR

 

Die gesamte Crew der MIR ist in 3 Wachen eingeteilt: Die 1. Wache - "Fore Watch" - von  04:00 bis 08:00 und 16:00 tbiss 20:00 Uhr, die 2. Wache - "Main Watch" - von 00:00 bis  04:00 und 12:00 bis 16:00 Uhr und die 3. Wache - "Mizzen Watch" - von 08:00 bis 12:00 undd 20:00 bis 24:00 Uhr. Jedes Crewmitglied gehört zu einer dieser Wachen. Nur der Kapitän gehört zu keiner Wache. 

Die Crew eines jeden Schiffes unterteilt sich in die Deckscrew, die Maschinencrew und die "Badegäste", also diejenigen Crewmitglieder, die weder an Deck noch im Maschinenraum arbeiten. Diese haben Arbeitszeiten ausserhalb des Wachsystems. Z.B. die Köche und die Stewardessen, deren Arbeitszeiten sich naürlich nach den Essenszeiten richtet. Oder der Schiffsarzt, der seine Praxis tagsüber öffnet. Die Maschinencrew organisiert ihre Wachen alleine. Sie haben auf MIR dieselben Zeiten wie die Deckswachen. Da die meisten Trainees vor allem am Leben der Kadetten und Deckscrew interessiert sind, wird hier vor allem auf diese eingegangen:

Die Seewachen

Die Hauptaufgabe der Deckscrew ist das Durchführen der Seewachen. Eine Seewache besteht aus dem Wachoffizier, einem Bootsmann, einigen Matrosen, ca. 30 Kadetten und den Trainees, die sich für diese Wache gemeldet haben. Alle Mitglieder der Seewache versammeln sich 5 Minuten vor Beginn der Wache an der Steuerbordseite des Decks in der Höhe des mittleren Deckshauses. Der Bootsmann verteilt dann die Arbeiten, die während der Wache ausgeführt werden sollen. Es werden Teams gebildet um die für den Schiffsbetrieb notwendigen Aufgaben zu versehen:

Die Kadetten können sich freiwillig für diese Arbeiten melden. Die Teams für die Ruderwache und den Ausguck werden jeweils morgens für den ganzen Tag eingeteilt. Die anderen Teams nur für die jeweilige Wache. Wer zu keinem Team gehört bleibt an Deck und macht dort Ausbesserungsarbeiten (malen, Rost klopfen, Deck schrubben, Segel reparieren, etc.). 

Wenn das Schiff unter Segeln ist, werden in der Regel Seewachen gegangen. Dennoch kann es sein, dass nicht jeder die gesamte Zeit über nur am Arbeiten ist. Vor allem Nachts kann es sein, dass die Kadetten sich nur für kleinere Segelmanöver bereithalten müssen, ansonsten aber nichts tun müssen. Oft sitzen sie dann auf dem Vordeck und unterhalten sich oder spielen auf der Gitarre und singen Lieder von der See, der Heimat oder die neuesten Hits der russischen Bands. Oder sie lesen oder lernen für die nächsten Prüfungen.

Haben sich Trainees für die Wachen gemeldet, gibt es manchmal ein Problem, eine sinnvolle Beschäftigung für sie zu finden. Oft gibt es kaum genug zu tun um alle Kadetten zu beschäftigen und der Bootsmann weiss nicht, was er den Trainees noch zu tun geben soll. Am Besten, man schaut, was die Kadetten für Aufgaben bekommen haben und fragt diese dann, ob man mithelfen darf. In der Regel wird man gerne mit einbezogen.

Ruderwache

Alle Kadetten müssen regelmäßig Rudergehen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung. Nur wer selber einmal ein Schiff gesteuert hat, wird verstehen, wie eine automatische Steuerung funktioniert. Jeden Tag versehen pro Wache 2 Kadetten Ruder und Ausguck. Sie wechseln sich dabei ab. Ruder gehen braucht viel Konzentration und die lässt nach einer Stunde bei ungeübten Leuten oft merklich nach. Mit ihnen steht ein Matrose am Ruder. Er erklärt ihnen, was sie zu tun haben und kontrolliert sie beim Steuern, sodass sie keine für das Schiff verhängnisvollen Fehler machen. Während der eine Kadett am Ruder steht, versieht der andere den Ausguck. Er sucht den Horizont nach anderen Schiffen, Seezeichen und Tonnen ab. Wenn er etwas sieht, meldet er es mit der entsprechenden Peilung dem Wachoffizier. Auch das ist eine wichtige Übung für die Kadetten, die ja später selbst einmal als Wachoffiziere zur See fahren werden - nur dass sie dann alleine auf der Brücke sind und gleichzeitig Navigation und Ausguck machen müssen.

Die Trainees sind herzlich willkommen, ebenfalls Ruder zu gehen. Sie können nach Absprache mit dem Wachoffizier für eine Stunde auf die Brücke kommen und entweder gemeinsam mit einem Kadetten das Ruder übernehmen oder aber wenn sie sich das zutrauen auch alleine unter der Aufsicht des Matrosen steuern. Danach können sie Ausguck machen. Das ist gar nicht so einfach, aber es ist eine wunderbare Möglichkeit, mit den Kadetten in Kontakt zu kommen. Diese zeigen den Trainees gerne, worauf es ankommt und leiten sie an.

All Hands

Manche Segelmanöver erfordern "alle Mann". Das bedeutet, dass die gesamte Crew zusammen die Leinen bedienen muss, damit dieses Manöver gefahren werden kann. Wenn "all hands" angesagt wird, begeben sich alle an den Sammelpunkt ihrer Wache - auch diejenigen, die sonst nicht zur Deckswache gehören. Die Fore Watch trifft sich am Fockmast, die Main Watch am Großmast und die Mizzen Watch am Kreuzmast. Sie bedienen die Leinen des jeweiligen Mastes während des Manövers.

Einige Crewmitglieder arbeiten nicht an Deck während des Manövers. Sie haben besondere Manöverpositionen. Kapitän und Chief Mate sind auf der Brücke, Chief Engineer ist im Maschinenleitstand und der Funker bleibt in der Funkstube. Ein erfahrener Rudergänger übernimmt das Ruder. Ihm helfen 3 weitere Crewmitglieder, da bei einem Segelmanöver das Rad sehr schnell und sehr exakt gedreht werden muss.

Hafenwachen

Um der Crew Gelegenheit zu geben, fremde Häfen zu erkunden, werden in den Häfen manchmal Langwachen angesagt. Das heisst, dass jede Wache 8 Stunden arbeitet und dann 16 Stunden frei hat. Die Wachoffiziere haben 24 Stunden Dienst und danach 2 Tage frei.

Ankerwache

Ist das Schiff vor Anker, bleibt nachts nur die Ankerwache wach. Dies sind der Wachoffizier auf der Brücke und je 1 Engineer und 1 Maschinst im Maschinenraum.

 

1