Severus Snape Story-

Die zweite Vergangenheit von Ebony-Zoot

-Von vorne herein erst mal folgender Satz:
Die Charaktere sind alle bis auf einen hemmungslos von J.K.Rowling geklaut, die Handlung habe ich verbrochen...
Feedback und Beschwerden an: ebony-zoot@freenet.de
(Für eventuelle Rechtschreibefehler haftet nicht:
ebony-zoot-

1.Kapitel- Keiner sieht mich

Gegenüber sitzt ein Typ wie`n Bär,
ich stell mir vor wenn das dein neuer wär,
das juckt mich, überhaupt nicht...

Aufeinmal packt`s mich, ich geh auf ihn zu
und mach ihn an: Lass meine Frau in Ruh`
er fragt nur: Hast du`n Stich?!
und ich denke schon wieder nur an dich
(Matthias Reim= Verdammt ich lieb dich)

"NEEEEIIIIINN!!" schreit sie mich an und zerrt sich panisch aus meiner Umarmung. Ich bin von ihrer Wut überwältigt, ich hatte geglaubt sie würde so empfinden wie ich...
"Nein, Nein, Nein!!!" Tränen der Wut und Verzweiflung steigen ihr in die Augen. Ich will dir doch nichts böses, will ich sagen, doch mein Stolz lässt diese Worte nicht zu. Ich habe schon zu viel von meinen Gefühlen gezeigt, ich habe gerade eben meinen harten Panzere nur für sie abgelegt. Und jetzt, jetzt bin ich verletzbar. Hätte ich gewusst das sie so reagiert, hätte ich meine Gefühle, Gefühle sein lassen.
"Es..es tut mir leid" stottere ich verlegen. Sie sieht mich nicht an, ihr Blick wandert auf den Boden und sie weint leise vor sich hin. Ihr Anblick bricht mir fast das Herz, also hebe ich meinen Arm und berühre mit meiner Hand ihr Gesicht um ihr die Tränen weg zu wichen.
"Hören Sie endlich auf damit!!!" Ihre Hand holt weit aus und trifft mit viel Wucht ihr Ziel... mein Gesicht. Der Schlag war so heftig gewesen das mir Tränen in die Augen steigen, aber ich lasse mir nichts anmerken. Der Schmerz in meinen Gesicht ist schier unerträglich, doch ich stehe einfach nur da und starre sie an. Ich verfluche Dumbledore in diesem Moment, es war klar gewesen, dass sie so reagiert. Ich hatte mir selbst nur etwas vorgemacht. Mit Gefühlen konnte ich noch nie umgehen, wieso hätte sich das heute ändern sollen?
"Sie sind so wiederlich..." flüstert sie und mit einer leichten Armbewegung schubst sie mich von ihr weg. Ich hatte nicht damit gerechnet und so taumel ich ein paar Schritte nach hinten und falle schließlich direckt vor meinen Sessel. Sie wirft mir noch einen letzten flehenden Blick zu, der bedeuten soll das ich ihr keine Strafarbeiten dafür geben soll und geht mit einem Kopfschütteln hinaus wo ihre Freundin sie schon erwartet.
"Hey, was ist denn mit dir los?" höre ich ihre Freundin Hermine Granger sagen.
"Ich hasse ihn!!" mir ist klar das sie dies bewusst laut sagt, da die Tür noch aufsteht und ich wohl alles mitbekommen soll. "Langhaariger Bombenleger... die sind alle gleich. Pfui wie der aussieht!"
Mit einem lauten Knall schließt sie meine Bürotür und ich rappel mich langsam vom Boden hoch und lasse mich in meinen Sessel fallen. Tränen laufen mir die Wangen runter, zum Glück ist sie gerade gegangen, dass ich weine hätte mich nur zu einem noch größerem Ziel für sie gemacht. Noch immer brennt meine Wange wie feuer, aber ich habe keine Kraft mehr dazu sie einzucremen oder sie zu kühlen. Der Schmerz geschieht mir recht, denke ich mir, wer will schon einen so hässlichen Liebhaber wie mich? Jeden Tag höre ich die Schüler über mich lästern wenn sie in meinen Unterricht kommen, oder wenn sie gehen. Ich tue so als würde ich sie nicht hören wenn die direckt neben mir stehen und flüstern. Es ist mir egal was sie über mich reden, ich nehme alle Gemeinheiten in mir auf und lasse sie in mir Ruhen, bis sie in Momenten wie diesen wieder hochkommen. "Sie haben ja recht..." flüstere ich. Meine blasse Haut ist nicht grade sehr schön. Sie wirkt unheimlich, meine Haare haben eine tiefe schwarze Farbe und gehen mir bis fast auf die Schultern. Schlimm sähen sie sicherlich nicht mehr aus wenn ich mal Ordnung in sie rein bringen würde. Sie sind fettig und ständig durcheinander. Dies liegt wohl daran das ich die Angewohnheit habe mir ständig mit der Hand durch die Haare zu fahren. Meine Augen sind dunkel, so dunkel das man in ihnen nichts erkennen kann, außer düsternis. Und mein Körper ist dünn, zu dünn. Manchmal habe ich Angst ich würde zerbrechen wenn ich etwas schweres heben muss. Aber in letzter Zeit bin ich selbst daran Schuld. Ich habe zu viele Sachen die mich belasten und da vergeht mir die Lust aufs essen. Ich denke ich sitze fast nur noch in meinen Räumen und trinke Wein. Nach dieser Situation würde sich daran wohl nicht viel ändern.
Ein Blick auf meine Uhr verrät mir das Dumbledore gleich kommen wird um zu wissen wie es gelaufen ist. Er hat es mir versprochen, er sagte er würde mich unterstützen, egal wie sie reagiert. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, weiß ich das er mich nicht unterstützen will sondern einfach nur neugierig ist und wissen will wie sein Zaubertränkelehrer alles gemeistert hat. Er ist auch nicht anders als die übrigen alten Leute, immer auf den neusten Klatsch und Tratsch aus. Aber nicht mit mir, vielleicht später, aber heute werde ich nicht da sein wenn er kommt.
Schweren Herzens packe ich meine Robe und gehe nach Hogsmeade.

"Severus, das man dich nochmal sieht" begrüßt mich Madam Rosmerta als ich "Die drei Besen" betrete. Ich gebe ein schwaches Nicken von mir und setze mich schlecht gelaunt an die Theke. Sie lächelt mir freundlich zu und ihr Blick sagt mir das ich noch etwas warten müsse, da sie noch andere Gäste zu bedienen hat. Mir fällt auf das ich schon lange nicht mehr hier gewesen bin, mein letzter Besuch liegt sicherlich schon ein halbes Jahr zurück.
"Das übliche nehm ich an?" fragt Madam Rosmerta freundlich und bekommt als Antwort wieder nur ein Nicken. Ich habe das Gefühl wenn ich anfinge zu sprechen würde ich nicht mehr als ein heiseres Krächzen rausbekommen, also lasse ich es. Nachdenklich betrachte ich meine Schuhe um nicht den Eindruck zu erwecken das ich bereit wäre mich mit ihr zu unterhalten. Normalerweise halte ich mir neugierige vom Leib indem ich einfach wütende Blicke verteile, aber dazu bin ich einfach nicht mehr in der Lage. Noch vor gut einer Stunde hätte ich das gekonnt, ohne das jemand misstrauig werden würde, doch nun hatte sich einiges geändert. Madam Rosmerta hat verstanden das ich nicht gestört werden will und stellt mir wortlos ein kleines Glas hin, das bei Muggeln auch >Korn< genannt wird. Ich schütte es in einem Zug runter und sehe mich im Pub etwas um. Es sind noch nicht viele Leute da, ich nehme an das die meisten erst zu späterer Stunde kommen. Die meisten Anwesenden sind Stammgäste, die rund um die Uhr nichts besseres zu tun haben als sich voll laufen zu lassen. Jene von diesen Leuten die keine Arbeitsstelle bekommen und dessen Leben nichts wert ist. Normalerweise müsste ich auch dazu gehören, doch die Tatsache unter Menschen zu sein behagt mir nicht sonderlich und so verbringe ich die meiste Zeit in meinen Privaträumen. Erst jetzt fällt mir die laute Musik auf, Musik ist ein teil meines Lebens, genau wie Bücher. Ich beschäftige mich gerne damit um aus meinem eigentlichen Leben zu flüchten.
Mir ist langweilig und mein Kummer lässt mich nicht los. Sie hat mich einfach zurück gestoßen wie ein Stück Dreck. Aber ich denke das bin ich auch in ihren Augen. Nur ein Stück Dreck...
Nachdenken bringt nicht viel, ich habe mich verliebt und mich wie immer Dumbledore anvertraut. Dumbledore- er und seine Weisen ratschläge. Wieso habe ich nicht auf mich selbst gehört? Nein, natürlich musste ich mich Dumbledores Meinung anschließen... ein seniler alter Zauberer mit viel Erfahrung. Aber über mich weiß er nichts, keiner weiß über mich Bescheid und es interessiert auch niemand.
Wegen eines blöden Rats, meines Freundes, wohlbemerkt meines einzigsten Freundes, sitze ich jetzt hier verletzt. Ich schließe daraus auf niemanden als auf mich selbst zu hören. So kann ich wenigstens im Selbstmitleid versinken und mir wie oft sagen wie schuldig und naiv ich bin. Ich seufze und gebe Madam Rosmerta einen Wink damit sie mir ein weiteres Glas bringt. Wieder ein Lächeln ihrerseits und wieder blicke ich tonlos auf meine schwarze Schuhe. Auch diesmal lässt sie mich in Ruhe und stellt das Glas vor meine Nase... mein viel zu große Nase -wenn ich das mal klarstellen darf!-.
Mein Blick kreist wahllos durch den Pub. Ich sehe einen jungen Kerl, er musste so um die 17 sein. Genau wie sie. Viele halten 17 für ein geniales Alter, die Zeit kurz vorm wirklichen Ernst des Lebens. Ich halte sie für Zeitverschwendung. Meine Kindheit war nicht die beste und als ich 17 war hat sich auch nichts geändert. Ich blieb immer der, der ich war.
Der Typ sieht nach ihrem Geschmack aus, sie hätte sich ihm sicherlich an den Hals geworfen. Er ist perfekt. Ein makelloses Gesicht, schöne blonde Haare, strahlend grüne Augen und ein freundlicher Gesichtsausdruck. Das genaue Gegenteil von mir. Ich schnaube verächtlich und stürze mein Getränk runter.
Aber wie hatte das alles mit mir angefangen? Wieso habe ich mich sofort für sie begeistert? Nocheinmal ganz von vorne. >Es fing am Schuljahresbeginn an, genauer gesagt bei der Verteilung der Schüler in die passenden Häuser. Die aufgeregten Erstklässler standen nervös vorne und warteten auf den Aufruf ihrer Namen. Ich saß, schlechtgelaunt wie so oft, vorne beim Lehrertisch und begutachtete missmutig die Neuen. Die meisten wurden nach Gryffindor und Ravenclaw gesteckt und nur wenige nach Slytherin. Schließlich als alle in ihre Häuser gesteckt wurden, stellte Dumbledore sich und Begann seine Rede.
"Liebe Schülerinnen und Schüler," begann er und seine Stimmer erhob sich. "Dies waren noch nicht alle Schüler. In diesem Jahr ist es mir eine große Ehre eine weitere Schülerin auf dieser Schule begrüßen zu dürfen. Sie wird hier bereits in die sechste Klasse gehen..." Ich bemerkte ein leises Gemurmel in der Ecke von Harry Potter, auch er ging in die sechste Klasse dieses Jahr. "Sie kommt aus der Durmstrang Schule und musste aufgrund eines Umzuges die Schule wechseln. Wir werden sehen in welches Haus sie kommt."
Dumbledore setzte sich und Stille trat ein. Alle waren gespannt wie die neue Schülerin aussehen würde und in welches Haus sie kommen würde.
"Rougeville, Cèlie kommst du bitte" sagte Professor MCGonagall freundlich und ein schüchternes Mädchen betrat die Halle. Sie hatte braune Haare, grüne Augen und war gut gebräunt. In meinen Augen sehr hübsch aber ich bemerkte sofort, zu meinen Leidwesen, das Gryffindor Gesicht. Ich schwor Stein und Bein das sie nach Gryffindor kommen würde und lehnte mich gelangweilt im Stuhl zurück, während sie den sprechenden Hut aufgesetzt bekam. Eine Weile lang war Ruhe, sie war offenbar ein schwieriger Fall für den Sprechenden Hut. Dann verkündete er laut sein Urteil.
"SLYTHERIN!" rief er und johlendes Geklatsche der Slytherins brach los, als sie auf sie zuschritt. Auch ich begann zu klatschen nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte.

2.Kapitel- Verdrängen

Frag nicht warum ich mein Leben nicht mag,
Das ist mal wieder nicht mein Tag!
Sag mir warum? Muss das denn immer wieder mir passiern?
Sag mir warum? Kann ich denn immer wieder nur verliern?
Dabei bin ich doch klug, intelligent,
hab in der Schule nie gepennt, das Pech verfolgt nur mich allein,
Wie kann das sein?
(Sag mir warum)

Sie war also eine Slytherin... Hatte der Hut sich etwa vertan? In diesen Momenten zweifelte ich wirklich an der Macht des Hutes. Sie konnte unmöglich ein Slytherin sein. Sie sah hübsch aus, war mit Sicherheit sehr intelligent und was am wenigsten passte: Sie sah ehrlich aus!
Mein Blick glitt quer durch die Halle, die Schüler waren alle in ihr Essen vertieft und bemerkten selten das ich sie musterte. Es schien sich sowieso niemand für mich zu interessieren, sie waren wohl froh sich erst mit mir in der ersten Zaubertränke Stunde zbeschäftigen zu müssen. Dieser Meinung konnte ich nur zustimmen. Ich legte auch nicht besonders viel Wert darauf mich schon vorher mit den Schülern abzugeben.
Harry Potter war in ein Gespräch mit Hermine Granger und Ron Weasley vertieft. Ich verzog mein Gesicht. Dies waren die Schüler über die ich mir am wenigsten vor dem Untericht Gedanken machen wollte.
"Severus?" erschrocken sah ich hoch und erkannte das Gesicht von Albus Dumbledore. "Schmeckt es dir heute nicht?" Seine Augen schienen besorgt. Ich seufzte.
"Hab keinen Hunger..."knurrte ich und wand mich von ihm ab. Mir wurde regelrecht schlecht wenn ich das ganze Essen vor mir sah.
Ich spürte einen Blick auf mir haften, der aus der Slytherin Richtung kam und tatsächlich erkannte ich Cèlie Rougeville und Draco Malfoy die zu mir herübersahen. Mr. Malfoy deutete auf mich und sagte ihr etwas. Ich war mir ziemlich sicher das er ihr erklärte das ich ihr Hauslehrer sein würde. Draco und Cèlie, beide nun meine Schüler, ich kannte Mr. Malfoy schon lange auch privat und wusste das er keine Gelegenheit ausließ um sich an eine neue Schülerin ranzumachen und ihr zu zeigen, das er der Boss der Slytherin Schüler war. Ich wusste das er dies immer so machte aber trotzdem spürte ich einen Stich in meinem Herz und eine plötzliche Wut auf Malfoy. Noch immer schaute ich zu den beiden rüber und zu meiner Beruhigung sah ich wie Miss Rougeville mir freundlich zu lächelte...
"Severus?" Ich atmete tief ein um der Person die mich ansprach nicht direckt an den Hals zu springen.
"Was?!" entgegnete ich bissig und erkannte das Gesicht von Minerva McGonagall neben Albus Dumbledore.
"Ich hatte mich nur gefragt ob du nicht die Güte besäßt und mir die Kartoffeln reichen könntest?" Ich ging nicht auf ihren scharfen Unterton ein und langte ohne Umschweife nach der Kartoffelschüssel vor mir und reichte sie nach links weiter zu Minerva. Mein Blick suchte sofort wieder nach Miss Rougeville, aber sie hatte sich bereits umgedreht und war in ein Gespräch mit einer anderen Slytherin vertieft. Ich verfluchte mich augenblicklich dafür das ich ihr nicht zurückgelächelt hatte. Ich wollte bei ihr nicht den Eindruck erwecken den die anderen Schüler bereits von mir hatten. Ich wusste nicht wieso, aber ich wollte sie einfach nicht von anfang an los werden...
"Haben Sie keinen Hunger?" Ich fühlte mich sichtlich genervt und vielleicht versteht jetzt der ein oder andere warum ich oft schlecht gelaunt bin.
"Nein ich habe keinen Hunger, Minerva!" presste ich gereizt zwischen den Zähnen hervor und langte nach meinem Weinkelch um einen Schluck zu trinken. Ich merkte wie ich ansetzte, immer noch auf Miss Rougeville schielend und Dumbledores Stimme vie zu laut am Tisch ertönte. So das es zwar die Schüler nicht hören konnten, aber dennoch die ganzen Lehrer.
"Liebe geht halt durch den Magen!" Erschrocken prustete ich den Wein vor mich, wo zum Glück niemand stand und ich hörte wie Minerva sich verschluckte und anfing zu kichern. Sybill warf mir ebenfalls einen Recht erstaunten Blick zu und Albus schien sich plötzlich sehr für sein Essen zu interessieren.
"Wie bitte?" krächzte ich noch immer geschockt. Albus zuckte mit den Schultern.
"Nun ja..." meinte er bestimmt "Miss Rougeville ist eine durch und durch attraktive Frau" Ich musste mich zusammenreißen um nicht laut rum zu schreien.
"Sie ist eine Schülerin, Albus." Ich schüttelte vielsagend den Kopf "Eine Schülerin, verstehst du?!" Ich begann an Dumbledores Verstand zu zweifeln.
"Sicher" meinte der Direktor kauend "Aber es hat dich doch auch nicht daran gehindert sie anzustarren oder?"
Mein Herz rutschte mir bis in die Hose... Es war ihm aufgefallen das ich sie angesehen hatte?! Wem würde es wohl noch allen aufgefallen sein? Außerdem sollte Albus sich schämen, er sagte es so laut das alle Lehrer es hören konnten, er könnte es auch leise zu mir sagen, schließlich saß ich direckt neben ihm. Ich mied es einen anderen Lehrer anzusehen außer Dumbledore.
Zu meinem Erstaunen fühlte dieser sich überhaupt nicht schuldig, er schmunzelte sogar! Sie mochten das wohl alle lustig finden das ich mich >offensichtlich< für eine Schülerin interessierte, aber ich fand es depremierend. Sie war mehr als nur hübsch in meinen Augen. Sie zog mich auf irgendeine Art und Weise an und ich fühlte, wenn sie meinen Blick erwiederte, wie ich Bauchschmerzen bekam. Dies war für alle anderen in dieser Halle wohl das normalste der Welt, aber mir machte es Angst.
Große Angst vor mir selbst... Nach dieser Blamage hatte ich mich in meinen Stuhl zurückgelehnt und mit großer Interesse meine Hände besehen. Ich wollte nichts lieber als hier weg.
Ich war wirklich der erste, der nachdem das Essen beendet war und Dumbledore seine Rede gehalten hatte, die Große Halle verließ.
Ich wollte nur noch alleine sein, beschloss ich als ich in meinen Räumen ankam und mich seufzend auf meinem Sessel neben dem Kamin niederließ.
Nachdenken, ich musste nachdenken. Ich musste wissen warum diese neue Schülerin mich so faszinierte. Irgendetwas war seltsam an ihr und im nachhinein wurde ich mir darüber klar, das die Tatsache, dass sie mir zugelächelt hatte seltsam an ihr war. Außer Dumbledore hatte mir noch nie jemand ein echtes Lächeln geschenkt. Ich war nirgens Willkommen und das wollte ich auch gar nicht. Ich fragte mich warum ich überhaupt am Morgen aufgestanden war und zu diesem blöden Schuljahresbeginn gegangen war. Dumbledore... natürlich. Er war der einzige der darauf bestand das ich zu diesen Festen erschien. Ich nehme an das niemand sonst mein Fehlen bemerken würde.
Aber es half nichts, ich war dort erschienen und jetzt bereute ich es weil ein dummes Gör mir nicht mehr aus dem Kopf ging.
Ich hatte minutenlang so da gesessen und mir selbst Leid zugesprochen als mir bewusste wurde das eine kleine Hauselfe vor mir stand und vergeblich versuchte sich bemerkbar zu machen. "Was?!" fauchte ich. Und erschrocken stolperte die Elfe einen Schritt rückwärts.
"Sir, Minky möchte gerne wissen, ob Sir nicht vielleicht etwas bräuchte?" piepste sie ängstlich. Ich runzelte die Stirn. Selten kamen Hauselfen zu mir, ich erledigte normalerweise alles selbst.
"Wer hat dich geschickt?" Sie dachte nach, wahrscheinlich musste sie nochmal überlegen ob sie dies sagen durfte oder nicht.
"Dumbledore, Sir. Er hat sich Sorgen um Professor Snape gemacht, da er nichts gegessen hatte".
Dumbledore mal wieder, wahrscheinlich wollte er das ich zu ihm ging und mich für die nette Geste mit der Hauselfe zu bedanken. Aber dem Wunsch würde ich ihm nicht erfüllen, aber wo schon mal ein Hauself da war...
"Ein Wein wäre gut!" sagte ich und die Elfe lächelte glücklich, wie wollte sich gerade auf den Weg machen, als ihr offenbar noch etwas einfiel.
"Möchte Sir nichts zu essen?" fragte sie unsicher und bekam dafür ein scharfes NEIN von mir. Niemand würde mir essen einflößen wenn ich keinen Hunger hatte. Ängstlich bedankte sich die Elfe und verschwand.
Später kam sie wieder und brachte mir den Wein. Sie hatte nicht die Absicht mir weiter Gesellschaft zu leisten und verschwand kurz darauf.
Lange saß ich da und nippte gelegentlich an meinem Wein, nur um sofort wieder in meine Gedanke zu versinken. Natürlich schweifte ich gegen meinen Willen sofort zu Miss Rougeville. Ich konnte sie einfach nicht aus meinen Gedanken bekommen. Immer wieder sah ich ihr süßes Lächeln und ihre grünen Augen vor mir. Ihre Lippen, die zart wie Samt schimmerten... Ein Klopfen riss mich aus meinen Schwärmereien. Fluchen erhob ich mich und schwor auf dem Weg zur Tür dem Störenfried den nächstbesten Fluch an den Hals zu jagen. Ich verschob meinen Schwur jedoch, als ich Dumbledore erkannte, der mich besorgt ansah. Ich warf ihm nur einen schlechtgelaunten Blick zu und bedeutete ihm reinzukommen und sich zu setzen.
"Weißt du, Severus, ich habe nachgedacht!" meinte er seufzend als er sich hingesetzt hatte
"So?" fragte ich trocken. Es interessierte mich kein Stück worüber er nachgedacht hatte. Ich wollte nur meine Ruhe.
"Kann es sein das du dich in die neue Schülerin verliebt hast?" fragte er ohne Umschweife und beobachtete genau meine Augen. Ich hatte mir so etwas schon gedacht und wirkte nicht sonderlich überascht.
"Albus, sie ist eine Schülerin!" bemerkte ich knapp und sah ihn mit kühlen Augen an "Außerdem weißt du sehr Wohl das ich mich nicht verliebe!"
Albus nickte zu meinem erstaunen und setzte eine traurige Miene auf.
"Ich weiß Severus. Aber ich hatte die Hoffnung nicht aufgegeben"
Traurig und mit einem Kopfschütteln ließ er mich wieder allein. Ich kam mir ziemlich schäbig vor weil ich ihn angelogen hatte, aber ich konnte es mir in diesem Moment selbst noch nicht eingestehen.

3.Kapitel- Entschlossen

There`s a traitor here beneath my breast,
And it hurts me more than you`ve ever guessed,
If my heart could beat it would break my chest
But I can see you´re unimpressed
So leave me be and let me rest in peace
(Spike (Buffy)= Rest in Peace)

Ich war froh gewesen das ich tagelang nicht wirklich etwas mit ihr zutun hatte, da sie bisher noch keinen Untericht bei mir hatte und ich sie bislang nur beim Essen angetraf.
Dumbledore war seit seinem Besuch, ein paar Tage zuvor, nicht mehr auf das Thema zurück gekommen. Aber ich wusste das er an nichts anderes dachte wenn er mich ansah. Ich sah dort jedesmal so ein trauriges Schimmern in seinen Augen, anscheinend hatte er genau wie ich schon vor langer Zeit, die Hoffnung für mich aufgegeben. Er hatte immer alles versucht um mich fröhlich zu stimmen, hat mir vor den Treffen mit dem dunklen Lord Mut zu gesprochen. Ich schätze er war mehr als nur ein guter Freund für mich, ich denke Vater trifft es besser. Dumbledore hat alles für mich getan was in seiner Macht stand und ich war ihm dankbar dafür, doch ich kann es ihm nicht zeigen, bei einem Wort wie "Danke" habe ich eine Innere Blockkade. Ich denke er weiß das.
Jedenfalls kam irgendwann der erste Unterichtstag in Sachen Zaubertränke. Zu meinem Glück war es nur eine Stunde, ich hatte keine Ahnung wie ich diese überstehen sollte.
Ich öffnete etwas später als üblich die Klassenzimmertür und ließ die Schüler eintreten.
"Mund halten und setzen" raunzte ich und die Schüler nahmen ihre gewohnten Plätze ein, nur eine blieb vorne stehen: Miss Rougeville. Ich schluckte kurz als ich mich zu ihr umwandte, ich glaube ich war in meinem Leben noch nicht so nervös gewesen. Mein Herz klopfte wie wild und ich hatte wirklich gehofft das es keiner hört.
"Miss Rougeville?" fragte ich an sie gewandt und versuchte meine normale Tonlage einzuhalten. Sie nickte und schenkte mir ein schüchternes Lächeln.
"I-Ich nehme an sie haben noch keinen festen Sitzplatz..." Schnell drehte ich mich zur Klasse, die meisten dachten ich würde nach einem freien Sitzplatz ausschau halten, aber ich wollte mich in Wirklichkeit wieder beruhigen. Meine Hände zitterten und ich spürte wie mir heiß wurde. Meine Angst blieb unbemerkt, alle Schüler warteten nur darauf zu wissen, wo Miss Rougeville sich hinsetzen sollte. Doch einer, ein einziger, hatte mein Verhalten bemerkt. Genau der, von dem ich es am wenigsten erwartet hatte. Potter! Er musterte mich mit einem verwirrten Gesichtsausdruck und ließ mich nicht mehr aus den Augen. Ich musste mich zusammen reißen!
"Was schauen Sie so, Potter?" fauchte ich und er zuckte erschrocken zusammen. Mir wurde klar das ich meine normale Tonlage wieder hatte "Miss Rougeville, sie werden sich neben Miss Granger dort drüben setzen" deutete ich ihr ohne sie anzusehen. Ich hatte eigentlich gar nicht beabsichtigt sie neben Granger zu setzen, aber mir war auf die schnelle nichts besseres eingefallen und im nachhinein erschien mir das als eine gar nicht so schlechte Idee.
Ich dachte mir das es wohl das beste wäre wenn ich sie ignorieren würde und meinen Untericht wie gewohnt durch zog.
"Wir brauen heute den Lebertrank!" Ich machte einen Wink mit dem Zauberstab und an der Tafel erschien das Rezept. "Sie werden sehr genau arbeiten..." Ein Kichern der Schüler unterbrach mich und Miss Grangers Hand schoss nach oben. Verwirrt nahm ich sie dran.
"Professor, das an der Tafel ist das Rezept für den ...ähm... Verhütungstrank" Ich merkte wie sie leicht errötete und drehte mich etwas perplex um. Sie hatte Recht, ich hatte mich vertan. Dies war mir in meiner ganzen Laufbahn als Lehrer noch nicht passiert. Erschrocken ließ ich das Rezept verschwinden und das richtige Erscheinen.
"Scharf beobachtet, Miss Granger" murmelte ich und setzte zu meinem eigenen erstaunen noch hinzu "5 Punkte für Gryffindor!"
Ein erstauntes Murmeln ging durch die Reihen, in meinem Augenwinkel, sah ich das Miss Rougeville säuerlich mit den Zähnen knirschte. Ich hatte sie verärgert, schoss es mir durch den Kopf! Doch was sollte ich jetzt noch daran ändern? Ich war so durch den Wind gewesen das ich geistesabwesend Punkte verteilt hatte.
"Nun, fangen Sie an und arbeiten sie bitte genau!" mit diesen Worten setzte ich mich an mein Pult und zog nicht wie sonst üblich durch die Reihen sondern beschäftigte mich so gut es eben ging, andersweitig. Ich hatte gehofft das ich diese Stunde so ohne weitere zwischenfälle überstehen würde, aber dem war nicht so.
"Professor?" hallte eine süßliche Stimme durch den Raum und ich sah auf. Miss Rougeville hatte die Hand gehoben und sah mich fragend an. Wieder merkte ich wie ein zittern in mir hoch kroch und mein Magen zu fliegen schien. Aufgeregt stand ich auf und schlenderte zu ihr hinüber. Die falsche Farbe ihres Kessel Dunstes fiel mir im ersten Moment gar nicht auf.
"Ja?" fragte ich leise.
"Sir, ich habe ausversehen Nieswurz hinzugegeben. Kann man das noch irgendwie retten?" Ich spürte wie die Blicke der übrigen Schüler alle zu mir wanderten, alle wussten das es bei einer falschen Zutat normalerweise 0 Punkte gab. Auch Potter schielte herüber.
Flehend blickten mich ihre hübschen grünen Augen an und sie warf mir ein gequältes Lächeln zu. Auf solche Schleimereien ging ich normalerweise nicht ein, aber dies hier war ein ganz anderer Sachverhalt.
"Natürlich..." meinte ich und mein Mund wurde mit einem Mal furchtbar trocken. Ich winkte einmal mit meinem Zauberstab und die falsche Zutat war aus ihrem Trank verschwunden. Wieder ging ein Murmeln durch die Reihen. Bei den Gryffindors hörte ich die Worte "Unfair" und "War ja klar!" und bei den Slytherins eher Worte wie "Klasse!". Miss Granger neben Cèlie warf mir einen wütenden Blick zu, schenkte mir aber sonst keine Beachtung.
"Macht weiter!" sagte meine kühle Stimme wieder und ich kehrte an mein Pult zurück.
Bis zum Unterichtsende gab es keine besonderen Vorkommnisse mehr, alle konnten dieses Mal abgeben da ich darauf verzichtet hatte mir die tränke vorher anzuschauen. Miss Rougeville gab ihren Trank mit einem dankbaren Lächeln ab und sofort war ich mal wieder nicht mehr Herr meiner selbst. Ich hatte schon geglaubt als nächstes wieder irgendeine Dummheit zu begehen aber ich muss gestehen, das Potter mich davor bewahrte.
Seine bloße Anwesenheit riss mich wieder in die Wirklichkeit zurück. Er kam auf mich zu, stellte seinen Trank vorne ab und machte den Mund auf um etwas zu sagen. Ich jedoch warf ihm einen bösen Blick zu und er schloss seinen Mund wieder und rannte hinter Weasley her.
Seufzend lehnte ich mich zurück. Vorerst musste ich nicht unterichten, da Lehrerkonferenz war. Aber zuerst gab es das Mittagessen. Ich hatte keine Lust auf beides. Eigentlich wollte ich nur noch in meine Räume und mich mit etwas anderem als Schule beschäftigen und vor allem wollte ich über keine Schülerinnen mehr nachdenken. Aber leider konnte ich mir das nicht aussuchen.
Die Lehrerkonferenz verlief annehmbar und langweilig, ich saß ziemlich abseits von meinen Kollegen und hörte mit halben Ohr zu was sie zu sagen hatten. Ich hielt mich aus allem raus und normalerweise musste ich nur etwas dazu beitragen wenn ich den verschiedenen Häusern zuviele Punkte abgezogen hatte oder die Strafarbeiten zu hart waren. Ich gebe zu das ich meine schlechte Laune oft an den Schülern auslasse, aber so hart sind die Strafen nun auch wieder nicht. Wenn ich daran denke was es damals für Methoden gab... aber ich schweife ab.
Dieses Mal musste ich nur einmal mich verteidigen und zwar als McGonagall erwähnte das ich ihrem Haus 5 Punkte gegeben hatte und sie gerne wissen wollte wofür diese waren. Es kommt zum Glück nur sehr selten vor das ein anderes Haus außer Slytherin Punkte von mir bekommt und demnach waren die übrigen Hauslehrer auch dementsprechen verwirrt.
"Miss Granger" antwortete ich seufzend und ein nicken ging reih um.
"So und was hat sie getan, dass sie diese 5 Punkte verdient?" fragte McGonagall weiter.
"Nun, Minerva. Miss Granger war so freundlich gewesen mich auf etwas hinzuweisen. Ein Fehler meinerseits und eine Verbesserung ihrerseits. Ist ihre Frage damit beantwortet?" Sie nickte und man konnte ihr ansehen das es ihr brannte noch mehr zu erfahren. Die Lehrerkonferenz war beendet, aber als ich gehen wollte hielt Dumbledore mich auf.
"Dir geht es nicht gut, nicht wahr?" meinte er und ich schüttelte verächtlich den Kopf.
"Alles wie immer" murrte ich. Er wollte doch tatsächlich schon wieder was aus mir rausbekommen. Doch ich war für meinen Teil fest entschlossen nichts von mir preiszugeben. Dies war eine Angelegenheit in der er mir nicht helfen konnte und ich wollte auch keine Hilfe. Ich wollte einfach nur das meine Gefühle aufhörten mit diesem wirrwarr. Es war für mich äußerst lästig dauernd feuchte Hände zu bekommen und herzklopfen noch dazu, wenn ich Miss Rougeville sah. Ich musste dies ganz alleine bewältigen und würde auch standhalten. Bis dahin konnte ich noch jeder Schülerin widerstehen, sogar bei Veelas war dies kein Problem. Aber fest stand, das mir so etwas wie bei Miss Rougeville noch nie passiert war.
"Severus, so leid es mir tut" seufzte Dumbledore "ich glaube dir dies wirklich nicht! Mit dir stimmt etwas nicht. Du bist noch verschlossener als sonst und ständig in Gedanken!"
"Das legt sich schon wieder!"
"Ich möchte das du nach dem Abendessen zu mir ins Büro kommst, ich möchte in Ruhe mit dir reden!" Ich hatte alles versucht aber Dumbledore ließ nicht locker und so gab ich mich schließlich geschlagen und nickte etwas gequält. Jetzt musste ich erst mal darüber nachdenken wie ich mich aus allem rausreden konnte. Es würde nicht einfach werden Dumbledore etwas zu verheimlichen, aber ein Versuch wäre es wert. Immer noch besser als mir Ratschläge in Sachen Liebe anhören zu müssen. Ich ging in meinen Kerker und hörte zum ersten mal seit Tagen wieder Musik.

4. Kapitel- Aussprache

You spin me right round baby
Right round like a record baby
Right round round round
All I know, is that to me,
You look like you're lots a fun
Open up your lovin' arms
Watch out here I come
(Dope-You spin me right round)

Ich hatte den ganzen Tag lang, schon wieder nichts gegessen und erschien auch nicht zum Abendessen. Mein Magen war vollkommen durcheinander und ich hatte Angst ich würde sofort alles wieder ausbrechen. Also ließ ich die Sache mit dem Essen fürs erste. Schließlich ging es mir ohne Nahrung auch noch ganz gut.
Wie verabredet kam ich nachdem das Abendessen vorüber war zu Dumbledores Büro.
"Severus," begrüßte er mich und mir entging sein musternder Blick nicht. "Du warst nicht beim Abendessen"
"Ich weiß" bemerkte ich knapp und setzte mich ihm gegenüber auf einen Stuhl. Dumbledore stütze seine Ellbogen auf dem Schreibtisch ab und rieb sich die Augen unter seiner Brille. Ich wollte nicht reden und würde auch mit Sicherheit nicht den Anfang machen. Also wartete ich.
"Hör zu, Severus. Ein kranker Zaubertränkelehrer ist das letzte was wir hier auf Hogwarts gebrauchen können,
meinst du etwa mir wäre entgangen das du nichts mehr isst?!" Er seufzte und so langsam kam ich mir schäbig vor
"Ich würde gerne wissen was dich belastet, ich bin mir sicher das wir dies zu zweit beheben können. Du machst dich selbst kaputt, Severus! Ich habe dafür gesorgt das dein Leben wieder in etwas geregelten Bahnen verläuft und jetzt willst du all das wieder zunichte machen? Sag mir bitte woran ich denn dann die ganze Zeit bei dir gearbeitet hab?!"
Beschämt sah ich auf den Boden. Mir wurde Bewusst das ich die ganze Zeit nur an mich selbst gedacht hatte und Dumbledores Sorgen mir vollkommen Schnuppe waren.
"Tut mir leid..." nuschelte ich aber Dumbledore winkte ab.
"Ich möchte nur wissen warum du das getan hast, verstehst du? Ich will wissen was in dir vorgeht!"
Ich zuckte mit den Schultern und Stille trat ein. Dumbledore gab mir die Zeit zum Nachdenken die ich brauchte. In meinen Gedanken herschte ein Chaos und ein Kampf zwischen den Polen >Erzählen< oder >nicht erzählen<. Ich entschied mich schließlich dazu im tatsächlich alles von meinen Gefühlen zu erzählen, einfach weil ich ihn entäuscht hatte und dies wieder wett machen wollte. Ich wusste das dieses Gespräch unter uns bleiben würde, wie soviele Gespräche die wir schon geführt hatten. Im Nachhinein ging es mir nachdem ich brav immer alles erzählt hatte auch wieder besser. Ich hoffte das es diesmal auch der Fall sein würde.
So fing ich an zu erzählen, von Cèlie, der Zaubertrankstunde und meinen Gedankengängen. Dumbledore unterbrach mich nie sondern hörte die ganze Zeit über stillschweigend zu. Als ich geendet hatte sah ich ihn hoffnungsvoll an.
Mir ging es nur etwas besser, da ich mir nun endlich alles von der Seele geredet hatte, aber meine Gefühle für Cèlie waren immer noch da. Ich hatte auch nicht erwartet das sie einfach so verschwanden.
"Ich muss sagen, das ich so etwas erwartet hatte" begann Dumbledore leise "Deine Gefühle werden sich nicht so ohne weiteres legen. Das beste wäre es ihr zu sagen, vielleicht erwiedert sie deine Liebe aber vielleicht auch nicht. Wenn sie es nicht tut wirst du depremiert sein, aber deine Gefühle würden sich nach und nach legen"
Er sah zu mir und ich schüttelte wie schon die ganze Zeit lang den Kopf. Eine solche Reaktion hatte ich erwartet und ich war mir darüber einig geworden dass ich Cèlie nichts davon erzählen würde. Dumbledore zuckte mit den Schultern.
"Wie du meinst, aber so wirst du dein Problem nicht lösen können, Severus"
Ein paar Minuten herschte Schweigen. Jeder ging seinen eigenen Gedanken nach. Seufzend stand ich auf.
"Okay, ich schätze ich werde versuchen es ihr zu sagen... aber morgen abend!" Dumbledore lächelte und er sah bei weitem nicht mehr so besorgt wie vorher aus.
"Ich freue mich darüber und werde Morgen nach deinem Gespräch mit ihr mal kurz vorbeischauen." Missmutig verzog ich das Gesicht "Jetzt geh erst mal was essen!"
Mit einem Nicken verabschiedete ich mich und ging. Natürlich hatte ich nicht vor etwas zu essen zu mir zu nehmen. Ich ging in meine Räume und legte mich ohne weiter nach zu denken hin.
Ich hatte auf Dumbledores Worte vertraut und mir deshalb falsche Hoffnungen gemacht. Ich schätze es ist falsch wenn ich ihm jetzt die ganze Schuld zu schiebe, schließlich war ich der dumme der falsch reagiert hatte. ich hätte es für mich behalten sollen und wäre wohl mit diesem Gefühl gestorben aber das wäre bei weitem nicht so schlimm gewesen wie jetzt.
Wie auch immer, ich hatte mich seinem Rat bedient und war bereit es durchzuführen.
Am nächsten Morgen hatte ich sie wieder im Untericht und ich wurde sofort nervös als sie eintrat, wieder einmal bemerkte nur Harry mein falsches Verhalten. Diesmal jedoch hatte ich mir vorgenommen wieder durch die Reihen zu gehen und ein paar Punkte abzuziehen.
Als ich bei Longbottom ankam und seinen Trank gerade miesepetrig beäugte riss mich eine süßliche Stimme aus meiner soeben vorbereiteten Schimpfeskapade gegen Longbottom.
"Professor?!" meine Beine fühlten sich an wie Butter als ich mich zu Miss Rougeville umdrehte und sie mir ein liebevolles Lächeln zuwarf. Ich schwebte förmlich zu ihr hinüber.
"Sir," begann sie und strich sich verlegen eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre liebevolle Stimme brachte mich fast dazu ihr das "DU" anzubieten, aber ich riss mich zusammen. "Sie haben gesagt der Trank solle zum Abschluss grün dampfen, aber meiner dampft blau. Was hab ich denn falsch gemacht?"
Neben ihr schielte Granger auf den Trank, sie hatte es genau wie ich erkannt.
"Nun, Sie haben Elfenstaub hinzu gegeben anstatt Ringelblumen-nektar"
Miss Rougeville sah mich erstaunt an und ihr Blick wanderte sofort zur Tafel, an der das Rezept stand. An diesem Trank konnte man defenitiev nichts mehr retten, aber ich ertappte mich dabei wie ich anfing Vorschläge für eine Ersatzarbeit für sie zu sammeln.
"Professor..." stotterte sie leise "An der Tafel steht aber Elfenstaub und nicht Ringelblumen-nektar..."
Irritiert sah ich genau wie Granger und der Rest der Klasse zur Tafel. Tatsächlich, ich hatte mich anscheinend schon wieder vertan und wohl ausversehen diese Zutat vertauscht. Mein Blick fiel sprachlos zu Grangers Trank, der grün schimmerte, so wie es sein sollte. Nun das hatte nicht viel zu bedeuten, sie kannte die Zutaten wahrscheinlich auswendig, aber zu meinem bestürzen sah ich das auch Potters Trank schwach grün schimmerte, ebenso wie der von Malfoy, Finnigan, Seamus und noch ein paar anderen. Wie konnten sie die Tränke richtig haben obwohl ich doch die Falsche Zutat angeschrieben hatte? Diese Sache war mir ein Rätsel, aber ich beschloss nicht weiter darüber nach zu denken und einen neuen Plan zu erfassen.
"Nun gut, wohl wieder mal ein Fehler." murmelte ich und sprach dann wieder in meiner altgewohnten kühlen Stimme weiter "Die jenigen, die den Trank richtig haben können ihn vorne bei mir abgeben. Die anderen" Mein Blick fiel bewusst zu Longbottom, dessen Trank neongelb war "werden mir eine ausführliche Hausarbeit über diesen Trank in der nächsten Stunde abliefern. Bis auf Miss Rougeville, da sie diesen Fehler bemerkt hat!" Ich schlenderte wieder nach vorne und hörte noch Granger vor sich hin philosophieren.
"Ich hätte schwören können, das die Zutat richtig dort stand..." In Gedanken stimmte ich ihr zu, beließ es aber dabei.
"Ach Miss Rougeville" bemerkte ich als sie gerade den Raum verlassen wollte. Sofort drehte sie sich zu mir um und lächelte wieder. Ihre grünen Augen glänzten fröhlich und mein Herz setzte kurz aus um danach viel zu schnell weiter zu klopfen.
"Ja?" Ihre Stimme war so zart und süß...
"Wären sie so freundlich, heute nach dem Abendessen in mein Büro zu kommen? Ich müsste etwas mit Ihnen bereden" Ich war überascht wie leicht mir diese Worte von der Zunge kamen und noch überaschter war ich als sie nickte und sich kurz danach mit einem "Bis dann" verabschiedete.

5.Kapitel- Dumbledore, der einzige?

Gegenüber steht ein Telefon,
es lacht mich ständig an voll Hohn,
es klingelt, klingelt aber nicht!
Sieben Bier zuviel geraucht das ist es was ein Mann so braucht
Doch niemand, niemand sagt: "Hör auf!"
(Matthias Reim= Verdammt ich lieb dich)

Und so fing mein Leben an entgültig den Bach runter zu gehen. Wie schon anfangs erwähnt, ich hätte niemals mit ihr reden dürfen! Aber für diese Einsicht ist es nun etwas spät, wahrscheinlich weiß es jetzt schon die ganze Schule und amüsiert sich blendend. Und ich sitze hier und spüle meinen Kummer mit dem, ich glaube, sechsten Glas herunter.
Ich kann mich nie wieder in Hogwarts sehen lassen, ohne das nicht irgendjemand mich verspotten wird. Den Eindruck den ich extra mit Mühe bei allen hinterlassen habe wird nun umsonst gewesen sein. Ich sehe schon Longbottom in einer Ecke auf dem Boden liegen und sich vor Lachen den Bauch halten, während Rougeville die besten Szenen mit Tränen in den Augen, vor lauter Lachen, immer wieder wiederhohlt.
Nein, ich kann definitiev nicht zurück!
Aber wo soll ich hin? Wie werden die Schüler darauf reagieren, wenn sie hören das ich zu feige bin um mich meinen Problemen zu stellen? Sie werden lachen, so oder so.
Was soll ich jetzt tun? Ich habe noch nie in einer derartig verzwickten Lage gesessen, woher soll ich jetzt wissen wie ich damit umgehen muss?! Es gab zwar immer schon Schülerinnen die ich einigermaßen hübsch fand, aber noch nie hatte ich mich in eine verliebt... Und jetzt? Jetzt kommt so ein junges Ding und ich komme mir vor wie ein pubertierender 14jähriger Junge. Ich seufze Schwer und nehme einen kräftigen Schluck aus meinem Glas. Schon seit einiger Zeit habe ich ein leichtes Schwindelgefühl und ich nehme meine Gefühle immer weniger wahr, ich schätze das liegt wohl an dem Alkohol. Morgen, das stand fast. könnte ich mir einen starken Trank gegen Kopfschmerzen brauen. Aber noch merke ich nichts davon und so trinke ich immer weiter.
Hier ist keiner der mich davon abhält, wie es bei den meisten Leuten vorkommt, ich habe meine Ruhe. Keiner wird es wagen mich in diesem Zustand überhaupt anzusprechen, jeder kann damit rechnen das ich ihm ohne zu zögern den >Avada Kedavra< auf den Hals hetze. Obwohl der Cruciatus doch geeigneter ist, danach wird mich garantiert keiner mehr ansprechen.
Oje... ich werde immer mehr wie früher. Dumbledore hatte damals Recht als er meinte das seine Arbeit an mir umsonst gewesen war. Ich habe mich ihm zuliebe zum Guten geändert und es hat mir auch gut gefallen, nicht immer auf sich allein gestellt zu sein, sondern jemanden zu haben, der sich um einen kümmert, aber wenn ich so sehe war alles umsonst.
Ich hätte mir eigentlich denken müssen das ich mich mal dermaßen zum Guten wenden würde und anfangen könnte Gefühle zu entwickeln. Ich hätte es wissen müssen, dass wenn es so weit ist, ich mich wieder selbst zerstöre und bei der nächstbesten Entäuschung wieder zurück in mein schwarzes, einsames Loch falle. Nie wurde ich entäuscht, damals war ich einfach nur einsam und habe mir die Zeit damit vertrieben schwarze Magie anzuwenden. Ich konnte mich perfeckt vor Enttäuschungen schützen, in dem ich die Leute immer gleich vor den Kopf stieß und so konnte mich keiner zerstören, da ich nicht zuließ das meine Gefühle sich für jemanden weiter entwickelten. Ich habe angefangen jeden zu hassen, den ich kannte.
Bis Dumbledore merkte, oder meinte zu merken, dass ich Hilfe bräuchte. Ich hatte keine Hilfe gebraucht, ich kam sehr gut allein zurecht! Aber ich nahm seine Hilfe trotzdem an.
Heute merke ich das ich das niemals hätte tun sollen, ich habe die Zeit meines Freundes unnötig verschwendet. Jetzt bin ich genau wie damals. Verschlossen, ich schwöre mir das niemals mehr jemand nahe an mich ran kommt. Nie wieder! Ich bin ein Einzelgänger und nicht dazu geschaffen Freunde zu haben oder zu lieben. Ich bin dazu da um gehasst zu werden, der anderen Sündenbock bin ich!
"Wär ich doch nur damals nach Askaban gekommen..." murmele ich vor mich hin und nehme einen weiteren Schluck aus meinem Glas.
"Sag so etwas nicht, Severus!"
"Dort hätte ich keine Seele mehr und demnach könnte ich auch nicht fühlen. Ich schließe daraus: Besser in Askaban als hier!" Ich rede einfach, ich weiß gar nicht mit wem. Wahrscheinlich mit mir selbst, aber ich gebe zu es tut gut zu reden. Ich habe mir zwar geschworen es nicht mehr in der Öffentlichkeit zu tun, doch jede Regel hat Ausnahmen.
"Severus, es war ein Reinfall, aber das ist kein Grund dich jetzt so gehen zu lassen!"
Ich sehe nach Rechts und erblicke, Dumbledore. Wen sonst? Natürlich, ich war nicht in meinen Räumen, das ist schließlich ein Grund für den alten Mann aus seinem Schloss zu kommen und mir nachzulaufen. Wie weit Neugier doch gehen kann. Ich schüttele meinen Kopf und gebe ein verächtliches kühles Lachen von mir. Wahrscheinlich das kühlste Lachen das ich jemals zustande gebracht habe. So kühl das es schon fast wieder warm ist und nach tiefer Verzweifelung klingt. Ich sehe Dumbledore nicht an. Ich weiß was ich dort sehen werde und ich will gerade diese vielsagenden, mitfühlenden Augen jetzt nicht sehen.
Ich spüre wie er seinen Arm auf meine Schulter legt, es fühlt sich beruhigend an, aber eigentlich will ich es gar nicht. Mein Körper fühlt sich zu schwach um ihn davon abzuhalten, so lasse ich es zu.
"Severus, du wirst sie vergessen und schon bald wirst du darüber lachen. Es wird seine Zeit brauchen, aber es dauert nicht ewig. Du bist stark, du stehst über sowas!"
Ich schüttele langsam den Kopf. Was Albus sagt ist schwachsinn und wieder bin ich zu feige ihm das zu sagen. "Eine Person zu vergessen, heißt ständig an sie zu denken!" flüstere ich und ich merke das Albus nickt.
Ich sehe wie er nach meinem leeren Glas greift, es weg stellt und an meinem Arm zieht.
"Komm, Severus. Komm wir gehen zurück ins Schloss!" sagt er sanft als ich mich keinen Millimeter von der Stelle bewege.
Ich atme hörbar ein und schließe die Augen. Noch immer bewege ich mich nicht. Dann sage ich, schärfer als es beabsichtigt war: "Ich kündige!"
Dumbledores Griff wird lockerer und er starrt mich entsetzt an. Ich nicke nur um meine Worte zu bekräftigen und er schüttelt lächelnd den Kopf.
"Severus, hat dir denn keiner beigebracht, das es nicht zählt wenn man dies in einem betrunkenen Zustand sagt? Du bist nicht du selbst, aus dir spricht der Alkohol!" Ich gebe ein hohles Lachen von mir und sehe ihm in die Augen.
Sein Blick ist traurig und mitleidig. Ich will kein Mitlied und erst recht nicht von ihm. Dumbledore ist an allem Schuld. Er hat mich regelrecht dazu gezwungen es zu tun.
Ich will nicht mehr auf diese Schule! Nie wieder. Ich frage mich warum ich das nicht schon vorher getan habe. Genug Geld habe ich um jetzt schon in Rente zu gehen. Ich könnte wieder in mein Haus am Meer zurückkehrern und dort einsam und verlassen sterben. Dort würde ich keinen Stören, niemand würde sich mehr um mich ärgern!
"Das ist mein Ernst und es wird auch morgen noch so sein. Ich möchte nicht mehr unterrichten und vor allem möchte ich nicht mehr in diese verdammte Schule zurück!" meine Stimme ist lauter geworden und einige Gesichter der Gäste haben sich mir zugewandt. Sicher, sie kennen mich alle. Jedenfalls das notwendigste wissen sie von mir.
Ein verbitterter ehemaliger Todesser und Zaubertränkelehrer auf Hogwarts. Ein Tyrann!
"Severus, ich bin nicht bereit in diesem Zustand mit dir darüber zu diskutieren. Ich verbiete dir zu kündigen und du wirst jetzt auf der Stelle mit mir zurück nach Hogwarts gehen!" Ich habe unseren Schulleiter noch nie so wütend erlebt. Mir ist gar nicht aufgefallen das ich ihn wütend gemacht habe.
Es ist doch meine Sache ob ich kündige oder nicht. Es kann ihm doch egal sein. Es wird sich sicherlich schnell ein neuer Lehrer für Zaubertränke finden. Ich bin kein großer Verlust!
Ich weiß nicht wieso, aber ich gehorche trotzdem und kehre leicht schwankend mit ihm nach hogwarts zurück. Ich hatte mir vorgenommen meine Gefühle nicht zu zeigen, aber als wir die drei Besen verlassen haben kommen mir die Tränen. Ich kann nichts dagegen tun, sie laufen einfach und jegliches wegwichen ist zwecklos. Ich spüre die Blicke derer auf mir, die gerade zufällig an mir vorbei gehen. Auch sie kennen mich, oder auch nicht. Ich werde sie ganz schön entsetzt haben, der zynische Tränkemeister weint.
Dumbledore streicht mir beruhigend über den Rücken, sagt jedoch nichts, was ich durchaus begrüße. Ich komme mir nun vor wie ein 3 jähriger, der hingefallen ist. Ich spotte über mich selbst, rede sinnloses Zeug und die Tränen fließen immer mehr.

6.Kapitel- Kopfschmerzen und andere Missgeschicke

Oh lieb solang du lieben kannst,
Oh lieb solang du lieben magst,
Die Stunde kommt,
Die Stunde kommt
Wo du an Gräbern stehst und klagst

Seit mich Dumbledore aus der Kneipe geschleppt hat, ist viel Zeit vergangen und es ist viel Wasser den Fluss runter geflossen. Wieder mal habe ich diesem Mann meinen Lebenswillen zu verdanken, was mir ganz und gar nicht gefällt, denn ich bin mir sicher das ich ewig in seiner Schuld stehen werde. Dies sind Sachen, die man nicht mit Geld zurück zahlen kann, sonder hier zählen die Taten. Und wie könnte ich wohl dem größtem Magier aller Zeiten eine Hilfe sein? Ein lächerlicher Gedanke, aber vielleicht reicht es wenn ich ihm die Socken stopfe.

An meinem zurück gekehrten Humor erkennt man wohl das es mir wieder gut geht, aber was heißt schon gut? Diese Sache ist nun ein ganzes Jahr lang her und es schmerzt mich nicht mehr im geringsten, denn mir geht es blendend. Ich könnte Albus zu meiner Hochzeit einladen.... aber nein, meiner zukünftigen habe ich versprochen das es eine sehr kleine Feier wird, nur im Rahmen der Familie. Ich bin schließlich hörig. Aber okay, ich schweife mal wieder ab. Zu Anfang als Dumbledore mich aus der Kneipe geholt hatte, war ich ziemlich wütend auf ihn, in Hogwarts angekommen schloss ich mich sofort in meinem Kerker ein. Nicht das dies ein Hindernis für Dumbledore wäre, aber er ließ mich trotzdem alleine.

Ich legte mich sofort ins Bett, aber der Alkoholkonsum machte es mir unmöglich zu schlafen, obwohl es dunkel war hatte ich das Gefühl, es würde sich alles im Kreis drehen. Ich habe wirklich keine Ahnung wie ich es schaffte diese Nacht zu überstehen, doch irgendwann musste ich wohl eingeschlafen sein, denn ich wachte auf als es solangsam wieder hell wurde. Dumbledore hatte mir angeboten auszuschlafen und mich zu erholen und Zaubertränke würde dann halt mal für einen Tag weg fallen, aber das käme gar nicht in Frage. Ich war schlechter Laune und eine Ablenkung würde mir gut tun.
Mit höllischen Kopfschmerzen ging ich zum Frühstück in die Große Halle, wo ich mich schon länger nicht mehr sehen gelassen hatte. Ich musste schrecklich aussehen, aber ich hatte mich nicht getraut in den Spiegel zu blicken. Wahrscheinlich hatte ich Ringe unter den Augen und roch noch immer ziemlich nach Alkohol. Ich weiß nicht wie so ich als ich aufgewacht war, keinen Trank gegen Kopfschmerzen zu mir genommen hatte, dies viel mir auch erst auf als ich am Lehrertisch saß und die vielen Unterhaltungen der Schüler mir ziemlich auf den Kopf schlugen. „Einen Kaffee, Severus?“ fragte Albus sanft und hielt mir eine Kanne hin. Dankend nahm ich sie an, war jedoch nicht in der Lage irgendetwas zu erwiedern. Ein starker Kaffee war genau das was ich brauchte, denn ich hatte direckt in den ersten beiden Stunden Untericht bei Miss Rougeville.
Celiè...
Meine Augen versuchten verzweifelt zum Tisch der Slytherins zu schielen um sie zu sehen, aber mein Kopf sagte mir ich sollte es lassen. Ich würde ihr nicht hinter her laufen. Diese blöße würde ich mir nicht geben. Ich würde sie wie Luft behandeln, sie würde schon sehen mit wem sie sich angelegt hatte! Wie so oft hatte ich nichts gegessen und war nach meiner Tasse Kaffee sofort in den Kerker zurück gekehrt um schnell einen Trank gegen die Kopfschmerzen einzunehmen. Ansonsten würde ich diesen Tag wohl nicht überstehen. Als ich zu meinem Klassenraum schritt, standen bereits alle vor der Tür. Ich bemerkte im vorbei gehen Miss Rougeville und Miss Granger an der Wand lehnend, wie sie mir Blicke zuwarfen, die ich nicht deuten konnte. Aber ich war mir sicher das Miss Granger bescheid wusste.

Für mich stand fest das ich ihnen keine Gelegenheit geben würde meine Schwächen zu sehen.
Ich würde härter sein als sonst! Mit dramatisch wehender Robe öffnete ich die Tür und ließ die Schüler eintreten, ehe ich selbst eintrat.
„Setzen Sie sich!“ raunzte ich schlecht gelaunter als je zuvor. „Sie sehen das Rezept an der Tafel, sie werden diesen Trank jetzt brauen, ohne dämliche fragen zu stellen und vor allem ohne Unterhaltungen und fremde Hilfe. Dies wird ein Test und er wertet doppelt soviel wie die bisherigen Noten. Also wer die Hausaufgaben gemacht hat, dürfte damit keine Problem haben. Die Zutaten finden sie im Schrank. Fangen Sie an!“
Mit verschränkten Armen beobachtete ich die entsetzten Gesichter der Schüler, besonders den von Miss Rougeville. Sie hatte die Hausaufgaben auf jeden Fall nicht gemacht, das tat sie in meinem Fach wohl nie denn sie kam schließlich immer davon. Aber heute nicht. Ich denke sie hatte das gewusst, denn sie starrte hilfe suchend zu Miss Granger. Verdammt, Miss Granger. Die hatte ich vollkommen vergessen. Sie saß direckt neben Miss Rougeville und würde diesen Trank perfeckt können.
„Ach Miss Granger, ich gehe davon aus das sie diesen Trank schon können?“ fragte ich und sah sie an. Leicht erschrocken nickte sie.
„Sehr schön, dann können sie mir hier vorne mit einem anderem Trank helfen!“
„Ja, Sir“ meinte sie und warf einen Blick zu Miss Rougeville die nun ein Gesicht zog wie sieben Tage Regenwetter. Die Stunde verlief vollkommen zu meiner Zufriedenheit. Miss Rougeville war auf sich alleine gestellt und Miss Granger braute den Trank größtenteils alleine, während ich ihr über die Schulter sah. Er war für Madam Pomfrey, ein einfacher Trank der Knochenbrüche heilte, normalerweise konnte dabei nicht viel schief gehen, besonders wenn man im Umgang mit Zaubertränken geübt war.
„Professor, diese Zutat auch?“ fragte Miss Granger etwas verwirrt während ich Miss Rougeville fixierte. Ich sah nur flüchtig hin.
„Natürlich!“ antwortete ich bissig „Sonst würde sie nicht hier liegen!“ Miss Granger zuckte kurz mit den Schultern, fing an die Zutat zu zerkleinern und warf sie in den Topf als mir ein entsetztes „NEIN!!!“ entfuhr. Sie stand direckt vor mir und zuckte erschrocken zusammen, aber es war zu spät gewesen. Noch bevor ich es verhindern konnte explodierte der ganze Trank mit einer Wucht die Miss Granger und mich gegen die Tafel katapultierte. Kreischend duckten sich die Schüler und sahen erschrocken zu uns rüber. Ich lag auf dem Boden und hatte den Aufprall für Miss Granger abgefangen in dem sie auf mich fiel. Ein paar Sekunden lang drehte sich alles um mich herum, aber die gesammte Situation ließ mich sofort wieder zur Besinnung kommen, während Miss Granger anscheinend ohnmächtig war.
„Raus hier, sofort!“ schrie ich die Schüler an und ein Anflug von Panik machte sich breit „Weasley, Potter, sie holen Madam Pomfrey und Professor Dumbledore. BEEILUNG!“ Das letzte Wort schrie ich und innerhalb von einer Minute war ich mit der ohnmächtigen Miss Granger alleine. Unter heftigen Schmerzen rappelte ich mich auf und trug Miss Granger auf den nächsten freien Tisch um zu sehen ob sie verletzt war. Äußerlich hatte sie keine weiteren Verletzungen abgesehen von ein paar blauen Flecken, aber ich konnte darauf schließen das sie in keine normale Ohnmacht gefallen war. Ihre komplette Kleidung war vom Trank durchnässt, der zum Glück noch nicht erhitzt worden war, ich wusste nicht wie der Trank mit dieser Zutat auf der Haut wirkte, aber man konnte keine Rötungen erkennen also nahm ich an das er Hautverträglich war. Humpelnd schritt ich auf den nächsten Stuhl zu und wartete auf Albus und Madam Pomfrey. Schon nach fünf Minuten trudelte Madam Pomfrey eiligst herein und blieb erschrocken, von dem Schaden die diese Explosion angerichtet hatte, am Türrahmen stehen.
„Meine Güte, Professor“ keuchte sie und sah auf die Unordnung die sich ihr anbot. Das komplette Pult war umgekippt, der Schrank mit den Zutaten wurde noch gerade von einem Stuhl vor dem Aufprahl auf den Boden bewahrt und die Tafel hatte von meinem Sturz einen großen Riss erhalten.
„Untersuchen Sie Miss Granger“ sagte ich barsch und atmete tief durch. Erst jetzt viel ihr Blick auf sie und sofort hüpfte sie geschickt über das Schlachtfeld zu Miss Granger und untersuchte sie.
„Severus!“ rief eine andere Stimme und ich sah erneut zur Tür an der nun Albus stand und mich mit geweiteten Augen über seine Halbmondbrille aus anssah. Hinter ihm standen Potter und Weasley und versuchten besorgt etwas von Miss Grangers Zustand zu erkennen, aber das störte mich im Augenblick nicht. Mit einer kleinen Handbewegen räumte Albus das umgekippte Pult bei Seite und kam zu mir herüber.
„Was ist passiert?“ fragte er und musterte Miss Granger.
„Ich habe mit Miss Granger einen anderen Trank gebraut und ihr ausversehen die falsche Zutat gegeben“ meinte ich kurz. Es entsprach nicht alles der Wahrheit, aber es kam ihr am nächsten. Albus nickte.
„Sie ist völlig in Ordnung bis auf ein paar blaue Flecke, aber was mich stört ist das sie nicht aufwacht. Das dürfte bei einer normalen Ohnmacht normalerweise nicht sein!“ durchbrach Madam Pomfrey die Stille und sah abwechselnd zu mir und Albus.
„Momentan kann ich nichts weiter für sie tun, aber Professor, sie machen mir viel mehr Sorgen!“ meinte sie und kam auf mich zu. Erst jetzt wurde ich mir meiner Schmerzen wieder bewusst. Mit hochgezogener Augenbrau sah sie mich an.
„Professor sie müssen den Oberkörper schon frei machen, wenn ich sie untersuchen soll.“
„Ja, richtig“ murmelte ich abwesend und zog meine Robe und meinen Pullover aus. Erschrocken starrten mich Albus und Madam Pomfrey an und auch von Potter und Weasley meinte ich ein entsetztes Keuchen zu hören

7. Kapitel- Wo ist das Problem?

Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein,
Ohne dich, fahr ich heut Nacht nicht heim
Ohne dich, komm ich heut nicht zur Ruh,
das was ich will bist DU!
(Münchener Freiheit- Ohne dich)

„Was starrt ihr denn verdammt noch mal so?!" rief ich und etwas verwirrt sah ich an meinem Oberkörper herunter. Dort war nichts zu entdecken, jedenfalls nichts ungewöhnliches. Ich gebe zu es ist nicht gerade der beste Oberkörper, hier und da waren ein paar alte Narben von meiner Todesser Arbeit, aber deshalb brauchten sie nicht so zu starren!
„Du meine Güte" presste Dumbledore zwischen den Zähnen hervor. So allmählich wurde mir das zu blöd. Er konnte seinen Blick nicht von meiner Brust abwenden und ich wurde zusehend ungeduldiger. Um auf MICH aufmerksam zu mache tappte ich genervt mit dem Fuß. „Junge, du..." versuchte es nun Madam Pomfrey aber brach sofort wieder geschockt ab. Niemand wagte sich zu bewegen, außer mir. Ich war wie immer und ich hasste es angestarrt zu werden und noch mehr hasste ich es mit dem Ausdruck „Junge" betitelt zu werden. Ich war schon seit längerer Zeit kein Junge mehr. Hatte das etwa keiner bemerkt?
„Was habt ihr denn alle?!" fragte ich gereizt und erst jetzt schien Dumbledore sich langsam zu erholen und sah mir ins Gesicht.
„Severus, wieso tust du so was?" Traurig schüttelte er den Kopf. Noch immer verstand ich nicht was eigentlich passiert war. „Wie?" Dumbledore verzog leicht das Gesicht und kam nun zu mir rüber. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden gesehen der so ..." er schien nach Worten zu suchen. „Dünn" warf Potter ein und Dumbledore nickte. „jemanden gesehen der so dünn ist und noch am leben ist. Hast du dich in der letzten Zeit mal im Spiegel betrachtet?"
Dünn?
Ich gebe zu, ich war schon immer dünn und in letzter Zeit hatte ich tatsächlich wenig gegessen aber ich sah auch nicht anders aus als sonst, so dachte ich zumindest. Durch den ganzen Alkohol hatte ich sogar noch 2 Kilo zugenommen. Also wo war das Problem. „Albus, dünn ist wirklich etwas untertrieben" meldete sich nun Madam Pomfrey wieder und fing an meinen Oberkörper zu betasten. Als sie fertig war, warf sie mir einen vorwurfsvollen Blick zu. „Du bist nur noch Haut und Knochen! Wann hast du zuletzt was ordentliches gegessen?" Ich dachte nach und wich geschickt ihrem wütenden Blick aus. Hatte ich was übersehen? Seit wann duzten wir uns? „Ähm..." fing ich an doch sie unterbrach mich, kaum das ich den Mund aufmachte. „Das dachte ich mir! Du machst dich kaputt, Junge!" Wütend sprang ich auf und stellte mich mit verschränkten Armen vor sie hin. „Ich würde gerne mal wissen, seit wann wir uns mit DU ansprechen und woher Sie eigentlich wissen wollen wie dick oder dünn ich sein muss. Mein Gewicht ist immer so und mir geht es blendend! Und wenn ich schon mal dabei bin, nennen Sie mich nicht mehr JUNGE!" Ich weiß das klang kindisch, aber das musste einfach raus. Mir gefiel es einfach nicht wenn andere versuchten über mich zu bestimmen. Und dann auch noch eine Möchtegern Krankenschwester. Das sagte ich natürlich nicht, in dieser Hinsicht konnte ich mich noch beherrschen. Einige Sekundenlang sah sie mich nur erschrocken an, doch schließlich warf sie Albus einen Blick zu und schüttelte den Kopf. Mit einem sanften Lächeln kam sie auf mich zu und drückte mich zur Seite. Sie wedelte kurz mit ihrem Zauberstab und plötzlich erschien ein seltsames Gerät auf dem Boden. „Das hier ist meine Waage, sie wiedersteht jedem Bestechungsversuch und wenn du den Mumm hast, stellst du dich darauf und wir werden sehen ob dein Gewicht normal ist. Ich bezweifle das etwas, da man bei dir jede Rippe einzeln ablesen kann." Sie sprach ohne irgendeine Reaktion von sich zu geben und vor allem ohne das ich ein Kommentar einwenden konnte. Sie kannte mich anscheinend besser als ich dachte. „Und was das duzen angeht, Junge. Ich rede so mit dir, weil ein Erwachsener Mensch, gelernt hat zu essen und regelmäßig Nahrung aufzunehmen. Gerade als Zaubertränkelehrer sollte man wissen wie wichtig es ist zu essen. Magersucht ist eine Teenager-Krankheit und wenn du als volljährige Person betrachtet werden möchtest, dann benimm dich auch dementsprechend!" Jeder anderen Person hätte ich schon längste einen Fluch aufgehext, aber sie kam mir irgendwie vor wie eine Mutter die mir eine Standpauke machte, weil ich nicht artig gewesen war. Im Grunde war ich froh das Mc Gonnagal nicht auch noch hier saß, sie hätte mir Sicherheit noch ein paar Worte in dieser Situation zu sagen gehabt und das brauchte ich nun echt nicht. Magersucht... Also wirklich! „Okay, okay. Können wir das jetzt nicht auf später vertagen, ich würde gerne wissen was mit Miss Granger ist!" grummelte ich geschlagen und versuchte das Thema zu wechseln. Die Waage hatte ich erst gar nicht beachtet. „Nichts da Severus!" meinte Albus „Du stellst dich jetzt erst einmal auf die Waage und wir werden weitersehen!" Dieser Tonfall duldete keine Wiederworte und so gab ich auch keine sondern stellte mich, beleidigt mit mir und der Welt, auf die Waage. Madam Pomfrey wich meinen Blicken aus und sah auf ein Gerät in ihrer Hand. „Mmmh" machte sie „46... wenn man das Gewicht der übrigen Klamotten und der Schuhe abzieht hätten wir... „ eine kurze Stille trat ein in der sie meine Hose und meine Schuhe begutachtete. Ich merkte das Potter und Weasley nun auch im Raum standen und dem Schauspiel gebannt folgten. Das musste wohl sehr amüsant sein, zu sehen wie ihr böser Zaubertränkelehrer zur Rechenschaft gezogen wurde. Am liebsten hätte ich die beiden rausgeschmissen, aber im nächsten Moment war ich gerade froh das es die beiden waren die ich los geschickt hatte und nicht Malfoy. Er hätte wahrscheinlich seinem Vater sofort Bericht erstattet und ich hätte sehen können wie ich mich da wieder rausreden würde. „45,5 kg kämen dem Ergebnis wohl recht nahe! Das ist bei dir schon mehr als nur Untergewicht!" schloss sie und zog eine Augenbraue hoch. Ich sah das alles Recht locker, früher wog ich 60 und war ebenfalls dünn gewesen jetzt wog ich halt knapp 20 Kilo weniger. Wo lag also das Problem? Ich kam von der Waage und sah stur in die Runde. Weasley beugte sich zu Potter rüber und raunte ihm leise etwas zu, ich verstand es aber ganz genau. „Sogar ich wiege mehr als er, dabei ist er um einiges größer als ich!" Ich wollte hier raus und zwar so schnell wie möglich. Wieso auch hatte ich darauf bestanden das Miss Granger mir bei dem Trank half? Jetzt hatte ich den Salat! „Okay, ich denke viel tun kann ich im Moment nicht. Ich muss erst einmal deine anderen Wunden heilen und mich dann um Miss Granger kümmern. Deine Malzeit besteht nun Morgens, Mittags und Abends aus Sondernahrung. Anders bekommt man dich ja nicht mehr zum essen!" Mit diesen Worten wies Madam Pomfrey mir an mich zu setzen und begann damit meine Wunden zu verarzten. Es waren ein paar Prellungen und Stauchungen dabei allerdings nichts ernstes. Zum Schluss wandte sie sich noch einmal zu Miss Granger und untersuchte sie erneut, konnte jedoch nicht feststellen was sie hatte. „Ich schlage vor wir probieren es mal mit dem Seelenortungsstein!" meinte Albus etwas ratlos als Madam Pomfrey sich schulterzuckend zu ihm umgewandt hatte. Sie nickte und trat zu Seite, damit Albus an Miss Granger ran kam. Ich hatte den Stein, den er nun aus der Tasche nahm, schon öfter in seinen Händen gesehen, jedoch nie gewusst wozu er da war. Es war ein kleiner Stein mit einer glatten blauen Oberfläche. Albus hielt ihn gezielt über sie und murmelte etwas. Nichts geschah. Er wiederholte es insgesamt drei mal, jedoch ohne Erfolg. „Ihre Seele.. ist nicht da!" rief er aus. Erschrocken kam ich zu ihm rüber gehumpelt ebenso wie Potter und Weasley. „Was soll das heißen? Ist sie etwa..." ich wagte nicht darüber nachzudenken hatte ich Miss Granger etwa umgebracht? Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Schüler gingen mir oft auf die Nerven, aber nie wollte ich einen Schüler umbringen. Ich hatte schon Menschen getötet, doch aus dieser Phase war ich lange raus. Ich dachte nicht einmal mehr daran jemanden umzubringen. Und jetzt? Sollte ich nun wieder damit angefangen haben? Ich warf Albus einen flehenden Blick zu. „Nein nein," winkte er ab „Ihre Seele befindet sich nur nicht in ihrem Körper. Aber eine herumirrende Seele kann sich nicht an ihren Körper erinnern. Das heißt, wenn wir sie nicht finden ist sie verloren!" Das konnte ja heiter werden. Eine Seele suchen! Wie zum Teufel sah eine Seele aus und wie sollte man sie in ihren Körper zurück scheuchen? Wieder sah ich in die Runde und begegnete Potters Blick. Er hatte sich mir gegenüber verändert, sonst war sein Blick leicht wütend und zum größtenteils ängstlich, aber jetzt... Jetzt sah er mich mit einem Gefühl aus Hass und Tiefem Mitgefühl an. Wofür der Hass war konnte ich mir denken, ich hatte schließlich soeben seine beste Freundin ins Jenseits befördert. Nur wofür stand sein Mitgefühl?

Kapitel 8- Eingeholt von der Vergangenheit

„Heißt das etwa wir sehen sie nie wieder?" fragte Weasley und sah von einem zum anderen. Es tat mir leid, ich hätte sie niemals nach vorne holen sollen und ich hätte mich niemals auf Miss Rougeville fixieren dürfen. Ich war an der ganzen Misere Schuld und das wusste jeder, wie gerne hätte ich mich bei allen entschuldigt, besonders bei Miss Granger. Aber ich hatte nicht den Mut dazu. Entschuldigungen waren nie mein Ding gewesen. „Das ist schwer zu sagen, wenn wir es schaffen heraus zu finden wo ihre Seele sich aufhält, dann könnten wir sie retten. Aber so ist sie nicht mehr als ein Opfer aus Azkaban. Azkaban, schon wieder Azkaban. Sie war unschuldig, das hätte mir passieren sollen nicht ihr! Es war doch alles keine Absicht gewesen. Sie war eine nervige Göre, die alles wissen wollte. Wenn ich im unterricht etwas erklärte, hing sie mir förmlich an den Lippen. Genau wie ich es damals getan hatte. Allerdings hatte ich zu meiner Schulzeit selten Fragen gestellt oder sonst irgendwie versucht auf mich aufmerksam zu machen. Was ich nicht verstanden hatte, hatte ich später in der Bibliothek nach geschlagen. Ich denke das war auch das einzigste was ich mit ihr gemeinsam hatte. Sie war ein durch und durch gutes Mädchen, aber ich war das Gegenteil. „Severus" erschrocken sah ich zu Dumbledore und er lächelte matt. „Sag mal was ist das für ein Trank gewesen?" Natürlich, der Trank. Wahrscheinlich hatte sie einen Teil davon geschluckt. Ich dachte nach, wir hatten fälschlicherweise Elfenstaub dazu gegeben und der Trank war noch nicht fertig gewesen, geschweige denn erhitzt worden. „Es müsste eine Mischung aus zwei Tränken gewesen sein, die beide noch unvollständig waren" begann ich langsam „der eine verfolgt das Opfer solange mit, sagen wir mal, Unglück, bis man eine spezielle Aufgabe erledigt hat..." „Was für eine Aufgabe?" unterbrach mich Potter. Erstaunt sah ich zu ihm rüber. Nie hatte es jemand außer Dumbledore gewagt mich zu unterbrechen. Aber an seinen Augen sah ich das es ihm Ernst war. „Nun, Potter diese Aufgabe bestimmt der Trank. Diese Aufgabe hängt meistens von der Person ab, die ihm den Trank eingeflößt hat, oder an die das Opfer denkt." Potter nickte. „Und der andere?" forderte Albus mich auf, weiter zu sprechen. „Tja, der andere erlaubt jemanden seine Vergangenheit zu ändern. Aber nur ein wenig! Beide Tränke sind vom Ministerium verboten und ich habe sie auch noch nie gebraucht!" Es trat wieder ein Schweigen ein, in der jeder seinen Gedanken nachging. Außer Madam Pomfrey die mir den Ärmel hochkrempelte und irgendetwas murmelte und anschließend eine Art Pflaster auf meinen Arm klebte. Ich sah sie fragend an. Sie zuckte nur mit den Schultern und murmelte etwas von „Sondernahrung". „Sag Severus. Welchen der beiden wolltest du brauen?" Das war typisch, so eine Frage konnte nur Albus stellen. Er vermutete das ich wohl wieder eine Dummheit begehen wollte. Genervt verdrehte ich die Augen und seufzte. „Keinen der beiden. Der eigentliche Trank war, wie gesagt, noch nicht fertig!" Mich überkam ein leichter Schwindel und mir wurde schlecht. Ziemlich schwankend ließ ich mich auf dem nächsten Stuhl nieder. Madam Pomfrey hatte mich natürlich beobachtet und sah nun mit einem schadenfrohen Grinsen zu mir herüber. „Was ist so witzig daran?" fauchte ich in ihre Richtung und Potter und Weasley zuckten erschrocken zusammen. „Nichts weiter, das ist die Sondernahrung. Nachdem du so lange nicht mehr gegessen hast wirkt sie etwas stärker, da kommt es häufiger zu Schwindel und Übelkeit!" Ich gab ein sarkastisches „Toll!" von mir und sah wieder zu der bewusstlosen Miss Granger rüber. Es hatte niemanden etwas weiter geholfen, das wir nun wussten was für eine Mischung das war. Schließlich hatte es keine klare Auskunft darüber gegeben wo sich Miss Granger nun befand. Fakt war, dass es einen komplett neuen Trank ergeben hatte, der ebenso etwas völlig anderes ergeben konnte. Das machte es auch nicht leichter Miss Granger zu finden. Eine ganze Weile lang saßen beziehungsweise standen wir so da. Albus hatte inzwischen begonnen aus Langeweile den Kerker ordentlich zu zaubern. Der Schrank mit den Zutaten stand wieder ordentlich da, wo er stehen sollte, ebenso wie das Pult. Als er gerade dabei war die Tafel mit einem Zauberspruch wieder ganz zu zaubern kam mir ein Geistesblitz. Natürlich wieso war ich nicht schon vorher darauf gekommen? „Ich hab's!" durchbrach mein Schrei die Stille. Fragend sahen alle Anwesenden zu mir herüber. „Ich weiß wo sie ist" meinte ich nun etwas leiser „ In der Vergangenheit natürlich!" Albus verzog das Gesicht und Potter und Weasley sahen sich fragend an. „Ich verstehe nicht was du meinst, Severus" Ich musste dem Drang wieder stehen mir mit der Handfläche gegen die Stirn zu schlagen. Das war nun wirklich nicht schwer. „Sie ist in MEINER Vergangenheit!" murrte ich. Das konnte es nur so sein, wo sollte sie sonst sein. Der Trank konnte gar nichts anderes bewirken! Es war unmöglich. Kurz bevor der Trank explodiert war, hatte ich sie angefaucht. Dann kam mein Schrei. Demnach konnte sie nur an mich gedacht haben. Man denkt automatisch an den mit dem man gerade spricht. Danach kam die Explosion und sie musste irgendwie etwas von dem Trank geschluckt haben. Es war ein heftiger Trank gewesen, wie man an der Explosion erkannt hatte, da konnte schon eine ganz geringe Menge ausreichen um die Wirkung hervor zu rufen. Ich schätze das leuchtete den anderen in diesem Moment auch ein, denn Albus Augen glänzten vor Wissen. „Also hat sie wohl in deiner Vergangenheit eine Aufgabe zu bewältigen." Schloss er und ich nickte. „Ich kann mich ganz dumpf an eine Hermine in meiner Vergangenheit erinnern. Aber ich hatte als sie weg war, diese Erinnerungen verdängt und gedacht sie wäre nur eine Einbildung gewesen" Als wäre nun alles geregelt klatschte Madam Pomfrey in die Hände. „Ich denke es wäre das beste sie in deine Räume zu bringen und abzuwarten bis sie wieder da ist. Mehr können wir nicht tun!" Potter sah sie wütend und entsetzt zugleich an. Ich denke ihm gefiel die Vorstellung nicht das sie bei mir bleiben sollte, aber er vertuschte dies geschickt. „Und was ist wenn sie nicht wieder kommt?!" rief er. Dumbledore legte seinem Schützling besänftigend die Hand auf den Rücken, genau wie er es bei mir immer tat. Mich durchfuhr ein kurzer Stich der Eifersucht. Er war wie mein Vater, er sollte mich beruhigen und nicht ihn. Ich wollte jemanden haben der nur für mich da war und nun das. Ich wusste das er sehr mitfühlend mit Potter umging aber das sollte er nicht! Ich verabscheute Potter und ich wollte mir den Vater nicht mit ihm teilen. Er hatte doch wirklich genug Leute die sich um ihn kümmerten. „Harry," meinte Dumbledore und wieder spürte ich diesen Stich, es war der Ton den er bei mir immer anwandte kurz bevor ich mein Leben bei den Todessern riskierte. Ich musste mein Leben riskieren damit er so mit mir sprach und Potter musste nur naiv sein. Das war nicht gerecht! „Severus hat doch eben gesagt das er sich erinnern kann das sie irgendwann verschwunden war. Also wird sie wieder kommen. Ich schlage vor ihr helft Miss Granger in Severus Räume zu tragen, er wird wohl nicht die Kraft dazu haben sie zu selbst tragen!" Er warf mir einen kurzen Blick zu. Oh wie ich diesen Wink mit dem Zaunpfahl hasse! Ich hätte ihn erwürgen können und als Madam Pomfrey mir noch mal ein Schadenfrohes Grinsen zu warf, hätte ich sie am liebsten ebenso erwürgt!

Kapitel 9 – The magic dragon

Ich bade in meinen Tränen,
kriech auf dem Fußboden umher,
schalt dauernd um zwischen Wahrheit und Traum,
geh in meinen Schrank und häng mich auf,
an diesem so schönen Tag
Es ist ein so schöner Tag.
(Die Toten Hosen-Depression Deluxe)

Nach einer guten halben Stunde, sahen schließlich alle ein, das sie langsam müde wurden und ließen mich so nach und nach mit Miss Granger alleine. Ich fühlte mich nicht müde, ich war zu aufgewühlt um zu schlafen. Ich hatte sowieso selten einen erholsamen Schlaf, meist legte ich mich hin und wachte nach 5 Stunden wieder auf. Mein Körper brauchte nicht so viel Schlaf. Sie hatten Miss Granger auf mein Sofa gelegt, es war nicht bekannt wann sie wieder aufwachen würde, sie würde wohl ihre Zeit brauchen. Und das gerade in meiner Vergangenheit. Jahre lang hatte ich mein Privatleben so gut es eben ging geheim gehalten und dann passierte so etwas! Eigentlich war ich froh darüber, das es Miss Granger war und nicht irgendein anderer Schüler. Miss Granger war klug, sie würde ihre Aufgabe schnell lösen und es in der Schule nicht groß rum plaudern. Mein Blick fiel auf ihren seelenlosen Körper. Albus hatte sie in eine Decke gewickelt, damit ihr Körper nicht halb erfroren war bis sie wieder auftauchte. Ihre braunen Augen, die mir so oft auf die Finger geschaut hatten, waren geschlossen. Ihr Mund, der so oft Fragen gestellt hatte, war trocken und ihre Lippen spröde. Trotzdem stahlte sie noch etwas von ihrer lebhaften Art aus, die mich immer so an ihr gestört hatte. Doch diesmal störte es mich nicht. Der Kerker wirkte wie ausgestorben, nie hatte ich mich hier so allein gefühlt. Ich war mir bewusst das ihr Körper hier lag, aber ihre Anwesenheit fehlte. Mir wurde klar das ich mich die ganze Zeit lang einsam gefühlt hatte, jetzt wurde diese Stille fast unerträglich. Wie ich sie so daliegen sah, fiel mir ein Lied. Das einzigste Lied das ich spielen konnte. Ein Lied das mich mein ganzes Leben lang begleitet hatte. Ich glaube meine Mutter hatte es mir ein paar Mal vorgesungen, es passte zu meiner Einsamkeit. Lange Zeit hatte ich nicht mehr daran gedacht und jetzt plötzlich viel mir das komplette Lied wieder ein.

Puff the magic dragon lived by the sea
And frolicked in the autumn mist
In a land called Honahlee,

Ich hatte mir damals oft ausgedacht wie es wäre wenn ich einen Drachen hätte, den ich reiten könnte. Einfach mit ihm davon zu fliegen und nicht mehr einsam zu sein. Es war lächerlich gewesen, doch es half mir.

Little Jackie Paper loved that rascal Puff
And brought him strings and ceiling wax
and other fancy stuff.

Fast tonlos summte ich vor mich hin und in mir kamen all die Gedanken wieder hoch die ich damals gehabt hatte. Es war vielleicht kurz vor meiner Einschulung in Hogwarts gewesen als lernte dieses Lied auf einer normalen Muggel Gitarre zu spielen. Es wurde nie langweilig selbst wenn ich stundenlang in meinem Zimmer saß und spielte.

Together they would travel
on a boat with billowed sails,
Jackie kept a lookout
Perched on Puff's gigantic tail,
Noble kings and princes
Would bow whene'er they came,
Pirate ships would low'r their flags
When Puff roared out his name.

Mit einem Drachen als Freund hätte ich es all denen zeigen können die mich damals verspottet hatten. Aber ich hatte keine Freunde, und schon gar keinen Drachen. Es war eine stille Sehnsucht, nach dem gewesen, was ich nie hatte und nie haben würde. Einen Drachen zu zähmen wäre unmöglich gewesen. Gerade deshalb verspürte ich immer öfter den Drang danach es doch zu tun. Aber meine Angst hielt mich zurück.

A dragon lives forever
But not so little boys,
Painted wings and giant's things
Make way for other toys.
One grey night it happened,
Jackie Paper came no more
And Puff that mighty dragon,
He ceased his fearless roar.

In einer Geschichte der Muggel hieß es, das Drachen sich nur fortpflanzen könnten, wenn sie einen Drachenreiter hatten. Jemanden der an sie glaubt. Doch irgendwie ist es bei den Muggeln so üblich, das wenn sie älter werden, sie nicht mehr an diese Dinge glaubten und die Drachen so ausstarben. Die Muggel waren sowiso ein komicher Haufen. Sie glauben nicht an Dinge die sie nicht sehen. Gerade deshalb waren sie nicht magisch. Es gab ein paar ausnahmen, die ihren Glauben nicht verloren und die so zu den sogenannten Schlammblütern gehörten. Miss Granger gehörte zu solchen. Ich benutzte dieses Wort nicht mehr, seitdem ich erfahren hatte, welchen Schaden es anrichten konnte.

His head was bent in sorrow,
Green scales fell like rain,
Puff no longer went to play
along the cherry lane.
Without his lifelong friend
Puff could not be brave
So Puff that mighty dragon,
Sadly slipped into his cave.

Puff hatte sich zurückgezogen nachdem sein kleiner Reiter nicht mehr auftauchte. Er war genauso einsam wie ich es war. Mit der Ausnahme das es ihn härter traf, da er vorher einen Freund gehabt hatte. Ich wusste nicht wie es war. Vielleicht hatte ich zu viele Ansprüche gehabt? Es war ein Kindertraum gewesen, ich wollte einen Drachen und keinen Zauberer als Freund. Ich war selbst daran Schuld gewesen. Oder war es meine Mutter? Sie hatte mir das Lied so oft vorgesungen und ich hatte mich dort reingesteigert. Jackie Paper war ein Depp gewesen. Er hatte seinen Drachen alleine gelassen. Er hätte doch seine Kinder zu ihm schicken können. Aber nein, er hatte aufgehört an ihn zu glauben und ihn seinem Schicksal überlassen. Immer mehr kam ich damals zu dem Entschluss, dass menschliche Freunde nichts taugten. Sie würden einen verraten und im Stich lassen. So fing ich an mich vor meinesgleichen fern zu halten. Ich war lieber allein. Es war ein Fehler gewesen wie ich später als Todesser erkannt hatte. Ich hatte niemanden gehabt der mir bei stand, niemanden! Und so bin ich zu Albus Dumbledore gegangen. Er hatte mich so oft gefragt warum ich nicht ein wenig freundlicher zu anderen sein würde. Doch ich hatte es ihm bis heute nicht erzählt. Vielleicht sollte ich es tun. Oder einfach weiter für mich behalten.

Kapitel 10 – Das Chaos beginnt...

Eines Tages werd ich mich rächen,
ich werd die Herzen aller Mädchen brechen,
dann bin ich ein Star und du läufst hinter mir her,
doch dann ist es zu Spät dann kenn ich dich nicht mehr!
(die Ärzte – Zu spät)

-Hermines Sicht-

In dem Moment als der Trank explodierte, merkte ich einen pelzigen Geschmack auf der Zunge. Ich hatte wohl bei meinem Aufschrei einen Spritzer vom Trank abbekommen, aber mir blieb keine Zeit um mir darüber Gedanken zu machen, dazu ging alles zu schnell. Ich wurde nach hinten direkt auf Snape geschleudert, dieser wurde durch die Wucht weiter nach hinten an die Tafel geschubst. Es musste ein harter Aufprall gewesen sein, denn ich hörte ein schmerzhaftes Aufstöhnen seitens Snape und ein lautes Knarzen der Tafel. Ich liege auf meinem Zaubertränkelehrer war mein erster Gedanke, als ich mir meinem leichten Aufprall auf dem Boden bewusst wurde und mir der herbe Geruch von Kräutern und Rasierwasser in die Nase stieg. Hastig wollte ich mich aufrichten, schaffte es aber durch den immer stärker werdenden Schwindel nicht mich zu bewegen. Um mich herum drehte sich alles und ich kämpfte gegen die Ohnmacht. Nur vage nahm ich noch das laute Raunzen meines Lehrers wahr, ich schwebte immer mehr aus meinem jetzigen Leben fort. Verschiedene Erinnerungen begannen sich von mir zu verabschieden, bis ich schließlich nur noch meinen Namen wusste und endgültig alles um mich herum dunkel wurde. Ohne zu wissen wo ich herkam und wo ich hin gehörte stand ich in einem schwach beleuchteten Raum. Ich stand gegenüber eines Fensters unter dem ein kleines Bett stand. Der Vollmond draußen, war es der diesem Zimmer etwas Licht spendete. So dass ich eine Gestalt im Bett erkennen konnte.

Wo war ich hier?

Ich wusste nicht ob ich hier her gehörte und ob ich diese Person kannte. Ein Anflug von Panik machte sich in mir breit. Wieso konnte ich mich nicht erinnern? Wo gehörte ich hin? Vielleicht sollte ich die Gestalt einfach fragen, aber was, wenn ich hier gar nicht hin durfte. Wenn es ein verbotener Raum war. Ich hieß Hermine, mein Nachname fiel mir nicht ein. Ich war ungefähr 16 oder schon 17? Nein ich legte mich auf 16 fest. Mehr fiel mir nicht ein. Ich schüttelte mein momentanes Problem ab und konzentrierte mich auf die Gestalt im Bett. Ob sie wach war? Sie bewegte sich in einem seltsamen Rhythmus unter der Decke. Die Gestalt war männlich, wie ich an seinem Stöhnen erkannte. Es war kein wirkliches Stöhnen, sondern eher ein schmerzhaftes Wimmern. Augenblicklich stieg mir die Röte ins Gesicht, als ich erkannte was er dort tat. „Onanierst du?!" brach es aus mir heraus. Sofort trat Stille ein und der Junge sah erschrocken hoch. Ich hielt mir die Hand vor den Mund. Es war mir einfach so herausgerutscht. Ich hatte es nicht vorgehabt zu sagen. Der Junge machte eine ruckartige Bewegung und der ganze Raum war hell erleuchtet. Es war kein großes Zimmer, aber immerhin groß genug für die beiden Bücherregale, die Links von mir standen und einem kleinen Schrank. Das Bücherregal weckte augenblicklich mein Interesse und ich las sofort die Titel auf dem Bücherrücken. Die Anfänge der ersten Schwarzmagier, Wirkungsvolle und verbotene Magie, Totenköpfe und ihre Zauber Es waren mit Sicherheit nicht die Art von Bücher wie sie bei mir zu Hause zu finden waren. Das hoffte ich zumindest. Aber wenn ich richtig lag und diese Bücher, der Person dort im Bett gehörten, konnte ich davon ausgehen das er ein Zauberer war. Kein guter dazu. „Was soll das?!" flüsterte er mit einem zittrigen Unterton in der Stimme. Mir fiel wieder das eben gesagte ein und ich wurde wieder rot. Der Junge musterte mich verwirrt von oben nach unten. Er hatte schwarze Haare, die ungefähr auf Kinnlänge waren, dunkle Augen, die tiefe Angst und Verzweiflung widerspiegelten und er zitterte. „Ich... entschuldige..." setzte ich an „Es ist mir so heraus gerutscht. Das wollte ich nicht!" Er legte den Kopf schräg und sah mich weiter an. „Das meinte ich nicht" auch er wurde rot, flüsterte aber noch immer „Ich will wissen wo du herkommst!" Konnte er nicht eine einfache Frage stellen? Eine die ich auch beantworten konnte? Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare, da ich unter seinem Blick nervös wurde und er dachte nicht einmal daran den Blick von mir zu nehmen. Ich ging einen Schritt auf ihn zu und wich erschrocken wieder zurück als er nach seinem Zauberstab griff und ihn auf mich richtete. „Ich... ich will dir nichts tun." Meinte ich verzweifelt „Ich will mich nur setzen um es dir zu erklären..." Er glaubte mir nicht, das erkannte ich an seinem Blick. Aber ich hätte nicht anders reagiert wenn plötzlich eine fremde Person in meinem Zimmer gestanden hätte. Seine Augen funkelten nun misstrauich, aber ich konnte noch immer seine Angst sehen. „Bleib da stehen und erklär es!" flüsterte er barsch. Ich wusste nicht warum er eigentlich flüsterte aber wenn er sich wohler dabei fühlte, bitte. Dieser schwarzhaarige glaubte mir doch sowieso kein Wort, wieso also sollte er mir glauben das ich mich an nichts erinnern konnte? „Ich weiß nicht wie ich hier her gekommen bin und noch weniger weiß ich wo ich herkomme. Ich weiß nur wie ich heiße. Mehr nicht!" Er zog ungläubig eine Augenbraue hoch und ich seufzte schwer. Er glaubte mir nicht und ich würde ihn auch nicht überzeugen können. Langsam ließ ich mich auf dem Boden nieder und ich fühlte mich unter seinem Blick immer schlechter. Er legte seinen Zauberstab in Reichweite und zog die Decke zur Hälfte zurück, so das ich nur seine nackte Brust sehen konnte und der Rest verdeckt blieb. Ziemlich umständlich begann er sich unter der Decke eine Hose über zu ziehen. Ich hatte also mit meiner Vermutung am Anfang Recht gehabt, oder aber er war einer von denen die es bevorzugten nackt zu schlafen, was ich allerdings bezweifelte, wozu besaß er sonst einen Schlafanzug? Als er fertig war, griff er wieder nach seinem Zauberstab und stand auf. Seine Brust war noch immer nackt und mein Blick wanderte automatisch zu seiner empfindlichsten Stelle, die nun eine Schlafanzughose verdeckte. Wieder einmal wurde ich rot als ich zu ihm aufsah und er war es auch, es schien als hätte er meinen Blick bemerkt. In diesem Moment hätte ich mich Ohrfeigen können, erst spreche ich ihn auf seine selstbefriedigung an und dann sieht er wie ich auf sein Teil starre.

Verdammt!

„Steh auf!" befahl er, den Zauberstab auf mich gerichtet. In Anbetracht meiner Lage, widerstand ich der Versuchung ihm eine runter zu hauen und befolgte seinen Befehl. Er war einen halben Kopf größer als ich, bemerkte ich als ich vor ihm stand, aber er musste im gleichen Alter sein wie ich. Er warf mir noch kurz einen misstrauischen Blick zu und begann schließlich damit mich abzutasten. Es war mir unangenehm und ihm anscheinend auch, denn er ließ bewusste Stellen aus. Als er nichts fand sah er mich fragend an. Ich wusste gar nicht was er suchte, wie sollte ich dann seinen fragenden Blick deuten? Was sollte ich denn bei mir haben? Eine Waffe? „Dein Zauberstab, so was besitzt du doch wenigstens?" er verdrehte kurz die Augen. Eigentlich war ich mir nicht sicher ob ich einen besaß aber suchen konnte ich ja trotzdem mal. Der Junge verschränkte die Arme vor der Brust während er darauf wartete das ich meinen Zauberstab fand. „Ahh!" rief ich und mir kam ein Gedanke. Wieder warf mir der schwarzhaarige einen fragenden Blick zu, als ich in meinen Ausschnitt griff und den Zauberstab triumphierend hervor holte, merkte ich das er um einiges blasser geworden war. „Da!" meinte ich und hielt ihm den Zauberstab hin. Mit großen Augen nahm er ihn an und steckte ihn in eine Schublade in seinem Regal. Schulternzuckend kam er zurück und setzte sich auf sein Bett. „Darf ich mich jetzt auch setzen?" fragte ich vorsichtig um ihn nicht einen Grund zu geben, den Zauberstab erneut auf mich zu richten. Er nickte langsam und ich setzte mich in einiger Entfernung von ihm weg. „Du weißt also nicht wer du bist" stellte er fest und legte die Hände ineinander. „Weißt du dann wenigstens wie du hier herein gekommen bist?" Ich überlegte, ich schätzte das ich gerade mal 10 Minuten hier war und meine Erinnerungen gingen nicht weiter als 10 Minuten. „Ich kann mich an einen Schwindel erinnern" sagte ich lahm „Dann stand ich hier." Ich sah in sein Gesicht, er sah ratlos aus. Seine Augenbrauen waren hochgezogen und es schien als sehe er durch mich hin durch. Er war am nachdenken. Schweigend stand er auf und ging im Zimmer umher. Er war ein ziemlich schmächtiger Kerl, er war nicht dünn sondern eher kraftlos. Er besaß kaum Muskeln, vielleicht gerade mal so viele wie ich, alles in allem sah er ziemlich schwach aus. Wie einer von dieser Sorte, die sich immer im Hintergrund halten und Streitereien lieber aus dem Weg gehen, die sich nur mit Bücher wirklich wohl fühlen. So einer musste er sein. „Ja und was denkst du, soll ich jetzt mit dir tun?" meinte er und sah mich verzweifelt an „ Wenn meine Eltern dich hier finden bin ICH tot!" Aus seinen Augen sprach Angst, ich hatte nicht gewusst das er so strenge Eltern hatte. Ich wollte ihn nirgendwo reinreißen, aber ich wusste ja nicht einmal wo ich herkam. „Wenn ich dich rausschmeiße bist du tot..." flüsterte er und setzte sich seufzend wieder aufs Bett. „Wie heißt du eigentlich?" stellte ich die Frage die mir schon die ganze Zeit durch den kopf ging. Erstaunt sah er mich an. Wie blöd von mir, in einer so ernsten Situation nach dem Namen zu fragen. Aber irgendwann musste man doch mal wissen wie der andere hieß, vielleicht sagte mir der Name ja irgendwas. „Severus" murmelte er und zog eine Augenbraue hoch. Er hatte keinen Anstand, soviel wusste ich von ihm. Ein normaler Junge hätte mir die Hand hingehalten und mich ordnungsgemäß begrüßt, aber er tat nichts dergleichen. Er schien sich nicht einmal für meinen Namen zu interessieren. Dann musste ich ihm also Manieren beibringen. „Hermine!" sagte ich kurz, nahm seine Hand und schüttelte sie „ Hallo Hermine schön dich kennen zu lernen!" sprach ich statt seiner. Wieder sah er mich nur erstaunt an, er musste mich anscheinend wirklich für bescheuert halten. „Also du heißt Severus..." redete ich weiter ohne auf ihn zu achten „Da könnte ich ja Sev zu dir sagen!" „Nein!" fauchte er „ Es bleibt bei Severus! Und jetzt lass uns überlegen was wir tun können!" Er schüttelte genervt den Kopf und fing wieder an zu überlegen. Ich verkniff mir ein schadenfrohes Grinsen, mit ihm konnte es noch lustig werden.

Kapitel 11 – Für unbestimmte Zeit

And my heart is breakin´
just for you, just for you
and my arms are open
just for you, just for you
and these tears I´m cryin´
are for you, just for you,
(Lionel Richie – Just for you)

"Ich schlage vor, du bleibst die Nacht erst mal hier und morgen früh gehn wir schauen, ob wir was finden an das du dich erinnerst. Klar soweit?" Seine schwarzen Augen sahen mich fragend an, unfähig etwas zu sagen nickte ich. Er war seltsam. Erst tat er so als ob ihm alles egal wäre und dann wollte er plötzlich das ich die Nacht bei ihm bleibe. Die Nacht bei ihm bleiben? Oh gott, was meinte er denn wo ich schlafen sollte? Bei ihm im Bett? „Severus..." begann ich doch er schnitt mir das Wort ab. „Da ich keine Lust habe mich auf den Boden zu legen, musst du wohl oder übel damit klar kommen, das wir uns ein Bett teilen." Ich hatte es geahnt. Ich sollte mir mit ihm ein Bett teilen, dabei kannte ich ihn nicht einmal. Was wenn er ein drogenverrückter Speeds war, der nicht mehr wollte als mit der nächstbesten ins Bett? Vielleicht hatte er mir nur den kleinen schmächtigen Jungen vorgespielt und hatte mir das Gedächtnis geraubt um an mich ran zu kommen... Ich musste wohl äußerst entsetzt ausgesehen haben, denn ziemlich hastig suchte er nach etwas das mich beruhigen konnte. „Keine Angst, ich denke du weißt das ich meine Hände bei mir lasse!" Erschrocken sah ich in sein grinsendes Gesicht. Das war das erste Mal das ich ihn Grinsen sah, in dieser zeit. Es war kein echtes Grinsen, sondern eher ein peinliches Grinsen. Na prima, ich dachte schon er hätte meine Frage ganz am Anfang schon vergessen und jetzt fing er mit einer solchen zweideutigkeit an. Aber wenn er darüber grinsen konnte, konnte ich auch darüber lachen. „Also stimmt es?" setzte ich an und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Miene verfinsterte sich wieder und er sah in eine andere Richtung. Er brummelte etwas von „Meine Sache" und stand auf um aus seinem Schrank noch eine weitere Decke zu holen. Mit seiner gewohnten kühlen Art, drückte er sie mir in die Hand. „Damit wir uns nicht näher kommen, als unbedingt nötig!" „Machst du das öfter?" meinte ich als ich die Decke auf dem Bett ausbreitete. Severus warf mir einen verwirrten Blick zu. „Mache ich was öfter?" Schnell drehte ich mich zur Decke damit er mein Grinsen nicht sah. „Onanieren" kicherte ich ohne ihn anzusehen. Eigentlich hätte ich in diesem Moment gerne sein Gesicht gesehen, aber ich hätte mich nie wieder von diesem Lachanfall erholen können. Ein großes Kissen traf mich am Hinterkopf, begleitet von einem „Halts Maul!" Ich sollte mir merken das ich mit meiner vorlauten Art bei ihm nicht weiter kam. Aber ich konnte nicht anders als ihn ärgern. Obwohl er mir nichts getan hatte fand ich irgendwo in meinen Gedanken den Drang es ihm heimzahlen zu müssen, für was auch immer. Einige Zeit später wurde das Licht gelöscht und ich lag neben Severus und versuchte zu schlafen. Ich hatte mich ganz außen an die Wand gelegt und traute nicht mich zu bewegen. Es war seltsam mit jemandem im Bett zu liegen, den ich gerade erst kennen gelernt hatte. Ich schätze ihm ging es anscheinend genauso, denn außer dem nervösen ,mit dem Finger auf die Decke tippen, kam nichts von ihm. Der Vollmond, der immer noch hell ins Zimmer schien machte das einschlafen nicht leichter. Irgendwann nahm hörte das tippen auf der Decke auf und wurde nun von einem gleichmäßigen Atemzug ersetzt. Er war eingeschlafen, das machte die Sache auch nicht besser. Ich liege nicht gerne als einzigste wach im Bett während der andere schläft, das macht mich nur noch munterer. Trotzdem wurde auch ich wenig später von der Müdigkeit eingeholt und schlief ein. Ich hatte einen nicht gerade erholsamen Schlaf, die wirren Träume machten es auch nicht angenehmer und zu allem Überfluss wurde ich für meine Verhältnisse viel zu früh aus dem Schlaf gerissen. „MUM!!!!" lautete der Schrei der mich hochschrecken ließ. Im ersten Moment wusste ich gar nicht wo ich mich befand, aber dann erkannte ich Severus der sich neben mir aufgesetzt hatte und mit einem verzweifelten Blick in die Mitte des Raumes starrte. Automatisch wanderte mein Blick ebenfalls in die Mitte des Raumes. Dort stand eine Frau, eine sehr hübsche dazu, mit blonden langen Haaren und dunklen Augen. Sie wirkte recht jung, aber wenn sie Severus Mutter sein sollte, konnte sie schlecht so jung sein. „Junge, weißt du wie viel Uhr es ist?! Es ist schon halb acht durch, du verschläfst den halben Tag!" meinte sie mit einem scharfen Ton. Anscheinend hatte sie mich noch nicht bemerkt das sie voll und ganz damit beschäftig war, ihrem Sohn eine Predigt zu halten und dabei seine Wäsche zurecht zu legen. „Ich- ich mach das schon selbst" rief er verzweifelt „Du kannst gehen, ich komme gleich runter!" Sie achtete nicht auf ihn, sondern kam mit der Wäsche zum Bett herüber. „Stell dich nicht so an, du weißt..." urplötzlich brach sie ab. Sie hatte mich gesehen! Reichlich verwirrt starrte sie mich an, wie ich neben ihm lag und verzweifelt versuchte mein Gesicht unter der Decke zu verstecken und immer kleiner zu werden. Aber es nützte nichts, sie sah abwechselnd zu mir und Severus bis sie offensichtlich begriff. „Severus" begann sie und ihre dunklen Augen blitzten als sie ihren Sohn ansprach. „Es ist nicht so wie du..." begann er wurde aber unterbrochen. „Aber wieso sagst du uns denn nicht das du eine Freundin hast? Hätte ich das gewusst hätte ich euch doch ausschlafen gelassen. Also wirklich, meinst du etwa mich würde nicht interessieren was in deinem Leben so vor sich geht?" Ich sah wie Severus Augen immer größer wurden vor erstaunen. Er schien sprachlos zu sein, denn er erwiederte darauf hin nichts. Etwas bedröppelt kam ich nun weiter aus der Decke und setzte mich schließlich ganz auf. Ihr Blick wanderte wieder zu mir und sie warf mir ein freundliches Lächeln zu. „Na ja," meinte sie achselzuckend „Ich kann dann schon mal runter Frühstück machen und ihr kommt dann nach und erzählt mir alles etwas genauer!" Sie lächelte noch mal und ging dann schnellen Schrittes durch den Raum. Weder Severus noch ich rührten uns, er war noch immer sprachlos und ich war mal wieder verwirrt vor lauter nettigkeiten. „Ich dachte, sie würde dich töten!" meinte ich spöttisch und stand auf. „Das dachte ich auch..." „Sah aber nicht danach aus!" ich musste ihn einfach reizen, egal wie, aber er ging nicht darauf ein. Severus stand nun ebenfalls auf und nahm die Sachen in die Hand, die seine Mutter aufs Bett gelegt hatte. „Ich geh mich kurz umziehen. Tu mir den gefallen und rühr hier nichts an!" Sein kühler Unterton war zurückgekehrt. Und seine Augen fixierten mich misstrauisch als ich mich an seiner Schublade zu schaffen machte und meinen Zauberstab heraus holte. „Kein Problem" grinste ich „Aber du hast doch nicht etwa Angst das ich dir was weg gucke, oder doch?" Seine Augen, die er wohl von seiner Mutter hatte, verengten sich zu Schlitzen, er war aber klug genug nichts zu sagen, sondern verließ den Raum. Als er draußen war, befolgte ich natürlich nicht seinen Befehl, sonder sah mich in aller Ruhe um. Die meisten Buchtitel im Regal kamen mir bekannt vor und bei einigen anderen Büchern, sagte mir der Titel das ich dort lieber die Finger von lassen sollte. Auf einem kleinen Tisch neben dem Bett lag eine Rolle Pergament und ein paar Notizen aus denen ich nicht schlau wurde. Es handelte sich offenbar um Zutaten oder etwas in der Art. Das er sich für Zaubertränke und Dunkle Künste interessierte war mir nicht neu. Einige Bücher in seinem Regal hatten darauf hingewiesen, so beließ ich es dabei und setzte mich aufs Bett. „Wenigstens hast du nichts angestellt" meinte Severus als er zurückkam und mich auf dem Bett sitzend vor fand. „Aber es wäre doch von Vorteil wenn du dir die Haare kämmen würdest. Das Bad findest du direkt hier rechts!" Die Tür stand offen und er wies mit seinem Zeigefinger nach rechts. Ich stand auf und entdeckte den Raum den er gezeigt hatte. Es war ein großer Flur mit vielen Zimmern, aber rechts wo sich das Badezimmer befand war nur diese eine Tür. Severus musste zu einer ziemlich reichen Familie gehören, denn sogar die Türklinken waren aus Gold und das Badezimmer war um einiges größer als Severus Zimmer.

So hier nun das nächste Kapitel. 12. Kapitel-Runde1

>Beim Barte des Propheten,
jetzt muss ich abtreten<
sprach er und erhob noch einmal seine Hand,
und er sah am Horizont die Fata morgana,
dann starb er im Lande der Araber...
(Fata Morgana – EAV)

Es heißt: Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Aber bitte, was ist mit denen die sich nicht erinnern können? Die sind wohl nicht mit inbegriffen. Solche Dinge gingen mir an jenem Tag durch den Kopf. Was war geschehen? Wieso konnte ich mich an nichts erinnern? Severus würde mich nicht ewig hier lassen können und wo sollte ich dann hin? Ich war auf ihn angewiesen, soviel stand fest. Wenn er mich einfach raus werfen würde, wäre ich verloren. Also nahm ich mir vor, die bissigen Kommentare sein zu lassen. Auch wenn es mir schwer fallen würde. "Gut, sie hält dich für meine Freundin und es wäre besser wenn das eine Weile so bleiben würde" meinte Severus als ich frisch gestylt aus dem Bad wieder kam. Ich hatte mich wirklich gut heraus geputzt, zum einen, da ich einen guten Eindruck bei seiner Mutter hinterlassen wollte um nicht sofort wieder rausgeschmissen zu werden und zum anderen, da ich wollte das auch Severus mich nicht so einfach gehen lassen wollte. Aber es kam anders als gedacht, ich sah sehr gut aus, doch er hatte mich nicht mal eines Blickes gewürdigt.

Gottverdammter Ignorant!

„Kein Problem" meinte ich und knirschte säuerlich mit den Zähnen. Er war wohl einer der nicht viel Zeit mit Mädchen verschwendete, oder aber er sah mit Absicht nicht hin. „Sehr schön!" nickte er und lief im Zimmer auf und ab, interessiert sah ich dabei zu wie seine schwarzen Haare ihm immer wieder in die Augen fielen und er sie geistesabwesend wieder hinters Ohr klemmte. „Wir haben uns also in Hogwarts kennen gelernt und sind seit... mmmh... drei Wochen zusammen!" Mir fiel mal wieder auf wie scharfsinnig er über alles nach dachte, solche Fakten wären mir nicht so schnell eingefallen. „Seit wann sind denn Ferien?" fragte ich unvermittelt als mir auffiel das ich nicht mal wusste welchen Monat wir hatten. Der Name Hogwarts sagte mir auch etwas, es war als eine Art Internat in meinem Hirn abgespeichert, aber mehr wusste ich darüber nicht. Gut möglich das ich ebenfalls eine Schülerin von dort war. „Seit einer Woche" murmelte er, achtete aber nicht wirklich auf das was ich sagte. Ich nickte und ein paar Minuten herrschte Schweigen. Wenn ich aber eine Schülerin von dort wäre, würde er mich dann nicht von dort schon kennen? Also war das wohl auch ausgeschlossen. Nachdenklich drehte ich meinen Zauberstab in den Händen, auch er konnte mir nicht verraten wer ich war. Solche Zauber waren extrem schwierig und ich hatte keine Ahnung davon. Ein unwissender der solch einen Zauber ausprobierte konnte damit erheblichen Schaden anrichten. Von irgendwoher wusste ich, das es schon Zauberer gegeben hatte, die sich vollkommen aus der Welt Geschichte gelöscht hatten, ausversehen natürlich. „Ach ja!" kam ein Schrei von Severus der mich hoch schrecken ließ. „Merk dir, du bist aus dem Haus Ravenclaw. Gegen die haben meine Eltern nicht wirklich etwas und die Slytherins kennen sie alle." Wieder nickte ich, obwohl ich nicht wusste wovon er sprach. Ich merkte mir einfach den Namen Ravenclaw und das es ein Haus war. Mehr brauchte ich hoffentlich nicht darüber zu wissen. „Wie heißt du mit Nachnamen?" fragte er prompt. Er gab wirklich keine Ruhe, aber Vorsicht war allemal besser als Nachsicht. „Keine Ahnung" ich zuckte mit den Schultern und er sah mich mit einem Stirnrunzeln an. Na Endlich! Endlich hatte er mich angesehen. Ich sah zwar kein wirkliches Interesse in seinem Gesicht aber er sah mich doch einige Augenblicke an und schien die Frage von eben ganz vergessen zu haben. Wenn er mich wirklich reizend fand, so zeigte er es jedoch nur kurz als er mich ansah. Er hatte sich gut unter Kontrolle und wandte sich wieder dem eigentlichen Problem zu. „Na klasse..." seufzte Severus genervt, anscheinend hatte er schon wieder vergessen das ich mein Gedächtnis verloren hatte. „Schön, jetzt heißt du Taylor. Ich glaube das wär alles oder?" Seine schwarzen Augen wanderten fragend zu mir rüber während ich ratlos mit der Schulter zuckte. Es war schließlich seine Mutter, sollte er doch nachdenken, ich jedenfalls kam zu dem Entschluss das es bequemer war die anderen nachdenken zu lassen. Er nickte kurz und wies mir an ihm zu folgen. Jetzt würde es ernst werden, ich müsste meine Rolle perfekt spielen, andernfalls konnte ich sehen wo ich unterkommen könnte. Ich folgte Severus den Gang entlang und die Treppe herunter, es war tatsächlich ein riesiges Haus. Erschrocken stellte ich ,nach dem wir die Treppe hinter uns hatten, fest, dass der Boden aus Marmor bestand. Hoffentlich hatte ich mit meinen Schuhen keine Kratzer hinterlassen, das hätte ich niemals bezahlen können. Allein bei dem Gedanken an diese Geldsumme, kam es mir schon wieder in der Speiseröhre hoch. Severus allerdings schien von meinen Sorgen nichts mit zu bekommen, er schritt ganz unbeschwert voran und führte mich in einen großen Raum. „Unser Esszimmer" meinte er achselzuckend und mir fiel die Kinnlade herunter. Severus mochte es Esszimmer nennen, für mich allerdings war es einer dieser Räume in denen man zum Dinner eingeladen wurde. Der Raum war unverstellbar groß, an der Decke hing ein großer Kronleuchter, der Tisch war endlos lang, mit vielen Kerzen, die allerdings nicht brannten und gegenüber vom Tisch befand sich ein riesiges Fenster. >Solch ein verwöhnter Rotzbengel, nennt so was anscheinend Esszimmer< dachte ich wütend. „Ah da seid ihr ja, Setzt euch" meinte eine Stimme hinter uns, die ich als die von Severus Mutter identifizierte. Severus schritt vor und ließ sich auf einem Stuhl am Ende des Tisches nieder, eingeschüchtert nahm ich neben ihm platz. Ich fragte mich augenblicklich ob er noch Geschwister hatte, denn eine kleine Familie brauchte niemals so viele Stühle an einem Tisch. Oder aber sie hatten duzende von Dienern die alle hier aßen. „Minky wird gleich das Frühstück bringen" sagte seine Mutter lächelnd und setzte sich gegenüber von uns. Minky hörte sich nach einem Hauself an und mein Gedanke bestätigte sich als eine Hauselfe herein kam und den Tisch deckte. „Noch irgendwelche Wünsche, Miss?" fragte sie und als Severus Mutter den Kopf schüttelte verschwand sie wieder. Ich traute mich verständlicherweise nicht, mich zu bewegen, aus Angst irgendetwas zu beschädigen. „So dann erzählt doch mal." Severus Mutter langte nach einem Brötchen und Severus tat es ihr gleich, wobei er seinen guten Willen zeigte und mir ebenfalls ein Brötchen auf den Teller legte. „Was gibt es da zu erzählen?" meinte er achselzuckend. Eine sehr kluge Antwort, aber seine Mutter würde sich mit so etwas sicher nicht zufrieden stellen. Ihre schwarzen Augen blitzten seltsam als sie ihren Sohn ansah. „Vielleicht stellst du sie mir vor?" Genervt rollte Severus mit den Augen, legte sein Messer beiseite mit dem er gerade sein Brötchen beschmiert hatte und deutete auf mich. „Liebe Mama" meinte er mit einem spielerischen Unterton „das ist Hermine Taylor." Dann deutete er auf seine Mutter „Hermine, das ist meine liebe Mama!" Leicht lächelnd begann ich mein Brötchen in zwei hälften zu schneiden. Ich wollte nicht großartig auffallen und bevorzugte es lieber nichts zu sagen. „Sehr witzig, Sev. Wie habt ihr euch denn kennen gelernt?" So? Seine Mutter durfte ihn also Sev nennen? „Erzähl du es" forderte Severus mich auf uns sah mich vielsagend an. In meinen Gedanken verfluchte ich ihn mit allen erdenklichen Schimpfwörtern die ich kannte. Wie sollte ich mir in der kurzen zeit eine Geschichte ausdenken? (Anm. d. Autors: Mit ein bisschen Fantasie geht das ) „Natürlich Sev" meine Rache hatte ihr Ziel getroffen als ich sah wie er mich böse anblinzelte. „Wir sind zusammen ihn Hogwarts und mussten bei einem Projekt in Zaubertränke zusammen arbeiten" meinte ich an seine Mutter gewandt, doch ihre miene verdunkelte sich. „Eine Gryffindor?" fragte sie ihren Sohn. Ich wurde blass, hatte ich etwas falsches gesagt? Doch Severus nahm das alles locker. „Nein, du müsstest wissen das wir letztes Jahr mit den Ravenclaws zusammen Unterricht hatten!" „Ahh" machte seine Mutter und ihr Miene erhellte sich wieder. Ich hatte keine Ahnung ob es stimmte was Severus erzählte, aber seine Mutter glaubte ihm und ich verließ mich darauf.


13. Kapitel – Ausgerechnet Potter!

Du lebst in den Tag hinein und denkst du bist glücklich dabei.
Du lachst und die andern lachen mit dir.
Und abends sitzt du da und merkst, dass nichts davon stimmt.
Du bist traurig ganz tief innen und schreist um Hilfe
Durch dein Lachen und die anderen denken.....
..... du bist glücklich..

Ich saß auf meinem Sessel vor dem Kamin, mit einem Glas Rotwein in der Hand. Ganz leise lief im Hintergrund Musik und vor mir auf dem Sofa lag Miss Granger. Stiller wie eh und je. Ich befand mich mit ihr in einem Raum, sie lag dort und ich saß wenige Meter von ihr entfernt und trotzdem war es still, und trotzdem fühlte ich mich alleine.

Ihr fiel doch immer etwas ein um die Stille zu überbrücken, aber jetzt kam nichts. Alles Leben war aus ihr herausgesaugt. Genau so wie es bei den Opfern von Dementoren gemacht wurde. Man war eine einfache Hülle ohne Seele.

Es war zwecklos darüber nach zu denken, das machte das geschehene auch nicht ungeschehen. Ich sah auf eine Uhr an der Wand, es war schon zwei Uhr morgens. Normalerweise würde ich jetzt schlaflos durch die Gänge von Hogwarts streifen um irgendwelche Schüler daran zu hindern durch das Schloss zu wandern. Aber heute tat ich es nicht, es war keine Aufgabe die mir aufgetragen wurde, sondern reine langeweile. Heute hatte ich wichtigeres zu tun.

Ich hatte mich selbst dazu auserkoren über den Körper von Miss Granger zu wachen. Vielleicht würde sie irgendwann von selbst wieder aufwachen.

Niemand hatte es bisher geschafft in meine Vergangenheit einzudringen und jetzt nach all den Jahren schaffte es dieses verdammte Gör, durch mein Unachtsamkeit, dort aufzutauchen und alles durcheinander zu bringen.

Ich merkte mal wieder wie ich wütend wurde, aber nicht auf sie, sondern auf mich. Wie konnte ich nur so blind sein?!

Ein Rappeln an meiner Tür ließ mich aufschrecken, ich drehte mich um und starrte zur Tür. Sie stand offen, aber niemand war da. Ich hätte schwören können das ich die Tür fest geschlossen hatte als ich ins Zimmer kam.

Ich stand auf um die Tür zu schließen und wusste plötzlich was hier geschah. Dumbledore hatte mich darauf aufmerksam gemacht.

Als ich die Tür geschlossen hatte baute ich mich in der Mitte des Raumes auf und blickte auf den Körper von Miss Granger.

„Okay" seufzte ich bedrohlich leise „ Potter, Weasley kommen Sie raus!"

Kurz herrschte Stille, ich stand dort und hatte die Hände in die Hüfte gestemmt.

„Ich bin alleine" ertönte eine zittrige Stimme ganz in der Nähe von mir, die ich als die von Potter identifizierte

Er nahm den Tarnumhang ab und stand nun unmittelbar vor mir und wartete anscheinend auf eine Standpauke meinerseits, aber ich sagte nichts.

„Woher wussten Sie das ich es bin?" fragte er nun etwas nervös.

Ich sah ihn kurz an, ging dann an ihm vorbei und setzte mich wieder auf den Sessel. Potter folgte mir und stand unschlüssig neben Miss Granger.

„Professor Dumbledore setzte mich davon in Kenntnis, das es möglich wäre, noch von Ihnen Besuch zu bekommen. Setzen Sie sich!"

Ich wies ihm den anderen Sessel zu und er ließ sich zögernd darauf nieder.

Wieder trat Still ein und er musterte nur Miss Grangers Körper, ich stand derweil auf um noch ein Weinglas zu holen und es einzuschenken. Schließlich drückte ich es Potter in die Hand und setzte mich wieder.

Etwas verwundert sah er mich an und nahm schließlich einen Schluck, als er merkte das ich seinen Blick nicht erwiderte.

„Professor, darf ich Ihnen was sagen?" meinte er, sah allerdings zu Miss Granger anstatt zu mir.

„Ich denke nicht, das ich Sie daran hindern kann" murmelte ich und nahm noch einen Schluck Wein.

Potter lächelte vor sich hin, sah weiter zu Miss Granger und sah mir schließlich in die Augen, als wollte er meine nächste Reaktion, genau beobachten. Ich zog eine Augenbraue hoch und wartete bis er anfing zu reden.

„Celiè Rougeville" sagte er und machte eine Pause als wollte ich ihn unterbrechen. Ich hielt meine Gefühle so gut es ging zurück und war auch kurz davor ihm den Mund zu verbieten, beließ es aber dann doch dabei.

„Was ist mit ihr?" fragte ich als er nicht weiter redete. Er sah etwas unschlüssig aus und überlegte sich seine nächste Wortwahl genau.

„Ich hab Sie beobachtet" fuhr er leise fort. Ich nickte nur.

„Ich weiß nicht wirklich was Sie von ihr halten, aber ich kann es mir denken. Sie können mir gerne, später dafür Punkte abziehen, aber ich möchte doch gerne erst sagen, wie Hermine und ich über die Sache denken." Meine Augen blitzten ihn wütend an, aber trotzdem nickte ich ihm zu. Ich ließ mir nicht gerne von anderen sagen wie ich zu leben hatte, aber immerhin hatte er mir angeboten ihm hinter her noch Punkte dafür abzuziehen. Demnach war es ihm wohl wichtig.

„ Ihre Reaktionen Celiè gegenüber, waren nicht schwer zu deuten. Sie selbst hat es auch gemerkt und angefangen sich Vorteile daraus zu machen. Hermine hat sich als ihre Freundin ausgegeben um ihr den Weg zu versperren. Allerdings ohne Erfolg. Ich weiß das klingt ziemlich wirr. Aber Fakt ist, das Celiè unheimlich schlechte Noten hatte und nun in Hogwarts einen Neuanfang versuchte, allerdings nicht auf normale Weise.

Sie erinnern sich vielleicht noch an die erste Zaubertränkestunde in diesem Jahr. Celiè kann unglaublich gut Texte verändern. Sie hatten zu Anfang das richtige Rezept an die Tafel gezaubert, aber Celiè fand es lustig es, nun ja, ein wenig zu ändern und so zu tun als wäre es aus ihrem Zauberstab entsprungen. Selbst Hermine wusste erst das Celiè es war, als sie es ihr erzählt hatte." Wieder machte Potter eine Pause um auf meine eventuelle Reaktion zu warten. Doch die blieb aus.

„Später hat sie sich dann aus Ihrer, ich sag mal, Zuneigung zu ihr, Vorteile gesucht. Wenn sie eine falsche Zutat hinzugegeben hatte, hatte sie einfach die Zutat an der Tafel verschwinden lassen. Sie kann unheimlich gut schauspielern. Und, das wollte ich nur sagen"

Wieder sah er mich an und in meinem Kopf raste es. Mir war klar gewesen das ich Potter aufgefallen war und ich zweifelte kein bisschen an seinen Worten. Es leuchtete alles ein. Jetzt wusste ich auch warum Miss Rougeville eine Slytherin war. Sie hatte mich kurzgesagt ausgenutzt, das war es was Potter mir vermitteln wollte. Und ich war so dumm gewesen auf sie hereinzufallen.

Niemand hatte es in meiner Laufbahn als Lehrer je geschafft mich an der Nase herum zu führen. Da konnte man mal wieder sehen das Liebe blind machte.

„Warum sagen Sie mir das, Potter?" fragte ich ihn ohne mir etwas anmerken zu lassen.

Er zuckte unsicher mit den Schultern.

„Ich denke weil Hermine und ich beschlossen hatten, dass selbst sie so etwas nicht verdienen..." Ich lächelte kurz. Es war ein falsches Lächeln das nichts mit dankbarkeit zu tun hatte, dass wusste Potter und es machte ihn noch nervöser als er es ohnehin schon war.

„Eine Kleinigkeit ist Ihnen dabei entgangen, Mr. Potter" sagte ich und lehnte mich zurück, fragend sah er mich an. „ Sie haben offensichtlich vergessen, dass Slytherin mein Haus ist, und das ich darauf aus bin, meinen Schülern zu guten Noten zu verhelfen. Es handelte sich also nicht um, wie Sie es nannten, Zuneigung!"

Ich wusste das er mir nicht glaubte, aber ich hatte ihn zumindest verwirrt. Er schien über meine Worte nachzudenken, und das gab mir eine innere Befriedigung. Ich gab es zwar nicht gerne zu, aber Potter hatte mir dazu verholfen wieder ich selbst zu werden.

Ich fühlte mich schlechtgelaunter denn je und hatte wieder meine alte fiese Art zurück, die ich die ganze Zeit verzweifelt gesucht hatte. Ich konnte wieder beruhigt böse sein ohne zu schauspielern und ohne etwas von meinen Gefühlen preiszugeben.

Ich war geheilt.

Meine einzige Sorge war nur noch Miss Granger.

Zufrieden langte ich nach meinem Glas und trank noch zwei Züge von dem Wein.

14. Kapitel- Ein bisschen Musik

Manche Menschen sind wie Gläser.
Ist man zu grob zu ihnen,
können sie leicht zerbrechen

Nach dem essen hatte Severus es eilig mich zurück nach oben in sein Zimmer zu zerren. Anscheinend hielt er es nicht länger als nötig in der Anwesenheit seiner Mutter auf.

„Was hast du es denn so eilig?" fragte ich verwirrt und ließ mich aufs Bett sinken.

Er lachte kurz sarkastisch auf und schüttelte den Kopf.

„Ich würde mal sagen wir sind gerade noch mal so davon gekommen. Nach einiger Zeit hätte sie angefangen unbequeme Fragen zu stellen auf dir wir uns so schnell keine glaubhafte antwort hätten überlegen können!"

Ich runzelte die Stirn, glättete sie aber wieder sofort als mir einfiel das man davon Falten bekam. Aber wer hatte mir das noch mal erklärt?

Vielleicht meine Mutter, wenn ich überhaupt eine hatte. Plötzlich kam die ganze Misere wieder in mir hoch. Ich wusste nicht wer ich war, niemand wusste es. Ich hatte es an diesem Tag irgendwie unterdrückt und so getan als wäre ich nur zu Besuch hier. Im Grunde war ich das ja auch, aber ohne Rückfahrkarte.

Ich wusste plötzlich was Severus mit dem eben gesagten gemeint hatte, was wäre gewesen wenn sie mich nach meiner Heimat ausgefragt hätte? Wenn sie wissen wollte wie mein Großvater hieß, oder ob ich Geschwister hatte.

All diese Dinge waren mir abhanden gekommen, was mich tröstete war der Gedanke daran, dass wenigstens das allgemein wissen geblieben war. Wie konnte ich ich-selbst sein ohne zu wissen wie ich selbst war?

Severus bemerkte mein plötzliches Unbehagen und zuckte mit den Schultern.

„Ich denke wir sollten jetzt mal überlegen, wie es weitergeht. Ich denke es wird nicht ganz so glimpflich ausgehen wenn mein Erzeuger heimkommt."

Er musste sich wohl immer von den anderen Unterscheiden, anstatt Dad sagte er Erzeuger. Ich hatte keine Ahnung was das bringen sollte.

Nachdenklich stand Severus auf und griff nach einem Buch in seinem Regal.

„Ich bin mir nicht sicher, aber dein Gedächtnisverlust könnte zwei Ursachen haben. Die erste Ursache wäre die schwierige, und zwar Amnesie. Bei Amnesie müssten wir dich in ein Krankenhaus stecken. Und die zweite Ursache, wäre die mir am logischsten erscheint"

Severus brach ab und ich zog eine Augenbraue hoch und sah ihn fragend an.

„Und das wäre?"

Er blätterte kurz in dem Buch das er in der Hand hielt und klappte es wieder zu.

„Zauberei! Was sonst?"

Ich verzog mein Gesicht, er tat gerade so als wäre es ganz logisch und für jeden verständlich. Gottverdammter Besserwisser.

„Ja, was sonst!" meinte ich sarkastisch und er seufzte.

„Hör mal zu, wenn es Amnesie wäre, dann würde man meistens spuren eines Unfalls, einer Vergiftung oder sonst etwas finden. Bei Zauberei ist das anders. Die Magie löscht dir zum Beispiel nur das aus was sie möchte. Zum Beispiel, die Erinnerung an bekannte Namen, Orten oder ähnlichen. Verstehst du?"

Ich konnte ihm nur langsam folgen, ich verstand zwar was er versuchte zu sagen aber ich brauchte meine Zeit um mir einen Reim darauf zu machen und einzuschätzen was wohl eher auf mich zu treffen könnte.

Severus hatte erneut das Buch aufgeschlagen, sich neben mich gesetzt und begann zu lesen.

Amnesie von griech. amnestia = das Vergessen, amnestische Störung, Gedächtnisverlust, teilweise bis totale, zeitlich begrenzte oder permanente Beeinträchtigung des Erinnerungsvermögens. Vorübergehende Amnesien sind z.B. auf Gehirnerschütterungen, epileptische Anfälle oder Vergiftungen zurückzuführen, oder auf eine Unterbrechung des Blutflusses. Das implizite Gedächtnis, also die nicht bewussten Erinnerungen, bleibt bei einer Amnesie intakt, ebenso das Kurzzeitgedächtnis."

Wenn ich es so recht verstand, bedeutete dies, das die Amnesie nach und nach wichtige Ereignisse aus dem Gedächtnis löscht, egal welche. Und bei Magie? Magie löscht nur das was sie möchte. Also die Magie wählt den hinterlistigsten Weg und löscht die Erinnerung die dir wirklich am Herzen liegen und die ihr für ihren eigentlichen Zauber im Weg standen.

Das war ja alles schön und gut, aber was war es nun? Vielleicht hatte ich ja doch nur einen plötzlichen Gedächtnisausfall, oder aber ich wurde von einem Zauber angegriffen.

Es ergab alles keinen Sinn, mir fiel kein Weg ein wie man das überprüfen könnte, geschweige denn heilen könnte.

Mein Blick fiel an die Wand gegenüber von mir, an der eine Gitarre hing, die so aussah, als wäre sie längere Zeit nicht mehr benutzt worden.

„Kannst du spielen?" fragte ich und er sah mich etwas verwirrt an, ehe er meinen Blick an die Wand verfolgte.

„Ja.." meinte kurz und wandte seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Buch zu.

„Spiel mir was vor!" forderte ich und stieß ihm leicht in die Seite. Etwas genervt sah er wieder auf und sah mir in die Augen. Ich setzte meinen traurigsten Hundeblick auf und dachte für einen Moment ihn überredet zu haben.

„Vergiß es!" meinte er leise flüsternd und schenkte mir ein falsches Lächeln. Einen Augenblick später war er auch schon wieder in seinem Buch vertieft.

So ein blöder Typ! Dachte ich. Ein bisschen Abwechslung braucht der Mensch doch.

An wen war ich da nur geraten. Bei allen Menschen dieser Welt musste ich ausgerechnet bei jemandem landen, der keinen Spaß verstand.

„Dann geh ich davon aus das du gelogen hast! Du sagst das nur um mich zu beeindrucken und in Wirklichkeit kannst du gar nicht spielen!" Ich hoffte das wenigstens dieser Satz funktionierte, denn ein wenig Musik konnte ich jetzt gut gebrauchen.

Er seufzte laut und hob langsam den Kopf.

„Diese Kindereien ziehen bei mir nicht! Und ich werde mich ganz bestimmt nicht auf dein Niveau herablassen, ebenso wenig bin ich an deiner Aufmerksamkeit interessiert! Klar soweit?" Ich starrte ihn mit großen Augen an, zu überrascht um irgendetwas zu erwidern. „Sehr schön, jetzt lass mich bitte weiterlesen!"

Er war unfreundlich, mit Sicherheit hatte er nicht einen Freund und erst recht keine Freundin. Kein Wunder das seine Mutter zu Anfang so erstaunt war. Severus verstand es bestens sich unbeliebt.

„Weißt du was?!" fragte ich leise um zu verhindern laut rumzuschreien „Ich lasse dich lesen. Werde doch mit deinem bescheuertem Buch glücklich. Mich siehst du nicht wieder! Ich werde jemanden finden der meine Anwesenheit zu schätzen weiß!"

Mit diesen Worten stand ich auf und ging zur Tür, ich spürte seinen Blick in meinem Rücken und so drehte ich mich noch mal um. Er hatte eine Augenbraue hochgezogen und sah mich abwartend an. Ein Lächeln umspielte meinen Mund, den nächsten Satz hatte ich mir gut überlegt.

„Du brauchst auch keine Freundin, schließlich hast du ja dafür zwei gesunde Hände!" ich wartete noch seinen Blick ab, ehe ich mich endgültig umdrehte um zu gehen. Er war verblüfft und auch ein wenig traurig, aber nicht im geringsten sauer. Das verstand ich nicht, das war doch eine Sache die einen regelrecht wütend machte, bei mir hätte das funktioniert, aber warum bei ihm nicht?

„Warte!" im nachhinein glaube ich, seine Stimme klang etwas verzweifelter als er wollte.

Ich hatte ihm den Rücken zugewandt und blieb stehen, er stand auf und stellte sich zögernd hinter mich. „Wo willst du denn hin, du kennst hier doch niemanden!"

Ich schüttelte den Kopf. „Das hat dich nicht zu kümmern, dir ist doch sowieso egal wie es mir geht. Ich werde schon etwas finden!"

Wieder machte ich anstalten zu gehen, doch er hielt mein Schulter fest und verhinderte so das ich weg gehen konnte.

„Bleib hier, wir finden schon eine Lösung." Ich antwortete nicht. Seine Stimme klang weicher als sonst, anscheinend hatte er einen großen Sprung über seinen Schatten gemacht. „Wenn es sein muss dann spiele ich auch für dich!"

Ein triumphierendes Grinsen schlich sich in mein Gesicht, was er zum Glück nicht sehen konnte, da ich noch immer mit dem Rücken zu ihm stand.

„Versprochen?"

„Ja meinetwegen..." nuschelte er.

Mit einem Grinsen von hier bis nach China, drehte ich mich um und fiel ihm um den Hals. Severus hatte diese Reaktion nicht erwartet und war im ersten Moment nicht darauf vorbereitet gewesen. So schob er mich nun mit einer leichten Röte im Gesicht von sich weg.

„Lass das in Zukunft" murmelte er ruhig und ich drängelte mich an ihm vorbei ins Zimmer und nahm die Gitarre von der Wand. Das auch nur, damit keine Missverständnisse aufkamen, schließlich hatte er es versprochen.

„Hier! Fang an!" Damit drückte ich ihm die Gitarre in die Hand und setzte mich in die Mitte des Raumes auf den Boden um ihn genau sehen zu können.

15. Kapitel – Meine Braut sitzt in der Diskothek

Ich denke,

also bin ich.

Severus nahm missmutig die Gitarre entgegen und setzte sich vor mich aufs Bett. Fragend sah er zu mir herab.

„Was soll ich denn spielen?"

Ich zuckte mit den Schultern und überlegte. Mir fiel kein Lied ein, ich wusste ja nicht einmal ob ich überhaupt ein Musikfreund war.

Severus legte seine Gitarre wieder beiseite, stand auf und ging zum Bücherregal. Er überflog kurz die Titel und zog dann schließlich eins heraus, welches er mir in den Schoß warf.

„Such dort irgendeins raus. Die meisten kann ich!"

Ich blätterte in dem Buch herum, während Severus seine Gitarre stimmte, die seit geraumer Zeit nicht mehr benutzt worden war.

In diesem Buch gab es so ziemlich alles an Liedern. Bei einigen Lieder war ich mir ziemlich sicher dass sie sehr alt waren, das sagte bereits der Titel.

„Sag mal diese Lieder sind doch neu, oder?"

Severus sah auf und nickte kurz. Dann wandte er sich wieder seiner Gitarre zu. „Einige schon, sind aber auch alte drin. So ziemlich alles was an Liedern rauskommt wirst du in dem Buch mit Noten finden."

Dieses Buch aktualisierte sich also von selbst? Magie eben. Aber warum erschienen mir diese Lieder so als würde ich sie schon seit Jahren kennen? Severus hatte doch gesagt es waren auch neue darin, aber sie kamen mir alle bekannt vor.

Wieso viel mir das erst jetzt auf? Waren diese ganzen Sachen hier nicht irgendwie veraltet? Gab es hier nicht wenigstens etwas neues? Oder war es doch alles neu und es kam mir nur alt vor?

„Severus?" Wieder hob er den Kopf und sah mich fragend an. „Wo sind meine Kleider von gestern? Also die, mit denen ich gekommen bin."

Severus hatte sich heute morgen die Mühe gemacht mir ein paar frische Kleider zu besorgen, indem er einfach ein paar von seinen Klamotten umgewandelt hatte.

„Die liegen hier" meinte er und deutete neben sich auf den Schreibtisch.

Neugierig stand ich auf und musterte sie. Diese Kleider wirkten viel Farbenfroher als das was ich jetzt anhatte. Aber das konnte auch mit Severus Geschmack zusammen hängen.

„Sag mal," rief ich und hielt ihm die Kleidung vor die Nase. „Findest du nicht auch, das sie sich von den Sachen die ich jetzt trage unterscheiden? Ich meine jetzt von der Art her"

Severus betrachtete die Kleidung genauer und zuckte schließlich mit den Schultern.

„Ja, schon. Aber was sagt uns das? Es gibt Orte an denen wird halt andere Kleidung getragen."

Diese Aussage erschien mir als ein bisschen zu einfach. Mit kritischem Blick drehte ich das Oberteil auf links und las was auf dem Etikett stand.

Made in England – 2002

"Severus, welches Jahr haben wir?"

Mit großen Augen sah er mich an.

„Dumme Frage, 1982!"

Ich nickte. So etwas hatte ich mir schon gedacht.

„Ich bin 17, nach dieser Zeit müsste es heißen, dass ich 1966 geboren wurde. Sieh dir mal an was auf dem Etikett steht!"

Severus nahm das Oberteil an sich und inspizierte es genau.

„Ja, das heißt aber nicht das du 2002 geboren wurdest..." murmelte er. Genervt riß ich ihm das Shirt aus der Hand und stand auf. Wieso musste er so auf dumm stellen? Konnte er nicht wenigstens für kurze Zeit sein Gehirn benutzen?

„Natürlich nicht, aber denk doch mal nach. Auf dem Shirt steht das es 2002 hergestellt wurde, aber du hast gesagt es ist erst das Jahr 1982. Also, was schließen wir daraus?"

Severus lehnte sich entspannt zurück.

„Die Macher haben sich vertan!" meinte er sarkastisch.

Da war er wieder, der Moment an dem ich ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben hätte.

„Du machst mich wahnsinnig!" seufzte ich und ließ mich wieder auf dem Boden nieder.

Ich langte nach dem Buch und blätterte wieder darin herum. Severus machte sich ja nicht einmal die Mühe mir zu helfen, also war ich auf mich allein gestellt.

„Okay, nehmen wir an du kommst aus einer anderen Zeit" murmelte er plötzlich und ich schrak hoch, er hatte tatsächlich angefangen zu denken „ Wie solltest du hierher gekommen sein? Es gibt noch keinen Trank, oder sonst etwas das Zeitreisen von solchen Abständen erlaubt."

„Vielleicht gibt es sie in meiner Zeit?"

„Und wieso kannst du dich nicht erinnern?"

„Keine Ahnung" wieder mal ein Punkt für ihn. Nachdenklich blätterte ich zwischen den Liedern herum. Wieso konnte ich mich nicht erinnern? Das war eine sehr gute Frage, auf die ich keine Antwort wusste.

Gab es überhaupt jemanden der mir eine Antwort darauf geben konnte?

Mein Blick fiel auf ein Lied das sich recht interessant anhörte und so schob ich ihm das Buch rüber mit den Worten „Sing das!"

Überrascht sah er mich an.

„Wieso singen? Ich dachte ich sollte spielen?"

„Singen gehört dazu. Also mach!"

Severus murmelte etwas von „Weil du es bist", langte dann nach dem Buch und begann auf der Gitarre zu spielen.

Er konnte gut spielen, seine Melodie fesselte mich regelrecht und erlaubte mir nicht wegzuhören. Aber vielleicht lag dies auch daran, dass dies wohl keine Gewöhnliche Gitarre war. Seine sanfte und leicht dunkle Stimmlage die nun einsetzte, passte perfekt zur Melodie.

„Kurz vor zwölf, da glänzt ihr Blick.

Tanzt vor dem Spiegel macht sich schick,

sie zieht ihr kurzes an und geht,

sie ist so richtig aufgedreht..."

Er war sich zu Anfang mit dem Gesang etwas unsicher, denn er sang relativ leise aber zum Schluss der Strophe wurde seine Stimme schon etwas lauter und selbstsicherer.

„Zu ihren Füßen liegt die Nacht,

mit dem Gesicht das immer lacht,

sie weiß genau was ihr gefällt,

das Tanzparkett ist ihre Welt"

Er lächelte mir flüchtig zu und begann dann mit dem Refrain.

„Sie tanzt so heiß,

mich hauts vom Sitz,

und alle Typen werden spitz,

ich kanns bald nicht mehr länger sehn,

doch sie will nicht nach Hause gehen.

Ihr haar es wirbelt durch die Luft

Und jeder riecht den Wahnsinns Duft,

es schaun schon alle ganz verzückt

und ihr gefällts ich werd verrückt – verrückt!"

Irgendwie musste ich plötzlich daran denken wie es wäre mit ihm zu tanzen. Alleine mit ihm in einem dunklen Raum, bei leiser Musik und Kerzenschein....

Als mir bewusst wurde an was ich gedacht hatte wurde ich rot und ich verbarg mein Gesicht schnell in meinen Armen. Severus hatte davon zum Glück nichts bemerkt.

„Meine Braut sitzt in der Diskothek.

Kluge Geister störn sie nicht,

sie liebt Musik und steht auf Licht.

Ich weiß genau was ihr gefällt.

Das Tanzparkett ist ihre Welt"

Eigentlich sah er ja so schlecht gar nicht aus, kam mir der Gedanke als ich ihn unauffällig musterte. Er hatte blasse Haut und schwarz glänzende Haare, seine schwarzen Augen wirkten so dunkel, aber nicht mehr ganz so einsam wie am Tag als ich bei ihm aufgetaucht war. Sie leuchteten irgendwie, aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Wieder musste ich mich dazu zwingen ihn nicht allzu auffällig zu mustern. Außerdem war er doch auch gar nicht mein Typ!

„Sie tanzt so heiß,

mich hauts vom Sitz,

und alle Typen werden spitz,

ich kanns bald nicht mehr länger sehn,

doch sie will nicht nach Hause gehen.

Ihr Haar es wirbelt durch die Luf,

und jeder riecht den Wahnsinns Duft,

es schaun schon alle ganz verzückt,

und ihr gefällts ich werd verrückt."

Er würde mich sanft über die Tanzfläche führen, seine eleganten Finger würden über meine Arme streichen und ich würde so nah an ihn gezogen sein, das ich seinen männlichen Duft riechen könnte.

Seine schwarzen Augen würden tief in meine rehbraunen Augen blicken und er würde sagen...

„Hermine?"

Erschrocken sah ich auf und bemerkte das er geendet hatte und anscheinend auf mein Urteil wartete.

„Was ist mit dir?" fragte er und sah mich schräg an.

„Ich habe geträumt" meinte ich und er lächelte. Es war nicht gelogen, ich hatte schließlich geträumt nur von was ich geträumt hatte würde ich ihm ganz sicher nicht sagen.

16. Kapitel – Nachhilfe

Wie auf einem großen Meer,

weht es uns beide hin und her,

und wenn du untergehst,

dann spring ich hinterher...

(die Prinzen – Was gut ist)

„Ich schlage vor, wir machen draußen einen Spaziergang, vielleicht gibt es irgendetwas das dir bekannt vorkommt!" schlug Severus nach einiger Zeit vor.

Ich nickte etwas lahm. Wenn ich wirklich aus einer anderen Zeit kam, dann würde mich die Gegend vielleicht an etwas erinnern, vorausgesetzt es hatte sich in den ganzen Jahren nichts geändert, was ziemlich unwahrscheinlich war.

Ohne viel Aufheben zu veranstalten, gingen wir nach draußen. Ich vermutete das es schon Sommer war, da Severus ja nicht in der Schule war, sondern zu Hause.

Auch an den Bäume, die rundum grün waren, und prächtige Äpfel trugen, konnte man es erkennen. Ich war mir nicht ganz sicher ob sie schon reif waren, aber sie sahen schon richtig rot aus.

Auf den Wiesen an denen wir vorbei kamen blühten Blumen und die Gärten der verschiedenen Bewohner dieses Ortes, sahen paradiesisch aus.

Aber etwas fehlte an dieser Sommeridylle, und das war die Sonne selbst. Sie war hinter grauen Wolken verdeckt und nach einiger Zeit begann ich zu frieren. Ich hatte keine Jacke mitgenommen, da ich auch gar keine hatte.

„Und? Erinnerst du dich an etwas?" fragte Severus, nachdem wir einige Blocks umrundet hatten. Enttäuscht schüttelte ich den Kopf. Gar nichts kam mir bekannt vor. Es war alles vollkommen fremd.

Er zuckte nur mit den Schultern und bog dann auf einem Spielplatz ein. Es war ein großer Spielplatz, mit viel Wiese zum Ball spielen oder sonstigen Aktivitäten. Unter anderem gab es dort, einen Sandkasten, eine Schaukel und eine Rutsche.

Severus ließ sich auf einer der beiden Schaukeln nieder, die nebeneinander hingen und deutete mir an mich neben sich zu setzen.

„Tja und was machen wir jetzt?" fragte ich leise und schwang langsam mit der Schaukel hin und her. Severus blickte zu Boden.

„Ich fürchte wir können nicht mehr tun als abzuwarten, bis deine Erinnerungen wieder kommen. Wir sind sozusagen machtlos" Ich nickte abwesend. Wir konnten also nichts tun. Ich würde hier wohl festsitzen bis meine Erinnerungen wiederkamen, erst dann würde sich eine Möglichkeit finden wieder dort hin zurückzukehren wo ich hergekommen war. Verzweiflung stieg in mir auf, was wäre wenn ich mich nie wieder erinnern könnte? Dann müsste ich auch für immer hier bleiben.

Aber was kümmerte mich das eigentlich? Heimweh konnte ich nicht bekommen, ohne zu wissen wo mein Heim war.

„Severus," flüsterte ich „mir ist kalt!" Ich beobachtete wir er aufstand und mich ansah.

„Dann gehen wir besser heim!" meinte er und wollte schon losziehen.

Genervt schüttelte ich den Kopf. Severus war absolut unwissend was das betraf und alles andere als ein Gentleman. Das hätte ich eigentlich wissen müssen, was hatte ich denn erwartet. Mit solchen Dingen konnte er mich wütend machen, ich wusste das er nicht dumm war und doch stellte er sich dumm indem er mich ignorierte.

„Du hast keine Ahnung!" murrte ich, als ich ihm hinterher stiefelte. Severus blieb stehen und musterte mich verwirrt.

„Keine Ahnung von was?"

„Von Frauen, du Casanova!" wütend ging ich weiter und er war gezwungen mir zu folgen. Ich wusste zwar nicht mehr von wo wir gekommen waren, aber mir war es auch egal. Ich wollte eigentlich nur noch umhergehen und meinen Dampf ablassen. Wenn ich mich wieder beruhigt hätte, würde ich ihn um Hilfe bitten.

Severus bemerkte nicht einmal wo lang wir gingen, ihn hatte die Neugier gepackt und verzweifelt versuchte er den Grund zu finden der mich so wütend gemacht hatte.

Er verstand absolut nicht was er wieder falsch gemacht hatte.

„Aber ich hab doch jetzt gar nichts gemacht!" flehte er und versuchte mit mir Schritt zu halten.

„Eben!"

„Worum geht es denn überhaupt?"

„Ich habe eben gesagt das mir kalt ist, und du sagst das wir wohl besser heimgehen?!"

Severus zuckte mit den Schultern, noch immer konnte er keinen Fehler entdecken.

„Aber das war doch nur gut gemeint..."

Langsam wandelte sich meine Wut in Mitleid und ich verlangsamte meine Schritte und blieb schließlich stehen. Sein Blick sagte mir das er tatsächlich, diesmal überhaupt nichts verstand.

In einem sanfteren Tonfall versuchte ich es zu erklären.

„Severus, wenn eine Frau sagt, das ihr kalt ist, gibt die männliche Person ihr normalerweise seine Jacke. Auch wenn ihm dann selbst kalt wird. Das Wohlergehen der Dame liegt immer im Vordergrund!"

Überrascht sah er mich an, zog dann seine Jacke aus und hängte sie mir über die Schulter.

Es war eine schwarze Stoffjacke, sie war zwar nicht sehr dick, hielt aber trotzdem warm.

„Besser?" fragte er und der Anflug eines Lächelns wanderte über sein Gesicht.

Ich lächelte zurück und ging dann weiter. Wenigstens hatte er es jetzt verstanden.

„Du hast nicht viel zu tun mit Frauen, oder?" fragte ich nach einiger Zeit, als er schweigend neben mir herschritt.

Er überlegte einige Zeit lang wohl ob er darauf antworten sollte, oder nicht.

„Was soll ich mit denen zutun haben?" meinte er leise. Dieses Thema war ihm peinlich, vermutete ich. Wahrscheinlich weil er davon nichts wusste und so Wissens mäßig unterlegen war.

„Ich meine damit, das du noch nie eine Freundin hattest und so auch nicht weißt wie man mit Frauen umzugehen hat. Frauen werden nicht wie Männer behandelt, ich schätze das müsste dir schon aufgefallen sein. Frauen legen Wert auf Feingefühl!"

Severus hatte sich offensichtlich dazu entschlossen seine kalte Schale vorerst abzulegen und zuzuhören, schließlich konnte er so doch noch etwas über dieses Thema lernen und er wäre in Zukunft nicht mehr ganz so unwissend. Man sah ihm an dass Wissen für ihn Macht bedeutete.

Wenn er etwas nicht wusste, fühlte er sich hilflos.

„Wie meinst du das?"

Mit dieser Frage hatte ich gerechnet. Ich hielt ihn am Ärmel fest, damit er stehen blieb.

„Pass auf, ich zeig´s dir. Schließ deine Augen!"

Severus zog eine Augenbraue hoch und sah mich misstrauisch an.

„Wieso?" wollte er wissen und hatte wieder seinen kühlen Unterton an den Tag gelegt.

„Damit du besser fühlen kannst. Du musst dich konzentrieren um zu verstehen was ich meine!" antwortete ich genervt und endlich verstand er. Er nickte und schloss, zwar immer noch etwas unsicher, die Augen.

„Jetzt?" fragte er nachdem eine Weile lang nichts geschah. Er vertraute mir nicht wirklich, anscheinend dachte er ich würde ihn irgendwie veralbern wollen.

„Warte!" fuhr ich ihn an und es kehrte wieder Ruhe ein. Ich stellte mich vorsichtig auf die Zehenspitzen und presste meine Lippen auf seine. Ich hatte erwartet, dass er zurückweichen würde oder mich irgendwie wegschubsen würde, doch nichts geschah. Entweder war er zu geschockt oder er hatte tatsächlich vor dies durchzuziehen.

Ich fühlte seine schmalen Lippen auf meinen, er erwiderte nicht, aber das hatte ich mir schon gedacht. Seine Lippen waren warm und weich, was mich auf irgendeine Art und Weise überraschte und mich nicht von ihm lösen ließ.

Ich tastete nach seinen Händen und legte sie um mich, so das er mich festhielt, anschließend legte ich ihm meine Hand auf die Schulter.

Mein Kuss wurde fordernder und ich ließ meine Zunge in seinen Mund gleiten. Auch hier schreckte er nicht zurück. Meine Zunge kreiste sanft um seine und endlich merkte ich wie er erwiderte. Er zog mich dichter heran und drückte mich fest an sich. Langsam legte er seinen Kopf etwas schräg um meinen Kuss besser erwidern zu können. Er hatte nun die Führung übernommen und seine Zunge glitt in meinen Mund um meine Zunge verwöhnen zu können.

Ich wusste nicht wie schnell er lernen konnte, aber ich musste zugeben das er nun sehr gut küssen konnte. Man merkte noch das er Anfänger war denn er hatte seinen Speichel noch nicht wirklich im Griff, aber das fiel nicht großartig auf.

Er fesselte mich förmlich mit diesem Kuss, ich hatte keine Macht mehr über ihn und er offensichtlich auch nicht mehr über sich. Er war vollkommen in diesem Kuss versunken, genau wie ich. Ich spürte wie seine Hände langsam unter meine/seine Jacke glitten und schließlich unter meinem Shirt waren und sanft über meinen Rücken strichen, so dass ich ein Gänsehaut bekam. Als seine Hände dann zu meinem Bauch wanderten und höher wollten, löste ich mich von ihm.

Verwirrt sah er mich an und bekam nur langsam die Kontrolle über sich zurück. Ich sah das er leicht errötete als ihm bewusst wurde was eben passiert war.

Ich lächelte nur.


Kapitel 17-20