Angel come back, please (von ~*Sweet Dream)

Teil 1:
In einer langen Sommernacht war ein junger Mann wach. Alle anderen schliefen, bloß er nicht, weil er mal wieder von Liebeskummer geplagt wurde. Leise seufzte er. Es war noch nicht langer her, als seine große Liebe gestorben war. Er vermisste ihre blauen Augen, ihre außergewöhnliche Frisur, ihre weichen roten Lippen, ihre Gesichtsauszüge, ihr Lachen, ihr sanftes Lächeln. Er vermisste einfach alles. Traurig blickte er auf die zweite Doppelhälfte des Bettes das leer war. Er strich über das Kopfkissen und stellte sich vor, das seine Liebe neben ihm liegen würde. Sie würde ihn anlächeln, ihm einen Kuss geben und sich ganz dicht an ihn drücken weil ihr kalt war, aber all das war bloß seine durchgedrehte Fantasie. Immer wenn er daran dachte füllten sich seine Augen mit Tränen und leise rollten sie über seine Wangen und tropften auf das Kissen worauf seine Freundin früher geschlafen hatte. Er nahm das Kissen langsam hoch und drückte es ganz fest an sein Gesicht. In seinen Gedanken sah er sie mit ihren schönsten Lächeln die sie je gehabt hatte. Sie zupfte an seinem T-Shirt und zog ihn an sich. Er war erst überrascht, aber dann näherten sich ihre Lippen und die Beiden küssten sich liebevoll. Er drückte seine Augen weiter zu bis sie schmerzten. Er wollte diesen Gedanken nicht verlieren, sondern er wollte ihn für immer und ewig behalten. Der junge Mann drückte seine Augen weiter zu, aber dies nützte ihm nichts. Das Bild, was er gesehen hatte löste sich in Luft auf und verschwand. „Nein!“, wisperte er leise und öffnete seine schmerzenden Augen. Durch den Schmerz wurden seine Augen nass. Den Tränen lies er wieder freien Lauf. Immer wieder fragte er sich: ´Wieso ist sie von mir gegangen? Wieso? Wir waren doch glücklich miteinander. Wir haben uns doch geliebt. Warum musstest du jetzt sterben warum? Wir beide haben doch so viel zusammen durchgemacht. Als ich dich das erste Mal sah, war ich von deiner Schönheit geblendet. Ich verstehe das nicht.` Langsam lies er das Kissen wieder sinken und legte es an seinen alten Platz zurück. Liegend starrte er an die Decke und dachte weiter an die vergangene glückliche Zeit. Seine Augen waren schon rot wegen dem Schmerz und den Tränen, aber die musste er rauslassen. Früher hatte er versucht sie zu unterdrücken, aber danach schwammen seine Augen in den Tränen und schmerzten höllisch. Deshalb trauerte er schon eine Weile nachts um sie. Er wollte nicht, dass jemand es merkte, dass er trauerte. Das sahen die anderen ihm aber an, aber sagten lieber nichts dazu. Sie wussten, dass er darüber hinweg kam. Zwar mit Mühe, aber er würde es schaffen. Der Mann wusste auch, dass einem anderen in der Mall das gleiche Schicksal passiert ist und das die Anderen das auch betraf. Zwei ihrer guten Freunde verloren zu haben war auch nicht leicht für sie. Er sah auch häufig, das Trudy kurz vorm Weinen war, wenn sie ihn mit der Trauermiene auf sie zukommen sah. Sie rannte dann immer schnell weg von ihm. Die Anderen verschwanden auch immer, wenn er jetzt die Küche betrat. Bloß ein guter Freund blieb immer sitzen. Ihn traf das genauso wie ihm. Die Beiden trösteten sich immer gegenseitig, aber er wusste, dass es so nicht weiter gehen sollte. Er liebte sie doch und sie wird immer einen Platz in seinem Herzen haben, aber so konnte das nicht weiter gehen. Er sollte nicht immer der Vergangenheit hinterher blicken, sondern in die Zukunft schauen, aber dass ist nicht leicht für ihn. Seine Seele hing doch an ihr. Wenn sie doch bloß bei ihn seinen könnte. Beim Eagle Mountain hatte sie ihm verraten, dass sie von ihm schwanger war. Er war gerührt, aber er hätte sie lieber in der Mall gelassen, wenn sie es ihm früher gesagt hätte. Denn dann hätte er gewusst, dass es ihr und dem Kind gut gingen. Er schluchzte kurz auf. Seine Liebe war mit dem Kind gestorben. Sie hätten eine schöne Zukunft mit dem kleinen Wesen gehabt, aber diese Zukunft stahl mal ihm. Er malte sich aus, wie er neben ihr saß, als sie sein Kind gebar, wie er dem Kind die Flasche gab, wie es lernte Mama und Papa zu sagen, wie er dem Kind laufen beibrachte, aber das würde nie in Erfüllung gehen, da seine Liebe am Eagle Mountain verstorben war. Niemand anderes wusste davon, dass sie schwanger war. Immer wenn er Brady vors Gesicht bekam erinnerte das Baby ihn an sein eigenes. Das wäre doch bloß zu schön gewesen, aber nein Gott lies das nicht zu. Er nahm ihm alles weg, was in seinem Herzen war. Er riss es sozusagen heraus. Es wäre, als hätte jemand das Licht in seinem Herzen ausgeknipst und alles verschwand einfach so. Diesen Gedanken machte ihn wieder traurig, aber langsam glitten seine Lider herunter. Er öffnete sie immer wieder, aber irgendwann lies er sie freien Lauf und schlief leise und friedlich wie ein Baby ein.

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Teil 2:
Am nächsten Morgen öffnete Bray langsam seine Augen. Sie fielen ihm fast vor Müdigkeit wieder zu. Er hatte nämlich nicht gerade toll und lange geschlafen. Er gähnte kurz und streckte sich. Er schlüpfte langsam aus seinem Bett und zog sich an. Sein Blick wanderte zu Ambers Klamotten, die noch im Schrank hingen. Langsam ging er hin und roch daran. Sie rochen nach ihrem typischen Duft. Auf einem Tisch lagen noch ihre Schminksachen. Überall wimmelte es von ihren Sachen. Wie sollte er denn jemals darüber hinweg kommen, wenn in der ganzen Mall ein paar von ihren Sachen herumliegen. Er schloss den Schrank und setzte sich auf sein Bett. Auf einem Nachtschrank lagen noch die Zopfgummis für ihre Zuluzöpfe und einen Kamm. Er nahm den Kamm in seine rechte Hand und musterte sie. Er erinnerte sich nochgenau daran, wie sie morgens und abends ihr blondes seidiges Haar gekämmt hatte. Mit seiner linken Hand entfernte er ein paar ihrer blonden Haare und legte sie in ein Buch herein. Er schloss es wieder und verstaute es im obersten Fach seines Kleiderschrankes. Wenn jemand danach suchen würde, würde er es garantiert nicht so schnell finden. Danach legte er den Kamm wieder zurück und stellte sich vor, wie sie wohl gestorben war:

Während alle ins Freie hinausrannten, blieb Amber irgendwo mit ihrer Hose hängen. Verzweifelt versuchte sie sich zu befreien, aber sie schaffte es einfach nicht. Die Hose hatte sich zu sehr verfangen und Amber bekam sie mit ihren Händen einfach nicht los. Sie hörte, die jemand die Zeit die ihr noch blieb herunterzuzählen, bevor das ganze Gebäude in die Luft gesprengt wurde. Schnell riss sie sich los und der Stoff ihrer Hose knarrte und zerriss. So schnell wie sie konnte rannte sie einen Gang entlang. Im ganzen Gebäude konnte man hören „10, 9,8 ...“ Sie fing an am ganzen Leib zu zittern. Sie wusste nicht, ob sie es jemals rausschaffen würde. Wenn sie sich verfangen hätte wäre sie bereits draußen und könnte sich in Brays Armen festhalten. Kurz vor dem Ausgang stolperte sie und fiel zu Boden. So schnell wie sie konnte stand sie auf und humpelte der Freiheit entgegen, aber plötzlich hörte sie, wie die Stimme auf Null gezählt hatte und das eine Sirene jaulende Töne von sich gab. Amber beschleunigte noch einmal ihr Tempo und vor ihren Augen sah sie die Freiheit, aber auf einmal explodierte das ganze Gebäude. Amber lies sich auf den Boden fallen und schützte ihren Kopf vor den herunterfallenden Steinen, aber das nützte ihr nichts. Die Decke krachte zusammen und sie stürzte auf Amber. „Ah!“, schrie sie auf. Steine landen auf Ambers Beinen, auf ihrem Rücken und ihren Armen, die sie über ihren Kopf geschlungen hatte. Nachdem die Decke heruntergestürzt war, befreite sie sich und ging mit ihrer letzten Kraft hinaus ins Freie. Dort brach sie dann zusammen. Wahrscheinlich lag sie da eine Weile bewusstlos. Ebony fand sie schließlich und Amber sagte kurz bevor sie starb „Sag Bray, dass ich ihn liebe.“ Ebony nickte und Amber schloss die Augen und ihr Kopf klappte zur Seite und sie war tot. Ebony schrie auf und nahm sie dann auf den Arm und begrub sie neben Zandras Grab. „Mach es gut!“, rief sie noch, bevor sie Steine auf einander schichtete. Danach schrieb sie auf ein Kreuz Amber, damit jeder wusste, dass sie dort gegraben lag. Danach ging sie vom Eagle Mountain weg und lief in Richtung Mall. Sie wusste nicht, wie sie die Nachricht überbringen sollte. Da die Mall Rats schon vor ihr gegangen waren, brauchte sie sich keine Sorgen zu machen, dass sie Bray und die Anderen irgendwo auf den Weg treffen würde. Ein paar Stunden später erreichte sie die Stadt und rannte zur Mall. Dort warteten die Anderen auf Ambers Erscheinen, falls sie es geschafft hatte „Sie ist tot!“, rief Ebony zu den Anderen. Sie schraken zusammen und schrieen wie wild durch einander. „Was? Das darf doch nicht sein!“, rief Bray geschockt, aber Ebony nickte bloß „Ich habe sie begraben. Kurz bevor sie starb sagte sie noch, dass sie dich liebt Bray, aber nach den Worten war sie sofort tot. Es tut mir so Leid Bray.“

Bray schüttelte sich den Gedanken beiseite und verlies das Zimmer. Am liebsten hätte er sich daran gar nicht erinnert. Ihm wurde nämlich bewusst, dass er sie retten hätte können, wenn er bei ihr geblieben wäre, aber das war nur eine Vorstellung wie sie gestorben sein könnte. Es gab noch viele andere Möglichkeiten. Zum Beispiel: Amber hätte sich verirren können oder sie half Zandra die gestürzt war etc. Auf jedenfall würde er sie niemals vergessen. Sie blieb seine große Liebe und niemand könnte ihren Platz einnehmen. Wirklich keine andere. Vielleicht würde er sich ja wieder verlieben, aber niemals so stark wie er sich in Amber verliebt hatte. Er ging einen Gang der Mall entlang und setzte sich auf seinen Platz in der Küche. Trudy fütterte dort Brady mit Brei. Brady öffnete ihren Mund, aber als sie den Brei schmeckte spuckte sie ihn wieder aus und er landete auf Trudy. Trudy schrie verekelt auf „Soll ich dir helfen?“, fragte Bray. Trudy sah ihn an „Du? Wenn du willst. Vielleicht hast du mehr Glück als ich, aber ich warne dich. Brady mag den Brei nicht.“ Bray grinste Trudy an „Das habe ich ja gerade gesehen.“ Trudy übergab Bray den Brei und tauschte mit Bray den Platz. Bray setzte sich auf Trudys und stellte die Breischüssel auf den Tisch „Mund auf Brady.“, sagte Bray und nahm sich einen Löffel voll Brei und führte ihn zu ihrem Mund. Das kleine Kind öffnete ihren Mund und nahm den Brei auf. Sie war kurz davor ihn wieder auszuspucken, aber sie schluckte ihn lieber runter, als sie Brays aufforderten Mimik sah. Trudy blieb der Speichel weg, als Brady ihn schluckte. Sie hatte damit gerechnet, dass sie ihn ausspucken würde. „Bray, wie machst du das?“, fragte sie perplex. Bray zuckte mit den Schultern und fütterte seine Nichte weiter. Sie schmatzte zufrieden weiter ihren Brei, aber als sie satt war öffnete sie ihren Mund nicht mehr, sondern beklagte sich mit Geschreie. Bray stellte die Schale wieder beiseite und nahm Brady aus dem Sitz und übergab sie Trudy. Danach schüttete er Müsli in eine Schale und goss Joghurt darüber. Trudy war immer noch fassungslos und ging mit ihrer Tochter aus der Küche. „Bei Onkel Bray schmeckt dir der Brei, aber bei mir nicht.“ Trudy schüttelte den Kopf und sie lies Brady ein Bäuerchen machen, bevor sie das Baby zurück in ihre Wiege legte. Brady spielte ein bisschen mit einem Schäfchen, dass darüber hing und schlief dann müde ein. Trudy küsste ihre Tochter kurz auf die Backe und ging zurück in die Küche, wo Bray und Salene bereits ihr Essen herunterschluckten.

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Teil 3:
Tai-San saß in ihrem Zimmer und meditierte. Auch ihr lag das alles sehr am Herzen. Amber war eine von ihren guten Freundinnen gewesen. Damals hielt sie schon zu ihr. Sie erinnerte sich noch genau daran, wie Lex versucht hatte, dass die Mall Rats sie nicht aufnehmen durften, weil sie ja eine Spionin, in Anführungszeichen, seien könnte. Dabei hatte sie ja Cloe vor den Locos im Wald gerettet, aber an ein Danke dachte er ja nicht. Amber und die anderen Mall Rats nahmen sie dann gegen Lex Willen in die Gemeinschaft auf. Zandra hatte eher befürchtet, dass sie Lex ihr wegnehmen könnte. Das war aber absoluter Quatsch. Sie war nämlich nicht so eine, die jeder anderen ihren Freund ausspannen würde. Sie lies das lieber alles auf sie zukommen und das meiste wusste sie von ihren Visionen, die sie im Schlaf bekommt. Die Vision, dass beim Eagle Mountain was passieren würde, bekam sie, nachdem die Anderen schon eine Weile davor aufgebrochen sind. Wenn die Funknetze funktioniert hätten, hätte sie sich am liebsten ein Handy geschnappt und mit den Anderen Kontakt aufgenommen. Als die Mall Rats dann traurig wiederkamen, wollte sie es ihnen nicht sagen, dass sie eine Vision hatte. Man hätte sie angeschrieen warum sie das nicht früher gesagt hätte. Es hätte dann nämlich keine Todesopfer gegeben. Man hätte Amber und Zandra in der Mall gelassen und alles wäre gut. Sie hätte versucht sich daraus zu reden, aber das wäre ihr wahrscheinlich nicht gelungen. Vielleicht hätte man sie aus der Mall geworfen oder sie wäre ein Sklave geworden, aber das war völliger Quatsch. Die Mall Rats sind nicht so wie vielleicht die Locos oder die Deamon Dogs. Man hätte ordentlich verhandelt, oder man hätte das Ganze gelassen. Lex hätte aber dafür gesorgt, dass man sie irgendwo in der Mall eingesperrt hätte. Wahrscheinlich im Käfig. Sie hatte schon häufig miterlebt, dass man dort Leute eingesperrt hatte. Einmal war es Ebony, die sich in die Mall geschlichen hatte. Sie wollte aber nicht, dass man sie dort auch einsperren würde. Schließlich war es besser nichts zu sagen, sondern stillschweigen zu behalten. Immer wenn das schwarzhaarige Mädchen daran dachte wurde ihr ganz mulmig zu mute. Sie spürte immer ein Gefühl von Mitschuld, obwohl sie dafür ja nichts konnte, dass die Vision so spät eingetroffen war. Wenn jemand sie gefragt hätte, ob sie eine Vision hatte, hätte sie es den Anderen gesagt. Erleichtert war sie aber, als niemand in den Tagen danach sie gefragt hätte. Sie öffnete langsam ihre Augen und setzte sich auf ihr Bett und las etwas. Nach einer Weile lies sie das Buch wieder sinken und schloss ihre Augen. Tai-San legte sich hin und streckte sich aus. Sie seufzte kurz und legte sich gemütlich hin und döste friedlich eine Weile.

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Teil 4:
Bray saß in der Küche und füllte sich gerade Müsli nach. Trudy setzte sich zu ihm und Salene an den Tisch. „Bray, wie hast du das geschafft, das Brady ihren Brei ist. Das macht sie sonst nie.“ Bray füllte kurz Joghurt über das Schokoladenmüsli, bevor er Trudy eine Antwort gab „Ganz einfach. Du lässt Brady alles durchgehen, aber sie hat an meinem Blick gemerkt, dass sie bei mir das Spiel nicht durchführen kann.“ Trudy schaute ihn kurz an und begriff. Sie hatte Brady wirklich alles durchgehen lassen. Früher hatte sie keine Lust sich um Brady zu kümmern. Sie überlies das Bray und Salene. Aber dann wurde ihr aber auch bald klar, dass Brady sie dann nicht als Mutter ansehen würde, wenn sie die ganze Arbeit anderen überlassen würde. Als Brady krabbeln könnte war das junge Mädchen schon so neugierig und wühlte in fremden Sachen rum. Sie hätte da schon ein Machtwort sprechen müssen. Und das mit dem Brei ausspucken hätte sie auch nicht durchgehen lassen sollen. Trudy wurde rot „Du hast recht Bray, aber ich sah das alles mit anderen Augen.“ Bray schaufelte sich gerade wieder Müsli in den Mund und schluckte es herunter „Jetzt siehst du es mit anderen. Ich wusste das damals schon von Martin. Er ist ja drei Jahre jünger als ich. Er hat sich genauso wie Brady benommen. Ich hab ja nichts an dir auszusetzen Trudy, aber mir geht es um Bradys Wohl. Als Onkel muss man halt manchmal besorgt sein.“ Trudy nickte ihm kurz zu und schmierte sich ein Brot. Sie hatte wirklich alles falsch gemacht in Bradys Erziehung. Wenn Bray und Salene nicht wären, dann würde sie Brady wirklich falsch erziehen. „Trudy, Bray meint das Richtig. Wenn du willst helfen wir dir.“, Salene blickte Trudy aufmunternd an. „Ist schon gut. Ich seh doch meine Fehler ein. Ihr seit echt lieb. Alleine würde ich dass nie schaffen.“, Trudy lächelte die Beiden an und biss dann in ihr Schinkenbrot. „Ist doch kein Problem. Wenn du willst übernehme ich das Füttern.“, sagte Bray und er wusste, dass diese Ablenkung ihn auf andere Gedanken bringt. Trudy war einverstanden und aß vergnügt ihr Brot auf. Kurz darauf betrat Jack die Küche „Hallo ihr, na gut geschlafen?“ „Ach Jack ja, hey, lass deine Finger vom Herd.“, rief Salene. Sie wusste nämlich, dass Jack gleich zum Herd gehen würde um zu schauen, ob man da nicht irgendwas dran ändern könnte, zum Beispiel, dass er ihn so umbauen könnte, dass er ohne Strom läuft, oder die Teile anders einzusetzen um zu wissen, ob der Herd dann auch funktionieren würde. Jack schnitt seine Grimasse und setzte sich an den Tisch und angelte sich die Müslipackung. Er holte die Tüte hervor und stieß heraus „Wer hat die Tüte leer gemacht?“ Bray und Salene blickten sich an und ließen ihre Löffel sinken „Wir!“, sagte Bray. Die Beiden unterdrückten sich ein Kichern. Jack stand auf und holte sich eine neue Packung „Ich mag doch Schoko so. Jetzt ist nur noch für diese Woche Müsli mit Rosinen da.“ „Jack, wenn du 10 Minuten früher da gewesen wärst hättest du sicherlich noch was von dem Müsli abbekommen. Wenn du das Andere nicht magst, dann esse doch Brot. Schmeckt doch auch, oder du fischt dir die Rosinen heraus.“, sagte Trudy und schob das Brot zu Jack hinüber. Jack starrte abwechselnd zu dem Müsli und dann zum Brot. Er wollte Schokomüsli und kein Rosinenmüsli und auch kein Brot. Einfach bloß Schokomüsli. Er überlegte kurz, ob er auf das Frühstück verzichten sollte, aber ihm knurrte der Magen einfach zu sehr. Vielleicht sollte er sich eine Banane oder einen Apfel nehmen, aber das würde seinen Hunger nicht stillen. Jack entschied sich dann für das Rosinenmüsli. Er schüttete ein bisschen davon in eine Schale und goss den Joghurt drüber. Neidisch schaute er ein paar Mal zu Bray und Salene, die ihm das Schokomüsli weggefuttert hatten. Er durchwühlte das Müsli nach Rosinen, aber fand keine. Bray, Salene und Trudy waren nicht mehr zu halten und gackerten los. Erst jetzt wurde Jack bewusst, dass das, was er in der Schale hatte gar kein Müsli mit Rosinen war. Salene hatte vorhin das Schokomüsli gegen das Müsli mit Rosinen ausgetauscht. Bray und Salene hatten das andere Müsli leer gemacht und nicht das Schokomüsli. Jack stieg die Wut hoch, aber bevor er sie rauslassen konnte, hatten die anderen ihn mit angesteckt und er lachte lauthals auf. Lex wurde davon in die Küche angeloggt „Ihh, Rosinen!“, schrie er auf, als er die Müslipackung sah „Willst du was davon?“, fragte Jack „Schmeckt super.“, stimmten die anderen ein. „Äh ne Danke, dass könnt ihr behalten. Gibt es noch Schokomüsli?“ Lex sah ekelerregend auf die Müslipackung und dann auf die andere Packung. „Nein Lex, tut uns echt leid. Du siehst doch, die Packung ist leer.“ Bray hob die Packung zum Beweis hoch und drehte sie um. Lex schaute traurig die Packung an und schnappte sich eine Scheibe Brot. Ohne was zu sagen verlies er die Küche und verschwand irgendwo in der Mall. Kurz nach dem Lex weg war prusteten Bray, Jack, Salene und Trudy los. „Mensch der ist ja richtig drauf reingefallen.“, meinte Trudy und all die Anderen stimmten ihm zu „Will noch wer Schokomüsli?“, fragte Jack danach und konnte sich ein grinsen nicht verkneifen „Ich!“, riefen Bray und Salene und ihre beiden Schälchen füllten sich mit Müsli und Joghurt. „Ob Lex das Brot schmeckt?“, fragte Trudy die Anderen „Frag ihn selbst.“, sagten Salene, Bray und Jack mit vollem Mund im Chor.

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Teil 5:
Lex ging mit der Scheibe Brot in sein Zimmer zurück. Er schaute kurz drauf und schlang sie herunter. Eine trockene Scheibe Brot war besser, als ein Rosinenmüsli. Bray und Salene schmeckte das ja, aber den Rest nicht. Lex erinnerte sich dran, wie er damals die Packungen verwechselt hatte und beim Rosinenmüsli gelandet war. Er hatte die Rosinen für extra dicke Schokoladenstücke gehalten und die waren nur für ihn alleine da. Vergnügt aß er das Müsli. Die Schokoladenstücke schmeckten irgendwie eigenartig. Nachdem er es geschnallt hatte, spuckte er das ganze Müsli auf der Toilette wieder aus. Die anderen fanden das urkomisch und niemand hatte ihm was davon gesagt, dass das kein Schokomüsli war. Irgendwas hatten die anderen wohl gegen ihn. Irgendwas. Das wusste er, aber was genau wusste er nicht. Dafür, dass kein Schokomüsli mehr da gewesen, konnte er denn anderen doch keine Schuld geben. Sie waren halt genauso gefräßig wie er. Das hatten sie sicherlich von ihm abgeschaut. In seinem Zimmer lies er sich auf seinem Bett sinken und nahm ein Oberteil von Zandra in die Hand. Er roch an dem Oberteil und nahm ihren Duft auf. Er erinnerte sich daran, wie Amber ihm gerade eine Kleben wollte, aber bevor ihre Hand seine Backe erreicht hatte kam Zandra daher und rief „Hey Amber, lass Lex in Ruhe.“ Amber lies damals ihre Hand ruckzuck wieder sinken und Zandra fuhr fort „Das ist mein Job!“ An Ambers Stelle scheuerte sie ihm eine. Warum sie dass damals gemacht hatten wusste er nicht mehr. Auf jedenfall fehlte Zandra ihm sehr. Er wollte es am liebsten nicht zugeben, dass sie ihm fehlte. Er hätte gerne eine längere Zeit mit ihr gehabt. Seine Augen erblickten dann aber einen BH, der weiter abseits lag. Lex stand auf, legte das Oberteil beiseite und nahm den BH zur Hand. Früher hatte er gedacht, dass ein BH oder ein Bikinioberteil eine Badekappe für Zwillinge wären. Bei diesem Gedanken musste er grinsen. Früher war er ja so unerfahren und hatte null Ahnung von den Weibersachen gehabt. Na gut, da war er ja gerade mal acht Jahre alt. Aber eine Badekappe für Zwillinge war doch idiotisch. Er hatte wirklich keine Ahnung vom anderen Geschlecht gehabt. Spätestens in der fünften Klasse wusste er Bescheid. Er hatte sich nämlich sehr häufig in den Biostunden die Karikaturen von nackten Frauen angesehen und die Begriffe auswendig gelernt. Da Ryan damals neben ihm saß, wusste er natürlich Bescheid. Einmal ging seine Biolehrerin dann herum, um die Hausaufgaben einzusammeln. Er hatte das Buch aufgeschlagen und zog sich immer diese Bilder rein. Ryan stupste ihn dann unsanft an. Lex checkte aber nicht, was Ryan wollte. Bevor er gemerkt hatte, dass die Lehrerin bei ihm stand und sie verkündigte den anderen Mitschülern schon, was Lex gerade im Unterricht trieb. Die Lehrerin erzählte dass danach auch den anderen Lehrern und seine Mitschüler erzählten es dann all den anderen und bald darauf wusste es die ganze Schule. Seit dem hatte er sich dieses Buch nie wieder reingezogen, weil dieser kurze Moment ihm viel zu peinlich war, aber als sie dann in Biologie Sexualkunde hatten, wurde er immer von der Lehrerin abgefragt. Lex hatte damals gehofft, dass sie es vergessen hatte, aber sie hätte es sicherlich heute noch nicht vergessen, wenn alle Erwachsenen nicht an dem Virus gestorben wären. Lex legte den BH an seine ursprüngliche Stelle zurück und sah sich weiter nach Erinnerungsmaterial um. In einer Ecke lagen ein paar ihrer Schminksachen plus Haarfärbemittel herum. Es wäre schön gewesen, wenn er sie lebendig aus dem Gebäude retten hätte können oder sie wären gemeinsam gestorben. Vielleicht hätte sie Lex seine Fehler die er gemacht vergeben können, aber die Fehler fielen ihm gerade nicht sonderlich ein. Er wusste noch genau wie er Zandra kennengelernt hatte und dies würde er niemals vergessen. Lex und Ryan wurden damals, nachdem sie in einem Überlebenslager waren in ein anderes geschickt und dort hatten sie dann Zandra kennengelernt. Zusammen sind sie dann mit einigen Tricks um die Wächter auszutricksen geflohen. Das Ganze war spaßig, aber das Ryan was mit seinem Fuß hatte war nicht so spaßig, weil man sie nämlich fast geschnappt hatte. Aber wenn er nicht solche Unruhe in dem anderen Überlebenslager angerichtet hätte, hätte er niemals Zandra, beziehungsweise die Mall Rats kennen gelernt. Er blinzelte kurz und sah sich dann ein Bild von seiner toten Frau an. Lex strich langsam mit seinem Finger über ihr rosa gefärbtes Haar, dann über ihre Wange und drückte dann das Bild an sich. Er wünschte sich, dass sie jetzt neben ihn liegen oder sitzen könnte. Jeden Morgen wollte er ihr immer einen Kuss geben, aber das Bett neben ihm war leer. Er vermisste ihr Lächeln, ihre Auseinandersetzungen, ihre wunderschönen Augen, ihre Hamsterbacken, ihre Lippen, ihr Eifersuchtsblick und alles andere was keine andere Frau haben könnte. Bevor er mit Zandra zusammen kam, hat er sich irgendwie an alle anderen Frauen in der Mall rangemacht. Ryan dagegen hielt sich lieber zurück. Zandra hätte sich beinahe für seinen alten, netten, guten Freund Ryan entschieden. Aber Lex hatte seinen Rivalen besiegt und er war mit Zandra sehr glücklich, bis an den Tag, als das Observatorium einstürzte und Zandra unter den Trümmern begrub. Lex rannte kurz nachdem das Gebäude eingestürzt war wieder rein. Er fand seine Liebe tot unter den Trümmern liegen. Er wusste noch genau wie er schrie und er glaubte, dass die anderen Mall Rats die draußen warteten, das auch gehört hatten. Auf jedenfall trauerten sie alle schon um Zandra, als er mit ihr auf dem Arm nach draußen kam. Sie begleiteten ihn weiter hoch zum Eagle Mountain, wo sie dann das Todesopfer begruben. Es war eine wunderschöne Abschiedszeremonie. Tai-San sagte eine Andacht vor, während die anderen abwechselnd Stein auf Stein in das Grab warfen. Lex legte den letzten Stein auf die Begräbnisstätte und befestigte danach das Grabschild in den Steinen. Er flüsterte noch etwas und ging dann mit den anderen zurück zur Mall. Damals hatten sie alle noch Hoffnungen gehabt, dass Amber vielleicht wieder zu ihnen stoßen würde, aber sie war mit Zandra in dem eingestürzten Gebäude gestorben. Zwar haben sie nicht gesehen wie sie starb, aber sie standen doch vor ihrem Grab. Lex hatte Bray angesehen, dass er sich gerade für irgendwas entschied. Denn verzweifelten Gesichtsausdruck den Bray draufhatte, hatte Lex bei ihm noch nie gesehen. Bray wollte aus der Mall gehen und irgendwo anderes hin, aber Amber hätte garantiert nicht gewollt, dass Bray die Mall Rats wegen ihr verlies. Zwar steckten alle Erinnerungen von Amber in der Mall, aber er hatte sich dann für die Mall Rats entschieden. Bray hatte genauso eine schöne Zeit mit seiner Liebe wie er mit Zandra. Amber und Zandra hatten sich zwar nicht immer gerade toll verstanden, aber so richtig gestritten hatten sie sich nie. Manchmal hatten sie sich leicht in die Haare gekriegt, aber dass hatten sie schnell unter sich geklärt. Vielleicht war Zandra der Ansicht, das Amber ihr Lex wegnehmen könnte. Lex hätte Zandra da bestimmt einen Vogel gezeigt, weil er absolut niemals mit Amber ein Paar abgeben könnte. Er fand sie schon hübsch und klug, aber sie passten einfach nicht zusammen. Außerdem hatte Amber ja Bray, also hätte Zandra sich überhaupt keine Sorgen machen müssen um ihre gemeinsame Zukunft, wenn sie eine jetzt noch hätten. Lex ächzte traurig kurz auf. Er liebte Zandra doch, aber sie war von ihm gegangen. Wenn er sie nicht mitgenommen hätte, würde sie jetzt noch leben. Zandra hätte definitiv rumgezickt, wenn Lex sie nicht mitgenommen hätte. Das war ein großer Fehler, aber wenn er dann ihr erzählt hätte, was dort passiert war, hätte sie ihr ganzes Theater vergessen und wäre froh gewesen, dass er sie nicht mitgenommen hätte, aber alles war vorbei. Sie würde niemals wieder zurück kommen.

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div>Teil 6:
In der Küche hatten sich währenddessen die anderen Mall Rats eingefunden. Ryan saß müde auf seinem Platz und lies einen Löffel Kaffeepulver in seine Müslischüssel, die schon mit Joghurt gefüllt war fallen. Er lies das Pulver unbewusst reinfallen, weil er seine Augen kaum offen halten konnte. Erstens hatte er schlecht geschlafen und zweitens musste er die ganze Nacht an Zandra denken. Ihm lag sie doch auch so sehr am Herzen. Zwar hatte er inzwischen kapiert, dass Zandra sich für Lex entschieden hatte und das war schwer verdaulich für ihn. Lex war ja der Macho und er nichts dagegen. Okay, er war stark, aber was machte das denn aus? Nichts, kein bisschen. Lex war einfach süßer und knackiger als er. Wer will den so einen Schwabbelbabel als Freund haben? Dafür konnte er doch nichts für seine Figur und sein Aussehen. Früher hatte er sich eine Schokolade nach der anderen in sich hinein gestopft. Aber seit dem das Virus ausgebrochen war, gab es keine Schokoladen und andere Süßigkeiten die **** machten nicht mehr. Nur sie alle wollten überleben und teilten ihr Essen miteinander. Damit zeigten sie, dass sie eine Gemeinschaft waren und keine Einzelgänger, die nur an sich und ihren Hunger denken. So welche Leute nennt man Eigensüchtig. Lex war einer von ihnen, damals schon wollte er den kleinen Kindern das Essen, was sie gerade noch für sich zum überleben hatten abknöpfen. Ryan erinnerte sich an die erste Begegnung mit Amber, Salene, Cloe, Patsy und Paul plus Hund auf einem Spielplatz. Sie wurden damals von den Locos gejagt und sie gaben ihre ganze Nahrung ihnen und hofften, dass die berühmten Locos sie in ihren mächtigen Stamm aufnehmen würden. Zoot war aber nicht der Absicht und verfolgte sie. Als sie auf dem Spielplatz ankamen, verteilte Amber gerade Essen an die Anderen. Ryan fand sie von Anfang an sympathisch, sie war gerecht, hilfsbereit und nett, aber bevor Lex ihnen das Essen abzocken konnte trafen die Locos ein und schlugen Lex, Ryan, Zandra und Glen in die Flucht. Auf der Flucht hatten die Locos Glen gefangen und ihn mitgenommen, aber nur weil Lex mit Absicht die Kartons umgestoßen hatte und behauptet: „Glen hat sich für uns geopfert.“ Das war aber völliger Schwachsinn. Ryan und Zandra sahen das Ganze aber mit anderen Augen als Lex. Zandra hatte immer zu ihm gehalten, wenn er Fehler gemacht hatte und im Gegenzug tat er das gleiche für Zandra, aber sie war jetzt nicht mehr da. „Ahhh RYAN! Pass auf“, rief Salene und sah geschockt weiter zu, wie das Kaffeepulver in seine Schüssel glitt. Ryan schrak zusammen und legte schnell den Löffel weg. „Du warst sehr weit weg.“ Salene sah Ryan an, dass er an Zandra gedacht hatte. Diese traurigen Gesichter kannte sie schon ein paar Wochen lang in der Mall. Lex war ja schon über den Tod seiner Frau hinweg, aber im Gegensatz zu Lex, trauerten alle anderen immer noch. Bray zum Beispiel saß bislang jeden Tag mit einem trauernden Ausdruck in der Mall herum und tat nichts. Bray starrte bloß in die Luft und war selten noch ansprechbar. Er hatte keinen Sinn mehr fürs Leben in seinem Herzen gespürt. Amber saß einfach in seiner Seele fest und lies sich nicht vertreiben. Aber er hatte nicht aufgegeben und jetzt nun saß er fröhlicher in der Küche und lachte sich immer noch über Lex schlapp. Inzwischen wusste die ganze Mall bescheid, was sie Lex für einen Streich gespielt hatten. Salene grinste fies, als sie daran dachte, wie Lex reagiert hatte, als er dachte, das Schokomüsli wäre aus und nur noch das mit den Rosinen wäre übrig. Diesen Blick wird sie so schnell nicht vergessen. Vielleicht sollten sie sich mal neue Streiche einfallen lassen und damit andere wieder reinlegen, aber das wäre gemein. Sie hatten es nicht verdient und Lex auch, dass man ihnen solche Streiche spielte. Manchmal war es ja lustig so wie heute, aber irgendwann werden die Streiche immer ernster und man bringt sich gegenseitig in Gefahr. Auch wenn man es nicht so meint. Es kann immer was passieren, aber daran wollte Salene jetzt nicht dran denken. Sie könnte sich nämlich ganz schnell ausmalen was alles passieren könnte. „Cloe, kannst du mir bitte den Joghurt rüberreichen?“, schrie Patsy über den Tisch. Cloe nickte und reichte ihn durch die Reihe. KC überlegte kurz, ob er noch mal welchen auf sein Müsli schütten sollte, aber bevor er sich entscheiden konnte, riss Patsy ihm schon den Behälter aus der Hand und goss sich den Rest über ihr Müsli. Sie stellte das leere Gefäß vor KC’s Nase und aß zufrieden ihr Frühstück. Trudy übersah KCs Anblick auf das leere Gefäß nicht. Sein Kinn hing sozusagen bis zum Boden und er schaute verdutzt weiter den gerade geleerten Behälter an. Er hatte nicht gedacht, das Patsy den Joghurt leeren würde, sondern er wollte ihn leeren und das Gefäß dann Patsy vor die Nase stellen, aber das junge, gerade mal zwölf Jahre alte Mädchen war einfach schneller gewesen. Er war sonst doch immer der, der anderen Streiche spielt, aber nun hatte Patsy ihm eins ausgewischt. KC sah wie Patsy ihn angrinste und in ihm stieg die Wut hoch. Jetzt wollte er nur noch eins. Sich an Patsy rächen. Am liebsten wäre er jetzt aufgestanden und hätte sich auf das blonde Mädchen geschmissen, aber dann hätte er sicherlich von den Großen einen sehr mächtigen Anpfiff bekommen. Unruhig blieb er dann aber auf seinem Stuhl sitzen und rutschte drauf hin und her. Trudy musterte ihn immer noch, weil sie sich dachte, das er doch irgendetwas plante. KC hatte es inzwischen bemerkt, dass er von Trudy angestarrt wurde und glotzte zurück. Trudy wendete ihren Kopf schnell wieder weg und tat so, als hätte sie nichts gemerkt. Als KC dann wieder zurückschaute, hatte Patsy bereits ihr Müsli aufgegessen und wollte gerade aufstehen „Salene, darf ich aufstehen?“, fragte Patsy „Klar Patsy, geh ruhig und mach was schönes.“, antwortete Salene und Patsy nickte ihr dankbar zu „Cloe kommst du mit?“, fragte sie schließlich. Cloe lächelte, schob ihren Stuhl beiseite und stand auf. Zusammen mit Patsy verdrückten sich beide aufs Mädchenklo. KC wollte ihnen folgen, aber vor seiner Nase flog die Tür zu und er konnte die Beiden lachen hören. „Er hat dich echt so angeschaut?“, stieß Cloe aus. „Ja, du hättest sehen sollen, wie er mich angesehen hat, nachdem ich den Joghurt leer gemacht hatte. Wahrscheinlich hatte er genau das vor. Er war so fertig. Ich wette, er denkt sich mal wieder was aus um sich an uns zu rächen.“ „Moment an uns?“, unterbrach Cloe sie „Okay, an mir will er sich rächen, aber das war so ulkig. Trudy hatte ihn auch so blöd angesehen. Jetzt haben wir, äh ich meine ich hab ihm eins ausgewischt.“ Patsy sah bedrückt zu Boden. Immer hatten sie Beide zusammen die ganzen Streiche durchgeführt, aber jetzt will Cloe ja nicht mehr. An was das lag wusste sie nicht. Cloe prustete los „Okay, du kannst mich mit einbeziehen, schließlich habe ich die Vorarbeit geleistet.“ Patsy kam aus ihrem Betrübnis heraus und schaute wieder zu Cloe „Meinst du das jetzt wirklich?“ Cloe nickte „Klar, wozu hat man denn sonst Freunde.“ Und Patsy hatte wirklich gedacht, dass ihre Freundin für jeden Spaß nicht mehr zu haben war. Patsy umarmte ihre Freundin „Du hast das doch jetzt wirklich nicht gedacht oder?“, schmunzelte Cloe, aber Patsy biss sich eher auf die Lippen „Schon. Ich war das ja nicht gewöhnt. Es hätte ja sein können, dass du nach Ambers und Zandras Tod erwachsener geworden bist.“ Diese Worte hätte sie nicht aus Patsy´s Mund erwartet. Beide hingen nämlich sehr an Amber. Cloe jedenfalls, schließlich hatte Amber sie vor den Locos gerettet. Wenn sie nicht gewesen wäre, wäre sie jetzt Sklave der Locos und keine freie Mall Rat. Vielleicht aber würde sie jetzt immer noch durch die Straßen Wellingtons irren und versuchen ein Versteck oder einen Tribe zu finden. Das wären wirklich Dunkle Zeiten geworden. Ohne Amber war ihr Leben auf einmal viel anders als davor. Sie war so was wie ihre große Schwester. Das blonde Mädchen beschützte sie damals schon vor den bösen Leuten z.B. Lex. Aber zum Glück hatte sie ja noch Salene und Tai-San, die sie beschützten, aber ihr fehlte sie trotzdem. Damals, als sie ihren Teddy verloren hatte, hatte Amber sie ganz arg getröstet und war dann ohne ihn eingeschlafen. Das würde sie ihr niemals vergessen, solang sie lebte. Patsy nahm Cloe in den Arm „Hey, ich hätte ihren Namen nicht sagen sollen, aber du hättest doch auch gewusst wenn ich meinte. Lass es besser raus, als wenn du alles in dich hinein ziehst. Cloe blickte dankbar zu ihrer Freundin und gemeinsam verließen sie die Mädchentoilette und draußen wartete KC schon bereits auf sie.

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Teil 7:
Tai-San trat gerade aus der Küche, als sie ein Stechen in ihrem Herzen spürte. Irgendwas passierte gerade um die Zeit. Sie legte ihre Hand auf ihre linke Brust und stürzte auf den Boden. Sie landete nicht gerade weich auf ihren Knien, aber sie vergaß schnell den Schmerz den sie in ihren Beinen spürte. Die Botschaft, dass es jemanden ihrer Freunden nicht gerade gut ging beschäftigte sie mehr als den Schmerz. Es war irgendwas irgendwo los, irgend was schlimmes. Diese Person durchlitt gerade richtige Qualen. Das Stechen in ihrem Herzen wurde immer stärker. Vor Schmerz presste sie ihre Augen zu, aber die Nachricht konnte sie einfach nicht zuordnen. Da es immer schlimmer wurde, landete sie mit ihrem Oberkörper auf dem kalten Fliesenboden in der Mall. Automatisch lies sie ihre Brust los und stürzte sich mit ihren Armen auf dem Boden ab. Das Mädchen presste weiter ihre Augen zu und stürzte sich weiter auf dem Boden ab. Sie hatte so eine Nachricht voller Schmerzen noch nie bekommen, außer als ihre Eltern an dem Seuchenüberträger gestorben waren. Damals saß sie in der Schule. Der Schmerz lies dann wieder nach und kurz darauf war er wieder weg und ein fröhliches Gefühl breitete sich in ihrem Herzen aus. Die ganzen Mall Rats die in der Küche saßen hatten das Spektakel mitbekommen und rannten auf sie zu „Tai-San, was ist passiert?“, fragte Salene. „Ich weiß nicht. Ich hab eine Nachricht empfangen voller Schmerz. Es muss einem unseren Freunden passiert sein. Es klang so, als hätte jemand Selbstmord begangen oder ist verletzt, aber am Schluss wurde ich glücklich, als wäre ein neues Leben geboren oder so was“, Tai-San öffnete langsam ihre schmerzenden Augen und stand langsam wieder auf. Ihre Knie waren ganz wackelig und sie konnte sich kaum darauf halten. Der Schock saß ihr einfach in den Knochen weg. Ryan und Bray kamen weiter auf Tai-San zu um sie zu stützen, falls ihre Beine nachgeben sollten. „Aber wer sollte versuchen sich umzubringen und dann ein neues Leben geschenkt bekommen?“, runzelte Ellie und überlegte weiter . „Ich weiß nicht, wo ist Lex?“, fragte Tai-San und sah sich suchend um. „Lex!“, schrieen alle durcheinander und sahen sich um. Ebony blieb als einzige auf seinem Fleck stehen. ´Die glauben echt, dass Lex versucht Selbstmord zu begehen. Niemals im Leben.`, dachte sie und schritt langsam zu seinem Zimmer und öffnete die Tür. Sie sah, wie Lex auf seinem Bett saß und verschiedene Sachen in der Hand hielt. Vorsichtig setzte Ebony einen Schritt in das Zimmer. Der Holzboden knarrte leicht, als sie den rechten Fuß absetzte und ein Stück weiter vorne wieder aufsetzte. Lex drehte sich ruckzuckartig um und sah Ebony fragend ins Gesicht „Du wirst gesucht.“, erwiderte sie schnell, bevor Lex ihr irgendeine Frage stellen konnte „Die suchen mich? Ich glaub du spinnst.“, sagte Lex und tippte sich gegen seine Stirn „Nee Lex, die suchen nicht dich sondern deine Leiche. Natürlich dich du Schlaumeier. Sie denken du hättest Selbstmord begangen, aber das hätte ich mir niemals vorstellen können.“ „Das glaubst du doch selber nicht, dass sie sich Sorgen um mich machen. Die hassen mich doch“ Lex sah sie an und schüttelte undenkbar seinen Kopf. „Lex, sag mal, was redest du da denn für einen Schwachsinn zusammen. Sie hassen dich nicht. Du bist nur ein bisschen egoistisch und das mögen sie nicht. Wenn du mir nicht glaubst seh selbst nach und sag ihnen dass es dir gut geht.“ Ebony ächzte auf und sah Lex auffordernd an „Und wieso denken sie, dass ich Selbstmord begangen habe? Nur weil ich eine Scheibe trockenes Brot zum Frühstück gegessen hatte.“ Ebony seufzte erneut auf „Tai-San hatte wieder eine Vision oder so was in der Art. Irgendwas ist da passiert und alle außer du waren da. Also denken sie, du seiest es gewesen. Ich wusste doch, dass du das nicht warst. Ich hätte nämlich nicht erwartet, dass du dich ohne Grund umbringen würdest.“ Lex hatte wirklich bloß Bahnhof verstanden, aber so langsam wurde ihm bewusst, dass seine Freunde doch wirklich mehr von ihm hielten als er dachte. „Okay, ich sag Bescheid, dass es mir gut geht, aber wehe es ist einer von deinen Tricks. Ich kenne dich doch.“ „Lex, was denkst du von mir?“, fragte Ebony erstaunt und sah Lex zu, wie er an ihr vorbeiging und sein Zimmer verlies. Lex ging zu den Anderen, die immer noch seinen Namen riefen „LEX WO BIST DU?“. „Mir geht es gut. Ich hab auch keine Selbstmordversuche versucht. Wer hat denn das erfunden?“, Lex kam grinsend die Treppe herunter und sah in die erleichterten Gesichter. Alle zeigten dann auf Tai-San „Äh, ich hatte eine Vision bekommen, aber da alle außer du hier waren dachten wir du seiest es. Es passte ja nicht gerade sehr zu dir, aber es hätte doch sein können?“ „Können schon, aber so war es nicht. Trotzdem danke, dass ihr um mich besorgt wart.“ Lex sah Tai-San kurz noch an und ging in sein Zimmer zurück. Alle sahen ihm nach und tauschten sich dann wieder Blicke aus „Aber wenn es er nicht war. Wer war es dann?“ Ratlos sah Tai-San Jack an „Ich weiß es nicht.“ Da niemand einen Vorschlag hatte, brachten Bray und Ryan Tai-San in ihr Zimmer.

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Teil 8:
Irgendwas war passiert ... und das spukte immer noch in seinem Kopf herum. Tai-Sans Worte „neues Leben“ erinnerten ihn an seine Amber. Sie hätte bald ein neues Wesen auf die Welt gebracht. Mensch war er gerührt, als er das erfahren hatte. Ihm standen damals Tränen in den Augen und die Feuchtigkeit ließen seine Augen voller Stolz glänzen. Er hatte sie in den Arm genommen und sie geküsst. Das war der letzte Kuss, den er ihr geben konnte. Er hätte gerne sein Leben für ihres und das seines Kindes geopfert wenn es gegangen wäre, aber dann hätte das Kind keinen Vater gehabt. Traurig saß er auf seinem Bett und die Sonnenstrahlen die durchs gekippte Fenster kamen erhellten sein Zimmer und sein Gesicht. Die Vögel draußen zwitscherten und sangen ein wunderschönes trauriges Lied. Bray stand auf und ging zum Fenster um es zu öffnen. Er atmete kurz darauf die frische Morgenluft ein und sah den Vögeln zu, wie sie von dem einen Baum zum nächsten flogen. Er schloss seine Augen und hörte dem Wind zu, wie er um seine Ohren pfiff. Seine Haare wedelten durch den Wind und er lauschte weiterhin den Vögeln die ihm irgendwas zuzwitscherten. Wie häufig stand er mit Amber genau an dem Platz und beobachteten, wie die Vögel piepsten. Jeden Morgen standen sie dort und umarmten sich. Manchmal saßen auch ein paar Vögel in ihrer Nähe und beobachteten sie, aber seitdem Amber nicht mehr da war, hatte er sie nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hatten sie sich einen anderen Brutplatz gesucht, aber es wäre schön, denn sie könnten ihn jeden Tag wieder an Amber erinnern. Bray atmete die Luft einmal noch ein und schloss dann wieder sein Fenster und zog einen Vorhang davor. Danach ging er aus seinem Zimmer und stolperte fast über Brady, die gerade durch die Mall krabbelte. Bray blieb sofort stehen und nahm seine Nichte auf den Arm „Trudy!“, rief er und schaukelte währenddessen Brady auf den Arm. Trudy kam aus der Küche gelaufen „Ja was ist?“, fragte sie unbewusst, aber entdeckte Brady auf seinem Arm nicht. „Ich glaube, deine liebe kleine Tochter hat sich selbstständig gemacht.“ „Wie, äh aber ...“ die Frau guckte aufgebracht Bray an und er ging auf sie zu und drückte ihr Brady in den Arm „Aber ich hab sie doch schlafen gelegt.“, protestierte Trudy dann „Ja, aber du solltest besser auf sie aufpassen.“ Trudy seufzte auf und ging zurück in die Küche. Der junge Mann schaute ihr kurz nach und schüttelte seinen Kopf. Trudy war wirklich in letzter Zeit unzuverlässig, aber da Amber und Zandra nicht mehr lebten musste sie mehr Arbeiten erledigen und alles auf einmal schaffte sie nicht. Also folgte er Trudy und sah, wie sie sich auf dem Tisch abstütze „Trudy, dir geht es nicht gut.“ Bray sah, dass sie blass im Gesicht war und schnaufte. „Bray mir geht es gut, aber ich bin einfach außer Puste.“ Trudy atmete tief ein und ihre Lungen schmerzten ein wenig „Wenn du willst bring ich Brady zurück ins Bettchen und du ruhst dich eine Weile aus. Das Mädchen nickte ihm zu und setzte sich auf einen Stuhl. Brady saß ihn einem Kinderstuhl und schrie ein wenig. Bray ging auf sie zu und nahm sie aus dem Stuhl heraus „Ich bring sie ins Bett und da solltest du auch hingehen Trudy.“ Trudy nickte ihm zu und ging in ihr Zimmer vor. Bray sah kurz zu den Anderen die sich in den Ecken der Küchen befanden und verlies ebenfalls das Zimmer. Brady gackerte irgendetwas ihm vor. Sanft streichelte er ihren Kopf und das kleine Kind schrie etwas auf Babysprache. Als er in Trudys Zimmer ankam legte er seine Nichte in das Kinderbett und setzte sich zu Trudy an ihre Bettkante. „Schlaf etwas. Wenn du dann wieder aufwachst wird es dir wieder besser gehen.“ Bray drückte kurz ihre Hand und verlies das Zimmer und zog den Vorhang zu. Er hatte vor ihre Aufgaben des heutigen Tages zu übernehmen. Deshalb ging er zum Dienstplan und suchte Trudys Namen und las „Frei. Auch gut“ Da Trudy heute keine Aufgaben hatte legte er sich in seinem Zimmer auf sein Bett und döste ein.

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Teil 9:
Die junge Frau grübelte immer noch über das Erlebnis vor einer halben Stunde nach. Wem könnte den noch was zu gestoßen sein? Da alle ihrer Freunde in der Mall waren, könnte vielleicht ihrer Schwester oder ihren Cousin(en) was zugestoßen sein, aber das wäre eher unwahrscheinlich, weil alle nicht mehr am Leben waren. Manche sind bei einem Autounfall vor vielen Jahren gestorben und die anderen durch den Virus, der sich rasend im ganzen Land verbreitet hatte. Verlegen schaute sie in Richtung Fenster. Sie sah wie die Vögel ihre Gefieder putzten und sangen. Manchmal wünschte sie sich auch ein Vogel zu sein und einfach frei durch die Lüfte zu fliegen, um aus den blöden Situationen zu entkommen, die sie sich immer wieder einbrockt. Traurig senkt sie ihren Blick und wischte sich eine Träne weg, die gerade eben aus ihrem linken Auge gekrochen war. Sie wollte jetzt doch nicht anfangen zu weinen, aber ihre Familie lag ihr sehr am Herzen. und nahm sich danach ein Buch zur Hand und das hieß Robinson Crusoe. Sie klappte die erste Seite auf und las sie durch, aber sie konnte sich nicht so richtig auf das Buch konzentrieren, weil sie immer noch an die Mitteilung denken musste. Da es keinen Zweck hatte weiterzulesen, schlug sie das Buch zu und legte es auf ihren Nachtschrank zurück. Wenn sie bloß eine Bildmitteilung bekommen hätte, wüsste sie, was los sei und sie könnte der Person helfen, aber sie wusste ja nicht wo das passiert war. Tai-San setzte sich im Bett auf und legte ihr Gesicht auf ihre Knie. Leise seufzte sie und summte vor sich hin eine traurige Melodie. Tai-San schloss ihre Augen und meditierte. Kurze Zeit später verstummte sie und es kam ein trauriges Gefühl über sie. Da waren keine Schmerzen vorhanden, sondern die Person die gelitten hatte war traurig. Tai-San sah verschwommen ein blondes Mädchen mit einem Baby auf dem Arm, aber das Gesicht konnte sie nicht erkennen, sondern bloß Umrisse wie eine Kohlenzeichnung nur mit einem Schuss Farbe. Sie erkannte, dass es irgendwo tief im Wald war. Ein Mann kam auf die Person zu und legte einen Arm um sie, aber sie streifte ihn schnell wieder weg und erwiderte irgendwas. Tai-San hielt während der Botschaft den Atem an und schnaufte heftig, als die Mitteilung zu Ende war. Sollte sie sich auf den Weg zu der geheimnisvollen Person machen? Irgendwas wollte dieses Mädchen damit ihr sagen. Sie biss sich auf die Lippen und fasste einen Entschluss und der war, dass sie sich auf dem Weg zu ihr machen sollte. Vielleicht konnte sie ihr helfen, ihre Traurigkeit zu besiegen und ihr aus der Traurigkeitsphase raushelfen, aber sie würde den anderen nichts von ihrem Plan erzählen, sondern dass sie einen Spaziergang durch die Gegend macht und in ein paar Tagen wieder da ist. Schnell packte sie einige Sachen zusammen und ging in die Küche. Dort saßen Salene und Ryan rum und unterhielten sich. Ihr Blick fiel auf Tai-Sans vollgepackten Rucksack „Wo willst du hin?“, fragte Salene und starrte weiter drauf. „Ich will einen Spaziergang machen. Ich werde ein paar Tage unterwegs sein, aber ich komm zurück.“ Ryan und Salene tauschten sich die Blicke aus „Na gut. Soll ich dich vielleicht begleiten?“ Tai-San dachte kurz nach. Es wäre gut, wenn sie eine Begleitperson dabei hätte. Vielleicht könnte sie Salene brauchen „Wenn du willst. Dann pack dir doch geschwind ein paar Sachen ein. Derzeit nehme ich was zum Essen mit okay?“ Salene nickte ihr dankbar zu und schob den Stuhl beiseite. Ryan sah sie traurig an und hielt sie am Handgelenk fest „Pass auf dich auf. Du sollst nicht auch noch verschwinden.“ „Ach Ryan. Was wäre bloß wenn ich dich nicht an meiner Seite hätte? Ich pass auf mich auf.“ Salene beugte sich zu ihm runter und drückte einen Kuss auf seine Backe. Ryan wurde davon ganz rot im Gesicht, weil er darauf nicht gefasst gewesen war. Das rothaarige Mädchen lächelte ihn kurz an und rannte dann in ihr Zimmer und packte ein paar ihrer Sachen zusammen. T-Shirts und Hosen flogen durchs Zimmer und landeten nicht gerade ordentlich in ihrem Rucksack. Fünf Minuten später ging sie zurück zur Küche, wo Tai-San gerade Obst und ein paar Wasserflaschen in ihrem Rucksack verstaute „Warte Tai-San. Ich steck die Flaschen ein und du den Rest okay?“ Dankbar nickte Tai-San ihrer Freundin zu und überreichte ihr die Wasserflaschen. „Wo wollt ihr denn hin?“, fragte Dal, der gerade die Küche betrat „Wir gehen spazieren. In ein paar Tagen sind wir zurück.“, rief Salene ihm zu. Dal nickte kurz und setzte sich zu Ryan an den Tisch, wo sie sofort ein Thema über Technik anfangen zu reden. „Okay dann ciao. Bis in ein paar Tagen. Sagt bitte den Anderen, dass wir weg sind.“ „Machen wir also bis dann und viel Spaß!“ Die Mall Rats blickten Salene und Tai-San nach, wie sie die Mall verließen.

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Teil 10:
Bitte beachte mich, du solltest mich nochmals berühren, du solltest meine Hand nehmen und sie fest drücken, mich küssen, ich will dich an meinem Körper spüren, wie du mich umarmst, in den braungebranntes Gesicht sehen, aber warum sind wir dann so fremd zueinander wenn unsere Liebe so stark war? Du willst dein Leben ohne mich einfach weiterführen und unser gemeinsames wegschmeißen wieso? Bin ich dir nicht mehr gut genug? Denkst du etwa, so eine schwangere Tussi vergisst all ihre Gefühle für dich? Seit dem Bild weiß ich nicht mehr was Realität ist, nur unser Baby erinnert mich an dich. Wieso hast du mich mit Ebony betrogen? Warum muss ich jetzt alleine durchs Leben gehen. Wir wollten doch unser Leben gemeinsam durchführen? Ohne dich fühl ich mich doch so klein. Ich brauch dich doch und der Kleine auch. Und jedes Mal seh ich dich in meinen einsamen Träumen. Ich sehe dein Gesicht, wie es lacht, wie es sich freut, wie du anfängst zu weinen. Immer stelle ich mir vor, dass du genau neben mir stehst und mich von den bösen Jungs beschützt. Ich seh klar in mir, dass du ohne mich weitermachen willst. Es mag ja sein, dass wir beide Mist gebaut haben. Ich würde dir alles verzeihen, dir meine Herz ausschütten. Du weißt doch alles von mir. Meine innersten Geheimnisse kennst du doch auch. Meine Schwäche hat uns Leid zugefügt, aber ich bete nachts immer, dass wir wieder zueinander finden werden und glücklich miteinander sind. Mensch ich liebe dich doch. Kapier das endlich. Komm bitte zu mir zurück. Lass uns eine glückliche Familie werden. Jedes Mal, wenn ich an dich denke, treibt dein Gesicht mich in den völligen Warnsinn und da komm ich einfach nicht mehr so leicht raus. Jedes Mal muss ich dann weinen und ich werde nie wieder je ohne dich glücklich sein. Wir sind schon seit fast drei Wochen getrennt. Jeden Tag schreibe ich Briefe an dich und dieser ist einer von den ganz vielen, die ich dir geschrieben habe, aber nie abgeschickt hab. Dein Gesicht und die Lindenblüten Liebe erinnern mich immer an deine wundervollen Augen in die ich mich schon vor über zwei Jahren verliebt hatte. Weißt du noch wie wir einmal auf einer Wiese am Waldrand saßen, Lindenblüten von Lindenblumen abgerupften und wie wir uns aneinander gekuschelt hatten? Wie du mir deine Lederjacke um meine Schulter hingst um mich zu wärmen, wie wir durch die Stadt spazierten ... und all die Erinnerungen willst du vergessen`? Ich will dich endlich wieder sehn und mich wieder erneut in dich verlieben. Ich war damals schon von deinem muskulösen Körper beeindruckt. Deine Muskeln spielten bei jeder Bewegung, sogar bei den klitzekleinsten. Ich erinnere mich an die wunderschöne Zeit die wir hatten. Komm bitte zu mir zurück Ich werde dich nie vergessen. Niemals im Leben. Ich seh ja immer unser Kind und da werde ich doch nicht vergessen wer sein Vater ist. Wenn er groß ist, wird er sehr viel Ähnlichkeit mit dir haben. Vielleicht wird er ja ein richtiger Kavalier und alle Frauen sind genauso hinter ihm her, so wie früher bei dir. Deshalb schreibe ich dir den Brief um dir zu erklären, dass ich dich immer noch liebe, aber ich trau mich nicht sie abzuschicken. Was würdest du dazu sagen? Wie würdest du reagieren. Würdest du dich freuen oder eher nicht. Ich weiß nichts mehr richtig so von dir. Nicht einmal, ob du nicht schon längst eine neue Flamme hast.

I LOVE YOU !!!


Das junge Mädchen lies den Stift senken und nahm das Stück Pergament in die Hand. „Ach ich liebe dich doch.“, schluchzte sie und zerriss es. Die Fetzen schmiss sie ins aufglühende Feuer. Es sah so aus, als wollte es unbedingt von ihr gefüttert werden, weil die Flammen das Papier aufnahmen und es sofort verbrannten. Sie sah, wie es aufloderte und kurz darauf bestand das Pergament nur noch aus Asche. Genau das selbe hatte sie mit den anderen Briefen auch gemacht. Mit ihrer linken Hand fuhr sie leicht über eine ihrer Platzwunden im Gesicht, die noch von der Explosion stammten. Das Blut war bereits getrocknet und eine Kruste hatte sich darüber gesetzt. Sie nahm ihre Hand wieder runter und sah dann zu Pride, der gerade ihren Sohn auf seinen Arm schaukelte. Mit seinen langen schwarzen Haare spielte ihr Sohn und man könnte meinen, dass er sein Vater sei. Sie wischte sich ihre Tränen weg und beobachte sie weiter. Ihr Sohn zog an seinen Haaren und Pride rief immer „Gutti, gutti, gutti ...“ Das konnte einem ganz schön auf den Geist gehen, wenn man sich dass immer die ganze Zeit anhören musste, aber wenigstens gefiel es ihrem Sohn, der anfing zu kreischen. „Eagle, was für einen Namen willst du dem Kleinen geben?“ Pride kam neugierig auf das blonde Mädchen zu. „Das erfährst du heute Abend bei Sonnenuntergang.“, sagte Eagle. Pride setzte sich zu ihr und übergab dem Mädchen ihren Sohn, der sich sofort bei seiner Mutter festklammerte. Sie wusste selbst noch nicht genau welchen Namen sie ihm geben sollte. Wie er heißen sollte, wollte Eagle doch mit Bray abklären. Sie konnte doch nicht einfach ihm irgendeinen Namen verpassen, denn Bray nicht gefiel. Sie hatte ungefähr noch zehn Stunden Zeit um sich einen einfallen zulassen. Er sollte am Besten irgendetwas mit seinem Vater zu tun haben

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Teil 11:
Die Sonne strahlte auf die beiden Mädchen, die gerade auf dem Weg zum Wald waren und lies die Mädchen leicht schwitzten. Wenn sie zu lang in der Sonne standen, bekämen sie sicherlich einen kräftigen Sonnenbrand und der würde jucken. „Wohin wollen wir?“, fragte Salene neugierig und blieb kurz stehen um zu verschnaufen, dabei wusch sie sich die Schweißperlen von ihrer Stirn weg und sah sich um. Tai-San machte es ihr nach, aber stützte sich mit ihren Händen auf ihren Oberschenkeln ab „Ich hatte wieder eine Vision.“, keuchte Tai-San und schnappte wie ein Fisch nach Luft „Wie du hattest wieder eine Vision? Das sollten wir doch den Anderen sagen.“, sagte Salene und setzte sich auf ihren Hosenboden und atmete tief ein und wieder aus. „Ich weiß dass hätten wir tun sollen, aber überleg doch mal wenn ich ihnen gesagt hätte was ich gesehen habe, hätten sie mich doch wieder für Verrückt gehalten, oder alle wollten mitkommen auf die Suche nach ihr. Übrigens, sie war traurig. Sie hat um jemanden geweint.“ Salene seufzte kurz auf. „Vielleicht hast du dir da aber bloß eingebildet. Ich meine, du hast dir doch irgendwie gewünscht, dass du mehr erfährst.“ „Nein hab ich nicht, weil ich hatte es doch vor mir gesehen.“, streikte Tai-San ab und schüttelte ihren Kopf. Eine leichte Priese kam auf und ihr Haar wurde vom Wind in der Luft herumgewedelt.“ „Es ist also eine Sie. Hast du vielleicht erkannt wer es war?“ Salenes Neugier war auf einmal geweckt und sie rappelte sich wieder auf „Ich weiß nicht wer sie ist. So gut war die Nachricht nicht, dass ich alles erkennen konnte. Auf jedenfall hatte sie ein Baby.“ „Zandra!“, stieß Salene hervor und ihre Augen schimmerten, aber Tai-San schüttelte hastig den Kopf „Nein das war sie nicht. Das Mädchen war blond.“ „Aber ... ich dachte sie wäre es. Vielleicht hat sie sich ihre Haare gefärbt.“, sagte Salene und der Schimmer in ihren Augen nahm wieder ab „Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Blond steht ihr doch gar nicht.“ „Ja aber wer ist es dann? Amber war ja nicht schwanger und jemand anderes weiß ich gerade nicht.“ Salene und Tai-San blickten sich nachdenklich an „Gehen wir weiter. Später wissen wir es vielleicht noch genauer.“ Salene nickte und danach blickte sich weiter um und entdeckte in der Ferne Tannen hervorragen „Hey Tai-San, schau mal, ist dort drüben nicht der Wald?“ Damit Tai-San besser sehen konnte streckte ihre rechte Hand über ihre Augen, damit die Sonne sie nicht blendete und sah die Bäume „Ja das ist er. Ungefähr eine halbe Stunde Laufzeit und dann sind wir da und können Pause machen.“ Das rothaarige Mädchen atmete auf „Da bin ich aber froh. Ich kann kaum noch gehen, weil ich so erschöpft bin. Man, wieso ist es so heiß?“ Tai-San zuckte mit ihren Schultern „Das weiß ich nicht, aber komm jetzt. Sonst stehen wir hier noch in ein paar Stunden rum.“ Die beiden Mädchen beendeten ihre Erschnaufpause und gingen weiter mit dem Wald als Ziel vor den Augen.

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Teil 12:
In der Mall war es stiller geworden, seitdem Salene und Tai-San gegangen waren. Die meisten genossen den herrlichen Tag draußen an der Luft. Andere im Gegensatz hockten in ihren Zimmern, oder experimentierten an neuen Experimenten herum. Bray kam aus seinem Zimmer und wunderte sich über die Stille. Er fragte sich, ob alle um diese Zeit einen Mittagsschlaf hielten. Kurzerhand ging er zur Küche und sah, wie Ryan und Lex Poker spielten „Wo sind denn all die anderen?“, fragte Bray nachdenklich. „Also Trudy schläft, Cloe und Patsy sind mit Bob spazieren, KC ist den Beiden glaube ich gefolgt, Dal, Ellie und Jack sitzen sicher wieder im Labor und testen was, Salene und Tai-San machen einen Spaziergang irgendwohin, wo sie ein paar Tage unterwegs sind und der Rest keine Ahnung.“, sagte Ryan und legte wieder eine Karte auf den Tisch „Also alle ausgeflogen.“, meinte Bray und verlies dann die Küche um Trudy einen Besuch abzustatten. Leise schob er den roten Vorhang, an dem klirrende Glocken hingen, beiseite und trat ins Zimmer ein. Sein erster Blick fiel auf Brady, die wieder wach war und ihn mit großen Augen anstarrte. Bray lächelte und nahm das Kind aus ihrer Wiege und nahm es auf seinen Arm. Danach schritt er zu Trudy rüber, die schlief. Der braunhaarige Mann setzte sich in einen Sessel, der neben ihrem Bett stand. Er lies Brady auf seinen Schoss gleiten. „Gacka, Eia.“, sagte Brady und hüpfte auf seinem Schoss herum. Mit ihren blauen Augen blickte sie sich im Zimmer um und fing an zu Sabbern. Den Speichel wusch Bray mit einem Lätzchen ab und die Beiden beobachteten die schlafende Trudy weiter. Brady gab noch einige Laute von sich und streckte ihren einen Arm zu Brays Gesicht aus und tastete dort rum. Bray lächelte kurz und er dachte daran, wie es wäre, wenn er dieses Erlebnis auch mit seinem Baby hätte machen können. Langsam öffnete Trudy ihre Augen und sah ihren Besuch müde an „Oh hi Bray, wie lang bist du denn schon hier? Ich hab nämlich nicht bemerkt wann du gekommen bist.“, sagte Trudy müde und gähnte. „Ach noch nicht so lang nur ein paar Minuten.“, sagte Bray und lächelte Trudy an. Das Mädchen richtete sich im Bett auf und trampelte die Bettdecke zur Seite. „Achso, wie lang hab ich denn geschlafen?“, wollte Trudy wissen und stand auf „Ungefähr eine Stunde.“ Die Stunde, in der Trudy geschlafen hatte, hatte ihr wieder Farbe geschenkt und sie wirkte nicht mehr so fertig. „Wer ist heute Mittag mit Kochen dran?“, fragte Trudy und ihr Magen knurrte und das überhörte Bray nicht: „Ich glaube Salene, aber sie hat vor fast einer Stunde die Mall verlassen. Soll ich uns was leckeres kochen?“ Bray grinste und dachte an Tomatencremesuppe. Trudy nickte ihm dankbar zu und übernahm Brady die ihre Mami sofort ihre Hände um den Hals schlug „In der Zeit während du kochst versuche ich es mal mit füttern.“ Trudy streichelte ihrer Tochter über den Kopf und folgte Bray in die Küche. In der Küche hatten sich bereits auch Dal, Ellie und Jack eingefunden und unterhielten sich bereits übers Mittagessen. „Also wer soll jetzt kochen? Salene wäre heute dran, aber sie ist jetzt ja nicht da. Ellie und ich können nicht kochen und ich glaube Dal auch nicht.“, vermutlichte Jack. „Also ich und Ryan auch nicht.“ antwortete Lex „Das bedeutet nichts warmes zum Essen oder?“, sagte Dal, aber dann vielen alle Blicke auf Trudy „Unser Mittagessen ist gerettet!“, rief Lex heraus und griente Trudy an und die anderen taten es ihm nach. „Nee, Trudy muss sich ausruhen, aber ich koch ne leckere Tomatencremesuppe.“ „Du Bray? Du kannst doch nicht mal kochen.“ Lex lachte laut auf „Na gut wenn du meinst. Lex du bekommst dann halt nichts warmes zum Essen und alle die Lex Meinung sind auch nicht. Wer also was warmes haben will, stellt sich zu mir und die anderen zu Lex.“, meinte Bray vergnügt und blickte in Lex saueres Gesicht. Die Mall Rats die sich in der Küche befanden huschten zu Bray und niemand blieb bei Lex zurück. Traurig schaute er in die Röhre und verlies die Küche. Trudy setzte Brady in den Kinderstuhl und Bray schnappte sich derzeit die Tomaten und machte aus manchen Stücke draus und die anderen presste er aus. Trudy stellte den Brei auf den Tisch und hoffte, dass sie es schaffen würde Brady zu füttern.

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Teil 13:
Die grünen Tannen erhoben sich langsam vor ihren Augen und sie kamen ihnen immer näher. Sie spürten, wie es kühler wurde. Zwar stand die Sonne ihnen immer noch ins Gesicht, aber ihre Freude auf den kühlen Wald wuchs. „Komm jetzt!“, schrie Salene und rannte zum Wald. Dort lehnte sie sich an eine Tanne und seufzte auf. Tai-San stolperte über einen Stein und taumelte zu Salene, die ihre Augen geschlossen hielt um die Luft, die nach Natur roch einzuatmen. Um nicht umzufliegen krallte sie sich an ihrer Freundin fest, aber Salene war darauf nicht gefasst gewesen und konnte ihr Gleichgewicht nicht mehr halten. Zusammen mit Tai-San ging sie zu Boden und landete unter Tai-San. Das schwarzhaarige Mädchen kam schnell wieder auf die Beine und half lachend ihrer Freundin hoch, die ihre Hose vom Laub befreite „Tut mir Leid, aber denn Stein hatte ich nicht gesehen.“, sagte Tai-San lachend und zeigte auf einen großen Stein „Den hast du übersehen?“, fragte Salene erstaunt und überlegte, ob Tai-San eine Brille bräuchte. „Man kann nicht alles sehn.“, war Tai-Sans Antwort und sie klopfte sich nun das Laub von ihrer Hose. Tai-San sah zu den Baumkronen, die für sie die Sonne auffingen und sie ließen die Strahlen nur doch die Blätter strahlen. Eine leichte Priese kam wieder auf und sie lauschten, wie der Wind um ihre Ohren pfiff. Manche Blätter wurden vom Wind fortgetrieben und die anderen wackelten mit ihren Ästen um die Wette. Wenn es keine Bäume mehr geben würden, würde kein Sauerstoff mehr produziert und die Menschheit würde ausrotten. Jedes Lüftchen war also zum Leben wichtig und genau dass genoss Tai-San wieder, aber sie wünschte sich auch, dass es bald wieder regnen würde, weil die ganzen Pflanzen wegen der Dürre austrockneten und da ihre Wurzeln nicht so lang waren wie von den Bäumen, reichten sie nicht bis zum Grundwasser tief in der Erde um sich mit der Feuchtigkeit selbst zu versorgen. „Komm, gehen wir noch ein Stückchen weiter. Dann erst machen wir Pause.“ Salene nickte und folgte Tai-San einen kleinen Trampelpfad entlang, der weiter in den Wald hineinführte. Der Pfad war vom Unkraut verwuchert, aber noch gut zu sehen. Ein paar Brenneseln streiften ihre Beine und die Haut fing von den Pollen an zu jucken. Beide mussten sich immer wieder bücken, um ihre Beine zu kratzen, damit der Juckreiz aufhörte „Hoffentlich kommen wir bald an einen Fluss oder Bach.“, stieß Salene hervor, die der Ruckreiz schon längst auf den Geist ging, aber Tai-San schien das nicht so sehr viel auszumachen. „Ich weiß, dass das Juckt, aber vom Klagen wird es auch nicht besser. Ich könnte Pflanzen suchen gehen, die unseren Reiz milderen würden, aber in der Zeit in der ich suchen würde, wären wir ein weites Stück voraus und wer weiß, vielleicht finden wir ein Gewässer, damit wir die Pollen abwaschen könnten.“ Suchend blickte sich Salene nach Wasser um, aber in keiner Richtung hörte sie leises Plätschern eines Baches. „Na gut, gehen wir weiter.“, seufzte Salene hervor und sah auf den Erdboden um eventuell Brenneseln auszuweichen, wenn sie an welchen vorbeikämen würden. „Wie lange meinst du ist hier niemand mehr gewesen?“, fragte Salene und schaute auf den zurückgelegten Trampelpfad. „Ich weiß nicht. Es kann sein, dass hier seit langem niemand mehr vorbeigegangen waren, oder man hat ihn versteckt, aber dass ist eher unwahrscheinlich. Ich denke eher, die Leute meiden diesen Weg und nehmen einen anderen, der nicht mit so vielen Brennselen überwuchert ist.“, meinte Tai-San und blieb bei ihrer Antwort, als Salene sie fragte, ob sie sich da wirklich ganz sicher sei. Kurz darauf, als der Pfad endete, blickten sie auf einen frischgelegten Weg, der noch ein wenig nach dem Holz duftete. Tai-San schätzte, dass der Weg vor über einem Jahr angelegt wurde, aber dieses Aroma roch noch so frisch. Wahrscheinlich hatte jemand eine neue Ladung darüber gekippt, um das bereits kaputtgetretene Holz zu schonen. Salene schien sich freuen, als sie den Feldweg wechselten, weil sie weit und breit keine einzige Brennesel hervorlugen sah. Sie hatte nämlich schon befürchtet, dass Tai-San sie notfalls durch ein Beet voller dieser juckenden Pflanzchen schicken scheuchen würde, um einen neuen Weg zu finden. Die beiden betraten den neuen Weg und das Holz knisterte unter ihren Füßen. Sie genossen den Weichen Waldboden und kurz darauf hörten sie ein plätschern eines Baches, der gut verborgen hinter einem umgekippten Baum lag. Die Wurzeln des Baumes ragten in die Luft und versperrten ihnen die Sicht auf den Bach. Voller erstaunen gingen sie um den Baum und dann lag der Bach vor ihnen. Er war blau und man konnte bis auf den Grund des Gewässers blicken. Sie Sonne spiegelte sich darin und lies das Wasser dazu noch schimmern. Die beiden Mädchen setzten sich ans Ufer und zogen sich ihre Schuhe aus. Danach krempelten sie sich ihre Hosenbeine hoch und hielten ihre plattgelaufenen Füße ins langersehnte kalte Wasser. Mit ihren Händen wuschen sie sich die Beine ab um die lästigen Pollen loszuwerden. Sie hielten noch eine kurze Essens- und Trinkpause und erst dann machten sie sich weiter auf den Weg.

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Teil 14:
In der ganzen Mall konnte man diesen leckeren Geruch der Tomatencremesuppe riechen. Der Duft verbreitete sich rasant in allen Zimmern schnell und bald kam er auch durch die Türritze von Lex Zimmer gekrochen. Seine Nase nahm den Geruch auf und er schnüffelte. Mensch, roch das gut, fand er und ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Wieso musste er ausgerechnet sagen, das Bray nicht kochen konnte. Wie sollte er denn da wissen, da Bray ja noch nie in der Mall gekocht hatte, aber eigentlich hätte ihm das auch mal wieder klar sein müssen. Bray musste seinen Bruder und sich häufig selbst versorgen, da beide seiner Eltern berufstätig waren und genau dass hatte Bray schon erwähnt, als er in die Mall kam, aber niemand hatte ihn bislang kochen lassen, denn er war mit den Anderen immer für die Nahrungssuche eingeteilt gewesen. Lex schluckte einmal und versuchte den Gedanken „Hunger“ aus seinen Gedanken zu vertreiben, aber er schaffte es einfach nicht, weil sein Magen auch anfing zu knurren. Lex stellte sich Gedanklich vor, wie die Anderen gerade den Topf mit der leckeren Tomatencremesuppe leerten und er bekam mal wieder nichts ab.
In der Küche rührte Bray vergnügt in der Suppe herum und schmeckte, ob sie auch richtig gewürzt war. Er schmatzte kurz und meinte „Wodka fehlt.“ Er nahm sich eine der Flaschen und schüttete einen Schuss davon in die Suppe „Alkohol am Tag?“, fragte Ellie verwundert und ging zu Bray zum Herd um ihm über die Finger zu schauen. Bray rührte aber bereits den Wodka unter und hinterlies eine weiße Schicht. „Darf ich mal probieren?“, fragte Ellie und nahm sich einen Löffel zur Hand „No no no Miss, Finger weg.“, sagte Bray in seinem besten gespielten französisch Akzent aus der Schulzeit und schlug Ellie mit einem Kochlöffel, denn er zufällig parat hatte, leicht auf die Finger und schüttelte dabei seinen Kopf. Das blonde Mädchen lies ihre Finger erschrocken zurückgleiten und fing dann mit Bray an zu lachen. Sie beobachtete Bray weiterhin, wie er noch Petersilie klein hakte und sie dann in die Suppe tat „Das riecht lecker!“, sagte Ryan, als Bray die dampfende Tomatencremesuppe auf dem Tisch abstellte „Und du willst Lex nichts angeben?“, fragte Trudy und dachte, wie sie sich fühlen würde, wenn man sie so ausschließen würde. „Verdient hätte er es, aber ich bin nicht so wie er.“, sagte er zu Trudy und rief dann durch die Mall „LEX ESSEN!“
Lex saß immer noch in seinem Zimmer, als diese Worte sein Ohr erklangen „Essen ... Essen ... Essen ...“ Hatte er richtig gehört? Man gibt ihm was von der Suppe ab? Sofort sprang er aus seinem Bett und lies sich von seinem Beinen in die Küche tragen, wo Bray gerade die Tomatencremesuppe verteilte. Lex setzte sich neben Ryan und starrte wie gebannt auf die Suppe. Er griff sofort zum Löffel, als Bray ihm eine Kelle von der Suppe in den Teller schüttelte „Guten Appetit!“, sagten alle miteinander und man konnte von nun an da Löffelklappern, schlürfen und sonst was hören. Nach dem alle ihren Anteil der Suppe gegessen hatten, lobten sie Brays Kochkünste „Du solltest häufiger kochen.“ Aus Jacks Mundwerk stammten die Worte und putze sich mit einer Servierte seinen Mund ab. „Wer räumt ab?“, erkundigte Bray sich und die Anderen schwiegen alle. Bray blickte zur Liste hinüber und las „Lex und Ryan. Das passt ja. Viel Spaß.“ Dal, Ellie und Jack verließen wieder die Küche und verschwanden in Jacks Labor. „Wollen wir vielleicht auch zum Strand gehen? Brady würde sich drüber freuen.“, fragte Bray und Trudy nickte. „Wir sind am frühen Abend wieder zurück.“, sagte Bray und holte Trudys und seine Jacke. Fünf Minuten später verließen sie die Mall und gingen in Richtung Strand davon.

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Teil 15:
Eagle ging in ihre Hütte und legte ihren Sohn in eine Holzwiege. Der kleine Junge schaute mit seinen kleinen müden Augen seine Mutter an, die ihm liebevoll über sein wuschliges Haar streichelte und ihn danach zudeckte. Sie schaukelte die Wiege und summte dabei ihren Sohn in den Schlaf. Das Baby lutschte während es schlief an seinem Daumen. Eagle lächelte ihn an und wünschte sich, dass jetzt ihr Geliebter an ihrer Seite stehen würde. Sie beide würden gemeinsam über einen Namen des Kindes entscheiden, aber da er jetzt ja nicht da war, musste sie sich alleine einen Namen für das Kind bestimmen und niemand aus ihrem neuen Tribe könnte ihr dabei helfen, da niemand seinen Geschmack kannte außer sie. Wenn jetzt bloß jemand aus ihrem alten Tribe zur ihrer Seite stehen könnte, wäre dass alles leichter. Ein Name schloss sie auf jedenfall aus ‚Bray’. Er mag ja schön sein, aber warum sollte sie ihm nach seinen Vater benennen? Wenn sie nämlich wieder mit ihm zusammenkommen könnte und wenn sie dann Bray rufen würde, würden beide denken sie wären die Person die sie gerufen hatte. Außerdem was hat man denn vor, wenn man sein Kind nach sich selbst benennt? Nichts. Manche denken das vielleicht, aber da ist sie anderer Meinung. ‚Irgendeinen Namen ...’, lies sich Amber durch den Kopf gehen, zwar vielen ihr viele ein, aber sie waren nicht das Richtige für den Kleinen. Wer will den Bitteschön Klaus-Dieter oder Manfred heißen? So wenig auch Friedrich, Franz, Karl, Willi oder Günther. Diese und andere altmodische Namen strich die junge Frau sofort von der über 3m langen Liste und grübelte weiter nach. Es musste doch irgendeinen passenden Namen geben. Amber seufzte und verlies die Hütte. Ein ganz Name schwirrte ihr schon im Gedächtnis herum, aber sie wusste nicht, ob es der Richtige war. Am liebsten würde sie dass mit Bray abklären um sich zu vergewissern, ob er damit einverstanden war. Eagle ging die Treppenstufen ihrer Hütte hinunter und marschierte zu Pride, der draußen saß und ritzte mit seinem Taschenmesser einen neuen Fangstock zum Fische fangen „Den Kleinen gut ins Bett gebracht?“, erkundigte sich Pride und lies das Taschenmesser sinken. Eagle nickte ihm zu und setzte sich zu Pride. „Der Kleine ist so schnell eingeschlafen. Das hätte ich nicht gedacht, aber ich bin froh, dass es so schnell ging.“, seufzte Amber erholend „Es ist nicht leicht ein Kind alleine aufzuziehen, aber du schaffst das. Da bin ich mir ganz sicher.“, meinte Pride und legte eine Hand auf Eagles Schulter. „Es wäre mir auch lieber, wenn ich meinen Sohn zusammen mit seinem Vater aufziehen würde, aber ich hab es immer noch nicht verarbeitet, was gesehen war.“ Eagle erinnerte sich an ihr früheres Leben als Amber und war sich immer noch nicht sicher, ob sie wirklich das frühere Leben einfach so aufgeben hätte sollen. Schließlich hatten sie ja auch gute Zeiten und die schlechten davor hatte sie immer mit Bray gemeinsam durchgestanden. Eagle blickte traurig zu Boden und dachte weiter an die alten Zeiten. Den Ring von ihrem Vater trug er vielleicht immer noch, schoss es durch ihre Gedanken. Langsam fasste sie in ihre Hose und angelte seinen Schlüsselbund zu seinem Herzen hervor. Sie drückte ihn fest in ihre Hand und schaute ihn weiter an. Den Schlüsselbund hatte sie gegen ihrem Ring getauscht und wusste, dass er ihn sehr gut bei sich aufgewahren würde, wenn sie man nicht da war. Genau das Selbe versprach sie Bray und dass hatten sie mit einem Kuss besiegelt. Um jeden Preis müsste sie den Schlüsselbund hüten, auch wenn man sie überfallen würde, oder wenn sie die Trennung einfach nicht verarbeiten könnte.

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