Angel come back, please (von ~*Sweet Dream)

Teil 16:
Cloe und Patsy saßen am Strand und sahen KC beim Sandburgenbauen zu. Er schaufelte wie ein kleines Kind mit seinen Händen Sand aufeinander und klopfte ihn fest, damit er sich nicht wieder löste und zu Boden rasselte. „Der benimmt sich wie ein kleines Kind.“, flüsterte Patsy Cloe zu. „Da geb ich dir Recht. Schau mal, jetzt sucht er auch noch nach Muscheln um die Burg damit zu schmücken. Das haben wir doch das letzte Mal im Kindergartenalter gemacht.“, antwortete Cloe und fing leise an zu kichern. „Aus dem Alter sind wir schon längst raus. Schau mal wie KC die angespülten Muscheln vorm Meer rettet!“, kicherte Patsy ebenfalls und kullerte sich fast vor Lachen. KC hüpfte durch die Wellen und griff ins salzige Wasser um Muscheln zu angeln. Die Wellen spulten immer wieder neue Muscheln und Algen an. Man sah, wie die Strömung die Wellen auf dem Strandboden aufprallen lies und die Wellen spritzten KC nass, aber dass machte ihm nichts aus, sondern sammelte vergnügt von der Abkühlung weiter Muscheln. Als er genug eingesammelt hatte, ging er zu seiner Sandburg zurück und schmückte sie. Jede Muschel hatte seinen eigenen Platz und als er alle verstaut hatte war er fertig und ging stolz zu den beiden Mädchen hinüber. Er verschränkte seine Arme und machte sich vor ihnen groß. „Na wie gefällt euch meine Sandburg. Ist sie mir nicht gut gelungen.“ Bob rannte durch die Wellen und als er klitschnass war jagte er zu Patsy und Cloe, aber da die Sandburg im Weg stand landete Box mit seinen Vorderpfoten auf der Burgspitze und zog seine Hinterhand nach. Mit einem Ruck war die mit Mühe aufgebaute Burg im Eimer. „BOB!“, kreischten Cloe und Patsy besorgt, weil der braune Hund in eine Muschel oder etwas in der Art getreten war. Er brach auf der Sandburg zusammen und zerstörte sie ganz. Bob jaulte auf und leckte seine Pfote, aus der Blut strömte. KC hatte eine andere Antwort erwartet, aber er war doch kein Tierquäler und konnte einfach kein Tier leiden sehen. So schnell wie die Beiden konnten, rannten sie zu Bob und sahen sich seine Pfote an. KC folgte ihnen zögerlich mit einem schlechten Gewissen. „Bob.“, schluchzte Patsy und kuschelte sich dicht an seinen Kopf. „Ich lass dich nicht allein.“, sagte Patsy und schluchzte weiter. Bob winselte leise auf und sah die Mädchen und KC hilfeersehnend an. „Sieht nicht gut aus.“, befürchtete KC und sah sich weiter seine linke Vorderpfote an. „Das sehen wir selbst du Trottel. Wenn du deine blöde Sandburg mit den Muscheln als Verzierung gebaut hättest wäre Bob da gar nicht erst reingetreten.“, schrie Cloe den Blauschopf an. „Ach! Jetzt bin ich wieder an allem Schuld? Wenn Bob nicht auf die Sandburg zugerannt wäre, wäre er da nicht reingetreten.“ „Haltet die Klappe. Alle beide. Wir haben jetzt keine Zeit für Streitigkeiten. Bob muss schnellstens in die Mall zurück, wo Tai-San oder Dal ihm helfen kann.“, schrie Patsy so laut, damit die Streithähne aufhörten zu streiten. Auf einen Mucks waren die Beiden still und überlegten, wie sie den Hund in die Mall zurück bringen sollten., „Wenn wir einen Anhänger hätten, könnten wir Bob reinlegen und ihn ziehen.“, überlegte KC nachdenklich „Wir haben keinen parat. Also dass können wir streichen.“, antwortete Patsy und schüttelte ihren Kopf. „Tragen.“, sagte Cloe leise. Das war die richtige Lösung, aber wie sollten die Kinder sie in die Tat umsetzten? Sie waren doch viel zu schwach für so einen großen schweren Hund. „Ja, aber wie sollen wir denn das anstellen? Tragen ist nicht so einfach.“, schmunzelte Patsy und biss sich auf die Lippen „Fällt dir was besseres ein?“, fragte Cloe ihre Freundin. „Nein. Es ist einfach unmöglich.“

...

Teil 17:
Bray und Trudy erreichten kurz darauf den Strand und von weitem konnten sie Cloe, Patsy und KC sehen. „Wollen wir zu ihnen gehen?“, fragte Bray Trudy, die Brady auf ihrem Arm wiegte und nickte Bray zu „Ja komm, lass uns zu den Kindern gehen. Wenn sie Sandburgen bauen könnte Brady mitbauen.“, meinte Trudy und schaukelte ihre Tochter auf ihrem Arm. „Hm, ist Brady nicht noch ein bisschen jung dafür?“, fragte Bray nachdenklich und stellte sich ins seinen Gedanken vor, wie Brady anfing mit ihren kleinen Fingern Sand aufeinander zu schaufeln und den dann zu einer Burg umzuformen. „Di verdirbst aber wirklich jedem den Spaß Bray. Brady hätte sicherlich Spaß daran.“, sagte Trudy und war einer ganz anderen Meinung als Bray. Ihre Tochter würde es mit ihrer Hilfe garantiert schaffen, auch wenn Bray nicht dran glaubte. Plötzlich hörten sie ein leises Grummeln „Oje, jetzt fängt es noch an zu Gewittern. Das war es wohl mit einer Sandburg bauen.“, seufzte Trudy. Sie hatte sich schon so richtig drauf gefreut was im Sand zu machen, sich auszuruhen und die Seele baumeln zu lassen. Sie blickte schnell zu Bray hinüber, der irgendwie beunruhigt schien. Jetzt merkte Trudy auch, dass die Kinder weinten, aber worum. Kurz bevor sie was sagen konnte war Bray schon losgerast und rannte auf die Kinder zu. Trudy folgte ihm so schnell wie sie konnte und passte dabei gut auf ihre Tochter, die sie auf dem Arm trug auf.
Bray war bereits bei den Kindern angekommen und lies sich auf die Knie in den Sand fallen. Er verzog das Gesicht, als er sah, wie das Blut weiter aus Bobs Vorderpfote floss und er hörte, wie er jaulte. Der Hund war am Ende seiner Kräfte, aber wie sollte er den Kindern beibringen, das Bob keinen Lebenswillen mehr hatte. Wahrscheinlich wünschte er sich, dass seine Qualen endlich vorbei wären und das er ins Himmelreich könnte und von dort auf die Mall Rats aufpassen könnte. Das wäre ein schöneres Leben, aber er würde niemals wieder Unfug anstellen können, oder von Cloe und Patsy gestreichelt werden. Der Hund fiepte leise weiter vor sich hin.
Kurz darauf traf auch Trudy ein, die außer Atem war, als sie sah was passiert war drehte sie sich um, weil Brady dass nicht sehen sollte und außerdem wollte sie es nicht sehen. Es verzog ihr den Magen wenn sie das Blut sah, aber hier konnte sie sich nicht übergeben. Was sollten denn die Kinder von ihr halten. Zum Glück fing Brady an zu schreien und das Baby lenkte Trudy von ihren Gedanken ab.
Bray angelte ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und verband es um Bobs Pfote. Als Bob die Berührung spürte zuckte er mit der Pfote und jaulte auf. „Ist ja gut, bald hast du es überstanden. Dal wird dir helfen“, sprach Bray und versuchte den Hund mit weiteren Worten ihn zu Beruhigen. Bob stellte ein Ohr zu Bray und lauschte seinen Worten trotz des großen Schmerzes. Als seine Pfote verbunden war versuchte er wieder auf die Beine zu kommen, aber er hatte keine Kraft und brach deshalb immer wieder zusammen.
Bray nahm den Hund vorsichtig hoch und legte ihn über seine Schultern. Zusammen mit den Kindern und Trudy machte er sich auf den Weg zurück in die Mall, wo Dal ihm hoffentlich helfen konnte.

...

Teil 18:
Die Bäume raschelten in einem ungleichmäßigen Takt weiter mit ihren Blättern. Der Wind blies durch die Kiefer- und Laubbäume und dadurch zogen dicke schwarze Wolken am Horizont auf, die wahrscheinlich einen kräftigen Schauer oder sogar ein starkes Gewitter bringen würden. Der Wind pfiff in ihren Ohren und Tai-San roch mit ihrer Nase den kommenden Regen „Wir sollten uns irgendwo unterstellen. Es wird nämlich bald anfangen zu Regnen.“ „Na gut, aber wo denn? Ich sehe weit und breit nur Bäume über Bäume. Nirgends eine Hütte, geschweige denn etwas was man einen Unterstand nennen kann.“, sagte Salene und beobachtete den Himmel weiter misstrauisch. Die schwarzen Wolken näherten sich ihnen sehr schnell und bald zogen sie vor sie Sonne und ließen keine Sonnenstrahlen mehr durch. „Oje, bald werden wir klitschnass, wenn wir nichts finden. Vielleicht haben wir dort oben mehr Glück was zu finden, denn die Gegend kommt mir sehr bekannt vor.“, meinte Tai-San Die beiden jungen Mädchen rannten einen Hügel rauf, in der Hoffnung, dass sie dort oben irgendwo unterstellen konnten. Die Gewitterwolken zogen immer schneller auf und schon bald vernahmen Tai-San und Salene ein Grummeln eines Donners.
Kurz darauf blitzte es und fing an zu nieseln „Schnell, da hinten ist ein Gebäude!“, rief Salene Tai-San zu und rannte so schnell wie sie konnte zu dem Gebäude. Tai-San folgte ihr und sie stellten sich dort unter. Die Beiden rannten ins Gebäude und stolperten über Steine die auf den Boden lagen. Ihnen kam dass ganz und gar nicht geheuer vor. Wenn sie die Wände mit ihren Händen anfassten färbten sie sich pechschwarz und wenn sie dran rochen, roch es verbrand. Immer wenn ein Blitz am Horizont aufblitzte konnten sie die verkohlten Trümmer des Gebäudes erkennen und auf dem Boden lag zum Teil die Decke. Nur an manchen Stellen hatte sie gehalten und schützten Salene und Tai-San von dem Gewitter, aber eins konnten sie nicht wissen, und zwar ob die Decke solang es gewitterte über ihnen hielt. Manchmal hörten sie ein leise Knarren, oder ein paar Steine fielen herunter. Das Gebäude war ihnen unheimlich. Waren es hier drinnen die letzten Stunde ihres Lebens? Würden sie da wieder heile rauskommen oder wäre die Decke schon über ihnen zusammengekracht.
Tai-San weißte Salene darauf hin, dass sie dicht an der Wand sich halten sollte und versuchen sich nicht zu Bewegen denn es bestand die Einstürzgefahr. Immer wieder löste sich langsam ein kleiner Teil der Decke und rasselte auf den Boden. Salene zitterte und drückte sich ängstlich noch enger an die Wand „Wäre ich doch bloß nicht mitgegangen, ...“, dachte Salene und presste ihre Augen zu und selbst die Augenlider zitterten „... dann würde ich jetzt nicht in Lebensgefahr stecken.“ Tai-San blieb im Gegensatz zu Salene ruhig und hatte ihre Augen leicht geschlossen. Sie hielt das für einen günstigen Moment zu meditieren. Wenn die Decke über ihnen zusammenbrechen würde, würde sie rechtzeitig eine Warnung bekommen, aber ob sie es rausschaffen würden wusste sie nicht.

...

Teil 19:

In naher Ferne der Stadt, auf einem asphaltierten Weg näherten sich Menschen, sehr viele Menschen in blauen Anzügen und einer in einem weißen Anzug der Stadt. Sie hielten zwei brennende Z auf einem Metallstab und der Guardian lächelte vergnügt.
Mit jedem Schritt näherten sie sich langsam der Großstadt. Man konnte schon die Dächer, die hinter Bäumen hervorspähten, von Hochhäusern und anderen Gebäuden erkennen.
Friedliches Vogelgezwitscher vernahm man, wenn man sich irgendwo herumbewegte, aber der Frieden sollte nicht mehr lange bleiben, sondern Power und Chaos sollte dafür eintreten.
Die Chosen waren dafür bekannt Unruhe zu stiften und sich irgendwo ein Lager aufzuschlagen.
Außerdem loggte sie Brady, Zoots Kind, den sie so verehrten an.
Der Guardian wollte endlich dieses kostbare Kind für seinen Tribe in den Armen halten. Wer würde denken, dass dieses Kind so wichtig war für den Stamm. Zoot ihr Vater war in der ganzen Welt bekannt für seine Taten Power und Chaos, nachdem all die Erwachsene gestorben waren.
Nun hatten sie nur noch Brady, seine kleine Tochter und sie sollte einmal wenn sie groß wäre in seine Fußstapfen treten. Ja so hatte das Zoot dem Guardian erzählt. Jeden Abend meditierte er und redete dabei mit Zoot und er erteilte ihnen immer neue Aufgaben. Eine von denen hieß die Stadt zu erobern und Brady in ihren Besitz überzunehmen.
Der Guardian freute sich schon richtig darauf Zoots Willen auszuführen und er würde endlich sehen, wo er gestorben war. Vielleicht würde er auch Zoots Mörder unter die Augen blicken.
Vergnügt ging er weiter und rief „Alle Macht für Zoot!“

...

div>Teil 20:
Bray ging mit den Kindern und Trudy eine asphaltierte Straße, mit einigen Löchern im Asphalt drinnen, die zur Stadt führte entlang, aber von weitem konnten sie viele Fremde Stimmen hören.
Trudy zuckte zusammen, als das Wort Zoot fiel und fing an heftig zu zittern
„Trudy was ist los?“, fragte Patsy besorgt und hörte dann den Stimmen wieder zu
„Bray, dass sind die Chosen. Die wollen die Stadt erobern.“, warnte Trudy Bray.
Sie blieben kurz darauf stehen und versteckten sich hinter einem Busch. Von weitem konnten sie die blauen Gewänder der Chosen sehen.
„Die Chosen haben uns noch gefehlt. Bob braucht Hilfe. Wenn wir nicht in die Mall rechtzeitig kommen wird er sterben.“, fluchte Bray und legte den Hund von seiner Schulter auf den Boden ab.
Bob jaulte kurz auf und blickte geschwächt zu Cloe hinüber, die seinen Kopf auf ihren Schoss legte.
„Bob, halte bitte durch.“, schluchzte Cloe und streichelte ihm über das hellbraune Fell.
Bob fiepte auf und hob langsam seinen Kopf und schaute Cloe weiter an. Mit aller Kraft versuchte er den Kopf oben zu behalten, aber er schaffte es nicht. Der Kopf sang schnell wieder zu Boden. Erschöpft lies er den Kopf von Cloes Knien ins Gras fallen. Schwer Atmend schloss er seine Augen.
Cloe strich ihm weiter übers Fell und Patsy kniete sich neben sie.
„Er wird’s schaffen, wenn wir ihn in die Mall zurückbringen und diese Chosen uns nicht gefangen nehmen.“
„Aber wer soll sich wenn wir nicht mehr da sind um ihn kümmern? Die Chosen etwa? Die würden ihn ja lieber sterben sehen, Alles im Wille Zoots würden sie behaupten wenn er tot sei. Patsy, ich will nicht das Bob stirbt.“
„Bray, wir werden es nicht mehr in die Stadt schaffen, sieh doch die Chosen haben die Stadt so eben betreten.“, sagte Trudy und zeigte mit ihrem Finger in die angegebene Richtung, wo der Guardian mit seinen Untertanen die Stadt betraten.
Bray schluckte kurz „Ja, aber irgendwer muss die anderen warnen. Sie müssen raus aus der Mall und zu uns kommen.“
„Stimmt, aber wer? Ich mach es nicht, du weißt ja, sie wollen sicherlich Zoots Kind und mich haben.“
„Ich mache es.“
„Was du KC?“, fragten Bray und Trudy.
KC nickte ihnen zu „Hab ja nichts besseres zutun.“ Ihm war es lieber die anderen zuwarnen, als sich weiter von Cloe und Patsy anhören musste, dass er an allem Schuld sei.
„Na gut, aber pass auf dich auf KC.“, meinte Bray nach kurzem überlegen.
KC lächelte geschwind und kurz darauf rannte er los. Er kannte viele Geheimwege, die er mit Lex zusammen erforscht hatte.
„Bray, wieso schickst du KC los und gehst nicht selbst.“
„Ganz einfach Trudy, weil wir Bob von hier wegbringen müssen. Hier kann er nicht liegen bleiben.“
Trudy senkte kurz ihren Blick. Bray hatte Recht, niemand anderes konnte Bob tragen. Zusammen würden sie es vielleicht schaffen ihn zu tragen, aber nicht lange.
„Wir müssen weiter in den Wald herein. Hier im Gebüsch können wir nicht bleiben.“
„Aber warum nicht?“
„Was ist denn wenn die Chosen den Anderen folgen. Willst du, dass wir dann alle gefangen genommen werden und als Sklaven arbeiten müssen?“
Trudy schüttelte hastig ihren Kopf und schaute in die Richtung in die KC verschwunden ist „Nein, das will ich nicht.“
„Gut, dann lass uns gehen. Ein paar hundert Meter sind es noch bis zum Wald.“, sagte Bray und ging zu Bob und nahm ihn wieder auf seine Schulter.
Der Hund jaulte auf, als er auf der Schulter landete.
„Kommt.“, sagte er zu den Anderen und ging voraus.

...

Teil 21:
Salene erstarrte als sie die Gegend musterte. Da der Regen langsam nach lies und der Himmel sich wieder verhellte konnte sie die Gegend immer genauer betrachten.
Nicht weit von ihnen auf einem Hügel standen zwei mit Steinen beschichteten Gräber.
„Salene, was ist los?“, fragte Tai-San sie.
Tai-San hatte die beiden Gräber noch nicht entdeckt, weil sie damit beschäftigt war sich nicht zu bewegen, damit das Gebäude nicht über ihnen einstürzte und sie nicht unter der Decke begrub.
„Tai-San, wir sind auf dem Eagle Mountain ...“, sagte Salene ihr geschockt und fuhr fort „... dahinten da sind Ambers und Zandras Gräber. Sieh doch.“
Salenes Blick haftete weiter auf den beiden Gräbern ihrer besten Freundinnen.
Wie lang hatte sie nicht mehr an sie gedacht? Bestimmt ein paar Wochen nicht mehr. Sie hatte sie vergessen, einfach vergessen und dagegen konnte sie auch nichts machen. Ihre Erinnerungen waren erloschen, aber nun, da sie wieder die Gräber sah kam wieder alles in ihr hoch, die Explosion, das Feuer und die guten alten Zeiten, da wo Amber und Zandra noch gelebt hatten. Amber war die geborene Anführerin, sie war selbstsicher, wusste was sie tat, hatte keine Scheu.
Tai-San kam langsam vor und hielt sich an der Wand und versuchte keine Ruckartigen Bewegungen zu machen. Neben Salene blieb sie stehen und sah hinaus.
„Tatsächlich.“, stieß sie hervor und musterte in Gedanken die Gräber. Warum hatte sie ihr Herz hierhin geführt? Gab es etwas was sie wissen musste?
„Und was sollen wir jetzt tun?“, fragte Salene.
„Zu den Gräbern gehen..“, antwortete Tai-San ihr und sie streckte ihre Hand aus dem Gebäude um zu wissen ob es noch tröpfelte, aber die Wolkendecke war bereits aufgerissen und darauf schien die Sonne hindurch. Sie erhellte nach dem Gewitter die Erde wieder.
„Okay, dann gehen wir zu ihnen. Weißt du wie lang sie niemand mehr besucht hatte?“, fragte Salene Tai-San.
„Ich denke so ein paar Wochen, aber genau kann ich das auch nicht sagen. Wir müssen hinaus schauen und nicht der Vergangenheit hinterher.“, meinte Tai-San.
„Wie meinst du das jetzt?“, runzelte Salene.
„Ganz einfach, wir haben kein Zeitgefühl mehr, wir wissen nicht, wann die Beiden starben und wir wissen auch nicht welcher Tag und wie viel Uhr es genau ist. Das einzige was wir können ist schätzen.“, antwortete Tai-San und marschierte langsam aus dem Gebäude.
Salene folgte an ihrer Seite und überlegte, wann Amber und Zandra gestorben waren und was für ein Tag heute war.
„Du hast Recht. Wie viele Wochen das her ist weiß nur der liebe Gott.“
Tai-San nickte Salene zu und dann gingen die Beiden eine Weile schweigend nebeneinander fern.
Kurz darauf kamen sie bei den Gräbern an.
Tai-San faltete ihre Hände und schloss die Augen. Sie betete.
Salene beobachtete sie eine Weile und lies sich dann auf die Knie in das nasse Gras nieder. Sie saß direkt vor Ambers Grab und ihr Blick viel zwischen die Steine, wo früher Bray den Ring hingelegt hatte.
„Tai-San, der Ring ist weg.“, schrie sie auf und damit riss sie Tai-San aus ihren Gedanken.
„Das kann nicht sein. Vielleicht war es nicht die Stelle wo der Ring lag.“, mutmaßte Tai-San
„Aber da hat ihn Bray hingelegt. Ich bin mir ganz sicher.“, erwiderte Salene und hob ein paar Steine als Beweis hoch. Dabei verlor die das Gleichgewicht und landete auf den Steinen. Die Steine konnten ihr Gewicht nicht halten und brachen mir ihr zusammen.
Tai-San schrak auf und sah Salene in dem Grab liegen.
„Salene!“, rief sie und schüttelte ihren Kopf. Dabei versuchte sie ein Grinsen zu unterdrücken.
„Tut mir leid, aber warte mal, das Grab ist leer. Ich müsste doch auf Amber gelandet sein, aber hier liegen nur Steine herum.“, sagte Salene nachdenklich und stand auf. Dabei klopfte sie sich den Dreck von ihren Klamotten.
„Das kann aber nicht sein.“, meinte Tai-San und kam näher. Sie hatte eigentlich nie vor ein Grab auszunehmen, aber nun blieb ihr keine andere Wahl, denn Amber dürfte noch zu keinem Skelett geworden sein.
Zusammen mit Salene nahm sie die Steine aus dem Grab heraus und stapelten sie auf einem Haufen neben dem Grab.
Als alle Steine entfernt waren, war vor ihnen ein leeres Grab.
„Aber ...“, stotterte Salene.
Nach kurzem Überlegen meinte Tai-San: „Moment, weißt du, ich hatte doch so eine Vision, dass jemand ein Kind bekommen hat, aber zu dem Zeitpunkt dachten wir Amber wäre tot. Was wäre wenn sie das Kind bekommen hätte?“
„Aber Amber war doch gar nicht schwanger oder?“, meinte Salene und dachte an die Vergangene Zeit.
„Sie hat nichts erwähnt, aber erinnerst du dich noch, als ihr immer schlecht war? Sie hat die ganze Zeit auf der Kloschüssel verbracht.“
„Also du meinst, dass Amber uns nichts gesagt hat?“, runzelte Salene nachdenklich.
„Ja genau das meine ich.“
„Aber Zandra war doch auch schwanger.“, sagte Salene. Sie wusste noch genau, wie Zandra es ihnen gestand. Lex fiel damals aus allen Wolken als er es erfuhr.
„Du meinst, dass Zandra es sein könnte? Da muss ich dich enttäuschen. Dieses Mädchen hatte blondes Haar. Ich hab nicht viel in der verschwommenen Vision erkannt, aber ich hab genau gesehen, dass es blond war und Zandra hatte rosa Haare.“
„Da hast du recht, aber wo soll denn dann dieser Stamm sein, da wo dieses Mädchen ist?“, fragte Salene.
„In den Wäldern. Ich sah Laubbäume und Tannen.“, antwortete Tai-San ihr.
„Okay, dann lass uns gehen.“, meinte Salene.
„Einen Augenblick.“, unterbrach Tai-San sie und rupfte einen Straus voller Nelken von dem Hügel ab. Danach ging sie zu Zandras Grab und legte den Straus aufs Grab. Damit die Blumen nicht davon flogen legte sie einen Stein herauf und sagte „Machs gut Zandra.“
Kurz darauf waren sie schon auf dem Weg zum Wald.

Teil 22:
Eagle saß weiterhin in ihrer Hütte und sah ihren Sohn an, der friedlich vor sich hin schlummerte mit einem Daumen in seinem kleinen Mund und in einer aus Eichenholz gebauten Wiege lag.
Eagle seufzte und dachte weiterhin über einen geeigneten Namen für ihren Sohn nach. Wie schon gesagt sollte es nichts mit seinem Vater zu tun haben, aber er sollte süß sein. Sie hatte einen schon zwar im Gedächtnis, aber sie wusste nicht, ob es der richtige ist. Was wäre, wenn er dem Kind nicht gefallen würde.
Während sie dem Baby sanft über die braun blonden Schopf strich blickte sie aus dem kleinen Fenster, vor dem grüne Vorhänge hingen, die aber jetzt zur Seite geschoben waren, damit die Sonne das Zimmer erhellen konnte.
Eagle betrachtete den Wald, der an ihr Fenster grenzte und die Blätter und Nadeln der Bäume und Tannen waren noch ganz nass von dem plötzlich aufkommenden Gewitter waren, dass kurz zuvor hier gewütet hatte und danach in Richtung Norden Eagle Mountain gezogen war.
Die Stadt, ihre frühere Heimatort lag eher im Nordosten, aber immer wenn sie an die Stadt dachte kamen die ganzen Erinnerungen der vergangenen Zeit, bevor sie hierher kam und ein friedliches Leben ohne Power und Chaos lebte in ihr hoch und immer wenn sie sich daran erinnerte wollte sie die zeit vergessen, aber besonders wollte sie den Vater ihres Kindes vergessen, aber sie konnte es nicht, denn in den Augen, den braunen Augen ihres Sohnes spiegelten sich Brays wieder und jedes Mal wenn sie ihren Sohn in die Augen sah musste sie an ihn denken. Er hatte ihr schreckliches Angetan ... okay, dass wusste sie von Ebony, aber war es wirklich die Wahrheit? Das Bild, das Bild, dass Ebony ihr zeigte sah so real aus. Es waren eindeutlich, sie, Bray und ein Baby zu sehn, aber war es wirklich ihr Kind, dass sie auf dem Arm hatten? Wieso hatte er es ihr verschwiegen? Warum hatte er es ihr nie erzählt? Warum? Es waren Fragen, auf die es keine Antwort gäbe, denn Bray war nicht hier und konnte sie beantworten. Also würde sie niemals im Leben die Wahrheit erfahren.
Sie widmete ihren Blick ihrem Sohn wieder zu und wusch sich eine Träne, die aus ihren Augen gekrochen war weg und drückte ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn.
„Leo“, sagte Eagle und lächelte dabei stolz ihren Sohn an „Von nun an wirst du Leo heißen. Leo.“

Teil 23:
Das Baby öffnete langsam seine kleinen braunen Augen und blinzelte damit seine Mutter an, die ihn anlächelte und über sein flauschiges Haar streichelte. Er gluckste einmal und schaute seine Mutter an, die ihm gerade aus der Wiege nahm.
„Na Leo ..., hast du gut geschlafen?“, fragte sie ihren Sohn, der sich mit seinen Fingern in Eagles Haaren festkrallte.
Sie wiegte ihren Sohn auf dem Arm hin und her und sprach mit ihm, bis Pride in die Hütte kam.
„Eagle, hast du dir jetzt einen Namen für ihn ausgedacht?“, fragte der schwarzhaarige Mann sie.
„Ja hab ich.“, antwortete sie ihm und setzte sich aufs Bett. Dabei schaukelte sie ihren Sohn weiter.
Pride lächelte Eagle an und setzte sich neben sie und strich dem Kleinen übers Gesicht. „Und, wie soll der Kleine nun heißen?“, fragte er sie.
„Pride, dass kann ich dir nicht sagen, denn das bleibt mein Geheimnis. In ein paar Stunden werdet ihr es ja eh erfahren.“, sagte sie und legte eine Hand an seine braune Wange. „Sei mir bitte nicht böse.“
„Das bin ich nicht Eagle“, meinte Pride und nahm ihre Hand, die gerade eben noch seine Wange gestreichelt hatte und drückte sie fest. „ich kann es verstehen, dass du es noch nicht sagen willst und ich bin ganz damit einverstanden. Es ist deine Endscheidung und dein Sohn.“
Eagle seufzte erleichtert auf und lächelte ihn weiter an, dabei fing es heftig an in ihrem Bauch zu kribbeln und ihr Herz fing an zu rasen. Es fühlte sich so an, als würden viele Schmetterlinge in ihrem Bauch auf und ab fliegen. So ein Gefühl hatte sie das letzte Mal, als sie sich in Bray verliebt hatte, ihn geküsst und umarmt hatte, als sie Händchen hielten und sich tief in die Augen schauten.
Das Kribbeln, dass war irgendetwas verlangendes. Wollte sie ihn umarmen und sanft auf die Backe küssen? Wollte sie das? War sie dazu eigentlich bereit?
„Dann bin ich froh.“, stammelte sie und konnte ihren Blick nicht mehr von ihm abwenden. Pride war anders als all die anderen. Anders als Bray und anders als Sasha. Er zeigte ihr zwar seine Gefühle, aber er sagte sie ihr nicht. Sie konnte es sehen, aber Bray musste sie erst mit Sasha eifersüchtig machen und Sasha hatte sie nie richtig geliebt. Im Grunde liebte sie Bray, aber der machte mit jeder rum mit jeder. Erst Trudy, dann Salene und dann sie. Wieso standen sie eigentlich alle auf ihn und haben nie gesehen wer er wirklich war? Warum haben sie das nicht? Warum?
„Eagle, ruh du dich noch mal aus und in zwei Stunden findet dann die Zeremonie statt. Ich werde dich dann abholen kommen.“, sagte er und erhob sich von dem Bett. Dabei lies er ihre Hand, die er die ganze Zeit gedrückt hatte los und verlies mit einem letzten Blick zu Eagle das Zimmer.
Eagle seufzte und schaute ihren Sohn an, der an ihrem Daumen nuckelte. „Du hast Hunger.“, sagte sie und fing an ihn zu stellen. Jetzt war es ihr recht, dass Pride aus dem Zimmer gegangen war, denn er sollte nicht mitbekommen, wenn sie den Kleinen stillte. Das wäre ein super Augenblick Männer gierig zu machen, aber das wollte sie nicht.
Sie war noch nicht im Klaren mit ihrem Gefühlen. Irgendwie hing sie noch an Bray und andererseits an Pride. Er war ihr Lebensretter und hatte sie sich in ihn verliebt, oder war es einfach nur Schwärmerei.

Teil 24:
KC rannte und rannte über Wege, Felder und dann über die Straßen der Stadt. Schon langsam konnte er in der Ferne eines der hohen Gebäude sehen. Die Mall.
„Zoot hat uns hierher geleitet. Dort drinnen werden wir Zoots Tochter und die Mutter des Kindes vorfinden.“ KC blick ruckartig stehen um sich zu vergewissern woher die Worte kamen. Zögernd blickte er sich um und dann sah er, wie ein Haufen Chosen vor der Mall standen und dann langsam eintraten.
„Oh nein. Ich bin zu spät.“, fluchte KC vor sich hin.
„Hey KC, was ist denn los?“, fragte ihn eine vertraute Stimme.
Langsam drehte er sich um und sah der rothaarigen Frau ins Gesicht. „Die Chosen, die sind gerade in die Mall einmarschiert.“, sagte er hastig und sah wieder zurück zur Mall, wo ein paar Wachen stehen geblieben waren. Der Rest war wahrscheinlich in die Mall bereits einmarschiert.
„Die Chosen sind in der Mall?“ Alice sah ihn verwirrt an. Wollte er sie etwa reinlegen?
„Alice, schau doch da.“, rief KC und zeigte in die Richtung der Mall.
Die junge, rundliche Frau schrak auf, als sie sie erblickte. „Ellie.“, stammelte sie. „Ellie ist noch drinnen.“
„Und Lex, Jack, Dal und Ryan.“, fügte KC hinzu.
„Wir müssen sie rausholen.“ Alice sah ängstlich weiterhin zur Mall um alle Kleinigkeiten mitzubekommen. „Wo sind die Anderen?“, fragte sie, als sie alles noch mal durchging.
„Die sind im Wald.“, antwortete KC. „Wir können nichts mehr für sie tun, oder sie bekommen uns auch.“
Alice nickte ihm zögernd zu, aber ihr besorgter Blick blieb bei der Mall haften.
„Komm, gehen wir zu den anderen.“, sagte KC zu Alice und zog sie weg.
„Aber ... Ellie. Ich kann sie nicht im Stich lassen.“, protestierte Alice.
„Wir können nichts mehr für sie tun Alice. Sei froh, dass sie dich nicht haben.“
Alice schluckte kurz und folgte dann KC in Richtung Wald, obwohl es ihr nicht passte, ihre kleine Schwester im Stich zu lassen. Wahrscheinlich würde Ellie es wollen, dass sie sich in Sicherheit brachte zu Bray und den Anderen.

Teil 25:
„Was wollt ihr hier?“, maulte Lex den Guardian an. Er war gerade eben noch dabei mit Ryan zu Pokern.
„Wir wollen das auserwählte Kind.“ Der Guardian blickte sauer zu Lex herüber. „Sucht sie.“, befahl er seinen Anhängern.
„Was für ein Auserwähltes Kind?“, fragte Ryan und dachte dabei an Salene. Hatte sie was mit der Sache zu tun?
„Na das Kind unseres Heiligen. Das Kind von Zoot.“, sagte der Guardian und schaute an die Decke, als würde dort oben Zoot schweben.
„Die sind nicht hier.“, sagte Lex.
„Sie sind sehr wohl hier. Nehmt sie gefangen.“ Die Wachen packten Lex und Ryan fest und schleppten sie aus der Küche.
„Lasst mich los.“, schrie Ellie die Wachen an und versuchte sich aus den Klauen der Wachen zu befreien.
„Was wollt ihr von uns?“, fragte sie. „Wir haben euch nichts getan!“
„Das ist Zoots Wille.“, sagte der Guardian und sah seine Wachen, die er losgeschickt hatte um das Kind zu suchen. „Und wo ist das auserwählte Kind?“
„Hey, wir haben euch schon längst gesagt, dass sie nicht hier sind. Wer ist überhaupt dieses auserwählte Kind und außerdem ist Zoot tot.“, rief Lex dem Guardian zu.
„Es ist nicht hier Meister! Wir haben alles abgesucht.“, sagte Leutnant Luke, der sich neben den Guardian gesellte.
„Aber es muss hier sein, sonst hätte Zoot uns hier nicht hingeführt.“, fuhr der Guardian fort. „Sperrt sie ein.“, sagte er zu den Wachen, die die Gefangenen festhielten.
„Lasst mich los!“, rief Ellie.
„Ellie, es hat keinen Sinn.“, sagte Dal zu Ellie und lies sich breitwillig in den Käfig führen. Ellie, Lex und Ryan folgten im mit Protest.
„Wo ist Jack?“, flüsterte Dal zu Ellie. „Ich weiß es nicht. Nicht hier.“, antwortete sie ihm leise. Die Wachen schlossen ihre Käfigtüre und dann gingen sie zum Guardian zurück, der die Mall noch einmal durchforschen lies.