Martin und Ebony- ein Leben ohne Virus

Kapitel1

Ebonys erster Schultag begann eigentlich ganz normal. Normal in dem Sinne, das er nicht anders war, als an ihrer vorigen Schule.
Sie wusste von einem vorigem Schulbesuch, genau wohin sie zu gehen hatte und vor ihrem neuen Klassenlehrer Peanut musste sie auch keine Angst haben. Den hatte sie ebenfalls schon kennengelernt, da ihre Eltern mit ihm befreundet waren und sie sich ganz gut mit ihm verstand.
Das einzigste wovor sie sich fürchtete waren die Schüler. Damals, in ihrer alten schule, war sie Schülersprecherin gewesen und sie hatte den Job, von allen gebraucht zu werden, genossen. Sie hatte Angst davor, das sie diesmal nicht so beliebt sein würde.
Ihre Schwestern hatten ihr am morgen noch freundschaftlich auf die schulter geklopft und gemeint, sie würde das schon meistern, so wie sie es immer tat, aber man sollte sich niemals zu sicher sein.
Sie hatte ihren Klassenraum erreicht und stand nun vor der Halb offenen Tür, Mister Peanut war noch nicht da und der Unterricht hatte auch noch nicht angefangen.
"So was blödes,"schimpfte sie vor sich hin "jetzt muss ich doch tatsächlich schon vorher in den klassenraum marschieren!"
Ebony wollte gerade den Raum betreten als sie jemand am arm zog. Erschrocken drehte sie sich um. Es war Mr. Peanut.
"Warte, Ebony. Es kommt besser wenn ich zuerst reingehe!" meinte er und ging in die Klasse.
Ebony stand am Türrahmen und sah zu wie ihr neuer Lehrer die Klasse auf sie vorbereitete.
„Liebe Schüler, wie ihr ja bereits erfahren habt, bekommt ihr eine neue Klassenkameradin. Ebony, kommst du bitte mal rein?!“
Ebony kam mit zitternden Knien auf Mr. Peanut zu. Sie traute sich nicht einen Blick auf ihre neuen Klassenkameraden zu werfen und schaute zu ihrem Lehrer. „Würdest du dich kurz vorstellen?“ fragte Mr. Peanut an Ebony gewandt.
Sie nickte kurz und sah zur Klasse. „Also, ich heiße Ebony und meine Hobbys sind...“
„Hast du keinen Nachnamen?“ fragte ein frecher stämmiger Junge aus der Klasse. Ebony lächelte ihm ironisch zu, sie würde sich ganz bestimmt nicht von so einer Rotznase den ersten Tag vermiesen lassen. „Ich glaube nicht, das dich das interessiert!“ meinte sie und fuhr fort. „Ich höre gerne Black Music und tanze gerne. Irgendwelche Fragen?“ Sie sah sich in der Klasse um. Seltsamerweise waren alle still. Die Schüler waren von ihrem Benehmen von vorhin beeindruckt. Abwesend zuckte sie mit den Schultern und sah Mr. Peanut an. „Gut, dann setz dich mal neben Martin.“ Meinte dieser ruhig und setzte sich an seinen Pult.
„ähh... wer ist das?“ fragte sie leicht verstörrt“
„Achja, natürlicher, das ist der blonde Junge mit der.... Martin!! Kappe aus!“ beleidigt folgte Martin seinem Befehl und Ebony ging an einen Tisch in der Mitte. Martin seufzte innerlich, während er dabei war seine Sachen von Ebonys Seite zu räumen. Doch anscheinend war das für sie zu langsam und sie wischte die Sachen mit ihrem Arm einfach vom Tisch. Martin machte einen entsetzten Gesichtsausdruck, war aber nicht kühn genug etwas zu sagen.
Der Unterricht war nicht sehr interessant, da sie über nichts anderes redeten als über den Virus. Martin hörte ebenfalls nicht zu und widmete seine ganze Aufmerksamkeit, seinem Butterbrot unterm Tisch. „Sag mal...“ krümelte er ihr zu „weißt du eigentlich wen du da eben beleidigt hast?“ Ebony schüttelte den Kopf. Woher sollte sie das auch wissen? Außerdem, beleidigt konnte man das nicht nennen. „Das war Desmond! Der größte Schlägertyp, aller Zeiten!“
Ebony zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen kann er König von China sein, ist mir auch egal!“
Der Rest der Stunde verlief relativ ruhig, Martin hatte ihr noch etwas über vereinzelte Lehrer erzählt, das war es aber auch schon.
Die zweite Stunde verlief etwas spannender, sie hatten Mathe und zwar bei einem Lehrer der, wie Martin erzählt hatte, nicht ernst sein konnte. Und tatsächlich konnte Ebony sich während der Stunde kaum noch halten vor lachen.
„Hey!“ rief eine Stimme zu Ebony rüber. Ebony drehte sich um und starrte direkt in das Gesicht von Desmond.
„Weißt du eigentlich mit wem du es hier zu tun hast?“ fragte er. Ebony schüttelte den Kopf, so das alle ihre geflochtenen Zöpfe umher flogen und Martin sich ducken musste. „Keine Ahnung, mit einem Haufen Idioten?!“ lächelte sie. Ärgerlich schaute Desmond sie an. Wie konnte sie es wagen?! Er wollte gerade etwas antworten als Mr. Mainerz sich einschaltete.
„Ebony!!“ schrie er. „Dreh dich um, ich komm mir vor wie aufm Polterabend!“ Gehorsam folgte Ebony dem Befehl.
Martin stupste sie an der Schulter an „Du musst nicht alles glauben, was die Pfeife hinter uns sagt“ flüsterte er.
Die Stunde ging für Ebonys Geschmack zu schnell rum. Aber schließlich wollte sie die Pause nun doch nicht verpassen. Martin hatte ihr angeboten sie ein bißchen rumzuführen, und ihr alles zu zeigen. Da sie noch keinen kannte und ihre Schwestern sich in einem komplett anderem Gebäude aufhielten willigte sie ein.
Zuerst zeigte er ihr die Cafeteria und einige Leute, die sich dort immer aufhielten, wurden ihr vorgestellt. Sie gab sich nicht viel Mühe sich die Namen zu merken, denn sie würde sie spätestens in einer halben Stunde wieder vergessen haben.
Dann gab es noch eine Bücherei, einen Zak- Raum und den üblichen Schulkrams wie der Pausenhof.
Martin hatte ihr erklärt, dass die Schüler sich gerne im Zak- Raum aufhielten, wenn sie länger in der Schule bleiben mussten. Und für Ebony und Martin war heute so ein Tag.
Also gingen sie direkt nach den sechs Schulstunden in diesen Raum. An der Wand war ein Bild gesprayt und an der Wand stand eine große Coutsch. In der Mitte standen ähnlich wie in der Cafeteria ein paar Tische mit Stühlen. In dem Raum gab es noch vier Pc`s die alle besetzt waren. Ebony stellte sich mit Martin an eine große Bar und bestellte sich ein Glas Cola.
„Ich weiß nicht wie du es hier aushältst“ meinte sie nach einer Weile etwas nachdenklich „Ich meine, hier ist es tot langweilig, es passiert genau null!“
„Och, da wäre ich mir nicht so sicher. Du musst dir nur die richtige Stelle suchen, da wird gedealt was das Zeug hält!“
Ebony hätte sich vor Überraschung fast verschluckt.
„Jetzt echt?“ fragte sie interessiert. Martin verstand ihr Interesse daran nicht, daher nickte er nur wortlos.
„Und wo?“ harkte sie nach.
„Keine Ahnung... ich nehme keine Drogen!“
„Denkst du ich?!“ wie um es zu beweisen, widmete sie ihre volle Aufmerksamkeit auf ihr Glas Cola.
Plötzlich ertönte laute Musik im Raum, so laut, das es die andere Musik übertönte, die im Radio lief. Ebony sah in die Richtung, aus der die Musik kam. Kein Wunder, Desmond war gekommen, mit einer ganzen Schar Menschen um sich versammelt, trug er einen CD- Player auf der Schulter.
„Ach hallo Ebony!!“ schrie Desmond ihr zu „Na? Bereit für ne Abreibung?“
Ebony schaute ihn mit hochgezogener Augenbraue an. Dieser Depp wollte ihr eine Abreibung verpassen?? Lächerlich.
„So, du glaubst mir wohl nicht?!“ meinte Desmond und schaltete seine Musik aus.
Ebony schüttelte ihren Kopf. „Ganz und gar nicht! Ich denke nicht das du so kühn bist und Frauen schlägst.“
Sie hatte ihn überlistet und das wusste er. Er schien sich zwar häufiger zu prügeln, aber normalerweise nicht mit Mädchen.
„Vielleicht will ich dir auch gar nichts tun. Ich könnte dich ja auch einfach erpressen.“
Ebony war nun etwas genervt, sie wusste auch nicht warum sie ihre Zeit hier verschwendete. Aber vielleicht konnte es ja noch spannender werden.
Das dachten auch die anderen, Martin stand unmittelbar neben ihr und die anderen im Kreis um Desmond und Ebony herum.
„Sprich!“ befahl sie ihm ruhig. Er fing an zu lächeln.
„Ebony, du weißt anscheinend nicht wen du vor dir hast, ich habe viele möglichkeiten. Ich kann dir das Leben zur Hölle machen. Verstehst du?! Also du hast die Wahl: Entweder du gehst mit mir aus, oder ich werde dafür sorgen, das du nie mehr glücklich wirst.“
Alle warteten gespant auf Ebonys Reaktion. Doch sie blieb völlig ruhig. Innerlich tobte es in ihr. Sie glaubte ihm das er dazu fähig war, aber andererseits, wusste sie auch das sie gegen ihn ankommen würde. Nur er hatte soviel Macht und das wiederum reizte sie. Nur sie würde auch sehr viel Macht bekommen, wenn sie sich gegen ihn durchsetzte. Das letztere siegte.
„Eine sehr komplizierte Wahl“ meinte sie etwas nachdenklich „aber wenn ich es mir recht überlege... es ist mir völlig wurscht was du machst! Ich werde niemals mit dir ausgeben und ich möchte gerne erfahren wie du mir das Leben zur Hölle machen möchtest“
Martins Augen waren vor Schreck weit aufgerissen. Sie war wohl lebensmüde. Er selbst hatte sich schon immer gegen Desmond wären müssen und es war die Hölle gewesen. Wie gerne würde Martin Ebony das ins Gesicht sagen. Aber es standen zu viel um sie herum, das war unmöglich ohne sich zum Weichei zu machen. Obwohl sich keiner traute das zu tun was Ebony gerade tat.
Auch Desmond konnte zu erst nicht fassen was er hörte. Ebony war das einzigste Mädchen, das ihm eine Abfuhr erteilte. Das würde sie büßen müssen.
„Nagut, für dieses Mal hast du gewonnen, aber merk dir: Ich werde dich fertig machen! Du hast noch bis morgen früh Zeit es dir anders zu überlegen. Und genau das würde ich dir raten!“ Mit diesen Worten machte Desmond sich samt Kumpels davon. Ebony lachte. Sie war die einzigste die sich darüber amüsierte, alle anderen wagten es nicht irgendwas zu sagen, vielleicht könnte Desmond sie ja hören.
„Mein Gott...“ unterbrach Martin sie „...du bist ja verrückt!!“ Ebony grinste nur. „Wer nicht verrückt ist, der ist nicht normal. Und einer muss diesem Holzklotz doch mal Manieren beibringen!"
Der Rest des Unterrichts war langweilig und Desmond wich Ebony aus. Sie bekam keinerlei Notiz von ihm, obwohl sie gerade damit gerechnet hatte. Wahrscheinlich würde er sich noch nicht einmal rächen, dazu war er zu Feige.
Ebony hatte am Abend mitbekommen, dass ihr Haus direckt gegenüber von dem Martins` lag. Nun saß sie in ihrem Zimmer und schrieb in ihr Tagebuch, auch wenn sie der Meinung ist, das dies nur ein Notizblock ist.

23.05.02

Meine Güte, ich habe den Umzug tatsächlich überlebt! Ich dachte ich würde sterben... all meine Freunde habe ich auf einen Schlag verloren. Ich werde sie wahrscheinlich nur noch telefonisch erreichen, und irgendwann geht auch das zu Ende.
Aber ich nehms positiv! In meiner neuen Schule sind ganz nette Leute, nur ich habe direckt am anfang der Stunde Stress mit einem Typen gehabt. Er sagt er will mir das Leben schwer machen. Das ich nicht lache, dass soll er erst mal versuchen, der Idiot.
Ich sitze neben einem Kerl namens Martin. Ich denke der ist in Ordnung. Auf jedenfall kann er mich gut leiden. Ständig warnt er mich vor Desmond und wie schlimm der doch ist.... keine Wirkung! Ich hab doch keine Angst vor so nem Weichei! Ich hoffe ich überheb das nicht ein bißchen.
Vielleicht rächt er sich ja doch. Nur dafür muss er mich besser kennenlernen. Er weiß ja nicht meine Schwächen und ich schätze die brauch er schon!
Mal sehen, wie es morgen wird. Viel passieren kann ja nicht.

Hasta luego

Ebony.

Müde schlug sie das Buch zu und trottete ins Bad. Sie zog sich hier Nachthemd über und nach dem Zähneputzen ließ sie sich ins Bett fallen.
Trotz dunkelster Nacht konnte sie nicht einschlafen. Der Tag war ziemlich anstrengend gewesen, aber irgendetwas störte sie. Sie war sich sicher, dass es nicht Desmond war. Mit dieser unruhe schlief sie morgens um drei endlich ein.
Am nächsten Morgen stand Ebony etwas später als üblich auf. Sie hatte keine rechte Lust in die Schule zu gehen. Anfangs hatte ihr die Streitereien mit Desmond noch Spaß gemacht, aber jetzt wurde es langsam langweilig.
Sie kam trotzdem rechtzeitig zum Unterrichtsgong in der Klasse an. Martin saß schon etwas länger an seinem Platz und war am Hausaufgaben abschreiben.
„Hey Püppi,“ hörte Ebony Desmond auf sich zu gehen. „Na? Hast du es dir noch mal überlegt?“
„Meine Antwort ist Nein!“ ohne weiter auf ihn zu achten, packte sie ihre Sachen aus und begann sich auf den Unterricht vorzubereiten, was sonst nicht ihre Art war. Doch Desmond ließ nicht locker und sie spürte, wie seine Hand langsam auf ihrem Arm auf und ab strich.
„Das ist schade..“ flüsterte er, ganz nah an ihrem Ohr, so dass sie eine Gänsehaut bekam.
Entnervt drehte sie sich zu ihm um.
„Desmond, jeder Teil deines Körpers, der mir auch nur annähernd als zu nah erscheint, landet auf der Müllkippe!“
Martin fing neben ihr an zu kichern und Desmond wich instinktiv ein Stück zurück.
„Wie lange hast du gebraucht um dir diesen Spruch auszudenken?“ fragte er um ihr widerstand zu leisten.
„Bitte, soll ich den Wagenheber holen?“ antwortete sie kühl ohne ihn anzusehen und Martin konnte sich vor lachen kaum noch aufrecht halten. Auch die anderen Klassenkameraden grinsten still vor sich hin.
Desmond ließ sich davon nicht beeindrucken und er fand die Szene alles andere als witzig.
„So, du hältst dich wohl für besonders lustig. Aber ich warne dich zum letzten Mal: tu lieber was ich dir sage!“
„Ansonsten?“
Desmond hatte keine Zeit mehr zu antworten, da ihr Musiklehrer gerade hereinkam.
Zu Ebonys Glück hatte Desmond sich während der ersten beiden Stunden ziemlich ruhig verhalten. In der Pause verabschiedete sich Martin kurz für fünf Minuten um auf Toilette zu gehen. Doch als er wiederkam, verschlechterte sich Ebonys Laune.
Martin hatte plötzlich ein blaues Auge und ziemlich viele Kratzer im Gesicht und auch sonst sah er nicht besonders fit aus.
„Was ist passiert?“ besorgt kam Ebony auf ihn zu und besah sich Martins Wunden.
„Eine kleine Meinungsverschiedenheit, zwischen mir und Desmon. Nicht weiter schlimm...“ antwortete er kurz. Ebony war kurz davor durchzudrehen.
„Nicht weiter schlimm?!“ ächzte sie „Na warte, dem wird ich es heimzahlen!!“ Ohne das Martin sie aufhalten konnte marschierte sie blind vor Wut in die Jungen- Toilette. Und tatsächlich, da stand Desmond. Unversehrt und überglücklich grinste er sie an...
Martin stand am Türrahmen der Toilette und schaute beunruhigt zu, wie Ebony Desmond am Hals packte und ihn an die Wand drückte.
Und das alles wegen mir, denkt Martin, nur wegen mir gibt es ärger. Hätte ich doch nur nichts gesagt.
Doch Martin wusste das es ihm nicht weiterhelfen würde sich Vorwürfe zu machen. Es war nun mal passiert. Da kam ihm eine Idee. Martin selbst hätte niemals den Mut dazu gehabt diesen Streit zu schlichten, aber er kannte jemanden der das auf jedenfall konnte. Genau den würde er jetzt auch rufen. Mit diesem neuen Gedanken rannte er los.
******
Ebony stand Desmond gegenüber und hielt ihn an die Wand gedrückt. Sie konnte ihre Wut nicht mehr zurückhalten.
„Du meinst also du kommst gegen mich an?“ keuchte Desmond und Ebony lächelte ihm zustimmend zu.
„Meinst du echt, ich geb mich vor einem Weib wie dir geschlagen?“ mit diesen Worten verpasste er Ebony einen Hieb in den Bauch, der sie zurück taumeln ließ.
Jetzt reichte es. Blind vor Wut ging sie auf ihn los.
Keiner unternahm etwas, niemand griff ein. Alle standen sie nur um die beiden herum und schauten zu.
Ebony schleuderte Desmond Kon-Fu mäßig auf den Rücken und drückte ihn mit ihrem Gewicht nach unten. Desmond hatte keine Möglichkeit sich aus diesem Griff zu befreien, er hatte dazu nicht genug Kraft.
„Warum hast du ihn verschlagen?“ schrie sie Desmond wütend an.
„Weil er ein Niemand ist, er hat es verdient!“ keuchte Desmond.
Ebony gab ihm eine Ohrfeige, die ihm Nasenbluten verschaffte.
*******
Unschlüssig stand Martin auf dem Schulhof und schaute sich um. Keine Spur von ihm.
Das durfte einfach nicht wahr sein. Wo steckte er bloß? Konnte er nicht ein laute Kuhglocke um den Hals tragen, damit man ihn leichter finden konnte?!
Es hatte keinen Sinn, auf dem Schulhof war er nicht. Dann konnte es nur noch die Cafeteria sein. Martin hatte keine Zeit zu verlieren.
In der Cafeterie entdeckte er ihn sofort. Er stand an der Theke und kaute auf einer Lauchschnecke. Jetzt konnte einfach nichts mehr schief gehen, beruhigte Martin sich.
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Desmond hatte es inzwischen geschafft sich aus ihrem Griff zu befreien und schlug ohne auf sie zu achten, auf sie ein. Sie hatte ihn schließlich so wütend gemacht, jetzt musste sie dafür bezahlen.
Ebony nahm ihre ganze Kraft zusammen und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Von ihren Wunden am Körper und dem Schmerz in ihr nahm sie keinerlei Notiz. Sie hatte nur noch ihre Wut im Kopf und die Würde er jetzt zu spüren kriegen.
Ebony schlug weiter feste auf ihn ein und Desmond versuchte sie mit seinen Füßen vom Leib zu halten. Da kam Ebony ein Einfall, sie drehte sich herum und wollte Desmond gerade mit ihren hochhackigen Stiefeln treten , als sie eine laute Stimme hörte.
„Ebony! Hör auf, es reicht!!“ schrie der Typ, der sie am Arm festhielt. Erschrocken drehte sie sich zu der Person um. Es war Bray, Martins älterer Bruder, sie hatte ihn nur flüchtig kennen gelernt. Leicht beleidigt ließ sie von Desmond ab und stand auf.
„Möchtest du direkt schon wieder von der Schule fliegen?“ fragte Bray unwirsch. Ebony sah ihn überrascht an. Sie hatte keinem was davon erzählt, also konnte er es auch gar nicht wissen.
„Was?“ fragte sie ihn „Woher willst du wissen...“
„Ich habe mich etwas mit deiner Schwester Siva unterhalten.“ unterbrach Bray sie und zog Ebony mit sich aus der Jungen Toilette. Martin stackste mit langsamen Schritten hinter her. Jetzt wo die Prügelei rum war, kümmerte sich keiner mehr um Desmond oder Ebony. Desmond war ziemlich sauer und stänkerte sofort mit seinen Kumpanen rum. Martin fand das ziemlich witzig. >der große Desmond, geschlagen von einem Mädchen<, sah er schon die Schlagzeilen der Schülerzeitung vor sich.
********
Ebony saß alleine mit Martin im Arztzimmer und ließ sich von ihm die Wunden verarzten.
Keiner von beiden sagte ein Wort. Sie hatten die Erlaubnis vom Lehrer bekommen sich hier her zurück zu ziehen. Aber so recht wohl war Ebony doch nicht.
„Sag mal.“ unterbrach Martin die Stille „Bist du echt von der Schule geflogen?“
Na prima, dachte Ebony, nur weil Siva ihr blödes Maul nicht halten konnte, gingen jetzt Gerüchte über sie in der Schule herum. Mit ihr hatte sie heute Abend noch ein Hühnchen zu rupfen. Sie hatte ihr damals versprochen, kein Wort über die Sache zu verlieren.
„Ja bin ich.“ antwortete Ebony kurz angebunden. Matin bemerkte das Ebony nicht gerne darüber redete, aber er würde nicht locker lassen, ehe sie nicht alles erzählt hatte.
„Darf ich fragen aus welchem Grund?“
„Nein darfst du nicht.“ Mit diesem bissigen Ton verließ sie das Arztzimmer und ging zurück in die Klasse. Sie wusste das sie Martin nicht ewig entkommen konnte, aber fürs erste hatte sie genug Zeit nachzudenken, wie sie das erklären sollte.
******
Ebony saß spät am Abend wieder in ihrem Zimmer und schrieb in ihr Gedankenbuch.

20-01-

Ich hätte diese miese Ratte beinahe erledigt, es hätte nur noch einen Moment gedauert... aber nein! Bray muss mir ja schließlich immer ins Handwerk pfuschen. Und dann schreit er noch aus vollem Hals herum, dass ich von meiner alten Schule geflogen bin...
So ein Idiot! Ich bin nur von deppen umgeben.
Siva hat es Bray verraten, obwohl sie mir feste versprochen hat, es niemandem zu erzählen. Ich wollte alles hinter mir lassen. Keiner soll jemals erfahren, was auf den Seiten vorher geschehen ist, KEINER! Ich will doch nur ein ganz neues Leben anfangen!
Ebony
Am nächsten Morgen, war schon Samstag und Ebony wachte erst um zwölf Uhr morgens aus einem erholsamen Schlaf auf. Gähnend setzte sie saß sie im Bett. Heute würde sie mit Siva das Hühnchen rupfen, soviel stand fest. So leicht würde sie sich nicht rausreden können. Doch ihre Vorfreude zerplatzte schier als Java überraschend in Ebonys Zimmer kam um sie zu wecken.
„Oh du bist schon wach!“ rief sie erstaunt, ging zum Rolladen und zog ihn hoch. „Sieh nur was für schönes Wetter wir haben“
Ebony sah flüchtig aus dem Fenster und antwortete nur mit einem desinteressiertem „mmmh“
„Du sag mal,“ meinte Ebony plötzlich. „Ist Siva schon wach?“
Java zog eine Augenbraue hoch und sah sie perplex an.
„Die ist auf Abschlussfahrt, ihrer alten Klasse.... das weißt du doch. Sie ist schon seit fünf uhr weg!“
Ebony fiel aus allen Wolken. Nun müsste sie wahrscheinlich noch ne Woche warten, bis sie sich mit Siva unter vier Augen unterhalten konnte. Java bemerkte den erschrockenen Blick ihrer jüngeren Schwester sofort und setzte sich neben sie aufs Bett.
„Was ist?“ fragte Java sanft und legte ihre Hand auf Ebonys Schulter. Ebony fand das Java die Leute perfekt aufmuntern konnte, mit ihr konnte sie über alles sprechen. Java hätte alles unternommen um ihr Problem entweder zu lösen oder ihr neuen Mut zu machen. Sie hatte sie Gab zuzuhören, egal ob es sie interessierte oder nicht und schon das allein konnte bei Problemen helfen. Ebony beneidete sie darum.
Trotzdem überlegte sie noch ob sie Java einweihen sollte. Gestern nach der Schule hatte Ebony erzählt, dass ihre Wunden von einem Sturz kamen, weil sie nicht wollte das man wieder mit Geschichten von früher anfing. Sie lebte im Jetzt und Hier und die Vergangenheit war rum. Was zählte war das momentane, selbst die Zukunft interessierte Ebony nicht. Sie entschied sich ihrer Schwester doch alles zu beichten.
Ebony fing an zu erzählen, von dem erstem Schultag, von Desmond und alles was passiert war. Java hörte ihr Schweigend zu. Sie brachte keine Einwürfe entgegen und unterbrach Ebony nicht ein einziges Mal.
Als Ebony geendet hatte schaute Siva sie rätselhaft an.
„Und du meinst echt, Siva hat es erzählt?“ fragte Java etwas ratlos und schüttelte den Kopf. Ebony nickte eifrig.
„Das ist in der Tat, etwas seltsam. Normalerweise hält sie ihr wort. Ich bin sicher das sie einen Grund dafür hat.“
Ebony stand auf und zog ihr Nachthemd aus. „Trotzdem, auch wenn es einen Grund gab, ich will nicht das jemand das rumerzählt!!“ meinte sie und schlurfte zum Kleiderschrank.
Siva dachte nach.
„Naja ich denke,“ schloss sie „, wir müssen abwarten bis sie wieder kommt. Es hilft alles nichts!“
Ebony zuckte mit den Schultern. Das war alles sehr betrüblich.
So etwa gegen Mittag traf Ebony sich mit Java, Bray und Martin im Eis Cafè.
Bray war anscheinend bester Laune, er schien vom Vortag gar nichts mehr zu wissen. Martin beschwerte sich zwar andauernd darüber, dass Bray sein Grinsen von hier bis nach China einstellen sollte, aber selbst das verwarf seine Laune nicht. Martin war nicht so überglücklich wie Bray, er kam Ebony eher etwas genervt vor. Warum konnte sie sich nicht erklären.
„Wisst ihr, „ meinte Java, als sich alle auf einer Bank niedergelassen hatten. „Ich hätte richtig Lust Schlittschuh zu fahren!“
Ebony grinste „Ich glaube nicht das es hier so ist wie bei uns damals, dass die Eishalle unmittelbar gegenüber ist.“
Java zuckte mit den Schultern und nun mischte Bray sich ein.
„Hier in der Nähe ist ne Halle. Zwar müssten wir mim Fahrrad fahren, aber wenigstens etwas.“
Java war begeistert. „Wer hat Lust?“
„Wenn es denn sein muss“ murmelte Martin lustlos. Ebony nickte ihr zu und so ging jeder von ihnen Schlittschuhe und Fahrrad holen.
Die hinfahrt verlief relativ schweigsam. Ebony und Java schauten sich die Gegend an und Bray zeigte den Weg an. Martin trottete langsam mit seinem Fahrrad den anderen hinter her.
*********
Ebony war eine richtige Eiskunstläuferin, jedenfalls im Gegensatz zu Martin. In seinem ganzen Leben war er gerade mal dreimal auf dem Eis. So bewegte er sich etwas unbeholfen auf der glatten Fläche und hielt sich an Java fest, die ihm geduldig Tipps gab.
Nach ein paar Minuten hatte Martin den Dreh so halbwegs raus, Ebony kam von hinten auf ihn zu, packte ihn an den Hüften und rutschte mit rasender Geschwindigkeit übers Eis.
„Aaaaaaaaaaaaaaaahhh“ kreischte Martin vor Schreck und Ebony lachte.
„Ich lass dich jetzt los okay?“ rief sie ihm zu.
Martin war entsetzt, sobald sie ihn mit diesem Tempo alleine lassen würde, würde er mit dem nächstbesten kollidieren, oder schlimmer noch.
„Nein!!!“
„Du bist ein langweiler.“ grinste Ebony und fuhr weiter mit ihm über die Strecke. Sie dachte nicht daran langsamer zu fahren, Martin konnte ruhig auch mal einen kleinen Schrecken bekommen.
„Pass auf!!“ schrie er und Ebony erkannte zu spät, das immer näher kommende Geländer.
„scheiße....“ sie wollte ausweichen, aber es gelang ihr nicht, Martin noch mit rumzureißen. Sie ließ ihn los und er steuerte mit halsbrecherigem Tempo auf das Geländer zu.
„Martin!“ schrie Ebony entsetzt.
Martin knallte gegen das Geländer und der Aufprall war so wuchtig, das er wieder zurück aufs Eis geschleudert wurde und benommen in der Mitte liegen blieb.
Java und Bray hatten das Schauspiel beobachtet und fuhren genau wie Ebony rüber zu Martin.
Ebony kniete sich über ihn und hob seinen Kopf hoch. „Martin,“ flüsterte sie, „ist dir was passiert?!“
Alle standen um Martin und Ebony rum und warteten darauf, dass martin sich rührte.
Martin schüttelte seinen Kopf und stützte sich mit den Händen auf.
„Ist ja irre! Wer hat bock auf ne zweite Runde?“ fragte er lachend in die Halle. Die meisten starrten ihn entsetzt an und es herschte stummes denken. Bis Bray die Ruhe mit einem lauten lachen unterbrach und alle langsam mit einstimmten.
„Du bist ein Idiot“ rief Ebony mit einem grinsen im Gesicht und half ihm auf die Beine „Ich hatte mir ernsthaft sorgen um dich gemacht, aber das ist dir ja gott sei dank egal!!“
Martin schlitterte im langsamen Tempo neben ihr über das eis und klopfte ihr auf die schulter.
„Ich hatte nie behauptet mir sei etwas passiert!“
„Aber es hat so ausgesehen! Versprich mir das du so was nie wieder machst!“ verlangte sie ruhig. Martin nickte nur stumm als antwort. Das Thema war für ihn abgeharkt.
******
Der Rest des Tages verlief ohne weitere Komplikationen, schon beinahe etwas langweilig für Ebony, inzwischen war sie gewohnt, das immer etwas um sie herum passierte.
Abends war Ebony mit Bray noch etwas spazieren. Sie hatten sich dazu verabredet, da beide etwas Pause vor der Familie brauchten. An einem Spielplatz machten sie Rast und setzten sich auf die Schaukel. Ebony fand das man von dort aus einen guten Blick auf den Sonnenuntergang hatte, nicht so wie in dem Ort, wo sie früher gelebt hatte.
„Was denkst du von Martin?“ meinte Bray nach einer Weile.
Ebony dachte kurz nach und scharrte mit den Füßen den Sand hin und her.
„Er ist ein ganz netter Kerl, nicht so wie die anderen.“ Diese Antwort war kurz und wahrheitsgetreu.
„Liebst du ihn?“ fragte Bray weiter.
Ebony schüttelte sofort den Kopf.
„Nein! Wie kommst du darauf?“ sie bemerkte das ihre Stimme etwas erschreckend klang, also setzte sie noch hinzu. „ Ich hab ihn ganz gerne, aber mehr auch nicht... wieso willst du das eigentlich wissen?“
„Na ja, ihr habt ein sehr gutes Verhältnis. Da fragt man sich so was schon mal!“ Bray grinste ins fast dunkle hinein.
„ Es war nett von ihm, wie er mich in der schule unterstützt hat. ich meine mit Desmond und so...“ meinte Ebony nach einer kleinen schweige minute.
Bray nickte nur stumm und stand von der Schaukel auf. Ebony sah ihn an.
„Es wird langsam kalt, gehen wir?“
Ebony schüttelte den Kopf.
„Mir ist nicht kalt! Geh ruhig, ich möchte noch etwas bleiben.“ Damit gab sich Bray zufrieden, er verabschiedete sich und machte sich auf den Weg.
Ebony gefiel die plötzliche Stille in ihrer Umgebung. Jetzt konnte sie endlich einmal ganz ungestört über sich und die Welt nachdenken. Doch die Ruhe hielt nicht lange an, knapp hinter ihr hörte sie eine ihr sehr bekannte Stimme.
„Was machst du denn so spät noch hier?“
Ebony drehte sich um und erblickte das Gesicht von Desmond. Das war ja wohl klar, jetzt musste er wieder ärger machen.
Doch das wollte Desmond ausnahmsweise mal nicht. Freundlich lächelte er ihr zu und setzte sich neben ihr auf die Schaukel.
„Hör zu,“ meinte er leise „Das von neulich tut mir leid. Ehrlich, es hatte mich nur so in Rage gebracht“
Ebony sah weg.
Sollte das jetzt etwa ne Entschuldigung sein, oder einfach nur verarsche? Ebony wollte nur noch von hier weg. Diese Art von unterhaltung mit einem Feind mochte sie überhaupt nicht.
Aber wenn sie jetzt abhauen würde, würde sie ewig als Feigling dastehen. Wenn doch nur Bray noch da wäre, dann hätte sich Desmond gar nicht erst hergetraut. Jammern half jetzt auch nichts mehr. Es war zu spät sich jetzt noch Vorwürfe zu machen. Ebony musste da jetzt durch, sie hatte schließlich schon weit schlimmeres ausgehalten!
„Du bist eigentlich ein ganz nettes Mädchen... das heißt, wenn du nicht so stur wärest!“ Desmond grinste ihr zu und Ebony zog wortlos eine Augenbraue hoch.
„Ich seh schon, du willst keine Entschuldigung hören. Aber trotzdem möchte ich, dass du weisst das es mir leid tut!“ Desmond sagte nun auch nichts mehr, wenn sie nichts sagen würde, dann würde er das auch nicht tun.
Minutenlang schwiegen sie sich gegenseitig an. Bis Ebony die Stille unterbrach.
„Bist du nur deshalb hier?“
Desmond schüttelte den Kopf und Ebony konnte noch seine schwarzen Haare in der Dunkelheit fliegen sehen.
„Ich dachte mir, dass wir uns mal aussprechen sollten. Ich denke wir haben ein falsches Bild voneinander.“ Das klang vernünftig. Etwas zu Vernünftig für Desmond.
Wieder herrschte schweigen. Ebony wollte nicht weiter nach harken. Ihr Misstrauen würde sie vorerst für sich behalten.
Desmond legte sich in die Wiese und schaute in den Sternenhimmel.
„So ein klarer Himmel...“ murmelte er vor sich hin. Ebony nickte, obwohl sie wusste das Desmond das nicht sah.
„Komm her, ich zeig dir was“ meinte er plötzlich. Widerwillig stand Ebony auf und legte sich neben ihn.
„Das dort ist das Sternbild Löwe... siehst du es?“
„Ja... wow ist das irre...“ Ebony war verblüfft. Sie hatte die Sterne noch nie als ein Bild betrachtet. Aber jetzt konnte sie deutlich den Löwen erkennen.
„Und was ist das dort?“ fragte sie ihn und deutete zum Himmel. Desmond stützte sich auf und sah in die Richtung, in die sie deutete.
„Das meine Liebe ist der Planet der Liebe.“ meinte er grinsend und küsste sie...
Ebony wachte noch vor ihrem Wecker am Morgen auf. Sie war die halbe Nacht wach gewesen und hatte nachgedacht. Sie konnte sich nicht erklären wie sie dazu kam Desmond zu küssen. Der Gedanke daran war absolut widerwärtig und wenn Martin dass erfahren würde, wäre die Hölle los. Nur leider konnte sie sich nicht selber belügen, denn andererseits fand sie es eigentlich ganz schön. Sie wusste noch gar nicht wie sie sich in Zukunft Desmond gegenüber verhalten sollte. Na ja irgendwie würde sie es schon meistern und mit diesem Beschluss stellte sie sich unter die Dusche.
Die Schule begann wie gewöhnlich. Ebony saß neben Martin und sie hatten Mathe. Nur Desmond war noch nicht da. Fast hoffte Ebony schon das er krank wäre, aber das war falsch. Fünf Minuten später öffnete sich die Tür und Desmond trat ein.
„Sorry ich hab verpennt!“ rief er fröhlich, ging an seinen Platz und warf Ebony im vorbeigehen eine lächelnden Blick zu. Ebony drehte sich schnell weg und tat so als hätte sie nichts bemerkt. Aber Martin hatte es dafür bemerkt.
„Was sollte das denn jetzt?“ flüsterte er ihr ins Ohr.
Ebony zuckte erschrocken mit den Schultern. „Keine Ahnung“ flüsterte sie zurück.
Das ging den ganzen Schultag über so. Ebony hatte sich dazu entschlossen Martin nichts davon zu sagen und so musste sie sich ständig neue Ausreden einfallen lassen.
Desmond hingegen ließ sich einfach nicht abwimmeln, in der Pause hing er ständig in ihrer nähe.
Martin wusste schon gar nicht mehr was er glauben sollte. Das war alles ziemlich merkwürdig für ihn.
Bis jetzt hatte Martin den Eindruck, das Ebony ein sehr direkter Mensch ist. Doch jetzt kamen ihm plötzlich Zweifel bei dieser Vermutung auf. Irgendwas verschwieg sie ihm und es würde nicht mehr lange dauern und sie musste es ihm sagen.
Auf dem Weg nach Hause, hatte Desmond sich wieder an Ebonys Fersen geheftet.
„Hey Süße, hab ich dir nicht gesagt das ich dich noch rumkriege?“ höhnte er mit sich selbst zufrieden.
„Ich weiß nicht wovon du sprichst“ antwortete sie genervt.
„Willst du denn jetzt mit mir ausgehen? War doch klar das du mir nicht widerstehen kannst!“
Ebony platzte der Kragen. „Es reicht“ sie drehte sich um und fiel Desmond an den Hals.
„Hältst du mich etwa für ein billiges Flittchen?! Ich mach`s doch nicht mit jedem, du hirnloser Idiot! Ich werde niemals mit dir Ausgehen!!! Kapier das endlich!“ Wütend ließ Ebony ihn los und drehte sich wieder zu Martin. „komm wir gehen!“
Desmond brauchte einige Zeit um sich wieder zu fangen.
„Du kannst nicht leugnen was passiert ist, irgendwann wirst du noch bei mir angekrochen kommen!“ schrie er ihr hinter her.
Später als Desmond außer hörweite war taute auch Martin wieder auf, jetzt war der richtige Moment!

„Okay Ebony, was soll das?“ Martin blieb stehen und musterte sie ernst. Ebony ließ sich nichts von ihrer Ungewissheit anmerken.
„Was soll was?“ fragte sie mit gespielter Verwirrtheit. Martin hat also doch etwas bemerkt, dachte Ebony im selben Moment. Aber das war ja auch kein Wunder, schließlich war alles zu offensichtlich.
„Spiel nicht die dumme, du weißt genau was ich meine! Ich lasse mich nicht länger belügen!“ Martin war kurz davor durchzudrehen, Ebony musste es ihm wohl oder übel sagen, aber nicht jetzt! Jetzt war sie dafür nicht vorbereitet und jetzt hatte sie auch keinen Nerv dazu.
„Ich erkläre es dir Martin. Aber heute Mittag, okay?“
Martin zuckte seufzend mit den Schultern und ging weiter. „Na gut, dann eben heute Mittag“
Ebony war froh darüber noch etwas mehr zeit zu haben, jetzt musste die Sache erst mal vergessen werden. Schlechte Laune brauchte sie jetzt ganz und gar nicht.
„Komm wir gehen Eis essen!“ meinte Ebony plötzlich „Ich lad dich auch ein“
Martin stimmte zu, er wollte das ganze auch erst mal verdauen. Außerdem schmeckte ein Eis sowieso viel besser, wenn man es nicht selbst bezahlen musste.
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An der Eisdiele trafen die beiden auf Java und Bray, die beide wohl die gleiche Idee gehabt hatten.
Zu viert wurde es bestimmt viel lustiger.
Java erzählte die ganze Zeit von einem neuen Lehrer, den sie in Mathe bekommen hatte und Bray unterbrach sie mit Geschichten aus seiner und Martins Kindheit.
Alles in allem hatten sie sich ziemlich verquatscht. Sie hätten alle schon längst zu Hause am Mittagstisch sitzen müssen, aber keiner hatte Lust sich von der Gruppe zu trennen.
Plötzlich viel Java etwas ein.
„Ach ja Ebony, hier den Brief soll ich dir von einem aus unserer schule geben!“ meinte sie und hielt Ebony einen weißen Briefumschlag entgegen.
„Wozu?“ fragte Ebony verwirrt.
„Keine Ahnung. Mach auf dann siehst du es“ Java zuckte nur mit den Schultern.
Bray grinste geheimnisvoll.
„Wohl ein Liebesbrief!“
Ebony starrte ihn erschrocken an.
„Waaas?!! Meinst du echt?!“
„Na warum auch nicht. Ist doch was alltägliches!“
Ebony war ziemlich verwirrt. Sie hatte einen Ekel gegen Liebesbriefe. Mit so was wollte sie nie in Kontakt kommen. Angewidert sah sie den Brief an.
„Wenn das wirklich ein Liebesbrief ist, dann will ich ihn nicht!“ rief sie empört und drückte den Brief Java in die Hand.
Java sah sie an. „Hast du angst davor?“
"Ach quatsch“ Ebony machte eine lässige Handbewegung, so als wollte sie eine Fliege verscheuchen. „Ich hab doch keine Angst vor einem blöden Brief!“
Martin sah abfällig in die Runde „Dann kannst du ihn ja auch aufmachen!“ Ebony`s Wangen röteten sich etwas und sie scharrte unruhig mit dem Fuß auf dem Boden.
„Ich les ihn heute Abend“ meinte sie etwas kleinlaut, nahm Java den Brief ab und steckte ihn in die Jackentasche. Java schüttelte den Kopf, sie wusste genau was Ebony vor hatte. Das hatte sie schon so oft erlebt, aber diesmal nicht. Irgendwann musste Ebony es doch wohl mal einsehen, sie konnte ja nicht ewig weglaufen.
„Du wirst ihn dann heute Abend wegschmeißen, wie immer! Mach ihn doch einfach auf, danach kannst du ihn immer noch wegschmeißen!“ Ebony fühlte sich ertappt, irgendetwas musste sie sich einfallen lassen... Aber einen Liebesbrief lesen? So was kam für Ebony nicht in Frage.
„Hier“ Ebony warf Java den Brief zu „Les du ihn und sag mir was drin steht!“
Java drehte den Brief unschlüssig in der Hand um. „Soll ich echt...“
„Na mach schon!“ schimpfte Ebony unruhig und sah weg als sie bemerkte das Java den Brief anfing zu öffnen.
Das rascheln des Papieres verriet Ebony, dass der Brief bereits ausgepackt war und Java ihn las.
„Hmm“ machte Java „Da steht gar nicht viel...“
Alle außer Ebony beugten sich neugierig über Javas Schulter um einen Blick zu erhaschen.
„Dann les vor“ grummelte Ebony.
Java nickte, obwohl sie wusste das Ebony es eh nicht sehen konnte.
„Hallo Sweet,“ begann Java zu lesen „Ich finde dich richtig süß... mehr steht da nicht, kein Absender und auch sonst nichts“
Ebony zuckte mit den Schultern, ihr war es völlig egal was in dem Brief stand. Jedenfalls tat sie so. Innerlich fühlte sie sich doch etwas geschmeichelt.
„Schmeiß ihn weg und lass uns eis essen gehen!“ Ebony wartete gar nicht erst ab sondern ging schon vor in Richtung Eisdiele.
Martin lief ihr sofort hinter her, nur Bray trödelte hinten noch mit Java rum. Das war auch ganz gut, so konnten Ebony und Martin wenigstens in Ruhe reden.
„Du hast doch Angst“ meinte er kurz und sachlich.
„Woher willst du das denn wissen?“ fauchte sie ihn übergangslos an. Der Brief war für sie Geschichte, es interessierten sie einfach keine Liebesbriefe. Dafür war sie nicht geschaffen, sollten sich doch andere mit so einem Müll rumärgern!
Es war ein warmer Sommertag im Juli. Ebony war froh als sie die schule verließ, denn jetzt waren endlich Sommerferien. Seit sie diesen Liebesbrief bekommen hatte war ne Menge Zeit vergangen.
Siva war wieder zurück und es hatte sich rausgestellt das Siva es Bray gesagt hatte um etwas aufmerksamkeit zu bekommen. Auch wenn sie diese Aufmerksamkeit nur durch Ebonys Fehler erhalten hatte, war sie zufrieden. Ebony hatte ihr vergeben. Sie wusste das Verliebte alles tun würden um ihren Geliebten zu bekommen.
Sehr viel hatte sich aber nicht geändert, Desmond hechelte Ebony noch immer hinter her. Er kostete ihr den letzten Nerv, sie war froh das er es inzwichen unauffällig tat, da Martin so nichts mitbekam.
Kaum zu glauben... er wollte es anscheinend auch gar nicht mehr wissen. Nie wieder hatte er nach gefragt. Wahrscheinlich hatte er es vergessen.
Heute musste sie sich alleine auf den Heimweg machen, Martin war schon verreist. Leider. Die ferien waren ohne ihn nur halb so schön. Aber in etwa einer Woche kam er ja zum Glück wieder.
Es war wirklich ziemlich warm und diese Wärme strahlte ein Gefühl von wohlbefinden aus.
"Hey, Ebony!!" Siva stand am Schulzaun und winkte ihr aufgeregt mit einem Atoschlüssel zu.
Ebony ließ sich Zeit beim gehen und stand schließlich vor Siva.
"Komm, Java sitzt schon längst im Auto und verglüht gleich... das du auch immer so trödeln musst!!" ärgerlich schüttelte Siva den Kopf und machte Ebony die Tür auf, da diese die Tür für Sivas Geschmak etwas zu langsam öffnete.
"Mensch was hetzt du denn so?" fragte Ebony genervt, als Siva einstieg und den Wagen anließ.
"Nun mach schon java" meinte Siva nervös und fuhr aus der Parklücke. Java saß auf dem Beifahrersitz und knisterte mit einem geheimnisvollen Umschlag.
Ebony konnte nicht lesen was darauf stand, da sie hinten saß. Aber das war auch nicht nötig, denn Java begann vorzulesen.
"Liebe Ebony," begann sie und Ebony hob eine Augenbraue.
"Ich würd dich auf Händen tragen, doch du bist zu schwer für mich.Liebe geht halt durch den Magen -ich bin sehr verliebt in dich. Ich würd dich auf Rosen betten doch die Kosten sehr viel Geld und außerdem möcht ich drauf wetten das dir das gar nicht gefällt.
Ich würd alles für dich tun, zum Beispiel fällt mir grad nichts ein.
...Gruss dein XXX"
Siva saß mit einem grinsen von hier bis nach china hinter dem Steuer und Ebony hielt sich Krampfhaft an ihrem Sitz fest....
Na Klasse, schon wieder ein Liebesbrief. Wie Ebony diese Dinger hasste. Warum konnte man sie damit nicht in Ruhe lassen? Anderen Leuten paaierte das ja auch nicht so oft. Natürlich, der der am meisten Angst davor hatte, bekam gleich Massen davon.
Zu diesem Thema fiel ihr ein spanischer Spruch ein, dessen Übersetzung soviel wie: >Wovor der Mensch am meisten Angst hat, daran stirbt er< hieß. Ebony seufzte still in sich hinein.Wie wahr wie wahr. Damals hatte sie diese Sprüche zuhauf gelesen, doch als sie bemerkte, dass diese Vermutungen meistens richtig lagen, hörte sie auf damit sie zu lesen.
"Na Schwesterherz, was meinst du dazu?" raunte Java ihr zu.
Ebony sah sie vorwurfsvoll an und prustete ein "Pfff" in die Luft.
Siva überquerte grade eine grüne Ampel und sah dann durch den Rückspiegel zu Ebony.
"Och, sei nicht so mies kleine! Ist doch nur ein Brief!"
Ebony verschränkte leicht säuerlich die Arme vor der Brust.
"Für dich ist es nur ein Brief, für mich ist es der Weltuntergang. Ich will nichts davon hören"
"Deine Probleme möchte ich haben..." murmelte Java vor sich hin und reichte Ebony den brief nach hinten.
Widerwillig nahm sie ihn an und schmiss ihn angewiedert irgendwo in die Ecke des Autos.
"Ey" protestierte Siva sofort "Den nimmst du nachher mit raus. Wenn Dad wieder die Unordnung hier drin sieht wird er bekloppt."
Grinsend streckte Ebony ihr die Zunge entgegen und Siva lachte.
Nicht sehr viel später waren sie zuhause angelangt, ihre Eltern saßen draußen auf der Terasse und aßen bereits zu Mittag. Ebony,Siva und Java kamen im langsamen Schritt dazu.
"Na," Ebonys Vater schaute von seinem Teller auf "Ihr habt heute aber lange gebraucht."
Siva und Java grinste sich vielsagend an und Java erfasste das Wort.
"Wir haben nur noch schnell einen Liebesbrief von Ebony gelesen"
Ebony wurde augenblicklich rot und hätte sich am liebsten auf die beiden gestürzt. Als wäre die Sache nicht schon peinlich genug...
"So, so" meinte Ebonys Vater als Ebony auf einem Stuhl Platz genommen hatte. "Du bekommst schon Liebesbriefe? So lange wohnen wir hier doch noch gar nicht..." Ebony schaute unter sich auf den Boden. Sie wagte es nicht aufzuschauen oder irgendetwas daraufhin zu sagen.
"Unsere Töchter sind halt perfekt!" bemerkte Ebonys Mutter grinsend.
"Aber besonders Ebony, das ist schon der zweite." Wieder zuckte Ebonys Hand in Sivas Richtung, als sie das sagte.
Am liebsten würde sie ihr gleich eine reinsemmeln.
Bemerkte denn niemand Ebonys missliche Lage? Warum konnten sie nicht ein anderes Thema einschlagen? So besonders war das doch gar nicht.
"Und antwortest du?" fragte ihr Vater an Ebony gewandt. Ebony sah ihn verwundert an und schüttelte dann den kopf.
"Warum denn nicht" meinte ihre Mutter bestürzt. "Der arme Junge will doch sicherlich wissen was los ist"
Ebony stand aufgebracht auf.
"Das ist mir völlig egal und allein meine angelegenheit!" schnaubte sie und verließ den Raum.
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Seit Stunden lag sie auf ihrem Bett und dachte nach. Sie vermisste Martin. Sonst ging sie um diese Zeit immer mit ihm durch die Strassen, aber jetzt wo er im Urlaub war, war alles einfach langweilig. Nur noch sieben Tage bis zu seiner Rückkehr. Das hörte sich gar nicht so lange an, konnte einem aber verdammt lang vorkommen.
Plötzlich piepste ihr Handy. Eine Sms! Ebony stand auf und schlurfte zu ihrem Schreibtisch um die Sms zu lesen.
>Kommst du zum Spielplatz? Desmond< las Ebony. Das gabs doch nicht, woher hatte er ihre Handy Nummer??
Aber andererseits hatte sie dann etwas abwechslung und hatte einen Grund das Haus zu verlassen. Also, warum nicht?
Ebony zog sich eine kurze Hose und eine Bluse an und verließ das Haus. Es war immer noch ziemlich heiß, fast 35 Grad.
Der Spielplatz lag nicht weit von ihrem Haus und sie war in zwei Minuten schon da.
Desmond saß auf einer Schaukel und sah sie lächelnd an.
"Woher hast du meine Handynummer?" begrüßte sie ihn schroff.