Past-Present-Future



Kapitel 1-7

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Kapitel 8 Die Befragung

Zwei Tage und einige Aktionen später, saßen Oliver, Blaise und Draco in einem der Klassenräume in Hogwarts. Von draußen drangen die Stimmen ihnen nur zu gut bekannter Leute hinein. Draco seufzte. "Nun gut... bringen wir es hinter uns.. holt den Ersten rein.."

~

"Name?"
"Gott.. muss das sein..?"
"Wir wollen dass hier auch so schnell wie möglich hinter uns bringen also bitte.. antwort einfach.. Name?"
"Ron Weasley."
"Wie standest du zu Harry?"
"Wir waren beste Freunde."
"Wo hast du ihn zum ersten Mal getroffen?"
"Am ersten Schultag im Hogwartsexpress."
"Wenn du über Harry nachdenkst, woran denkst du dann sofort?"
"Freundschaft."
"Warum?"
"Weil man keinen besseren Freund haben kann als ihn. Er hält zu einem, ist tolerant, immer an deiner Seite, stützt einen, tröstet einen."
"Hast du auch nach der Schule noch Kontakt zu Harry gehabt?"
"Ja. Wir haben zwei Jahre zusammen gewohnt, dann bin ich mit Hermione zusammengezogen. Wir haben uns aber noch regelmäßig gesehen."
"Hat Harry dir gegenüber Wünsche geäußert, was er erreichen will?"
"Ein normales Leben führen, Familie haben aber vor allem.. vor allem Voldemort besiegen."
"Sonst noch etwa was dir zu Harry einfällt?"
"Er war sehr anpassungsfähig und er hat kaum jemandem vertraut, zudem wollte er es immer allen recht machen."
"Wusstest du, dass er zwei Kinder hat?"
"Bitte was?!"
"Das sehe ich als Nein.. wusstest du dass er schwul ist?"
"Wo ist denn da die Logik!! Wenn er doch Kinder hat!!" "Also ebenfalls Nein... Wo denkst du ist Harry jetzt..?"
"Ich denke er ist tot..."

~

"Name?"
"Fred Weasley." "George Weasley."
"Wie standet ihr zu Harry?"
"Unser Bruder war Harrys bester Freund. Er war in den Ferien öfter bei uns und ich denke.. ja man kann sagen wir waren Freude"
"Wo habt ihr ihn das erste Mal getroffen?"
"Eigentlich an seinem ersten Tag im Londoner Hauptbahnhof... aber wirklich wahrgenommen haben wir ihn erst als er dem Quidditchteam beigetreten ist."
"Wenn ihr an Harry denkt, woran denkt ihr dann zuerst?"
"Quidditch." "Sonne."
"Erklärt."
"Du zuerst Fred." "Nunja.. habt ihr Harry jemals Quidditch spielen sehen? Naja.. ihr seit ja alle drei Quidditchspieler... also so wie er spielt doch keiner.. das ist Wahnsinn. Ich bin einmal mit ihm zusammen geflogen.. das vergisst man nie wieder... Du bist dran George." "Ich weiß nicht warum.. aber wenn ich an Harry denke, dann denke ich an einen schönen Sommertag., das Gefühl von Sonnenstrahlen auf der Haut, blühende Blumen.. so etwas eben.."
"Hat Harry euch gegenüber Wünsche geäußert, was er erreichen will?"
"Er erwähnte mal, dass er gerne professionell Quidditch spielen würde.... aber erst wenn Voldemort besiegt ist." "Der Kampf gegen Voldemort hatte bei ihm immer Priorität."
"Hattet ihr auch nach der Schule noch Kontakt?"
"Ja. Wir haben uns ab und zu getroffen um gemeinsam feiern zu gehen.. war immer ziemlich lustig.." "Ab und zu war Harry auch bei uns, wenn er einfach nur einen gemütlichen Nachmittag verbringen wollte." "Also war er eigentlich immer nur dann mit uns zusammen, wenn er etwas Entspannung brauchte."
"Sonst noch etwas, was euch bei Harry einfällt?"
"Mmh... Vertrauen vielleicht." "Ja genau. Harry vertraute so gut wie niemandem, öffnete sich kaum, aber er hat etwas an sich, was bezweckt, dass man ihm unbedingt vertrauen wollte, ihm folgt, egal wie wenig er einem auch über sich selbst erzählte."
"Wusstet ihr, dass Harry zwei Kinder hat."
"Nein. Zwei? Wirklich?" "Wie heißen sie denn?"
"Es sind Zwillinge: Lisa und Cedric."
"Oh."
"Wusstet ihr, dass Harry schwul ist?"
"Ja."
"Woher?"
"Wir haben mal im Vollrausch mit ihm rumgeknutscht."
"Beide?"
"Beide."
"Wo denkt ihr ist Harry jetzt?"
"...."
"Fred? George?"
"Das Ministerium sagt er ist tot... wir.. wir hoffen, dass es ihm gut geht..."

~

"Name?!"
"Cho Chang."
"Wie standest du zu Harry?"
"Wir waren kurzzeitig ein Paar, dann Freunde."
"Wo hast du ihn zum ersten Mal getroffen?"
"Ich weiß es nicht mehr.. Ich weiß, dass er irgendwann einfach da war, wie eine Selbstverständlichkeit.. aber ich weiß nicht ab wann..."
"Wenn du über Harry nachdenkst, woran denkst du dann sofort?"
"An Cedric."
"Warum..?"
"Ich weiß nicht... immer wenn ich an Harry denke habe ich Cedrics Gesicht vor Augen.. es ist verschwommen und ich sehe ihn nicht wirklich, aber ich weiß, dass es Cedric ist.."
"Hast du auch nach der Schule Kontakt zu Harry gehabt?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Weil ich nicht mehr an Cedric denken wollte."
"Hat Harry dir gegenüber Wünsche geäußert, was er erreichen will?"
"Ich erinnere mich nicht."
"Sonst noch etwas das dir zu Harry einfällt?"
"Er hatte reine Augen."
"Reine Augen?"
"Augen sind der Spiegel der Seele."
"Wusstest du, dass er zwei Kinder hat?"
"Nein."
"Wusstest du, dass er schwul ist?"
"Nein. Ich war einmal seine Freundin."
"Wo denkst du ist Harry jetzt?"
"Im Paradies."

~

"Name?"
"Hermione Granger."
"Wie standest du zu Harry?"
"Ich war seine beste Freundin."
"Wo hast du ihn zum ersten Mal getroffen?"
"Am ersten Tag im Hogwartsexpress."
"Wenn du über Harry nachdenkst, woran denkst du dann sofort?"
"An etwas nicht beschreibbares. An Einzigartigkeit und Individualität."
"Warum?"
"Weil Harry diese Dinge verkörperte."
"Hast du auch nach der Schule noch Kontakt zu Harry gehabt?"
"Ja regelmäßig. Genauso oft wie Ron... wir waren meistens zu dritt unterwegs.."
"Hat Harry dir gegenüber Wünsche erwähnt, was er erreichen will?"
"Er hat in den Jahren die wir uns kannten, viel erzählt... aber sein größter Wunsch war Voldemort zu besiegen... und er wollte einmal ein Haus am Meer haben."
"Sonst noch etwas das dir zu Harry einfällt?"
"Gryffindor. Harry war das Paradebeispiel für alles für das Gryffindor steht."
"Wusstest du, dass Harry zwei Kinder hat?"
"Nein. Aber er wollte immer Familie haben. Nur hatte er Angst um sie."
"Inwieweit?"
"Er dachte, würde er Familie haben solange Voldemort lebt, würde er sie zu sehr in Gefahr bringen. Und nach dem Kampf würde sein Ruhm ihr zu sehr schaden."
"Wusstest du, dass er schwul ist?"
"Nein, aber das ist für mich okay. Ich habe es mir in den letzten Jahren gedacht, als er, wenn wir abends unterwegs waren, mehr Jungen hinterher geguckt hat, als Frauen."
"Wo denkst du ist Harry jetzt?"
"Ich weiß es nicht.. ich kann nicht glauben, dass er tot ist."

~

"Name?"
"Seamus Finnegan."
"Wie standest du zu Harry."
"In der Schule waren wir Mitschüler und Mitbewohner, später sehr gute Freunde."
"Wo hast du ihn zum ersten Mal getroffen?"
"Wir kamen zusammen nach Hogwarts."
"Wenn du über Harry nachdenkst, woran denkst du dann zuerst?"
"Mut."
"Warum?"
"Weil er mehr davon besaß als jeder andere den ich kenne."
"Hast du auch nach der Schule mit Harry noch Kontakt gehabt?"
"Ja. Sogar sehr viel mehr als zuvor."
"Hat Harry dir gegenüber Wünsche geäußert was er erreichen will?"
"Voldemort besiegen."
"Sonst noch etwas das dir zu Harry einfällt?"
"Stärke."
"Wusstest du, dass er zwei Kinder hat?"
"Nein."
"Wusstest du, dass er schwul ist?"
"Ja."
"Woher?"
"Er sagte es mir vor ein paar Jahren."
"Wo denkst du ist Harry jetzt?"
"Ich möchte nicht darüber nachdenken."

Kapitel 9 Draco und Charly

Entnervt stand Draco auf. Oliver blickte verwundert zu ihm auf. "Sollen wir schon eine Pause machen? Wir haben draußen noch einiges an Leuten stehen."
Draco schüttelte den Kopf. "Macht ihr nur weiter.. ich kann mir das nicht mehr anhören. Ich komm später wieder zurück."
Blaise nickte verstehend. "Gut.. geh nur.."
Draco nickte dankend, ging dann durch einen Hintereingang aus dem Raum, schritt durch die Gänge Hogwarts. Es waren momentan Sommerferien und die Schule war so gut wie leer. Auch die meisten Lehrer waren nicht anwesend, doch Dumbledore hatte ihnen gerne ein Klassenzimmer zur Verfügung gestellt. Er hielt schließlich an, als einer der Gänge endete. Hier befand sich ein Fenstererker, und die Fensterbank war groß genug um zwei, drei Leuten Platz zu bieten. Draco ließ sich mit einem Seufzer nieder. Früher.. während der Schulzeit, war er oft hier gewesen. Hier kam kaum jemand vorbei und es war gut, um über einiges nachzudenken.
Umso verwunderter war er, als einige Minuten später Schritte durch den Gang halten. Er schaute jedoch weiterhin aus dem Fenster, blickte erst auf als er hörte wie sich jemand neben ihm niederließ. Er blickte auf und schaute direkt in das Gesicht von Charly Weasley. Sie hatten während Dracos Aurorenausbildung einmal ein halbes Jahr zusammengearbeitet und sich eigentlich recht gut verstanden. Charly lächelte ihn an und Draco erwiderte das Lächeln. Seit damals hatten sie sich nicht mehr gesehen, doch Charly schien sich nicht wirklich verändert zu haben.
"Was tust du hier Charly? Kann mich nicht erinnern, dass ich dich auch auf der Liste gesehen habe." "Ich war auch nicht eingeladen. Ron, Fred und George haben mir davon erzählt und dann bin ich hierher gekommen, weil ich dachte es könnte vielleicht ganz nützlich sein." "Hattest du denn eine besondere Verbindung zu Harry?" "Wir waren ein Jahr zusammen. Wegen mir hat er sich von Isa getrennt." "Ja.. ich denke, dann solltest du wirklich hier was sagen."
"Du hast diesen Job aus Schuldgefühlen übernommen nicht wahr?" Draco nickte. Er wusste nicht woran es lag, aber Charly hatte schon damals jede seiner Lügen durchschaut und war der Wahrheit schnell auf die Spur gekommen. Er würde das Gespräch nur unnötig in die Länge ziehen., wenn er versuchen würde zu lügen. "Wenn ich noch weiter mit Harry gearbeitet hätte... vielleicht wäre es dann nie dazu gekommen, dass er sich dem Kampf alleine gestellt hat... Ich habe ihn immer recht gut im Griff gehabt." Charly lachte. "Ja.. so kann man es wohl nennen.. er hat mir häufig von dir erzählt.. ich glaube.."
Er zwinkerte Draco leicht zu. "Ich glaube er hat damals ein bisschen für dich geschwärmt, selbst in der Zeit in der er mit mir zusammen gewesen war." Draco ging auf den Kommentar nicht ein, wollte nicht darüber nachdenken. "War die Beziehung ernst?" Charly nickte. "Oh ja.. eigentlich schon. Ron wusste nichts davon und eigentlich auch sonst kaum niemand. In der Mugglewelt haben wir uns ganz offen gezeigt, aber da kannte uns ja auch niemand." "Warum habt ihr es nicht auch in der Zaubererwelt offiziell gemacht.?" "Weil das den Kampf gegen Voldemort beeinträchtigt hätte. Harrys einziger Lebenssinn war es Voldemort zu besiegen." "Ja.. das haben da drinnen auch alle gesagt.. ich kann es schon nicht mehr hören.. es scheint fast so als wäre Harry von dem Kampf gegen Voldemort besessen gewesen." "Besessen?! Ja.. vielleicht war das wirklich das richtige Wort.. aber Harry war trotz allem immer noch Harry..." "Ja.. das haben wir von allen gehört.. Harry vertraut niemandem, er ist besessen von dem Kampf gegen Voldemort, aber ansonsten ein perfekter Mensch. Ich kann es wirklich nicht mehr hören okay? Also fang du bitte nicht genauso an."
Charly lachte und strich sich ein paar rote Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Komm schon Drac', gib es zu.. du hast seinem Charme auch nicht wiederstehen können nicht wahr? Ich hab dich das halbe Jahr in dem wir zusammengearbeitet haben beobachtet. Du hast Harry ganz anders behandelt als alle anderen Menschen um dich herum." Draco grummelte und blickt wieder nach draußen. Es war dunkel, kein Mond und keine Sterne zu sehen, der Himmel war von Wolken verdeckt. Eine Weile saßen sie einfach so da, während Charly Draco die Zeit gab die er brauchte um nachzudenken. "Glaubst du wirklich?" fragte Draco schließlich und drehte sich vom Fenster weg und schaute Charly direkt an. Dieser nickte. "Ja das glaube ich."
Bevor er noch etwas sagen konnte lief plötzlich Ron den Gang entlang. "Charly, ich habe dich schon gesucht. Oliver meint, du bist jetzt dran. Er... Malfoy.", sein Gesichtsausdruck wechselte schlagartig. "Was willst du denn hier?" Draco zog die Stirn kraus, auch wenn Ron ihn angeheuert hatte, seine Abneigung gegenüber ihm schien er noch lange nicht abgelegt zu haben. "Ich unterhalte mich mit deinem Bruder Weasel. Wenn dir das nicht Recht ist, dann dreh dich um und hau wieder ab." "Charly? Kommst du? Auf die Anwesenheit von Malfoy können wir nun wirklich verzichten." "Ron. Ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich mit Draco klar komme."
Ron ballte wütend eine Hand zur Faust. "Du bist meine Bruder..." begann er zischend, doch Draco unterbrach ihn. "Ich verstehe nicht wirklich Weasley, warum du so unhöflich bist.", meinte er und grinste überheblich "Schließlich willst du ja, dass ich rausfinde, was mit Harry geschehen ist oder?"
"Hermione will es wissen. Für mich ist Harry gestorben, mehr brauche ich nicht wissen. Wenn ich deine Anwesenheit akzeptiere, dann nur weil sie mich darum gebeten hat."
Draco schüttelte den Kopf, verwundert darüber wie kindlich der Andere sich aufführt. "Manchmal Weasley.. glaube ich, du hast dich rein gar nicht weiter entwickelt.", sagte er, plötzlich wieder vollkommen ernst sprechend als Zeichen dafür, dass er es ehrlich meinte. Er war erstaunt in seinem Innerem tatsächlich so etwas wie Mitleid zu finden. "Wenn ich mich so mit dir streite, habe ich das Gefühl noch immer mit dem kleinen Jungen von damals zu sprechen." Ron stürzte sich mit einem Male auf Draco, der vollkommen verblüfft war, ließ die geballten Fäuste auf ihn niedersausen, bis Charly es schaffte sich von ihm loszureißen.
"Du weißt doch gar nichts!!" schrie er noch, dann drehte er sich um und rannte weg. Charly legte beruhigend eine Hand auf Dracos Schulter, blickte ihn dann besorgt an. "Deine Lippe ist aufgeplatzt." Draco strich perplex über diese, schaute dann auf seine Finger. Tatsächlich... Blut.. Wie seltsam.. es tat gar nicht weh... Draco blickte auf und schaute Charly an. Der atmete erschrocken ein, er hatte Draco noch nie so gesehen, es schien, als wäre eine innere Wand eingerissen worden und er könne plötzlich den wirklichen Draco sehen...
Einen Draco der verletzt war und weinte, der sich einsam fühlte....
Charly wünschte sich ihm Wärme zu schenken, doch er wusste gleichzeitig, dass er dazu nicht in der Lage war... wahrscheinlich gab es nur einen, der in diesem Moment fähig wäre, dass richtige zu tun. Und dieser jemand war unauffindbar. "Ich bin wieder zu weit gegangen.", meinte Draco und seine Stimme klang gebrochen, als würde er tatsächlich jeden Moment in Tränen ausbrechen. "Harry meinte immer ich lasse mein Temperament zu sehr mit mir durchgehen. Er hat mich ihm versprechen lassen, dass ich mich zurückhalte und mich bessere. Ich hab mein Versprechen gebrochen Harry..."
Und mit einem Schlag begriff Charly wie sehr Draco und Harry wirklich voneinander abhängig gewesen waren. Er selbst hatte es nie als so wichtig erlebt... In dem halben Jahr, dass sie zusammengearbeitet hatten, hatte er natürlich erlebt wie perfekt die Beiden aufeinander eingespielt waren, wie gut sie sich ergänzten, doch er hatte sich nie Gedanken darüber gemacht. Nun.. nun erschien es ihm plötzlich als offensichtlich, was Dumbledore damals gemeint hatte, als er ihm gesagt hatte, es würde nicht einfach werden mit Harry und Draco zusammenzuarbeiten.
"Zwischen Draco und Harry besteht eine besondere Verbindung" hatte der alte Schulleiter erklärt. "Diese Verbindung bewirkt, dass sie sich ganz offensichtlich abstoßen, als könnten sie nie zueinander finden. Doch eigentlich ist diese Verbindung viel tiefgründiger. Dann unter der Schale, unsichtbar für sie selbst, schweißt sie die Beiden zusammen, lässt nicht zu, dass sie sich jemals von einander würden trennen können."
Doch sie waren getrennt worden. Die Beiden die immer gegeneinander gespielt hatten, die der Gegenpart des jeweils anderen gewesen waren... Feuer und Wasser... Tag und Nacht... Erde und Luft... Schwarz und Weiß... Gut und Böse...
Auf ewig aneinander gebunden. Von einander abhängig um zu existieren.
Nach und nach hatten sie diese Verbindung wahrscheinlich auch selbst etwas registriert. Sie hatten bemerkt, dass zwischen ihn sehr viel mehr lag, als nur Feindschaft... dass es da eine Verbindung zwischen ihnen gab, die sie nicht einfach übersehen konnten. Wie musste sich Draco nun fühlen, wo er alleine war? Charly wusste, Harry war sich niemals dem vollem Ausmaße dieser Beziehung bewußt gewesen. Er hätte ihm etwas gesagt. Auch nachdem sie sich getrennt hatten, war da noch eine starke Freundschaft zwischen ihnen gewesen. Sie hatten sich damals einvernehmlich von einander getrennt. Harry hatte erklärt, dass er.. solange Voldemort noch lebte, einfach nicht fähig sein würde jemanden so sehr zu lieben wie es für eine Beziehung notwendig war.
Aber dennoch.. wie musste sich Draco nun fühlen, da er alleine war und sich auf schmerzliche Art und Weise bewußt wurde, wie sehr er eigentlich von Harry abhängig gewesen war? Er fand die Antwort von alleine, als er erneut in Dracos Augen blickte. Sanft strich er dem Jungen einige blonde Strähnen aus dem Gesicht. "Es war ganz bestimmt nicht deine Schuld, du hast nichts falsch gemacht Draco. Ron ist... du hast nur aus Versehen Rons schwachen Punkt angesprochen weißt du? Kurz bevor Harry verschwunden ist hatten die beiden nämlich einen Streit genau über dieses Thema gehabt. Harry hat einige fiese Dinge gesagt... Ron hat mir später erzählt, dass er so etwas nie von Harry erwartet hätte, dass er Dinge gesagt hatte, die ihn so tief verletzten, dass er Harry einige Momente lang wirklich gehasst hatte. Dinge wie Ich habe schon immer gedacht, dass du ein vollkommener Volltrottel warst und Ich frage mich, wie ich es eigentlich so lange mit dir als Freund aushalten konnte. Du weißt was ich meine? Ich glaube nicht, dass Ron Harry inzwischen verziehen hat."
Draco saß eine Weile einfach nur da, während Charly ihm sanft durch die Haare strich, geduldig wartete, bis er sich beruhigt hatte. Dann stand Draco auf, umarmte Charly überraschenderweise, bevor er sich abwandte und ging.
"Entschuldige bitte... ich möchte etwas alleine sein. Ich muss nachdenken." Draco saß auf der Tribüne des Quidditchfeldes und ließ seine Gedanken schweifen. Obwohl es noch Sommer war wurden die Nächte bereits kalt und Draco fror. Er erinnerte sich, dass er seine Robe mitsamt seinem Zauberstab noch oben im Raum liegen gelassen hatte, doch er war nicht bereit jetzt hoch zu gehen und sich schon den anderen zu stellen. Er legte den Kopf in den Nacken, blickte in den schwarzen Himmel. Er wusste nicht wirklich, was vorhin mit ihm geschehen war. Irgendetwas war einfach zerbrochen, als Rons Fäuste ihn getroffen hatten. Irgendetwas das schon längst hätte zerbrechen müssen, seit er wusste was mit Harry geschehen war, seit Harry verschwunden war. Sie hatten immer mit einander Kontakt gehabt, selbst als Draco bereits vom Ministerium suspendiert worden war. Harry hatte ihn niemals alleine gelassen. Und Draco war nun eins klar. Auch wenn er es nie ausgesprochen hatte, wenn er über dieses Thema immer geschwiegen hatte oder es umgangen war. Nun wusste er es. Er und Harry waren Freunde. Sie würden es immer seiner. Niemals war sich jemand näher gewesen, als sie beide. Er war derjenige dem Harry sich geöffnet hatte, dem er mehr von sich erzählt hatte, als er jemals irgendwem preisgegeben hatte. Sie hatten es alle gesagt. Niemandem hatte er sich jemals geöffnet oder ihm vertraut.
"Ich vertraue dir."
Ein Schauer zog über seinen Rücken, als die Erinnerung an diese Worte ihn einholte. Eine Weile saß er einfach nur da, in den Himmel blickend, frierend, bis ihm etwas auffiel. "Kurz bevor Harry verschwunden ist hatten die beiden nämlich einen Streit genau über dieses Thema gehabt." Und "Harry hat einige fiese Dinge gesagt... Ron hat mir später erzählt, dass er so etwas nie von Harry erwartet hätte, dass er Dinge gesagt hatte, die ihn so tief verletzten, dass er Harry einige Momente lang wirklich gehasst hatte" hatte Charly vorhin gesagt.
"Ich glaube nicht, dass Ron Harry inzwischen verziehen hat" Draco sprang auf, rannte mit einem Male hoch zum Schloss. Natürlich!! Wie hatte er diese Tatsache übersehen können.

Kapitel 10 Die Lösung, oder Wunschdenken?

Oliver und Blaise saßen alleine im Klassenzimmer. Oliver hatte seine Stirn gegen Blaise gelehnt, erzählte lächelnd irgendetwas. Blaise lächelte ebenfalls während er zuhörte und mit einer Hand Olivers Nacken kraulte. Draco störte diese Nähe ohne zu zögern. Er knallte die Tür einfach zu, sah seelenruhig zu, wie du beiden erschrocken auseinander fuhren.
"Draco.. was soll das denn? Was ist los? Du siehst aus als.. hast du geweint?" "Harry hat es geplant." "Bitte was?!" "Ist Hermione noch hier?" "Ich glaube sie ist noch draußen im Raum gegenüber mit den anderen." Schon war Draco wieder raus, die Tür offen stehen lassend. Ratlos blickten die beiden sich an, warteten bis Draco wieder kam.
Der schien dann von seiner Sache mehr überzeugt denn je. "Hermione hat sich kurz vor Harrys Kampf mit ihm gestritten - aufs heftigste. Sie hat ihn dafür gehasst hat sie gesagt und sie hat ihm das noch immer nicht verziehen. Und Ron sagt das selbe. Harry war bei Dudley um seine Sachen zu regeln und er war bei mir um sich zu verabschieden. Naja nicht verabschieden, aber er hat ein paar Dinge gesagt, die dringend gesagt werden mussten. Das macht doch niemand der sterben will. Wenn Harry wusste und davon gehen wir bisher aus, dass er gegen Voldemort kämpfen würde und er das geplant hat, und geplant hat das Ganze alleine durchzuziehen, dann muss ihm klar gewesen sein, dass seine Freunde, das niemals zulassen würden! Hätten Hermione und Ron herausgefunden, dass er alleine kämpfen will, hätten sie ihn niemals gehen lassen wollen. Also musste er darauf achten, dass sie in Ruhe ließen, wie sollte das besser gehen, als sich mit ihnen zu streiten, so dass einige Tage Ruhe zwischen ihnen herrschte?" "Aber warum war er dann bei Dudley und bei dir?" "Warum er bei mir war weiß ich ehrlich gesagt noch nicht aber bei Dudley war er um darauf zu achten, das seine Sachen auf jeden Fall geregelt werden. Was allerdings ebenfalls unlogisch ist. Ich meine er konnte von zwei Ausgängen des Kampfes ausgeben. Entweder er würde Voldemort besiegen und weiter leben oder er würde von Voldemort besiegt werden. Wenn er also seine Sachen regeln wollte ohne nicht aufzufallen um nicht aufgehalten zu werden, wäre das Logischste gewesen ein Testament aufzusetzen. So hätte er alles geregelt gehabt und niemand hätte etwas von seinen Plänen gewusst. Aber nein er geht zu Dudley. Warum? Ganz einfach. Normalerweise wartet das Zauberministerium 5 Jahre bis eine vermisste Person für tot erklärt wird. Fünf Jahre bis sein Testament in Kraft tritt, fünf Jahre in denen seine Kinder nicht versorgt werden, weil die Rechtsangelegenheiten zuviel Zeit in Anspruch nehmen. Und hätte er Isabelle einen großen Betrag auf einmal gezahlt, wäre wiederum sie misstrauisch geworden. Sie wusste ja schließlich wer er war. Dudley dachte sich nichts dabei, dass Harry längere Zeit auf Geschäftsreise geht. Er kannte Harry nicht genug um so ein Verhalten merkwürdig zu finden. Harry hat also alles geregelt, damit niemand Verdacht schöpft, seine Freunde ihn schneller vergessen - sie haben Beide selbst gesagt, dass ihnen das leichter fällt, weil er unverzeihliche Dinge gesagt hat und alle Sachen geregelt werden bis er für tot erklärt werden würde, er konnte ja nicht wissen, dass dies bereits nach einem Jahr geschehen würde." Oliver begann langsam zu begreifen, auf was Draco hinaus wollte. Der redete einfach weiter.
"Ich weiß, dass mag konfus und total verwirrt klingen, aber in meinem Kopf ist alles klar. Er hatte das von Anfang an vor gehabt." Blaise kapierte es nun auch, schnappte erstaunt nach Luft. "Du meinst...?"
"Ja. Harry wusste, dass er Voldemort besiegen würde. Er wusste, dass er den Kampf überleben würde und er wusste, dass er danach für immer verschwinden würde und niemals wieder in der Zaubererwelt auftauchen würde." "Aber warum?"
"Und wo ist er jetzt?"
"Das heraus zu finden, ihr beiden, ist nun unsere Aufgabe."

Kapitel 11 Tom

"Hallo Tom. Wie geht es dir?" "Sarah! Hey, mir geht es super. Gut siehst du aus. Der Urlaub hat dir wohl gut getan, was?" "Ja sieht so aus. Ich musste mal weg vom Meer"
Das schwarzhaarige Mädchen ließ sich auf dem Stuhl an der Längsseite des Schreibtisches nieder, blickte Tom lächelnd an. "Und? Viel zu tun?" Er zuckte mit den Schultern und schloss den Karton der vor ihm stand. "Die Leute leihen sich nur noch selten Boote aus.. aber ich komm schon über die Runden..."
Sie nickte und hatte plötzlich eine Idee. "Wie wäre es.. willst du nicht eine Stunde zu machen und wir gehen eine Runde schwimmen." Er nickte. "Klar... und dann erzählst du mir alles aus dem Urlaub und von den gut aussehenden Kerlen, ja? Ich muss nur kurz die Kiste wegräumen."
Er stand auf, den Karton in der Hand, ging auf das Regal an der anderen Wand zu. Plötzliches Flügelschlagen war zu hören und eine kleine Gestalt zischte an dem jungen Mann vorbei, der vor Schreck den Karton fallen ließ. "Hedwig!" rief er entrüstet, doch die Eule war bereits weg. "Was hast du auch eine Eule bei dir im Büro?" Sarah lachte und ging zu ihm, begann die Sachen mit ihm zusammen aufzusammeln. Plötzlich verharrte sie, ihr Gesicht nur Zentimeter von ihm entfernt, strich ihm einige Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Weißt du was ich mich das ganze letzte Jahr gefragt habe? Wo hast du eigentlich diese Narbe her?" Er rieb sich nervös über die benannte Stelle an der Stirn, grinste sie nervös an. "Ach das... hab ich von dem Autounfall ,bei dem meine Eltern gestorben sind." "Oh." Dann schwieg sie, richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Gegenstände die verstreut vor ihr lagen.
"Sind das Fotos aus deiner Zeit in England.. aus deiner Schule? Ihr hattet aber komische Schuluniformen." Er zuckte mit den Schultern. "Nunja.. Privatschule eben.." Sie griff nach ein paar weiteren Bildern.
"Und das sind deine Freunde...?" Er guckte nur kurz auf die Fotos, nickte dann. Sie schüttelte verwirrt den Kopf. "Warum nur bist du hierher gekommen? Es scheint alles so glücklich da gewesen zu sein." Er lächelte wehmütig. "Es scheint nur so Sarah.. es scheint nur so.."
Sie ging nicht darauf ein, griff nach einem Foto. "Du hast viele Fotos von diesem blonden Mann." Er sagte nichts und sie erwartete auch keine Antwort, stattdessen stellte sie ihre nächste Frage. "Warum bist du wirklich hier Tom?" Er nahm ihr da Foto ab, betrachtete es.
"Ich warte auf jemanden Sarah.. ich warte..."
In seinen Händen das Bild Draco Malfoys.

Kapitel 12 Figured you out

Draco blickte Dumbledore selbstsicher an. Er stand mitten in Dumbledores Büro, die Hände auf den Schreibtisch gestützt und leicht nach vorne gebeugt, um mehr Einfluss auf Dumbledore zu haben. Der Schulleiter jedoch saß nur aufrecht in seinem Sessel, schaute Draco emotionslos an und auch wenn er Draco zuhörte, wusste der junge Mann, dass die Rede, die er gerade hielt, eigentlich sinnlos war.
"Hören Sie. Lupin und Black meinten, sie wären innerhalb von einer Woche zurück. Nun sind schon zehn Tage vergangen. Sie verlangen von mir, möglichst schnell alles über Harrys Tod herauszufinden, aber gleichzeitig blockieren Sie meine Arbeit. Sie wissen, wo die beiden sind. Sie wären niemals gegangen ohne irgendjemandem zu sagen wo sie hingegangen sind und Sie sind der Mensch, dem die beiden - Harry mal ausgenommen, denn der zählt ja nicht mehr - am meisten vertrauten. Also sagen Sie mir endlich, wo ich die beiden finden kann."
Dumbledore stand auf und schritt zu einem Regal, das hinter seinem Schreibtisch stand, das Buch zurück, in dem er gerade gelesen hatte, als Draco vor etwa einer halber Stunde eingetroffen war. Falls ihn Dracos kleine Rede berührt hatte, ließ er sich nichts anmerken. "Hören Sie Mister Malfoy - Draco. Die beiden haben sich ihre Ruhe verdient. Sie haben einen Menschen, der für sie wie ein Sohn war, endgültig verloren. Selbst wenn ich weiß, wo sie hingereist sind, werden Sie akzeptieren müssen, dass ich es Ihnen nicht erzählen werde."
Draco unterdrückte einen Seufzer. Dumbledore war kein schlechter Schulleiter. Sicher nicht. Er war eigenwillig und in einem gewissen Sinne auch stur, aber die Weisheit, die er besaß, machte dies normalerweise wieder wett. Heute jedoch wünschte sich Draco nichts weiter, als dass Dumbledore einfach etwas einsichtiger wäre. Er könnte es sich einfach machen und dem Schulleiter erzählen, was sie herausgefunden hatten, ihm erzählen, dass Harry aller Wahrscheinlichkeit noch lebte, aber damit würde er gegen sein Abkommen mit Oliver und Blaise verstoßen. Sie hatten gestern noch lange diskutiert und Draco hatte eine Weile gebraucht um den beiden seine Meinung zu erläutern, doch schlussendlich waren auch sie davon überzeugt gewesen, dass Harry aller Wahrscheinlichkeit nach noch immer lebte. Was keiner von ihnen verstand, war das Warum. Es war allgemein bekannt gewesen, dass Harry es hasste, als berühmter Zauberer zu leben. Oliver hatte sich an ein Gespräch erinnert, dass sie nach einem Quidditchsieg geführt hatten. Sie hatten gewonnen. Alle hatten sie ihm gratuliert und Harry hatte die Feier genossen. Bis Professor McGonagall sagte "Das war wirklich ein großartiges Spiel Mister Potter. Sie haben mich an ihren Vater erinnert. Sie spielen mit genauso viel Liebe wie er." Und Fred hatte lachend gesagt "Was erwarten sie auch anderes vom dem Jungen, der lebt?"
Zweifelsohne hatten sie beide es als Kompliment gemeint, doch bei Harry hatte es alte Wunden aufgerissen. "Das genaue Abbild meines Vaters oder der Junge, der lebt, das ist alles, was sie alle in mir sehen.", hatte er zu Oliver gesagt. "Ich wünschte mir, irgendjemand würde mich einmal anblicken und einfach nur Harry in mir sehen."
Es war nur allzu verständlich, dass Harry gerne ein eigenes Leben führen wollte, doch das erklärte nicht, warum er es in Kauf nahm, für tot erklärt zu werden. Es erklärte nicht, warum er seinen Freunden einen solchen Schmerz zufügte. Hermione, Ron, Sirius, Remus... die vier waren nur der Anfang einer ellenlange Liste von Menschen, denen Harry etwas bedeutete. Sie alle trauerten um Harry. Und niemand konnte sich vorstellen, dass Harry ihnen diesen Schmerz freiwillig zufügte. Aber er tat es. Er war irgendwo da draußen und unauffindbar. Harry war ein mächtiger Zauberer. Er konnte genügend Zauber auf sich legen, damit das Ministerium ihn nicht finden würde, nachdem er verschwunden war.
Egal wie sehr Draco auch darüber nachdachte, er verstand es nicht. Ob Harry tatsächlich verrückt geworden sein sollte? "Mister Malfoy. Hören Sie mir überhaupt zu?"
Draco schreckte aus seinen Gedanken auf. "Aber natürlich höre ich Ihnen zu. Entschuldigen Sie bitte." "Wie gesagt. Ich werde Remus und Sirius eine Nachricht schreiben, dass sie sich bei Ihnen melden sollen, wenn sie zurückgekehrt sind. Nun muss ich Sie bitten, mein Büro zu verlassen."
Draco verharrte einen Moment. Dann stand er grummeln auf. "Vielen Dank, Professor Dumbledore."
Er gab dem Professor zum Abschied die Hand, drehte sich dann um und verließ den Raum. Draußen angekommen knallte er erst die Tür zu, schlug dann mit der Faust gegen die Wand. Nahm dieser Kerl ihn denn überhaupt nicht ernst? Er musste nun mal endlich mit Lupin und Black reden, um Harry so schnell wie möglich finden zu können. "Mister Malfoy?!"
Erstaunt schaute Draco auf. Vor ihm stand Professor McGonagall. "Guten Tag Professor. Sollten Sie nicht bei Oliver und Blaise sein?"
"Die Befragung der Lehrer ist bereits abgeschlossen."
"Oh. Was kann ich dann noch für Sie tun?"
"Harry hat einige Sachen hier liegen lassen, als er die Schule verließ. Ich habe sie letzte Woche aussortiert, als die Nachricht seines Todes kam. Dabei ist mir etwas in die Hände gefallen."
Sie reichte ihm ein kleines Buch, das er nachdenklich betrachtete.
"Was ist das?"
"Ich bin mir nicht ganz sicher... doch nach den Ereignissen in seinem zweiten Jahr denke ich, dass es eine Art magisches Tagebuch ist. Professor Dumbledore weiß hiervon nichts. Ich dachte mir, dass es bei Ihnen wohl am besten aufgehoben ist."
Draco nahm es dankend entgegen, blickte es noch einen Moment an, bevor er den Blick hob und seine ehemalige Professorin anblickte. "Professor, ich...", er unterbrach sich und lächelte sie an. "Vielen Dank."
Sie nickte ihm zu und schien gehen zu wollen, blieb dann aber doch noch einmal stehen
"Sie glauben nicht, dass Harry tot ist, oder Mister Malfoy?" Einen Moment war Draco einfach nur sprachlos und dann - ohne selbst zu wissen warum - nickte er.
"Ja. Ich glaube fest daran, dass er noch lebt." Sie lächelte und nickte ebenfalls und sah, ihn mit einem Blick an, der ihm das Gefühl gab, dass sie ihn vollkommen durchschaute. "Das ist gut. Ich bin überzeugt davon, dass Sie der einzige sind, der ihn finden kann. Der einzige, von dem Harry gefunden werden will." Draco wusste nicht was er sagen sollte.

Kapitel 13 Ablenkung tut gut

Oliver hatte sich gerade für fünf Minuten auf dem Sofa niedergelegt, als Draco nach Hause kam. Für einen Moment war er fast zu Tode erschrocken - schließlich hatte Blaise die Wohnung erst gerade verlassen - bis er sich erinnerte, dass Draco ja für die Zeit der Ermittlungen bei ihnen eingezogen war. Die Wohnung war eigentlich nicht groß genug für drei Leute, aber sie besaßen ein kleines Gästezimmer und da sie sowieso so gut wie nie da waren, waren sie sich bisher noch nicht auf die Nerven gegangen.
"Hey Oliver." Draco zog seine Jack aus und trocknete sie mit einem Zauberspruch, ebenso wie schließlich sich selbst. Oliver blickte aus dem Terrassenfenster und stellte fest, dass es draußen begonnen hatte in Strömen zu regnen.
"Hey Drac'. Wo warst? Wir haben dich bei der Befragung der Lehrer vermisst." "Ich hatte ein Gespräch mit Dumbledore. Habt ihr mir noch was zu essen übrig gelassen? Ich habe einen Hunger, dass glaubst du nicht... Irgendwie ist das Apparationsnetz mal wieder gestört und ich bin nicht um die Ecke, sondern zwei Blöcke weiter ausgekommen...."
"Steht neben dem Kühlschrank. Über was hast du mit Dumbledore geredet?"
"Ich wollte ihn überreden, dass er mir verrät wo Lupin und Black stecken. Hat aber nicht geklappt."
Mit dem Teller in der Hand setzte er sich in den Sessel, begann in seinem Essen herumzustochern. Blaise hatte gekocht. Er war der einzige, der auch nur in irgendeiner Weise mit einem Herd umgehen konnte. "War zu erwarten. Dafür, dass es nicht geklappt hat, hast du aber ziemlich gute Laune. Was ist passiert."
"Ich hab McGonagall getroffen. Mmh.. das ist lecker.. Blaise kann wirklich kochen... Naja jedenfalls hat sie in den Sachen, die Harry da gelassen hat, was gefunden und es mir gegeben Könnte ein Tagebuch sein... sag mal wenn du Hunger hast, dann iss mir nicht von der Gabel weg. Hol dir ne eigene Gabel." "Ich bin zu faul."
"Ja das merke ich..."
"Ein Tagebuch also, ja?"
"Ein magisches ja... so eins, wie Riddle es hatte, zumindest glaubt sie das."
"Hast du schon reingeguckt?"
Draco schüttelte den Kopf. "Nein.. ich werde das nachher machen.. alleine.."
"Verstehe."
"Wo ist eigentlich Blaise?"
"Winkelgasse. Uns ist so ziemlich alles ausgegangen, was ein Zauberer braucht."
Draco kaute zu Ende und dachte nach. Irgendetwas hatte er Oliver noch unbedingt fragen wollte, aber er brauchte einen Moment um draufzukommen. "Wie war die Befragung der Lehrer?"
"Ebenso, wie die Befragung der Schüler. Harry war toll, Harry war in sich zurückgezogen, Harry wollte Voldemort besiegen. Diesmal noch mit dem Zusatz, dass Harry ein toller Schüler war, vor allem was Verteidigung gegen die dunklen Künste und Verwandlungen angeht. Er hatte schon von vorneherein die besten Vorraussetzungen mit gebracht, ein hervorragender Auror zu werden und McGonagall meinte, er hätte es zum Animagi bringen können." "Also nichts unerwartetes. Rück mal ein Stück. Wenn du schon die Hälfte meines Essens isst, kannst du mich auch aufs Sofa lassen." Draco unterdrückte den Drang sich darüber zu wundern, wie gut ihr Verhältnis sich in den letzten Tagen entwickelt hatte. Er war früher nicht der Mensch gewesen der sich schnell anderen öffnete und eigentlich war er es auch noch immer nicht. Er wollte nicht darüber nachdenken, warum es ihm bei Oliver und Blaise so leicht fiel. Er hasste es, auf Fragen keine Antwort zu finden. Oliver lehnte sich leicht an ihn, ließ sich füttern.
"Was machen wir also jetzt? Wir haben nichts mehr zu tun, bis wir mit Lupin und Black geredet haben."
Oliver zuckte mit den Schultern, bedeute Draco mit einer Geste zu warten, bis er fertig gekaut hatte und begann dann wieder zu sprechen. "Wir könnten heute Abend was unternehmen. Der Abend ist noch jung."
"Du hörst dich an, wie ein alter Opa. Und was willst du machen? In der Nähe der Winkelgasse hat ein neuer Club aufgemacht." "Nein, keine Zaubererdisko. Lass uns irgendetwas gemütliches machen, auf Muggleart, was essen gehen, Kino und danach noch was trinken,oder so."
"Muss das--"
Die Tür wurde geöffnet und Blaise kam rein. "Hey Jungs. Woho... wenn ich bei irgendetwas störe, müsst ihr es nur sagen... ich kann auch noch mal ne Stunde verschwinden.", meinte er mit einem Grinsen und hängte seine Jacke auf. Ohne sie zu trocknen - wie Oliver grummelnd feststellte - so dass sie den ganzen Boden voll tropfte.
"Klappe Blaise. Willst du nicht auch noch was von meinem Abendessen? Ist ja nicht so, als bräuchte ein Mensch wie ich etwas zu essen "Och, wenn du mich schon so fragst..."
Mit Schwung ließ sich Blaise ebenfalls auf dem Sofa nieder. "Und was habt ihr heute vor?"
Bevor Draco etwas sagen konnte, hatte Oliver schon das Wort ergriffen, grinste Blaise selbstsicher an. "Wir gehen aus - zu dritt."

Kapitel 14 Im Kino

Der Film war nicht schlecht, stellte Draco fest, nachdem er fast eine halbe Stunde gebraucht hatte, um seinen Stolz zu überwinden und den Film zu genießen. Notwendig dem Film zu folgen, war es sowieso nicht. Er würde Oliver und Blaise später wahrscheinlich jeden Mist erzählen können den er wollte, die beiden würden es ihm glauben. So sehr wie die momentan mit sich selbst beschäftigt waren, bekamen die nämlich auf gar keinen Fall etwas vom Film mit. Und wenn er sich umblickte, musste er feststellen, dass die beiden nicht das einzige Pärchen waren, dass sich lieber mit sich selbst, anstatt mit dem Film beschäftigte. Warum hatten sie auch unbedingt in einen romantischen Kitschfilm gehen müssen? Draco strich sich durch die Haare und lehnte sich zurück. Er erinnerte sich, einmal mit Harry in einem Mugglekino gewesen zu sein.
Nicht privat natürlich. Sie hatten den Hinweis bekommen, dass ein Angriff auf das Kino geplant worden war und hatten sich unter das Publikum gemischt. Leise hatten sie sich in der letzten Reihe unterhalten, während auf der Leinwand irgendwelche Gestalten gekämpft hatten. Für einen Moment schloss Draco die Augen und erinnerte sich. Im Kinosaal hatte Harry anders gewirkt. Das einzige Licht, das sie gehabt hatten, war vom Film selbst gekommen und er hatte Harry nur schemenhaft gesehen. Er versuchte sich zu erinnern, was damals geschehen war, wie der Angriff verlaufen war, über was sie geredet hatten... doch es war als würde er sich durch einen Nebel kämpfen, der ihm seltsam bekannt vor kam, als hätte er ihn selbst geschaffen. Und dann war da plötzlich eine Szene, an die er sich bis jetzt gar nicht mehr erinnert hatte.

~**~

"Was?"
Harry drehte den Kopf von der Leinwand weg und schaute Draco direkt an. "Bitte?"
"Warum starrst du mich so an?"
"Ich starre dich nicht an."
"Ich merke doch wenn mich jemand anstarrt."
"Ich kann dich doch in der Dunkelheit gar nicht sehen."
"Woher weißt du, dass du mich nicht sehen kannst, wenn du mich doch gar nicht anguckst?"
"Harry!"
"Sorry. Ich mag diese Dunkelheit nicht so..."
"Warum nicht?"
"Ich muss immer daran denken wie es wäre blind zu sein."
"Blind.. ach ja.. in der Mugglewelt kann man da noch nicht wirklich was gegen machen, nicht wahr?"
Harry schüttelte den Kopf. "Bei den Zauberern kann man wohl was mit Magie dagegen machen?"
Draco nickte, obwohl Harry das gar nicht sehen konnte. "Sicherlich. Ich könnte mir nicht vorstellen blind zu sein. Jemandem gegenüber zu sitzen und sich mit ihm zu unterhalten und ihn doch nicht sehen zu können... das ist doch unheimlich." "Oh man kann schon sehen...nur nicht durch die Augen.."
"Wie denn sonst?"
"So."
Draco fühlte plötzlich Harrys Hände auf seinen Wangen, wie seine Finger sanft über sein Gesicht strichen.
"Siehst du?"
"Das funktioniert doch nicht."
"Versuch es selbst."
"Bitte?!"
"Nicht so laut Draco.. einige wollen immer noch dem Film folgen. Hier..", er griff nach Dracos Händen und führte sie zu seinem Gesicht. "Schließ die Augen."
Ohne zu wissen warum, tat Draco, was ihm gesagt wurde. "Und jetzt... versuche zu sehen..."
Wie von selbst begannen seine Hände Harrys Gesicht zu erforschen, strichen über die Wangenknochen, strichen schwarze Haarsträhnen aus dem Gesicht. Harrys schloss die Augen, so dass Draco über die geschlossenen Augenlider streichen, die Augenbraunen nachfahren konnte. Er dachte nicht darüber nach, warum er das tat. Hätte er darüber nachgedacht, hätte er nur festgestellt, dass es besser wäre, damit aufzuhören. Und ohne es sich selbst erklären zu können, wusste er, dass er in diesem Moment alles tun wollte, außer mit diesen Berührungen aufzuhören. Seine Finger fuhren über die Stirn des anderen, erahnten nur ganz leicht, wo sich die legendäre Narbe befand. Dann fuhren seine Hände wieder hinunter, zogen die Fingerspitzen die Form der Lippen nach, verweilten dort.
Ein Schauer lief über seinen Rücken, als er feststellte, dass er Harrys Atem auf seiner Haut spüren konnte. Schlagartig riss er die Augen auf, erkannte, dass Harry seine Augen ebenfalls geöffnet hatte. Verwirrt schauten sie sich an, Dracos Finger noch immer auf seinen Lippen. Keiner von ihnen sagte etwas, bis Draco seine Hände zurückzog, sich wieder in Richtung Leinwand drehte.
"Ich habe es verstanden.", meinte er. Harry folgte seinem Beispiel. Eine Weile verging
"Wie lange haben wir noch bis zum Angriff?"
"Mindestens eine halbe Stunde."
"Gut."
Dann wieder Stille. "Draco..?."
"Mmh...?"
Harry sagte nichts mehr, doch in der Dunkelheit suchte seine Hand nach der Dracos, drückte sie und Draco erwiderte den Druck. Auf seine Lippen schlich sich ein leichtes, ehrliches Lächeln.

~**~

Draco blickte in der Dunkelheit dorthin, wo seine Hand war, ohne sie wirklich zu sehen. Daran hatte er sich bis dato gar nicht mehr erinnert. Wieso hatte er das aus seinen Erinnerungen verbannt? Nun ja.. eigentlich war es ja relativ einleuchtend. Dass er Harry tatsächlich jemals so nahe gewesen war... aber das war vor seiner Suspendierung gewesen. Danach hatte sich alles verändert. Auch wenn sie immer noch Freunde gewesen waren, hatten sie sich nur noch selten gesehen, hatten sich auseinander gelebt. Draco konnte sich nicht daran erinnern, dass sie sich jemals so nahe gewesen waren, wie an diesem Abend. Aber vielleicht hatte er den Rest seiner Erinnerungen auch nur ebenfalls in einem Schrank geschoben, wo sie jetzt verstaubten, versteckt hinter dichtem Nebel. Er spürte wie jemand an seiner Schulter rüttelte und plötzlich wurde es hell. Erstaunt drehte er den Kopf zur Seite. Oliver schaute ihn besorgt an.
"Alles okay Draco? Der Film ist zu Ende. Wir sollten gehen."
Draco nickte und stand auf. Verwundert bemerkte er, dass er einen Moment schwankte bis er sein Gleichgewicht gefunden hatte. Blaise stützte ihn, ebenfalls verwundert, strich ihm sorgenvoll kurz über den Rücken.BR> "Wirklich alles okay? Du bist ganz blass. Wir können auch nach Hause..."
"Nein!" unterbrach Draco ihn. "Wir gehen jetzt feiern!! Übrigens, wenn du schon den ganzen Film verpassen musst, dann tue es das nächste Mal unauffälliger. Du hast dein Hemd schief wieder zugeknöpft."