Past-Present-Future



Kapitel 1-7


Kapitel 7 - 14

Kapitel 15 Was man so alles in einer Bar erfährt

"Oliver. Ist dies was ich denke, dass es ist?"
Oliver hakte sich bei Draco ein, strich ihm besänftigend über den Arm, während er Blaise einen warnenden Blick zu warf, der gar nicht aufhörte zu grinsen.
"Ich weiß nicht was du denkst Draco, aber der Club ist wirklich gut. Ich kenne ihn von früher. Nun komm schon... du wirst schon deinen Spaß haben."
"Das ist eine Schwulenbar."
"Genau."
Draco seufzte.
"Gut. Gehen wir rein."

~*~

Nach zwei, drei Stunden war Draco irgendwann an der Theke gelandet, schüttete irgendwelche Cocktails in sich hinein, um deren Namen er sich nicht lange kümmerte. Der Alkohol half abzuschalten, das war alles, was zählte. Ein braunhaariger Mann ließ sich neben ihm nieder, bestellte etwas zu trinken, dann drehte er sich zu Draco.
"Ich habe dich hier noch nie gesehen. Bist wohl neu, was?"
Draco unterdrückte einen Seufzer. Platter ging es wohl nicht? Als er den Mann näher betrachtete, änderte er seine Meinung jedoch wieder. Gut, der Spruch war nicht gerade der Beste gewesen, aber das Aussehen des Kerls machte alles wieder wett.
"John.", stellte dieser sich vor
"Hey", Draco lächelte ihn an. "Ich bin Draco."
"Draco..? Interessanter Name."
Der Barmann, der in diesem Moment Johns Cocktail abstellte, schaute erstaunt auf.
"Draco? Wie heißt du weiter?!"
"Malfoy. Wieso?"
Der Mann schnippte mit dem Finger. "Wusste ich doch, dass du mir bekannt vor kommst, du bist der Kerl von dem Tom geredet hat. Er hat mir mal ein Foto von dir gezeigt."
Draco kam sich fehl am Platz vor. Klar, er hatte schon bemerkt, dass dieser Club ziemlich klein war. Die Stimmung war gut und jeder schien jeden zu kennen. Aber er war noch nie hier gewesen, woher kannte dieser Kerl ihn.
"Sorry. Ich verstehe nicht ganz."
"Na, Tom. Der war bis vor einem Jahr oder so regelmäßig hier. Hat öfter von einem gewissen Draco Malfoy erzählt. Das wirst ja dann wohl du sein, oder?"
"Na... ich denke mal.. zumindest kenne ich keinen anderen Draco Malfoy. Aber ich kenne keinen Tom."
"Nicht?... schwarze Haare, normale Größe, ziemlich schlank.. sagt dir gar nichts...? Warte mal.. ich hab hier noch irgendwo Bilder von Silvester, da müsste er drauf sein."
Er verschwand in einem der Hinterräume, tauchte kurz darauf wieder mit einigen Fotos auf.
"Hier bitte. Das ist Tom." Doch der Mann auf dem Bild hieß nicht Tom. Dracos Finger zitterten, als er dies erkannte. Der wirkliche Name des Mannes war 'Harry Potter'

Kapitel 16 Er hat dich geliebt

Das Zimmer, das Draco momentan bewohnte, war vollkommen abgedunkelt, nur eine Kerze brachte ihm das nötige Licht, ließ erkennen, dass die Wangen des Mannes, ebenso wie seine Augen, von Tränen gerötet war. Er hatte Steven -dem Barmann - lange zugehört. Dieser hatte erzählt, dass Harry früher eigentlich alle zwei Wochen einmal dar gewesen war. Manchmal zum feiern, manchmal einfach nur zum reden. Auf die Anmachen der Kerle war er niemals eingegangen.
"Hat immer nur von dir geredet.", hatte Steven lachend erklärt und ihm zugezwinkert. "Kein Wunder bei deinem Aussehen."
Draco hatte nicht gewusst, was er sagen sollte und einfach nur stumm da gesessen. Also hatte Steven einfach weiter geredet.
"Allerdings schien er nicht gerade glücklich. Hat sich über Kleinigkeiten gefreut. Wenn du ihn mal angelächelt hast oder so... Einmal hat er erklärt >Draco ist einer von der Sorte, die unerreichbar sind. Eigentlich sollte man sich abwenden und sie so schnell wie möglich vergessen, aber das schafft man nicht, weil er einen mit seiner Magie gefangen hält. Und das schlimmste ist, dass er sich dessen nicht einmal bewusst ist.<." Das war der Moment gewesen, in dem Draco es nicht mehr ausgehalten hatte und gegangen war. Ohne Oliver und Blaise Bescheid zu sagen, einfach nur raus. Kaum war er draußen gewesen, war er nach Hause appariert, war dort weinend zusammengebrochen.
"Er hat dich geliebt."
Diese Worte wollten ihm einfach nicht aus dem Kopf. Verdammt!! Und er hatte es niemals gemerkt. Er hatte von Harry immer nur als Freund gedacht, niemals anders. Aber... er strich sich verzweifelt über die Augen. Das konnte doch nicht war sein. Jetzt war es auch klar.. deshalb war Harry zu ihm gekommen. Einen Tag bevor er verschwunden war. Um sich zu verabschieden.. nicht weil sie Freunde gewesen waren, sondern weil Harry ihn geliebt hatte. Er betrachtete das kleine Buch, das vor ihm lag. Bis vorhin hatte er noch fest vorgehabt es zu lesen, doch jetzt war er zu nichts weiter in der Lage, als es anzuschauen, voller Angst, welche Geheimnisse es noch preisgeben könnte. Die Tür wurde geöffnet und ein dünner Lichtstrahl fiel in den Raum. Draco blickte auf und erkannte, dass Blaise gerade im Flur die Jacken aufhängte, während Oliver in der Tür stand.
"Draco? Wir haben gehofft, dass du hier bist. Du bist einfach verschwunden. Was ist denn mit dir los..?!" Erschrocken ließ er die Tür offen stehen und trat ins Zimmer, kniete neben Dracos Bett.
"In der Bar.. sie kannten Harry.. sie kannten ihn gut.. unter - unter anderem Namen..."
"Aber was..."
Dracos Hände zitterten, als er sich zu Oliver drehte, die Hände vor sich ineinander verschränkte.
"Er hat... er hat mich geliebt Oliver.... Harry hat mich geliebt...."
Oliver tat in diesem Moment das einzig Richtige, indem er Draco in die Arme zog, ihn fest an sich drückte.
"Es wird alles gut Drac'... es wird alles gut... wir werden ihn finden."

Kapitel 17 Sirius und REMUS

Oliver atmete tief durch während er zu Blaise ins Bett krabbelte. Der öffnete müde die Augen, schlang dann seine Arme um Oliver und zog ihn näher. "Hatte er sich wieder beruhigt?" Oliver nickte. "Er ist total erschöpft eingeschlafen. Der Kerl ist mit den Nerven absolut am Ende." "Verständlich. Ich hab in der Tür gestanden, als er die Geschichte erzählt hat. Das ist übel.. ich habe nie gewusst, dass Harry Draco liebte. Du?" Oliver schüttelte den Kopf, bevor er selbigen an Blaise Schulter legte. "Ich habe niemals so etwas geahnt... ich wusste, dass Draco Harry wichtig war. Als Gegenpol verstehst du? Aber dass er ihn geliebt hat...." Blaise griff nach Olivers Hand und drückte sie, hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. "Was tun wir jetzt?" "Ich weiß es nicht..." Schweigend blieben sie einfach aneinander gekuschelt liegen, sich gegenseitig Trost und Wärme spendend, wie es nur zwei Personen tun konnten, die einander liebten. Heftiges Klopfen an der Haustür riss die beiden aus ihrer Zweisamkeit. Oliver seufzte und schwang die Beine aus dem Bett. Sie beide hatten in den letzten Tagen sowieso nicht allzu viel Zeit füreinander gehabt, doch langsam reichte es ihm endgültig. Wütend stapfte er zu Tür, Blaise wenige Zentimeter hinter sich wissend und riss die Tür auf. "Was...!! Sirius?! Remus?!" Sirius grinste verlegen. "Dumbledore meinte, es wäre wohl das Beste, wir würden sofort hierher kommen." "Oh mein Gott... ich kann nicht mehr.. ich brauch ne Auszeit.." Ohne die beiden Älteren zu beachten, drehte sich Oliver mit diesen Worten um, ging in Richtung Küche und begann Kaffee aufzusetzen. Blaise nickte den beiden entschuldigend zu. "Ihr seid spät.. und es ist viel passiert... am besten kommt ihr einfach rein."

~*~

Sirius nahm dankend die Tasse Kaffee entgegen, betrachtete die beiden jungen Erwachsenen kritisch. Sie sahen beide übermüdet und geschafft aus. Er fragte sich, was wohl alles geschehen war. Dumbledore hatte ihm noch während des Urlaubes eine Eule geschickt um ihnen Bescheid zu sagen, dass er Draco, Oliver und Blaise mit der Suche nach Harry beauftragt hatte. "Dumbledore hat uns erzählt, dass er euch beauftragt hat, deshalb sind wir sofort hierher." Remus blickte sich suchend um. "Wo ist Draco? Sollte er nicht hier bei euch sein?" Blaise schaute zu Oliver. "Nein. Ich werde ihn nicht wecken!" "Oliver... bitte..." "Nein!! Hat er nicht schon genug ertragen?! Lass ihn wenigstens ausschlafen!!" Oliver drehte sich zu Remus und Sirius. "Es tut mir leid, aber ihr werdet warten müssen, bis Draco aufgewacht ist." Sirius legte beschwichtigend eine Hand auf Olivers Arm. "Oliver... ich weiß nicht was los ist, aber sollte bei dem Gespräch Draco nicht auch dabei sein?" "Dann werden wir mit dem verflixten Gespräch eben warten. Ich werde den armen Kerl nicht aufwecken!!" "Ist schon okay Oliver... ich bin sowieso wach..." Erschrocken drehten sich alle vier zur Tür, in der Draco stand. Verschlafen, die Haare verwuschelt, doch seine Augen zeigten, dass er innerlich hellwach war. "Sirius. Remus. Guten Abend. Ich hatte nicht erwartet, euch so früh zu treffen." Er reichte den beiden die Hand, setzte sich dann ebenfalls. "Du hast Kaffee aufgesetzt Oliver? Ich könnte einen vertragen." "Du solltest schlafen." "Ich sollte Harry finden. Bitte Oliver." Der braunhaarige Mann seufzte und stand auf um tatsächlich Kaffee zu holen. Sirius ergriff das Wort. "Ich verstehe nicht... Harry finden?" Draco bemerkte, dass Remus unter dem Tisch nach Sirius Hand griff. Draco warf Blaise einen verzweifelten Blick zu, doch der machte nur eine unauffällige Geste mit der Hand um ihm zu zeigen, dass er das selbst regeln sollte. Schließlich war er ja der Chef. Draco verfluchte sich selbst. Natürlich war er davon überzeugt, dass Harry lebte. Aber dennoch... es war nun mal nur seine Meinung! Es konnte immer noch sein, dass er irgendetwas falsch interpretiert, einige Spuren nicht gesehen hatte. Was, wenn Harry trotz allem nicht mehr lebte, oder sie ihn einfach nicht finden würden? Hatte er denn überhaupt das Recht, den beiden Menschen, die der Rolle von Harrys Eltern wohl noch am nächsten kamen, wieder Hoffnungen zu machen? Er konnte doch in Sirius Augen sehen, dass der Mann noch immer nicht verkraftet hatte, dass sein Patensohn tot war, der Mensch den er geschworen hatte unter allen Umständen zu beschützen. Doch anderseits... die beiden hatten wohl das größte Recht zu erfahren, wie weit sie bereits mit den Ermittlungen waren. Draco seufzte, bevor er zu sprechen begann. "Wir haben versucht uns in Harry hinein zu versetzen." , erklärte er ihre Vorgehensweise. "Wir haben bei seiner Geburt angefangen, mit Dudley Dursley über seine Kindheit gesprochen und schließlich Schüler und Lehrer über ihn befragt. Dabei ist eins vor allem herausgekommen. Harry hat sich niemandem geöffnet, hatte aber etwas an sich, das alle anderen dazu brachte, ihm zu folgen. Und - was wohl das Wichtigste war - er hatte es sich als sein Ziel gesetzt unter allen Umständen Voldemort zu besiegen. Danke Oliver." Oliver hatte gerade mit einem Tablett wieder das Wohnzimmer betreten, wo sie saßen, reichte Draco nun eine Tasse Kaffee, der diese vorsichtig entgegen nahm, darauf bedacht, sich nicht die Finger zu verbrennen. Dann fuhr er mit der Zusammenfassung fort. "Von Dudley jedoch haben wir einige wichtige Informationen bekommen. Harry hatte kurz nach seiner Ausbildung eine ernsthafte Beziehung zu einer Muggle. Nach einem Jahr trennte er sich von ihr. Ein halbes Jahr später erfuhr er, dass sie schwanger ist. Er sprach ihr das volle Sorgerecht zu. Es sind Zwillinge: Lisa und Cedric. Harry hat kurz vor seinem Kampf mit Voldemort Dudley aufgesucht und ihn gebeten die Kontrolle über seine Konten und sein Eigentum zu übernehmen, um seine Sachen geregelt zu wissen. Zudem hat Dudley uns erläutert, warum Harry sich von Isabelle - der Name seiner Freundin - getrennt hat. Scheinbar war sich Harry schon seit seiner Schulzeit sicher, dass er bi war. Was uns durch Fred und George bestätigt wurde. Nach der Beziehung mit Isabelle jedoch war er sich sicher, schwul zu sein. Dies wurde uns ebenfalls bestätigt, durch die Aussage von Seamus Finnegan mit dem Harry darüber geredet hatte. Nach dem gestrigen Besuch einer Bar in London und der zufälligen Erkenntnis, dass Harry früher Stammgast in dieser Bar war, wissen wir nun noch mehr... Harry..." Er stockte und die Tasse in seinen Händen zitterte. Blaise trat zu ihm und nahm ihm die Tasse ab, setzte sich auf die Lehne des Sessels und legte Draco beschwichtigend eine Hand auf die Schulter. Der ehemalige Slytherin schien zu merken, wie schwer es Draco fiel darüber zu sprechen und hatte Einsehen. "Soll ich?" fragte er, doch Draco schüttelte den Kopf. "Ich bring das jetzt hinter mich.", meinte er und atmete tief durch, unterdrückte die Tränen, die erneut in ihm aufstiegen. Wann war er so schwach geworden? Er konnte sich nicht erinnern, jemals so schwach gewesen zu sein. Das war so was von untypisch für ihn!! Seine Hände krampften sich in die Polster des Sessels. Was war mit ihm geschehen? Natürlich, er war schon lange kein Malfoy mehr... nicht seit der Sache mit Malfoy Manor und der Suspendierung durch das Ministerium. Aber er hatte immer noch seinen Stolz gehabt. Er war immer noch stark gewesen. Aber seit Harry verschwunden war... Ihm war bewußt, dass er sich seit der Suspendierung verändert hatte. Natürlich.. wer hätte dies nicht getan? Es war nur eine verständliche Reaktion auf die Geschehnisse. Er hatte sich zurückgezogen, vor allem am Anfang und über vieles nachgedacht. Er hatte sich komplett von der anderen Welt abgeschottet, hatte zu niemandem Kontakt gehabt. Halt.. nein, das stimmte so nicht...

~**~

Die Tür wurde geöffnet, ohne dass jemand geklopft hatte. Draco blickte nicht auf. Er musste nicht sehen, wer gerade seine Wohnung betreten hatte, er wusste es auch so. Es war ja sowieso immer derselbe, niemand anders hatte ihn besucht, seit er suspendiert worden war. Er ballte seine Hand zu einer Faust. Dieses verdammte Ministerium!! Was hatten sie sich... Aber gut. Nun gab es andere Sachen zu regeln. Diesen Kerl los werden zum Beispiel, der gerade unaufgefordert seine Wohnung betreten hatte. "Was willst du Potter?! Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich dich eingeladen hätte." "Hast du auch nicht. Ich dachte mir, ich komme einfach so vorbei. Kuchen? Ich habe eine köstliche Konditorei entdeckt, die Erdbeertorte musst du unbedingt probieren." "Potter!" "Nein Draco.." "Potter!" "Nein..." "Harry!!" Harry setzte sich vor Dracos Sessel auf den Boden, lächelte ihn engelsgleich an. "Das ist doch schon besser.. wie kann ich dir helfen Draco?!" "Du bist ein Volltrottel." "Ein Volltrottel der Kuchen besitzt. Du solltest nett zu mir sein, wenn du ein Stück willst." Harry stand auf, um aus der Küche Teller und Gabeln zu holen. Er war inzwischen oft genug in Malfoys Wohnung gewesen um sich auszukennen. Draco sagte nichts, sondern blieb einfach in seinem Sessel sitzen, betrachtete das Feuer im Kamin. Sie aßen stumm. Als sie fertig waren, räumte Harry die dreckigen Teller weg und spülte sie ab, bevor er wieder zu Draco trat. Er setzte sich diesmal nicht. "Geht es dir gut?" fragte er und legte eine Hand auf Dracos Schulter. Der blonde Mann reagierte nicht auf die Berührung, antwortete jedoch. "Ja." "Möchtest du reden?" Er schüttelte den Kopf. "Nein." "Gut dann...", Harry zögerte einen Moment, doch dann zog er seine Hand zurück. ".. ich gehe wohl besser wieder." Er stand schon in der Tür, als Dracos Stimme ihn aufhielt. "Harry?" Angesprochener drehte sich um. "Ja?" "Könntest du.. einfach etwas hier bleiben?" Harry nickte und ließ sich wieder zu Dracos Füßen nieder, lehnte seinen Körper gegen dessen Beine. "Natürlich Draco."

~**~

Er strich sich durch die Haare, sich vollkommen bewusst, dass die anderen ihn beobachteten. Doch das war ihm egal.. er brauchte seine Zeit um sich wieder zu fassen und seine Gedanken einiger Maßen in Ordnung zu bringen und sie würden das akzeptieren müssen. Er erinnerte sich plötzlich, dass Harry wirklich oft in seiner Nähe gewesen war. In seiner Nähe, als er ihn brauchte. Manchmal hatten sie einfach nur stumm nebeneinandergesessen, manchmal über Belanglosigkeiten geredet, manchmal sich einfach nur über Kleinigkeiten gestritten. Aber was sie eigentlich getan hatten, war unwichtig. Wichtig war, dass Harry in seiner Nähe gewesen war. Er hatte ihm Halt gegeben, als er ihn gebraucht hatte. Vielleicht war er sich dessen nicht bewusst gewesen, sondern hatte einfach nur aus Instinkt heraus gehandelt, doch das war egal. Draco erinnerte sich an das einzige Gespräch, das sie jemals zu diesem Thema geführt hatten. Das Erste und das Letzte.

~**~

"Potter?" "..." "Okay. Harry! Ich möchte mit dir reden.. ernsthaft.. also hör mir bitte zu." Harry wandte sich vom Feuer ab und setzte sich auf seinen gewohnten Platz vor Dracos Sessel. "Ich höre.", meinte er und nickte um seine Worte noch zu bestätigen. "Ich möchte das du mir ehrlich antwortest, okay?" "Wie immer Draco.. natürlich." "Warum bist du hier?" "Bitte? Ich war die letzten Wochen immer bei dir... ich dachte, es hätte schon so etwas wie Tradition." "Harry bitte! Ehrlich... das heißt die ganze Wahrheit und keine Fehlinterpretationen meiner eindeutigen Fragen, also?" Harry seufzte. "Ich dachte einfach es wäre das beste für dich... wo alles sich verändert wenigstens etwas zu haben, was immer da war und immer bleibt." "Du meinst dich selbst, ja?" Draco schien fast schon amüsiert, doch Harry blieb ernst. "Natürlich. Draco... die letzten Wochen... du warst kein einziges Mal draußen, du warst nicht mal einkaufen... und sauber gemacht hast du auch nicht..." Draco fielen diese Tatsachen erst nun auf, als Harry sie benannte. Es stimmte... er hatte kein einziges Mal die Wohnung gesäubert, obwohl dafür nur ein Zauberspruch notwendig war.. und einkaufen war er auch nicht gewesen... Er blickte sich um. Dennoch lag hier kein Staub, die Wohnung war sauber und sogar teilweise für Weihnachten geschmückt und er erinnerte sich, dass der Kühlschrank gut gefüllt gewesen war, als er sich vorhin etwas zu essen geholt hatte. "Hast du das alles getan?" fragte er und Harry nickte. "Natürlich." "Warum?" "Weil ich dein Freund bin." Draco grummelte, doch er widersprach nicht. "Draco... lass uns am Wochenende etwas unternehmen, okay? Ron und Hermione machen einen Weihnachtsfrühstück und.." "Nein." Harry seufzte. "Warum nicht? Du kannst nicht ewig in dieser Wohnung sitzen bleiben." "Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mit deinen Freunden rumhängen muss." "Sie sind auch deine Freunde..." "Harry! Auch wenn ich mit Granger recht gut klar komme - sie hat ja einiges an Intelligenz, wie ich zugeben muss - heißt das noch lange nicht, dass wir Freunde sind." "So willst du also den Rest deines Lebens alleine hier drin verbringen." "Niemand hat gesagt, dass ich alleine bin. Du bist ja schließlich hier." "Draco...." "Ist ja gut.. ist ja gut...ich geh nachher ne Runde spazieren, vielleicht auch in der Winkelgasse nen Kaffee trinken, okay...? Aber ich werde alleine gehen." "Gut." Kurze Pause. "Harry...?" "Ja." "Danke.." Harry blickt erstaunt auf, doch Draco hatte den Blick abgewandt. "Was?" seine Stimme klang heiser, doch er fand es der Situation angemessen, niemals hatte Draco Malfoy sich bei ihm bedankt. Nicht in all den Jahren, die sie sich bereits kannten, die sie teilweise sogar zusammengearbeitet hatten. Draco schüttelte den Kopf. "Ich werde es nicht wiederholen Potter." Doch das musste er auch nicht. Harry hatte die Frage nur gestellt, weil sein Kopf einige Sekunden gebraucht hatte um die neuen Ereignisse zu verarbeiten. Harry stand lächelnd auf. "Ich geh dann mal, ja?!" Draco nickte und stand ebenfalls auf, brachte Harry zum ersten Mal in all der Zeit zur Tür. "Vielleicht.. komm ich ja mal demnächst vorbei.." meinte Draco und strich sich durch die Haare. "Ich habe deine Wohnung noch nie gesehen." Harry grinste ihn an und lehnte sich leicht gegen den Türrahmen. "Wir feiern heute bei mir zusammen alle Weihnachten.. aber ich denke, dass wäre zuviel verlangt, nicht wahr? Ach wo wir gerade von Weihnachten reden.. ich wollte dir noch etwas sagen.. die ganze Zeit... Du brauchst nicht den Namen 'Malfoy', nicht das Ansehen des Ministeriums um Stolz und Ehre zu besitzen. Du bist immer noch du. Wenn du auf etwas stolz sein kannst, dann auf das, was du selbst bist. Zieh nicht einfach den Kopf ein. Ein Drache gibt doch nicht einfach kampflos auf. Heb endlich den Kopf und kämpfe. Du hast immer noch Freunde die an deiner Seite sind und dich lieben. Lieben für das, was du selbst erreicht hast und noch erreichen wirst." Draco sagte nichts, doch seine Augen zeigten Harry, dass er die richtigen Worte gefunden hatte. Er reichte Draco ein kleines Paket. Der blickte erstaunt drein. "Was ist das?" "Ein Weihnachtsgeschenk. Ich dachte es wäre vielleicht ganz angebracht.. natürlich ist es nur eine Kleinigkeit... ich weiß, dass du keins für mich hast, aber das ist auch egal... Was ist los?" "Seit wann hängt dieses Ding da?" Harry folgte seinem Blick über sie beide und wurde leicht rot. "Oh.. ich dachte... es wäre ganz hübsch.. und es passte zu dem Rest des Schmuckes.. und nunja.. Muggletraditionen weißt du ..?" "Ich weiß was ein Mistelzweig bedeutet Potter!!" "Aber du..!" Bevor Harry noch irgendetwas sagen konnte hatte Draco schon eine Hand in Harry Nacken gelegt und sich vorgebeugt, drückte seine Lippen auf die Harrys. Harry brauchte einen Moment um sich selbst in der Situation wiederzufinden, dann schloss er die Augen, erwiderte den Kuss leicht. Harry blinzelte ein paar Mal, dann lächelte er Draco an. "Also... wir sehen uns dann bald ja?" Draco nickte. "Ich denke.." Harry war schon zwei Schritte aus der Wohnung raus, dann drehte er sich noch einmal um. "Es war ein schöner Tag Draco." Draco nickte. "Fand ich auch... und Harry?" "Ja?!" "Danke für das Geschenk."


Kapitel 18 ( mir ist keine oassende Überschrieft eingefallen)

Er brauchte Harry und er würde ihn finden. Was dachte dieser Kerl sich eigentlich dabei einfach zu verschwinden?

Plötzlich kamen die Worte ganz leicht über seine Lippen.

"Harry hat mich geliebt. Deshalb war er am Tag zuvor bei mir gewesen. Ich weiß von Charly Weasley, dass Harry nach der Trennung von Isabelle eine einjährige Beziehung mit ihm hatte. Aber auch er war der Meinung, dass Harry für mich geschwärmt hat. Wie wir nun sicher wissen, hat er mehr für mich empfunden, als nur Schwärmerei.

Ihr werdet sicherlich verstehen, dass ich nach dieser Erkenntnis mehr denn je davon überzeugt bin, Harry zu finden."

Sirius Hände zitterten. Er hatte die ganze Zeit Draco nur stumm zugehört, doch nun waren es vor allem seine letzten Worte, die irgendetwas in ihm zusammenbrechen ließen.

Remus, der neben Sirius saß, war sich nicht einmal sicher, ob dieser die restlichen Worte Dracos überhaupt verstanden hatte.

"Ihr redet immer von finden, finden, Harry ist tot. Was wollt ihr da finden?!"

Draco nahm einen Schluck des Kaffees, bevor er seine Tasse wieder abstellte.

"Wir sind davon überzeugt, dass Harry lebt."

Und er begann zu erklären. Als er fertig war, zitterten Sirius Hände nicht mehr. Ganz im Gegenteil dazu war er plötzlich vollkommen gefasst.

Er verstand was los war. Und er glaubte Draco.

"Zu diesem Zeitpunkt, also als Harry gegen Voldemort gekämpft hat... da lief gerade mein Prozess. Ich war also auch weg vom Fenster und er musste sich keine Gedanken machen, dass ich etwas mitbekommen würde.

Ich habe mir... Vorwürfe gemacht, nachdem er verschwunden war. Ich habe gedacht, hätte ich mehr Zeit für ihn gehabt, wäre er vielleicht zu mir gekommen.

Wie ich nun sehe, war das natürlich Quatsch... dennoch....", er blickte Draco nun direkt an. "Ich glaube dir, dass Harry dich geliebt hat. Und wenn Harry dich geliebt hat, dann hat er dir auch vertraut. Also vertraue ich dir auch.. egal was das Ministerium sagt. Frage, was du fragen willst und ich werde dir nur die Wahrheit sagen."

Draco nickte.

"Danke Sirius."

"Es gibt keinen Grund mir zu danken. Ich muss dir danken, weil du Harry suchst."

Remus ergriff das Wort. "Was für Sirius gilt, gilt natürlich auch für mich. Harry ist für mich ebenso ein Sohn, wie für Sirius... ich werde dich in jeder erdenklichen Weise unterstützen."

Draco nickte auch ihm zu. "Auch dir Danke."

Oliver stand auf und holte einen Ordner aus dem Regal. Er und Blaise schienen sich entschieden zu haben, dem Gespräch stumm zu folgen.

Draco musste dies selber machen, das hatten sie erkannt. Er musste sich selbst den Weg suchen, den er gehen musste um Harry zu finden. Nicht nur Harry als Person, sondern auch den Platz, den Harry in seinem Innerem einnahm

Und.. Hey!.. Draco war schließlich noch immer der Chef...

Oliver reichte Draco den Ordner.

"Da ist ein Fragenkatalog drin, den ich gestern erstellt habe."

"Danke, aber den brauche ich nicht."

Oliver zog verwundert die Stirn kraus. "Nicht?"

Draco schüttelte den Kopf. "Manchmal ist es besser, die Menschen einfach reden zu lassen."

Einen Moment stand Oliver einfach nur da, dann nickte er lächelnd und stellte den Ordner zurück, setzte sich dann neben Blaise und ergriff dessen Hand.

Nur Draco fiel auf, wie viel Gefühl hinter dieser so selbstverständlich wirkenden Geste steckte. Kurzzeitig kam der Gedanke in ihm auf, dass er gerne Harry hier hätte um ebenfalls nach seiner Hand greifen zu können, doch er schob den Gedanken gleich wieder bei Seite.

Er machte einen Wink mit der Hand in Sirius Richtung.

"Erzähl mal Sirius." Sirius kratzte sich nachdenklich am Kopf.

"Ich weiß nicht... wo ich anfangen soll..."

Blaise lachte kurz auf. "Wie wäre es mit dem Anfang?"

"Gut der Anfang... ich wurde also geboren, meine Eltern zogen mich auf und..." Er wich lachend der Kopfnuss aus, die Remus ihm verpassen wollte.

"Sorry Rem. Ich reiße mich ja schon zusammen... also der Anfang..."

~*~

"Sasch ma... warum schollte isch eigentlisch her komme'?"

Lily warf Sirius einen warnenden Blick zu. "Sirius Black!! Wie oft soll ich dir noch erklären du sollst nicht mit vollem Mund reden?" Mit einer schnellen Bewegung schnappte sie sich seine Chipstüte.

"Hey!" protestierte Sirius, schwieg dann aber, wissend dass Lily nicht nachgeben würde.

James ließ sich lachend bei den beiden auf dem Sofa nieder.

"Ach Lily.. sei nachgiebig mit dem armen Jungen... Du kennst ihn doch... von Manieren hat er noch nie etwas gehört."

Lily seufzte auf und warf gespielt theatralisch die Arme in die Luft.

"Da fragt man sich doch was aus unserem Kind werden soll, wenn der Patenonkel sich so aufführt."

Sirius blinzelte verwundert bevor er den Kopf schief legte und fragte.

"Welches Kind?"

Lily lachte und schnappte sich Sirius Hand, drückte sie auf ihren Bauch, der sich bereits leicht wölbte.

"Dieses Kind."

Sirius blinzelte ein paar weitere Male und reagierte erst mal gar nicht. Lily lächelte ihn an.

"Denk nach Sirius: Bauch, Kind, Patenonkel... worauf läuft das Ganze wohl heraus....?"

Sie bemerkte, dass man Sirius sein zweites Leben als Hund viel eher ansah, wenn er so treudoof blinzelte. Dann fiel auch bei ihm endlich der Groschen.

"Du bist schwanger?" Lily lachte erleichtert auf und legte ihre Hand auf seine, drückte sie leicht. Dann nickte sie ihm zu

James legte einen Arm um Sirius Schultern, drückte ihn kurz an sich.

"So sieht es aus... und du mein Lieber.. wirst Patenonkel werden.. nur wenn du willst natürlich."

Sirius strahlte übers ganze Gesicht und fiel erst James, dann Lily um den Hals.

"Natürlich!"

~*~

"Sirius... ich weiß du hörst das nicht gerne... aber du machst da irgendetwas falsch..."

Sirius schenkte Remus einen missmutigen Blick, bevor er wieder auf die Windel und dem damit zusammenhängenden Kind schaute.

"Ich denke ich habe es richtig gemacht..."

"Ich denke du hast es falsch gemacht."

Mit diesen Worten schnappte Remus sich Harry, hob ihn hoch und nickte bedeutend in Richtung Windel die noch nicht einmal ansatzweise gehalten hatte.

Sirius seufzte ergeben. "Okay.. ich habe es falsch gemacht.."

Remus lachte und legte Harry zurück. Der gluckste nur leicht und reckte seine Hände in die Luft, versuchte nach Sirius Haaren zu greifen, als dieser sich zu ihm runterbeugte, mit dem Finger gegen seine Nase tippte.

"Aber das nimmst du mir nicht übel, nicht wahr Harry?"

Remus schob Sirius zur Seite und griff dafür nach der Windel. "Pass auf, ich zeig dir, wie das geht."

Innerhalb weniger Sekunden war Harry fertig gewickelt. Remus grinste Sirius siegessicher an. "Siehst du.. so geht das?"

Sirius ließ sich nicht beirren sondern stupste erneut Harrys Nase. Der Kleine schien diese Geste zu mögen, denn er lachte kurz auf.

Zumindest vermutete Sirius, dass es ein Lachen war. Bei Babys war er sich da nie wirklich sicher.

"Na Harry was meinst du? Onkel Remus kann zwar besser Kinder wickeln , aber dein Onkel Sirius ist doch noch immer der Coolste, stimmt's?"

Statt einer Antwort schaffte es das Baby nur letztlich doch noch eine schwarze Strähne von Sirius langen Haaren zu schnappen und daran zu ziehen.

Remus hatte schließlich Mitleid und befreite Sirius, der lachte nur. "Frechdachs der Kleine. Kein Wunder, dass James und Lily mal einen Abend frei haben wollten."

"Mmh..." Remus legte seine Arme um Sirius Taille, lehnte sich an ihn.

"Müsste Harry nicht mal ins Bett?"

"Das kann auch noch zwei Minuten warten..." mit diesen Worten zog Sirius Remus noch enger an sich, küsste ihn sanft, bis Harry zu schreien begann.

Sirius lachte als er sich löste, nahm seinen Patensohn auf den Arm.

"Na Kleiner... was ist denn? Fühlst du dich vernachlässigt?"

Harry schluchzte noch einmal, begann dann wieder zu glucksen und griff wiederholt nach Sirius Haaren. Der stupste ihm als Antwort nur wieder gegen die Nase.

"Jaja... Onkel Sirius liebt dich auch..."

~*~

"Sirius... willst du die paar Stunden, die uns noch bleiben, damit verbringen mich anzustarren?"

"Was?" Erschrocken fuhr Sirius aus seiner Position hoch, brauchte ein paar Momente um zu erkennen, dass es nur sein Patensohn war der vor ihm saß.

Er seufzte und setzte sich wieder. "Entschuldige bitte."

Harry griff nach Sirius Hand, drückte sie beruhigend. Sein Pate schien heute mehr als nervös. Natürlich... ihre Treffen waren immer gefährlich. Sie trafen sich immer in der Heulenden Hütte, alle zwei Wochen, manchmal auch öfter und die Gefahr, dass sie entdeckt wurden war immer hoch, aber so nervös war Sirius noch nie gewesen.

Harry strich mit dem Daumen leicht über Sirius Handrücken. "Erzählst du mir, was los ist?"

"Es ist eigentlich nichts großartiges..." er machte eine Geste mit der Hand, die wohl das gesamte Gebäude umfassen sollte.

"Es ist nur... dieses Haus weckt Erinnerungen.. und dann ist noch Weihnachten.. und als ich dich angesehen habe, musste ich an deinen Vater denken.. und dann musste ich daran denken, wie anders du doch bist und das ich für dich hätte da sein müssen und.."

"Sirius."

Harrys Stimme war sanft und leise, doch sie brachte Sirius sofort dazu zu verstummen. "Jetzt atme einmal tief durch."

Sirius tat wie ihm geheißen und es dauerte tatsächlich nur Sekunden bis er sich beruhigt hatte und es schaffte Harry anzulächeln.

"Sag es mir." Sirius legte den Kopf schief.

"Was?"

"Das, was da in deinem Kopf rumspukt, all diese konfusen Gedanken. Es wird besser sein, wenn du sie einfach einmal aussprichst."

"Aber ich..."

"Sirius. Ich bin es.. Harry. Dein Patensohn schon vergessen?! Ich werde dich schon verstehen... auch wenn du selbst es vielleicht noch nicht einmal verstehst."

Sirius atmete ein weiteres mal tief ein.

"Ich vermisse sie."

"Meine Eltern?"

Sirius nickte. "Ja. Du siehst James so ähnlich Harry... die Geste mit der du dir die Haare aus dem Gesicht streichst, deine Art verlegen zu grinsen, wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, der konzentrierte Gesichtsausdruck, wenn du am lernen bist. All diese kleinen Gesten sind genau so, wie James immer gehandelt hat. Und ich sehe dich und sehe die Gesten und denke. Warum ist James nicht hier? Warum ist Lily nicht hier? Sie müssten dich sehen... sie würden so stolz auf dich sein..."

Harry seufzte und lehnte sich gegen Sirius. "Die Worte bedeuten mir wirklich viel Sirius. Aber du darfst bei all den Erinnerungen eins nicht vergessen..."

"Ich weiß Harry." Unterbrach Sirius ihn und begann nun seinerseits über die Hand seines Patensohns zu streichen. "Wenn ich dich angucke erinnerst du mich natürlich an deinen Vater. Aber ich vergesse dabei niemals, dass es immer noch du bist, der vor mir sitzt. Harry. Und niemand anders."

Harry nickte. "Dann ist gut... weißt du.. manchmal, wenn Leute, die meinen Vater kannten mich anschauen und etwas zu mir sagen. 'Potter' sagen... dann habe ich manchmal das Gefühl, sie meinen gar nicht mich, sondern meinen Vater. 'Sie sind wirklich talentiert.' Hat McGonagall letzte Woche zu mir gesagt. 'Ich denke... ja ich denke sie könnten das Zeug zum Animagius haben Mister Potter.' Und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, sie schaut zwar mich an, aber in Wirklichkeit meint sie meinen Vater. Und das tut weh, zu wissen, dass Leute dich mögen, deine Fähigkeiten erkennen, aber wenn sie dich ansehen, dann denken sie nicht, dass wirklich du es bist, der all dies erreicht hat, sondern das du nur das Abbild deines Vaters bist und das es selbstverständlich ist, dass du solche Leistungen erbringst.

Immer wenn die Leute mich ansehen, sehen sie nur den Jungen, der lebt und das Abbild meines Vaters in mir. Warum kann nicht einer mich anschauen und einfach nur Harry sehen?"

Sirius drückte Harrys Hand, schaffte es so, dass Harry vom Boden aufsah und ihn anschaute. Sirius konnte keine Tränen in Harrys Augen erkennen, doch er war sich sicher, würde es sein übermäßiger Stolz es nicht verhindern, hätte Harry sicherlich geweint.

"Ich sehe dich, wenn ich dich anschaue."

Harry schüttelte den Kopf. "Nein, das tust du nicht. Du blickst mich an und siehst meinen Vater. Doch dann kommt der Schmerz wieder, weil du doch weißt, dass mein Vater tot ist und erst dann, erst wenn du diesen Schmerz gefühlt hast, wird dir bewusst, dass es nicht mein Vater ist, sondern dass ich es bin. Und erst dann siehst du 'Harry' in mir."

Sirius schwieg. Harry lächelte nur nachsichtig und lehnte seinen Kopf gegen Sirius Schulter. Diese körperliche Nähe zwischen ihnen beiden war inzwischen selbstverständlich. Wie als Ausgleich dafür, dass sie so wenig Zeit für einander hatten, waren sie sich, wenn sie sich mal wieder trafen, besonders nahe.

Sowohl körperlich, als auch geistig. Hier gab es keine Lügen, kein Zögern, keine Geheimnis. Nur Verständnis, Toleranz und die Wahrheit.

"Aber das ist okay...", erklärte er "Denn ich weiß, dass es nicht deine Schuld ist. Du kannst nicht anders, denn dafür standest du meinem Vater zu nahe."

Sirius blickte Harry an und strich ihm leicht durch die Haare. Plötzlich - er konnte sich selbst nicht erklären woher - erkannte er was der Junge dachte.

"Deshalb willst du Voldemort besiegen? Weil du danach zumindest nicht mehr 'Der Junge, der lebt' sondern einfach nur Harry sein kannst?"

"Jeder erwartet von mir Voldemort zu besiegen. Sie haben es von vorne herein erwartet... beinahe habe ich schon das Gefühl, dass dies die Bedingung war, als sie mich in die Zauberwelt geholt haben, so nach dem Motto 'Wenn du zu uns gehören willst, dann besiege den mächtigsten Zauberer der Welt.' Niemanden hat daran gedacht, dass ich gerade mal 11 Jahre alt war."

Sirius nickte verstehend. Harry löste seine Hand und stand auf, wühlte in der Tasche, die er mit gebracht hatte, reichte Sirius dann ein Sandwich. "Du hast doch sicherlich noch Hunger?"

Eigentlich war Sirius noch von dem reichlichen Abendessen satt, das Harry ihm gebracht hatte, doch er nahm das Sandwich mit einem Nicken entgegen.

"Ich mag das Meer." Meinte Harry plötzlich und schwenkte seinen Zauberstab leicht hin und her aus dem ein bläulicher Dampf floss, der sich zu einem Abbild des Meeres zusammensetzte.

Seit diesem Jahr wurde Harry in der Zauberkunst von Dumbledore persönlich unterrichtet. McGonagall sah es zwar nicht gerne, wenn er so leichtfertig mit seinen Gaben umging, aber Sirius sagte nichts dagegen.

Wenigstens diese Freiheit wollte er seinem Jungen lassen. Er schluckte den Bissen auf dem er gerade herumkaute und sagte: "Wirklich..? Das wusste ich nicht... bist du jemals am Meer gewesen?"

Harry nickte leicht. "Hermione und ich waren letzten Sommer einen Tag in Italien. Das Meer war wunderschön, vor allem im Licht des Sonnenaufganges... als ich das gesehen habe, dachte ich mir... vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung... wenn die Sonne untergeht, geht sie ja auch wieder auf... vielleicht wird ja nach dem Kampf alles wieder besser, dachte ich, obwohl ich wusste, dass es kindisch ist. Dennoch träume ich regelmäßig vom Meer... und wenn ich morgens aufwache, dann fühle ich mich wie ein kleines Kind, weil ich an einem Traum festhalte, der hoffnungslos ist."

"Das ist nicht kindisch Harry, nur menschlich."

"Aber menschlich zu sein, ist in Zeiten wie diesen kindisch... wahrscheinlich sogar mehr als das..."

Sirius schluckte den letzten Bissen herunter, legte dann seine Arme um Harry, zog den Jungen wieder an sich. Sirius stellte fest, dass Harry zitterte. Eine Schwäche die er sich sonst selten erlaubte. Ein weiteres Zeichen dafür, dass er sich in der Anwesenheit von Sirius sicher fühlte... aber vielleicht.. Sirius schüttelte sich leicht als er sich bei diesem Gedanken ertappte.. hatte der Junge auch einfach nicht mehr die Kraft immer nur stark zu sein.

"Ron hat gestern von der Zukunft gesprochen. Wir Jungs saßen alle zusammen auf seinem Bett und haben gelacht... und dann hat Ron plötzlich von der Zukunft geredet was 'nach' dem Kampf sein würde... dass war bisher immer ein Tabuthema gewesen, weil wir doch alle nicht wissen, ob wir den Kampf überhaupt überleben. Aber Ron hat dieses Tabu gebrochen.. und plötzlich haben alle erzählt.. einer nach dem anderen, ganz ernsthaft... sie haben gesagt was sie sich wünschen und wovon sie träumen. Und dann waren sie alle fertig und schauten mich plötzlich an. 'Was wünscht du dir Harry' hat er gefragt und seine Augen haben dabei geglänzt, als wäre es etwas besonderes zu erfahren was ich - Harry Potter - mir wünsche."

Sirius begann wieder beruhigend durch Harrys Haare zu streichen. Ihm warbewusst, dass er Harry behandelte wie ein Kind, doch er hatte das Gefühl als wäre es in diesem Moment das einzig Richtige. Harry fuhr fort zu reden.

"Und dann... als sie alle erwarteten, dass ich von der Zukunft - von meiner Zukunft rede.- Da wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich hatte nie darüber nachgedacht. Für mich gab es immer nur Voldemort.... Voldemort! Voldemort!! Voldemort!!! Immer nur dieser Kerl. immer nur der Krieg.. schon immer, seit ich in der Zaubererwelt bin. Und wenn meine Freunde mich fragen, warum ich kämpfe - denn nichts anderes hat die Frage nach meiner Zukunft beinhaltet-, dann bin ich nicht fähig zu antworten. Wofür kämpfe ich Sirius? Wofür kämpfe ich...."

Sirius sah sich nicht in der Lage zu antworten und so saß er einfach nur da, hielt seinen Sohn fest. Denn egal was irgendjemand denken mochte, für Harry war er dessen Vater. Nicht im biologischen Sinne, aber was die Gefühle anging und Sirius hatte das Gefühl, dass das, was Harry in diesem Moment brauchte, die Schulter seines Vaters war, auf die er sich stützen konnte. Denn wer sonst konnte ihn so verstehen, wie Sirius es tat?

Irgendwann stand Harry auf. Als Sirius aus dem Fenster schaute erkannte er, dass die Sonne fast vollständig untergegangen war.

Sie waren heute lange geblieben. In der Schule würde er bereits vermisst werden.

Harry zog sich seine Robe an, beugte sich noch einmal hinunter um Sirius zum Abschied zu umarmen. Sirius würde noch länger hier bleiben um nicht zu riskieren, dass jemand sie zusammen sah.

Dann zog Harry seinen Zauberstab, ließ ihn kurz durch die Luft schwenken und der Raum sah wieder verlassen aus, Spinnweben und Staub überall, ihr Fußspuren nicht mehr erkennbar.

"McGonagall wartet.. mein Training du weißt..."

Sirius stand auf und nickte. "Ja ich weiß.."

Harry lächelte ihn tapfer an.

"Wir sehen uns bald." Und wandte sich zum gehen.

Sirius hielt ihn auf.

"Harry... es ist nicht deine Bestimmung die Welt zu retten."

Harry lächelte wehmütig, beinahe schon verzweifelt, sprach Worte auf die Sirius zum wiederholten Male keine Antwort fand.

"Aber wenn ich es nicht tue.. wer denn dann?"

Kapitel 19

Sirius umarmte Draco fest. Draco war etwas über sich selbst erstaunt, als er die Umarmung mit beinahe genauso viel Gefühl erwiderte, doch dann dachte er nicht weiter darüber nach, sondern schloss einfach nur für einen Moment die Augen.

Als sie sich von einander trennten lächelten sie beide. Danach umarmte Draco auch Remus. Nicht ganz so lange wir Sirius, was feststellbar gewesen wäre, hätte jemand die Zeit gestoppt, aber mindestens ebenso herzlich.

Sirius und Remus nickten dem Jungen noch einmal zu, dann verließen sie die Wohnung.

Als die Tür sich schloss herrschte für einen Moment einfach nur Stille.

Blaise stand an die Wand gelehnt, Oliver wenige Zentimeter daneben. Beide betrachteten Draco stumm, warteten, was dieser nun tun würde.

Draco ignorierte die beiden, atmete tief durch und lehnte seine Stirn für einen Moment gegen die Tür. Sirius hatte von der Vergangenheit gefasster erzählt, als Draco es erwartet hatte.

Plötzlich schlangen sich Arme von hinten um ihn, lehne sich ein Körper gegen den seinen. Draco wusste ohne Aufzublicken, dass es Oliver war, der ihn umarmte.

Blaise trat ebenfalls zu ihm, legte ihm eine Hand auf die Schulter.

"Du warst verdammt stark...", meinte er leise, drückte seine Schulter leicht.

In diesem Moment schaffte es Draco nicht mehr die Tränen zurückzuhalten.

~*~

Draco legte sich bäuchlings auf das Bett, legte den Kopf auf seinen verschränkten Armen ab und schloss die Augen.

Er hatte Kopfschmerzen.

Wahrscheinlich zu wenig Schlaf hatte Oliver gemeint und Draco in sein Zimmer verfrachtet, mit einem Wink des Zauberstabes die Rollos geschlossen.

Draco jedoch hatte nicht schlafen können. Er hatte einfach nur in seinem Bett gesessen und irgendwann war er aufgestanden, hatte einige Kerzen angezündet und sich nun wieder hingelegt.

Er drehte sich leicht zur Seite und zog die Schublade seines Nachttisches auf, holte das kleine Buch heraus, dass er erst gestern erhalten hatte.

Nachdenklich schob er die Schublade zu, betrachtete dann das Buch. Durfte er? Durfte er nicht? Er hatte das Gefühl, etwas verbotenes zu tun, wenn er das Tagebuch von Harry las... anderseits... was gab es zu verlieren...? Vielleicht fand er ja hier einen Hinweis darauf, wer Harry wirklich gewesen war, wo der Mann steckte.

Er ließ seine Finger über den Umschlag gleiten, öffnete dann das Buch. Er hatte erwartet, dass auf dem Buch ein Zauber liegen würde, der es verschloss. Wie bei seinem Koffer vielleicht sogar mit einem Passwort geschützt, doch stattdessen ließ es sich widerstandslos öffnen.

Als es geöffnet war, erkannte er auch warum. Das Buch war leer. In ihm stand nichts, rein gar nichts.. die Seiten waren weiß, sahen noch nicht einmal abgenutzt aus...

Für einen Moment war er enttäuscht, doch dann erinnerte er sich. Professor McGonagall hatte erwähnt, dass es ein magisches Tagebuch sein könnte. Und sie hatte auf Harrys zweites Jahr hingewiesen.

Er sprang auf, holte aus dem Wohnzimmer Tinte und eine Feder, legte sich dann wieder auf sein Bett, das Tintenfass sorgfältig auf seinem Nachtisch abstellend.

Einen Moment zögerte er, ließ die Feder nur Millimeter über dem Papier schweben. Und was sollte er nun schreiben? Erst einmal ausprobieren....

Hallo.. schrieb er zögernd, starrte auf die Schrift. Einen Moment lang geschah gar nichts, dann verschwand die Schrift und eine neue Zeile erschien wie von selbst.

Wer bist du? Fragte das Buch und Draco schrieb seinen Namen. Kaum hatte er den Namen fertig geschrieben, da leuchtete das Buch plötzlich auf. Draco musste für einen Moment geblendet die Augen schließen und als er sie wieder öffnete, hatte sich das Buch verändert.

Die Seiten waren plötzlich beschrieben, so eng, dass sie eigentlich unleserlich sein mussten, doch es schien ein Zauber auf ihnen zu liegen, so dass Draco die Worte ohne Probleme lesen konnte.

Zettel und Fotos lagen zwischen den Seiten. Eintrittskarten und Erinnerungsstücke. Ein ganz gewöhnliches Tagebuch.

Draco holte erstaunt Luft. Seine Name schien ihm eine Art Zugangsberechtigung gegeben zu haben. Mit zitternden Händen schlug er das Buch zu, öffnete dann erneut die erste Seite auf und begann zu lesen.

~

Der Junge, der lebt, Sohn von James Potter und Lily Evans, das bin ich: Harry James Potter.

Alle Welt scheint zu glauben, mich zu kennen. Dieses Buch ist nun ein Zeugnis dessen, was ich wirklich war. Ein einfacher Junge, der versucht hat sein Leben irgendwie zu meistern.

Es mag euch an manchen Stellen wirr vorkommen, doch so war mein Leben... verwirrend und konfus. Seht also wie mein Leben aussah.. wie es wirklich aussah...

~

Draco überflog verwundert die ersten Seiten. Die meisten Einträge schienen nur ganz normale Tagebucheinträge zu sein. Ärger in der Schule, er regte sich über Snape auf, Karten die er zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommen hatte.

Manche Einträge waren hervorgehoben, gingen über mehrere Seiten. Harry schien es schon im ersten Jahr wichtig gewesen zu sein, alles aufzuschreiben was mit Voldemort oder seinen Eltern zusammenhing. Kurz vor Ende des ersten Jahres blieb Dracos Blick an einem Foto hängen, dass sich dort befand.

Es zeigte Harry als Baby, wie seine Eltern ihn auf dem Arm hielten und in die Kamera lächelten. Draco schluckte. Die Familie schien glücklich, wie aus dem Bilderbuch entsprungen. Dennoch... Harry war noch so klein auf dem Bild... Draco konnte sich nicht vorstellen, dass er sich wirklich daran erinnerte, wie es gewesen war eine Familie gehabt zu haben.

Er blätterte weiter, als ihm plötzlich ein Gedanke kam. Er blätterte zurück zur ersten Seite, verglich die Einführung mit der Schrift Harrys in den ersten beiden Jahren. Sie hatte sich verfeinert, war ordentlicher, schwunghafter geworden.

Draco fühlte sich in seinen Gedanken bestätigt. Harry hatte den ersten Eintrag nachträglich hinzugefügt, sehr viel später, als er das Tagebuch begonnen hatte.

Draco blätterte weiter. Die nächsten Jahre brachten nicht viel neues. Er erzählte wie sich das Verhältnis von Ron und Hermione immer mehr vertiefte, erzählte wie er langsam die Zaubererwelt immer genauer kennen lernte. Er erzählte, wie er mit der Last klar kam, die auf ihm lag, wie viel Sirius ihm bedeutete und wie sehr er sich wünschte Voldemort zu besiegen, wie wichtig ihm seine Freunde waren. Manchmal waren seine Einträge wirr geschrieben, wie zum Beispiel, als er von Ron erfuhr, dass Homosexualität bei Zauberern etwas ganz normales war - Anlass dieses Gespräches war die Beziehung von Seamus und Dean- und das, obwohl er mit den intoleranten Ansichten seiner Tante und seines Onkels aufgewachsen war, auch wenn er diese Ansichten niemals unterstützt hatte.

Manchmal waren sie aber auch voller Freude, voller Stolz. Die Atmosphäre änderte sich schlagartig, als das vierte Jahr und das trimagische Turnier begann.

Draco konnte nicht wirklich fassen, erklären, was genau sich geändert hatte, aber etwas war anders. Die Einträge waren plötzlich dunkler, düsterer. Und auch Harry selbst schien sich zu verändern. Seine Einträge hatten bislang etwas kindliches gehabt, regelrecht naiv, aber nun wurde er plötzlich erwachsener.

Er berichtete Ereignisse nicht mehr nur aus der Sicht eines kleinen Jungens, sondern eher als ein Erwachsener. Er brachte Intrigen und Entscheidungen der Menschen in Zusammenhänge mit familiären und politischen Situationen.

~

Cedric Diggory ist tot.

Er ist gestorben durch die Hand Voldemorts. Doch die alleinige Verantwortung für seinen Tod trage ich. Denn ich war derjenige, der eigentlich hätte sterben sollen.

Sie alle sind verständnisvoll. Natürlich sind Gerüchte im Umlauf. Aber vor allem McGonagall und Dumbledore versuchen, sie wenigstens etwas zurückzuhalten. Beim Abendessen hat Dumbledore eine seiner Reden gehalten. Dass wir Cedric als den in Erinnerung behalten sollen, der er war: mutig, ein guter Schüler, ein freundlicher Mensch mit einer goldenen Zukunft, ein guter Freund und Mitschüler und ein toller Quidditchspieler.

Das alles klingt für mich wie eine Ausrede... aber so klingt alles für mich. Seine Eltern verzeihen mir - natürlich, was sollten sie auch anderes tun, als mir zu verzeihen?

Sie blicken mich an und sagen 'Es ist gut. Es war nicht deine Schuld.' Aber was ihre Augen eigentlich sagen ist: 'Warum bist du hier? Cedric ist tot und du lebst. Warum hast du nicht wenigstens Voldemort getötet? Du lebst, Voldemort lebt, aber Cedric ist tot. Voldemort sollte tot sein oder du solltest tot sein, aber Cedric hatte nichts mit der Sache zu tun.... er sollte leben. Aber er ist tot. Cedric ist tot und es ist deine Schuld.'

Sie sehen nicht, wie riesig ihre Erwartungen sind. Ich bin gerade einmal 14, werde in zwei Monaten 15. Und dennoch soll ich stark genug sein den mächtigsten Zauberer aller Zeiten zu töten. Einmal ganz davon abgesehen, dass ich ihn gar nicht besiegen kann, weil unsere Zauberstäbe 'Brüder' sind.

Cedric Diggory ist tot.

Und ich bin sein Mörder.

Kapitel 20 Isabell


Draco Malfoys erster Gedanke, als er Isabelle Clarkon traf, war, dass sie eigentlich ein ganz normaler Mensch war. Nicht sonderlich hübsch, aber auch nicht hässlich., keine besonderen Merkmale.

Wäre sie ihm auf der Straße über den Weg gelaufen hätte er sie wahrscheinlich nicht einmal bemerkt.

Als er ihr nun gegenüber stand konnte er jedoch nicht anders als sie ausgiebig zu mustern. Und während er sich vorstellte, fiel ihm auf, was Dudley gemeint hatte, als er sagte, dass Isabelle und Harry perfekt zusammen gepasst hatten.

Es war gerade ihre Natürlichkeit und ihre ganz normale Individualität, die sie sofort zu etwas Besonderen machte und sie auf ihre ganz eigenen Art und Weise wunderschön erscheinen ließ.

Sie blinzelte ein paar Mal, nachdem er sich und auch Oliver und Blaise vorgestellt hatte und schien dann langsam zu verstehen.

"Ach... es geht um Harry nicht wahr?"

Draco nickte. "Ja genau."

"Mum!! Mum!! Cedric hat mein Auto kaputt gemacht!!"

Ein kleines Mädchen kam die Treppe heruntergerannt, in den Händen ein kaputtes Auto. Draco fiel auf, dass sie noch immer im Flur standen.

Es war nicht schwer gewesen, das Haus zu finden, in dem Isabelle zusammen mit ihren beiden Kindern wohnte. Draco war zwar erstaunt gewesen, dass sie alleine und nicht mit ihrem Freund zusammen lebte, hatte sich darüber aber keine weiteren Gedanken gemacht.

Es war ja schließlich nicht seine Sache. Alles, worum es nun noch ging, war Harry.

Draco betrachtete das kleine Mädchen einen Moment, bevor er vor ihr in die Hocke ging. Sie hatte die braun roten Haare ihrer Mutter, doch die Augen waren eindeutig Harrys.

"Wie wäre es? Soll ich das Auto wieder reparieren?" Sie blickte ihn erstaunt an.

"Kannst du das denn?"

Er lächelte. "Aber sicher. Reperaro."

"..." das Mädchen starrte ungläubig auf das Auto, schaute dann wieder Draco an.

"Du kannst zaubern?" Draco blickte fragend zu Isabelle hoch, die ihm zunickte und erklärte: "Sie wissen von Zauberern."

Draco lächelte das Mädchen wieder an. "Ja das kann ich..."

"Dann bist du doch bestimmt ein Freund von Daddy, oder?"

Draco schluckte einmal und nickte dann.

"Ja."

"Lisa, geh doch bitte hoch und spiel mit Cedric, ja?"

"Aber Mum..."

"Bitte."

"Na gut...."

Draco beobachtete, wie das Mädchen schmollend die Treppe hoch stieg, stellte sich dann wieder gerade hin und drehte sich zu Isabelle.

"Ich hoffe, wir stören nicht?" Sie lächelte.

"Nein, überhaupt nicht.. ich habe schon auf euch gewartet. Kaffee?"

~

Es ist Winter.

Wenn ich hinaus aus meinem Fenster blicke kann ich beobachten wie Schneeflocken sich von den Wolken lösen, langsam zu Boden gleiten und die Wiesen bedecken.

Es sind nur wenige Menschen draußen unterwegs. Man erkennt sofort zu welchem Haus sie gehören, denn alle tragen deutliche den Schal in den Hausfarben um den Hals.

Es sind vor allem Gryffindors, die draußen unterwegs sind.

Ich wünsche mir, noch einmal einer von ihnen zu sein.

Aber diese Zeit ist vorbei - und sie wird auch nie wieder kommen, egal wie sehr ich sie doch herbeiwünsche.

Dumbledore hat mir einen Raum für meine Arbeit zur Verfügung gestellt. Im Ministerium schaffe ich es nicht, zur Ruhe zu kommen und Zuhause.... ich werde nervös und unruhig, sobald ich meine menschenleere Wohnung betrete.

Cedric und Lisa werden dieses Jahr vier. An ihrem Geburtstag werde ich nicht mehr da sein, denn übermorgen werde ich gegen Voldemort kämpfen.

Er hat mich herausgefordert. Hat mir Visionen geschickt, bis ich seine Herausforderung angenommen habe.

Ich habe keine Angst. Ich weiß, dass ich Voldemort besiegen werde. Ich weiß nicht ob es Schicksal ist, das Erbe Gryffindors oder einfach nur ein zu großes Selbstbewusstsein, aber ich weiß es.

Voldemort wird sterben. Und was tue ich dann? So leben als wäre niemals etwas gewesen? Ich weiß, dass könnte ich nicht.

Ich habe immer mitgespielt. In ihrem wirrem Spiel, bestehend aus Schicksal und Visionen... und eigentlich ging es doch immer nur um ihre Wünsche.

Und welche Wünsche habe ich?

Ich würde gerne Frieden haben. Ich würde gerne die Narbe von meiner Stirn wischen können und einfach durch die Diagon Alley gehen, ohne erkannt zu werden.

Ich würde gerne ein Zauberer bleiben. Aber gleichzeitig... Ich weiß, dass dies nicht möglich ist. Also wieder zum Muggle werden?

Ich habe nicht unbedingt die besten Erinnerungen an meine Zeit als ganz normaler Muggle.

Und was ist mit den Personen die ich zurücklassen würde? Als Muggle kann ich keinen Kontakt zu Zauberern haben.

Wen würde ich denn verlassen?

Hermione und Ron... sie haben einander..
Sirius und Remus... sie haben einander...

Seamus und Dean... sie haben einander...

Ginny und Neville... sie haben einander...

.

.

.

Ich könnte die Liste unendlich fortsetzen.

Und wen habe ich?

Es ist Zeit fürs Mittagessen. Die Schüler gehen zurück ins Gebäude. Dumbledore hat mir angeboten, ebenfalls an dem Essen teilzunehmen. Ich habe abgelehnt. Die Hauselfen - wahrscheinlich Dobby - werden mir nachher etwas zu Essen hoch bringen.

Ich habe mich gestern mit Dudley getroffen und mit Hermione und Ron habe ich auch alles geregelt. Morgen... morgen werde ich zu Draco gehen....

Ich denke nicht, dass er gemerkt hat, was vor sich geht. Aber er wird es bald wissen. Ich weiß... er wird mich suchen.

Wahrscheinlich werden es Dumbledore oder Hermione sein, die ihn überreden Und er wird zustimmen. Zuerst wird er nicht wirklich wollen, aber nach und nach wird er herausfinden, was wirklich geschehen ist.

Er wird von Isabelle, Cedric und Lisa erfahren... er wird mit Charlie reden... und er wird begreifen, dass alles nur geplant war.

Es ist alles so voraussehbar... ist es das Schicksal, das bestimmt, wie wir zu re- und agieren haben? War es Schicksal, dass ich mich in ihn verliebt habe?

Ob man das Schicksal wirklich herausfordern kann? Ich will es ausprobieren....

Vor zwei Jahren im Sommer war ich mit Isa und den Kindern am Meer. Ich hatte das Meer bisher nur einmal gesehen.

"Das Meer war wunderschön, vor allem im Licht des Sonnenaufganges... als ich das gesehen habe, dachte ich mir... vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung... wenn die Sonne untergeht geht sie ja auch wieder auf... vielleicht wird ja nach dem Kampf alles wieder besser, dachte ich, obwohl ich wusste, dass es kindisch ist. Dennoch träume ich regelmäßig vom Meer... und wenn ich morgens aufwache, dann fühle ich mich wie ein kleines Kind, weil ich an einem Traum festhalte, der hoffnungslos ist.", habe ich einmal zu Sirius gesagt.

Als ich mit meinem Kindern am Strand saß und den Sonnenuntergang beobachtet habe, war jedoch alles, was ich wollte - egal wie hoffnungslos es auch sein sollte, diesen Wunsch zu hegen - meinen Kindern ein schönes Leben zu garantieren.

Dobby hat das Essen gebracht. Schnitzel, Gemüse und dazu Kartoffelbrei. Ich weiß nicht warum, aber Ron hat dieses Zeug immer geliebt.

Irgendwie schmeckt das Essen fad. Liegt das an mir oder an dem Essen selbst? Die Hauselfen haben noch nie fades Essen gekocht.

Mein Tintenfass ist fast leer.

Das Mittagessen scheint vorbei zu sein. Schüler rennen hinaus. Früher habe ich Schneeballschlachten geliebt. Bei den Dursleys konnte ich Dudley immer nur zugucken können (oder die Bälle abbekommen), aber hier auf Hogwarts war es anders.

Es war kein Kampf, sondern ein Spiel. Und ich war ein Teil des Spieles, das gemeinsam mit Freunden gespielt wurde. Denn selbst die Slytherins waren unsere Freunde.

Auf Hogwarts war alles anders - doch inzwischen ist aus dem Spiel Kampf geworden.

Es wird spät. Ich muss gehen - Koffer packen. Was packt man ein, wenn man gegen das Schicksal kämpft?

Isa, Cedric, Lisa, Sirius, Hermione, Ron, Charlie.. ihr alle.. ich liebe euch wirklich.. bitte verzeiht mir....

.

.

.

.

.

.

Aber was ist... wenn es Schicksal ist, dass ich gegen das Schicksal kämpfe?

~

Isa faltete das Blatt sorgfältig zusammen und reichte es Draco zurück. "Das ist also Harrys Abschiedsbrief?"

Draco zuckte mit den Schultern. "Ich glaube, der Brief sollte diese Funktion einnehmen, ja. Er lag in seinem Tagebuch."

Isabelle blickte auf ihre Hände, sie schien nicht nervös oder geschockt, sondern einfach nur nachdenklich, als müsste sie dieses neue Puzzleteil in ihr Weltbild einordnen und erst einmal den Platz finden, an den es gehörte. Und sie wusste, es passte, irgendwo, ganz sicher, es war so einleuchtend, dass es dazugehörte, dass sie sich fast schon schämte nie bemerkt zu haben, dass es fehlte. Und nun, da sie sich dem Fehlen bewusst war, konnte sie das Puzzleteil einfach nicht einordnen.

Schließlich blickte sie auf und lächelte Draco an.

"Das heißt also, Harry ist nicht tot, ja?"

Draco nickte. "Sicherlich. Wir wissen nicht, wie es ihm geht, wo er ist und auch nicht warum er weg ist, aber was wir sicher wissen, ist, dass er auf jeden Fall noch lebt."

Isa nickte nur und blickte kurz auf den Boden, bevor sie es wagte Draco wieder anzuschauen.

"Wie kann ich euch nun noch helfen?"

"Wenn es dir nichts ausmachen würde, könntest du den beiden hier.", er zeigte auf Draco und Oliver "Einfach alles erzählen, was dir zu Harry einfällt, während ich mich etwas in dem Haus umblicke. Ich möchte einen Eindruck gewinnen, wie die Familie aussieht, die Harry hätte haben können."

~*~

"Gefällt dir das Bild?"

Draco drehte sich zu dem kleinen Jungen um, der plötzlich neben ihm aufgetaucht war. Er lächelte und ließ sich in die Knie sinken um mit dem Jungen auf einer Ebene zu sein.

Die letzten fünf Minuten hatte er wohl damit verbracht, das Bild anzuschauen, das auf dem Flur im ersten Stock vor den Zimmern der Kinder hing.

Es zeigte eine Strandgegend, die er keinem bestimmten Land zuordnen konnte. Draco konnte erkennen, dass es keine Touristengegend zu sein schien, denn es standen nur einige Holzhütten in der Nähe des Meeres, die wohl eher zum Wohnen, als für Touristen gedacht waren

Das Meer war leicht aufgewühlt und im Hintergrund konnte er die Sonne nur schemenhaft hinter dichten Wolken erkennen. Es schien ein Sturm aufzukommen.

Draco wunderte sich, warum Isabelle ein solch düsteres Bild in die Nähe der Kinderzimmer hängte. Der Junge gab ihm die Antwort ohne gefragt zu werden.

"Das Bild hat Papa gemalt."

"Harry?!"

Der Junge drehte sich zu ihm um. Draco war erstaunt. Der Junge hatte zwar die schwarzen, strubbeligen Haare seines Vaters, doch ansonsten hätte niemand ihn als den Sohn von Harry Potter erkannt. Und dennoch... hatte der Junge selbst eben jene Ausstrahlung, die auch Harry einmalig gemacht hatte.

Der Junge legte den Kopf schief.

"Yeah... ich glaube so heißt mein Vater, nicht wahr?"

"Ja. So heißt dein Vater. Du hast ihn nicht oft gesehen?"

"Nein. Aber er war immer sehr nett. Ich habe ihn lieb. Du auch?"

Einen Moment starrte Draco den Jungen einfach nur an, sich fragend, wie er auf so etwas kam, bis ihm einfiel, dass er ja schließlich nur ein Kind war.

Wahrscheinlich war er sich gar nicht bewußt, welche Bedeutung diese Worte für Draco selbst hatten.

Er lächelte den Jungen an. "Ja. Ich hab deinen Vater auch lieb."

Der Junge drehte sich zu dem Bild und Draco folgte seinem Beispiel.

"Dein Vater hat das also gemalt, ja?"

"Ja. Er hat diese Landschaft geliebt." Draco richtete sich erstaunt auf und drehte sich leicht, nur um Isa zu erkennen, die zu ihnen trat.

"Er hat immer wieder vom Meer geredet und dass wir mal wieder dort hinfahren müssten."

"Zum Meer?"

"Ja. Hier dieses Bild. Er hat es von einem Foto abgezeichnet, das er gemacht hatte, als wir im Urlaub mit den Kleinen waren."

Etwas in Dracos Kopf machte 'Klick'. Das Meer. Sirius hatte etwas in diese Richtung erwähnt. Und nun auch noch Isa.

Er blickte Isa überzeugt an.

"Hast du noch die Adresse?"

kapitel 21 Auf nach Italien

"Wieso hast du uns nichts erzählt Draco?" Draco strich sich die Haare aus dem Gesicht und drehte sich vom Rücken auf die Seite um Blaise anblicken zu können.

"Es tut mir leid."

"Es tut dir leid?" echote Blaise und schüttelte dabei die Hand ab, die Oliver beruhigend auf seine Schulter legte.

"Manchmal ist es nicht genug, dass es dir einfach nur leid tut Draco!"

Der blonde Mann richtete sich soweit es in dem engen Bett notwendig war auf und schaute Blaise nachdenklich an. Nach einer Weile fragte er:

"Bist du wütend?" Blaise zögerte kurz bevor er antwortete.

"Nein nicht wirklich. Ich dachte nur.. wenn wir doch zusammen arbeiten...."

Er atmete einmal tief durch und begann dann noch einmal von vorne. "Ich hätte erwartet, dass du uns den Abschiedsbrief wenigstens zeigst."

"Ich hatte eigentlich noch nicht einmal vor in Isabelle zu zeigen..." meinte Draco. Es klang nicht wirklich wie eine Rechtfertigung, eher wie eine zusätzliche Erklärung, die er sogar selbst als unnötig empfand.

"Aber du hast ihn ihr gezeigt." Draco senkte den Kopf und blickte zu Boden.

"Es tut mir leid."

"Das sagtest du. Warum?" Drracos Hände verschränkten sich nervös in einander. "Als ich ihr gegenüber saß... da schien es einfach als das richtige."

Blaise seufzte und reichte über den schmalen Gang hinüber nach Dracos Händen, drückte sie kurz. "Es ist okay Draco. Ich bin nicht sauer auf dich."

Draco blickte auf. "Wirklich nicht?"

"Wirklich nicht."

Blaise wandte den Blick ab und schaute aus dem Fenster, beobachtete wie die Landschaft am Zug vorbeiflog.

"Wo fahren wir eigentlich genau hin?"

"Nach Italien. Ans Meer."

"Und genauer?"

"Zu Harry."

"Woher weißt du das er dort ist?"

Draco zuckte mit den Schulter. "Intuition. Wissen. Schlussfolgerung. Nenn es, wie du willst. Ich weiß es einfach."

Blaise ließ Dracos Hände los und lehnte sich nach hinten gegen die Wand des kleinen Zugabteils, legte mit einer selbstverständlichen Geste einen Arm um Olivers Schultern, als dieser sich gegen ihn lehnte.

Es war eine Geste der Art, wie man sie täglich hundertfach ausführten. Eine Geste, wie das Ausschalten des Weckers morgens nach dem Aufwachen, wie das nachdenklich auf der Lippe kauen oder das Aus- dem- Gesicht- Streichen nerviger Haarsträhnen.

Eine Geste, die man gar nicht wirklich bewußt ausführte. Draco war überrascht, wie eine solch nebensächliche Geste dennoch so voller Gefühl sein konnte.

Er stand auf und streckte sich, sowohl um seine Muskeln zu entspannen, wie auch um die Gedanken abzuwerfen, die ihn nur deprimierten.

Als er sich wieder setzte, reichte Oliver ihm eine Tasse heißen Kaffee und fragte:

"Warum reisen wir mit dem Zug?"

Draco betrachtete die schwarze Flüssigkeit in dem Plastikbecher nachdenklich, bevor er den Blick wieder hob und Oliver antwortete.

"Du kennst doch Harry. Und du siehst, was er hier getan hat. Glaubst du wirklich, wir könnten unbemerkt bei ihm in der Nähe apparieren?"

Oliver schüttelte den Kopf und lehnte sich wieder gegen Blaise. Draco tat es den beiden gleich und lehnte sich gegen die Wand seines eigenen Bettes.

Zug fahren war sonst nicht so seine Sache, aber es war ihm immer noch lieber, als zu fliegen.

"Draco?"

Draco wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis Olivers Stimme ihn aus dem Halbschlaf riss, in den er verfallen war.

Es war kein angenehmer Schlaf gewesen, sondern ein unangenehmes Dösen zwischen Realität und Schlaf, das nicht wirklich erholsam war.

Er strich sich über die Augen, bevor er Oliver direkt anblickte. Der braunhaarige Junge blickte ihn ernst an und Draco war schlagartig wach.

Er nickte dem Mann zu, als Zeichen das er hörte.

"Draco... was ist damals passiert?"

Er wusste sofort, was Oliver meinte. Eigentlich hatte er die Frage schon sehr viel früher erwartet. Es hatte ihn gewundert, wie es Oliver und Blaise so lange mit ihm ausgehalten hatten, ohne die ganze Wahrheit zu wissen.

Er seufzte und zog die Beine näher an sich heran, als wolle er sich vor Angriffen von außen zu schützen und schlang seine Arme um diese.

"Ich habe das Ministerium verraten."

Oliver schnappte erstaunt nach Luft, doch er sagte nichts, ebenso wenig wie Blaise, der nur stumm nach Olivers Hand griff.

Draco hatte noch nie jemandem die ganze Geschichte erzählt. Eigentlich, so fiel ihm jetzt auf, wenn er darüber nachdachte, wusste niemand außer ihm und Harry die komplette Geschichte.

Nicht einmal das Ministerium, auch wenn es dies glaubte.

Er schlang die Arme noch etwas enger um seine Beine und begann die Geschichte zu erzählen, die sein Leben für immer geprägt hatte.

~**~

"Hey Draco. Ich war in der Bäckerei. Willst du auch was?"

"Was hast du denn anzubieten?"

"Mmmh.... Käsebrötchen, Berliner, Wurstbrötchen... alles mögliche..."

"Gibt es einen neuen Auftrag?"

"Yep. Die Vorbereitungen laufen, sprich, wir haben jetzt damit anzufangen. Also was willst du?"

Draco lehnte sich zu Harry, musterte kritisch den Inhalt der beiden Brötchentüten.

"Ist das ein Schoko-Nougat-Croissant?"

"Ja aber.... das ist meins..."

Harrys Protest kam zu spät, denn Draco hatte sich das Croissant bereits geschnappt, biss grinsend und provozierend hinein. Harry seufzte nur und ließ sich auf den Stuhl gegenüber von Draco fallen, stütze seine Ellebogen auf dem Tisch ab um seinen Arm ablegen zu können.

Schweigen lag zwischen ihnen - angenehme Stille, nicht schwer und deprimierend - bis Draco das Croissant halb aufgegessen hatte und die restliche Hälfte Harry entgegenstreckte.

"Nimm schon. Sonst überlege ich es mir noch mal anders."

Harry blinzelte ein paar Mal verwirrt, doch dann lächelte er, nahm den Rest entgegen.

"Danke Draco."

Der Blonde zuckte nur mit den Schultern, versucht möglichst gelassen zu erscheinen, doch sein Verhalten entlockte Harry nur ein weiteres Grinsen.

"Es ist ja eigentlich deins.", und dann um abzulenken "Was ist jetzt mit diesem neuen Auftrag?" "Ach ja."

Er biss in das Croissanthielt es mit den Zähnen fest, während er aus einer Aktentasche, die Draco bisher gar nicht aufgefallen war, einige Ordner raussuchte.

"Hier. Wir beide leiten."

Draco schlug die Akten auf. Es war immer wie jetzt. Harry erfuhr die Aufträge immer zuerst, meistens durch Sirius. Anfangs war Draco noch sauer gewesen, die Aufträge so spät zu erfahren, doch irgendwann hatte er verstanden, dass es wichtig für Sirius und Harry war, dass sie zuerst alleine über alles sprachen.

Es war ein Zeichen des Vertrauens zwischen ihnen beiden, ein Moment, der nur ihnen gehörte, eine Möglichkeit für Sirius zu zeigen, dass er stolz auf Harry war, eine Tradition zwischen Vater und Sohn. Draco hatte gehört, dass es in einigen Mugglefamilien üblich war, dass Vater und Sohn in regelmäßigen Abständen zusammen angeln gingen und vermutete, dass dieses Auftragbesprechen für Harry und Sirius etwas ähnliches bedeutete.

So hatte er sie gelassen. Selbst ein Malfoy hatte schließlich ein Herz. Auch wenn es vielleicht nicht sofort zu sehen war.

Jedenfalls erfuhr Harry von den Aufträgen immer zuerst. Und dann kam er zu ihm in die Bücherei - Draco war immer in der Bücherei um einige der alten Zaubertränke und Zaubersprüche zu erforschen - gab ihm die Akten, ließ ihn diese durcharbeiten, bevor sie den Plan gemeinsam noch einmal durchgingen.

An diesem Tag jedoch warf Draco nur einen kurzen Blick in die Akten, bevor er Harry wieder anguckte.

"Meinst du das ernst?"

Das Lächeln war von Harrys Gesicht verschwunden und er blickte vollkommen ernst drein.

"Du weißt... ich habe es so lange rausgezögert wie ich konnte... aber auf diese Entscheidung hatte ich inzwischen keinen Einfluss mehr.. sie kommt von ganz oben, direkt vom Ministerium."

Draco blickte wieder in die Akten, seine Augen flackernd mit Emotionen.

"Wir werden es also wirklich tun....", meinte er, seine Stimme leise und schüchtern, Emotionen in sich tragend, die er immer nur dann zuließ, wenn er sich wirklich sicher fühlte.

Harry nickte entschlossen und streckte eine Hand aus um über den Tisch hinweg nach Dracos zu greifen, der die Berührung zuließ ohne sie wirklich zu bemerken.

"Ja. Wir greifen Malfoy Manor an."

~

"Hey.... schlaf mir nicht ein, ja?" Draco hob den Kopf, lächelte Harry müde an, versuchte so wach wie möglich auszusehen.

"Ich würde doch nicht mitten in einem Auftrag einschlafen." "Das sollte kein Vorwurf sein. Du hast gestern noch bis weit in die Nacht hinein an den Plänen gearbeitet."

"Du hattest einige Fehler gemacht. Ich wollte sie nur überarbeiten. Einige Menschen nehmen ihre Arbeit ernst." "Das tue ich auch Malfoy. Glaube nicht, dass du mir so kommen könntest!!"

Beide starrten sich für einen Moment einfach nur sauer an, dann kicherten sie beide leise - Harry wesentlich kindlicher, als Draco - bis Harrys Uhr leise piepste.

Sofort waren sie still und Harry schaltete den Alarm aus. Sie rappelten sich leicht auf, linsten aus dem Gebüsch heraus.

"Zehn...neun... acht.. sieben...", begann Harry zu zählen und synchron griffen beide nach ihren Zauberstäben "...drei... zwei... eins... Go!!"

Hätte Harry solche Aufträge nicht schon Dutzende Male erlebt, wäre er von dem scheinbaren Chaos wahrscheinlich vollkommen überrumpelt gewesen, stattdessen erkannte er sofort, dass alles vollkommen nach Plan lief.

Sie waren fast 150 Auroren, die an diesem Auftrag teilnahmen. Beauftragt, die Manor einzunehmen und die Death Eater gefangen zu nehmen.

Harry hatte Draco angeboten den Auftrag alleine durchzuführen. Er konnte verstehen, wie der Junge sich fühlen musste, wo er doch gegen seine eigene Familie kämpfte. Doch Draco hatte ihn nur für einen Moment angeguckt.

"Auftrag ist Auftrag. Im Job bin ich Auror und nicht Mensch." Hatte er gezischt, sich umgedreht und war die Pläne noch einmal durchgegangen.

Nun kämpften sie sich Seite an Seite durch die Gänge, darauf bedacht die verschiedenen kleinen Truppen in ihren Aufträgen zu unterstützen.

Harry blickte sich um. Überall waren Schreie und Zaubersprüche zu hören, doch er konnte denjenigen, den er suchte, einfach nicht finden.

Wo war Lucius Malfoy?

Als er einige Zeit später nach draußen trat, Draco hinter sich wissend, wurden dort gerade die letzten Gefangenen weggeführt. Die meisten Auroren waren dabei, die Manor zu sicher, während sich die Verletzten - soweit Harry bis jetzt wußte, gab es keine Verluste oder Schwerverletzte - versorgen ließen.

Ein Auror - Ben Stanton, soweit sich Harry erinnerte, der junge Auror war ihm gerade letzte Woche als begabter Neuling vorgestellt worden - trat zu ihnen und reichte ihnen den Bericht.

Harry schlug den Bericht aus, las die erste Zeile und blickte dann wieder zu Ben auf. "Sag, ist da was wichtiges drin oder reicht es wenn ich mir den Bericht nachher im Ministerium durchlese?"

"Nichts außergewöhnliches. Wir haben 65 Death Eater festgenommen und einige Unterlagen, die aber erst noch geprüft werden müssen, gefunden.", er zögerte kurz und Harry konnte ganz genau sehen, wie Bens Blick für einen Moment zu Draco glitt. Er gab dem jungen Mann - in Wirklichkeit war er gerade mal zwei Jahre jünger als Harry - ein Zeichen fortzufahren.

"Die Malfoys haben wir nicht gefunden. Hier war unser letzter Anhaltspunkt, wir haben keine Ahnung, wo sie sich befinden. Fudge will die Suche nach ihnen auf Eis legen lassen - Verschwendung von Mitarbeitern, nennt er die Aktion."

"Danke Ben. Draco und ich werden hier nicht mehr gebraucht? Gut dann kehren wir zum Ministerium zurück."

Draco und er gingen Seite an Seite zu einem Auror, wo sie einen Portkey erhielten. Tatorte wurden immer mit einem Bannzauber belegt um zu verhindern, dass Leute unkontrolliert her und weg apparieren und vielleicht sogar Beweise zerstören konnten.

Harry versuchte seine Gedanken zu ordnen. Die Malfoys waren nicht hier gewesen. Sie hatten doch schon so lange nach ihnen gesucht!!! Nur Malfoy Manor hatten sie bisher noch nicht untersuchen können, da auf diesem Gelände einfach zu viele Schutzzauber lagen.

Noch während er nachdachte, begann der Portkey zu wirken Auf altbekannte Art und Weise verwischte die Realität um ihn herum und für einen Moment hatte er das Gefühl in vollkommener Leere zu schweben, bevor sich die Erde neu zusammensetzte.

Sie befanden sich in einem der kaum b/genutzten Gänge des Ministeriums, der heute vollständig leer war.

"Worüber denkst du nach?" hörte er Draco hinter sich fragen und hatte das Gefühl, dass dessen Stimme ihm irgendetwas sagen sollte, dass es dort etwas gab, was er bemerken müsste, doch er konnte nicht den Finger darauf legen.

"Über deine Eltern", Draco hatte ihm oft genug gesagt, dass er wollte, dass Harry auch über dieses Thema offen sprach. "Sie hätten da sein müssen... sie hätten einfach da sein müssen... ich verstehe es nicht..."

Er schritt langsam den Gang entlang, nicht einmal darauf achtend, ob Draco ihm folgte bis er dessen Stimme hörte.

"Geheimniswahrer."

"Was?" Harry blieb stehen, nicht verstehend.

"Es gab einen Geheimniswahrer."

Und mit der Erkenntnis, die Dracos Worte in ihm auslösten, fuhr Harry erschrocken herum, blickte Draco an, der den Blick zu Boden gesenkt hatte.

"Du....!!"

Draco blickte auf, schaute Harry für einen Moment einfach nur an, bevor er langsam nickte.

Erkenntnis durchraste Harry, vermischte sich mit Unverständnis, Wut und Enttäuschung und bevor er selbst wirklich verstand was er tat, hatte er sich schon auf Draco gestürzt und prügelte auf ihn ein.

~

"Du bist der Geheimniswahrer deiner Eltern."

"Ja."

"Du hast mir nichts erzählt."

"Ja."

"Du hast uns alle angelogen."

"Ja."

"Und trotz allem hast du gemeinsam mit uns Malfoy Manor angegriffen."

"Ja."

"Ich versteh dich einfach nicht Draco."

"Das habe ich nie von dir erwartet."

"... Tut es noch sehr weh?"

"Was?"

"Deine Wange. Ich habe ziemlich fest zugeschlagen."

"Ich merk es kaum noch."

"Tut mir leid."

"Schon okay... war ja meine Schuld."

"..."

"Wann ist meine Verhandlung?"

"Morgen."

"Dann werden wir uns also nicht mehr sehen?"

"Ich werde anwesend sein."

"Ich dachte, die Öffentlichkeit sei ausgeschlossen?"

"Ich werde für dich aussagen."

"Für oder gegen mich?"

"Für."

"Oh. Warum?"

"Weil ich nicht glaube, dass du dem Ministerium damit schaden wolltest."

"Warum nicht?"

"Nun... als wir die Pläne gemacht haben, hast du uns in alle Geheimnisse eingeweiht - bis auf dieses eine - und du hast mir schließlich gesagt, dass du der Geheimniswahrer bist, nicht wahr?"

"...."

"Ich vertraue dir Draco. Irgendwie... holen wir dich schon da raus."

"Du verzeihst mir?"

"Natürlich. Wenn ich in deiner Situation gewesen wäre.... Ich hätte wahrscheinlich nicht anders gehandelt."

~

"Draco Lucius Malfoy. Das Ministerium erkennt sie schuldig des Vorwurfes des Verrates am Zauberministerium.

Sie haben den Angriff gegen Malfoy Manor stark gefährdet und auch das Leben ihrer Mitstreiter in akute Gefahr gebracht.

Sie haben sich nicht fähig erwiesen, weiterhin in das Vertrauen des Ministeriums gezogen zu werden.

Aufgrund ihrer bisherigen Verdienste für das Ministerium, ihrer hervorragenden Arbeiten und dems vehementen Einsatzes von Harry Potter für sie, sieht das Ministerium davon ab, sie zu seiner Haftstrafe zu verurteilen.

Stattdessen suspendieren wir sie mit sofortiger Wirkung auf lebenslange Zeit von der Arbeit beim Ministerium. Sie werden nie wieder fürs Ministerium arbeiten."

~**~

Als er die Augen wieder öffnete, fand er sich zu seiner Überraschung in Olivers Armen wieder, eine seiner Hände mit der von Blaise verschränkt, der zu seiner anderen Seite saß.

Er schloss die Augen instinktiv wieder, als er hörte wie die beiden über seinem Kopf hinweg zaghafte Küsse und leise gemurmelteLiebkosungen austauschte.

Einen Moment überlegte er, die beiden einfach zu unterbrechen, doch dann entschied er sich dagegen. Die beiden hatten in letzter Zeit viel zu wenig Zeit für sich alleine gehabt, waren kaum zusammen gewesen oder hatten einfach ein bisschen ihr Leben genossen.

Draco seufzte lautlos. Er konnte nicht umhin, sich schuldig zu fühlen Schließlich war er es gewesen, der das Leben der beiden vollkommen durcheinander gebracht hatte.

Er öffnete die Augen, als der Zug hielt, genau in dem selben Moment, in dem Oliver begann leicht an seiner Schulter zu rütteln.

"Ich bin ja schon wach... ich bin ja wach..." grummelte er und rieb sich leicht über die Augen. "Was ist denn los?"

Blaise lächelte ihn schwach an, während Oliver begann ihre Sachen zusammenzusuchen.

Als Draco aus dem Fenster blickte, erkannte er, dass es draußen bereits hell geworden war - sie waren mit dem Nachtzug gefahren - und es mindestens neun oder zehn Uhr sein musste.

Er stand ebenfalls auf und zog sich seine Jacke über, schnappte sich seine Tasche und folgte Oliver aus dem Zug. Sie mussten von hier aus noch etwa eine Stunde mit dem Auto fahren - hier war er wirklich froh, dass Blaise vor ein paar Jahren, obwohl er Zauberer war, den Führerschein gemacht hatte,- dann hätten sie die kleine Stadt namens Rompot sicherlich erreicht.

Als sie auf dem Bahnhof standen, blickte Draco sich hilflos um. Der einzige Bahnhof den er bisher gekannt hatte, war der Londoner Bahnhof gewesen.

Und der Bahnhof hier war wesentlich kleiner, bestand aus gerade einmal zwei Gleisen.

Er schaute sich um, zeigte schließlich auf die Information, die nur aus einem kleinen, schmuddeligen Raum bestand und nicht sonderlich einlandend aussah.

"Ich denke da kriegen wir unseren Mietwagen her."


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