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Copyright: Alle Charaktere sind von J.K Rowling, bis auf ein paar wenige, aber die werdet ihr schon entdecken. Für eventuelle Rechtschreibefehler hafte ich nicht!

Danke an: Angel-of-Mystic, die sich als Beta hier durchgewurschtelt hat und meine Fehler verbessert –wink- (ja, auch ich bin nicht perfekt). Und noch ein Danke an meine Eltern, die sich bis auf die Knochen verprügeln und ich so einige Streitgespräche abschauen kann.. ich hoffe das geht nicht ewig so.

Summary: Hier geht es um Herm und Sev... wie immer. Die beiden haben geheiratet und herm stellt sich die Frage ob ihr Ehemann wirklich die Treue einhält, die er ihr geschworen hat. Im übrigen ist dies hier, die nicht-ganz Fortsetzung von "Die zweite Vergangenheit" Aber keine Panik ihr müsst die Story nicht gelesen haben um diese hier zu verstehen!


Kapitel 8 - Unerwarteter Besuch

Und auf jeden Fall,
bin ich gar nicht in dich verliebt...

Hermine wurde am nächsten Morgen von einem lauten Klopfen an der Schlafzimmertür geweckt.
Severus war schon vor einigen Stunden gegangen und Hermine hatte sich noch einmal hingelegt, wie zu erwarten ging es ihr heute nicht wirklich gut.

Der Regen hatte ihr eine scheußliche Erkältung zugefügt und sie hatte starke Kreuzschmerzen und Muskelkater, wahrscheinlich vom Sitzen.
Müde stand sie auf und griff nach ihrem Bademantel, den sie sich hastig umband und noch etwas verschlafen die Tür öffnete.

„Was... oh Professor Dumbledore!“ rief sie erstaunt und war mit einem Mal total wach, erst jetzt fiel ihr auf, dass es theoretisch niemand sonst hätte sein können, die meisten benutzten die Tür und für jemanden aus Hogwarts war nun einmal die Kaminreise praktischer.
Er sah sie sanft lächelnd an und Hermine erwiderte sein Lächeln.

„Hermine..“ begann er und sah sie gespielt mahnend an „Wie oft soll ich dir noch sagen, das du mich Albus nennen kannst, ich lege nicht soviel Wert auf solche Höflichkeiten!“
Hermine lachte kurz und wurde sich bewusst, dass er noch immer an der Tür ihres Schlafzimmers stand, hastig zog sie sich Pantoffeln an und führte ihn in die Küche.

Sie forderte ihn auf sich zu setzen und holte zwei Tassen Kaffee und eine Schüssel mit Süßigkeiten. Aus Erfahrung wusste sie, das man bei seinem Besuch immer welche im Haus haben sollte und sie bemerkte mit einem Lächeln, dass er schon begeistert mit seiner Hand drin rum wühlte.
„Was führt Sie... dich denn überhaupt zu mir?“ fragte sie nach einer Weile gespannt und er sah nickend hoch.

„Ja richtig... ich wollte dich eigentlich nicht wecken, aber ich hatte mir erhofft, dass ich Severus noch hier antreffen würde, da er ja die ersten Stunden heute frei hat und sie für das Projekt nutzen wollte. Ich dachte, sie würden vielleicht hier arbeiten, aber die Zaubertrankklasse ist wohl doch am geeignetsten“ Er schob sich lächelnd ein Bonbon in den Mund und faltete seine Hände zusammen. Hermines Blick hatte sich verdunkelt, wieso wusste sie mal wieder nichts davon, dass Severus die ersten Stunden heute frei hatte?

Aber gut, sie wollte ja auch gestern nichts mehr von dem Thema wissen, wahrscheinlich hatte er deshalb nichts gesagt.
„Und inzwischen kam ich zu dem Entschluss, das wir uns schon lange nicht mehr gesehen haben“ beendete er seinen Bericht und Hermine musste daraufhin lachen, Albus war immer wieder ein angenehmer Besucher, nicht anspruchsvoll und man musste selbst nicht viel erzählen, da er schon redete.

Er wusste eigentlich immer Themen, die gerade von dem ablenkten, was einen belastete, auch wenn man nicht wusste, ob er das mit Absicht tat oder es unbewusst war.
„Was wolltest du denn von Severus?“ fragte Hermine vorsichtig und schielte über den Rand ihrer Kaffeetasse.

„Oh ich wollte mir eigentlich zeigen lassen, wie weit er mit diesem Projekt ist, es ist recht wichtig und ich wollte sehen, ob es bis Weihnachten brauchbar ist!“ Er warf ihr einen lächelnden und zugleich vielsagenden Blick zu und tat dann wieder vollkommen uninteressiert.
Hermine hielt geistesabwesend ihre Tasse in der Hand und dachte darüber nach. Albus hielt es für wichtig und sie machte Severus eine Szene, sobald er daran arbeitete, wie dumm sie doch war.
Es hätte doch eigentlich schon bei ihr klingeln müssen, als Minerva danach gefragt hatte. Alle seine Kollegen in Hogwarts wussten davon, da hatte er es sich sicherlich nicht selbst ausgesucht, dieses Projekt zu machen.

Sie seufzte gequält und sah wieder zu Albus, der seine Stirn fragend hochzog, sie schüttelte jedoch nur den Kopf.
„Sag mal“ meinte er schließlich während er nachdenklich mit dem Zeigefinger in den Bonbons rührte „Möchtest du nicht irgendwann wieder arbeiten gehen, ich kann mir denken, dass es hier nicht sonderlich spannend ist, oder?“
Hermine sah ihn irritiert an.

„Aber gerade deswegen hat Severus dich doch danach gefragt“
Albus lehnte sich im Stuhl zurück und zog eine Augenbraue hoch.
„So. Und was habe ich gesagt?“

Hermine kam das alles etwas seltsam vor, aber sie beschloss sich nichts anmerken zu lassen, vielleicht wurde er einfach nur alt und vergaß Dinge, die für ihn nicht wirklich von Bedeutung waren.
„In Hogwarts ist momentan nichts frei!“
Albus schüttelte den Kopf und lachte, hörte jedoch abrupt auf, als er Hermines ernstes Gesicht sah.
„Er weiß ganz genau, das wir eine Aushilfe in der Bibliothek brauchen, da müsste er nicht einmal fragen.“
„Er hat mich belogen!“ sagte Hermine kurz und ausdruckslos.
In Gedanken nahm sie sofort alle Entschuldigungen und Vorwürfe, die sie sich gemacht hatte wieder zurück und holte die schlimmsten Beschimpfungen wieder hervor.
Albus legte eine Hand auf ihre und lächelte sie aufmunternd an, seltsamer weise wusste er mal wieder ganz genau was Sache war.

„Er meinte es mit Sicherheit nicht böse, vielleicht dachte er, das dies nicht der richtige Beruf für dich wäre“ lächelte er sanft. Hermine warf ihm einen skeptischen Blick zu und stand auf.
„Nein!“ sie schüttelte zur Betonung den Kopf und fing an im Zimmer auf und ab zu gehen, „er wusste, dass ich das gerne gemacht hätte und er wusste, dass ich jeden Job in Hogwarts angenommen hätte!“
Albus nickte traurig und seine Augen sahen sie mitfühlend an.
„Er wird einen anderen Grund haben, ich glaube einfach nicht, das er dich betrügt. Er liebt dich doch und bei allem Respekt, er ist nicht gerade der Typ für sowas“
Unwillkürlich wurde sie an die letzte Nacht erinnert, ja sie hatte ihre eigene Liebe gespürt, aber Severus?
Es war schwer zu unterscheiden was Liebe und was Lust war, beides lag nah beieinander und doch manchmal weit entfernt.

Nein, daraus konnte sie keine Schlüsse ziehen. Sie musste ihn weiterhin beobachten, bis sie die nötigen Beweise hatte und dann würde sie ihm alles vorwerfen, jeden seiner Fehler würde sie ihm vor die Füße spucken.
Aber dafür musste sie schleichen und die Nachtigall genau kommen hören, was blieb ihr denn auch anderes übrig. Natürlich konnte sie zu ihren Eltern ziehen und ihn einfach gewinnen lassen, doch das war nicht das richtige. Wenn sie litt, sollte auch er leiden, sie würde ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen.
Überrascht, wie viel Slytherin auf sie abgefärbt hatte, setzte sie sich wieder hin und hielt sich unbewusst das Kreuz.
„Lass mich raten“ meinte Albus und las es an ihrem süffisanten Lächeln ab „Du möchtest den Job auf Hogwarts, aber möglichst ohne Severus Wissen“

Hermine nickte grinsend und Albus griff noch mal nach einem Bonbon und stand auf.
„In zwei Wochen kannst du anfangen, früher ist leider nicht möglich“ meinte er nachdenklich und schüttelte ihr die Hand „Ich muss jetzt aber wieder los. Und Hermine, überleg dir deinen Plan doch noch mal“ Mit einer Hand voll Flohpulver und einem leisen Puff war er durch ihren Kamin verschwunden.
Hermine seufzte und ließ sich lächelnd auf dem Sofa nieder. Ein Jammer, dass es nicht früher ging, aber immerhin etwas.
Sie hatte in Kürze einen Job und eigenes Einkommen und sie würde dafür Sorgen, das Severus nichts ahnte.

Sie würde ihm ganz einfach die fürsorgliche Ehefrau vorspielen und ganz Slytherintypisch ihren eigenen Plan verfolgen.
Lächelnd sah sie auf ihre Uhr und setzte sich hastig auf. In vier Stunden würde er heute heimkommen, also hatte sie nur noch vier Stunden, um das Haus perfekt aufzuräumen und zu säubern und das Essen zu machen.
Ja, er sollte sich hier wohl fühlen und glauben es wäre alles in Ordnung. Was war sein Lieblingsessen? Plumpudding! Genau das würde sie kochen.

Innerhalb von drei ½ Stunden hatte sie das Haus geputzt (ohne Zauberstab, das war ordentlicher), die Wäsche gewaschen, mit ihrer Mutter telefoniert (das nahm schon mal gut eine Stunde in Anspruch), sich fertig gemacht und bereits die Zutaten für das Essen herausgesucht.
„Wein!“ rief sie fröhlich und griff in einem Schrank nach einer Weinflasche, sie wusste, dass er Wein zu warmen Mahlzeiten genauso liebte wie Kaffee zu kalten Mahlzeiten.

In letzter Zeit hatte sie immer nur schnell ein Rennfahrersüppchen gekocht und war dann ins Bett gegangen, dieses Mal sollte es anders werden, wieder ganz normal.
Ganz so, als ob nie etwas gewesen wäre und er würde sich freuen, dass sie dachte, es wäre wieder alles in Ordnung. Vielleicht würde er unvorsichtiger werden oder vielleicht auch noch vorsichtiger.
Egal, sie musste es riskieren.
Mit neuem Mut begann sie das Essen zu kochen und hatte den Tisch perfekt gedeckt, als er schon schlecht gelaunt im Kamin auftauchte und sich die Kleidung abklopfte.
„Hi Schatz!“ rief sie, kam zu ihm rüber und gab ihm einen flüchtigen Kuss. Er murmelte etwas unverständliches und ließ sich dann zum Esstisch ziehen.

„Rate mal, was es heute gibt!“ meinte sie lächelnd, drückte ihn auf einen Stuhl und schlang ihre Arme um seinen Hals.
Er zog fragend eine Augenbraue hoch und zuckte mit den Schultern.
„Dem Geruch nach, würde ich sagen Plumpudding“ murmelte er und schenkte ihr ein Lächeln, Hermine strahlte und hielt ihm seinen Teller unter die Nase.

„Ganz genau!“ grinsend setzte sie sich ihm gegenüber und reichte ihm die Weinflasche zum öffnen. Er war ganz offensichtlich von nichts überrascht und dachte sich wohl seinen Teil. Vor Rons Hochzeit, war eigentlich jedes Essen so abgelaufen. Das es jetzt plötzlich wieder so anfing freute ihn wohl.
Tonlos öffnete er die Weinflasche und schenkte erst ihr ein und danach sich selbst.

Schweigend aßen sie beide, Hermine hatte keine Ahnung was sie sagen sollte, normalerweise redeten sie immer über seinen vergangenen Arbeitstag, aber da dieser mit Celiè verbunden war und das unweigerlich zu Streit führte, entschied sie sich gegen das Thema.
„Schmeckt es?“ fragte sie nach einer Weile um die Stille zu übertönen.
Er sah kurz auf und lächelte.
„Natürlich!“
Hermine lächelte ebenfalls, allerdings musste sie sich große Mühe geben damit ihr Lächeln nicht ganz so falsch aussah und er nicht den Braten roch. „So, ich muss jetzt noch ein wenig Papierkram erledigen, also sei mir nicht böse, das ich nur eine Portion gegessen habe, ja?“ Hermine nickte kurz, er stand auf leerte seinen Wein und verzog sich dann in sein Arbeitszimmer.
„Das lief ja gar nicht mal so schlecht“ flüsterte sie zu sich selbst und räumte den Tisch ab. Er würde sich noch schwer wundern.
Der Job auf Hogwarts würde ihr das kleine Detektiv Spiel wesentlich erleichtern.

Kapitel 9 – Alles was schief gehen kann...

du bist nur Luft für mich,

ganz unwichtig

Hermine erwachte am Morgen ziemlich spät, Severus war wie immer schon in Hogwarts und Hermine hatte es einfach nicht geschafft aufzustehen. Sie fühlte sich überhaupt nicht gut, was wahrscheinlich an der Grippe lag, die noch immer in ihr steckte.

Die letzte Woche hatte sie komplett flach gelegen und jetzt erholte sie sich nur sehr schwer, es ging ihr zwar schon besser, aber inzwischen plagte sie die Übelkeit und ziemliche Kreuzschmerzen.

Seufzend stieg sie aus dem Bett, wobei sie erneut eine Woge der Übelkeit überkam, es war wirklich keine gute Idee gewesen bei dem schlechten Wetter draußen zu bleiben. Das hatte sie nun davon, wahrscheinlich hatte sich ihre normale Erkältung in eine Magen-Darm Grippe umgewandelt.

Sie schnaubte kurz verärgert, als sie in den Spiegel blickte und ein blasses und erschöpftes Gesicht vor sich sah. Wahrscheinlich würde sie nächste Woche, wenn sie ihren Dienst auf Hogwarts begann, absagen müssen, da sie sonst nur alle anstecken würde.

„Alles was schief gehen kann, wird auch schief gehen!“ murmelte sie und prompt fiel ihr die Cremedose aus der Hand und ins Waschbecken. „Verfluchter Murphy!“

Trotz Murphys Gesetz hatte sie es innerhalb von 15 Minuten geschafft mürrisch am Küchentisch zu sitzen und Kaffee zu trinken.

Ihr Blick fiel auf eine Schachtel Zigaretten, die neben der Kaffeekanne lag. Weder Severus noch sie rauchten, aber gestern, als sie ziellos durch die Gegend gewandert war, hatte sie aus purer Langeweile eine Schachtel gezogen.

Sie hatte nicht vor Raucher zu werden, aber trotzdem beruhigte sie eine Zigarette ein wenig, zwar war der Geschmack alles andere als lecker, aber bittere Medizin schmeckte ja auch nicht.

Sie griff in die Schachtel, nahm eine Zigarette heraus und zündete sie sich an.

Als sie das gestern gemacht hatte, hatte sie anschließend zwei Stunden lang alle Fenster offen gehabt, Severus hasste solche Gerüche und sie selbst fand es eigentlich auch nicht gerade angenehm.

Heute würde sie das wohl wieder tun müssen, aber sie war ja auch selbst dran Schuld.

Hermine nahm einen tiefen Zug und sofort packte sie ein heftiger Hustenreiz, der sie gleichzeitig würgen ließ. Ihr war noch immer leicht übel und die Zigarette machte es nicht gerade besser. Entschlossen stand sie auf und warf sie aus dem Fenster.

So schnell würde sie sicher keine mehr anrühren, dachte sie jetzt noch, aber sie wusste auch dass sie es spätestens in ein paar Tagen oder vielleicht schon Stunden wieder probieren würde.

Gelangweilt beschäftigte sie sich mit ein paar Hausarbeiten, um sich abzulenken. Nächste Woche hatte diese Langeweile endlich ein Ende und vielleicht verschaffte sie sich auch etwas Klarheit mit Severus.

Einige Stunden später klingelte es an der Tür, Hermine legte ihr Bügeleisen zur Seite und öffnete.

Einen kurzen Moment lang hatte sie gehofft, es sei Harry, von dem sie nun schon längere Zeit nichts mehr gehört hatte, jedoch wurde sie von einer durchnässten Ginny überrascht.

“Verdammtes Wetter” murrte diese zur Begrüßung.

“Dir auch Hallo!” lächelte Hermine und ließ sie eintreten. Ginny trat an ihr vorbei und ging direkt in das Wohnzimmer, wo sie sich auf dem Sofa niederließ.

Hermine folgte ihr kurze Zeit später.

“Möchtest du was trinken? Kaffee oder Saft?”

Ginny schüttelte ablehnend den Kopf. “Nee, lass mal. Ich wollte mich eigentlich nur mal nach deinem Wohlergehen erkundigen.”

Hermine lachte kurz und setzte sich neben die Freundin aufs Sofa.

“Alles bestens wie immer. Hab mich etwas von meiner Erkältung erholt, aber richtig gut ist es noch nicht. Na ja wird schon!”

Ginny nickte fröhlich.

“Das ist schön... Aber eigentlich meinte ich mehr dein seelisches Wohlergehen.” Einige Momente lang herrschte Schweigen, verunsichert zuckte Hermine mit den Schultern. “Also... mir geht es gut...” murmelte sie, selbst nicht davon überzeugt, vor sich hin “Übrigens, ich fange demnächst wieder in Hogwarts an.”

Ginny hob angesichts des plötzlichen Themawechsels eine Augenbraue, ließ sich aber trotzdem darauf ein, anscheinend hatte Hermine keine große Lust darüber zu sprechen.

Aber locker lassen würde sie deshalb noch lange nicht.

“Wow, das ist toll. Dann siehst du Severus ja öfter!” rief Ginny begeistert und an Hermines Gesichtsausdruck erkannte sie, dass sie einen Volltreffer gelandet hatte.

Stumm nickte sie und starrte in eine andere Richtung.

“Ähm...” machte Hermine nach einiger Zeit der Stille “Hast du noch mal was von Harry gehört?”

Ein erneuter Themenwechsel, aber auch diesmal hatte Ginny einen passenden Spruch parat.

“Du meinst nach eurem Fiasko auf Rons Hochzeit! Nö!”

Hermine räusperte sich verlegen als sie Ginnys Grinsen sah.

“Ich hoffe, ich habe ihn nicht verschreckt...” murmelte Hermine leise und schaute betroffen auf ihre Füße.

Ginny gab ein schadenfrohes Lachen von sich und klopfte Hermine aufmunternd auf die Schultern.

“Ach was, der fängt sich schon wieder!”

Hermine nickte wieder und griff sich mit einem schmerzverzerrtem Blick auf den Bauch. Ginny sah sie stirnrunzelnd an.

“Was hast du?” fragte sie besorgt als Hermine den Kopf schüttelte.

“Ach... nicht so wild. Ist noch von der Grippe schätze ich. Mir wird manchmal ganz plötzlich schlecht. Aber das ist schon besser geworden. Wenn ich wieder gesund bin, wird auch das weg sein.”

“Vielleicht...” meinte Ginny nachdenklich “Hast du denn schon mal einen Schwangerschaftstest gemacht?”

Hermine sah sie mit aufgerissenen Augen an.

“Bist du verrückt!”

Ginny verdrehte seufzend die Augen.

“Warum? Du bist alt genug, du hast einen Mann und bist ganz sicher nicht mehr Jungfrau. Möglich ist alles!”

Hermines Gesicht wurde feuerrot und bildete damit einen scharfen Kontrast zu Ginnys langen Haaren.

Natürlich war sie alt genug, aber sie war auch klug genug um zu wissen, was man gegen eine Schwangerschaft tat und Severus schließlich auch.

In letzter zeit war ihr Pech ohnehin schon groß genug, dann wäre das ja wohl der Gipfel! Sicher hatte sie sich schon öfter Kinder gewünscht, aber ganz bestimmt nicht jetzt im Moment. Nicht jetzt, wo ihre Ehe auf der Kippe stand.

Jetzt wäre eine Schwangerschaft das was sie am wenigsten gebrauchen konnte. Fakt war: Niemand konnte so viel Pech haben, jetzt noch schwanger zu sein. Obwohl es tatsächlich eine Erklärung für ihre Übelkeit darstellte. Allerdings stellte eine Krankheit ebenfalls einen Grund dar.

“Aber sicher bist du dir doch nicht!” grinste Ginny vielsagend. Hermine zuckte mit den Schultern.

“Also eigentlich kann es nicht sein... aber andererseits kann es ja immer eine Ausnahme geben... vielleicht ja doch... aber normalerweise ja nicht... nur was ist heute noch normal... Ich meine...”

“Weißt du, bevor du jetzt weiter philosophierst und ja und nein abwägst, wäre es eine große Hilfe, einfach einen Test zu machen, dann weißt du sicherlich ganz schnell Bescheid!”

Betroffen nickte Hermine und stand unschlüssig auf.

“Aber ich habe gar keinen Test da!” protestierte sie aufgebracht.

Ginny sah sie verwundert an.

“Was für einen Test? Redest du etwa von diesem Muggel Kram?”

Hermine nickte bloß, unfähig etwas zu sagen.

“Hör mal zu, ich habe einen Zauberstab und man hat mir bei meiner Geburt magische Kräfte verliehen, demnach bin ich also in der Lage, das irgendwie zu ermitteln!”

Leicht belustigt fuchtelte die junge Rothaarige mit dem Zauberstab vor Hermines Nase rum.

“Jaahh..” murmelte Hermine abwesend “Richtig!”

Ginny schüttelte den Kopf und murmelte etwas von “Jahrgangsbeste” vor sich hin, während sie gleichzeitig mit ihrem Zauberstab, an Hermines Bauch rauf und runter wanderte.

Nach einiger Zeit tauchte ganz urplötzlich ein rosa Licht im Raum auf, zu dem sich Hermine keinen Reim draus machen konnte und ihre Freundin fragend ansah.

Wissend blickte sie zu Hermine und setzte sich wieder.

“Tja...” murmelte sie und Hermine sah sie gespannt an “Glück gehabt...”

Erleichtert atmete Hermine aus. Da hatte sie anscheinend wirklich Glück gehabt. Wie gesagt, für ein Kind wäre jetzt nicht der optimale Zeitpunkt.

“... es wird ein Mädchen” vollendete Ginny ihren Satz, woraufhin Hermines Bewusstsein sich verabschiedete und sie rücklings auf den Teppich fiel.

“Hey, Hermine. Mach jetzt nicht schlapp!” rief sie “Ein Kind ist doch wirklich nicht so schlimm. Es gibt so viele die sich nichts lieber wünschen als ein Kind!”

Benommen öffnete Hermine die Augen und sah verschwommen eine rothaarige Frau vor sich, die sie besorgt im Arm hielt.

Hermine schüttelte den Kopf, rappelte sich mühsam auf und hievte sich auf das Sofa.

“Hör mal,” meinte Ginny und tätschelte ihr Knie “Severus wird sich doch bestimmt freuen...”. Hermine lachte kurz auf und schüttelte den Kopf.

“Ich denke nicht, das ich ihm das sagen werde!”

“Was! Hermine, das kannst du nicht machen. Er wird schließlich Vater. So was kannst du ihm doch nicht vorenthalten! Außerdem wird er das mit Sicherheit irgendwann sehen. Ich meine, gerade dünn wirst du dadurch nicht!”

Wieder schüttelte Hermine den Kopf, Tränen glitzerten in ihren Augen, die sie nur mit viel Mühe zurück halten konnte.

“Vielleicht... ist es ja wirklich nicht so schlimm..” murmelte Hermine heiser und die Rothaarige nickte erleichtert. “Ich meine, so was gibt Anlass einen Neuanfang zu machen!”

“Ja! Severus wird sicherlich ein toller Vater!” rief Ginny obwohl sie sich das selbst nicht vorstellen konnte.

“Einen Neuanfang ohne diesen Mistkerl!” meinte Hermine ruhig und nun rannen ihr tatsächlich Tränen die Wangen hinunter.

Ginny öffnete entsetzt den Mund, um etwas entgegenzusetzen, schloss ihn dann jedoch wieder, weil ihr nichts richtiges einfiel. Stattdessen setzte sie sich wieder neben sie und nahm sie beruhigend in den Arm.

Hermine vergrub leise weinend ihr Gesicht in Ginnys Armen. Eine Weile lang verharrten sie in dieser Position, bis die Freundin wieder das Wort ergriff.

“Du willst doch nicht wirklich das Kind alleine aufziehen. Ich meine, es braucht doch einen Vater!” Hermine antwortete nicht und ihre Freundin seufzte schwer.

“Ich würde vorschlagen, du überlegst dir das noch mal. Es ist genau so auch sein Kind. Sprich doch erst mal mit ihm darüber und danach kannst du immer noch abhauen. Irgendwann wirst du dich dann noch darüber ärgern, immer denkst du daran was passiert wäre wenn du ihm es doch gesagt hättest. Vielleicht öffnet es ihm ja die Augen!”

Kapitel 10 – Unerwünschter Besuch

Total banal,

Ich nehm dich gar nicht wahr

Mit gemischten Gefühlen stand Hermine an ihrem ersten Arbeitstag auf, Severus war schon eine halbe Stunde früher losgegangen, so dass er nichts von ihrem vorhaben gemerkt hatte. Sie hatte ihm weder etwas von Hogwarts noch von ihrer Schwangerschaft erzählt, sie wollte sich erst mal anschauen in wie weit sie recht hatte. Ginny hatte Recht, weglaufen konnte sie immer noch!

Ein wenig aufgeregt, hatte sie sich fertig gemacht. Natürlich hatte sie keine Angst vor ihrer Arbeit, aber was wenn Severus sie dort direkt am ersten Tag entdecken würde?

Sie hatte sich gar nichts für den was-wäre-wenn-Fall überlegt.

Sie könnte ihm ja einfach sagen „Ach, ich hielt es nicht für wichtig!“, das würde ihn mit Sicherheit aus der Bahn werfen.

Ihr Gesicht nahm ein fieses Grinsen an, zufällig gerade als sie in den Spiegel schaute. Erschrocken legte sie das Grinsen wieder ab, sie war doch keine Slytherin!

Eine Ehe mit ebendiesem Hauslehrer, machte es wohl schwer den Gryffindorstolz zu behalten.

Prüfend blickte sie auf die Uhr. Sie hatte noch genau eine Stunde Zeit um die plötzlich aufsteigende Welle der Übelkeit zu überwinden. Sie spürte wie jegliche Farbe aus ihrem Gesicht wich und rannte auf Toilette. Tatsächlich hatte sie sich in diesen paar Tagen schon an die morgendliche Übelkeit gewöhnt. Meistens dauerte es nicht lange und es war wieder vorbei, aber jenachdem was für Gerüche sie an diesem Tag aufnahm, stieg die Übelkeit wieder in ihr hoch.

Heute hatte sie sich schon darauf gefasst das sie länger damit kämpfen musste. Wäre sie nicht schwanger, hätte sie heute vor Aufregung trotzdem damit rechnen müssen. Da sie aber schwanger war, vermischte sich das noch mit der Aufregung und es war um so schwieriger dagegen anzukämpfen.

Hermine erschien pünktlich, jedoch etwas blass, an ihrem Arbeitsplatz an welchem sie Madam Pince begrüßte, die ihr drei Tage lang Einweisung geben würde.

„Ah, Mrs. Snape. Es ist wirklich schön Sie wieder zu sehen. Ich freue mich ja so von einer so zuverlässigen Dame unterstützt zu werden.“ Rief sie begeistert und umarmte sie stürmisch.

„Ich weiß noch ganz genau wie sie jede Pause mit Mr. Potter und Mr. Weasley hier her kamen...“

Hermine musste daraufhin lachen. Es war toll auf diese Weise wieder an ihre Schulzeit erinnert zu werden. Sie freute sich schon darauf hier zu arbeiten.

„Oh ich freue mich auch wieder hier zu sein, Madam Pince.“

Madam Pince führte sie erst einmal durch die Bibliothek, was eigentlich unnötig war, denn noch immer kannte sie hier jeden Winkel.

Sie erklärte ihr die wichtigsten Regeln und was die Etiketten auf dem Rücken der Bücher bedeuteten.

Einiges von dem was Madam Pince ihr erklärte wusste sie bereits aber anderes war wiederum Neuland für sie.

Gerade hatte sie Hermine angewiesen einige neue Bücher von innen mit dem Siegel der Schule zu bestempeln und sie einzusortieren. Sie war vielleicht eine halbe Stunde in ihre Arbeit vertieft, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde und jemand „Hermineee!“ rief.

Hermine fuhr erschrocken hoch und drehte sich hastig um. Vor ihr stand ein aufgeregter rothaariger der sie flehend ansah. Sie hörte Madam Pince empört hinter einer Bücherreihe schnauben, aber aus irgendeinem Grund hielt sie sich zurück.

Hermine war wirklich erleichtert als sie ihren Freund Ron dort stehen sah, einen Moment lang hatte sie gedacht vor ihr würde ein aufgebrachter schwarzhaariger stehen.

Durch diesen Schock brachte sie erst mal keinen klaren Gedanken zustande.

„Ron, was machst du hier und warum schreist du so?“ fragte sie als sie sich wieder auf ihrem Stuhl niederließ und noch immer versuchte ihren Herzschlag zu normalisieren.

„Du musst mir helfen!“ rief er aufgebracht.

„Psst!“ machte Hermine hastig und sah nervös in Richtung Madam Pince, die es jedoch noch immer vorzog im Hintergrund zu bleiben. „Ron, das hier ist eine Bibliothek!“

Ron nickte nur. Hermine bemerkte das er besser angezogen war als früher, bei der Hochzeit war das ja ohnehin der Fall gewesen, aber nun trug er Markenklamotten der Muggel. Anscheinend hatte Ginger sich da wohl durchgesetzt, obwohl Hermine sich durchaus vorstellen konnte, das Ron gerne seine alten Klamotten eingetauscht hatte.

„Ich habe dich überall gesucht!“ fuhr Ron nun flüsternd fort „Ich wollte zu Harry, aber der ist wieder mal irgendwo in der Weltgeschichte. Also habe ich Ginny gefragt und sie sagte mir du wärest hier...“

Hermine hörte nur halbherzig zu, noch immer war sie zu verwirrt um das zu realisieren.

Ron war da!

Ron, der vor kurzem geheiratet hatte und der sich vorher nicht ein einziges Mal sehen gelassen hatte.

Und jetzt auf einmal stand er vor ihr.

„Aus welchem Grund bist du hier?“

Es schien als überlegte Ron kurz wo er anfangen soll, dann jedoch begann er zu reden.

„Nun, also Ginger... weißt du. Sie kann manchmal wirklich stur sein...“

„Liegt wohl in der Familie!“ fuhr Hermine säuerlich dazwischen.

Ron lächelte kurz, aber Hermine kam es eher so vor als hätte Ron gar nicht mitbekommen was sie eben gesagt hatte.

„Ich wusste einfach nicht mit wem ich reden sollte...“ meinte er verzweifelt und wieder brach er ab.

Es ging um Ginger, soviel wusste sie.

Wollte Ron sich etwa von ihr trennen?

Hatte er sich mit ihr gestritten?

Wenn sie ehrlich war, gefiel ihr der Gedanke eigentlich ganz gut, sie hatte Ginger nicht sonderlich gemocht. Aber dies war natürlich ihr bester Freund, also musste sie Mitgefühl zeigen.

„Sie hat mir neulich ihren Vater vorgestellt“ meinte er und verzog das Gesicht „und jetzt möchte sie natürlich meine Eltern kennen lernen. Das ist das Problem!“

Eine Weile lang herrschte Stille in der Hermine versuchte sich zu beherrschen um nicht laut loszulachen.

Das war der Grund weswegen er sie so dringend sprechen wollte!

„Ron, deshalb machst du hier so einen Aufstand? Das ist doch wohl nicht dein Ernst?“

Hermine bemühte sich zwar zu flüstern, aber dennoch hatte sie das Gefühl, dass sie lauter war als beabsichtigt.

Ron sah ein klein wenig verunsichert aus.

„Ich war ein wenig aufgeregt wieder hier zu sein“ murmelte er kleinlaut „Außerdem weißt du doch das ich momentan Streit mit meinen Eltern habe..“

In diesem Moment fuhr Madam Pince dazwischen, die einen Stapel Bücher auf die Tischplatte krachen ließ.

„Mrs. Snape, wären Sie wohl so freundlich diese Bücher hier einzusortieren?“

Hermine hatte den kühlen Tonfall in ihrer Stimme sofort rausgehört. Eigentlich konnte sie es Madam Pince ja nicht verübeln, schließlich war sie ja zum arbeiten hier und nicht zum reden.

Als Hermine aufstand wandte sie sich noch mal kurz an Ron, der sie fragend ansah.

„Hör zu Ron, momentan ist wirklich nicht der beste Zeitpunkt zum reden.“ Sie warf einen kurzen Blick auf die Uhr „Ich bin um 4 Uhr fertig, komm doch dann einfach zu mir nach Hause, Severus kommt erst später“

Mit diesen Worten ließ sie Ron dort stehen und griff sich den Stapel Bücher um sie einzusortieren. Aus den Augenwinkeln nahm sie wahr, wie Ron mit hängenden Schultern aus der Bibliothek schlurfte.

Es tat ihr schon leid, das sie Ron so einfach abschieben musste, aber wenn sie hier nicht ihre Pflicht erfüllte, war sie schneller gekündigt als vorausgesehen, und das am ersten Arbeitstag!

Hermine bemühte sich für den Rest ihres Arbeitstages, den überraschenden Besuch von Ron aus dem Kopf zu schlagen.

Sie hörte Madam Pince genau zu, wenn sie etwas erklärte und versuchte sich auch möglichst viel zu behalten.

Ab und an kamen ein paar Schüler rein, die sich meist stumm in eine Ecke setzten und in Büchern blätterten.

Sie fühlte sich hier tatsächlich schon richtig wohl, die ganzen Bücher waren genau das was sie brauchten.

Sie war überrascht, das sie nicht einmal an ihre Schwangerschaft denken musste. Zuhause wäre sie wahrscheinlich vor Selbstmitleid ertrunken.

Eine viertel Stunde vor Schluss hatte Madam Pince sie angewiesen, sich über die Bücher in der Verbotenen Abteilung zu informieren.

Das ließ sie sich natürlich nicht zweimal sagen, sie hatte sich zwischen den Regalen auf den Boden gesetzt und Blätterte den Inhalt eines Buches durch.

Völlig vertieft darin, schrak sie hoch als sie die Stimmer der Bibliothekarin lauter als üblich vernahm.

„Ah, Professor Snape!“ rief sie und Hermines Herz machte einen Aussetzer und ihr lief es eiskalt den Rücken runter.

Sie schielte vorsichtig zwischen den Regalen hindurch und erkannte sofort die schlanke Gestalt von Severus, welcher mit dem Rücken zu ihr stand.

„Kann ich ihnen helfen?“ fragte Madam Pince schnell.

„Vielleicht“ flüsterte er und Hermine hatte Mühe ihn überhaupt zu verstehen „Ich suche ein Buch über das zusammenwirken von Heilwutkraut und Bestanwurzel“

Madam Pince blickte ihn überrascht an. Hermine hatte keine Ahnung davon. Von so etwas hatte sie noch nie gehört.

„Oh, das ist äußerst selten. Ich glaube ich habe nur ein Buch in dem so etwas vorkommt. Wozu brauchen Sie es denn?“

„Ein Projekt“ murmelte er genervt und blickte sich um.

„Scheißkerl!“ platzte Hermine raus und schlug sich kurz darauf erschrocken die Hand vor den Mund.

Sie sah wie Severus sich umdrehte und in ihre Richtung stierte. Hermine hielt den Atem an und versuchte sich so klein wie möglich zu machen.

„Was war das?“ fragte er misstrauisch. „Hat sich da etwa ein Schüler versteckt?“ Hermine sah wie er in die Verbotene Abteilung gehen wollte, doch Madam Pince schnitt ihm den Weg ab.

„Nein, nein. Das war nur der Irrwicht in dem Schrank. Hat wohl geniest.“

Severus zog verwundert eine Augenbraue hoch.

„Ist mir neu das die Niesen. Soll ich ihn erledigen?“

„Ach was, Nein. Ich mache das gleich schon“ meinte sie schnell „Also ich suche Ihnen das Buch gleich raus und bringe es Ihnen dann vorbei.“

Wieder zog Severus eine Augenbraue hoch, anscheinend irritiert von ihrer Bereitschaft ihm das Buch vorbei zu bringen, anstatt es jetzt rauszusuchen.

„Okay“ sagte er jedoch und warf noch mal einen Blick in die Verbotene Abteilung „Aber beeilen Sie sich!“

Langsam drehte er sich um und verließ die Bibliothek. Als Hermine die Tür zufallen hörte, atmete sie erleichtert aus und kroch kurz danach zwischen den Regalen hervor.

Madam Pince sah sie vorwurfsvoll an.

„Ein Irrwicht!“ rief Hermine und schüttelte fassungslos den Kopf.

Leicht beleidigt sah die Bibliothekarin sie an.

„Sie hätten sich auch wirklich zurück halten können. Seien sie froh das mich Albus informiert hat!“

Schnaubend ging sie in ein Abteil und zog ein Buch hervor.

„Wer weiß, was der jetzt von mir denkt?“

Hermine zuckte ahnungslos mit den Schultern.

„Was er denkt, muss sie doch nicht kümmern“ murrte sie und Madam Pince gluckste.

Hermine war froh als sie ihr mitteilte nun gehen zu können und ihr keine Fragen über ihre Ehe stellte.

Anscheinend wusste sie zu gut, was Severus für ein schwieriger Mensch war.

Mit Hilfe des Flohnetzwerkes machte sich Hermine auf die Heimreise um Ron dort zu empfangen.

11. Kapitel - Überraschung

Du bist mir einfach,

Phänomenal Egal

Zu ihrer Überraschung war Hermine gar nicht erschöpft als sie zu Hause ankam. Im Gegenteil, sie fühlte sich seit langem wieder richtig wach. Es war ein tolles Gefühl endlich wieder gefordert zu werden.

Es war natürlich nicht gerade praktisch, dass sie sich beim arbeiten vor ihrem Mann verstecken musste, aber es war ja nur für kurze Zeit.

Hoffe ich zumindest.

Ihr war schon klar, dass wenn die Schüler erst mal ihren Nachnamen erfuhren, sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreiten würde.

Schließlich hörte man nicht alle Tage etwas privates über Severus Snape. In dieser Hinsicht hatte er sich keinen Deut gebessert.

Jedenfalls wäre Severus sofort informiert wenn ein Schüler herausfand wie sie wirklich hieß. Sie konnte natürlich auch in ihrem Mädchennamen arbeit. Granger, den Namen hatte sie lange nicht benutzt.

Entschlossen schüttelte sie den Kopf.

Nein, das ging zu weit.

Das wäre ja als ob man den Ehering ablegte und das wollte sie nun wirklich nicht.

Sie ließ sich seufzend auf dem Sofa nieder um darüber nachzudenken, als sie plötzlich ein Husten aus der Küche wahrnahm.

Erschrocken sprang sie auf.

War Severus etwa schon da?

Ihr Herz rutschte ihr Augenblicklich in die Hose, als sie sich zur Küche bewegte, aus welcher sie nun ein schmatzen vernahm.

Irritiert blieb sie stehen.

War das vielleicht ein Einbrecher? Möglich wär’s, da sie das Haus nicht gesichert hatte als sie gegangen war, diese Gewohnheit war noch nicht ganz drin bei ihr. Sie nahm sich vor nächstes Mal fest daran zu denken.

Severus konnte es jedenfalls nicht sein, der schmatzte nicht.

Hermine war sich nicht mal sicher ob er es überhaupt konnte, wenn er wollte...

Okay, ich sehe jetzt nach.. dachte sie, nahm allen ihren Mut zusammen und schielte in die Küche.

„Mein Gott hast du mich erschrocken!“ seufzte sie erleichtert, als sie einen rothaarigen mit Bonbons am Tisch sitzen sah.

Er blickte sie verwundert an und überlegte wohl kurz ob er erst den Mund leer machen sollte um dann zu reden, aber er entschied sich wohl dagegen.

„Du wuschtecht doch dach ich komme“ schmatzte Ron und Hermine verzog angewidert das Gesicht.

Sie setzte sich ihm gegenüber und nickte schließlich.

Ja eigentlich hatte sie es gewusst, aber irgendwie hatte sie es doch vergessen. Sie schimpfte sich in Gedanken selber für ihre Schusseligkeit.

Es gab mal eine Zeit in der sie so etwas nicht vergessen hätte, aber davon musste Ron ja nichts wissen.

„Ich wusste nur nicht das du jetzt schon da bist und vor allen Dingen schon hier drin sitzt.“ Murmelte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ron zuckte mit den Schultern, es schien als wollte er etwas sagen, schaffte es allerdings nicht, da ein großes Karamellbonbon ihm dem Mund verklebte.

Stillschweigend saßen sie sich gegenüber und warteten das Ron sein Bonbon runterschluckte.

„Ich wollte mit dir reden“ sagte Ron endlich.

Hermine nickte wieder.

„Also, mein Problem liegt in dem Treffen von dem ich dir erzählt habe. Natürlich ist noch keins ausgemacht und ich habe mich mit meinen Eltern auch noch nicht versöhnt. Ginger macht das ganze natürlich nicht leichter...“

„Warum hast du dich mit deinen Eltern gestritten“ fragte Hermine dazwischen. Diese Frage interessierte sie schon seit einiger Zeit und selbst Ginny hatte damals keine Antwort darauf gewusst.

Aber Ron musste es logischerweise wissen.

„Als ich Ginger kennen lernte war Mum sofort dagegen. Sie meinte Ginger sein kein Umgang für mich. Und ihre Verwandtschaft wäre voller Todesser. Dazu musst du wissen das Lucius Malfoy ihr Vater ist...“

„Was!“ krächzte Hermine entsetzt „Sie ist Malfoys Tochter? Du hast in die Familie Malfoy eingeheiratet!“

Ron funkelte sie wütend an.

„Du musst gerade reden, du hast schließlich Professor Snape geheiratet! Der gehört ja auch irgendwie zu den Malfoys“

„Gehört er nicht!“ rief Hermine aufgebracht

„Und ob! Ginger hat mir den Stammbaum gezeigt. Seine Mutter war mit Malfoy verwandt und weil sie sich mit einem Muggel abgegeben hat, wollten die Malfoys nichts mehr von denen wissen.“

Hermine hatte Severus Mutter nie kennen gelernt, da sie schon lange gestorben war, als sie heirateten.

Soweit sie wusste, lebte sein Vater noch, aber zu dem hatte er keinen Kontakt mehr, da er seine Mutter und ihn nie sonderlich gut behandelt hatten.

Hermine war verwirrt, sie hatte diese ganzen Familiengeschichten nie verstanden.

Wenn Malfoy Gingers Vater war, dann müsste ja Severus sein Neffe sein, sonst wäre Ginger ja nicht seine Cousine.

Aber das konnte nicht sein, davon hätte sie gewusst.

So direkt war Severus nicht mit den Malfoys Verwandt. Über ein paar Ecken bestimmt, aber nicht so.

Als hätte Ron ihre Gedanken gelesen sagte er:

„Aber Ginger wurde zur Adoption freigegeben, da sie aus einer Affäre von Malfoy und einem Muggel entstanden ist und das natürlich streng geheim war. So kam sie dann zu Snapes Onkel.“

So langsam dämmerte es Hermine, dann waren Severus und Ginger also nur entfernte Verwandte.

Wer behielt da schon den Überblick?

„Jedenfalls wurde es vor einiger Zeit öffentlich, als Malfoy aus Azkaban kam. Natürlich erfuhr man es im Ministerium als erstes und mein Dad logischerweise auch. Du weißt ja das Dad und Malfoy nicht die besten Freunde sind, darum hat er sich auch ziemlich darüber aufgeregt. Es gab einen heftigen Streit zwischen uns und dann bin ich schließlich einfach gegangen.“

„Wie Percy damals...“ murmelte Hermine.

Ron verzog beleidigt das Gesicht.

„Nur das ich einen triftigen Grund hatte zu gehen!“ murrte er.

Hermine sagte vorsichtshalber nichts dazu sondern stöhnte nur genervt.

Man konnte es sich auch wirklich unnötig schwer machen!

Einige Zeit lang herrschte Stille bis Ron schließlich das Gesicht in den Händen vergrub und erschöpft seufzte.

„Mensch Hermine, warum tun wir uns das an?“

Hermine blickte ihn irritiert an. Sie wusste weder was er meinte, noch wen er mit uns meinte.

Ron sah Hermines ratlosen Blick und zuckte dann mit den Schultern.

„Ich sehe doch das du mit Snape nicht glücklich bist, das war an meiner Hochzeit mehr als offensichtlich!“ erklärte er und Hermine wurde wieder mal an etwas erinnert das sie eigentlich verdrängen wollte.

Jaah, die wunderbare Hochzeit... dachte sie zerknirscht.

„Ginger ist auch nicht gerade das richtige für mich. Wegen ihr gibt es ständig ärger...“ fuhr er fort, ohne groß auf Hermine zu achten.

Hermine sagte nichts dazu.

War es etwa so offensichtlich das zwischen ihr und Severus etwas nicht stimmte?

Das sie nicht mehr das turtelnde Paar von früher waren, war ihr klar, wobei Severus nie wirklich geturtelt hatte...

„Warum lassen wir uns beide nicht einfach scheiden und beginnen ein neues Leben?“

Vor einiger Zeit hätte sie dieser Satz noch schockiert aber inzwischen dachte sie nur noch:

Welch eine Ironie!

„Ich meine wir haben beide nichts zu verlieren, schließlich haben wir noch keine Kinder...“

Mit wachsendem Interesse sah Hermine ihn an.

„Und mit Kindern ist es zu spät?“ fragte sie und bemühte sich nicht allzu verdächtig zu klingen.

Doch offensichtlich hatte sie Ron damit aus der Bahn geworfen, denn er sah eindeutig verblüfft aus.

„Ich denke...“ meinte er langsam „...durch ein gemeinsames Kind ist man ... ähm.. an den Partner gebunden... Schließlich sollte ein Kind beide Elternteile haben... Aber ist doch Schnuppe, das betrifft uns doch nicht!“

Hastig schüttelte Hermine den Kopf „Nein...“ versicherte sie ihm.

Ron schien keine andere Antwort erwartet zu haben und fuhr begeistert fort.

„Stell dir mal vor, ohne Ehemann könntest du direkt zu Harry. Der wäre sicherlich nicht abgeneigt!“

Hermines Augen weiteten sich vor Schreck.

„Harry! Wieso Harry!“ japste sie.

„Es ist ja nicht so, als hätte es an meiner Hochzeit keiner gesehen...“ meinte Ron vielsagend und zwinkerte ihr auf eine Art zu die bei ihr einen Brechreiz auslöste.

Sie unterdrückte ihren Reiz und runzelte die Stirn.

Er glaubte doch wohl nicht wirklich, das sie etwas mit Harry anfangen wollte?

Gut auf seiner Hochzeit, hatte es vielleicht tatsächlich so ausgesehen, aber für Harry und sie bedeutete dieser Kuss überhaupt nichts.

„Also, wollen wir eine Doppelscheidung machen?“ fragte Ron aufgeregt und bemerkte gar nicht das sie in ihre Gedanken versunken war.

Für Hermine hörte sich das zwar schon verlockend an, ein neues Leben anzufangen, aber seit sie schwanger war, war diese Option noch weiter in die Ferne gerückt.

Sie war wirklich nicht mehr glücklich mit Severus, aber eigentlich liebte sie ihn doch noch. Solche Gefühle konnte man nicht von heute auf morgen abstellen.

Als sie noch glücklich waren, war ihr einzigstes Problem der Kinderwunsch gewesen, den Severus ihr nicht erfüllen wollte.

Dafür hatte sie sogar ihr Studium aufgegeben, wenn sie jetzt im Nachhinein darüber nachdachte, bereute sie es natürlich.

Ihr langersehntes Kind war nun endlich auf dem Weg, gerade jetzt wo sie es sich eigentlich anders überlegt hatte.

„Wenn ich ehrlich bin Ron, ist das momentan nicht so einfach,“ begann sie vorsichtig und Rons Grinsen verschwand und sie bemerkte das er schon jetzt enttäuscht aussah. „Es ist nicht so, als ob mir dein Vorschlag nicht gefällt, aber ich befinde mich irgendwie in der Zwickmühle. Ich kann nicht vor und nicht zurück!“

Verzweifelt suchte sie in seinem Gesicht eine Regung die Verständnis symbolisierte, aber sie fand nichts.

„Kannst du mir wenigstens den Grund erklären? Oder bin ich nicht Vertrauenswürdig!“

Hermine seufzte und blickte auf die Uhr.

In einer halben Stunde würde Severus kommen, also noch genug Zeit um Ron alles zu erklären...

„Ich bin schwanger, Ron!“ platzte sie frei heraus und Ron klappte der Unterkiefer runter.

„Oh...“ rief er nach einiger Zeit und räusperte sich schnell.

„Du bist wirklich schlimmer dran als ich... Heilige Scheiße!“

„Danke für deine Anteilnahme, Ron“ meinte Hermine trocken und verzog das Gesicht „Und ich würde es begrüßen, wenn du es nicht rumposaunst, Severus weiß noch nichts!“

Ron sah mit einem Mal merkwürdig blass aus und Hermine blickte ihn fragend an.

„Was weiß ich noch nicht?“ beantwortete eine Stimme hinter ihr Rons Schock.

Hermine stieß automatisch einen spitzen Schrei aus und sprang auf.

Langsam drehte sie sich um und vor ihr stand tatsächlich Severus und blickte sie ein wenig verwirrt an.

„Du bist schon da...“ krächzte sie und Severus zog eine Augenbraue hoch.

„Sieht so aus.“ Meinte er kühl und warf einen abwertenden Blick zu Ron. Er schritt um den Tisch herum in die Küche und schüttete sich eine Tasse Kaffee ein.

„Also, was weiß ich noch nicht?“ fragte er noch einmal und blickte Hermine drängend an. Diese warf einen verzweifelten Blick zu Ron und dann wieder zu Severus.

„Ähm...“ machte sie und überlegte fieberhaft „Ron übernachtet heute hier! Das sollte eine Überraschung werden!“

Severus sah aus als wäre Weihnachten abgesagt worden. „Das ist wirklich... toll...“ meinte er trocken.

„Überraschung..“ krächzte Ron heiser und sah blasser aus denn je.

Kapitel 12 – Eine Löwin erwacht

Ich muss es dir gestehen

Selbst wenn dein Herz daran zerbricht,

Hermine erschien schlecht gelaunt bei Madam Pince um ihren nächsten Arbeitstag anzutreten. Ron hatte tatsächlich die Nacht bei ihnen verbracht, hatte aber Hermine zu spüren gegeben, was er davon hielt.

Auch Severus war nicht gerade begeistert gewesen und hatte sich deshalb sehr früh ins Bett verzogen.

Als Hermine dann am Morgen aufgestanden war, waren Severus und Ron schon weg, Da hatte ihre Laune zum ersten Mal für diesen Tag den Tiefpunkt erreicht.

Später war sie ins Bad geschlurft um sich fertig zu machen, aber dort machten ihr ihre Haare einen Strich durch die Rechnung.

Sie standen seitlich ab und waren verfilzter denn je.

Eine halbe Stunde lang hatte sie sich mit der Bürste abgemüht, bis ihr schließlich eingefallen war, dass sie ja einen Zauberstab besaß.

Beinahe hätten ihre glatten Haare ihre Laune gebessert, wäre ihr nicht in diesem Moment schlecht geworden.

Mit diesem Morgen konnte der Tag nur grauenhaft werden und wieder mal musste sie an Murphys Gesetz denken.

Alles was gut beginnt, endet schlecht.

Alles was schlecht beginnt, endet grauenhaft.

„Mrs. Snape, Sie werden heute mal alleine arbeiten müssen. Sie kommen ja inzwischen gut hier zurecht und ich habe heute einen Termin“ verkündete Madam Pince ihr zu allem Überfluss.

Danke, Murphy! Fluchte Hermine in Gedanken.

Was sollte sie denn jetzt tun, wenn Severus zufällig kam! Sie konnte sich dann wohl schlecht verstecken!

Abgesehen davon fand Hermine gar nicht, das sie hier gut zurecht kam. Sie kannte diesen Job doch noch gar nicht. Sie war doch noch Anfänger!

„Nun ziehen Sie nicht so ein Gesicht,“ meinte die Bibliothekarin streng „Sie schaffen das schon!“

Hermine war nicht in der Lage etwas dazu zu sagen, so nickte sie nur und zwang sich zu einem Lächeln.

Das beruhigte Madam Pince anscheinend, obwohl Hermine ihr Lächeln sehr gequält vorgekommen war.

„Wunderbar, ich gehe dann direkt los!“

Mit diesen Worten griff sie ihren Mantel und ihren Korb und überließ Hermine ihrem Schicksal.

Seufzend ließ diese sich auf einem Stuhl nieder und vergrub das Gesicht in den Händen.

Dieses Versteckspiel mit Severus raubte ihr noch den letzten Nerv.

Das war einfach nichts für sie.

„Wo ist bloß mein Gryffindorblut hin?“ rief sie verzweifelt und gab wieder einen schweren Seufzer von sich.

Sie war mehr als deprimiert, denn schon seit einiger Zeit wurde ihr immer klarer das sie nicht mehr die mutige Löwin von früher war.

In dem Fall hätte sie schon lange reagiert und Severus zur Rede gestellt und sich nicht weiter in Problemen verstrickt.

Irgendwie hatte sie bei Ihrer Hochzeit einen Teil ihrer Prioritäten abgelegte...

„Einen sehr großen Teil!“ murmelte sie zerknirscht.

Sie hatte kein Studium, keinen richtigen Job und war schwanger...

So war das eigentlich nicht geplant gewesen, als sie als Jahrgangsbeste Hogwarts verlassen hatte.

Sie wollte immer studieren, etwas ordentliches lernen und einen gut bezahlten Beruf haben, der ihr auch spaß machte.

An Kinder wollte sie zu aller letzt denken.

Wie konnte es denn nur geschehen das sie das nie durchgesetzt hatte?

Seltsamerweise war während der Zeit ihr Kinderwunsch immer größer geworden und hatte das Studium erst mal auf Eis gelegt.

Und jetzt hatte sie den Salat!

Niemand der die fleißige Hermine Granger von früher kannte, hätte je gedacht das sie so enden würde.

Nicht einmal sie selbst!

Sie musste unbedingt einen Entschluss fassen. Irgendetwas unternehmen und die Löwin die in ihr schlummerte wieder wecken!

Am besten fing sie direkt damit an.

Sie war eine Gryffindor!

„Ich werde mit Severus reden und ihm alles sagen, von Anfang bis Ende!“ sagte sie zu sich selbst, stand auf und blickte auf die Uhr „Aber noch nicht jetzt...“

Sie würde nach Feierabend zu ihm in den Kerker gehen und ihm alles gestehen und sich endlich mit ihm aussprechen.

Dann würde sie schon sehen das Severus sie noch immer liebte und sie sich einfach nur bescheuert verhalten hatte!

Auf keinen Fall würde sie mehr kneifen!

Das stand fest.

Leider verlief die Arbeitszeit wesentlich schneller als ihr lieb war und sie hatte noch keine Zeit dazu gefunden sich zu überlegen was sie ihm sagen würde.

Hermine packte ihre Sachen zusammen und verließ die Bibliothek, welche sie sicherheitshalber noch Abschloss.

Nun machte sie sich auf den Weg zu den Kerkern.

Das Abendessen war offensichtlich schon vorüber und die Schüler hatten wohl schon ihre Gemeinschaftsräume aufgesucht, denn auf den Gängen begegnete sie niemandem außer Peeves, der sie aber anscheinend nicht bemerkte da er damit beschäftigt war wüste Ausdrücke mit Tinte auf den Boden zu schreiben.

Aufgeregt blieb sie schließlich vor der Kerkertür stehen.

Sollte sie einfach reingehen, oder Klopfen?

Er hatte ihr damals mal das Passwort gegeben, aber doch bestimmt nicht dafür das sie vorher anklopfte.

Er war ihr Mann und es stand ihr doch zu einfach in seine Räume zu gehen.

Abgesehen davon hatte er ja auch nichts vor ihr zu verbergen!

Severus war mit Sicherheit gerade am Arbeiten korrigieren, oder den Stoff für den nächsten Tag am ausarbeiten.

Oder er macht etwas ganz anderes! Rief eine böse Stimme in ihr.

„Quatsch!“ murmelte sie und schüttelte den Kopf.

Sie hatte sich doch geschworen mit dem Blödsinn aufzuhören.

„Nachfalter“ hörte Hermine sich sagen und die Tür schwang auf.

Hermine brauchte einige Sekunden um ihre Augen an den schwummrigen Kerzenschein im Zimmer zu gewöhnen.

Seit wann steht Severus auf Kerzenschein?

„Severus?“ murmelte sie und im nächsten Moment stockte ihr der Atem als sie endlich die Personen vor sich wahrnahm.

Dort stand IHR Mann...

...engumschlungen mit Rougeville.

Es konnte nur Rougeville sein, sie sah immer noch genauso aus wie vorher, mit ihren blonden Haaren und ihrem unschuldigen Engelsgesicht, mit ihren vollen Lippen, die zufällig am Mann einer anderen hingen!

„Hermine!“ erschrocken ließ ebendieser Mann die Frau los und wich einen Schritt von ihr zurück.

Als ob das jetzt noch einen Unterschied machte!

Hermines Kehle war vor Wut wie zugeschnürt und ihr Herz pochte wie verrückt, als sie zusätzlich noch eine Welle aus Übelkeit übermannte.

„Granger?“

Hermine schloss die Augen und atmete tief durch um ihre Ruhe wieder zu finden und gegen eine Ohnmacht anzukämpfen.

Sie musste ruhig bleiben!

Sie war eine Gryffindor und musste auch genau so reagieren.

„Du besitzt die Frechheit mich zu betrügen,“ flüsterte sie und ihre Stimme zitterte „aber NICHT DIE INTELLIGENZ DAS PASSWORT ZU ÄNDERN!“

Den letzten Teil hatte sie so unglaublich laut geschrieen das sie sich selbst an Molly Weasley erinnerte und Severus vor ihr erschrocken zusammenzuckte.

Natürlich, diese Seite kannte er noch gar nicht an ihr.

Woher denn auch?

Wenn er jetzt glaubte sie würde weiter seine brave Hausfrau spielen, hatte er sich aber geschnitten, diese Zeiten waren vorbei.

Mit einem Ruck war die Löwin in ihr erwacht und wünschte sich nichts sehnlicher als sich auf ihn zu stürzen und ein großes Stück aus ihm rauszubeißen.

Aber hier gab es noch immer Gesetze, also musste sie sich ein wenig zurück halten...

... aber nicht viel!

„Hermine“ Hermine blickte auf und sah zum aller ersten Mal seine wirklichen Gefühle, welche sein Gesicht nun offenbarte.

Sie las Verzweiflung, Reue, Schrecken und auch ein wenig Wut.

Musste er denn erst die Fassung verlieren um seiner Frau einmal seine wahren Gefühle zu zeigen?

Vorsichtig machte er einen Schritt auf sie zu.

„Ich wollte...“ flüsterte er doch Hermine unterbrach ihn.

„Wag es ja nicht, mir noch einmal unter die Augen zu kommen! Ich brauche keinen Mann der dieser Person, wie ein räudiger Straßenköter hinterherläuft!“

Hermines Hand wies zitternd auf Rougeville.

„Na hör mal!“ rief sie empört, doch Severus brachte sie mit einem wütenden Blick zum Schweigen.

„Ich wollte...“ versuchte er es noch einmal, doch wieder ließ Hermine ihn nicht ausreden.

„Lass es!“ sagte sie wütend und kehrte ihm den Rücken zu um kurz darauf Peeves in die Tür zu erblicken.

„Wie kein Blut?“ fragte der Poltergeist enttäuscht.

Hermine schritt schulternzuckend an ihm vorbei.

„Das wollte ich dir überlassen!“ sagte sie und verließ den Raum. Hinter sich hörte sie Peeves fröhlich aufschreien und mit Gegenständen werfen.

Diese Situation hatte sie gut gemeistert, besser hätte es gar nicht laufen können. Sie hatte nicht eine Träne vergossen, dafür war sie auch viel zu geschockt gewesen.

Und sie hatte ihn nicht einmal zu Wort kommen lassen!

Ihr Kopf fühlte sich mit einem Mal merkwürdig leer an, doch ihre Übelkeit und ihr Ohnmachtgefühl waren verschwunden.

Sie fühlte eine große Stärke in sich und einen Mut der all ihre Schüchternheit versenkte.

Genau das hatte sie gebraucht!

Einen Vorfall der ihr die Augen öffnete.

Ihre Füße trugen sie ganz automatisch in die Bibliothek. Von dort aus würde sie per Flohpulver in den Grimauldplatz Nummer 9 reisen.

Zwar wusste sie das Harry sehr sehr selten dort war, da er lieber ein Hotel bewohnte, aber ihr Gefühl sagte ihr das sie genau dort hin sollte.

Wie in Trance schnappte sie eine Brise Flohpulver und verschwand aus der Bibliothek um einen Augenblick später im Grimauldplatz wieder zu erscheinen.

Sie rieb sich kurz die Augen und hustete die Asche aus und schon im nächste Moment erkannte sie Harry und Ron die sie verwundert anstarrten.

„Nicht noch einer!“

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Geigt mir eure Meinung! Butterbier für alle -g-

Kapitel 13 – Schokolade ist mein Freund

In Wirklichkeit lieb ich dich nicht

Hermine hatte Harry und Ron alles von dem Vorfall im Kerker erzählt und je mehr sie darüber redete desto mehr rannten ihr die Tränen über das Gesicht.

Harry hatte ihr den Arm um die Schultern gelegt und strich ihr beruhigend über den Rücken, während Ron ihr tröstende Worte zuflüsterte.

Hermine fühlte sich bei ihren besten Freunden so geborgen wie schon lange nicht mehr.

Das lag vielleicht auch an der Tatsache, dass keiner sie besser verstehen würde als Ron, der gestern erst mit Ginger Schluss gemacht hätte.

Er hatte sofort die Notbremse gezogen, als er von Hermines Schwangerschaft („DU BIST SCHWANGER!“ krächzte Harry) und die Probleme dabei, erfuhr.

Ron hatte es daher einfach für das beste gehalten die Sache zu beenden, bevor noch etwas schiefging.

Wahrscheinlich war es das beste, wenn Ron tatsächlich nichts mehr für sie empfand.

Zwar ging es ihm jetzt auch nicht wirklich gut, aber bei einer Trennung, ist es für beide zur Anfangszeit immer schwer. Es sei denn natürlich es wäre etwas besonders schlimmes passiert, aber darüber wollte Hermine jetzt am wenigsten nachdenken.

Und ihm stand nun ein klärendes Gespräch mit seinen Eltern bevor.

„Die werden wahrscheinlich die ganze Zeit nur sagen Ich habs dir doch gesagt!“ meinte Ron niedergeschlagen und seufzte.

„Ich denke das wirst du überleben!“ sagte Harry und grinste. „Wenn ihr möchtet könnt ihr die nächste Zeit erst mal hier bleiben. Ich hab noch einen Monat Urlaub zu bekommen und den hab ich gestern eingereicht.“

Ron blickte Harry glücklich strahlend an.

„Das wäre wirklich nett!“ schluchzte Hermine und der rothaarige nickte zustimmend.

Harry klatschte lachend in die Hände, stand auf und ging in die Küche um wenig später mit 3 Butterbier zurück zukommen.

Hermine unterdrückte mit Mühe den Drang zu sagen das ihr ein Feuerwhiskey lieber gewesen wäre und nahm Harry mit einem dankbaren Lächeln das Butterbier ab.

„Feuerwhiskey ist momentan nicht das beste für dich, du würdest dich nur sinnlos betrinken!“ sagte Harry und grinste seine Freundin an.

„Ich dachte du könntest kein Okklumentik“ meinte Hermine und warf ihm einen bösen Blick zu.

Harry schüttelte den Kopf und lachte wieder.

„Um deine Gedanken zu lesen muss man nicht Okklumentik beherrschen, sondern in deinem Gesicht lesen!“

„Stimmt!“ gluckste Ron.

Hermine lächelte die beiden an und schüttelte fassungslos den Kopf.

Harry nahm einen großen Schluck von seinem Butterbier und sah dann Hermine ernst an.

„Hermine“ meinte er leicht entschuldigend „Es tut mir leid, dass ich dich für paranoid gehalten habe“

Hermine kicherte kurz und zuckte dann mit den Schultern.

„In gewisser Weise war ich das doch auch!“

Harry legte den Kopf schräg und lachte, dann jedoch stockte er plötzlich.

„Sag mal, woher wusstest du eigentlich das ich hier bin?“

Sie lächelte vielsagend und nahm einen Schluck Butterbier.

„Mein Gefühl hat mir gesagt du wärest hier...“

„Genau wie bei mir!“ rief Ron aufgeregt dazwischen und grinste dermaßen dämlich das Hermine lachen musste.

„Cool, ich muss euch gar nicht mehr Bescheid sagen wenn ich daheim bin, ihr wisst das auch so!“

Harry strahlte fasziniert und Hermine fühlte sich wieder viel glücklicher als zu Anfang. Harry gute Laune steckte einfach an, sie bekam ihr Lächeln einfach nicht mehr aus dem Gesicht und Ron schien es ähnlich zu gehen.

Sie hatten sich wirklich viel zu lange nicht mehr gesehen, Hermine hatte ja zuerst befürchtet es würde anders als früher sein, aber nun war es wieder ganz genauso.

Sie wusste das sie die beiden Menschen im Zimmer hatte denen sie am meisten vertrauen konnte.

Endlich hatte sie mit ihren Freunden über all das geredet was sie bedrückt hatte und genoss ihr vollstes Verständnis.

Erst jetzt nahm sie die Dinge um sich herum wahr.

Sie saß in Sirius altem Haus in der Küche und Harry hatte rein gar nichts an dem ehemaligen Hauptquartier verändert.

Lediglich Kreacher war nicht mehr da. Ebenso wie das Portrait von Sirius Mutter, dass Albus zum Ende des Krieges mit Leichtigkeit entfernt hatte.

Harry hatte mal erklärt das er das Haus genauso lassen wollte, wie Sirius es das letzte Mal gesehen hatte.

Natürlich wusste er das Sirius es gehasst hatte, aber er war einfach nicht dazu in der Lage gewesen diese Erinnerung von Sirius wegzuwischen.

„Ihr habt euch noch keine Gedanken darüber gemacht wie es weitergeht, oder?“ fragte Harry und sah abwechselnd Ron und Hermine an.

Ron zog gleichgültig die Stirn kraus.

„Nach der Scheidung werde ich mir wohl ne neue Frau suchen, vorher hab ich noch keine Lust dazu... Vielleicht werde ich ja schwul... Männer sind leichter zu verstehen!“

Hermine warf ihm einen bösen Blick zu.

„Ja Männer sind immer unschuldig, die bösen Frauen treiben sie in die Ecke!“

Ron schüttelte hastig den Kopf als er bemerkte was er angerichtet hatte.

„So war das nicht gemeint... ich wollte nur sagen...“

„Lass gut sein, Ron!“ sagte Harry grinsend, dann sah er Hermine fragend an, welche wieder dabei war über ihre Zukunft nachzudenken.

„Na ja...“ begann sie langsam und wieder glitzerten Tränen in ihren Augen „Ich werde ein Kind ohne Vater aufziehen müssen, denn er wird es sicherlich nicht zu sehen bekommen!“

„Wer braucht schon einen Vater“ sagte Ron sauer

„..wenn es doch zwei Patenonkel bekommt!“ setzte Harry hilfreich hinzu und Hermine sah ihre beiden Freunde glücklich an.

„Ich werde ihm Quidditsch beibringen!“ redete Harry drauflos und starrte anschließend träumend ins leere, Ron tat es ihm gleich.

„Quidditsch ist klar, da bin ich dabei. Ich werde ihm noch Zauberschach beibringen und er wird der erste sein der mich schlägt!“

Hermine war mehr als glücklich, wie hatte sie nur die Hilfe ihrer Freunde übersehen können! Natürlich würde es dem Baby auch ohne Vater gut gehen, wenn Harry und Ron bei ihm waren. Sie waren weit besser als jeder Vater.

„Ihr seid euch sicher das es ein Junge wird?“ fragte sie und lachte. Ron schüttelte den Kopf.

„Das ist egal, Hauptsache es wird nicht wie du und lernt den ganzen Tag!“

Gespielt verärgert knuffte Hermine ihm in die Seite und er rutschte vorsichtshalber etwas weiter von ihr weg.

Sie wusste das jedes Wort von den beiden der Wahrheit entsprach, sie würden sie ganz sicher nicht mit einem Baby sitzen lassen.

Die nächsten Tage schwebte Hermine wie auf Wolken. Harry hatte sie bei Madam Pince krank gemeldet und nun verbrachten sie zu dritt die Tage mit unwichtigen Dingen.

Stundenlang wägten sie die Vorteile von Schokolade gegenüber Lebenspartnern ab und sie fanden einfach keinen Nachteil.

„Schokolade macht dick!“ meinte Ron und stopfte sich einen Schokofrosch in den Mund. „Das ist kein Nachteil,“ sagte Hermine „Partner machen das auch! Und nicht nur durch Schwangerschaften...“

Harry gluckste als Hermine den rothaarigen aufmerksam musterte. Ron blickte die beiden fragend an.

„Ginger hat dich nicht gerade Hungern lassen“ sagte Harry erklärend und Ron verdrehte die Augen.

Glücklich lachend verbrachte Hermine die Tage, aber nachts wenn sie alleine im Bett lag, kamen ihre Sorgen.

Was sollte sie tun wenn sie wieder arbeitete?

Wie würde sie reagieren wenn sie Severus dort traf?

Und wie sollte sie ein Kind ernähren, ohne von Severus Geld zu nehmen?

Natürlich musste er für das Kind bezahlen, aber sie wollte ihm doch nicht sagen das er ein Kind hatte. Womöglich würde er Anspruch darauf erheben, nur um sie zu ärgern.

Zwar würde ihr vielleicht bei der Scheidung einiges zugesprochen werden, aber das wollte sie gar nicht. Ihr Stolz verbot ihr, irgendetwas von ihm anzunehmen.

Sie müsste das alles noch einmal gründlich überdenken, vielleicht würde sie ihm ja doch noch von der Schwangerschaft erzählen, nur damit er sich nicht gut fühlte...

Am nächsten Morgen erwachte Hermine zum ersten Mal ohne Überlkeit.

Mit der Hoffnung, dass dieser Tag nur gut werden konnte stieg sie die Treppen runter.

„So hab ich den noch nie erlebt, total durchgeknallt!“ hörte sie eine weibliche Stimme aus der Küche dringen.

„Das wird sie nicht freuen..“ sagte Harry kurz bevor Hermine den Raum betrat.

Sie sah Ginny, Ron und Harry am Tisch sitzen, die nun rasch verstummten und ihrem Blick auswichen.

„Morgen Ginny!“ sagte Hermine und goss sich gähnend eine Tasse Kaffee ein, dann setzte sie sich zu den anderen an den Tisch.

„Habt ihr von mir gesprochen?“ fragte sie nun frei heraus und Ron und Harry schüttelten hastig den Kopf.

„Haben wir!“ sagt Ginny und warf den beiden einen wütenden Blick zu. Ihre rothaarige Freundin sah heute sehr streng aus, vielleicht lag das an ihrem fest zusammengebundenem Zopf, oder auch daran das sie ernst war und nicht das fröhliche Lächeln in ihrem Gesicht lag.

„Deswegen bin ich hier! Ich hab Harry und Ron heute Morgen beim Einkaufen getroffen und sie haben mir erzählt was Snape getan hat.“

Die beiden Jungs schwiegen weiter, Hermine jedoch blickte irritiert auf die Uhr.

Heute morgen! Wie lange habe ich denn geschlafen!

Es war tatsächlich schon 13 Uhr, sie hatte verdammt lange geschlafen.

„Jedenfalls“ fuhr Ginny fort und Hermine sah wieder zu ihr „war dein Mann gestern in der Laube, du weißt schon, die Bar in der ich arbeite!“

Hermine nickte kurz, ihr Herz klopfte hart in ihrer Brust, aber sie ließ sich von außen nichts anmerken.

„Er war... ziemlich betrunken...“ sagte sie vorsichtig um Hermines Reaktion zu prüfen.

„Hat er dich angemacht?“ fragte sie und verzog keine Miene dabei.

Ginny schüttelte schnell den Kopf und warf hilfesuchend einen Blick zu Harry und Ron, die aber nicht mal in ihre Richtung sahen.

„Nein, das nicht! Aber er hat sich ziemlich daneben benommen. Hat andere Gäste beleidigt und uns beim arbeiten gestört. Er war wirklich sehr betrunken!“

Hermine runzelte die Stirn.

Das war nun gar nicht Severus Fall. Er vertrug Alkohol eigentlich sehr gut, wenn er wirklich so betrunken war, hätte er eine Menge trinken müssen.

„Warum habt ihr ihn nicht rausgeschmissen?“ fragte sie und Ginny bekam rote Ohren, ebenso wie Ron immer, wenn ihm etwas peinlich war.

„Er hat wahnsinnig viel Trinkgeld gegeben...“

Kapitel 14 – Was dein ist ist auch mein

Du hast so schöne Augen

Ginny blieb nur bis zum Mittagessen, dann musste sie schon wieder gehen. Sie verabschiedete sich von allen und wünschte Hermine noch alles gute, und sie würde sich demnächst auch noch mal melden, dann apparierte sie.

Die Nachricht von Severus Alkoholeskapaden (wenn man es denn so nennen konnte), hatte Hermine nicht so aus der Bahn geworfen wie sie vermutet hätte.

Irgendwie machte ihr es erstaunlicherweise nichts aus.

Vielleicht lag das daran, dass Harry und Ron eine sehr große Ablenkung für sie waren. Hermine hatte gar keine Zeit richtig über alles nachzudenken, da die beiden sich mit ihrem Blödsinn nahezu überschlugen und Hermine aus dem lachen nicht mehr raus kam.

Während dem Essen stritten die beiden sich darum, wer die größte Gabel bekam, was damit endete das Hermine diese in eine Kuchengabel verhexte.

Für Hermine sah es ein wenig so aus, als hätten die beiden das Zaubern neu für sich entdeckt. Ständig hatten sie eine neue Idee, was man mit einem Zauberstab so alles anstellen konnte. Sie verzauberten so ziemlich alles was bei drei nicht auf den Bäumen war, egal ob es einen Sinn ergab oder nicht.

Das Geschirr spülte sich selbst ab, der Briefkasten wurde zu einer Hundehütte und hin und wieder hatte Harry grüne Haare.

Er sah tatsächlich so dämlich damit aus, das entweder Ron oder Hermine sie in unerwarteten Moment immer wieder grün zauberten.

Harry bemerkte dies meistens nur durch das plötzliche Gekicher der beiden.

Sie verhielten sich wirklich den ganzen Tag lang wie kleine Kinder.

Hermine war sich sicher, das dies daher kam das sie so lange Zeit nicht mehr zusammen waren und sich das alles in jedem einzelnen von ihnen angestaut hatte.

In ihrer Schulzeit hatte sie die meisten Dinge nie mitgemacht, aber nun war sie so voller Glückshormone, dass sie sich am Abend sogar dazu bereit erklärte eine Partie „Snape explodiert!“ mitzuspielen.

Das Spiel war wirklich etwas um die ganze Wut auf ihn loszuwerden, endlich konnte sie nachvollziehen, warum in ihrer Schulzeit alle so scharf auf dieses Spiel waren.

Rußverschmiert und müde ließen sich die drei später auf dem Sofa im Wohnzimmer nieder. Harry hatte mit einem Zauberstabschwenker den Kamin entzündet, in dem das Knistern des Feuers nun eine angenehme Ruhe vermittelte.

„Sag mal Hermine,“ meinte Ron nachdenklich und Hermine richtete sich aus ihrer liegenden Position auf. „Hast du nicht Lust jetzt wieder zu studieren? Ich meine es wäre die beste Zeit dazu. Wir würden au das Kind aufpassen wenn du keine Zeit hättest. Ich denke das lernen würde dir mal wieder gut tun und du wüsstest wieder richtig was mit dir anzufangen!“

Hermine schwieg und blickte nachdenklich zu Harry, welcher Rons Vorschlag mit einem Nicken befürwortete.

Sicher hatte sie in letzter Zeit immer öfter darüber nachgedacht , aber nie wirklich in Erwägung gezogen.

Sie hatte das eher als einen entfernten Traum angesehen, da ein Kind das studieren nicht gerade leichter machte. Sie musste schließlich in einer Mutterrolle aufgehen und demnach auch für das Baby da sein.

Sie konnte doch nicht ein Kind in die Welt setzen und sich dann nicht darum kümmern. Andererseits war sie schnell im lernen und hatte mit Sicherheit auch neben dem studieren Zeit für ihr Kind. Harry und Ron waren auch noch da, also ein Versuch war es in jedem Fall wert. Wenn sie merkte das sie es nicht schaffen würde, konnte sie ja immer noch abbrechen.

„Weißt du was,“ rief sie und sah glücklich zu Ron „Ich denke das werde ich machen!“ Ron und Harry grinsten sie fröhlich an.

„Ich wusste doch das du der Verlockung nicht widerstehen kannst!“ sagte Ron und gab ihr einen Klaps auf die Schulter.

„Endlich wieder die Alte!“ sagte Harry zustimmend „Accio, Butterbier“ Einen Augenblick später flogen 3 Butterbier zum Wohnzimmer herein und die drei stießen auf Hermines neues Leben an.

Harry und Ron freuten sich wirklich sehr darüber, Hermine wieder als die alte zu sehen. Zwar war sie schwanger, aber die Art war wieder die gleiche wie früher.

Vielleicht war sie sogar ein bisschen lockerer geworden...

„Ach ja,“ rief Hermine als ihr wieder etwas einfiel und stellte ihr Butterbier ab „Ich müsste heute oder morgen mal kurz nach Hause“

Harry und Ron blickten sie verwundert an.

„Warum?“ fragten sie gleichzeitig in einem äußerst kritischen Ton.

Hermine zuckte mit den Schultern und blickte die beiden mit einem selbstverständlichen Blick an.

„Ich brauche langsam mal ein paar Anziehsachen. Es ist auch nicht gerade schön immer in den gleichen Sachen rumzulaufen. Und um mir neue zu kaufen ist mir das Geld wirklich zu schade!“

Ein Augenblick des Nachdenkens verstrich und dann nickte Harry schließlich.

„Sollen wir dich begleiten?“ fragte er und machte einen leicht besorgten Eindruck. Ron jedoch verzog ablehnend das Gesicht.

„Das wäre nett!“ meinte sie und klemmte sich eine widerspenstige braune Locke hinters Ohr. Der-Junge-der-überlebt lächelte und stand ausgehbereit auf.

„Dann gehen wir jetzt, dann haben wir es hinter uns. Abgesehen davon ist es doch bestimmt noch im Unterricht oder?“

Hermine nickte kurz zögernd.

Sie hatte nicht damit gerechnet sofort zu gehen, aber wahrscheinlich hatte Harry recht mit dem was er sagte. Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt.

Sie stand ebenfalls auf und nahm sich ihre Jacke, dann blickte sie fragend zu Ron der noch immer auf dem Sofa saß und sich nicht rührte.

„Seid mir nicht böse...“ druckste er unsicher herum „... aber ich würde wirklich lieber hier bleiben!“

Überrascht runzelte Hermine die Stirn und blickte zu Harry der ebenfalls verständnislos drein blickte.

Na ja, wenn er nicht wollte, dann konnte sie ihn nicht dazu zwingen.

Wahrscheinlich wollte er nicht noch einmal in die Nähe der Wohnung, in der er zwanghaft mal eine Nacht verbringen musste.

Außerdem wollte er möglichst weit weg von Severus sein.

Hermine sah wie Harry den Mund öffnete um zu protestieren, aber sie brachte ihn schließlich mit einem Kopfschütteln zum Schweigen.

„Das ist schon in Ordnung, wir sind hoffentlich schnell wieder zurück.“ Sagte sie und ging zum Kamin. Als sie bemerkte das Harry ihr nicht folgte drehte sie sich um.

„Kommst du Harry?“

Er schien kurz zu zögern, dann kam er zu ihr rüber und fuhr sich schließlich verlegen durchs Haar.

„Ich frage mich,“ begann er und blickte Hermine unsicher an „ob du nicht mal wieder apparieren willst. Ich denke nicht das du das schon verlernt hast..“

„Oh“ machte sie überrascht und sah nachdenklich zum Kamin, als ob er ihr eine Antwort darauf geben könnte.

Noch vor ein paar Tagen hätte sie es entsetzt abgelehnt, da ihr Unfall damals sehr schmerzhaft gewesen war.

Aber jetzt dachte sie sich eigentlich nur Warum eigentlich nicht?!

Es war doch wirklich unwahrscheinlich das sie nun noch einmal so unkonzentriert sein würde. Schließlich lächelte sie und nickte.

Aufgeregt schloss sie die Augen um sich zu sammeln und sich noch mal die ganzen Regeln des Apparierens ins Gedächtnis zu rufen.

Wenige Sekunden später war sie mit einem lauten Knall verschwunden.

Etwas wackelig, aber Gesund war sie mit Harry vor ihrem Haus angekommen. Hermine blickte leicht unsicher zu den Fenstern des Hauses.

Die Rollläden waren geschlossen, obwohl es helllichter Tag war.

„Ich warte hier“ flüsterte Harry und sie nickte. Das war wahrscheinlich besser. Wenn Severus doch da war sollte sie nicht direkt mit Harry ins Haus kommen.

Mit gemischten Gefühlen betrat sie das Haus. Nirgends brannte Licht und Hermine atmete erleichtert auf, Severus war anscheinend wirklich noch arbeiten.

Sie machte das Licht im Wohnzimmer an und wäre beinahe über einen umgekippten Stuhl gestolpert, hätte sie sich nicht im letzten Moment noch am Türrahmen festgehalten.

Stirnrunzelnd überblickte sie das Chaos, welches sich ihr bot.

Sofakissen lagen im ganzen Raum verteilt auf dem Boden, die Tischdecke hing nur noch an einem Ende am Tisch, Müll war überall verstreut und als krönender Abschluss stand auf dem Tisch eine fast leere Flasche Feuerwhiskey.

Hermine verdrehte seufzend die Augen und stieg vorsichtig über das Schlachtfeld rüber zum Schlafzimmer.

Sie öffnete die Tür und blieb überrascht am Rahmen stehen.

Hier war alles ordentlich aufgeräumt.

„Schon wieder da?“ raunte eine kühle Stimme hinter ihr und sie bekam eine Gänsehaut als sie Severus Atem in ihrem Nacken spürte.

Wütend drehte sie sich um und funkelte ihn an.

Er sah nicht gut aus. Seine Kleidung war zerknittert und er hatte tiefe Ringe unter den Augen, auch wirkte er noch blasser als sonst und er roch leicht nach Whiskey.

„Keine Angst, ich hole nur meine Sachen!“

Sie wandte sich von ihm ab und ging zügig ins Schlafzimmer, er blieb mit verschränkten Armen an der Tür stehen und zog eine Augenbraue hoch.

„Deine Sachen?“ er lachte kurz „Was bitte soll hier dir gehören? Das habe ich alles bezahlt!“

Hermine nahm sich eine Reisetasche und öffnete den Kleiderschrank.

„Ich bin mir sicher das du meine Unterwäsche gut gebrauchen kannst, aber ich bezweifle das Rougeville in C reinpasst! Ich würde für sie dann doch eher A empfehlen!“ bemerkte sie spitz und er sah finster drein.

1 zu 0 für sie!

Er schnaubte kurz und sie fing an ihre Tasche mit Kleidung zu füllen.

„Warum hast du Potter nicht reingebeten? Ich denke er ist als deine Leibgarde da!“

Sie verdrehte genervt die Augen und stopfte einen Haufen Socken in ihre Tasche.

„So wichtig bist du nicht, das ich wegen dir eine Leibgarde bräuchte!“

„Also doch eher Liebhaber?“ fragte er scheinheilig.

Er konnte einen wirklich supergut zur Weißglut treiben.

„Wir sind nur Freunde!“ bemerkte sie kurz, es wäre nicht gut ihn wissen zu lassen dass es sie ärgerte was er sagte.

Er nickte zustimmend.

„Die sich ab und zu küssen und wohl auch zusammen ins Bett gehen?! Na ja aber er scheint wohl kein Interesse daran zu haben für dich Geld auszugeben.“

Was sollte nun das schon wieder? Was hatte Harry denn mit Geld zu tun?! Sie schüttelte irritiert den Kopf, nahm ihre Tasche und schritt an ihm vorbei ins Wohnzimmer. Eigentlich war sie im Begriff zu gehen, doch an der Tür nach draußen drehte sie sich noch einmal nach ihm um.

„Sag mal“ begann sie und verschränkte die Arme vor der Brust „weißt du eigentlich noch wem du damals die Treue geschworen hast?“

Severus grinste überlegen. Auf so was hatte er wohl gewartet.

„Weißt du noch von wessem Geld du gelebt hast?!“

Eine Gegenfrage! Natürlich, wie hätte sie auch glauben können, er wäre auf so eine Frage nicht vorbereitet gewesen?!

„Im Gegensatz zu Rougeville brauche ich deine blöden sauer verdienten Kröten gar nicht! Geh und kauf dir einen Schnaps!“ zischte sie und verließ mit einem lauten Türenknallen das Haus.