Vertrauter Feind (von Romy)

Kapitel 1: Liebe und Schmerz

"So ein Arschloch!" brach es aus Ron heraus.
"Ron, wie kannst du so was sagen?" pikierte sich Hermine
"Wie ich so was sagen kann?" Er blieb abrupt stehen und starrte Hermine ungläubig an.
"Was denkst du wohl, er versaut UNS das ganze Wochenende mit diesem Haufen an Aufgaben, während die Slytherins natürlich nicht mal halb so viel aufbekommen haben. Findest DU das etwa fair?!"
"Nein, das ist natürlich nicht fair, aber deswegen brauchst du nicht so rumzuschimpfen. Zumal du doch sowieso wieder bei mir abschreiben wirst." Sie lächelte ihn triumphierend an und auch auf Rons Gesicht breitete sich nun ein sanftes Lächeln aus. Das erste, seit dem Snape ihnen am Mittag so viele Aufgaben gegeben hatte, dass sie tatsächlich das ganze Wochenende damit beschäftigt sein würden.
"Regt dich das denn gar nicht auf?" fragte er sie nun.
"Doch natürlich. Aber Ron, wir sind nun bereits in unserem siebten Jahr hier und du kennst Snape doch. Er gibt uns immer mehr Aufgaben auf, als den Slytherins." Sie griff nach seiner Hand und zerrte leicht an ihm, damit er ihr folgen würde.
"Das hat er doch nur gemacht, weil nächste Woche Gryffindor gegen Slytherin spielt und er verhindern will, dass wir trainieren können. Er wird uns die ganze kommende Woche mit Aufgaben überschütten. McGonogall würde das nie tun. Warum kann sie uns nicht auch mal bevorzugen."
"Ron!" ermahnte ihn Hermine nun, als sie vor dem Bild der fetten Dame stehen blieben. "Willst du dich nun bis zum Spiel darüber aufregen? Wir können es doch eh nicht ändern."
"Weißt du Hermine, das ist es, was ich so an dir liebe. Die Lage kann noch so verzwickt sein, du bleibst trotzdem immer ruhig." Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze.
"Wollt ihr den ganzen Nachmittag hier auf dem Flur verbringen und mich mit eurer Turteilei nerven" raunzte die fette Dame.
Beide schraken unwillkürlich auf, mussten dann jedoch lachen.
"Sterntaler" sagte Hermine endlich und die fette Dame schwank zur Seite, um die beiden den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betreten zu lassen.

"Harry scheint Ginny immer noch nicht gefunden zu haben" sagte Ron, nachdem er sich im Gemeinschaftsraum umgeblickt hatte.
"Vielleicht ist er oben" erwiderte Hermine unsicher.
Ron zuckte mit den Schultern und ging die Treppe hinauf zu den Jungenschlafsälen, doch Harry war nirgends zu finden. Also machte er wieder kehrt und ging zu Hermine zurück.
"Das ist typisch" begann er als er wieder bei ihr war. "Immer, wenn er Krach mit Ginny hat, geht er mir aus dem Weg."
"Er befürchtet, du würdest Partei für sie ergreifen, weil du ihr großer Bruder bist" sagte Hermine, die sich mittlerweile auf einen der Sessel neben dem Kamin gesetzt hatte.
"Womit ich auch Recht hätte, so wie er sich diesmal benommen hat." Ron setzte sich zu ihr und starrte ins Feuer. Eigentlich war er froh gewesen, als Harry und Ginny zusammengekommen waren. Er hatte sich ausgemalt, er müsse sich nun nicht mehr so viele Sorgen um seine kleine Schwester machen, aber in letzter Zeit stritten sich Harry und Ginny immer häufiger und seine Sorgen um sie waren noch nun noch größer, als jemals zuvor.
"Es ist nicht deine Sache Ron" sagte Hermine sanft. "Du kannst dich nicht immer verrückt machen, wenn sie sich streiten! Harry würde Ginny niemals absichtlich wehtun, das weißt du doch."
"Jaaaa" erwiderte er zögernd.
"Weißt du was" sagte er geheimnisvoll und grinste Hermine dabei an.
"Was?" fragte sich sichtlich verwirrt.
"Unser Schlafsaal ist leer" und er zwinkerte ihr zu.
"Oh Ron!" Hermine lachte auf und warf eines der Kissen, die um den Kamin verstreut lagen, nach ihm.
"Ich weiß gar nicht was du da lachst. Das war mein Ernst" stellte sich Ron beleidigt. Nun stand Hermine auf und ging zu Ron hinüber, um sich auf seinen Schoss zu setzen. Dieser schloss sofort die Arme um sie und sie küssten sich zärtlich.

"Sicher, ich stecke in der tiefsten Krise meines Lebens und ihr küsst euch!" Die Tür zum Gemeinschaftsraum war gerade aufgeflogen und Harry kam herein. Missmutig setzte er sich zu Ron und Hermine, die ihn beide neugierig anstierten. Doch Harry machte keine Anstalten möglichst bald zu sprechen, so dass Hermine beschloss das Schweigen zu brechen.
"Du hast Ginny nicht gefunden?" aber es war mehr eine Feststellung, denn eine Frage. Hermine hoffte lediglich so mehr über den Streit der beiden herauszubekommen.
"Wer sagt, dass ich sie gesucht habe" antwortete Harry unwirsch.
"Das hast du gesagt, deswegen hast du Zaubertränke geschwänzt" sagte Ron beiläufig.
"Oh, ja stimmt." Harry senkte den Kopf. "Ich weiß nicht, was mit ihr los ist."
"Harry du engst sie ein, du machst sie wahnsinnig mit deiner Eifersucht. Das war es doch worum es wieder ging, oder nicht?"
"Hat sie dir das gesagt Hermine? Dass ich sie wahnsinnig mache?"
"Nein, das hat sie nicht. Aber ich merke, dass es sie verrückt macht."
"Jah! Es macht sie verrückt. Sie macht mich verrückt" sagte Harry mehr zu sich selbst.
"Erzähl doch einfach mal, was los war." Ron klang genervt.
"Als ob SIE das nicht schon längst getan hätte" erwiderte Harry verbittert.
"Ich will es von DIR hören Harry, du bist mein Freund. Sag mir, was mit euch los ist."
Harry stand auf und trat an eines der Fenster heran, von dem aus er Hagrids Hütte beobachtete.
"Ich weiß es nicht" flüsterte er. "Seit dem ich Kapitän der Quidditch Mannschaft bin und sie Vertrauensschülerin sehen wir uns kaum noch. Eigentlich sehen wir uns nur noch zum Essen und zum Training. Sie hat für jeden mehr Zeit als für mich. Gestern hat sie den ganzen Tag mit Collin Creevey verbracht, allein! Als ich sie gefragt habe warum, hat sie gesagt, es ginge mich nichts an. Vielleicht habe ich übertrieben reagiert, aber ich war so, so furchtbar eifersüchtig, also habe ich sie angeschrieen und ihr gesagt, dass sie es mir ins Gesicht sagen soll, wenn sie mich mit Colin betrügt."
"Wie kann man so dumm sein" schnaubte Ron.
"Harry, sie ist Vertrauensschülerin. Es ist ihre Aufgabe sich zu kümmern, wenn man ihre Hilfe will und ich bin davon überzeugt, dass das mit Colin nichts anderes war." Hermine war mittlerweile zu ihm ans Fenster getreten und hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt. "Sie betrügt dich nicht Harry, das weiß ich ganz sicher."
Harry drehte sich zu Hermine um und blickte in ihre sanften Augen. In solchen Momenten war er immer froh, sie als Freundin zu haben. Niemand sonst schaffte es so leicht ihn von Zweifeln freizumachen.
"Das entschuldigt nicht, dass er sie angeschrieen hat" warf Ron beleidigt ein.
Harry und Hermine grinsten sich an.
"Ja, da hast du Recht Ron. Ich werde später beim Abendessen mir ihr reden und mich entschuldigen. Hoffentlich vergibt sie mir noch einmal."
"Warum sollte sie das nicht, das hat sie ja bereits schon unzählige Male zuvor getan."
"Ron," quiekte Hermine und alle drei mussten lachen.

~*~

"Mit Colin tzä, wie kann er auf so eine Idee kommen!" Ginny irrte schon seit dem Mittagessen im Schloss herum, nur damit sie Harry nicht begegnen musste. In letzter Zeit stritten sie oft, das wusste sie, aber noch nie hatte er sie so aufgeregt, wie bei ihrer letzten Auseinandersetzung. Sie wollte ihm noch nicht gegenüber treten, dafür hasste sie ihn im Moment viel zu sehr.
"Was irrst du hier unten rum Weasley!" erklang plötzlich eine ihr bekannte Stimmer hinter ihr. Sie wirbelte herum und ihr gegenüber stand nun Draco Malfoy.
"Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mich dumm vollzulabern Malfoy!"
Jegliche Angst, die sie Malfoy gegenüber mal gehabt hatte, war irgendwann dem Hass gewichen. Sie hasste seine arrogante Art und Weise und sie hasste es, wie er sich üblicherweise über ihre Familie ausließ. Doch sein Verhalten ihr gegenüber hatte sich noch verschlimmert, als sie vor einem Jahr mit Harry zusammengekommen war.
"Dich volllabern? Ich würde mich nicht mal mit dir abgeben, wenn du die letzte Hexe auf Erden wärst" er blickte sie verächtlich an.
"So, warum machst du es dann gerade!" erwiderte Ginny und sie bemühte sich dabei so gelangweilt, wie möglich zu klingen.
"Du schleichst in unseren Gängen rum Weasley. Warum bist du nicht bei deinem heißgeliebten Potter und deinem nichtsnutzigen Bruder und seiner geliebten Schlammblüterin."
"Du bist einfach nur widerlich Malfoy!" Doch Ginny bemerkte erst jetzt, dass sie sich in den Kerkergängen befand, ganz in der Nähe des Gemeinschaftsraums der Slytherins.
"Wenn ich sehe mit was für einem Pack deine Familie sich immer abgibt, kann ich gar nicht glauben, dass ihr Reinblüter seid." Sie konnte sehen, wie Malfoy höhnisch grinste und ihr Hass auf ihn steigerte sich ins Unermessliche.

"Mein Vater muss sich wenigstens nicht verstecken, weil er, wie ein gewöhnlicher Verbrecher, aus Askaban ausgebrochen ist. Stellt sich nun die Frage wer von unseren Familien eine größere Schande für die Reinblüter ist, findest du nicht Malfoy?" Plötzlich schritt Malfoy auf sie zu und Ginny überkam die Angst, er könne sie schlagen, doch er blieb nahe vor ihr stehen und blickte in ihre Augen hinab."Wage es NIE wieder über meinen Vater zu reden du MISTSTÜCK" und er legte in jedes seiner Worte eine solch harte Betonung, dass Ginny ein Schauer über den Rücken lief. Ohne ein weiteres Wort zu sagen wandte sie sich von seinem irren, wutverzerrten Blick ab und verließ die Kerkergänge.Sie konnte sich nicht erinnern Draco jemals so wütend gesehen zu haben, wobei sie ihn ohne Zweifel schon oft sehr wütend erlebt hatte, aber diesmal war es anders gewesen und sie stellte sich kurzzeitig die Frage, ob sie nicht tatsächlich zu weit gegangen wäre. Doch ohne noch ein weiteres Wort an ihn zu verschwenden, wandte sie sich ab und machte sich auf den Weg in dir Große Halle zum Abendessen, um sich mit Harry auszusprechen, auf den ihre Wut dank Malfoy nun verschwunden war. ~*~Als Harry, Hermine und Ron die Große Halle betraten, erblickten sie Ginny sofort. Wie immer saß sie ziemlich weit hinten am Gryffindor Tisch und Harry setzte sich sofort neben sie. Hermine und Ron jedoch setzen sich ihnen gegenüber und versuchten so desinteressiert, wie möglich auszusehen."Ich hab dich gesucht" begann Harry sofort."Ich weiß" erwiderte sie matt."Was? Woher?" Harry war perplex, mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet."Harry" und es war das erste Mal seit ihrem Streit, dass sie ihn direkt anblickte. "Es verläuft doch jedes Mal gleich, findest du nicht? Wir streiten uns, ich laufe weg und du verbringst dann den Rest des Tages damit mich zu suchen. Am Ende findest du mich, meistens nur, weil ich zum Essen herkomme, und dann reden wir miteinander, du entschuldigst dich und ich nehme an und wir sind glücklich bis zu unserem nächsten Streit." Harry konnte spüren, wie Ron und Hermine fragende Blicke austauschten, doch er ließ sich von ihnen nicht ablenken."Nun ja...ich denke...also eigentlich," stammelte er. "Ginny ja ich will mich entschuldigen, weil ich mich, wie ein Idiot benommen habe. Es tut mir leid und ich kann dir wieder nur versprechen, dass es nicht mehr vorkommt oder ich zumindest versuche mich zu ändern."Plötzlich griff Ginny nach seiner Hand und sie lächelte ihn an."Es ist ok Harry, wir werden uns wieder streiten, das wissen wir beide, aber für den Moment ist es ok." Und um ihm das zu demonstrieren küsste sie ihn. Als ihre Lippen voneinander ließen, lächelte nun auch Harry. "Ich liebe dich, weißt du das" sagte er nun sanft."Ja, obwohl du es mir öfters zeigen könntest." Doch anhand ihres Grinsens konnte er erkennen, dass sie ihn wieder nur aufzog."Was machen wir am Wochenende?" fragte sie nun neugierig und Harry, Hermine und Ron stöhnten alle auf."Hausaufgaben" knurrte Ron.Ginny blickte fragend von einem zum anderen. "Snape hat uns mit Aufgaben eingedeckt und ich muss noch den Stoff aus dem Unterricht heute nachholen, weil ich gefehlt habe" sagte Harry und er sah genauso enttäuscht aus, wie Ginny. "Oh" seufzte sie. "Naja, da kann man nix machen. Ich werd mich schon irgendwie beschäftigt kriegen" und sie bemühte sich nicht allzu verbittert zuklingen.Harry strich ihr über die Wange: "Dafür haben wir den ganzen Abend noch für uns."Ginny lächelte: "Jah! Das haben wir." Und gemeinsam mit Harry, Hermine und Ron verließ sie nach dem Essen die Große Halle in Richtung Gemeinschaftsraum.~*~"13 Uhr und wir haben kaum was geschafft" stöhnte Ron verbittert.Es was Samstags Mittag und er, Harry, Hermine und Ginny saßen zusammen im Gemeinschaftsraum, um ihre Hausaufgaben zu erledigen."Ich fürchte, wir werden auch heute nicht fertig damit" erwiderte Hermine, die mittlerweile nicht glücklicher als die anderen aussah. "Tut mir ja leid, aber ICH bin fertig und außerdem," Ginny stand auf und packte ihre Sachen zusammen "muss ich jetzt los.""Wo willst du hin?" fragte Harry neugierig,"Ich bin mit Colin verabredet" antwortete sie beiläufig."Mit Colin?" Und plötzlich entbrannte in ihm erneut Eifersucht auf."Harry, fängst du nun schon wieder damit an?" Ginny starrte ihn ungläubig an. Sie konnte nicht glauben, dass er sich schon wieder über dieses Thema aufregen wollte, nachdem sie die halbe Nacht zusammen gesessen hatten und er ihr versprochen hatte nicht mehr so eifersüchtig zu sein. "Ich wollte nur wissen, wo du hin willst. Es tut mir leid, dass dich das sofort wieder in Rage versetzt." Erwiderte dieser sichtlich verärgert."Musst du dich nun wieder, wie ein Arschloch benehmen?""Die Frage ist eher wer von uns beiden sich so benimmt. Los mach schon, dass du zu Colin kommst. Ich will nicht, dass ihr wertvolle Minuten verliert." Und um zu demonstrieren, dass ihr Gespräch beendet sei, steckte er seinen Kopf zurück in sein Buch. Sprachlos blickte Ginny von Ron zu Hermine, die auch nur hilflos mit den Schultern zuckten. "Wenn Colin mich sucht, sagt ihm, dass mir was dazwischen gekommen ist" und ohne sich noch einmal umzudrehen verließ sie den Gemeinschaftsraum."Kein Wort!" sagte Harry barsch zu Ron und Hermine, als Ginny weg war. ~*~Geistesabwesend rannte Ginny, wie so oft zuvor, durchs Schloss und wich sich dabei mit ihren Handballen Tränen aus den Augen. Sie verstand nicht, wieso er ihr immer so wehtun musste und sie war es Leid fast täglich mit ihm zu streiten, um sich am Ende wieder eine fahdselige Entschuldigung anzuhören. Als sie müde gelaufen war, ließ sie sich auf einem kalten Treppenabsatz nieder und weinte stumm vor sich hin."Nicht schon wieder Weasley!" durchschnitt plötzlich die ihr bekannte Stimme von Draco Malfoy die Stille. "Langsam glaube ich du kommst meinetwegen her, was dir nicht zu verübeln wäre." Er trat vor sie hin und betrachtete sie, als er feststellte, dass sie weinte."Oh Weasley hör auf uns die Gänge vollzusiffen.""Lass mich doch einfach in Ruhe Malfoy!" Doch sie klang erbärmlich und sie wusste, dass sie in diesem Zustand ein gefundenes Fressen für Draco war."Das wäre ja langweilig" sagte dieser selbstzufrieden und ließ sich nun neben Ginny auf den Treppenabsatz nieder...

Kapitel 2: now and then

now and then

"Wo hast du das Narbengesicht gelassen? Rettet er wieder die Welt?" fragte Malfoy gelangweilt und Ginny musste plötzlich lächeln.
"Lachst du etwa?" Malfoy sah sie überrascht an.
"Bild dir bloß nix ein Malfoy" erwiderte diese und wisch sich die letzten Tränen aus ihrem Gesicht.
"Ich hab's genau gesehen, du hast gelacht, obwohl schlecht ich über Harry gesprochen habe."
"Wann redest du mal nicht schlecht über Harry. Dir würde doch ein Hobby fehlen, wenn du das nicht mehr könntest." Und diesmal war es an Draco zu lächeln.
"Ja wahrscheinlich" murmelte er. "Nicht, dass es mich interessieren würde Weasley, aber warum schleichst du schon wieder in unseren Gängen rum?"
Ginny betrachtete ihn zweifelnd.
"Na gut, lass mich raten. Sankt Potter und du ihr habt schon wieder Streit." Malfoy grinste sie an.
"Wie kommst du darauf?"
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass du sonst hier runter kommen würdest. Außerdem redet doch das ganze Schloss über die tolle Beziehung von Harry Potter und Ginny Weasley." Und er klang sehr verächtlich.
"Ich wusste gar nicht, dass du meinen Namen kennst Malfoy."
"Das liegt nur daran, dass kein Tag vergeht, an dem nicht über euch geredet wird."
"Die Slytherins reden über Harry und mich?" fragte Ginny überrascht.
"Bild dir nix drauf ein, meist sind es keine netten Dinge."
"Oh glaub mir Malfoy, DAS hab ich von EUCH auch nicht erwartet."
"Und? Bist du nun vernünftig geworden und hast Potter in die Wüste geschickt?" fragte Malfoy neugierig.
"Was interessiert dich das? Denkst du danach würde ich dich nehmen?" und diesmal war es an Ginny verächtlich zu klingen.
"Ach Weasley, ich habe dir schon mal gesagt, dass du mich nicht mal interessieren würdest, wenn du die letzte Hexe auf Erden wärst. Es interessiert mich nur, weil Potter dann bestimmt unsagbar traurig wäre und das würde mich wiederum freuen."
Ginny sah ihn an und musste lachen.
"Es scheint wirklich nicht gut um euch zu stehen" sagte Malfoy zweifelnd.
"Nein, das tut es wirklich nicht. Es ist verrückt, vom ersten Tag an, wollte ich ihn unbedingt haben und jetzt, wo ich ihn endlich habe, frage ich mich, ob es nicht besser ohne ihn wäre."
Ginny schreckte auf: "Und was noch viel verrückter ist als das ist, dass ich hier mit DIR sitze und DIR das erzähle."
"Glaub mir, mein Imageverlust wäre größer als deiner, wenn das rauskäme" und er lächelte sie an. "Und was Potter betrifft. Ist das nicht so mit den meisten Dinge, die man unbedingt haben will? Man bekommt, was man will und dann langweilt es einen."
"Harry ist kein Ding Malfoy. Es ist nicht so, wie bei euch zuhause, dass man alles, was man will kaufen kann und irgendwann keine Wünsche mehr hat, die einen erfüllen. Es geht um Gefühle, nicht um Materialien." Und verlegen starrte Ginny zu Boden.
"Wenn er es schafft, dass du dich so mies fühlst, solltest du dir eher überlegen, ob es deine Gefühle wert sind, dich so behandeln zu lassen." Draco stand auf.
"Wo willst du hin?" fragte Ginny und sie war selbst überrascht, dass sie ihn das fragte.
"Ich gehe zurück Weasley. Glaubst du wirklich es sei mein Traum meinen Tag mit DIR hier auf einem Treppenabsatz zu verbringen?!"
"Das mit deinem Vater tut mir leid Malfoy" sagte sie plötzlich und er starrte sie verwirrt an.
"Was meinst du?"
"Was ich gestern über ihn gesagt habe." Ginny blickte vom Treppenabsatz zu Draco hinauf. Sie konnte sehen, wie perplex er war.
"Oh...das. Vergiss es Weasley, ich werde noch viele Dinge sagen, die das wieder wettmachen." Und er wandte sich von ihr ab und ging grinsend den Gang zurück.

~*~

"Warum tust du das immer?" fragte Hermine.
"Ich hab doch gesagt, dass ich kein Wort darüber hören will!" antwortete Harry genervt.
Ron stand auf und packte seine Sachen zusammen, Hermine blickte ihn fragend an.
"Wo willst du hin?"
"In die Bibliothek" sagte er kalt.
"Warte ich komme mit dir!" Und ohne noch ein weiteres Wort an Harry zu richten, verließen die beiden den Gemeinschaftsraum.
Dieser lehnte sich nun in seinen Sessel zurück und stöhnte genervt auf.
Er dachte an die vergangene Nacht, als Ginny und er noch lange hier zusammen am Kamin gesessen hatten. Sie hatten einfach nur geredet und Harry hatte Versucht ihr zu sagen, was ihn bedrückte, doch er hatte es nicht geschafft. Statt dessen hatte er ihr gesagt, dass er einfach nur Angst hätte, sie würde jemand besseres als ihn finden und wie immer, wenn sie so zusammen gesessen hatten, hatte Ginny den Kopf auf seinen Schoß gelegt und ihm mit aller Ruhe erklärt, dass sie noch nie in ihrem Leben so glücklich gewesen war, wie mit ihm und es niemals jemand besseres für sie geben würde.
"Warum muss ich sie immer so quälen" fragte er sich selbst.
Er griff in seine Hosentasche und zog ein Bild von Ginny und sich heraus. Es zeigte, wie sie vergangenen Sommer zusammen in Ägypten gewesen waren. Ginny stand vor ihm und er hatte seine Arme um ihre Hüften geschlungen und Ginny lächelte, während ihr langes rotes Haar von einem sanften Wind hin- und hergeweht wurde.
Wehmütig dachte er an diese Zeit zurück und daran, wie problemlos damals noch alles gewesen war. Er war es Leid immer mit ihr zu streiten, doch er wusste nicht, wie er ihr sagen könnte, was ihn bedrückte. Zwar war er sich sicher, dass sie es verstehen würde, aber er hatte Angst, dass er sich lächerlich machen würde und das war das Letzte, was er vor Ginny tun wollte.
"Ich sollte sie suchen" murmelte er "Mal wieder." Er stand auf und packte seine Sachen zusammen, dann ging er hoch in seinen Schlafsaal und verstaute sie dort. Nachdenklich legte er sich auf sein Bett.
"Aber wo soll sie sein?" eine Weile überlegte er hin und her, bis er letztendlich in einen unruhigen Schlaf aus wirren Träumen verfiel.

~*~

"Warum seid ihr allein hier?"
Verschreckt drehte Hermine sich um, die allein mit Ron an einem Tisch in der Bibliothek saß.
"Weil Samstags selten einer freiwillig herkommt" antwortete Ron, während er sich in der leeren Bibliothek umsah.
"Eigentlich meinte ich damit, wo Harry steckt." Ginny kam zu den beiden an den Tisch und setzte sich zu ihnen.
"Im Gemeinschaftsraum?" sagte Ron unsicher.
Ginny blickte fragend zu Hermine.
"Wir haben ihn da sitzen lassen" antwortete diese nun.
"Oh. Hat er noch irgendwas gesagt?"
"Ginny, warum machst du nicht einfach Schluss?" Ginny und Hermine schauten erschreckt zu Ron herüber.
"Was?" fragte dieser überrascht.
"Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Vorschlag mal von dir kommen würde. Ich mein, Harry ist dein bester Freund und du hast dich doch so gefreut als wir zusammengekommen sind."
"Ja, das schon, aber so, wie es im Moment ist, ist es doch nicht mehr schön oder?"
"Ron was ist das für ne dumme Frage?" warf nun Hermine ein.
"Nein das ist schon ok" sagte Ginny. "Ich hab mich das auch oft gefragt in letzter Zeit und nach unserem Gespräch diese Nacht, dachte ich, es würde nun wieder so schön, wie damals in Ägypten."
Hermine und Ron nickten einvernehmlich. Auch sie waren mit in Ägypten gewesen und sie konnten sich nur zu gut daran erinnern, wie schön die Zeit dort gewesen war und vor allen Dingen, wie harmonisch es zwischen Harry und Ginny zugegangen war.
"Eigentlich glaube ich, dass Harry und ich vielleicht mal eine Pause brauchen." Ginny dachte an Dracos Worte, dass Dinge, die man unbedingt wollte und dann bekam, mit der Zeit langweilig werden würden. Nun kam sie nicht umher sich zu fragen, ob sie Harry vielleicht gar nicht mehr wollte, jetzt wo sie ihn gehabt hatte.
"Jah! Ein Versuch ist es wert, schlimmer kann es eh nicht mehr kommen. Wir sehen uns beim Essen." Und Ginny stand auf und ließ Ron und Hermine wieder allein in der Bibliothek zurück.
"Was meinte sie damit?" fragte Ron nach einer kurzen Pause, doch Hermine blickte ihn auch nur fragend an.

~*~

Harry war inzwischen wieder aufgewacht. Wie immer hatte ihn einer seiner Träume aus dem Schlaf gerissen, in denen es wieder nur, um Tot gegangen war. Er war es Leid von solchen Dingen zu träumen. Langsam stand er auf und trat an eines der Fenster im Schlafsaal. Draußen schien die Sonne und von weit her vernahm er das Gelächter anderer Schüler, die draußen rumliefen und den Sommer genossen.
Wie so oft in letzter Zeit, ziepte seine Narbe wieder und unwillkürlich musste er an Ginny denken und daran, dass er ihr endlich die Wahrheit sagen musste, wenn er sie nicht verlieren wollte.
"Harry?" erklang ihre Stimme in seinen Gedanken und er lächelte als er sich ihr Gesicht vorstellte.

"Harry?" und eine Hand legte sich ihm auf die Schulter. Er schreckte herum und begriff, dass er Ginny nicht nur in Gedanken gehört hatte. Hier stand sie vor ihm und sie musterte ihn besorgt.
"Ist alles ok mit dir?"
"Ja...ja natürlich. Ich hab...ich hab nur nachgedacht."
"Oh" sagte Ginny, die nun enttäuscht war, da doch schlecht alles mit ihm in Ordnung sein konnte, wo sie sich doch erst vor knapp zwei Stunden gestritten hatten.
"Und bei dir?" fragte er vorsichtig,
"Ja, bei mir ist auch alles ok," antwortete und sie verbarg dabei, wie traurig sie seine Antwort gemacht hatte.
"Harry ich hab nachgedacht über uns. Eigentlich denke ich nur noch über uns nach. Jedenfalls denke ich, es wäre vielleicht besser, wenn wir..."
"Nein Ginny sag nichts. Hör zu, ich weiß, dass ich mich in letzter Zeit immer, wie ein Idiot benehme." Er sah sie durchdringend an. "Aber du MUSST mir glauben, dass ich die liebe. Ich mein, es ist nicht Colin, ich bin nicht seinetwegen wütend, es ist nur, nur, dass ich Angst habe. Große Angst, dich zu verlieren."
"Das hatten wir diese Nacht schon Harry" und erneut stiegen ihr Tränen in die Augen.
"Ja, ich weiß, ich will nur, dass du mir noch eine Chance gibst."
Ginny wandte sich von ihm ab und setzte sich auf sein Bett. Ihr Blick blieb an seinem Kopfkissen hängen, auf dem ein Foto von ihnen beiden lag. Langsam nahm sie es in die Hand und blickte eine Weile stumm auf es.
"Es wird irgendwann wieder so sein, wie damals. Ganz sicher" sagte Harry, der sich nun neben sie gesetzt hatte.
"Jah, ich hoffe es." Ginny legte das Foto beiseite und ließ sich zurück aufs Bett fallen. "Was schadet es, wenn wir es immer weiter versuchen" sagte sie und lächelte ihn an.
"Sind Hermine und Ron noch in der Bibliothek?"
"Ja, warum?"
"Sie haben es im Moment auch nicht grade einfach mit mir. Ich will noch mal mit ihnen reden und außerdem möchte ich meine Aufgaben für Snape nicht alleine machen müssen." Er beugte sich über sie und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf den Mund, richtete sich wieder auf und verließ den Schlafsaal.
Ginny blieb noch eine Weile liegen, bis sie von dem Knurren ihres eigenen Magens aufgeschreckt wurde.
"Ich sollte mir in der Küche noch was zu Essen organisieren" und auch sie verließ den Schlafsaal der Jungs.
Als sie die Eingangshalle durchquerte blieb ihr Blick an Draco Malfoy haften, der unzweifelhaft gerade vom Quidditch Training kam. Sie sah ihm eine Weile nach, wie er auf dem Weg zu den Kerkern war und irgendetwas in ihr trieb sie dazu ihm zu folgen. Sie fragte sich, wie es kam, dass er in letzter Zeit so oft allein unterwegs war, da er doch sonst wenigstens von Crabbe und Goyle begleitet wurde.
Als sie die Treppe zu dem Gang, der zu den Räumen der Slytherins führte, erreicht hatten, fasste sie sich endlich ein Herz: " Hey Malfoy!"
Dieser blieb sichtlich überrascht stehen und wandte sich ihr zu.
"Langsam frage ich mich was dich so an unseren Gängen reizt Weasley" sagte dieser, während er sie beobachte, wie sie auf ihn zutrat.
"Glaub ja nicht es sei deine Gesellschaft" erwiderte Ginny.
"Wieder Stress mit Potter?" Draco musste grinsen bei diesem Gedanken. "Oder eher noch immer?"
"Weder das eine noch das andere." Ginny ließ sich ein paar Stufen über ihm nieder und betrachtete ihn.
"Dann lass mich allein Weasley, du bist nicht zu gebrauchen, wenn ich nicht über Potter lästern kann." Draco wandte sich wieder von ihr ab, doch er kam nicht weit.
"Warum bist du allein Malfoy?" rief Ginny ihm nach.
"Was?" fragte dieser nun ziemlich perplex und er ging zu ihr zurück.
"Sonst begleiten Crabbe und Goyle dich doch immer, aber in letzter Zeit sehe ich dich immer nur alleine." Draco schnaubte leicht auf und setzte sich dann zwei Stufen unter ihr hin.
"Ihr ewigen Fresswettkämpfe langweilen mich ein wenig. Außerdem ist Crabbe in Pansy verschossen."
Ginny lachte: "Ist nicht dein Ernst!"
"Wenn ich's dir doch sage. Würdest du dir den ganzen Tag Schwärmereien über Pansy anhören wollen?"
"Ich kann mir nicht mal vorstellen, wie man überhaupt positiv von Pansy reden kann."
Draco lächelte sie an.
"Warum schleichst du mir nach Weasley?"
Ginny errötete leicht, sie war davon ausgegangen, dass es ihm entgangen sei, dass sie ihm den Weg bis zu den Kerkern gefolgt war. "Ich weiß es nicht. Eigentlich weil ich bei dir nicht nachdenken muss."
"Na wenn das nicht nett ist" lachte Draco.
"SO ist das nicht gemeint! Ich muss nicht über Harry nachdenken. Egal mit wem ich zusammen bin, sei es mein Bruder oder Hermine, sie alle erinnern mich immer an ihn und ich bin ganz froh, wenn ich mal nicht über ihn und mich nachdenken muss."
"GINNY?" ertönte eine erstaunte Stimme hinter ihr. Ginny wirbelte erschrocken herum und sah Hermine, die am Anfang der Treppe stand und verwirrt auf sie und Draco herabschaute.
"Wir sehn uns Weasley!" Draco stand auf und ging den Flur entlang bis zu einer Biegung, hinter der er sich versteckte, um Ginny und Hermine zu belauschen.
"Was machst du hier unten? Mit Malfoy?" Hermine machte einen zutiefst angewiderten Gesichtsausdruck.
"Ich hab mich unterhalten. Und bitte erzähl es nicht Ron!!! Außerdem was suchst du hier unten?" Auch Ginny stand nun auf und blickte hoch zu Hermine, die immer noch entsetzt mit verschränkten Armen auf sie hinab sah.
"Ich bin Schulsprecherin Ginny, ich laufe den halben Tag durch das Schloss." Sie stieg die paar Stufen hinab, bis sie neben Ginny stand und blickte ihr in die Augen. "Worüber willst du dich mit Malfoy unterhalten haben?"
Ginny wich ihrem Blick aus. "Über nichts Besonderes. Ich bin ihm nur zufällig begegnet."
"Oh Ginny ich begegne ihm am Tag zig Mal zufällig, aber ich würde nie auf die Idee kommen mich mit ihm zu unterhalten. Nicht nach all dem, was er zu uns gesagt hat." Und ihre Stimme wurde leiser.
"Vielleicht ist er ja gar nicht so schlimm, wie wir immer dachten?" sagte Ginny unsicher.
"Bestimmt nicht, er ist ja nur die Person, die Harry am meisten hasst, nach Voldemort. Deinen Harry, wenn ich dich daran erinnern darf."
"Halt Harry da raus Hermine! Ob und wann ich mit Malfoy rede ist allein meine Sache, behandelt mich nicht immer, wie ein unmündiges Kind!" und sie stapfte die Treppe an Hermine vorbei hinauf. Diese brauchte einen Moment, um sich wieder zu fangen und folgte Ginny dann, wild entschlossen das Thema nicht auf sich beruhen zu lassen.
Als Draco grinsend und äußerst zufrieden um die Ecke geschaut hatte, um sich zu versichern, dass beide fortwaren, ging er zurück in den Slytherin Gemeinschaftsraum. Selbst davon überrascht, wie leicht es doch war, Ginny um den Finger zu wickeln.

Kapitel 3: Ende und Anfang

Ende und Anfang

"Bis morgen will ich, dass jeder die Eigenschaften des Vielsaftstranks aufschreibt und lernt und mir seine Zusammensetzung und Wirkung genau aufsagen kann, wie auch seine Anwendung. Davon ausgenommen sind natürlich die Spieler des Quidditch Teams von Slytherin, deren Training im Moment vorgeht." Snape lächelte süffisant zu Harry und Ron herüber, die sich beide bemühten seinem Blick auszuweichen und ihm nicht zu zeigen, dass sie sich diesmal nicht wirklich über diese Aufgabe aufregten.
Es war mittlerweile Montag und in nichtmal 3 Minuten würden sie den Zaubertrankunterricht überstanden haben und in die Große Halle zum Mittagessen stürmen.
Harry war eigentlich mit einem guten Gefühl aufgewacht, seit seinem letzten Streit mit Ginny am Samstag, war nichts Negatives mehr passiert. Ganz im Gegenteil, es schien, als wären sie noch nie glücklicher gewesen. Doch das konnte auch daran liegen, dass sie sich kaum gesehen hatten.
Ginny war viel mit Colin zusammen und Harry hatte sich mittlerweile damit abgefunden, zwar erst, nachdem Hermine ihm erklärt hatte, dass Colin Nachhilfe bei Ginny nahm und er nicht wollte, dass jemand davon erfuhr. Er selbst war tatsächlich das ganze Wochenende mit den Aufgaben für Snape beschäftigt gewesen und so hatten sie sich hauptsächlich nur bei den gemeinsamen Mahlzeiten gesehen.
Sicher war Harry betrübt darüber gewesen, jedoch tröstete er sich mit dem Gedanken, dass sie sich so wenigstens nicht streiten konnten.
Nun machte er sich mit Ron und Hermine an seiner Seite auf den Weg in die Große Halle, wo Ginny bereits auf sie wartete.
"Und? Können wir heute trainieren?" fragte diese auch prompt als sie sich zu ihr setzten.
"Ich fürchte nein" antwortete Harry, dessen Laune sich mittlerweile sichtlich verschlechtert hatte.
"Obwohl Snape uns heute keine sonderlich schwere Aufgabe gegeben hat, haben wir noch genug Dinge für andere Fächer bis morgen aufbekommen" raunzte Ron, während er an seinem Kürbissaft trank.
"Warum geht ihr nicht endlich zu McGonagall? Sie würde euch doch ganz bestimmt freistellen?" Hoffnungsvoll sah Ginny die beiden abwechselnd an.
"Wohl kaum, außerdem würde Snape das sicher nicht akzeptieren." Harry bemühte sich sie anzulächeln. "Du wirst heute mit den anderen trainieren Ginny, ok?"
"Ich? Wie soll das gehen, wenn unser Sucher und ein Jäger fehlen?"
"Irgendwie muss es gehen, es ist besser der Rest der Mannschaft trainiert weiter. Wir können nicht drauf warten, dass Ron und ich mal einen Tag Zeit haben werden. Das Spiel ist schon diese Woche und Malfoys dumme Fresse nervt mich jetzt schon. Ich will gar nicht dran denken, wie er sich erst aufführt, wenn wir gegen Slytherin verlieren sollten." Während Harry sich in Rage über Draco redete, bemerkte Ginny, wie Hermine ihr einen stechenden Blick zuwarf, dem sie jedoch ungeschickt ausweichte. Sie wusste, dass Hermine immer noch enttäuscht darüber war, dass sie sich so scheinbar vertraut mit Draco unterhalten hatte. So oft sie auch bei all den Streitereien zwischen Harry und Ginny auf ihrer Seite gewesen war, so wusste Ginny doch, dass Hermine es als Verrat an Harry und auch an ihren Familien sah, dass sie sich freundschaftlich mit Draco unterhalten hatte. Doch viel schlimmer hatte sie es noch gefunden, dass Ginny ihn tatsächlich verteidigen wollte.
Ginny rechnete es ihr hoch an, dass sie weder Ron noch Harry davon erzählt hatte, aber sie wusste auch, dass Hermine es nicht vergessen würde und sie gewiss nicht davor zurückschrecken würde es den beiden noch nachträglich kundzutun.
"Hörst du mir überhaupt zu?" Ginny schreckte aus ihren Gedanken hoch und sah zu Harry rüber.
"Ja, ja sicher hör ich dir zu" antwortete sie unsicher.
"Also, dann ist das ok mit dem Training heute?"
Ginny blickte zu Hermine herüber, die sie nun vorwurfsvoll anblickte. "Ja, das ist ok."
"Gut, danke! Wir sehen uns heute Abend." Hermine und Ron standen auf und verließen die Halle, während Harry Ginny zärtlich auf die Stirn küsste und ihnen dann nachging.
Ginny schaute ihnen noch eine Weile nach, als sie sah, wie Draco die Große Halle betrat. Diesmal wieder von Crabbe und Goyle flankiert. Auch Draco sah sie und er sagte etwas zu seinen Begleitern, die ihn daraufhin grinsend allein ließen und zu ihrem Haustisch gingen. Draco hingegen kam nun auf sie zu und setzte sich zu ihr. Ginny bemerkte sofort, wie alle anderen, die noch in der Halle waren herüber sahen und sofort zu tuscheln begannen.
"Lange nicht gesehen Weasley" begann Draco.
"Malfoy alle starren uns an" sagte Ginny verlegen.
Er nahm sich einen Becher Kürbissaft. "Und? Wenn es dir schon nicht peinlich ist mit Potter gesehen zu werden, müsstest du eigentlich dankbar sein, wenn ICH mich mal mit DIR sehen lasse."
"Wer liebt dich eigentlich Malfoy?" sagte Ginny, doch sie kam nicht umhin zu lachen.
"Wer will schon von allen geliebt werden Weasley. Das sind doch viel zu viele Ansprüche, denen man gerecht werden muss."
Ginny musterte ihn aufmerksam. Es war merkwürdig, bisher hatte sie ihn immer gehasst, aber nun begann sie tatsächlich ihn zu mögen und es zu genießen mit ihm zu sprechen. Doch viel merkwürdiger fand sie, dass er ganz offensichtlich ihre Nähe suchte.
"Ich muss los, wir haben gleich Quidditch Training." Sagte er plötzlich.
"Oh" stammelte Ginny.
"Was?" er sah sie fragend an, während er den Rest seine Kürbissaftes trank.
"Wir wollten heute raus aufs Feld, aber ich denke mal, dass Harry vergessen hat das einzutragen. Naja, wir können eh nicht viel trainieren ohne ihn und Ron."
"Ach, auf dem Platz ist locker Platz für uns alle."
Ginny sah ihn überrascht an. Niemals hätte sie damit gerechnet, dass er ihr jemals anbieten würde in Frieden miteinander zu trainieren.
"Malfoy, ich glaube wir haben schon für genug Gesprächstoff gesorgt, indem wir hier gemeinsam sitzen, wenn wir nun auch noch gemeinsam trainieren, dann...."
Doch Draco ließ sie nicht ausreden. "Sieh es mal so, ihr könnt uns eh nicht schlagen, also kann es mir egal sein, ob ihr unser Training seht und was noch viel besser ist, Harry wird sich drüber aufregen." Er stand auf und zwinkerte ihr zu. "Also bis gleich auf dem Feld."
Und während er die Halle durchquerte, winkte er Crabbe und Goyle zu sich, die sofort zu ihm stürmten.

~*~

Auch Ginny machte sich auf den Weg, um die anderen des Quidditch Teams zusammen zusuchen. Sie war sich zwar bewusst, dass es vielleicht keine gute Idee war das Angebot von Draco anzunehmen, aber Harry hatte ja gewollt, dass sie unbedingt trainieren. Zudem dachte sie, dass eher Hermine sauer darüber sein würde, obwohl sie selber auch ziemlich misstrauisch war.
Nachdem sie die anderen des Teams gefunden hatte, machte sie sich mit Natalie MacDonald, Sarah Evans, Thomas Moon und Vincent Zeller auf den Weg zum Quidditchfeld.
"Hältst du das wirklich für eine gute Idee Ginny?" fragte Natalie und sie klang sehr besorgt.
Ginny musste einen Moment überlegen, ob die Idee gut war wusste sie selber nicht, doch von ihren Zweifeln wollte sie keinem aus dem Team erzählen. "Sicher ist es eine gute Idee. Wir haben nun fast eine Woche nicht mehr trainiert, wir werden gnadenlos untergehen beim Spiel, wenn wir nicht bald was tun."
Sie konnten das Feld schon aus der Ferne sehen und auch, dass die Slytherins schon trainierten. In Ginny stieg ein flaues Gefühl hoch, Hermine würde sie hassen und viel schlimmer noch, sie würde Harry und Ron von Draco erzählen. Zwar wusste sie, dass sie eigentlich nichts Schlimmes getan hatte, doch sie kannte die beiden; sie würden sich fürchterlich aufregen.
Nachdem sie sich umgezogen hatten, betraten sie das Feld und Ginny wartete förmlich darauf, dass Draco zu ihr kommen würde, doch nichts geschah. Die Slytherin trainierten weiter, ohne dass ihnen auch nur einer, einen Blick zuwarf und Ginny wusste, dass Draco sie dazu veranlasst haben musste.
"Also gut, lasst uns anfangen" sagte sie zögerlich und alle fünf bestiegen ihre Besen und begannen das Training.

~*~

"Wie war's?" Hermine saß auf Ginnys Bett als diese vom Quidditchfeld zurückkam.
"Was machst du hier?" erwiderte diese, während sie ihre Spieluniform verstaute.
"Ich warte hier auch dich." Hermine sah sie besorgt an.
"Ich habe nichts schlimmes getan Hermine" begann Ginny sich zu verteidigen.
"Eben sind wir Luna begegnet, als wir aus der Bibliothek kamen. Sie hat uns erzählt, du hättest dich mit Malfoy unterhalten und danach hättet ihr mit den Slytherins trainiert."
Ginny wirbelte herum und sah Hermine an, die ganz ruhig auf dem Bett saß und zu ihr herüber starrte.
"Und was ist daran schlimm? Wir mussten trainieren und das Feld ist groß genug für zwei Mannschaften."
"Ginny, wie kannst du dich mit Malfoy verstehen? Denk doch mal nach, wir sind alle miteinander verfeindet, seitdem wir den ersten Tag hier in Hogwarts sind. Denk doch mal daran, was seine Familie deiner angetan hat. Wie du durch seinen Vater die Kammer des Schreckens geöffnet hast."
"Was hat Harry gesagt?" fragte Ginny nun und sie setzte sich auf das Bett Hermine gegenüber.
"Nichts, er ist danach hoch ins sein Zimmer. Ron ist bei ihm glaube ich."
"Er ist sauer oder?"
"Könntest du es ihm verübeln."
Ginny stöhnte genervt auf. "Ich geh zu ihm" sagte sie und stand auf.

"Was glaubst du warum sie das tut?" Harry und Ron saßen gemeinsam in ihrem Zimmer. Als Neville, Seamus und Dean gemerkt hatten, dass es mal wieder um Ginny ging, hatten sie freiwillig das Weite gesucht. Sie waren langsam genervt von den ständigen Streitereien und den endlosen Diskussionen, die sie danach stets mitbekamen.
Ron antworte mit einem ratlosen Schulterzucken.
"Naja, es ist auch egal" sagte Harry verbittert. "Ich wusste doch schon lange, dass irgendwas nicht stimmt, aber ich hätte niemals an Malfoy gedacht."
Obwohl Ron bei ihm war, schien es so, als würde Harry endlose Selbstgespräche führen. Jegliche Frage, die er stellte, beantwortete er letztendlich selbst.
Ron wäre sowieso kein guter Gesprächspartner gewesen, er war viel zu aufgewühlt. Er konnte nicht verstehen, wie seine kleine Schwester sich mit seinem größten Feind anfreunden konnte. Bisher war er meistens auf der Seite von Ginny gewesen, wenn sie sich mit Harry gestritten hatte, aber nun war er wütend auf sie. Er konnte sich nicht erinnern jemals so viel Wut für sie empfunden zu haben.
"Kann ich mit dir sprechen Harry?" durchbrach Ginny zittrige Stimme die aufkeimende Stille.
Und mit einem Blick auf Ron fragte sie: "allein?"
Ron wollte gerade aufstehen, als Harry antwortete: "Nein, Ron bleibt hier. Was du zu sagen hast, kannst du auch vor ihm sagen."
Ginny lehnte sich an den Türrahmen. "Harry es tut mir Leid, aber ich habe wirklich nichts Schlimmes getan. Ja, ich habe mich eben beim Essen kurz mit Malfoy unterhalten, aber es ging nur um das Quidditchfeld." Doch sie konnte in seinen Augen sehen, dass er ihr kein Wort glaubte und Verzweiflung stieg in ihr auf.
"Hermine hat uns erzählt, dass sie dich und Malfoy am Wochenende zusammen gesehen hat."
Harry ließ den Blick nicht von ihr weichen, er wollte keine ihrer Reaktionen verpassen und dennoch klang seine Stimme ungewohnt kalt.
"Wir haben doch nur geredet" sagte Ginny und klang abermals verzweifelt.
"Jah! Deswegen hast du mir bisher auch nichts davon erzählt."
"Du hast Hermine doch angefleht uns nichts zu sagen." Mischte sich nun Ron ein und Ginny warf ihm einen entsetzten Blick zu. Tränen stiegen ihr in die Augen, sie wusste einfach nicht, was sie noch sagen konnte, damit Harry ihr glauben würde. Nicht, nachdem nun auch noch ihr Bruder gegen sie war.
"Wir sollten uns trennen Ginny" sagte Harry plötzlich.
"Was?" fragte Ginny und Tränen liefen ihr übers Gesicht. "Du glaubst doch nicht wirklich, dass da zwischen Malfoy und mir irgendwas ist?" Und ihre Stimme war tränenerstickt.
"Ich weiß es nicht, aber ich vertraue dir einfach nicht mehr. Du hast gelogen Ginny und du würdest weiter lügen, unsere Beziehung macht keinen Sinn mehr."
Abermals blickte sie zu Ron, der ihr nun verlegen auswich.
"Harry, wie oft hab ich dir verziehen, wenn du Mist gebaut hast. Wie viele Chancen habe ich dir schon gegeben?"
"Das war was anderes Ginny." Auch Harry wandte nun den Blick von ihr ab und seine Stimme hatte etwas Endgültiges. "Es ist vorbei, du kannst es nicht mehr ändern."
Ginny blieb einen Moment wie versteinert stehen, sie begriff nicht was da gerade passiert war. Doch dann stieg Wut in ihr auf und allmählich löste sie sich aus ihrer Versteinerung.
"Jah, ich kann es nicht ändern und ich will es auch nicht! Vielleicht hat Malfoy ja Recht und du bist wirklich ein Idiot!" und sie schleuderte jedes Wort mit einer Verachtung heraus, dass Harry und Ron sie entsetzt anstarrten. Wutentbrannt drehte Ginny sich um und schleuderte die Türe hinter sich zu.
"Meinst du das wirklich ernst?" fragte Ron zögerlich.
"Ich weiß es nicht, ich glaube im Moment ist es besser so, obwohl ich Ginny immer noch liebe." Harry schaute müde gen Boden. "Ich denke, es wird Zeit, dass ich mir Malfoy vorknöpfe." Entschlossen stand er auf und verließ das Zimmer, gefolgt von Ron.

~*~

"Hey Pansy!"
Pansy saß mit ein paar anderen Mädchen aus Slytherin zusammen auf der Treppe zum Schlosseingang und blickte nun angewidert zu Ginny, die es gewagt hatte sie einfach so anzusprechen.
"Wo ist Malfoy?" fragte Ginny als sie nun neben ihr stand.
Pansy musterte sie einen Augenblick lang und Ginny wusste, dass sie erst überlegen musste, ob diese Frage es wert sei zu antworten. Doch ihre Neugierde was Ginny und Draco betraf war stärker als ihre Abneigung gegen Ginny.
"Am See" antwortete sie schließlich und Ginny lief los ohne noch ein Wort zu sagen. Völlig außer Atem gelangte sie schließlich am Seeufer an und sah, wie Draco dort mit Crabbe und Goyle an seiner Seite im Schatten eines Baumes saß. Sie schienen sich über irgendetwas prächtig zu amüsieren und als Ginny auf sie zutrat verstummten sie ganz plötzlich.
"Weasley!" platzte es aus Draco heraus und er schien offensichtlich überrascht.
Ginny, immer noch außer Atem, setzte sich nun zu ihm. "Ich habe dich gesucht!" sagte sie endlich.
Draco schien noch überraschter als zuvor und mit einer leichten Kopfbewegung deutete er Crabbe und Goyle an zu verschwinden, die sich ohne ein weiteres Wort erhoben und zurück zum Schloss gingen.
"Warum hast du mich gesucht?"
Ginny rutschte neben ihn und blickte hinaus auf den See. Es war ein herrlicher Sommernachmittag. Die Temperaturen waren angenehm und überall um sie herum blühte es. Ginny beobachtete ein paar Schüler, wie sie sich an der anderen Seite des Sees sonnten und ein paar andere, wie sie im See schwammen und offensichtlich viel Freude hatte. Das erinnerte sie an ihre eigene Misere uns sie seufzte leicht auf.
"Harry hat mit mir Schluss gemacht" sagte sie leise. "Wegen dir."
"Mein Tag war schon toll Weasley, du brauchst ihn mir nicht noch zu versüßen." Er blickte sie von der Seite her an und lächelte.
"Langsam glaube ich du hattest Recht." Fuhr Ginny unbeeindruckt weiter. "Harry ist manchmal wirklich ein Idiot!"
Malfoy lachte vernehmlich auf. "Ich habe nie manchmal gesagt Weasley!"
Ginny begann zu lächeln.
"Eigentlich solltest du doch froh darüber sein, er hat dich doch eh nur verletzt."
Ginny zog die Knie an und lehnte ihren Kopf auf diese. "Ich weiß nicht, ich sollte mich wahrscheinlich richtig mies fühlen, aber eigentlich bin ich nur furchtbar wütend und enttäuscht. Wie konnte ich jemals glauben, dass ich eine wichtige Rolle in seinem Leben einnehmen könnte. Ich war immer nur eine Nebenfigur in der Konstellation Harry/Hermine/Ron."
Draco lehnte sich gegen den Baumstamm hinter ihm und schloss die Augen. "Langsam beginne ich zu glauben, dass die Weasleys tatsächlich auch ein gescheites Kind zustande gebracht haben."
Ginny beobachte ihn aus den Augenwinkeln heraus und sah, wie er bei dieser Bemerkung grinste.
"Zieh nicht gleich meine ganze Familie da mit rein Malfoy" doch ihre Stimme klang immer noch weich.
"Ich habe mich gefragt, ob du mit mir zum Weihnachtsball kommen möchtest Weasley" und als er die Augen öffnete trafen sich ihre Blicke und blieben aneinander haften. Sie hatte viel über den Ball nachgedacht, da sie eigentlich gehofft hatte mit Harry hinzugehen, aber in den letzten Wochen war dies in Vergessenheit geraten, da sie kaum noch friedliche Momente miteinander verbracht hatten.
"Weil du nun meine einzige Möglichkeit bist hinzukommen?" herausfordernd lächelte sie ihn an.
"Nein, weil du mit mir hinwillst, um mal richtig Spaß zu haben!" und Draco lächelte triumphierend zurück.

"Ich hätte mir denken können, dass du sofort zu Malfoy rennst!"
Ginny und Draco schreckten beide herum und erblickten Harry und Ron, die beide mit wutverzerrten Gesichtern auf sie herabblickten. Harry stemmte die Arme in die Hüften.
"Und du willst immer noch behaupten, dass ich mich täusche?!"
"Ach Potter ver**** dich einfach, du störst!" Malfoys Stimme klang ruhig und sein Gesichtsausruck war nicht zu entschlüsseln, doch Ginny dachte, dass es ihn eigentlich amüsieren müsste.
"Eigentlich wollte ich zu dir, um dir zu sagen, dass du deine dreckigen Finger von Ginny lassen sollst, aber nun bin ich der Meinung, dass du sie gerne haben kannst. Scheinbar passt ihr ganz gut zusammen!" Harrys Stimme war mittlerweile so laut, dass selbst die Schüler am anderen Seeufer neugierig herüber starrten. Auch Ginny starrte ihn an, blind vor Schmerz über das, was er gerade gesagt hatte. Sie konnte nicht glauben, dass er das tatsächlich meinte, dass er sie tatsächlich bereits aufgegeben hatte und sie blickte herüber zu Ron. Er erwiderte ihren Blick, doch er hatte nicht, wie sonst, etwas zartes Brüderliches oder mitleidiges in sich, sondern er war verachtend. Sie wusste nicht, was mehr schmerzte, der Hass Harrys oder der ihres Bruders und nach kurzem Zögern überwiegte der Zorn in ihr diese Gedanken.

"Wisst ihr was, Draco hat Recht, ihr solltet euch beide ver****en! Was zwischen uns ist geht euch rein gar nichts an!"
Eine Stille legte sich über sie, zum Schneiden angespannt.
"Mach schon, dass du wegkommst Potter und nimm deinen Schosshund mit. Sie will dich nicht haben, so wie jeder andere auch. Nicht mal deine Verwandten wollen dich und wahrscheinlich wollten nicht mal deine Eltern dich!"
Harry lief rot an und gerade als er sich auf Draco stürzen wollte, packte Ron ihn am Arm.
"Der ist es nicht wert Harry. Vergiss ihn!" Und während er diese Worte hasserfüllt zischte, warf er Ginny noch einen wütenden Blick zu, bevor er Harry herumriss und mit ihm zurück zum Schloss ging.

~*~

"Ich kann nicht glauben, dass sie das gesagt hat" sagte Harry resigniert, während er neben Ron über die Wiese hertrottete.
"Ich auch nicht!" Ron sah noch fahler als Harry aus und er war sich recht unsicher wer von ihnen sich mieser fühlte. "Ausgerechnet Malfoy. Was soll ich denn bloß Mom und Dad sagen?"
"Ron, ich glaube nicht, dass das im Moment wichtig ist." Harry starrte zweifelnd zu ihm rüber.
"Malfoy, pah. Sie wird sich schon wieder einkriegen, das ist nu eine Phase mehr nicht!"
Harry musst unfreiwillig lächeln, obwohl ihm nicht danach war. Zu groß waren die Enttäuschung durch Ginny und der Hass auf Malfoy. "Länger würde ihn auch keiner aushalten."

Kapitel 4: Zweifelhafte Entscheidungen



Langsam öffnete sie die Augen und starrte an den Baldachin ihres Bettes. Wie immer, wenn sie aufwachte, war sie alleine im Zimmer. Keine ihrer Zimmergenossinnen machte sich noch die Mühe sie zu wecken oder gar auf sie zu warten.
Ginny wusste, dass dies das Ergebnis ihres Aufeinanderpralles mit Harry und Ron am See war. Seit diesem Tag machte sich keiner der Gryffindors mehr was aus ihr und auch die Ravenclaws und Hufflepuffs verhielten sich ihr gegenüber merklich distanziert. Sie war unbestreitbar alleine und Tag für Tag wurde ihr immer schmerzlicher bewusst, dass sie nicht nur ihre Beziehung mit Harry verloren hatte, sondern auch all ihre Freunde. Zwar war es nicht abzustreiten, dass wenigstens Hermine sich bemühte mit ihr zu reden, aber auch ihr schien der Spagat zwischen Harry und Ron auf der einen Seite und Ginny auf der anderen merklich schwer zu fallen und so schwächte auch ihr Verhältnis immer mehr ab.
Ginny war sich nicht sicher, ob sie es Ironie des Schicksals nennen sollte, dass der einzige, der ihr geblieben war, ausgerechnet Draco Malfoy war. In der Zeit, in der sie unter den Beziehungsproblemen mit Harry gelitten hatte, war er eine willkommene Abwechslung gewesen und sie hatte die Aufeinandertreffen mit ihm unbestreitbar genossen, aber sie hatte im Traum nie daran gedacht eine Freundschaft oder sonst irgendeine Art von Beziehung zu ihm aufbauen zu wollen. Und hätten Harry, Ron und Hermine sie nicht immer versucht zu bevormunden, so wäre Draco auch nie ein Streitthema zwischen ihnen geworden, da war sie sich sicher.
Es war Samstagmorgen und der Tag am See lag mittlerweile drei Wochen zurück. Die drei einsamsten Wochen, an die Ginny sich jemals erinnern konnte. Jedoch befürchtete sie, dass dieser Tag der schlimmste werden würde. Heute war Hogsmeade angesagt und Ginny würde so ziemlich allein im Schloss zurückbleiben. Kurzzeitig hatte sie daran gedacht mit Luna zugehen, aber diese wollte sich Harry und den anderen anschließen und somit hatte Ginny auch diese Idee wieder verworfen.
Völlig elanlos stieg sie aus ihrem Bett und zog sich schnell an, damit sie wenigstens noch etwas vom Frühstück mitbekommen würde.
Als sie auf der Treppe zur Eingangshalle angekommen war, musste sie jedoch feststellen, dass das Frühstück bereits vorbei war, denn die Mehrzahl der Schüler machte sich bereits auf den Weg nach Hogsmeade und ziemlich am Anfang konnte sie Harry, Ron, Hermine und Luna erkennen, die alle ziemlich vergnügt erschienen, was ihr einen schmerzhaften Stich versetzte.
"Hey Weasley! Nun komm schon, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit hier auf dich zu warten!"
Völlig überrumpelt schaute Ginny zum Treppenabsatz und erblickte dort Draco, der sie erwartend anstarrte. Langsam schritt sie die Treppe bis zu ihm herab.
"Was meinst du damit Malfoy?" fragte sie wider besseren Wissens.
"Wir beide gehen zusammen nach Hogsmeade, also los komm schon!"
Ginny musste kurz auflachen. "Selbst wenn ich mit dir hingehen wollte, ich habe mich nicht in die Liste eingetragen, ich kann nicht mit."
"Ja, ja ich weiß. Dafür hab ich dich eingetragen..."
"Ohne mir davon zu erzählen?" ungläubig starrte sie ihn an.
"Ich wusste, dass du dich zieren würdest, aber glaub mir Weasley du hast hier sowieso nichts mehr zu verlieren. Es wird Zeit, dass du dich nun mal mit den Gewinnern einlässt. Sprich mit mir!" und er griff ihren Arm und zog sie mit sich die letzten Stufen herab.

Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander her und Ginny gingen viele Dinge durch den Kopf. Sie verstand Dracos Motivation nicht, aus der heraus er immer wieder ihre Nähe suchte, selbst jetzt noch, wo sie und Harry doch schon gar nicht mehr zusammen waren und er als Trennungsgrund doch wirklich zufrieden sein konnte. Zwar konnte sie nicht leugnen, dass sie eine gewisse Sympathie für ihn hegte, aber sie war ihm immer noch furchtbar misstrauisch gegenüber und manchmal ertappte sie sich bei dem Wunsch dieses Misstrauen einfach bei Seite wischen zu können.
"Du machst das nur, damit Harry noch wütender wird" brach sie nun endlich das Schweigen.
Draco mustere sie einen Augenblick. "Glaubst du, du bist ohne Harry nichts wert, dass du immer alles, was mit dir geschieht auf ihn beziehst?"
"Nein, natürlich nicht." Antwortete Ginny kleinlaut.
"Ich bin gerne mit dir zusammen Weasley. Und wehe du erzählst das irgendjemanden, ich werde es abstreiten und zudem werde ich dir einen furchtbaren Fluch aufhalsen."
Mit dieser Antwort hatte sie wahrlich nicht gerechnet und während sie in sich hineingrinste, konnte sie nicht bemerken, wie Draco sie selbstzufrieden beobachtete.

~*~

Als sie am Abend beim Essen zurück in Hogwarts saßen, ließ Ginny den vergangenen Tag für sich in Gedanken noch einmal Revue passieren. Sie hatte viel Spaß mit Draco gehabt, obwohl sie die Blicke und das Getuschel aller anderen genervt hatten. Jedoch schien ihm das egal gewesen zu sein, wie selbstverständlich war er mit ihr an seiner Seite von einen Laden in den anderen gegangen und am Ende hatten sie sich sogar noch zusammen in die "drei Besen" gesetzt, um das ein oder andere Butterbier zu verzehren. Und kein einziges Mal hatte sie das Gefühl gehabt, es wäre ihm unangenehm mit ihr gesehen zu werden.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, während sie verträumt in ihrem Essen herumstocherte und an Draco dachte. Nicht nur der Tag mit ihm hatte seine Spuren hinterlassen, sondern auch er selbst. Sie fühlte sich ihm von Mal zu Mal näher, er gab ihr immer mehr das Gefühl, sie verstehen zu können, er gab ihr das Gefühl, in dieser einsamen Zeit, ihr einziger Freund zu sein. "Wie das Licht am Ende eines dunklen Tunnels" sagte sie geistesabwesend zu sich selbst und bei dem Gedanken an diesen Vergleich schüttelte sie lächelnd den Kopf.
Unzählige Gedanken schossen ihr durch den Kopf und einer von diesen kam immer wieder:
-Was wenn ich mich tatsächlich in Draco Malfoy verliebt habe?!
Nein, das konnte unmöglich sein. Sie hatte ihn schließlich gehasst, von Anfang an, ihn und seine widerliche Familie. Mehr als einmal hatte er sie und ihre Brüder gepiesackt, Harry und Hermine verspottet.
Aber auf der anderen Seite schien er jetzt ein ganz anderer Mensch zu sein. Er war nett zu ihr und zuvorkommend. Er hatte ihr sogar gesagt, dass er gerne mit ihr zusammen wäre und so was sagt man doch schließlich nicht, wenn man es nicht so meint.
Und während Ginny gedankenverloren diesen inneren Kampf ausfochte, bemerkte sie nicht, wie sie vom anderen Ende des Tisches beobachtet wurde.

~*~


"Glaubt ihr, dass sie mit ihm zusammen ist?" wandte sich Harry besorgt an Hermine und Ron.
"Ich weiß es nicht, aber du wirst es nicht herausbekommen, wenn du sie nur die ganze Zeit über anstarrst." Hermine musterte ihn aufmerksam. Sie wusste, dass er die Trennung von Ginny nicht sonderlich gut verkraftete, aber dass sie nun eine Beziehung, oder wie immer man es nennen wollte, zu Malfoy entwickelte, ließ ihn fast wahnsinnig werden. Er hasste ihn inbrünstig und obwohl er bisher gedacht hatte sein Hass auf Malfoy könne sich nicht steigern, so war dies doch der Fall, seitdem dieser sich an Ginny heranmachte.
"Er hat nichts gutes mit ihr im Sinn" sagte er mürrisch.
"Und wieso sollte uns das interessieren?!" warf Ron ein, der nicht besser gelaunt als Harry war.
"Weil sie immer noch zu uns gehört und außerdem DEINE Schwester ist." Fauchte Hermine nun sichtlich aufgebracht.
"Scheinbar hat SIE das vergessen, sonst würde sie sich nicht mit diesem Scheusal abgeben!" Ron war nicht minder aufgebracht als Hermine und Harry beschloss sich nicht weiter in diesen Streit einzumischen. Er hätte eh nicht gewusste auf wessen Seite er stehen wollte, da er Verständnis für beide hatte. Es war für ihn nur allzu gut verständlich, dass Ron so reagierte. Er selbst fühlte sich schließlich auch von Ginny verraten, und dass sie ihn so einfach durch Malfoy ersetzte, machte es für ihn nicht leichter, auf sie zu zugehen.
Aber er konnte auch nachvollziehen, wie Hermine sich fühlen musste. Sie selbst hatte schließlich keine größere Auseinandersetzung mit Ginny gehabt und trotzdem hatte auch sie Ginny als Freundin verloren.
"Was sagst du dazu Harry???" vernahm er plötzlich Rons Stimme.
"W...Was?" Er schreckte auf und blickte in die erwartenden Gesichter von Ron und Hermine, die ihn wohl wieder als Schiedsrichter für ihren Streit benutzen wollten.
"Ich fühl mich nicht gut, ich werde mich was hinlegen." Er hatte keine Lust, sich einzumischen und im Grunde genommen fühlte er sich wirklich nicht gut. Also ließ er die beiden unverrichteter Dinge zurück und war auf dem Weg in seinen Schlafraum, als er Ginny und Malfoy gemeinsam durch die Eingangshalle schlendern sah. Es machte ihn wütend zu sehen, dass beide scheinbar glücklich waren und wenn er daran dachte, dass Malfoy es gewagt hatte, mit Ginny nach Hogsmeade zu gehen, wurde er noch zorniger.
"Sie rennt in ihr Unglück, wenn ich es nicht verhindere. Ich muss mit ihr reden." Sagte er zu sich selbst.

~*~

"Willst du ihn etwa immer noch haben?" fragte Draco verächtlich, nachdem er beobachtet hatte, wie Ginny Harry nachgesehen hatte. Sie hatten die Große Halle gemeinsam verlassen und gingen ziellos durchs Schloss.
"Nein, ich glaube, ich habe schon damit abgeschlossen" erwiderte Ginny nun. " Weißt du, der Tag hat mir gut gefallen, ich habe es wirklich genossen mit dir zusammen zu sein Draco."
Sie blickte verstohlen zu ihm rüber.
"Du hast dich in mich verliebt." Er grinste sie an.
"WAS?"
"Das wolltest du doch sagen."
Ginny schüttelte energisch den Kopf. " Du schaffst es auch jeden gefühlvollen Moment zu vernichten Malfoy."
"Nun sind wir also doch wieder beim Malfoy" lachte Draco. "Ich wollt dir nur helfen, du hättest doch eh nur Ewigkeiten rumgedruckst und es am Ende doch nicht geschafft mir zu sagen."
An einer Ecke blieben beide stehen und sahen sich an.
"Du machst dich über mich lustig Draco."
Draco griff nach ihrer Hand, die Ginny ihm nur widerwillig gab. "Nein, das war bestimmt nicht meine Absicht. Wir kennen uns nun schon so lange und bis vor kurzem war mir nie aufgefallen, wie besonders du bist." Er kam ein Stück näher auf sie zu und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ginnys Atmung beschleunigte sich und ihr Herz begann zu rasen.
"Ich wollte nur wissen, ob du über Potter hinweg bist, weil ich mir selbst Hoffnungen mache mir dir zusammen sein zu können." Ginny erstarrte, sie hatte das Gefühl als würde sich alles um sie herum drehen und sie und Draco wären die einzigen Menschen auf dieser Welt. Noch nie war sie ihm so nah gewesen und noch nie hatte sie sich ihm so vertraut gefühlt.
Draco war noch ein Stück näher an sie herangerückt und drückt nun leicht mit seinen Fingerspitzen ihr Kinn hoch, bis sie sich in die Augen blickten.
"Ich liebe dich Weasley" flüsterte er und presste seine Lippen sanft auf Ginnys. Diese erwiderte diesen Kuss und sie wünschte sich dieser Moment würde niemals enden.

"So schnell geht das also neuerdings bei dir!"
Ginny und Draco wirbelten beide herum und starrten in das wutverzerrte Gesicht Harrys.
"Schnüffelst du mir nun nach?" fauchte ihn Ginny an.
"Nein, eigentlich wollte ich nur mit dir reden und mich bei dir endschuldigen, aber wie ich sehe, bist du auf mein Mitleid nicht angewiesen..." er blickte zu Draco. "Oder wahrscheinlich eher doch."
"DAS geht dich gar nichts an Harry!" sagte Ginny nun deutlich lauter und deutete dabei auf Draco. Dieser lehnte sich nun sichtlich amüsiert gegen eine Wand und beobachtete das ihm gebotene Schauspiel.
"Weißt du wie lange ich gewartet habe, bis ich dich anfassen oder gar küssen durfte?! Und dieses Scheusal lässt du nach so einer kurzen Zeit schon ran, was bist du eigentlich für eine ... eine" doch er stockte und starrte Ginny einfach nur an.
"Du solltest jetzt besser gehen Harry" sagte diese nun sichtlich verbittert. "So wie du dich verhältst, stellt sich nicht die Frage wer hier das Scheusal ist. Und wenn ich nun auf unsere Beziehung zurückblicke, war es richtig von mir dich immer von mir zustoßen." Tränen stiegen ihr in die Augen, jedoch nicht aus Trauer, sondern aus Wut. "Als wir uns kennen gelernt haben, dachte ich immer, wir wären füreinander bestimmt, aber jetzt weiß ich, dass ich mich geirrt habe. Du bist nichts besonderes Harry!"

Er wusste nicht so recht, wie er sich fühlen sollte. Nach dem Gesagten war er eigentlich einfach nur furchtbar wüten auf Ginny, wie so oft in den letzten Wochen, aber etwas anderes war noch in ihm drin. Er war verletzt, er hätte nicht gedacht, dass sie es noch schaffen könnte, ihn zu verletzen, aber das hatte sie getan. Und mehr noch, sie hatte ihn nicht nur durch ihre Worte verletzt, sondern auch durch ihre Taten. Es war schwer genug gewesen sie verloren zu haben, aber an Draco Malfoy, das konnte er nicht verkraften. Sein größter Feind an dieser Schule, die Person, die er am meisten hasste, hatte es geschafft ihm den Menschen zu nehmen, der für eine kurze Zeit das Wichtigste in seinem Leben gewesen war. Er wünschte sich, er würde sie hassen, aber nicht mal jetzt, schaffte er es.
"Ich werde nicht aufhören daran zu glauben Ginny." Sagte er schließlich leise und ließ die beiden alleine.

"Reg dich nicht darüber auf." Draco war nun hinter sie getreten und legte seine Arme um ihre Hüften. "Das ist er nicht wert." Er küsste sanft ihren Nacken.
"Ich weiß." Ginny drehte sich nun zu ihm und schlang ihre Arme um seinen Nacken. "Wir sollten nur an uns denken." Sie lächelte ihn an und küsste ihn flüchtig.
"Du hast mir noch keine Antwort gegeben, auf meine Frage damals am See."
"Welche Frage?" Ginny sah ihn verwirrt an.
"Ob du mit mir zum Weihnachtsball gehst." Antwortete er lächelnd.
"Wir haben gerade mal Anfang Oktober. Das ist doch noch eine Weile hin."
"Und? Liebst du mich im Dezember nicht mehr?" doch er klang nicht sauer, sondern amüsiert, was sein anhaltendes Lächeln zusätzlich bewies.
"Natürlich nicht und ich werde auch mit dir zum Ball gehen, aber im Moment mache ich mir mehr Gedanken darum, wie es meine Brüder aufnehmen werden, dass wir zusammen sind. Ron wird es dank Harry früher erfahren als mir lieb ist."
"Dein Bruder ist ein Schwachkopf, es kann uns egal sein, was er sagt."
Ginny musterte ihn einen Augenblick.
"Glaubst du deinem Vater wird das egal sein?"
"Meinem Vater?" fragte er erstaunt.
"Du hast nicht vor es ihm zu sagen?" erwiderte Ginny verwirrt.
"Ihm sagen ... doch ... doch klar will ich es ihm sagen." Er kam Ginny seltsam nervös vor.
"Ich muss jetzt langsam zurück Ginny." Er küsste sie zärtlich und wandte sich dann von ihr ab, um zum Gemeinschaftsraum der Slytherins zu gehen.

~*~

"Sonntage sind einfach langweilig" brummte Ron und warf das Zaubertränkebuch vor ihm vom Tisch.
Zusammen mit Harry und Hermine saß er im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und machte seine Hausaufgaben.
"Und du willst mich wirklich nicht abschreiben lassen Herm?" fragte er nun genervt Hermine.
"Ron, wie willst du durch die Prüfungen kommen?" erwiderte diese neumalklug.
"Was ist eigentlich los mit dir Harry, du bist schon seit gestern Abend so merkwürdig?"
Harry saß demotiviert in seinem Sessel am Kamin und starrte unabwegig ins Feuer. Er hatte Ron und Hermine noch nichts davon erzählt, dass er Malfoy und Ginny den Abend zuvor beim Küssen erwischt hatte. Er wollte sich nicht Rons Geschreie deswegen anhören müssen, obwohl er sich sicher war, dass Malfoy alles daran setzen würde, dass ganz Hogwarts es erfahren würde.
"Mir geht's gut. Ich bin nur müde, ich glaub, ich wird krank."
"Dann solltest du zu Madam Pomfrey gehen und sie bitten, dass sie dir was gibt, damit es dir wieder besser geht." Hermine sah ihn, wie so oft, besorgt an. Harry war genervt von diesem Blick und er war bereit einiges dafür zu geben ihm zu entkommen.
"Jaah, du hast Recht. Ich werde schnell gehen." Er stand auf und machte sich auf den Weg.
"Sollen wir mitgehen Harry?" fragte Hermine nun.
"Nein" sagte dieser im Gehen. "Ich schaffe das alleine."
Als er den Gemeinschaftsraum verlassen hatte, atmete er erst einmal durch. Er hatte nicht vorgehabt zu Madam Pomfrey zu gehen, er wollte nur weg von Ron und Hermine. Stattdessen machte er sich auf den Weg runter zur Küche, er hatte Dobby lange nicht mehr gesehen und wollte dies nun nachholen.
Als er den Korridor, der zur Küche führte, erreicht hatte, vernahm er Schritte.
"Toll, das hat mir gerade noch gefehlt." Schnell versteckte er sich hinter einer Abzweigung und wartete angespannt, in der Hoffnung nicht hier unten erwischt zu werden.

"Potter muss wirklich sauer sein." Sagte eine ihm bekannte Stimme. "Dass Draco es tatsächlich geschafft hat ihm Weasley auszuspannen!"
"Ja und die ist auch noch so dumm und glaubt daran, dass er in sie verliebt ist." antwortete nun eine andere Stimme und Harry wurde schlagartig bewusst, wen er hier belauschte.
"Crabbe und Goyle" zischte er leise und er versuchte noch mehr von dieser Unterhaltung mitzuhören.
"Als ob er die jemals seinem Vater vorstellen wird" grunzte Goyle.
"Der ist doch nur solange mit ihr zusammen, bis er sie im Bett gehabt hat, hat er doch gestern Abend erzählt." Lachte Crabbe und Harry wurde zunehmend immer schlechter.
"Und das nur, weil Potter das bis heute noch nicht geschafft hat. Was glaubst du wie wütend er sein wird" stimmte Goyle ins Gelächter ein.
Sie zogen an Harry vorüber ohne ihn zu bemerken und er konnte ihr Lachen und Grunzen noch aus einiger Entfernung vernehmen.
"Ich hab doch gesagt, dass er sie unglücklich machen wird" flüsterte Harry nun zu sich selbst.

"Aber das wird sie mir niemals glauben." Bedrückt lehnte er sich nun gegen die Wand und dachte angestrengt nach. Er dachte an die vergangenen Wochen und an all das, was zwischen ihm und Ginny geschehen war. Der Tag am See kam ihn in den Sinn und die Dinge, die Malfoy zu ihm gesagt hatte. Er hatte es schon fast verdrängt gehabt, aber er musste daran denken, dass Ginny einfach nur dabei gewesen war ohne Malfoy zur Ordnung zu rufen. Es schien ihr egal gewesen zu sein, was er ihm an den Kopf geworfen hatte.
Und dann kam ihm der gestrige Abend wieder in den Sinn. All die Dinge, die sie selbst zu ihm gesagt hatte und die so unendlich geschmerzt hatten. Und er hatte sie dafür nicht hassen können, hatte ihr satt dessen noch gesagt, dass er immer noch an ihre Beziehung glaubte, doch es hatte sie nicht Interessiert. Sie zog Malfoy vor und langsam stieg Zorn in ihm auf. Ein anderer Zorn als der, den er bereits kannte, den er immer für Malfoy empfunden hatte. Er war zornig auf Ginny. Dafür, dass er ihr egal zu sein schien und sie sich ihm gegenüber so unverzeihlich verhielt.
"Sie hat gesagt, sie hätte sich in mir getäuscht. Soll sie doch sehen was sie davon hat sich mit Malfoy abzugeben."
Er stieß sich von der Wand ab und ging weiter in Richtung Küche, alle Gedanken, die Ginny und Malfoy betrafen, verdrängend.

Kapitel 5: Narben

Er war müde, sehr müde, als er aufwachte. Verschlafen wischte er sich den Rest Schlaf aus den Augen und setzte sich auf. Als er durchs Zimmer schaute, fiel ihm auf, dass außer ihm und Ron niemand mehr da war. Immer noch übermüdet ließ er sich auf sein Kissen zurückfallen und starrte an den Baldachin seines Bettes. Erneut verfiel er in einen unruhigen Schlaf, der gespickt war mit Erinnerungen, Erinnerungen an sie; Ginny. Er träumte von der schönen Zeit, dir er mit ihr verlebt hatte, die er bei ihrer Familie verbracht hatte, an ihren ersten Kuss, die ersten Berührungen und ein Lächeln huschte im Schlaf über sein Gesicht. Doch dann wandelte sich sein anfänglich schöner Traum und er tauchte auf; Malfoy. Wie sehr er sich auch in den letzten Jahren bemüht hatte, Malfoy aus dem Weg zu gehen, ihn kein Teil seines Lebens werden zu lassen, so sehr wurde dieser Name doch ein untrennbarer Teil seines Schmerzes und er hasste ihn. Hasste ihn für all, die Dinge, die er schon getan hatte und all die Sachen, die er gesagt hatte. Doch am meisten hasste er ihn dafür, dass er Ginny hatte, und dass er vorhatte sie zu verletzen. Und plötzlich schreckte Harry aus seinem Traum hoch. "Was ist los?" fragte Ron verschlafen, der scheinbar gerade erst wach geworden war.Harry sah zu ihm herüber: "Nur ein Albtraum.""In letzter Zeit hast du öfters welche oder?" fragte Ron nun besorgt."Du hörst dich schon an wie Hermine" erwiderte Harry neckend.Doch eigentlich dachte er daran, dass Ron Recht hatte. Seitdem er das Gespräch von Crabbe und Goyle vor 3 Wochen belauscht hatte, träumte er laufend von Ginny und Malfoy und es waren bei weitem keine angenehmen Träume. Er hatte sich bereits schon vor einer Weile eingestanden, dass er Ginny gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte, auch wenn er ihr immer noch nicht verziehen hatte. Doch manchmal kamen Zweifel in ihm auf und er fragte sich was es überhaupt noch zu verzeihen gab, sie beide hatten Fehler gemacht und nicht die Kraft aufbringen können diese zu überdauern. "Ich muss mit Ginny reden!" sagte er plötzlich in der Einsicht endlich einen Entschluss gefasst zu haben."Mensch Harry", motzte Ron. "Bist du immer noch nicht durch mit dem Thema?!""Willst du akzeptieren, dass sie mit diesem Scheusal zusammen ist?" fragte Harry herausfordernd. Er wusste, dass Ron noch immer so tat, als wären seine Schwester und Malfoy kein Paar, doch mittlerweile war es kein Geheimnis mehr, die ganze Schule wusste es und für die meisten war es doch ein sehr interessantes Thema. Harry hatte dies oft am eigenen Leib spüren müssen, z.B. wenn er einen Raum betrat und plötzlich alle verstummten und ihn verstohlen anstarrten und er ganz genau wusste, dass sie noch vor eine paar Sekunden über Ginny, Malfoy und ihn gesprochen hatten. "... Jedenfalls denke ich nicht, dass es etwas ändern kann!" schloss Ron und Harry fiel auf, dass er ihm gar nicht zugehört hatte. Mehr noch, er hatte nicht mal mitbekommen, dass Ron mittlerweile aufgestanden war und sich angezogen hatte, so sehr war er in Gedanken versunken gewesen. "Aber scheinbar willst du nicht mal dazu etwas sagen" sagte Ron nun und starrte den völlig verwirrten Harry fragend an. "Ich denke diesmal kann ich alles ändern" warf Harry nun ein, obwohl er nicht mal wusste wovon Ron gesprochen hatte."Sie wird nicht zu dir zurückkommen Harry!" sagte dieser nun bedrückt. "Egal was du ihr erzählst.""Glaub mir Ron, diesmal ist es anders. Ich werde sie nicht anschreien und ich werde ihr auch keine Vorwürfe machen. Ich werde ihr alles erzählen! ALLES und danach kann sie gar nicht mehr bei diesem Ekel bleiben!" Doch Ron starrte ihn nur mitleidig an. "Ich wünschte, ich wäre auch so optimistisch" sagte er schließlich ziemlich tonlos. "Und jetzt lass und frühstücken gehen."~*~"Kommst du mit mir?"Ginny schreckte hoch und drehte sich verwirrt um. "Warum schleichst du dich so an?" fragte sie vorwurfsvoll. "Ich hab mich nicht angeschlichen, du hast mich nur nicht gehört!" grinste Draco sie an. "Ich war in Gedanken", gab Ginny zu.Draco setzte sich neben sie an den Gryffindor Tisch. "Ich hoffe du hast an mich gedacht.""Eigentlich hab ich an das gedacht, was du mir gestern gesagt hast" sie blickte ihn erwartungsvoll an. "Dass du findest, dass es Zeit wird, dass wir eine neue Tiefe in unsere Beziehung bringen und so weiter."Draco schaute sie ungerührt an und es schien ihr, dass sie nie hinter seine Fassade blicken würde, egal wie viel Zeit sie auch mit ihm verbringen würde."Ich weiß nicht, ob ich dafür schon bereit bin" flüstere sie schließlich.Draco griff ihre Hand und strich zärtlich über ihren Handrücken. "Ich will dich zu nichts drängen. Es ist nur, dass ich dir so nah, wie möglich sein will."Ginny lächelte ihn an: "Jaah, ich weiß und eigentlich will ich es ja auch, aber ..."Draco legte ihr behutsam einen Finger auf den Mund. "Du brauchst nichts zu sagen, wenn es passieren soll, wird es passieren." "Wohin wolltest du?" fragte Ginny nun."Achso, ich wollte nur wissen, ob du mit in die Bibliothek kommst. Muss noch was erledigen." Draco stand auf und zog sie mit sich hoch, als wäre es selbstverständlich, dass sie mit ihm ginge und Ginny folgte ihm, während Harry und Ron, die die Große Halle gerade betraten, an ihnen vorbeigingen. Doch Ginny würdigte sie keines Blickes, was auch Draco nicht verborgen blieb."Er interessiert dich wirklich nicht mehr oder?" fragt er als sie nebeneinander hergingen."Wer?""Potter!" würgte er den Namen hervor."Nein" antwortete Ginny nachdenklich. "Ich glaube, ich habe viel von dir gelernt" und sie lachte dabei auf."Was meinst du?" fragte Draco nun überrascht."Nun eigentlich ist er nicht der tolle Typ, für den ihn alle halten. Das heißt nicht, dass ich ihn hasse oder so, aber es ist mir egal, was er von mir denkt. Er ist ein Freund meines Bruders mehr nicht." Draco schaute sie nachdenklich an. "Warum hast du dich in mich verliebt Ginny?""Weil du, du bist!" antwortete sie wie selbstverständlich. "Ich genieße jeden Moment, den ich mit dir zusammen bin. Ich mag deine Art, wie du mich ansiehst und berührst, dein Lächeln, dein ganzes Sein. Und ich mag deinen Humor und wie du es schaffst mich selbst in den dunkelsten Momenten wieder aufzumuntern." Sie blieb plötzlich stehen und als er es bemerkte tat Draco es ihr gleich und drehte sich zu ihr rum. "Warum sagst du mir nie, dass du mich liebst?" Ginny schaute ihn durchdringend an."Ich habe es dir gesagt!" erwiderte Draco."Einmal und seitdem nie wieder!""Du weißt doch, dass ich es tue."Ginny trat näher zu ihm heran und griff nun ihrerseits nach seiner Hand. "Also gut", gab er nach. "Ich liebe dich!"Sie seufzte leicht: " Das ist doch nicht das selbe Draco!""Ich werde mich bessern" lächelte Draco, doch er klang dabei leicht genervt. "Und nun lass uns weiter gehen.""Ich hab was vergessen" sagte Ginny plötzlich."WAS?""Erzähl ich dir später" und sie küsste ihn zärtlich auf die Wange, bevor sie sich umdrehte und im nächsten Gang verschwand.Sie kam gerade in die Eingangshalle als sie Harry, Ron und Hermine erblickte, die gerade gemeinsam vom Frühstück kamen. Als sie Ginny sahen, sagte Harry irgendwas zu den anderen beiden, woraufhin ihn diese allein ließen, jedoch nicht ohne vorher einen besorgten Blick auszutauschen."Ginny, ich muss mit dir reden!" rief Harry ihr nun zu, während er auf sie zukam."Und worum geht es diesmal?" fragte diese genervt. "Ich hab nämlich nicht viel Zeit, um mir wieder irgendwelche dummen Vorwürfe oder Beleidigungen anzuhören."Harry stöhnte laut auf: "Es geht um Malfoy und du solltest wirklich hören, was ich über ihn weiß."Ginny blickte ihn entgeistert an: "Was glaubst du eigentlich wer du bist?! Es gibt nichts, das du über Draco sagen könntest, was mich interessiert Harry und nun lass mich in Ruhe!" "Diesmal ist es anders!" drängte Harry als Ginny sich von ihm abwenden wollte. "Harry!" erwiderte diese energisch. "Verstehst du es nicht? Lass mich einfach in Ruhe! Was zwischen Draco und mir ist geht dich nichts an!" und sie drehte sich von ihm weg, um zu gehen, doch Harry packte sie am Handgelenk.

"Ginny bitte!" flehte er nun.
"Lass mich sofort los Potter!" zischte Ginny verächtlich und Harry blickte sie geschockt an.
Langsam ließ er sie los und Ginny stieß ihn von sich fort.
"Wage es nie wieder mich anzufassen!" presste sie wütend hervor und ohne noch ein weiteres Wort zu sagen ging sie an ihm vorbei und drängte sich durch die neugierige Schar von Schülern, die sich inzwischen versammelt hatten, um das eben geschehene Schauspiel zu beobachten.

~*~

"Und?" fragte Ron neugierig, als Harry den Schlafraum betrat.
Er saß auf seinem Bett, während Hermine bei ihm lag und ihren Kopf auf seine Beine gelegt hatte.
"Wie du gesagt hast!" antwortete Harry niedergeschlagen.
"Was wolltest du denn von ihr?" mischte sich nun Hermine ein.
"Ich weiß es nicht mehr" erwiderte Harry. "Eigentlich wollte ihr sagen, was ich nach wie vor für sie empfinde, und dass Malfoy ein verlogener Idiot ist, der sie verletzen wird, aber das hat jetzt an Bedeutung verloren."
Hermine setzte sich nun auf und starrte zu ihm herüber: "Aber das solltest du ihr unbedingt sagen Harry!"
"Sie will es nicht hören!" Harry ließ sich bedrückt auf seinem Bett nieder. "Es ist ihr egal."
Doch Hermine schüttelte energisch den Kopf: "Nein, das glaube ich nicht. Sie hat nur Angst vor dem, was du ihr sagen könntest, deswegen läuft sie vor dir davon. Harry bitte rede mit ihr!"
"Hermine" sagte Ron beschwichtigend.
"Ach Ron!" Hermine ließ sich nicht beirren. "Du willst doch auch nicht, dass sie mit Malfoy zusammen bleibt, und wenn sie erstmal gehört hat, was Harry zu sagen hat ..."
"Sie wird mir nicht zuhören!" erwiderte Harry.
"Sicher nicht, wenn du es nicht mal versuchst" sagte Hermine schmollend und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
"Ok, ich werde es noch einmal versuchen, aber danach lässt du mich damit in Ruhe, verstanden?" gab Harry schließlich nach.
"Das tust du doch nicht meinetwegen, sondern weil du es selber willst!" sagte Hermine in ihrer besserwisserischen Art und ein kleines Lächeln huschte über Harrys Gesicht.
"Das wird wieder furchtbar schief gehen" brummte Ron leise und handelte sich damit einen Stoß von Hermine in die Rippen ein.

~*~

Es war mittlerweile Abend und Ginny hatte sich etwas von ihrem Zusammentreffen mit Harry erholt. Sie war nun nicht mehr ganz so wütend, jedoch loderte immer noch ein Funken Zorn in ihr. Aber daran wollte sie nun ganz gewiss nicht mehr denken, es gab wichtigeres zu tun. Ungeduldig war sie auf der Suche nach Draco. Seit ihrer kleinen Meinungsverschiedenheit heute morgen hatte sie ihn nicht mehr gesehen und langsam spürte sie eine Art Sehnsucht nach ihm in sich. Sie hatte ihn bereits in der Bibliothek gesucht wo sie eigentlich noch immer vermutet hatte, doch da war er nicht mehr. Er konnte jetzt nur noch im Gemeinschaftsraum der Slytherins sein, doch dahin würde sie niemals kommen. Zumal sie nicht einmal das Passwort kannte.
Also beschloss sie einen weitaus komplizierteren Weg einzuschlagen und machte sich auf den Weg in die Eulerei. Sie nahm ein Stück Papier aus ihrer Tasche und kritzelte schnell eine Nachricht darauf:

Komm so schnell du kannst in den siebten Stock zum Wandbehang von Barnabas dem Bekloppten.
Ginny

Nachdem sie eine der Schuleulen mit dieser Nachricht zu Draco geschickt hatte, machte sie sich selbst auf den Weg zum besagten Treffpunkt, um dort auf ihn zu warten. Beunruhigung stieg in ihr auf, denn sie war sich nicht ganz sicher, ob Draco überhaupt kommen würde, schließlich hatte er sich ihr gegenüber noch nie so benommen, wie am Morgen, zumindest nicht, seitdem sie zusammen waren.
Nervös stand sie nun im Korridor und wartete. Es waren bereits 15 Minuten vergangen als sie alle Hoffnungen zu Grabe tragen wollte und zurück in ihren Schlafraum gehen wollte, als Draco plötzlich um die Ecke kam.
Als er sie erblickte lächelte er matt auf: "Was soll dieses Versteckspiel hier?"
Unsicher ging Ginny auf ihn zu und griff nach seiner Hand.
"Ich hab eine Überraschung für dich" sagte sie und zog ihn hinter sich her.
Sie zog eine Tür auf und betrat mit Draco an ihrer Seite den dahinterliegenden Raum.
Ihre Augen glitten über einen gemütlichen Schlafraum, in dem überall Kerzen in verschiedenen Größen loderten.
An einer Wand war ein Kamin, in dem ein ruhiges, wärmendes Feuer prasselte und ihm gegenüber stand ein großes Himmelbett, an dessen silbernen Pfosten sich kleine Schlangen entlang zuwinden schienen. Der Baldachin des Bettes war aus smaragdgrünen Samt und die Bettwäsche aus eben solch grünem Satin.
Ginny drehte sich nun zu Draco: "Und was sagst du?" fragte sie erwartungsvoll.
"Was soll das?" erwiderte dieser.
"Na, du willst mir doch so nah, wie möglich sein, oder?" Ginny ging aufs Bett zu und setze sich auf die Bettkante. Von dort aus sah sie zu ihm herüber und lächelte ihn unsicher an.
Auch Draco lächelte nun und folgte ihr zum Bett. Langsam setzte er sich neben sie und schob seine Hand unter ihren Haaransatz. Er zog sie sanft näher an sie heran und sie begannen sich zärtlich zu küssen.
Ginny ließ ihre Hand langsam durch seine weichen Haare gleiten. Ihr Herz raste vor Anspannung und nervös sie redete sich ein, dass es das war, was sie nun wollte.
Während sie sich nun leidenschaftlich küssten, knöpfte Draco ihre Bluse auf und schob sie ihr von den Schultern. Seine Lippen ließen von ihren ab und er begann nun zärtlich mit seinen Fingern über ihre Brüste zu streicheln und diese zu liebkosen.
Ginny ließ ihre Hände sanft an seinem Rücken entlanggleiten, bis Draco sie schließlich auf seinen Schoß zog.
Nun knöpfte Ginny ihrerseits sein Hemd auf und ließ es langsam von seinen Schultern gleiten, ihre feingliedrigen Finger strichen über seine Brust und sie begann diese mit ihren Lippen zu verwöhnen. Draco ließ sich langsam nach hinten fallen und genoss sichtlich jegliche ihrer Berührungen.
Auch Ginny hatte nun Gefallen gefunden und begann hastig seine Hose aufzuknöpfen, durch die sie eindeutig seine Erektion spüren konnte. Und während sie seine Brust bis hinunter zum Bauch mit Küssen bedeckte zog sie ihm auch dieses letzte Kleidungsstück aus.
Sie glitt nun neben ihn aufs Bett und stemmte sich mit einem Arm auf seine Brust.
"Ich will dich spüren!" hauchte sie ihm zärtlich ins Ohr.
Draco strich ihr ein paar Haarsträhnen hinter die Ohren, die ihr ungestüm ins Gesicht gefallen waren. Zärtlich küsste er sie auf die Stirn, während er sich langsam aufrichtete und sie zurück aus Bett drückte.
Dann streifte er ihr sanft den Rock über die Beine und begann zärtlich ihren Bauch mit Küssen zu liebkosen. Seine Hände ließ er über ihre Schenkel hinein in ihren Slip gleiten, den er ihr unter heißen Küssen auszog.
Er zog sich nun wieder zu ihr herauf und legte sich behutsam auf sie. Sie sahen sich einander in die Augen und Ginny hätte schwören können, dass sich in diesem Moment irgendetwas in seinem Blick verändert hatte.
Und während sie sich erneut leidenschaftlich küssten, drang Draco vorsichtig in sie ein. Ginny stöhnte leicht auf, als er auf einen kurzen Widerstand traf und verschloss ihre Arme hinter seinem Rücken.
Vorsichtig drang er nun endgültig in sie ein und begann langsam sich in ihr zu bewegen. Seine Hände glitten dabei erneut über ihre Brüste, die er zärtlich liebkoste.
Ginnys Hände glitten über seinen schweißnassen Rücken und bei jedem seinen immer schneller werdenden Stöße stöhnte sie leicht auf.
Sie blickten sich nun gegenseitig in die Augen und als er sich in ihr entlud, spürte Ginny, wie sich ihn ihr alles angenehm zusammenzog.

~*~

Langsam tastete ihre Hand die rechte Seite neben ihr ab, doch sie konnte nichts fühlen. Verwirrt setzte sich auf und sah sich um. Sie war allein.
Dabei war es noch nicht lange her gewesen, als sie gemeinsam eingeschlafen waren und sie hatte daran geglaubt, dass sie auch gemeinsam aufwachen würden.
Sie griff nach ihrer Kleidung, um sich wieder anzuziehen. Es würde schon seinen Grund haben, dass Draco sie allein zurückgelassen hatte, ohne sie zu wecken.
Als sie zur Türe ging, blickte sie sich noch einmal um und lächelte. Amüsiert erinnerte sie sich an die Angst, die sie gehabt hatte und nun wusste sie, dass sie total unbegründet gewesen war.
Sie schritt heraus und schloss die Tür hinter sich zu, die daraufhin augenblicklich verschwand.
In der Annahme Draco in der Großen Halle finden zu können, machte sie sich auf den Weg dorthin.
Dieser Abend war einfach wunderschön gewesen und sie freute sich darauf ihn zu sehen und zu küssen. Alle Unsicherheit, die ihre Liebe zu Draco betroffen hatte, war wie weggewischt.
"Ginny?" ertönte es nun hinter ihr.

Ginny kannte diese Stimme, doch sie wollte sich ihre gute Laune diesmal nicht zerstören lassen. Sie drehte sie langsam herum und sah ihr Gegenüber an.
"Was ist Harry?"
Harry schritt nun näher auf sie zu und blickte sie wehmütig an: "Bitte lass uns reden!"
"Hier?" fragte Ginny unsicher und sah sich in dem steinernen Korridor, der nur von ein paar Fackeln erleuchtet wurde, um
"Jaah" antwortete Harry langsam.
Ginny seufzte kaum vernehmlich auf: "Ok, was willst du mir noch sagen?"
"Nur, dass es mir leid tut."
Sie starrte ihn perplex an. "Dass es dir leid tut?"
"Jaah ... mir tut es leid, wie ich dich behandelt habe, da hattest du nicht verdient." Er schaute sie mitleidig an. "Ich hab dich immer von mir weggestoßen und dir nie gesagt warum ... vielleicht wären wir jetzt noch zusammen, wenn ich ehrlich zu dir gewesen wäre."
"Nein Harry", unterbrach Ginny ihn. "Das ist doch jetzt nicht mehr wichtig!"
"Doch", erwiderte er. "Ich will, dass du weißt, warum ich so gehandelt habe." Er nahm Ginnys Hand in seiner auf und blickte ihr in die Augen. "Ich hatte Angst dich zu verlieren."
"Ich habe dir nie einen Grund gegeben zu glauben, dass du mich verlieren würdest!" sagte Ginny tonlos.
"Alle Menschen, die ich geliebt habe, habe ich auch verloren Ginny. Meine Eltern und Sirius. Ich hatte Angst, dass ich dich auch verlieren würde. Ich dachte, wenn ich dich nur weniger lieben würde, dann würde dir auch nichts passieren. Aber ... aber ich kann dich einfach nicht weniger lieben und als ich versucht habe es zu tun, habe ich dich verletzt und dich von mir gestoßen. Ich ... ich habe dich in die Arme von Malfoy getrieben." Seine Stimme war nun von Tränen erstickt und Ginny spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog. Sie empfand Mitleid und Scham. Scham für das, was sie ihm in den letzten Wochen alles gesagt hatte. Sie hatte ignoriert, dass er es nicht leicht hatte und hatte ihre Bedürfnisse über seine gestellt.
"Es tut mir leid Harry, das habe ich nicht gewusst!" flüsterte sie nun und drückte sanft seine Hand.
"Ich mache dir keinen Vorwurf Ginny, ich will nur, dass du weißt, dass ich dich immer noch liebe!"
"Harry" stammelte sie nun. "Es tut mir leid, wie das alles gelaufen ist, aber ich ... ich liebe jetzt Draco und du kannst das nicht mehr ändern."
Er entzog sich ihrer Berührung.
"Er meint es nicht ernst mit dir!"
"Fängst du schon wieder an?" erwiderte Ginny brüsk. "Du musst das endlich akzeptieren!"
"Nein, das hat nichts mit uns zu tun Ginny. Hör mir doch mal endlich zu, er ist nur mit dir zusammen, weil er mich damit verletzen will."
"Harry!" schrie Ginny. "Es dreht sich nicht immer alles nur um dich!"
Harry packte sie an den Armen: "Ich habe es gehört, wie Crabbe und Goyle darüber gesprochen haben. Er ist nur solange mit dir zusammen, bis du mit ihm geschlafen hast, weil er weiß, dass wir es nie getan haben." Er redete eindringlich auf sie ein in der Hoffnung, dass sie ihm wenigstens einen Funken davon glauben würde. "Ich weiß, dass du nicht zu mir zurück kommst Ginny, aber ich will nicht, dass er dich verletzt."
Doch Ginny blickte ihn stumm an. Ihre Kehle zog sich schmerzhaft zusammen und Tränen stiegen ihr in die Augen.
"Du lügst!" stammelte sie, doch sie wusste, dass es nicht so war. Verzweifelt entzog sie sich seinem Griff. "DU lügst Harry!" schrie sie ihn nun hysterisch an.
"Du weißt, dass ich es nicht tue!" erwiderte dieser matt.
Tränen liefen über ihr Gesicht und hinterließen dort heiße Spuren. Sie hasste sich, hasste sich dafür, dass sie so blind gewesen war. Sie hatte doch gewusst, dass Draco ein Mistkerl war, sie war so lange misstrauisch gewesen, warum hatte sie dieses Misstrauen nicht behalten. Es war schließlich unmöglich, dass ein Mensch sich so ändern könnte, wie er es getan haben wollte.
Doch am meisten hasste sie sich dafür, dass sie den anderen nicht geglaubt hatte. Ihren Freunden, die ihr nie was Schlechtes gewollt hatten. Sie hatten ihr doch nur helfen wollen.
Wütend und verzweifelt wandte sie sich von Harry ab und lief davon, in der Angst der Schmerz würde gleich ihr Herz zerreißen.

Kapitel 6: Back to where we started

Allein, so saß er ihm Schlafraum auf seinem Bett. Den Kopf auf die Hände gestützt und in Gedanken versunken. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren, so schien es ihm, denn er konnte nicht annähernd sagen, wie lange er hier schon saß.
Er dachte nach über die vergangenen Wochen, die ihn doch mehr aufgewühlt hatten, als er es jemals angenommen hätte. Doch war er sich über den Grund nicht bewusst. Er war sich nur sicher, dass sich irgendetwas in ihm verändert hatte. Sie hatte ihn verändert.
Wie ihr gesamtes Umfeld auch, hatte er sie, wie selbstverständlich von Anfang an gehasst und verachtet. Sie stammte aus einer Familie, die seiner doch so unterlegen war, eine Familie, die sich trotz allem reinblütig schimpfen durfte. Doch es schien ihm, als wäre sie kein Teil mehr davon.
Sie war ein Teil von nichts. Etwas, das unerwartet in sein Leben getreten war und es geschafft hatte ihn zu berühren.
Bisher hatte er sich einen Spaß daraus gemacht seine Zeit mit ihr zu verbringen. Es war nicht das unangenehmste, was er tun konnte. Schließlich hatte auch er sich eingestehen müssen, dass sie einen recht hohen Unterhaltungswert hatte, er mochte ihre Art von Humor. Doch es änderte nichts daran wer sie war oder vielmehr wer er war.
Von vorneherein war ihm klar gewesen, dass sie irgendwann beide wieder auf ihre alten Positionen zurückkehren würden und sich wieder hassen würden. Wahrscheinlich diesmal noch intensiver als zuvor.
Aber es war ihm egal gewesen, nein es hatte ihn belustigt. Wochenlang hatte er sich an der Vorstellung Potter einen solchen Schmerz zufügen zu können, erquickt. Es hatte ihn nicht interessiert, dass sie ebenfalls darunter leiden würde, schließlich hatte sie keinerlei Bedeutung in seinem Leben.
Angestrengt versuchte er sich an den Moment zu erinnern, als er beschlossen hatte, sich zwischen sie und Potter zu stellen. Er erinnerte sich an ihr erstes Aufeinandertreffen, wie sie tatsächlich über seine Potter Witze gelacht hatte, doch war es für ihn nicht mehr gewesen als ein Zeitvertreib. Ein unbedeutenes Ereignis. Doch hatten sich solche Ereignisse gehäuft und er war begierig danach gewesen mehr über sie und Potter zu erfahren. Mehr über die Krise zwischen ihnen zu wissen, um sie voll und ganz für sich selbst ausnutzen zu können.
Er dachte an den Tag, an dem sie am See aufeinander getroffen waren. Daran, wie er nur Minuten zuvor Crabbe und Goyle in seinen Plan eingeweiht hatte. Er wollte, dass sie sich von Potter trennte, um ihn zu nehmen. Wollte Potter damit zu Boden zwingen und wie so oft zuvor über ihn triumphieren. Und sie hatten gelacht bei dem Gedanken daran.
Doch war ihm das nicht genug gewesen und nun war er sich sicher, dass er hätte aufhören sollen, als er sein Ziel erreicht hatte. Aber wie so oft in seinem Leben, hatte er sich auch diesmal ein noch höheres Ziel gesetzt.
Er wollte, dass Potter endgültig leiden müsste.
Er wollte das haben, was sie Potter nie gegeben hatte.
Er war stolz auf sich gewesen, nachdem er diesen Plan gefasst hatte. Wie sicher war er sich doch gewesen, dass es Potter wahnsinnig machen würde, wenn er sie gehabt hätte, obwohl sie sich ihm selbst zuvor über ein Jahr verwährt hatte. Doch hatte er nicht damit gerechnet, dass sie es schaffen würde, ihn wahnsinnig zu machen.
Doch er hatte gewonnen, das war alles, was zählte und er würde niemals sein Gesicht vor irgendjemandem verlieren.
Nachdem er den Entschluss gefasst hatte, die Sache nun endgültig zu Ende zu bringen, stand er auf und verlies seinen Schlafraum.

~*~

Hass, das war alles, was sie empfand als sie den Korridor zu den Kerkern entlang lief. Noch nie war sie so zornig und verletzt gewesen. Tränen der Verzweiflung liefen immer noch über ihr Gesicht und hinterließen dort ihre Spuren.
Sie war sich nicht darüber im Klaren, was sie ihm sagen sollte, wenn sie ihm begegnen würde, aber es war ihr egal. Sie wollte einfach nur ihrem Zorn freien Lauf lassen und ihm sagen, wie sehr sie ihn hasste, doch sie wusste, dass es ihm wahrscheinlich egal war. Er hatte sein Ziel erreicht, es würde ihn nicht interessieren, wie sie sich fühlte.
Als sie den Gang zu den Räumen der Slytherins erreicht hatte, blieb sie stehen. Sie wusste nicht genau, wo der Eingang zum Gemeinschaftsraum war und auch hatte sie keine Ahnung, wie das Passwort lautete.
Unentschlossen blieb sie stehen und wartete, ohne zu wissen worauf.
Plötzlich hörte sie Schritte, die auf sie zukamen, und eine Vorahnung beschlich sie. Sie blieb ungerührt stehen und atmete tief durch. Verkrampft bemühte sie sich ihre Fassung wieder zu erlangen, sie wollte ihm nicht die Genugtuung geben zu sehen, wie sehr sie litt, doch als er um die Ecke bog und in ihr Blickfeld kam, verlor sie erneut jegliche Fassung.

"Was bildest du dir eigentlich ein du mieses, hinterhältiges Arschloch!" sie konnte sich nicht erinnern jemals in ihrem Leben so geschrieen zu haben.
Auch ihr Gegenüber blieb geschockt stehen und starrte sie an. Es gab ihr einen Moment ein gutes Gefühl, dass sie es geschafft hatte ihn zu verwirren, doch konnte auch dies nicht über ihre Wut hinweg trösten.
"Warum schreist du hier herum?" fragte er nun angesäuert.
Ginny schnaubte verächtlich auf: "Ich weiß alles! Ich weiß, dass du mich nur ausgenutzt hast, um mich ins Bett zu kriegen und Harry damit eins auszuwischen du widerliche Ratte!"
"Wovon redest du überhaupt?" entsetzt starrte er sie an.
"Harry hat deine dummen Gorillas belauscht, wie sie darüber gesprochen haben! Stell dich nicht so dumm, wenigstens jetzt kannst du den Mumm aufbringen und ehrlich sein du elendiger Feigling!"
Kopfschüttelnd betrachtete er sie: "Wenn du doch eh schon alles weißt, verschwende nicht meine Zeit Weasley!"
Für einen kurzen Moment stockte sie.
"Das ist alles, was du dazu sagst?" fragte sie verbittert.
"Weasley, du kennst mich doch. Du kennst meine Natur, du hättest wissen müssen, worauf du dich da einlässt. Wir hatten beide unseren Spaß dabei, also mach nicht so einen Aufstand!"
"Du hast mir gezeigt, wie nah Liebe und Hass beieinander liegen können Malfoy. Ich dachte, du wärst es wert von mir geliebt zu werden, aber nun hasse ich dich nur noch!"
Einen Augenblick standen sie sich wortlos gegenüber, dann jedoch machte Ginny kehrt und ließ Draco allein zurück.
Sie konnte nicht glauben, was so eben passiert war. Er hatte nicht einmal versucht, sich zu wehren. Hatte es nicht einmal abgestritten, es schien ihm vollkommen egal zu sein.

~*~

"Hast du ihm so richtig die Meinung gegeigt?" fragte Ron sichtlich erfreut, als Ginny später den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betrat. Er saß dort gemeinsam mit Hermine und Harry um den Kamin herum und alle drei starrten sie nun an. Es war das erste Mal seit Wochen, dass er überhaupt mit ihr sprach und trotzdem machte sie das nicht glücklich.
"Was interessiert dich das?" fragte sie ihn patzig und ließ sich zu ihnen in einen Sessel fallen.
Ron schaute sie verwundert an: "Das ist schließlich das mindeste, das er verdient. Eigentlich solltest du ihm einen ganz fürchterlichen Fluch aufn Hals schicken. Elendiger Mistkerl!"
"Ron!" mahnte ihn Hermine.
"Was?" fragte dieser nun überrascht.
"Lass gut sein."
Doch Ginny hatte bereits genug. Sie stand auf und ging hinauf in ihr Schlafzimmer, begleitet von Hermines besorgten Blicken.

"Merkst du denn nicht, dass es ihr weh tut, wenn du so redest?" fragte diese nun erneut an Ron gewandt.
"Warum sollte ihr das wehtun Er ist schließlich ein Schwein!"
"Ach Ron, wann merkst du endlich, dass sie wirklich in ihn verliebt ist. Es ist so schon schwer genug für sie über ihn hinwegzukommen."
Ron blickte zu Harry, der schon eine Weile nichts mehr gesagt hatte, doch schien er mit seinen Gedanken ganz weit weg zu sein.
"Sie wird nicht zu Harry zurückgehen, nur weil sie mit Malfoy Schluss gemacht hat" flüsterte Hermine nun, die Rons Blicken gefolgt hatte.
"Dieses Drecksschwein hat alles kaputt gemacht!" grunzte Ron sauer.
"Ich muss noch mal in die Bibliothek. Kommst du mit?"
"Hermi, du willst doch nicht immer noch weiter lernen?"
Hermine zuckte mit den Schultern: "Warum fragst du eigentlich immer so dumme Sachen."
Ron lachte leicht auf, während sie aufstand und den Gemeinschaftsraum verließ.

Als sie kurze Zeit später die Bibliothek betrat, war kaum noch jemand da. Nur an wenigen Tischen saßen noch vereinzelnd Schüler und fast wäre er Hermine nicht aufgefallen. Doch als das zweite Mal hinsah, erkannte sie, dass Malfoy einer dieser Schüler war. Er saß alleine an einem der Tische in der hintersten Ecke der Bibliothek und es schien, als wäre er in ein Buch vertieft.

Hermine mahnte sich selbst, ihn zu ignorieren, doch wusste sie, dass sie es eh nicht schaffen würde. Fest entschlossen ging sie also zu Malfoy an den Tisch und setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber. Desinteressiert blickte dieser auf und er geriet kurz in Stocken als er sie erblickte.
"Ver**** dich Granger!" fauchte er jedoch, nachdem er sich wieder gefangen hatte.
"Erst wenn du mit mir geredet hast!" beharrte Hermine.
"Mit dir reden?" und er klang so, als hielte er sie für geistesgestört. "Ich will nicht mal mit dir an einem Tisch sitzen müssen, warum sollte ich dann mit dir reden!"
"Weil du es Ginny schuldig bist!"
"Ich bin Weasley gar nichts schuldig! Und jetzt mach, dass du Land gewinnst!"
Erneut vertiefte er sich in sein Buch, doch Hermine blieb stur sitzen und starrte sie an.
"Verdammt noch Mal Granger, ich hab keine Lust mich heute mir dir rumzuschlagen!" fuhr er sie nach einer Weile genervt an.
"Malfoy, du gehörst zu den schmierigsten und widerlichsten Typen, die ich kenne, aber ich kann einfach nicht glauben, dass sie dir so egal sein soll."
"Natürlich kannst du das nicht verstehen, du bist ja auch nur ein Schlammblut." Erwiderte dieser abschätzig.
"Sie sollte froh sein, dass sie dich los ist!" fuhr Hermine ihn nun mit hochrotem Kopf an.
Erstaunt blickte Malfoy nun zu ihr auf: "Ist sie das nicht?"
"Was interessiert dich das, schließlich ist sie dir doch egal!" und sie packte ihre Bücher zusammen und verließ die Bibliothek wieder.

~*~

Ginny lag in ihrem Bett und versuchte endlich einzuschlafen, doch gingen ihr immer noch zu viele Gedanken im Kopf herum. Zudem schmerzten ihre Augen, die mittlerweile ganz rot waren, weil sie so viel geweint hatte.
Plötzlich klackerte irgendetwas ans Fenster und sie blickte neugierig auf. Eine der Schuleulen saß draußen auf dem Fenstersims und starrte sie durch die Scheibe hindurch an.
Langsam stand Ginny auf und ging auf sie, um das Fenster zu öffnen. Kaum hatte sie dies getan, quetschte sich die Eule auch schon hindurch und landete auf ihrer Schulter. Ginny griff nun nach dem kleinen Zettel, der an ihr Bein gebunden war und löste diesen.
Als sie ihn entrollt hatte und die Schrift darauf sah, begann ihr Herz plötzlich zu rasen.
Unsicher knüllte sie das Papier wieder zusammen und verließ den Turm der Gryffindors, wobei sie die neugierige Frage ihres Bruders, wo sie hinginge, ignorierte.

Als sie die Treppe zum Keller erreichte, blieb sie kurz stehen und überlegte einen Augenblick, ob sie dies wirklich tun sollte. Sie war immer noch furchtbar wütend und verletzt, aber trotzdem kam sie nun nicht umher auch neugierig zu sein. Kurz entschlossen fasste sie neuen Mut und ging die Treppe hinab. Und gegenüber vom Treppenabsatz stand er und wartete.
Als er ihre Schritte hörte, blickte er auf. Sie konnte nicht ausmachen, ob er nervös war, er schien undurchschaubar.
"Was willst du?" fragte sie ihn, um die Stille zu durchbrechen.
Einen Augenblick lang starrte er sie nur an, als würde er erst abschätzen was er sagen wolle.
"Das, was Potter dir erzählt hat, stimmt." Und er senkte den Blick.
Ginnys Pupillen weiteten sich. "Dafür sollte ich herkommen?" fragte sie entsetzt.
"Jaah!" erwiderte Draco. "Was er dir erzählt hat, ist mein anfänglicher Plan gewesen."
"Anfänglich?" unterbrach Ginny ihn.
"Lass mich doch einfach ausreden! Du warst mir nie egal, ich mochte dich die ganze Zeit über, aber Potter eins auszuwischen schien mir wichtiger. Bis vor kurzem zumindest."
Er stockte kurz und Ginny sah ihn erwartungsvoll an.
"Ich werde Potter auf ewig hassen, genau wie dieses Schlammblut. Und deine Familie werde ich wahrscheinlich ebenfalls als minderwertig betrachten, aber trotzdem denke ich, dass ich dich liebe." Er sah nun auf und fing ihren Blick.
Ginny begann leicht zu lächeln: "Seit wann, weißt du, dass du mich liebst?"
"Seit dem ich neben dir eingeschlafen bin und mich gut gefühlt habe, als ich wieder neben dir aufgewacht bin."
"Warum hast du mich dann allein gelassen?"
Er kam nun ein Stück näher auf sie zu: "Weil mich gerade das verwirrt hat!"
"Und du glaubst, ich würde dir das jemals verzeihen?"
Nun lächelte auch er: "Ja, weil ich weiß, dass du mich liebst."
"Du hasst meine Familie und meine Freunde, denkst du wirklich, das sei es mir wert?"
"Ich werde meinem Vater von dir erzählen."
Ginny Lächeln wandelte sich in ein herzhaftes Lachen: "Und du glaubst, das macht alles wieder gut?"
"Wart ab, bis du ihn kennst", grinste Draco sie an.
"Ich werde eh keine Freunde mehr haben."
Eine Weile standen sie nur schweigend da.
"Warum sollte ich hier herkommen Draco?" sie sah sich im Korridor um.
"Weil es hier begonnen hat" erwiderte er.
"Was wir dein Vater tun, wenn du es ihm erzählst?" fragte Ginny flüsternd. "Und wann wirst du es ihm sagen?"
"Was soll er schon tun, er sitzt in Askaban. Es könnte keinen besseren Zeitpunkt geben ihm das zu erzähle". und zog sie näher an sich heran, um sie küssen.

Ende