Sprachkurs

Englisch und Sächsisch sind bekannt-
lich miteinander sehr verwandt:
"Attention" is ä Täntschen
und "mention" is ä Männschen.

Wenn man dann weiter überlegt,
erkennt man, wie sich das bewegt:
a mouse is in a house -
ä Maus is in ä Haus.

Die Buchstaben sind leicht verdreht,
doch sieht man schnell, wie sowas geht:
"How do nur zu" heißt "Guten Tag",
und weiter geht es Schlag für schlag.


Limericks

Da sprach mal ein Jüngling aus Meiche:
"Wenn ich mich verbeuge, erreiche
ich leicht mit der Nase
da unten die Straße.
... verdammt, sie klemmt fest in der Weiche!"

Da schnitt sich ein Herr in der Pfalz
beim Rasieren den Kopf mal vom Hals.
Na ja, sprach der Mann,
man gewöhne sich dran,
es stört am Büffet allenfalls.

Einst rutschte ein Jüngling in Malter
in das Wasser, erst rief: "Das ist kalt!" er,
und dann: "Gott sei Dank
werd selten ich krank!",
und danach ertrank ziemlich bald er.

Zum Frühstück bestellte im Kutterboot
der Jens für die Mutter ein Butterbrot
belegt mit nem Stier,
er reichte es ihr,
doch leider ist jetzt seine Mutter tot.

Da hatte vor Tagen in Dipps
ein Herr, der ins Bad ging, nen Schwips,
er stieg in die Wanne
und blieb drinnen danne,
das Badesalz war nämlich Gips.

Einen Volkswagenfahrer aus Klausen,
sah zu Fuß man nach Hause einst brausen:
Sein Absatz, der brannte,
so schnell, wie er rannte,
geblitzt wurde er bei bei Klipphausen.

Einst fand in der Wüste ein Lama
verblüfft eine Dose mit Cama.
Er wälzte drei Bände
und fand: nach der Wende
ersetzte man diese durch Rama.

Ich hörte, und war sehr erschrocken,
vom Doktor, mein Wasser sei trocken.
Ich solle den Tee
nicht kochen mit Schnee,
im Röntgenbild sähe er Flocken.

In der Liebe kommt Jochen nicht weit,
alldieweil, er ist immer bereit,
doch wenn er's gern hätte,
seufzt Maria, die nette:
"Jetzt nicht, es ist morgen noch Zeit!"

Einst ließ sich ein Jüngling in Wachenhain
aufs Duell mit dem dortigen Drachen ein.
Als der Drache ihn briet,
da sang er ein Lied,
ihm fielen schon dämliche Sachen ein.

Es hieß, dass der Freiherr von Brug
bei Wien einen Drachen erschlug.
Er stürzte geschwind
sich drauf wie der Wind,
doch der Drache erwies sich als Zug.

Da nahm eine Frau aus Berlin
zum Kohleanzünden Benzin.
Da machte es: Bumm!
Sie stellte sich um
und schürt jetzt als Geist den Kamin.

Da nahm eine Hausfrau vom Lande
aus dem Ofen ne Kohle und rannte
damit durch das Haus,
die ging ihr dann aus,
jedoch: alles andere brannte.


Klapphornvers

Zwei Knaben witterten Gefahr:
dem einen stand zu Berg das Haar,
so sehr war er erschrocken,
dabei trägt er doch Locken.

Zwei junge Damen in Tirol
die gingen gestern baden wohl.
Doch leider reichte vor dem Laden
die Pfütze nur bis zu den Waden.

zwei sängerinnen

zwei sängerinnen auf dem eis,
die sangen sich die stimmen heiß,
das eis, es ist geschmolzen bald,
das ließ die künstlerinnen kalt.


Haiku

Wettermacher

Das Pfauenauge
schwenkt den linken Flügel sacht.
Sturmwolken ziehen.

Naturbild

Die Landstraße lang
flattert ein Bärenspinner
auf ein Leuchten zu.


Clerihew

Zur Erklärung:
Ein Clerihew ist ein kurzer scherzhafter pseudobiographischer Vierzeiler, eine Gedichtform, die von Edmund Clerihew Bentley (1875-1956) erfunden wurde. Er besteht aus zwei Reimpaaren mit ungleichmäßiger Länge und mehr oder weniger freiem Rhythmus. Der Name der historischen Person steht dabei meist am Ende der ersten oder der zweiten Verszeile.
Der Clerihew ist eher wunderlich, schrullig, als satirisch.
Bentleys erste Verssammlung wurde 1905 veröffentlicht als "Biographie für Anfänger" und es folgten weitere 1929 und 1939. Kurz nach der Veröffentlichung seiner ersten Sammlung wurde der Name "Clerihew" für die Form übernommen. Einer der ersten Clerihews ist:

Sir Humphrey Davy
Abominated gravy.
He lived in the odium
Of having discovered sodium.
Leider ist das kaum übersetzbar. (Bedeutung etwa: Sir Humphrey Davy mag
keine Soße (bzw. kein Schmiergeld), man sagt ihm nach, er hätte Natrium
entdeckt.)

Immanuel Kant

Das Leben von Immanuel Kant
war anfangs völlig uninteressant,
doch dann sah der Meister
Geister.

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen
verabscheut Kohlen,
Nach vielen Stunden
im Fernsehen hat er das Pulver erfunden.

Pasteur

Da geschah eines Tags Herrn Pasteur
mit der Katze ein großes Malheur.
Wie kann sie erfrieren
beim Pasteurisieren!?

Angela Merkel

Angela Merkel
erklomm ein Bergel,
jetzt isse ohm,
das kannste mir gloom.

Goethe

Johann Wolfgang von Goethe
hielt Mädchen für spröde.
Er prüfte es nach,
doch keine zerbrach.

Jürgen Trittin

Jürgen Trittin
stellte Windmühlen hin.
Don Quixotte kam auf Rosinante geritten
und hat doch tatsächlich mit ihnen gestritten.

Otto Schily

Unlängst erklärte Otto Schily,
niemals verfehle er sein Ziel nie,
und sei das Ziel auch noch so groß,
er träfe nie daneben bloß.

David Hume

Der Philosoph David Hume
erwarb sich unsterblichen Ruhm,
er sprach: "Außer mir
ist niemand nicht hier."

Manfred von Ardenne

Manfred von Ardenne
sprach einst: eh ich renne,
zu sehn was da nebenan vor sich so geht,
erfind ich mir lieber ein Fernsehgerät.

Carl Zeiß

In Jena benutzte Carl Zeiß
für ein Fernrohr versehentlich Reis
anstelle von Linsen.
Als er durchschaute, musste er grinsen.


"Tierpark"


Die Riesterente (Somateria Riesterimperia)

Die Riesterente hockt im Moor
und lugt da aus dem Schlamm hervor,
die Riesterente.

Die Riesterente legt ein Ei
und brütets aus, manchmal auch zwei,
die Riesterente.

Die Riesterente schnattert laut,
wenn man zu weit nach vorne schaut,
die Riesterente.

Hier noch etwas zur Biografie des Entdeckers der Riesterente:
Freiherr Dna Mein Reniek Jeremias Hieronimus von und zu Riester wurde 1786 in der Nähe von Erewhon in Riester (von den Einheimischen "Owdnegrin" genannt) geboren und starb sehr jung bereits am 13. 4. 1825 bei dem Versuch, einen Kirschbaum hinaufzuklettern. Leider stürzte er ab. Andere sagen, die Ursache sei kein Kirschbaum,
sondern ein Minientkerner gewesen, den er versehentlich verschluckt habe.
Freiherr Dna Mein Reniek von Riester untersuchte Fauna und Flora seiner Heimat und gab die beiden heute vergessenen Werke heraus: "Die Ente und ihre Begabung zur Beeinflussung der Zukunft" und "Ente als Wahrheitskriterium".
Doch nicht diese beiden Werke machten ihn bekannt, sondernd seine Versuche, Enten mittels der "Entenpfeife" anzulocken, um sie zu untersuchen. Seine Zeichnungen und Stiche kann man heute noch im Naturkundlichen Museum von Erewhon bestaunen. Es befindet sich am Schildow-Prospekt 24.
Die von ihm entdeckte Ente wird seit einigen Jahren "Riesterente" genannt. Seit der Trockenlegung des Großen Luches ist sie sehr selten geworden, denn sie ist eine typische Sumpfente.

Das Nebelnashorn (Ceratotherium Sirenium)

Das Nebelnashorn lebte vor
des Kontinentes Eingangstor

vor Zeiten und vor Griechenland,
bevor es aus der Welt verschwand.

Das Nebelnashorn sah ein Schiff
und tarnte sich sogleich als Riff

und blies zur Warnung ein Signal,
dem Kapitän stand nun zur Wahl,

den Kurs zu ändern oder nicht.
Der Kapitän tat seine Pflicht

und fuhr in Richtung Nashorn weiter
und kam auf dessen Nahrungsleiter.

Infolge dieser Mimikry
verspürte Hunger es wohl nie.

Doch eines Tages kam ein Kutter,
das Nashorn freute sich aufs Futter,

und es verschlang mit Mann und Maus
das Schiff, und dann begann: O Graus -

(die Ratten waren schon entwichen,
und von dem Schiff davongeschlichen) -

und es verschlang mit Mann und Maus
das Schiff, und dann begann: O Graus

des Nebelnashorns letzte Stunde,
und das nur aus dem einem Grunde:

Auf diesem Schiff war eine Frau,
Xanthippe hieß sie wohl genau,

die hätte es nicht fressen sollen,
man hörte schweres Donnergrollen,

des Nashorns Magen dreht sich um,
das Schiff schwamm weiter dann herum,

das Nebelnashorn war verschieden
und gab es keines mehr hinieden.


Die Säbelzahnmaus

Grau und ruppig sieht sie aus,
langsam läuft sie durch dein Haus,
die Säbelzahnmaus.

Löcher bohrt sie in den Käse,
doch verschmäht sie Mayonäse,
die Säbelzahnmaus.

Nie geht sie in eine Falle,
doch den Käse macht sie alle,
die Säbelzahnmaus.

Niemals knappert sie an Möhren,
Käse nur kann sie betören,
die Säbelzahnmaus.

Eifrig bahnt der Säbelzahn
durch die Wand ihr eine Bahn,
der Säbelzahnmaus.


Der Rasierklingenfalter

Mein guter alter
Rasierklingenfalter
sitzt ruhig auf seinem Lampenhalter.

Ich habe das Tier
recht lange schon hier
es hilft beim Nähen der Sachen mir.

Ist mal ein Faden
zu lang mir geraten,
fliegt er sofort her und behebt den Schaden.

Er trennt die Seide,
bei ihm sind beide
Flügel so scharf wie ne Messerschneide.

Dann gebe zum Lohn ich
ihm Nektar und Honig,
und dazu hol etwas Wasser schon ich.

Ich versorge ihn gut,
denn packt ihn die Wut,
dann färbt sich die Wohnung rot wie Blut.

Mein guter alter
Rasierklingenfalter
sitzt ruhig auf seinem Lampenhalter.


Die Australische Beutelschnecke (Wegfression beutelfuellus)

Die Beutelschnecke lebt bekannt-
lich noch nicht lange hierzuland.
Bei Alice Springs war sie zu Haus
doch eines Tages riß sie aus.
Sie hing sich an ein Känguruh
im Zoo, dann an des Wärters Schuh.
Der Wärter flog, was dienstlich war,
nach Dresden hin vor einem Jahr.
In Dresden kroch sie in den Garten
mit seltenen Radieschenarten.
Da fraß sie ab erst den Spinat
und kurz darauf den Kopfsalat,
fraß reichlich aufs Geradewohl
den Rosen- und den Blumenkohl.
Im Beutel wurden groß die Kinder,
und Hunger hatten sie nicht minder.
Als prallgefüllt der Beutel war,
entließ sie eine ganze Schar,
die, da sich die Natur nicht wehrt,
im Weiteren sich stark vermehrt.
So sieht man jetzt an jeder Ecke
die Spuren einer Beutelschnecke,
in Dresden, Rostock, Prag und Wien,
in Knickebühl und in Berlin.
Durch Moskau, Hinterposemuckel,
Madrid und Bonn geht ihr Gezuckel.
Und so besteht jetzt, ohne Frage,
hier eine Beutelschneckenplage.

Die Chorallen (Heliopora Homosapiaphagensis)

Wenn Chorallen schwärmen
dringt ihr fröhlich Lärmen,
fröhlicher Gesang,
zu mir stundenlang.

Wenn Chorallen singen
ihren Kanon, dringen
Töne an mein Ohr
aus dem See hervor.

Fast wie die Sirenen
lassen sie mich sehnen,
und ich springe los
in den See so groß.

Die Chorallen schmatzen
bis sie fast schon platzen,
und dann singen sie
fröhlich wie noch nie.

Das Schlau (Sapia Pisafluencia)

Tief drin drinnen hockt in seinem Bau
das Schlau.

Im Bau hängt es den ganzen Tag
Gedanken nach.

Die klammert es in der Natur
auf eine Schnur.

Zehn Klammern wandern auf den Schutt,
sie sind kaputt.

Die Leine wird um Mitternacht
vors Haus gebracht.

Dort schwingt sie immer hin und her,
gedankenschwer.

Bis die Gedanken trocken sind
streift sie der Wind.

Dann trägt sie sie in seinen Bau
das Schlau.

 

Flammingo (Phoenicopterus dragonensis)

Flammingos sieht man heute nur
im Zoo, doch nie in der Natur.
In Käfigwänden aus Asbest,
da stößt das Tier, so man es lässt,
die Flammen aus, und es wird warm,
gewissermaßen hat das Charme.
Doch wehe, kommt es mal heraus,
dann brennt es ab dein ganzes Haus,
vom Dachgeschoß zum Fundament,
und alles brennt, und alles brennt;
drum lass es besser drin im Zoo,
und nicht heraus, das Flammingo.

Das Kastanienross (Hippocastulus Aesculanum)

Kastanienrösser findet nur
sehr selten man in der Natur,
doch nicht der Mensch, der es erschoss,
verdarb es, das Kastanienross,
zwar briet er gerne es am Spieß,
da es sich nicht gut reiten ließ,
ansonsten suchte er zu schonen
Kastanienrosspopulationen.
Es war die Schwierigkeit der Liebe
und was trotz Stacheln von ihr bliebe:
die Liebe macht bekanntlich blind,
doch nicht gefühllos, darum sind
nur wenig übrig von den Gäulen,
man hört ihr jämmerliches Heulen
bei Vollmond in der Paarungszeit,
jetzt ist es wieder mal soweit.
Die Stute spricht zu ihrem Hengst:
"Pass auf, dass du mich nicht bedrängst!"
Der Hengst erklärt: Hör zu, mein Schatz,
ich sehe, dass ich dich nicht kratz!"
Und nach dem Paarungsritual
da folgt bereits die nächste Qual.
Die Stute ruft: "Ach, wehe mir,
ich bin ein armes Muttertier,
die Stacheln von dem Embryo,
die stacheln furchtbar irgendwo.
Und wehe mir - bei der Geburt!"
Na gut. Sie hat dann doch gespurt,
weil Ärzte dann das kleine Fohlen
durch Kaiserschnitt nach außen holen.
Das Fohlen sieht beglückt die Welt
und stachelt, wie es ihm gefällt.

Die Neonsalmonelle (Salmonella Erythrozona)

Die Neonsalmonelle leuchtet
stets auf, wenn Regen sie befeuchtet.
Sie glüht dabei mit voller Kraft,
das heißt, sie schmort im eignen Saft,

wenn man sie nicht genügend kühlt.
(Sie fühlt sich dann sehr aufgewühlt
und duftet schnell als wie grilliert,
wird nicht genügend ventiliert.)

Die Neonsalmonelle reist
quer durch das Land und längs und dreist.
Wovon sie sich dabei ernährt
ist hier schon der Erwähnung wert.

Erst frisst sie Henne oder Hahn,
danach das Ferkel samt dem Span,
dann traut sie sich den Pudding zu,
verschmäht die Sohle nur vom Schuh.

Die Neonsalmonelle mampft
vom Fleischklops, wenn er nicht mehr dampft,
vom Rührei und vom Erdbeereis,
recht wohl manierlich stets und leis.

So treibt sie feine Lebensart
recht wohl gemütlich und apart.
Darum besorge auf der Stelle
dir eine Neonsalmonelle.

Du musst mit starkem Selbstvertrauen
die Sohle deiner Schuhe kauen,
dann bleibt sie Freund, wenn ich dir's sage
dir selbst auf deine alten Tage.

Die Neonsalmonelle leuchtet
stets auf, wenn Regen sie befeuchtet.
Sie glüht dabei mit voller Kraft,
das heißt, sie schmort im eignen Saft.

 

Die Ninjamotte (Tineola Ratzekahlensis)

Die Ninjamotte hält bedeckt
bei Helligkeit, was in ihr steckt.
Doch spät am Abend und zur Nacht,
da wird es an den Tag gebracht.

Sie naht und fliegt durch dichtes Laub,
und hinter ihr schwebt dunkler Staub.
Die Bäume frisst sie völlig kahl,
was übrig bleibt, war zweite Wahl.

O Mensch, der du als Held dich siehst,
pass auf, dass sie dich nicht genießt.
denn vegetarisch war sie zwar,
doch heut verschlingt sie Bär und Aar.

Sucht sie dich spät am Abend heim,
hilft dir kein Spray, kein Band mit Leim,
sie schreddert dich samt Stock und Hut
und frisst dich auf, die Mottenbrut.

Noch ist zwar völlig unbekannt,
woher sie stammt, aus welchem Land,
doch macht sich die Vermutung breit,
vom Ausland käme sie geschneit.

Die Ninjamotte hält bedeckt
bei Helligkeit, was in ihr steckt.
Doch spät am Abend und zur Nacht,
da wird es an den Tag gebracht.

Der Bellikan (Belecanus Electrofuellis)

Der Bellikan ist ziemlich laut
und streift durch Sumpf und Moor,
und weil er, was er schluckt, nicht kaut,
- stell dir das einmal vor -

da wird er da dabei nicht dick,
da bleibt er rank und schlank,
jedoch, ein feindliches Geschick,
das macht ihn beinah krank.

Er hatte Fernweh und er zog
bis hin zum Ozean,
der sich im Überschwange bog
rund um die Erdenbahn.

Er schluckt so furchtbar gerne Fisch,
ob Hering oder Schlei,
doch gestern schwamm mit viel Gezisch
ein Zitteraal herbei.

Am Anfang rief der Bellikan:
"Das schmeckt, und gut gewürzt!"
Er hätte besser dran getan
und nichts so überstürzt.

Er glüht erst einmal purpurrot,
dann gelb, und schließlich weiß,
er sprüht den Blitz in seiner Not
im ganzen Erdenkreis.

Er bellt und heult und schluckt und spuckt,
und dreht sich hin und her,
ich seh ihn, wie er ruckt und zuckt,
da brodelt auf das Meer.

Erklärung zum Bellikan (Belecanus Electrofuellis):
Der Bellikan (Belecanus Electrofuellis) ist ein besonders schönes Mitglied der Gattung Belecanus. In früheren Zeiten weit verbreitet, gibt es heute nur noch Restbestände in Südosteuropa, und eine kleine Population in Siebenbürgen in Rumänien, wo sich der Bellikan lange Zeit von Fledermäusen ernährte. Er wurde deshalb sehr verehrt, insbesondere, da die Anzahl der Echten Vampire stark zurückging. Leider ging damit aber auch die Futtergrundlage für die Bellikane in Rumänien stark zurück. Meist aber ernähren sich Bellikane von Fisch.
Die Bellikane wurden zeitweise statt Hunden gehalten, was man ja auch von Gänsen schon berichtet hat.
Die starke Verwendung von DDT und PCB und das Eindringen in die Nahrungskette führte zur Anreicherung dieser Schadstoffe und zu Unfruchtbarkeit.
Jeder, der schon einmal bei Vollmond einem Bellikan gelauscht hat, wird den Gesang niemals mehr vergessen. Wenn Musik erklingt, die einen Bellikan begeistert, dann beginnt er zu tanzen.
Es wird berichtet, dass Bellikahne sogar im Bolschoi-Ballett eingesetzt wurden im Ballett "Schwanensee". Der russische Komponist Mordred Missorski widmete ihm seine Etüde: "Eine Macht auf dem Fahlen Berge", ein Klavierstück, das später von vielen Orchestern, besonders in der Orchesterfassung von A. Rawell, aufgeführt wurde.
In den siebziger Jahren wurde die Gruppe Engelson, Fake und Hallma mit ihrer Synthesizer-Fassung des Stückes bekannt. Die Gruppe Grean-Peas setzte sich dafür ein, das Biotop bei Beltomar zu erhalten, das vom Bau eines Sägewerkes bedroht war. Was da am Ende herauskam, weiß ich leider nicht.

 

Das Trompedar in seinem Zoo
beginnt den Tag tagtäglich froh,

Trompeten tut es früh schon laut,
dass keiner ihm den Tag vergraut.

Zu Mittag lauert die Gefahr
tagtäglich auf das Trompedar,

dass es (indem es Heu verspeißt)
ein Loch in die Trompete reißt.

Doch hat es das noch nie getan,
nicht bei Bewusstsein, nicht im Wahn,

es hat auf der Trompete Platz
durchaus noch für nen Zwitscherspatz.

Der Zwitscherspatz singt ihm ins Ohr,
das kommt ihm ungewöhnlich vor,

wie andere wohl auch es täten:
das Trompedar geht zum Trompeten.

Und so vernimmt man überall
den Trommel- äh, Trompetenschall.


Ein Raddeldibuh

sitzt auf meinem Schuh
und blinzelt mir zu.

"Was machst denn da du,
du Raddeldibuh,
da auf meinem Schuh?"

"Ich knote im Nuh
den Senkel dir zu,
den Senkel vom Schuh."


Wie der Grizzly-Bär sein braunes Fell bekam

Herr Grizzly, der Bär,
liebt Nudeln sehr,
am liebsten mit Honig und Sahnelikör.

Die Nudeln, die nimmt
vom Tisch er geschwind,
doch eigentlich warn sie für Uwe bestimmt.

Dann macht er im Wald
vorm Bienenstock halt
und langt nach dem goldenen Honig bald.

Er klaut aus der Tasche
der Oma die Flasche
und nippelt und nippelt und fällt in die Asche.

Den Rausch schläft er aus,
läuft endlich nach Haus,
sein Fell sieht jetzt braun -- nicht mehr weiß aus, o Graus.


Elefantenrudel

Ein Elefantenrudel rennt zum Apfelstrudel,
auf dem Tisch steht der und duftet frisch.

Völlig ohne Messer teilen viele Esser
alle sich den Strudel brüderlich.

Nur ein winzig kleiner aber recht gemeiner
Elefant verschlingt gleich allerhand.

Wenn's die andern sehen, könn' sie's nicht verstehen,
und sie schimpfen sehr und immer mehr.

Und sie werfen Brosen auf den Gernegroßen,
hin zu seinem Bauch, dem Rüssel auch.

Die Elefanten treffen ihren frechen Neffen
mit dem Kuchenpfropf auf den Kopf.

Doch der kleine Schelm setzt gleich auf den Helm,
und mit einem Schleck ist alles weg.

Alle Elefantenonkel und die Tanten
laufen lachend raus aus dem Haus.

Und gleich hinterher rennt, ihr wisst schon wer,
auch der Kleine dann, wie er kann.


Ein Elefant
ist zum Kühlschrank gerannt,
und er klettert hinein
über Butter und Wein,
über Salat und Fisch,
über Yoghurtgemisch,
oben leuchtet das Licht,
von Eis eine Schicht
ist hinten zu sehn,
er kann kaum noch stehn,
der Elefant,
und er saugt mit dem Rüssel
aus einer Schüssel
das Wasser heraus
und spritzt es durchs Haus.
Die Türe klappt zu,
jetzt hat er Ruh
und stampft mit dem Fuß
die Pflaumen zu Mus.
Der Elefant
versucht allerhand,
denn er möchte nach Haus,
aus dem Kühlschrank heraus,
ihn stört da der Käse
und Majonäse,
Salami und Schinken,
nicht Gutes zu trinken.
Und dann schläft er ein.
Und träumt so gemein
von Dschungel und Seen.
Ich kann ihn verstehn.
Ich öffne jetzt für
den Guten die Tür.
Mit lauter Trompete
entsteigt dem Geräte
der Elefant gleich
und rennt hin zum Teich
und wäscht sich und lacht,
ich streichle ihn sacht.
Jetzt führt seine Spur
zurück zur Natur.


Tiger vom Niger

Gerade erblickt mich im Tierpark in Riga
ein Tiger vom Niger im Tierpark von Riga,
wir beide sind hungrig, nur einer wird Sieger,
der Tiger vom Niger im Tierpark von Riga,
oder auch ich.

Ich kaue, verdaue im Tierpark von Riga
den Tiger vom Niger, im Fall, ich bin Sieger,
ich kaue, verdaue den Tiger vom Niger
im Fall, ich bin Sieger im Tierpark von Riga,
und sonst frisst er mich.


Ferdinand

Ferdinand berührt die Tastatur
und er tippt und denkt: 'Wie kommt es nur,
dass ich dabei Wörter formen kann,
die die Welt verändern dann und wann?
Und wie kommt es, dass die Zeichen lenken
all mein Grübeln und mein ganzes Denken?
Zeichen bilden Wörter, ganze Sätze,
füllen Seiten, Bücher, füllen Plätze.
Nur mein Kopf, der ist vollständig hohl,
dabei ging es mir doch grad noch wohl.'


Pentalemma

Ferdinand sieht viele Möglichkeiten
seine Zeit sich sinnvoll zu vertreiben,
und er blickt durch seine Fensterscheiben
und beginnt gleich, mit sich selbst zu streiten.

Und er fragt: "Soll sie nicht lieber bleiben,
meine Zeit, statt dass ich sie verjage?
Ob ich mich das gleich, ob später frage?
Wird sie, wenn sie bleibt, mich nicht entleiben?

Es ist wahrlich eine schwere Plage,
die mich treibt, hier pausenlos zu denken.
Soll ich - soll ich nicht - mein Schicksal lenken?
Soweit kommt's, dass ich am Daumen nage."

Und er meint, das sei ein Pentalemma,
Lösung böte nur die Tante Emma.


Ferdinand und die Kultur

Ferdinand, er will Kultur genießen,
wieder mal, nach ziemlich langer Zeit,
doch zuvor muss er den Ort beschließen,
erst am Abend wäre er soweit.

Und er überlegt: geht's ins Theater --
oder geht's ins Kino an der Ecke,
in dem einen käme Hamlets Vater,
in dem andern kämpft ein wahrer Recke.

Ferdinand kann sich da nicht entscheiden,
und er denkt, er hat noch keine Karten,
will er sehen eines von den beiden
müsse er jetzt eigentlich mal starten.

Und am Ende denkt er sich dann aus:
Ich bleib hier: am schönsten ist's zu Haus.


Krisenzeiten

Robert Giffen lief mit Ferdinand
in der Krisenzeit durch grünes Land.

Ferdinand frug Robert: "Sag mir doch,
wie vermeide ich ein großes Loch

drin in meinem Magen? Sage mir:
ich bin blank, was kauf ich mir dafür?"

Robert sprach: "Wird teuerer das Brot,
kauf mehr Brot in Zeiten großer Not."

Ferdinand erkundigt sich bei Robert:
"Wirklich Brot? Hab ich das recht begriffen?"

"Wirklich Brot! ... und dazu noch dazu
einen Sack Kartoffeln, guck mal, du

brauchst als erstes, um zu überleben,
halt wohl Nahrung, und so ist das eben."

Ferdinand, der dieses überdenkt,
meint, es sei ein göttliches Geschenk,

und er sagt zu Robert: "Guck mal, hier,
mein alltäglich Brot besteht aus Bier!"


Das Gedicht

Ferdinand schrieb eben ein Gedicht
und er denkt: Nein, zeigen tu er's nicht,

denn, es sei, (er will das eben hoffen)
in der Form und auch im Inhalt offen.

Jedes Wort, das drin steht, heißt zugleich:
"Ich bin arm an Sinn, an Leere reich."

Ferdinand spricht zu sich selbst, er ahne
sein Gedicht sei allererste Sahne.

Sahne aber schafft - das soll sie auch -
isst zu viel du, einen dicken Bauch.


Der Traum

Ferdinand, soeben erst erwacht,
läuft ins Bad, die Zähne sich zu putzen,
er denkt nach, was hätt' der Traum gebracht,
wär sein Traum ihm irgendwie von Nutzen.

Denn ihm schien ein schwarzes Loch zu sein,
was er da am Himmel oben sah,
und er dachte: ja, das ist gemein:
völlig nackt steht dieses Loch da da,

und ich seh die Singularität,
hat das Loch die Kleidung abgestreift,
hat es schamhaft sich um sich gedreht,
ja, ich glaube, das man das begreift.

Eingerahmt von glühendweißen Sternen
scheint der Himmel rasch sich zu entfernen.


Antinomie

Ferdinand will seinen Bart sich schneiden,
doch zuvor muss er sich vorbereiten,

und so überlegt er, wie es geht,
während sacht er an den Spitzen dreht.

Selber machen komme nicht in Frage,
oder doch? (... er tut's nicht alle Tage.)

Und er denkt sich: Für das ganze hier
wär es gut, ich ginge zum Barbier.

Schließlich hat doch der Barbier gelernt,
wie man ohne Blut den Bart entfernt.

Außerdem besitzt er scharfe Klingen,
und so müsste ihm der Schnitt gelingen.

Ferdinand muss nur noch einen finden
und spaziert zum Dorfplatz bei den Linden.

"Wer", so fragt er, "kann den Weg mir zeigen?
"Wo nennt ein Barbier ein Haus sein eigen?"

---

Ferdinand, er will schon wieder fort,
trifft ganz unerwartet einen Lord.

"Russel, Bernard!", stellt der Lord sich vor.
Ferdinand: "Ich bin ein armer Tor!"

"Hör er", sagt Lord Russel, "es ist schwer,
lange schon steht das Geschäft hier leer.

Und dabei war in dem Laden hier
weit und breit der beste Dorfbarbier.

Und rasiert hat er, ich weiß' genau,
alle die - ganz gleich, ob Mann, ob Frau -

alle die, die sich nicht selbst rasieren -
andre nie, er würde sich genieren!"

Ferdinand, ihm ist nicht wohl dabei,
setzt sich hin und fällt in Grübelei.

Ferdinand denkt nach auf seine Art
und behält am Ende seinen Bart.


Das Schrödinger-Experiment (aus dem Buch Ferdinand)

Eine Katze sitzt auf einem Ast,
dieser biegt sich unter ihrer Last.

Schrödinger holt Gift aus einem Raum,
und er fängt die Katze ein vom Baum.

Und er hebt die Katze in ein Glas
und vom Gift auch ein gehörig' Maß.

Und die Katze zittert, weil sie friert,
und das Gift ist noch nicht aktiviert,

Wenn jedoch ein Quant die Kapsel trifft,
wird es tödlich - dann entweicht das Gift.

Und die Katze trifft ein hartes Los,
wenn auch (wichtig) in Gedanken bloß.

Ferdinand hört von der armen Katze
die im Käfig liegt auf der Matratze,

die da liegt, dem Tod entgegen geht,
für die Rettung scheint es längst zu spät.

Denn - es ist ja überall bekannt,
aus der Wendel kommt bereits ein Quant.

Ferdinand tut, was noch keiner tat,
er steigt gleichfalls in den Apparat.

Und er krault der Katze sanft den Rücken,
und die schnurrt und knurrt gleich vor Entzücken.

Beide haben vom Experiment
aber doch den größten Teil verpennt.

Und die beiden recken sich und gähnen,
und sie knirschen kräftig mit den Zähnen.

Und sie steigen aus dem Kasten raus,
und sie sehen etwas seltsam aus.

Lebend sehen beide aus wie Tote,
wenig später kommt das groß in Mode.