Die Geschichte unseres Stammes St.Paul

 

Die katholische Jugend in Grossauheim in den 20er und 30er Jahren

 

Gegen Ende der 20er Jahre fanden sich mehrere Jugendliche in der Sturmschar Wolkenburger zusammen. Diese Gruppe von jungen Männern der katholischen Pfarrjugend traf sich zum Musizieren, wanderten durch das Land und hielten Zeltlager ab.

 

Am 17.März 1932 versammelten sich die ersten Jungschärler, deren Mitgliederzahl bald auf ca. 70 Personen anstieg. Als Zeichen der Gemeinsamkeit trugen sie einheitlich blaue Hemden. Schon im darauffolgenden Jahr wuchs die Mitgliederzahl auf 150 an.

 

 

Die Gründung des Stammes

 

Im Jahre 1932 fanden sich die ersten St. Georgs Pfadfinder zusammen. Die Sturmschar Wolkenburger unterstützte die junge Pfadfindergemeinschaft, so dass schließlich einige Gründungsmitglieder des Stammes aus der Sturmschar selbst hervorgingen. Die Gründung des Stammes St.Paul Grossauheim erfolgte im September 1932. Der erste Stammesführer hieß Fritz Zeller und seine erste Gruppe nannte sich Büffel.

Die Bannerweihe fand am 9.April 1933 statt. Schon zuvor kam die Wölflingsgruppe „Rote Horde“ zustande, deren Leitung Fritz Zeller übernahm.

 

 

Verfolgungen im Dritten Reich

 

Wie alle katholischen Jugendorganisationen mussten auch die Pfadfinder in Großauheim Verurteilungen und Verbote durch das NS-Regime hinnehmen.

Aus einem vertraulichen Verordnungsblatt der Reichsjugendführung der HJ: “.. der Stabsführer nimmt Stellung zu dem Herumstrolchen und wilden Wandern an Sonn- und Feiertagen. Pfingsten soll durch den Streifendienst im ganzen Reich einmal festgestellt werden, wer an solchen Tagen wandert und welche Gruppen sich diszipliniert und welche undiszipliniert verhalten...“   

Am 27.Mai 1933 schreibt der Landrat in einem Brief: „...es wird in verschiedenen Eingaben gesagt, daß die Leute der Jugendorganisationen durch Großauheim marschieren und nicht wie vom Reichsgericht entschieden, dabei den nationalen Gruß gebrauchen, sondern durch Erheben der Hand mit drei Fingern grüßen...“

 

Ein Protokoll vom 23. August 1933 enthält folgende Bemerkung des HJ-Scharführers von Großauheim: „...Die konfessionellen Verbände haben nicht das Recht, Wehrsport zu treiben, sondern sie hätten nur zu beten. Wenn er wolle, könne er unseren Laden voll Dreck auseinanderhauen....“

Der Regierungspräsident von Kassel hatte unter dem 24. Mai 1934 zum Verbot des öffentlichen Auftretens der Jugendverbände verordnet, daß unter dieses Verbot alle Veranstaltungen fallen, die jedermann zugänglich sind, weiter das Tragen von Bundestracht bei Prozessionen, Bittgängen und sonstigen Umzügen.

Doch schon im November 1934 nahm die Pfadfinder wieder in Kluft am Jubiläum von Pfarrer Dunkel teil. Zu dieser Zeit hatte der Stamm 30 –40 Mitglieder. Die Gruppenstunden wurden in der Schwesternschule abgehalten.

1937 wurde der Stamm von Karl Wichtler übernommen. Schließlich aber konnte nicht verhindert werden, daß die katholischen Jugendverbände  zu „staatsfeindlichen Organisation“ erklärt wurden und damit ihr endgültiges Verbot erfolgte. Karl Wichtler wurde am 3. August 1937 verhaftet und das Stammesbanner beschlagnahmt.

Pfadfinderarbeit konnte während des Krieges nur noch  im Untergrund in bescheidenen Rahmen durchgeführt werden.

 

 

Neues Leben blüht aus den Trümmern – die 40er

 

Schon bald nach dem Krieg konnte mit dem Wiederaufbau des Stammes begonnen werden. 1946 erweckte Karl Wichtler den Stamm zu neuem Leben.

Mitglieder des Stammes in den ersten Nachkriegsjahren: Karl Wichtler (Feldmeister), Franz Weiß, Werner Lippert, Hans Krick

Kurat:: Anton Dunkel

 

 

Das Stammesbanner

 

Das Banner, das von den Nazis beschlagnahmt worden war, wurde von den Stammesmitgliedern schon als verloren betrachtet. Doch bei der Oktavprozession im Jahr 1946 tauchte das Banner bei den Pfadfinderinnen aus Kesselstadt wieder auf. Näturlich bemühte sich der Stamm um Karl Wichtler sofort darum, das Stammeseigentum wieder einzufordern. Die Kesselstädter Pfadfinderinnen hatten das Banner von ihrem Pfarrer erhalten, der es auf unergründlichen Wegen erhalten hatte. Das Banner sollte nun getauscht werden, da die Pfadfinderinnen keinen Bezug zum Banner hatten. Daraufhin fertigte Schwester Innozenz ein neues Banner für die Mädchen an, so daß Franz Weiß und Karl Wichtler im Sommer 1946 das wertvolle Stück eintauschen konnten.

 

 

Die 50er

 

In den 50er Jahren nahm die Mitgliederzahl des Stammes stetig zu. Zunächst bildeten sich die zwei neuen Sippen Luchs und Wolf. 1952 ließ man das Wölflingsbanner anfertigen. Peter Kaiser war der erste Gruppenführer der Wölflingsstufe nach dem Krieg. 1954 wurde Karl Wichtler von Wolfgang Botzum in seinem Amt als Stammesfeldmeister abgelöst.

 

Mitte der 50er Jahre zogen Peter und Klaus Kaiser nach Hanau und gründeten den Stamm Speerflug.

1956 ergab sich folgende Konstellation der Stammesführung:

Stammesfeldmeister: Fred Förster

Stellvertreter: Wolfgang Heinrich und Wolfgang Botzum

Wölflingsführer: Paul Lenz und Ottmar Kurzschenkel

 

Die Gruppenstunden fanden zu dieser Zeit im Alten Pfarrheim, aber auch bei den Schwestern statt. Der Stamm hatte ca. 35 Mitglieder. 1956 stieg Lilo Grafried als Wölflingsleiterin und 1957 Helga Ross als Meutenhelferin ein. Paul Lenz wurde 1958 zum Stammesfeldmeister ernannt.

 

 

Die 60er

 

1960 zählte der Stamm 26 Mitglieder. Bis 1968 ging die Mitgliederzahl zunächst auf 22 und schließlich am Ende der 60er Jahre auf nur 2 zurück. Der Stamm drohte in den gesellschaftlichen Umbrüchen dieser Jahre unterzugehen.

 

 

Die 70er

 

In den 70ern erholte sich der Stamm wieder vom Mitgliederschwund Ende der 60er Jahre. Michael Kurzschenkel leitete 1970 die erste neue Pfadfindergruppe. Schließlich gehörten 1979 wieder ca. 50 Pfadfinder in allen Altersstufen zum Stamm; und dieser Trend sollte noch weitergehen.

 

 

Die 80er

 

Unter Führung des Stammesleiters Bernhard Hombach erreichet der Stamm Anfang der Achtziger einen großen Zuspruch. Der Mitgliederstand vergrößerte sich bis 1982 auf 70 Jugendliche . Neben der Jungpfadfinderstufe gab es zwei Pfadfindergruppen, eine Roverstufe und eine Jungroverstufe.

Den Gruppen stand ein Gruppenraum von ca. 10 m² zur Verfügung. Da dieser Raum auch noch täglich von bis zu drei Gruppen genutzt wurde, mußten Gruppenstunden teilweise in nahe gelegene Gaststätten verlegt werden. Es gab auch keinen Lagerraum für Zeltmaterial oder gar einen Werkraum. Ballspiele im Hof waren verboten.

Regelmäßige Aktionen des Stammes waren die Weihnachtsfeier, die Ostereieraktion, Faschingsvorbereitungen und natürlich auch Sommerfahrten. Auch eine Stammeszeitung wurde aufgelegt

Vom 18. bis 20.06.1982 feierte der Stamm sein 5ojähriges Bestehen. Diese viel besuchte Feier bot neben einem großen Schaulager an Main und Live-Acts noch viele andere Dinge, an die sich manche von Ihnen noch gut erinnern können.

1984 bildete sich in Heilig Geist eine Siedlung, die aus einer Pfadfinder und einer Roverstufe bestand. 1987 aber mußte sie wegen Leitermangel aufgegeben werden.

 

 

Die 90er

 

Im letzten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends wuchs eine Generation unter der Stammesleitung von Stefan Hampel und Frank Nonnenmacher heran. Aus den Gruppenleitern und Rovern 80er Jahre entwickelte sich eine Mitarbeiterrunde, die auch außerhalb des Stammes einige Aufgaben übernahm, wie zum Beispiel die Organisation des alljährlichen Kirchweihfestes. Ende der 90er trat Dirk Krenzer noch als aktiver Kurat hinzu.

 

 

Odyssee 2001

 

Die Mitgliederzahl beläuft sich zu Beginn des neuen Jahrtausends auf ca. 60 Mitglieder, mit steigender Tendenz. Da auch die jetzigen Leiter in die Jahre gekommen sind, steht uns auch in nächster Zeit ein neuer Generationenwechsel bevor. Wir sind alle gespannt, was da noch alles so auf uns zukommt.

 

 

Bonsai

übrigens, des auf dem Hintergrundbild is der Karl Wichtler!!!

 

 

 

 

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