Kapitel 13
*Ally’s P.o.v.*
Ich sah ihm einen Moment lang nach. Und einen Moment lang dachte ich, dass sie es bald geschafft hätten. Dass sie mich bald hier rausgeekelt hätten. Aber Marcus hatte mir gerade diese Aufgabe gegeben und ich musste noch solange bleiben, bis das überstanden war. Obwohl ich wusste, dass sie mich nicht mochten, machte ich mir doch Sorgen um sie, denn die Briefe klangen mehr als nur ernst und ich wusste irgendwie, dass der oder die ihre Drohungen wahr machen würden. Schon lange wusste ich nämlich, dass es mir viel ausmachte, dass sie mich nicht mochten und mich hier raus haben wollten. Natürlich wünschte ich es mir nicht, dass ihnen etwas passierte, aber so etwas konnte man nun mal meistens nicht verhindern. Ich trabte langsam in mein Zimmer und legte des Koffer sorgsam auf mein Bett. Allerdings öffnete ich ihn noch nicht. War ich zu nervös? Oder hatte ich wirklich Angst nur vor meiner Pistole? Ich hatte sie seit damals nicht mehr in der Hand gehabt, nicht einmal angesehen. Sie war immer gut bei jemandem aufbewahrt gewesen bis…ja bis jetzt. Ich starrte den Koffer immer noch an, als wäre es ein ekliges Tier, als ich nach meinem Handy griff und eine Nummer wählte. Es klingelte. Dreimal…viermal. Ich begann mir schon Sorgen zu machen, als doch endlich jemand abnahm.
„Hallo?“
Es tat gut seine Stimme zu hören und mir ging es direkt viel besser und meine Nervosität legte sich.
„Hey Jase…“ lächelte ich.
„Oh Ally…hey Baby…“ erwiderte ich und ich wusste, wie er an der anderen Seit des Telefons lächelte.
„Ich dachte schon du wärst nicht da…ich wollte deine Stimme noch einmal hören.“
„Ich war…beim Training.“
Ich rechnete in Gedanken den Zeitunterschied aus und kam drauf, dass es bei ihm jetzt sieben Uhr abends sein musste. Er hatte noch nie um sieben Uhr Training gehabt. Aber wir hatten uns schon so lange nicht mehr gesehen, was wusste ich schon über seine Trainingzeiten?
„Ich vermisse dich, Jase.“ flüsterte ich, als mein Blick wieder auf den Koffer fiel.
„Baby, ich vermisse dich auch. Geht es dir schon besser…ich meine kommst du mit den Leuten besser klar?“
Ich seufzte.
„Nicht wirklich. Aber ich muss noch eine Zeit lang bleiben.“
„Wie du MUSST noch eine Zeit lang bleiben? Wenn es dir schlecht geht und du mit ihnen nicht klar kommst, dann MUSST du gar nichts.“
Ich wusste, dass er es nicht verstehen würde. Aber ich konnte ihm ja nicht verraten, warum ich nicht einfach gehen konnte.
„Doch Jase, wenigstens noch eine Zeit lang muss ich bleiben. Mach dir um mich aber keine Sorgen, ich hab Marcus hier und mit meinen Kollegen verstehe ich mich auch. Also…ich hab jemanden mit dem ich rumhängen kann.“
„Okay, wenn du meinst.“
Ich stutzte einen Moment lang. Er hatte noch nie aufgegeben. Jedenfalls nicht so leicht.
„Umm…okay…ich muss jetzt wieder. Ich wollte nur deine Stimme hören und wissen wie es dir geht.“
„Mir geht es immer besser, wenn du mich anrufst.“ flüsterte Jason zurück.
Ich lächelte.
„Ich liebe dich. Ich rufe dich wieder an sobald ich kann.“
„Liebe dich auch.“
Schweren Herzens schaltete ich mein Handy aus. Der Koffer lag immer noch da, aber nach dem Gespräch mit Jase kam er mir nur noch halb so gruselig vor. Ich setzte mich auf mein Bett und zog ihn auf meinen Schoß. Ich ließ die Schlösser aufschnappen und klappte den Deckel nach oben. Da lag sie, in mitten von Schaumstoff. Ich seufzte und nahm sie hoch. Sie fühlte sich genauso an, wie ich es in Erinnerung gehabt hatte. Ich musste mich jetzt aber zusammen reißen. Und das war auch genau das, was ich tun würde. Ich würde die ganze Sache durchstehen. Ich nahm die Patronen aus dem Koffer und rastete sie in die Waffe ein. Ich starrte einen Moment lang auf meine Uhr, stand auf und stopfte die Pistole hinten in meinen Hosenbund. Ich hatte natürlich vergessen irgendetwas wie einen Gürtel anzufordern, wo ich sie hätte hinein packen können, aber es musste wohl so gehen.
*Brian’s P.o.v.*
Gleich würden wir zur Show fahren, ich konnte es kaum erwarten wieder auf der Bühne zu stehen. Jeden Abend war das mein Highlight. Nick saß am Fußende meines Bettes und killte eine imaginäre Spielfigur nach der anderen. Ich hatte es irgendwann aufgegeben zu versuchen ihn zu schlagen. Er war mittlerweile einfach zu gut für mich geworden. Stattdessen las ich ein Buch, seit meiner Herz OP ’98 interessierte mich alles, was mit Herzproblemen zu tun hatte und ich hatte mir gerade erst ein Buch über die verschiedensten Herzprobleme plus ihren Heilungsmethoden gekauft. Als ich gerade über ein Medikament las, bemerkte ich, dass der Name mir schon immer bekannt vorgekommen war. Und da traf es mich. Dieses Medikament war auch bei Ally’s dabei gewesen, als AJ’s sie auf dem Tisch ausgeleert hatte. Sie hatte ein Herzproblem!?
„Da ist doch die eigentliche Frage, ob sie überhaupt ein Herz hat.“ murmelte ich schmunzelnd.
„Hat sie nicht, glaub mir.“ ertönte es von Nick, der nicht einmal seinen Blick vom Bildschirm weggerissen hatte.
„Ich weiß auch warum, aber du wirst das auch schnell genug noch erfahren.“
Ich hob meine rechte Augenbraue, aber fragte nicht weiter. Trotzdem nahm ich mir vor, Ally danach zu fragen. Ich würde doch ein normales Gespräch mit ihr führen können, obwohl sie uns und wir sie hassten. In diesem Moment klopfte es an der Tür.
„Herein?“
Die Tür wurde etwas schüchtern aufgeschoben und jemand mit roten Haaren steckte seinen Kopf ins Zimmer.
„Umm…ich wollte nicht stören. Wir…die Busse stehen unten. Kommt ihr bitte? Ich warte draußen…“
Und schon war sie wieder weg. Nick starrte mich einen Moment lang an, dann schweifte sein Blick wieder zur Tür.
„Was war denn mit DER los?“ fragte er.
Ich zuckte die Schultern. Ally hatte irgendwie anders gewirkt. Merkwürdig.
*Ally’s P.o.v.*
Sollte einen eine Waffe nicht irgendwie selbstbewusster machen? Und warum zum Teufel klappte das nicht bei mir und ich führte mich auf wie kleines Kind. So unterwürfig, warum war ich ihnen nicht gleich in den Arsch gekrochen und hatte um Verzeihung gebeten, dass ich überhaupt lebte und diesen Job hier angenommen hatte. ARGH. Wie mich so etwas aufregte. Ich fühlte das kalte Metal der Waffe an meinem Rücken und ließ mehrere kalte Schauer über meinen Rücken laufen. Ich trat vor der Tür von einem Fuß auf den anderen. Sie würden mich warten lassen und mir nachher die Schuld fürs zu spät kommen geben. Ich seufzte. Was konnte ich denn noch dagegen tun. Sie hassten mich und das würde auch so bleiben. Ich würde die Sache mit den Briefen aufklären und gehen. Für immer. In dem Moment öffnete sich die Tür und Brian und Nick kamen heraus, lachend so wie immer.
*Brian’s P.o.v.*
Als Nicky und ich lachend aus dem Zimmer kamen stand Ally wirklich im Flur und wartete auf uns. Sie hatte sich gegen die Flurwand gelehnt und starrte vor sich hin, mit ihrem Gedanken wohl ganz woanders. Ihr Augen schienen sich auf einen bestimmten Punkt auf der Wand festgesetzt zu haben, ohne dass dort etwas Besonderes war. Sie schien tief in Gedanken, als sie uns jedoch kommen hörte blickte sie zu uns rüber und schien wieder voll da zu sein. Was auffällig war, dass ihr Gesicht ganz weich war. Ohne jeglichen harten Züge, die sonst da waren. Sie war richtig hübsch so, wie sie da stand, so einsam in ihrer eigenen weise, plötzlich so verwundbar…argh, was dachte ich denn da? Ich schüttelte leicht meinen Kopf. Jetzt reichte es, dass ich auch noch Mitleid empfand. Nick und ich blieben vor ihr stehen, aber sie schien uns nicht bemerkt zu haben.
„Können wir endlich gehen, oder hast du vor noch weiter endlos lang auf die kahle Wand zu starren?“ meinte Nick kühl und in dem Moment kam Ally zurück aus ihrem Traumland, oder wo auch immer sie gewesen war.
Sie schüttelte ganz leicht den Kopf, als wolle sie ihre Gedanken ordnen, oder vielleicht wollte sie auch nur Nick antworten.
„Nein, natürlich nicht. Entschuldige. Wir können gehen.“ erwiderte sie leise.
Damit stieß sie sich von der Wand ab und ging langsam den Flur entlang runter zum Aufzug. Ich riss erstaunt die Augen auf und blickte ihr verwirrt nach.
*Ally’s P.o.v.*
Ich bemerkte ihre Blicke auf meinem Rücken, als ich den Flur entlang ging. Was war mit mir los? Ach, was fragte ich mich hier noch? Ich wusste es ganz genau. Sie hatten mich soweit. Ich würde diese Sache mit den Briefen zu Ende bringen und hoffentlich lösen können und dann würde ich gehen. Als wäre ich niemals hier gewesen. Das ist doch ihr Wunsch und ich bezweifelte, dass es sie überhaupt stören würde, wäre ich nicht mehr da. Ich würde mir einen neuen Job suchen. Was sollte ich mich aufregen. Ich hatte keine Chance, dass sie mich irgendwann akzeptieren würden, dass sie sich irgendwann mit mir anfreunden wollten. Ich musste mich wohl damit abfinden. Argh, das machte mich so wütend. Wie ich Nick gerade jetzt im Aufzug jetzt vor mir stehen sah, so groß und mit diesem arroganten Blick mir gegenüber auf dem Gesicht, wollte ich nichts anderes als ihm einen Tritt in seinen fetten Hintern versetzen, nur damit er diesen arroganten Blick ablegte. Aber tun konnte ich das ja nicht. Bestimmungen. Blablabla. In diesem Moment musste ich mich wirklich zusammenreißen. Aus der eben noch da gewesenen Trauer war wieder Wut geworden. Ich würde meinen Job gut machen, so dass sie keinen Grund hatten mir etwas nachzusagen. Vielleicht brauchte ich auch nur eine Situation, um ihnen zu zeigen, dass ich sie sehr wohl beschützen konnte. Ich betete leise, dass diese Situation bald kommen sollte.
Kapitel 14
*Nick’s P.o.v.*
Wie gern hätte ich ihr gerade auf ihren Kopf gespuckt, als sie neben mir im Aufzug stand. Aber tun konnte ich das ja nicht. Bestimmungen. Blablabla. Im diesem Moment musste ich mich wirklich zusammenreißen.
*Brian’s P.o.v*
Irgendwie tat sie mir ja doch leid, auch wenn ich es innerlich immer wieder abstreiten wollte. Denn was hatte sie uns getan. Was hatte sie überhaupt gemacht, um uns einen Grund zu geben, sie nicht zu mögen. Eigentlich hatte sie nichts getan. Ich seufzte. Ich und mein gutes Herz. So würde Alex es wieder ausdrücken. Aber Tatsache war, dass ich niemanden grundlos hassen konnte, so sehr ich es mir auch einreden wollte. Sie sah so allein aus, wie sie da in der Küche des Busses saß, aus dem Fenster starrend, unruhig mit ihren Fingernägeln auf den Tisch klopfend. Wir würden noch weitere zehn Minuten bis zur Konzerthalle unterwegs sein, warum sollte ich mich nicht einfach mit ihr unterhalten? Ich trat langsam in die kleine Küche und ließ mich gegenüber von ihr auf die Bank nieder. Ich sah ihr Profil einen Moment lang an. Sie schien mich allerdings nicht bemerkt zu haben. Jedenfalls dachte ich das, bis sie seufzte.
„Wie komm ich zu der Ehre, dass du dich zu mir gesetzt hast?“ fragte sie leise und drehte ihr Gesicht mir zu.
Sie starrten mich einen Moment lang an.
„Du musst dich nicht verpflichtet fühlen nett zu mir zu sein. Dass ihr mich nicht leiden könnt habt ihr ja schon zur genüge gezeigt.“
„Ich fühle mich auch gar nicht verpflichtet nett zu dir zu sein.“
Opps, hatte ich das wirklich gesagt. Und hatte ich das wirklich in diesem Ton gesagt?
Ally nickte und ihr Blick wanderte wieder nach draußen.
„Hör zu…weil ich ja dieses Herzproblem-“
„Soll ich jetzt Mitleid mit dir haben?“ unterbrach sie mich, ohne mich anzusehen.
„Nein. Ich…was ich eigentlich sagen wollte war, dieses eine Medikament, dass du nimmst, das ist doch gegen-“
„Ich weiß wogegen das ist.“ seufzte sie.
Sie hatte schöne Augen. Im Licht schimmerten sie blau-grün.
„Dann hatten wir dich wirklich in Gefahr gebracht…tut mir leid.“
Sie zuckte nur die Schultern. Sie schien über etwas nachzudenken und war in diesen Gedanken tief versunken.
„Ihr konntet es nicht wissen. Es ist egal.“
„Kann man ihn heilen?“
Sie drehte ihren Kopf wieder mir zu und sah mich wieder an. So hatte ich sie noch nie erlebt. So in sich zurückgezogen. Still. Und so in Gedanken. Über was sie wohl nachdachte?
„Den Herzfehler?“ fragte sie zurück.
Ich nickte.
„Können schon. Aber manche Menschen auf dieser Welt haben eben nicht soviel Geld, wie du oder deine „Brüder“.“
Sie sagte das letzte Wort mit einem spöttischen Unterton, der mir nicht unerkannt blieb.
„Und solange mir auch keine Verrückten meine Tabletten wegnehmen, geht es mir auch wunderbar.“
Autsch, der hatte gegessen.
„Ally…-“
„Für euch alle immer noch Miss Giacci.“
Ihre Augen starrten hart in meine.
„Und du und deine Kumpanen solltet euch langsam fertig machen, wir sind gleich bei der Halle.“
Damit war sie aufgestanden und im Inneren des Busses verschwunden.
*Ally’s P.o.v.*
Sollte der mich nicht noch einmal wagen zu nerven. Sie sollten mich einfach meine Arbeit gut machen lassen und mir dabei nicht im Weg rum stehen. Und auf die Tour zu kommen „Ich habe auch einen Herzfehler, juchhu, das macht uns zu Kollegen“! So was konnte die sich alle abschminken. ARGH. Es war alles so kompliziert. Ich seufzte. Der kalte Griff meiner Pistole drückte mir hart in den Rücken und erinnerte mich immer wieder daran, was mit diesem Ding passiert war und auch noch einmal passieren konnte. Jetzt. Oder morgen. Oder auch erst in einer Woche. Wenn sich diese Leute wirklich vorgenommen hatten zuzuschlagen dann konnte ich mich auf alles gefasst machen. Ich durfte mich aber deswegen nicht die ganze Zeit in Gedanken verlieren. Ich musste aufmerksam sein. Ich hatte ein schlechtes Gefühl wegen dieser Brief-Aktion, als wären diese Kriminellen irgendwo in meiner Nähe. Langsam zog ich meine Waffe aus meinem Hosebund und überprüfte schnell die Munition. Alles okay. Ich steckte sie schnell wieder weg.
*Nick’s P.o.v.*
DAS KONNTE DOCH WOHL NICHT SEIN. Ich sah AJ neben mir an.
*AJ’s P.o.v.*
DAS KONNTE DOCH WOHL NICHT SEIN. Ich sah Nick neben mir an.
*Ally’s P.o.v.*
In dem Moment kam der Bus am Hintereingang der Halle zum stehen und ich schleuste die Jungs zusammen mit meinem Kollegen in die Halle.
*später am Abend/nach dem Konzert*
*Nick’s P.o.v.*
„Ich hab gesehen, wie du dich heute mit IHR unterhalten hast. Hat sie dich voll gelabert?“
Brian sah zu mir rüber, nachdem ich ihn so angesprochen hatte. Er schüttelte den Kopf.
„Nein, ich hatte sie angesprochen.“
Ich starrte meinen besten Freund einen Moment lang, dann stand ich vom Bett auf.
„WAS?“ rief ich ausgelassen.
Brian und sein VERDAMMT gutes Herz. ARGH.
„Warum regst du dich so auf?“ fragte Brian gelassen zurück und sah mich an, als würde er denken, ich wäre total übergeschnappt.
„Du weißt nicht, wie sie ist. Was sie getan hat, denn wenn du es wüsstest, würdest du sie nicht mal mehr mit den Arsch ansehen.“
Brian hob erstaunt die Augenbrauen.
„Das ist das zweite Mal jetzt schon, dass du solch eine Andeutung machst. Sag es mir doch einfach.“
„Wenn Ron bloß wüsste, wen er da eingestellt hat.“ murmelte ich und ließ mich neben Brian wieder auf mein Bett fallen.
„Nick.“ rief er ungeduldig.
Ich fuhr mir einmal mit der Hand übers Gesicht und sah meinen besten Freund an. Ich seufzte.
„Okay, OKAY…aber wenn du was ausplauderst…“
„Mit wem sprichst du hier? Mit Brian, dem schweigenden Grab.“ lachte er und nahm einen Schluck Coke.
„Wenn du was ausplauderst wirst du tatsächlich zu einem schweigendem Grab.“ grinste ich, wurde aber gleich wieder ernst.
„Okay, unsere liebe Ally, Miss Super-Bodyguard, ist eine Mörderin.“
Coke spritze mir ins Gesicht. Diese stammte aus Bri’s Mund. Super. Und ich hatte gerade geduscht. Ich starrte böse zu ihm hin, als ich mir die Coke aus dem Gesicht wischte. Und Brian hing im wahrsten Sinne des Wortes der Mund offen.
*Brian’s P.o.v:*
Ich musste mich getäuscht haben. Nick konnte nicht das gesagt haben, was ich gerade gehört hatte. Ich sollte mir öfter mal die Ohren waschen. Ich wischte mir die Tropfen Coke vom Kinn und sah Nick an, der nicht wirklich glücklich aussah, dass ich in bespuckt hatte.
„Du hast nicht gerade gesagt, dass Ally eine…ich meine, dass sie jemanden UMGEBRACHT hat?“ quetschte ich aus mir heraus.
Meine Stimme klang merkwürdig gepresst und quietschig. Nick sah mir seelenruhig an und grinste.
„Doch genau das habe ich gesagt.“
Ich schüttelte kurz meinen Kopf und starrte Nick weiterhin an.
„Ich…ich mein…woher weißt du das?“
„Sie hat es mir selbst gesagt.“ gab Nick stolz zu.
Ich sah ihn zweifelnd an und hob eine Augenbraue.
„Sie kam einfach zu dir hin, wo ihr beide euch ja SO wahnsinnig gut versteht und hat gesagt: Yo Nick, weißt du was? Ich hab jemanden umgebracht. Ja, bestimmt.“
Ich lachte leise auf. Nick verdrehte die Augen.
„Nein, natürlich hat sie es MIR nicht selbst gesagt, sagen wir es so, AJ und ich waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
Er lachte wieder hämisch. Ich seufzte. Wie hatte ich mich in einem Menschen nur so täuschen können, ich mein, ich hatte nicht wirklich etwas gegen sie. Aber so…gefährdete sie uns nur. Gott, sie konnte einfach einen von uns erschießen. Sie hatte es schon einmal getan.
„Wissen es die anderen?“ fragte ich gehetzt.
Wir mussten etwas unternehmen. Wir konnten mit so jemandem doch nicht zusammen arbeiten, geschweige denn konnte uns so jemand BESCHÜTZEN. Nick schüttelte den Kopf.
„Nein, nur du, AJ und ich wissen davon. Aber wir sollten es allen erzählen und dann auf den richtigen Moment warten, um die Bombe platzen zu lassen.“ lachte Nick teuflisch.
Ich grinste nur bei dem Gedanken daran. Wer so herzlos sein konnte, dass er einen Menschen umbringen konnte, den konnte ich nicht einmal mit meinem guten Herz nett finden.
„Brian?“
„Huh?“
„Wir gehen JETZT gleich zu Kevin.“
Er lachte wieder teuflisch, mittlerweile hatte er das wirklich gut drauf. Ich stand vom Bett auf und folgte Nick.
*Ally’s P.o.v.*
Ich lag auf meinem Bett und starrte Löcher in die Decke. Ich hatte, gleich nachdem ich aus der Konzerthalle wieder da war und alle versorgt waren, versucht Jason anzurufen. Er war nicht da gewesen. Vielleicht war er auch nur mit seinen Kumpels aus. Ich vermisste ihn. Ich seufzte. Warum verlief nicht immer alles so, wie ich mir das vorstellte? Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch, als es an der Tür klopfte. Das konnte nur Marcus sein. Ich schlurfte zur Tür, meine wirren (und unglaublich nervenden) Haare aus meinem Gesicht streichend. Aber Marcus stand nicht dort.
„Miss Giacci?“ fragte ein älterer Mann, in brauner UPS Uniform und tief ins Gesicht gezogener Cappy.
„Umm ja?“ erwiderte ich ganz verwirrt.
Wer zum Teufel schickte mir denn etwas?
„Ein Telegramm für sie und ich bekomme ein Autogramm hier hin.“
Er lachte herzlich über sein kleinen Wortspiel, als er auf eine Linie wies und ich lachte aus Höflichkeit mit, als ich meine Unterschrift auf die angewiesene Linie setzte.
„Eine schöne Nacht noch.“ rief er, drückte mir einen Umschlag in die Hand und war verschwunden.
Den Umschlag genauer ansehend und nach einem Absender suchend, schloss ich meine Zimmertür wieder hinter mir. Kein Absender. Oh Gott. Ich riss ihn auf und ein einzelnes Blatt mit Maschinenschrift kam mir entgegen gefallen.
Wir haben euch im Auge
Passt auf euch auf