Wrote for the eclipse, wrote for the virgin
Died for the beauty the one in the garden
Created a kingdom, reached for the wisdom
Failed in becoming a god
(aus "Dead Boy's Poem", Nightwish)
Kapitel II
"Shh…du musst ganz still halten, Legolas."
Die junge Elbe blickte ihren kleinen Sohn liebevoll an,
als dieser fasziniert den Schmetterling betrachtete, der auf ihrer Hand saß.
"Meinst du, der kommt auch zu mir?" fragte dieser und versuchte dabei seine Lippen nicht zu bewegen.
"Bewege deine Hand ganz langsam zu meiner.", flüsterte seine Mutter und
beobachtete den blonden Elb, dessen Augen strahlten. Selten sah sie ihren Sohn in so kindlicher Freude.
Er war zu reif für sein Alter, oft zu ernst...
Doch jetzt, als er versuchte den Schmetterling auf seine Hand zu bekommen, war er nur glücklich.
Legolas betrachtete neugierig das kleine Wesen, das plötzlich mit einem Hüpfer auf seiner Hand saß.
"Mama schau!!" rief er nun ganz aufgeregt und wohl etwas zu laut, denn das schöne Tier flog von seiner Hand, gen blauen Himmel.
Glücklich blickte der kleine Elb ihm hinterher, dann kuschelte er sich in die Arme seiner Mutter.
"Mami…" fragte er leise. "War das ein Wunder?"
Sanft strich ihm seine Mutter übers Haar.
"Jedes Lebewesen ist ein Wunder, mein Sohn."
"Ich auch?" fragte der Kleine mit großen Augen.
"Ja, du auch…mein kleines Wunder."
Kaum Sonnenstrahlen erhellten den Platz weit hinter dem Schloss.
Dunkel lag er dort, umsäumt von alten, imposanten Buchen, die wie riesige Wächter wirkten.
Hier lagen sie, die Gefallenen des Krieges.
Und ganz am Ende, etwas abseits von den anderen Gräbern, war das Grab der toten Königin.
Es war größer als die anderen und ein wunderschöner grüner Setzling zierte das Grab,
während die Setzlinge der anderen Gräber noch zu klein waren, um zu blühen.
Im Düsterwald war es Brauch den Toten einen Samen in die Hand zu legen,
bevor man sie begrub. Man sagte, dass sie den Baum schützten, der daraus wuchs.
Legolas hatte sich vor das Grab seiner Mutter gekniet.
Regungslos saß er da und starrte auf das kleine Bäumchen, dass aus der Hand seiner Mutter wuchs.
Er hatte nicht geweint. Keine Träne war über seine Wange geglitten.
Nachdem er von Omit die Nachricht bekommen hatte,
war er ohne ein weiteres Wort gegangen und hatte sich auf den Weg zu den Gräbern gemacht.
Er brauchte Gewissheit.
Doch selbst als er das Grab entdeckt hatte, konnte er es noch nicht glauben.
Wollte es nicht glauben.
"Mutter…" nur flüsternd kamen seine Worte.
"Das ist nicht wahr. Es kann nicht wahr sein."
Mit zitternden Fingern strich er über die zarten Blätter des jungen Baumes.
"Ich bin zurück, Mama, ich bin wieder zuhause. Ich möchte dir so viel erzählen…"
Ein Windzug verwehte seine Worte.
"Ich liebe dich, hörst du. Ich liebe dich. Ich bin noch nicht so weit. Ich brauche dich."
Eine Träne lief nun über seine Wange, weitere folgten.
Zu gern würde er jetzt aufwachen und feststellen, dass all dies nur ein Traum war.
"Ich hätte hier bleiben sollen, richtig? Ich hätte nicht gehen dürfen.
Verdammt, ich hätte hier bleiben müssen und mein Volk beschützen. Meine Familie. Dich…"
"Prinz Legolas….?" hörte er eine Stimme hinter sich.
Er sprang auf und wischte sich seine Tränen weg.
Wie im Affekt griff er nach seinem Bogen und legte einen Pfeil an.
Als er jedoch sah, wer gekommen war, ließ er ihn wieder sinken.
Gohenad, ein Berater des Königs und langjähriger Freund der Familie,
stand etwas entfernt von ihm und blickte ihn traurig an.
Jetzt kam der ältere Elb vorsichtig ein paar Schritte auf Legolas zu.
"Ihr seid tatsächlich zurückgekehrt."
Legolas sagte nichts.
"Es tut mir Leid." meinte Gohenad und blickte auf das Grab, neben dem Legolas stand.
"Sie war tapfer, doch wir konnten nichts mehr tun."
Legolas zuckte zurück. "Wie ist es passiert?" fragte er leise.
"Sie wurde entführt, als sie auf dem Weg nach Bruchtal war, wo sie in Sicherheit sein sollte.
Orks überfielen ihren Trupp, der nur aus Wenigen bestand,
sollte die Reise doch heimlich von statten gehen.
Eure Geschwister, die mit ihr waren, konnten fliehen.
Sie kämpfte, für ihre Kinder."
Er sah Legolas lange an.
"Die Orks töteten sie nicht, sondern schleppten sie mit sich.
Wenige Tage später wurde sie wieder im Wald gefunden, bewusstlos, und als sie aufwachte,
hatte sie nur noch wenig Kraft. Die Orks hatten ihr ein tödliches Gift eingeflößt,
das sich langsam in ihrem Körper ausbreitete.
Sie kämpfte um jeden Tag, sie wollte Euch noch unbedingt sehen.
Als die Nachricht aus Gondor kam, dass Ihr gesund wieder von Eurer Reise zurückgekommen seid,
verstarb sie noch in der gleichen Nacht. Es ist erst wenige Wochen her."
Lange schwiegen sich die beiden Elben an und sahen auf das Grab.
"Lasst mich alleine."
Legolas Stimme war brüchig, doch bestimmt, als sie plötzlich die Stille durchschnitt.
"Das würde ich gern, doch Euer Vater möchte Euch so schnell wie möglich sehen.
Auch er ist sehr krank. Er wartet auf Euch."
"Legolas!"
Der Prinz wich ein paar Schritte zurück, als die Person,
die im Bett seines Vaters lag, seine knochigen Hände nach ihm ausstreckte.
Er schauderte.
Gohenad hatte ihn in dieses Zimmer geführt und gesagt, er wolle ihn jetzt mit seinem Vater allein lassen.
Doch der Elb in dem Bett konnte unmöglich sein Vater sein.
Im Bett lag ein alter, gebrechlicher Mann, dürr und ohne jegliche Kraft.
Seine Augen blickten ihn leer an und seine Haut war fahl.
Doch sein Vater war immer ein starker Mann gewesen, streng aber mit viel Herz, hatte er sein Land regiert.
Er war sorgsam mit seinen Kindern und voller Lebensfreude. Konnte er sich so verändert haben?
Der Elb in jenem Bett lächelte grimmig.
"Mein Sohn, hast du Angst vor deinem Vater? Komm näher, ich kann nicht mehr so laut reden."
Legolas schluckte und trat näher zu seinem Vater.
"Vater…wie geht es dir?" fragte er vorsichtig und setzte sich auf die Bettkante.
"Legolas, ich schwinde dahin…ich werde deiner Mutter folgen."
Wieder ein Lächeln, diesmal eines aus vollem Herzen.
Legolas Magen zog sich zusammen. Wie konnte er nur so etwas sagen?
Hatte Legolas jetzt nicht erst einen Schmerz ertragen müssen?
War der Tod seiner Mutter für die nächsten Jahre nicht genug?
Er sprang auf. "Vater, nein."
Doch Thranduil nickte nur.
"Das kannst du nicht tun. Was soll denn geschehen, wenn du nicht mehr unter uns weilst?"
Er wollte soviel hinzufügen, soviel sagen.
Er konnte nicht ohne seine Familie weiterleben, ohne seine Eltern,
die ihn im Stillen immer geleitet hatten, die er um Rat hätte fragen können…
"Legolas, du bist erwachsen."
"Nicht so weit…"
Ein Schmerz durchfuhr seine Brust, brannte wie Feuer in seinem ganzen Körper.
Er liebte seine Eltern.
"Legolas, hör mir zu."
Sein Vater setzte sich plötzlich aufrecht hin und kurz leuchteten seine Augen auf, als er Legolas am Arm packte.
"Legolas, du bist mein Ältester, mein Nachfolger. Ich überlasse dir den Thron, mein Land.
Passe gut darauf auf. Und kümmere dich um deine Geschwister, sie sind noch so jung.
Doch sie sind stark, wie ihr alle. Ich bin so stolz auf meine Familie."
Thranduil beobachtete die Augen seines Sohnes, in denen er soviel Trauer und Schmerz entdeckte.
"Vater, ich kann das nicht…"
Thranduil versuchte seinen Kummer zu verdrängen, die Schmerzen zu ignorieren, die sein Sohn hatte.
Er musste sein Vorhaben durchziehen. Es war das Beste.
So lange hatte er sich darauf vorbereitet. Dieses Gespräch würde ihn seine letzte Kraft kosten.
"Natürlich. Legolas, ich vertraue dir. Du schaffst das. Du bist stark.
Du bist der Sohn, den ich mir immer gewünscht habe, du wirst ein weiser und starker König werden,
stärker als ich es je gewesen bin."
Er fiel zurück in seine Kissen und Legolas spürte den Drang, einfach loszurennen
und alles wieder zu vergessen, was er seit seiner Ankunft hier erlebt hatte.
Doch sein Vater hielt ihn weiter fest.
"Ich habe deine Mutter mehr geliebt, als irgend jemand anderen auf dieser Welt.
Als sie ging, wusste ich, dass ich folgen musste."
Er schluckte.
"Legolas, ich habe ihr mein Herz geschenkt und sie hat es mit sich in den Tod genommen.
Und niemand kann ohne sein Herz leben. Nicht einmal wir Elben können das."
Er lächelte mühselig.
"Ich habe auf dich gewartet, wollte es dir selbst sagen.
Dich noch einmal sehen, um sicher zu sein, dass ich schon gehen kann."
Er stockte kurz, als er wieder in Legolas Augen blickten.
"Du bist so reif geworden…." meinte er dann liebevoll.
"Ich sehe es in deinen Augen.
Der dunkle Schleier der Trauer verbirgt nicht das viele Leben, das in ihnen steckt.
Weisheit und Ruhe sehe ich in ihnen, Entschlossenheit und Kraft.
Die Liebe zu allem Lebendigen und Macht sehe ich,
Macht, die dich zu einem großen Herrscher werden lässt."
"Ich will diese Macht nicht."
Thranduils Herz zog sich zusammen.
Warum musste sein Sohn es ihm so schwer machen, zu gehen?
Warum verstand er nicht, dass es für alle am besten war, wenn er ginge?
Thranduil war nicht mehr der, der er einmal gewesen war.
Der Tod seiner Frau hatte ihn schwer getroffen und ihn langsam zerstört.
Er konnte nicht mehr für seine Familie da sein,
er konnte kein Volk mehr leiten, wenn er selbst nur noch tot sein wollte.
"Vergeude diese Talente nicht, nur wegen dem Tod deines Vaters.", fuhr er eindringlich fort.
"Es wartet so viel auf dich. Und mein Volk wird dich brauchen. Was rede ich da…"
Thranduils Stimme wurde immer schwächer.
Er atmete schwer und mit zitternder Hand zog er sich einen Ring vom Finger,
den Ring, den schon alle Könige des Waldes vor ihm getragen hatten.
Mit großer Mühe streifte er ihn auf Legolas' Ringfinger, der sich nicht wehren konnte.
Zu groß war der Schock, zu tief der Schmerz.
"Dein Volk wird dich brauchen."
Legolas schaute bestürzt auf den kleinen, goldenen Ring auf seinem Finger, der ihn als König auszeichnete.
Er konnte nichts sagen, wusste, dass keines seiner Worte etwas ändern würden.
"Legolas, schau mich noch einmal an."
Legolas wandte seinen Blick von dem Ring ab und schaute in die Augen seines Vaters, die seinen einst so sehr geähnelt hatten.
"Zweifle nicht an dir." flüsterte er und blickte ihn zärtlich an.
Dann hob er seine zittrigen Finger und strich Legolas sanft über die Wange, dessen Augen sich nun mit Tränen füllten.
"Es tut mir Leid." sagte er mit brüchiger Stimme.
"Es tut mir Leid, dass ich dir diese Bürde auflaste."
Legolas nahm die Hand seines Vaters.
"Vater..."
Heiser kam dieses Wort aus seinem Mund.
"Nun, geh.", unterbrach ihn Thranduil ein letztes Mal mit seiner lauten, gebieterischen Stimme.
"Geh endlich." wiederholte er und zog seine Hand aus der seines Sohnes.
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