Kapitel V
"Sie haben versagt?"
"Das war das, was ich gerade sagte. Ja."
"Inwiefern versagt?"
"Nun, ich half nicht den Auftrag zu erfüllen, wobei ich aber auch nichts von dem Auftrag wusste."
"Erzählen Sie."
"Nun, ich beherrschte die Energiekugeln nicht gut, aber es reichte für meine Verhältnisse aus, zumindest um einen Versuch zu unternehmen Shiri zu rächen.
Ich konzentrierte mich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte und versuchte eine besonders dunkle, böse Energie zu orten."
"Wollen Sie damit sagen, Sie können Energien spüren?"
"Genau das. Wenn Sie mir nicht glauben, in Ihrem Auto sitzt ein junger Mann, um die 25 würde ich sagen. Er ist sehr nervös."
Keira starrte ihn ungläubig an.
"Das ist vollkommen korrekt."
"Natürlich ist es das."
"Erzählen Sie bitte weiter."
"Während ich also versuchte das Monster zu orten, waren zur gleichen Zeit James und Cecilia in einer Zwischenwelt.
Sie erinnern sich? Cecilia, die Hexe und James, der Mann, der alle Agenten hasste.
Ich weiß nicht, wie sie zueinander gefunden haben. Fakt ist jedenfalls, dass sie sich näher gekommen sind.
Das Problem bei der Sache war nur, dass James auf irgend eine Art und Weise plötzlich böse geworden war.
Soweit ich mich erinnere hat er auf einmal ungeheure Kräfte entwickelt.
Jedenfalls ist er zu Cecilia gegangen, sie müssen sich gestritten haben und Cecilia hat ihn dann durch einen Spiegel mit in eine Zwischenwelt genommen, soweit ich weiß, damit er in unserer Dimension keinen Schaden anrichten kann.
Womit sie aber nicht gerechnet hatte war, dass James zwar keine übernatürlichen Kräfte besaß, aber seine eh schon großen körperlichen Kräfte durch das Wechseln der Seite verstärkt wurden.
Gut, die Beiden waren nun also in einer anderen Dimension.
Ich suchte noch immer nach der bösen Energie und ich fand sie.
Nachdem ich sie fixiert hatte, teleportierte ich mich zu der Energie.
Ja, Sie haben richtig gehört, teleportiert.
Ich mochte zwar vielleicht die Energiekugeln nicht beherrschen, dafür öffnete sich mir im Training eine erstaunliche Anzahl von Alternativen.
Ich konnte alles tun, solange es nur im entferntesten mit Energie zu tun hatte.
Teleportieren beispielsweise... es geht nur um Energie.
Man muss die Energie der Person, zu der man will, suchen, finden, fixieren und seine eigene Energie dorthin übertragen und schwups! befindet man sich dort.
Genau das tat ich. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich mich so in den Gedanken der Rache reingesteigert hatte, dass ich ebenso wie James kurzzeitig die Seiten wechselte.
Es war nicht beabsichtigt, ich wollte nicht unbedingt zu der schwarzen Seite gehören.
Es war einfach so, ich wollte meine Rache und ich war davon überzeugt, ich würde sie auch bekommen.
Nun ist allgemein bekannt, dass Rache ein negatives Gefühl ist und so wandelte sich auch meine Energie von positiv zu negativ, kurz ich wurde böse.
Meine Augen wurden schwarz, wie die Nacht.
Ich dachte nicht mehr darüber nach, was ich tat. Ich wollte einfach nur Rache und so teleportierte ich mich schließlich.
Aber wider Erwarten hatte ich nicht dieses widerwärtige Monster vor mir, sondern Cecilia und James.
Aus heutiger Sicht ist es nur logisch. Ich war damals noch nicht soweit, dass ich die schwarzen Energien spezifizieren konnte,
ich suchte einfach eine böse und fand eine.
Als die Beiden dann vor mir standen und mich verwirrt anschauten, konnte ich nur lächeln.
Ich war falsch dort, aber das spielte in dem Moment keine Rolle.
Ich fühlte mich mächtig und es war ein gutes Gefühl.
Da ich keine Anstalten machte mich einzumischen oder die Beiden gar anzugreifen, ignorierten sie mich schließlich und stritten sich weiter. Ich amüsierte mich köstlich.
James Augen war ebenso schwarz wie meine und irgendwann konnte ich nicht anders, als zu bemerken:
"So gefällst du mir schon viel besser."
James antwortete nicht, hätte ich an seiner Stelle aber auch nicht getan, denn auf einmal bildete sich ein Lichtkreis in der unendlichen Dunkelheit der fremden Dimension.
Als er Schein verblasste, waren die übrigen Agenten und Lopez zu erkennen.
Wie kleine Kinder hielten sie sich an den Händen, ich hatte Mühe nicht laut loszulachen.
Stellen Sie sich das mal vor. Sieben oder acht erwachsene Menschen halten sich an der Hand, als spielten sie ein dämliches Kinderspiel. Es war die Krönung meines Amüsements.
Während die anderen versuchten James unter Kontrolle zu bekommen, schritt Joy auf mich zu. Sie war schön wie immer, aber das war das erste Mal, dass sie mich nicht vollkommen von den Socken riss.
Der Gedanke sie mit einer Handbewegung töten zu können, verursachte ein prickelndes Gefühl auf meiner Haut.
Sie starrte mich aus ihren unergründlichen Augen an und wollte wissen, was los sei.
"Nichts" antwortete ich, denn aus meiner Sicht lief alles perfekt.
Ich fühlte mich gut, besser als gut und ich spürte, dass ich meine Kraft unter Kontrolle hatte, besser als jemals zuvor.
Wie Sie sich vielleicht denken können, glaubte sie mir nicht, sie sprach mich auf meine dunklen Augen an und in ihrer Stimme schwang ein ängstlicher Ton mit.
Ob es Angst um mich oder Angst vor mir war... ich weiß es nicht, aber der Ton gefiel mir.
Es fühlte sich nicht nur gut an mächtig zu sein, es fühlte sich noch viel besser an, wenn jemand Angst vor einem hatte.
Von dem, was die anderen mit James machte, bekam ich nichts mit,
ich war viel zu sehr damit beschäftigt mir Joy vom Hals zu halten. Sie fing an mich zu nerven.
Wenn ich sage, dass es mir gut geht, dann meine ich das auch so. Wer mir nicht glaubt... bitte, selber Schuld.
Die anderen bildeten wieder einen Kreis, offensichtlich bereit für die Reise zurück in unsere Dimension.
Joy forderte mich auf ihre Hand zu nehmen, aber ich wollte nicht. Wieso sollte ich auch?
Jetzt, wo ich meine Kraft beherrschte, konnte ich überall hin. Ich konnte alles tun, was ich wollte.
Ich war stark. Schließlich griff sie sich einfach meine Hand und ehe ich mich versah,
war ich wieder in unserer Welt.Die anderen brachten sofort Abstand zwischen sich und mir.
Anscheinend war nicht ganz unentdeckt geblieben, dass nicht nur James sich verändert hatte.
Ich konnte nur lachen. Dieser Tag war bisher sehr erheiternd für mich gewesen.
Lopez sah ich nicht, ebenso wenig wie Cecilia und James.
Toller Mentor, schoß mir durch den Kopf. Lässt seine Schützlinge einfach allein mit einem Schützling, der die Seiten gewechselt hatte.
Ich hätte sie alle umbringen können, ich hätte mich nur einmal konzentrieren müssen, aber etwas in Joy's Augen hielt mich davon ab.
Sie hatten einen traurigen Glanz, der mir sagen zu wollen schien, dass sie den alten Jack zurückhaben wollte.
Ich ließ mich fallen, versank in ihren Augen und als ich wieder klar denken konnte, war ich der Alte.
Meine Augen hatten die Farbe, die sie haben sollten, das Gefühl der Macht war verschwunden und ebenso spürte ich, dass ich meine Kraft keineswegs mehr perfekt beherrschte.
Ja, das war mein erster Ausflug auf die dunkle Seite gewesen, aber es sollte bei weitem nicht mein Letzter bleiben."