Effizientes Drehen und Ausrichten von Scans

Eine eingescannte Vorlage ist niemals exakt gerade. Um das Bild mit einem Programm wie Micrografx Picture Publisher 6 auszurichten, braucht man 40 Sekunden, um als erstes die Parallelverzerrung des Schlittens zu korrigieren. Danach dauert es 1:45 Minuten, bis man den Drehwinkel durch Versuch und Irrtum an einem Ausschnitt bestimmt hat, und schließlich nochmals 30 Sekunden für das eigentliche Drehen. Vor allem das Finden des optimalen Drehwinkels kann ungeheuer auf die Nerven gehen, wenn man Dutzende von Vorlagen zu bearbeiten hat.

Das hier zum Download angebotene Freeware Programm hilft dabei, diese lästige Arbeit möglichst schnell und komfortabel hinter sich zu bringen. Das Drehen von 18 Dateien á 100 Mb ist damit in 15 Minuten erledigt, das ist fast drei Mal so schnell wie mit der Bildverarbeitung. Danach braucht er zwar nochmals 20 Minuten für die eigentliche Arbeit. Während dieser Zeit müssen Sie aber nicht am Rechner sitzen, sondern können sich mit etwas anderem beschäftigen.

Anleitung

Zur Installation wird die ZIP-Datei ausgepackt und das enthaltene EXE aufgerufen. Es trägt sich dann ins Kontextmenü von BMP-Dateien ein. Dateien im TIF-Format können leider nicht verarbeitet werden.

Um eine oder mehrere Vorlagen auszurichten, scannen sie diese ein, am besten mit 600 x 600 dpi, und speichern sie im BMP-Format ab. Die Dateien werden anschließend im Explorer ausgewählt und der Befehl Scans drehen im Kontextmenü aufgerufen. Daraufhin wird das erste Bild geladen und angezeigt.

Am linken und am oberen Rand sehen Sie zwei asymetrische Lupen, von denen eine nur in X-Richtung, die andere nur in Y-Richtung vergrößert. Durch diesen Trick erreichen Sie beim Drehen die größtmögliche Präzision und behalten gleichzeitig den Überblick über die gesamte Länge des Blattes.

Der Kreuzungspunkt der Lupen lässt sich mit der linken Maustaste verschieben. Klicken Sie auf eine Stelle, an der sich auch im Bild zwei Linien kreuzen, im Beispiel rechts an der Position A). Die beiden Lupen zeigen nun die neue Position an und Sie können erkennen, dass das Bild nach rechts gedreht werden muss.

Drücken Sie die Tasten A und S solange, bis die Linien gerade sind. Damit Sie das Bild exakt an den beiden Führungslinien ausrichten können, lassen sich die Lupen mit den Pfeiltasten pixelweise verschieben.

Wenn Sie fertig sind, sieht das Ergebnis etwa so aus wie im Bild rechts. Drücken Sie nun die Eingabetaste, um das Bild zum Drehen vorzumerken und die nächste Datei anzuzeigen. Sind alle Bilder durch, startet der eigentliche Drehvorgang.

Das war schon alles. Viel einfacher kann man es wohl nicht machen.

Tastenbelegung

Linke MaustasteKreuzungspunkt der Lupen setzen.
Rechte MaustasteGrobe Festlegung des Drehwinkels anhand einer Linie.
PfeiltastenLupen pixelweise verschieben.
A und SVorlage drehen.
Bild oben und untenVorlage horizontal kippen. Normalerweise sollte Drehen ausreichen.
Pos1Dreh- und Kippwinkel auf 0 zurücksetzen.
EingabetasteBild zum Bearbeiten vormerken.
EscOhne Bearbeiten zum nächsten Bild springen.
Alt+F4Programm sofort beenden.

Korrektur der Parallelverzerrung

Leider erfolgt die Abtastung einer Vorlage nicht exakt im Winkel von 90°, oder etwas salopp gesagt: Je billiger der Scanner, desto schiefer der Schlitten. Die Korrektur dieser Parallelverzerrung erledigt das Programm gleich mit, dazu muss es aber vorher kalibriert werden. Und das geht so.

Schnappen Sie sich ein beliebiges Din-A4 Blatt, hier im Beispiel ist es eine alte Rechnung. Scannen Sie davon die Vorder- und die Rückseite mit 600 x 600 dpi und speichern Sie die beiden Bilder als vorderseite.bmp und rückseite.bmp ab. Wählen Sie vorderseite.bmp im Explorer an und führen Sie Scans drehen im Kontextmenü aus. Die Seite wird geladen und angezeigt.

Vergewissern Sie sich als erstes, dass die Kalibrierung nicht bereits erfolgt ist, bei 1) muss eine +0.000 stehen. Ist das nicht der Fall, schließen Sie das Fenster mit Alt+F4 und löschen Sie die Datei Scans drehen.ini im Startverzeichnis des Programms. Rufen Sie dann erneut vorderseite.bmp über das Kontextmenü auf.

Normalerweise würden Sie jetzt auf 2) klicken und das Bild anhand der horizontalen Linie ausrichten. Beim Kalibrieren jedoch wird ein rechter Winkel benötigt, deshalb setzen Sie den Kreuzungspunkt der Lupen auf die linke obere Ecke, indem sie auf 3) klicken. Ist das Bild sehr schief, können Sie durch einen Rechtsklick auf 4) den Drehwinkel grob voreinstellen.

Verwenden Sie jetzt die Tasten A und S, um den linken Rand des Blattes an der Vertikalen 5) auszurichten. Mit den Pfeiltasten links und rechts können Sie die Lupe so verschieben, dass die Hilfslinie ideal zu liegen kommt.

Nachdem der Drehwinkel festgelegt wurde, muss der Kippwinkel bestimmt werden. Hierzu verschieben Sie die andere Lupe mit Pfeil oben und unten an die obere Kante des Blattes und richten diese mit Bild oben und unten an der horizontalen Hilfslinie 6) aus. Wenn Sie damit fertig sind, muss das Ergebnis etwa so aussehen wie im Bild rechts.

Normalerweise würden Sie jetzt das Bild mit der Eingabetaste drehen, doch halt: Wir wollen ja die Parallelverzerrung des Scanners kalibrieren! Dafür interessiert lediglich der bei 7) angezeigte Kippwinkel, hier sind das 0.180 Grad. Notieren Sie diese Zahl auf ein Blatt Papier und brechen Sie das Programm mit Esc ab.

Jetzt haben Sie zwar einen Korrekturwinkel ermittelt, aber was ist, wenn das verwendete Blatt Papier nicht exakt rechtwinklig war?

Um dieses Problem zu lösen, wird der Vorgang einfach nochmals wiederholt, und zwar mit der Rückseite. Wenn man anschließend den Mittelwert der beiden Werte nimmt, kürzt sich der Fehler automatisch heraus.

Gehen Sie also im Explorer auf die Datei rückseite.bmp und rufen Sie Scans drehen im Kontextmenü auf. Stellen Sie wieder zuerst mit A und S den Drehwinkel an der Senkrechten ein, und hernach mit Bild oben und unten den Kippwinkel an der Horizontalen. Der einzige Unterschied zur Vorderseite ist, dass Sie diesmal auf den rechten Rand kalibrieren müssen. Der Kreuzungspunkt der Lupen muss also an die Stelle 8) gesetzt werden.

Ist das Blatt ausgerichtet, können Sie auch hier wieder das Programm mit Esc verlassen, nachdem Sie den Kippwinkel bei 9) abgelesen und notiert haben. In diesem Beispiel sind das 0.105 Grad.

Sie haben jetzt zwei Zahlen. Davon benötigen Sie den Mittelwert, das geht am leichtesten mit einem Taschenrechner. In diesem Beispiel ist folgendes einzutippen:

.180 [+] .105 [=] [÷] 2 [=]

Macht 0.1425 als Ergebnis. Bei Ihnen kommt natürlich etwas anderes heraus. Diese Zahl ist jetzt nur noch in die Datei Scans drehen.ini einzutragen, und fertig!

[Calibration]
Tilt=0.1425

Wenn Sie das Programm das nächste Mal aufrufen, wird dieser Wert zur Kontrolle links oben angezeigt. Jetzt können Sie sicher sein, die Vorlage wirklich exakt zu reproduzieren. Sie brauchen dann im Normalfall nur noch zu Drehen. Das Kippen wird höchstens noch benötigt, falls die Vorlage schief bedruckt wurde.

Anmerkungen

1