Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/001.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/001.htmlelayedxJOKtext/htmlowb.HFri, 30 Apr 2004 18:21:51 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *J ... bis an der Welt Ende

... bis an der Welt Ende


1. Johannes 5,11 - 15
Und das ist das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, daß ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, daß er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, daß wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.

In wenigen Wochen werden abertausend Schüler und Schülerinnen in unserem Land ihr Halbjahreszeugnis in der Hand halten. Eltern und Schüler erwarten, daß die Angaben im Zeugnis wahrheitsgetreu sind, d.h. dem Entwicklungs- und Leistungsstand wirklich gerecht werden. Nichts anderes erwartet der Arbeitnehmer, wenn er seine Stelle wechselt und um ein Zeugnis bittet. Sein Engagement soll gerecht zur Sprache kommen. Und schließlich ist da die Zeugenaussage vor Gericht, auch dieses Zeugnis muß der erlebten Realität entsprechen, muß wahr sein, andernfalls macht sich der Zeuge strafbar.
Auch der Brief, dem unser Textabschnitt entnommen ist, ist auf seine Weise ein Zeugnis. Die Identität des Briefschreibers ist unter den Bibelwissenschaftlern umstritten. Sehr vieles deutet darauf hin, daß der Brief schon Mitte des ersten Jahrhunderts geschrieben worden ist. Ein Zeitgenosse Jesu ist also denkbar, vielleicht ist es sogar sein Jünger Johannes. Die Tradition hält ihn für den Autor. Die Beweislage bleibt jedoch strittig. Ich sehe in dem Autor einen Menschen, der mit dem Schicksal des Jesus aus Nazareth sehr eng vertraut gewesen sein muß.

Unmittelbar vor dem oben zitierten Textabschnitt geht es dem Briefschreiber auch um das Thema Zeugnis. Allerdings spricht er nicht von einem durch Menschen ausgestellten Zeugnis, sondern um Gottes Zeugnis von seinem Sohn. Eine zunächst befremdliche Vorstellung, wie kann Gott Zeugnis geben für seinen Sohn ? Für den Briefschreiber ist die Antwort sehr einfach: Wer dem Sohn Gottes vertraut, trägt dieses Zeugnis in sich, denn nur der Geist Gottes schafft das Vertrauen zu seinem Sohn. Wer dagegen dem Sohn misstraut, ihn ablehnt, lässt Gott zum Lügner werden, weil er dem Zeugnis Gottes für seinen Sohn, d.h. der Botschaft von Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi, nicht traut. Und wer nun diesem Zeugnis Gottes traut, der empfängt die Gewissheit ewigen Lebens. Mit anderen Worten: Wirkliches Leben hat nur der Mensch, der in geistiger Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes lebt, alles andere ist in den Augen des Briefschreibers kein wirkliches Leben. Diese rigorosen Feststellungen gehen also dem heutigen Textabschnitt unmittelbar voraus. Der Briefschreiber charakterisiert nun seine Adressaten als solche Menschen, die "das ewige Leben haben, die an den Namen des Sohnes Gottes glauben" (V. 13)
Wer sich in unseren Tagen mit diesem Brief befasst, müsste nun eigentlich für sich entscheiden, ob ihn das Folgende überhaupt angeht, denn glaubt er wirklich im oben beschriebenen Sinn an Jesus, den auferstandenen Sohn Gottes ?
Wenn der Briefschreiber nun von der Zuversicht zu Gott spricht, das auch zu empfangen, worum gebeten wird, sieht er sich mit den Empfängern des Briefes in einer Glaubensgemeinschaft. Er versichert seinen Lesern, wenn das Erbetene dem Willen Gottes entspricht, werden die Bittenden erhört. Hier nun könnte kritisch zweifelnder Geist einwenden, wie weiß der Mensch, was dem Willen Gottes entspricht ? Offenbar hat der Briefschreiber mit dieser Rückfrage gerechnet und antwortet wieder verblüffend einfach. Wer davon überzeugt ist, daß Gott Gebet erhört, der hat auch die Gewissheit, das Erbetene zu empfangen, es entspricht Gottes Willen.
An dieser Stelle schließt sich der gedankliche Kreis: Der im Menschenherzen lebendige Geist Gottes schenkt die Gewissheit der Gottessohnschaft Jesu und damit der eigenen Gotteskindschaft. Und diese Gewissheit wiederum lässt den Menschen Gott, den himmlischen Vater, vertrauensvoll um alles bitten, was dem Leben nach Gottes Willen dient. In diesem Vertrauensverhältnis kann menschliches Leben hier und jetzt zum lebendigen Zeugnis für den Geist Gottes werden wie er sich in Jesus Christus offenbart hat. Der Apostel Paulus drückt es etwa gleichzeitig in einem Brief an Christen in Korinth einmal so aus: "Ihr seid ein Brief Christi nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes (in)euren Herzen (2. Kor. 3,3).
Eingangs nannte ich den Anspruch auf Wahrheit, der an Zeugnisse erhoben wird. Christen haben den Auftrag, mit ihrem Leben d i e Wahrheit zu bezeugen, die Gott in der Menschwerdung seines Sohns, Jesus Christus, ein für allemal bezeugt hat. Diese Wahrheit kommt in den biblischen Schriften zur Sprache und jede Generation muß neu lernen, sie sich zur erschließen.


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