Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/005.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/005.htmlelayedxJOKtext/htmlowb.HFri, 30 Apr 2004 18:21:51 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *J Ein bekehrter Terrorist

Ein bekehrter Terrorist


Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen; darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht "Der Gerechte wird aus Glauben leben".

Der sog. Römerbrief, dem auch dieser Textabschnitt wieder entnommen ist, gilt in Theologenkreisen als besonders schwierig. Mit Hilfe unzähliger Kommentare und Auslegungsschriften bemüht man sich seit Generationen, dem Kirchenvolk die Anliegen des Paulus nahe zu bringen. Eine Umfrage zum Inhalt des Briefes unter Christen würde vermutlich trotzdem wenig Vertrautheit mit dieser wichtigen Schrift des Paulus erbringen. Woran kann es liegen ? Ich denke, der heutige Textabschnitt enthält einen Schlüssel zum Problem , wenn nicht d e n Schlüssel überhaupt. Paulus gibt hier nicht nur Auskunft über sein Selbstverständnis als Missionar sondern umschreibt in knapper Form seine Botschaft. Wenn wir uns diese beiden Aspekte klar gemacht haben, müssen wir uns fragen, inwieweit sie auf unsere heutige Situation übertragbar sind.
Das Selbstverständnis des Paulus - Er beschreibt sich mit seiner Botschaft als Schuldner gegenüber allen Anrainern des Mittelmeerraumes, unabhängig vom geistigen Niveau. Seine Botschaft gilt dem Philosophen in Athen genauso wie dem Fischer im Hafen von Korinth, dem römischen Ratsherrn sogut wie dem Sklaven in dessen Dienst, Männern wie Frauen, Alten wie Jungen. Jeder Zeitgenosse hat Anspruch auf die frohe Botschaft des Paulus, jedem ist er es schuldig, das Evangelium zu predigen. Schon an dieser Stelle könnten heute Einwände laut werden. Mit welcher Berechtigung wird hier der Anspruch erhoben, exklusiv das paulinische Evangelium zu predigen ? Sind da nicht auch andere Heilslehren, die ein Recht auf Verbreitung haben ? Paulus scheint mit ähnlichem Einwand auch schon zu seiner Zeit gerechnet zu haben, denn er nimmt Stellung zum Inhalt seiner Predigt und dieser ist unauflöslich mit seiner Person verbunden. Jeder Christ wusste damals, daß Paulus als Jude eine unrühmliche Vergangenheit hat, seine Aktivität als fanatischer Christenverfolger war nicht vergessen. Durch die überwältigende Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus hat er das Vertrauen in die Gnade Gottes empfangen und ist von der unvorstellbaren Kraft Gottes überzeugt. Dieser frohen Botschaft, dieses Evangeliums, schämt er sich nicht, denn es hat ihn vom Saulus zum Paulus umgewandelt. Nicht theologisches Wissen hat ihn zum Wegbereiter der Gerechtigkeit vor Gott werden lassen, im Gegenteil, er war dadurch zum frommen Terroristen geworden. Erst das Hören auf den Anruf des Auferstandenen Sohn Gottes und das Vertrauen in dessen geistliche Führung öffneten ihm die Augen für die wahre Gerechtigkeit, die im Glauben empfangen wird, wie es schon 600 Jahre vor Jesu Weg in seinem Volk der Prophet Habakuk erkannt hat: "Der Gerechte wird aus Glauben leben" (Hab. 2,4) Welche Bedeutung hat dieses Bekenntnis des Paulus für seine Briefempfänger in Rom ?
Paulus tritt dafür ein, daß mit dem Glauben an Jesu Auferstehung für Juden und Heiden ein grundlegend neues Denken einsetzt. Jesu Leben, Sterben und Auferstehen eröffnet dem einzelnen Menschen das Vertrauen in die persönlich erfahrene Gnade Gottes. Bis dahin sind Priester die Vermittler, nun ist der zu Gott erhöhte Jesus selbst für alle Menschen der Garant für Gottes neumachende Gnade. Mit Jesu Tod zerreißt im Tempel der Vorhang, d.h. der unmittelbare Zugang zum Allerheiligsten steht offen. Jesus selbst bezeichnet den Sinn seines Sterbens und Auferstehens als Neuen Bund. Vielleicht ließe sich der Vorgang mit einer zweiten Ehe vergleichen. Ehebruch eines Partners hat zum Scheitern der ersten Ehe geführt. Eine neue Ehe in partnerschaftlicher Treue lässt die Beteiligten als Liebende glücklich werden. Gott hält dem Menschen die Treue und ist bereit, auch nach dem Ehebruch einen Neuanfang zu machen. Als Beweis für diese unbegreifliche Liebe ist sein Sohn den Weg bis in den Tod gegangen.
Für die Christen in Rom, die aus heidnischer und jüdischer Tradition kommen, macht die Pauluspredigt durchaus Sinn, denn das Jesusgeschehen und die Bekehrung des Paulus liegen ja erst wenige Jahrzehnte zurück. Wie aber steht es mit uns nach fast 2000 Jahren christlicher Tradition ? Ich denke, wir müssen ganz neu begreifen, daß Gott keine Enkelkinder hat. Wir mögen noch so viel christliches Wissen haben und in entsprechenden Traditionen zu Hause sein, das Vertrauen in eine ganz persönliche Beziehung zu Jesus, den erhöhten Christus, können wir uns nur durch den Geist Gottes früher oder später schenken lassen. Es muß nicht immer so dramatisch zugehen wie bei Paulus vor Damaskus, aber den Zeitpunkt der eigenen neuen Geburt bestimmt allein der Vater im Himmel und niemand wird diesen zweiten Geburtstag je vergessen können.





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