Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/009.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/009.htmlelayedxJk(OKtext/htmlowk(b.HFri, 30 Apr 2004 18:21:51 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *Jk( Eine Frau begegnet der Wahrheit

Eine Frau begegnet der Wahrheit


Eine Vorbemerkung: Erlebtes in der vergangenen Woche hat mich bewogen, über diesen Text neu nachzudenken. Die Spanne zum zwölfjährigen Jesus ist reichlich weit, aber auch dieser Text bringt eine Antwort auf die Frage, was war das eigentlich für ein Mensch, dieser Jesus von Nazareth.

Da kam Jesus in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken ! Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau ? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. - Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken ! du bätest ihn, und der gäbe dir lebendiges Wasser. Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser ? Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat ? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten"; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muß, um zu schöpfen! Jesus spricht zu ihr: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her ! Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht geantwortet: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt. Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll". Jesus spricht zu ihr : Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet, wir wissen aber, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus hießt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet. .. Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mit alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei ! Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben: und er blieb zwei Tage da. Und noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen und sprachen zu der Frau: Von nun an glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.

Etwa 400 Jahre ist es jetzt her, da tobte auf deutschem Boden 30 Jahre lang ein blutiger Krieg zwischen katholischen und protestantischen Machthabern. Und in manchen Regionen unseres Landes wurde noch vor wenigen Jahrzehnten streng darauf geachtet, daß Kinder unterschiedlicher Konfession weder zusammen spielten noch gemeinsam unterrichtet wurden. Die jeweilige Minderheit musste um Ansehen kämpfen. Heute haben sich die Abgrenzungen oder auch Feindseligkeiten verschoben. Nicht die Angehörigen unterschiedlicher christlicher Konfessionen sondern Angehörige einer fremden Religion werden als deutsche Mitbürger häufig noch argwöhnisch gesehen. Der sogenannte "Kopftuchstreit" ist nur ein Beispiel.
Gott sei Dank, es gibt inzwischen viele Mitbürger, die um ein friedliches Miteinander religiös unterschiedlich geprägter Menschen auf vielen Ebenen bemüht sind. Aber jahrhundertelang vertiefte Gräben lassen sich nur langsam einebnen und manche lassen sich vielleicht nur durch mutige Überbrückungen von Mensch zu Mensch überwinden.
Zu Jesu Lebzeit bestand zwischen seinem Volk, den Juden, und den benachbart lebenden Samaritanern ein solch tiefer Graben. Die Feindschaft war so groß, daß Juden sich selten auf das Gebiet der Nachbarn wagten, lieber machten sie einen kilometerlangen Umweg, wenn sie aus dem Norden des Landes als Pilger nach Jerusalem reisten. Beide Völker bekannten sich zwar zum selben Gott, doch hatten die Samaritaner ihr eigenes Heiligtum und akzeptierten auch nur die fünf Bücher Mose als verbindliche Heilige Schrift. Mit den Juden gemeinsam erwarteten sie einen Messias, wenn sie damit auch andere Vorstellungen als die Juden verbanden.
Jesus scheint den Samaritanern nicht zu misstrauen, denn er wandert mit seinen Freunden durch ihr Gebiet. Er lässt sich sogar auf ein längeres Gespräch mit einer samaritanischen Frau ein, und zwar ausgerechnet an einem Brunnen mit uralter gemeinsamer Tradition. Es ist die heißeste Zeit des Tages und Jesus hat Durst. Als er die zufällig anwesende Frau um Wasser bittet, hört diese offenbar an der Sprache, woher er kommt und gibt ihrer Verwunderung Ausdruck. Auf erstaunliche Weise tastet Jesus sich im Gespräch an die aufmerksame Frau heran und konfrontiert sie schließlich mit der ganzen Wahrheit über ihr fragwürdiges Leben: Fünf Männer und auch zur Zeit eine nichteheliche Männerbeziehung. Gleichzeitig gibt sich Jesus dieser Frau als der Messias zu erkennen, von dem das "lebendige Wasser ausgeht". Er gibt ihr die Zusicherung, ihren großen Durst nach Lebendigkeit so zu stillen, daß endlich von ihr Kraftströme ausgehen. Der Frau geht das Herz auf, das alltägliche Wasserholen wird nebensächlich. Der Krug bleibt stehen, denn sie hat eine wichtigere Botschaft ins Dorf zu tragen. Ihr ist ein Mensch begegnet, der der Messias sein könnte. Er hat ihr zwar die volle Wahrheit über ihr Leben gesagt, sie jedoch nicht entwürdigt. Die neugierig gewordenen Mitmenschen kommen nach der Begegnung mit Jesus selbst zu der Erkenntnis, er ist der Messias, der Heiland der Welt. Durch Jesu Zuwendung und offenes Bekenntnis ist zu den feindlichen Samaritanern ein verlässlicher Brückenschlag gelungen.
Ich halte diese Geschichte für ein kaum zu überbietendes Vorbild, wie die eingangs genannten Gräben zwischen Konfessionen und Religionen Schritt für Schritt im Namen Jesu Christi, d.h. im Geist Gottes, zu überwinden sind: Unvoreingenommenheit, Zuwendung, Offenheit und Wahrhaftigkeit müssen die Kommunikation leiten. Ferner hilft die Besinnung auf gemeinsame Wurzeln, hier ist es die Erinnerung an den gemeinsamen Vorfahren Jakob. Jesus hätte guten Grund gehabt, sich bald wieder in vertrauteres jüdisches Gebiet zu begeben. Nein, er entspricht der Bitte der Dorfbewohner und bleibt noch zwei Tage bei ihnen, um ihnen Rede und Antwort zu stehen. Am Ende hat sein Wort den trennenden Graben endgültig überwunden, die Menschen "haben selber gehört und erkannt, dieser ist wahrlich der Welt Heiland". Es ist den Menschen klar geworden: Gott muß weder im samaritanischen Heiligtum auf dem Berg Garizim noch im Heiligtum der Juden im Tempel in Jerusalem angebetet werden, denn "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten". Welche Befreiung liegt bis heute in diesem Jesus-Wort: Weder Rom noch Jerusalem noch Mekka noch sonst ein "heiliger" Ort kann als Anbetungsort Anspruch auf religiösen Vorrang erheben, denn Gott ist Geist und "der weht wo er will" (Joh. 3,8) und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.





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