Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/010.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/010.htmlelayedxJ OKtext/htmlw b.HFri, 30 Apr 2004 18:21:51 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *J Fasten, wie und warum?

Fasten, wie und warum?


Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel und deine Jünger fasten nicht ? Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist ? Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten. Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reißt doch wieder vom Kleid ab, und der Riß wird ärger. Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben. Sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei - die Tollitäten haben abgedankt, Masken und Kostüme ausgedient, der graue Alltag bestimmt wieder das Leben. Die siebenwöchige Fastenzeit ist eingeläutet worden. Fromme Katholiken zeigen durch ein Aschenkreuzchen auf der Stirn ihre Bußgesinnung an. Aber nicht nur sie, auch viele Protestanten nehmen die Fastenzeit ernst und wollen in den Wochen bis Ostern auf diese oder jene Weise Verzicht üben. Doch diese Leute bleiben eine kleine Minderheit. Die große Mehrheit verbindet mit "Fasten" nur die Vorstellung von Nahrungsverzicht bei Gewichtsproblemen. Dabei ist das Fasten wohl so alt wie die Menschheit, denn bei genügend Flüssigkeitszufuhr steht die heilsame Wirkung des Fastens auf den menschlichen Organismus außer Frage und darum sind Fastenübungen in fast allen Weltreligionen zu finden und dienen zur körperlichen und seelischen Erneuerung. Spielt diese Form des Fastens auch im Leben Jesu eine Rolle ? Zweifellos ja. Noch ehe er an die Öffentlichkeit tritt, macht ein Verwandter von ihm, Johannes der Täufer, von sich reden. In Scharen läuft das Volk ihm zu und lauscht seiner Verkündigung vom bevorstehenden Anbruch der Gottesherrschaft. Schon seit Jahren hat dieser Mann in der Wüste gelebt, sich nur von Heuschrecken und wildem Honig ernährt und auch seine Anhänger fasten lassen. Jesus ist diesem asketischen Prediger begegnet und lässt sich in Solidarität mit dem Volk von ihm taufen, eine Erneuerung des Bekenntnisses zum Gott Israels. Und da geschieht das Erstaunliche: In einer Vision empfängt Jesus die Bestätigung seiner Gottessohnschaft und wird unmittelbar darauf 40 Tage lang in die Wüste geführt. Das bedeutet 40 Tage fasten. Als der Mangel an Nahrung ihm ernsthaft zu schaffen macht, gerät er in große geistige Versuchung. Sein großer Gegenspieler - die Bibel nennt ihn Satan - provoziert ihn, seine Vollmacht als Sohn Gottes für widergöttliche Machtdemonstrationen zu missbrauchen. Kraft des Geistes Gottes hält Jesus den Versuchungen stand und wird so zum verlässlichen Beistand all derer, die in seinem Namen Versuchungen zu widerstehen haben. Nach dieser einmaligen Wüsten- und Fastenzeit beginnt Jesu öffentliche und vollmächtige Wirksamkeit.
Noch zu seinen Lebzeiten wundern sich die Menschen in seinem Umfeld, daß weder er noch seine Freunde Fastenzeiten einhalten. Vor allem die Jünger des Wüstenpredigers Johannes können dies nicht verstehen und fragen Jesus nach dem Grund. Er antwortet ihnen in zwei aufschlussreichen Bildern. Da ist einmal das aufgetragene Kleid und dann die veralteten Weinschläuche. Ein Ziegenbalg hat nun mal eine begrenzte Lebensdauer. Ein Flicken aus neuem Gewebe hätte im veralteten keinen Halt und am Ende ist der Schade größer als vorher. Und neuer, frischer Wein könnte die verbrauchten Weinschläuche zum Platzen bringen. Sowohl der Wein als auch die Schläuche wären schließlich unbrauchbar. Was will Jesus mit diesen Bildern sagen ? Seine Person steht für das völlig neue Leben aus dem Geist Gottes. Es verträgt sich mit überlebten, alten Strukturen so wenig wie Hochzeitsfreude mit Totenklage.
Mit dem Aufruf des Johannes in der Wüste werden die Menschen ermutigt, ihr Leben nach Gottes Willen neu auszurichten. Johannes ist die Stimme in der Wüste, die dem Christus den Weg bereitet. Auf diesem Weg macht das Fasten Sinn, Altes soll überwunden werden. Mit Jesu Auftreten kommt Gottes Geist ganz neu zu Wort. Wer ihm nachfolgt, hat allen Grund, sich zu freuen, denn Jesus vergleicht sich selbst mit einem lang erwarteten Bräutigam, der seine Braut "erlöst". Die geladenen Hochzeitsgäste können und sollen nicht mehr fasten, sie dürfen den Beginn eines neuen Lebens in Gemeinschaft mit Gott fröhlich feiern.
Den heute noch eingehaltenen sieben Fastenwochen vor dem Osterfest liegt also ein alter biblischer Sinn zugrunde: Sie sollen der Vorbereitung auf das Neuwerden im Geist Jesu, des auferstandenen Sohnes Gottes dienen.
Johannes, der Wüstenprediger, wurde nicht müde, seinen Hörern ernsthaft ins Gewissen zu reden, um sie auf den Weg der Gebote Gottes zurückzubringen. In unseren Tagen ist diese Praxis auch in Kirchen etwas aus der Mode gekommen. Aber vielleicht ist eine solche geistliche Vorbereitung auf die frohe Botschaft des christlichen Auferstehungsfestes doch sinnstiftender als das reichliche Angebot österlicher Naschereien und Dekorationen in fast jedem Kaufhaus.
Und wie sollen wir es nun mit dem Fasten halten ? Jesus antwortet nicht nur mit den Bildern vom neuen Leben, er sagt auch Zeiten voraus, "in denen der Bräutigam von (uns) genommen wird", dann werden auch seine Jünger fasten. Ich denke, ein vernünftiger Verzicht auf lieb gewordene Gewohnheiten, die uns hindern könnten, in der Nachfolge Jesu als seine Jünger und Jüngerinnen zu leben, kann den Weg frei machen für ein Neuwerden im Geist des auferstandenen Jesus Christus. Die Wochen vor Ostern bieten sich für diese Besinnung an, aber eigentlich ist es zu jeder Zeit eine gute Übung, denn im Unterschied zu den ersten Zeugen des Auferstandenen haben wir unsere Gemeinschaft mit ihm im Glauben, und der wird auf vielfache Weise angefochten.. Darum hat Jesus selbst uns gelehrt, im Vaterunser zu beten "führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen".





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