Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/012.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/012.htmlelayedxJOKtext/htmlwb.HFri, 30 Apr 2004 18:21:51 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *J Ablehnung

Ablehnung


Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen ? Es gleicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder !

Ein seit langem angekündigter und sehnsüchtig erwarteter Mensch kommt endlich auch in seiner engeren Heimat zu Wort. Geschichten über sein Auftreten sind in aller Munde. Einerseits sind die Menschen begeistert und himmeln ihn als Kultfigur an, andererseits kommt es zu wütenden Tumulten. Es geht ihm der Ruf als begnadeter Heiler voraus, als faszinierender Talkmaster und als gefürchteter Gesellschaftskritiker, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Natürlich sind "Reporter" bemüht, an den Menschen für ein authentisches Interview so nah wie möglich heranzukommen. Von einer entsprechenden Szene erzählt der heutige biblische Text. Johannes, der Prophet in der Wüste, der Jesus getauft hatte, ist inzwischen inhaftiert worden wegen Majestätsbeleidigung. Er hatte dem Landesherrn die Übertretung von geltendem Gesetz nachgewiesen. Die durch das Auftreten des Johannes bereits verunsicherten Glaubenswächter schauen nun umso kritischer auf Jesus und schicken verlässliche Leute ins Land, um das Wirken des immer bekannter werdenden Mannes aus Nazareth zu überprüfen. In unseren Tagen tun das Journalisten, sie recherchieren für entsprechende Reportagen. Jesus, der umstrittene Lehrer reagiert auf seine Beobachter in einer für ihn sehr typischen Art. Er spricht zu ihnen in Bildern. Nicht eben schmeichelhaft sieht er seine Zeitgenossen als missmutige Kinder. Weder fröhliche Tanzmusik noch zu Herzen gehende Klage kann sie in Bewegung bringen. Wer orientalisches Leben ein wenig kennt, weiß, daß dort Freude und Trauer in mannigfaltiger Weise intensiv zum Ausdruck kommen. Jesus muß jedoch feststellen, daß die frei machende Botschaft von der Erlösung , die er dem bedrückten Volk in Wort und Tat bringt, die Herzen der amtierenden Geistlichkeit nicht zu bewegen vermag. Zu seiner Musik kennen sie weder Tanz noch Trauer.
Um ganz deutlich zu machen, was er meint, erinnert er seine Beobachter an Johannes, den Täufer. Sein auffälliges Fasten in der Wüste hatte ihm den Ruf geistiger Verwirrung eingebracht. Jesu normale Lebensführung und die gelegentliche Teilnahme an fröhlicher Tischgemeinschaft mit den aus der Gesellschaft Ausgestoßenen bringt ihn in den Ruf eines "Fressers" und "Weinsäufers". Diese Einschätzung des Täufers einerseits und seiner Person andererseits gibt Jesus deutlich zu verstehen: Sie haben keine Ahnung, wer wirklich vor ihnen steht. Diese Erkenntnis ist schmerzlich.
Gehört dieses traurige Fazit Jesu wirklich nur in die Zeit vor 2000 Jahren ? Könnte es nicht sein, daß Jesus und mit ihm seine Nachfolger in unseren Tagen ähnlich verkannt werden ? Immer dann, wenn der Geist Gottes, wie er in Jesus Mensch geworden ist, ganz ungehindert zum Durchbruch kommen will, sehen sich amtliche Glaubenswächter auf den Plan gerufen. Anstatt fröhlich im Namen Jesu und zu seiner Musik zu feiern und zu tanzen oder von ihnen mitverschuldetes Leid von Herzen klagend zu bereuen, werden eigene Glaubensbastionen mit allen Mitteln verteidigt.
Welche Enttäuschung, wenn Fans sich von einem Star schließlich abwenden, weil das Programm nicht mehr den eigenen Vorstellungen entspricht. Jesus bleibt seinem Programm dennoch treu, d.h.der Verwirklichung von Gottes Geist in Wort und Tat, wohl wissend, daß es seinen gewaltsamen Tod bedeuten wird. Auf seine angekündigte Auferstehung am dritten Tag vermag sich kaum einer ernsthaft zu verlassen..


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