Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/014.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/014.htmlelayedxJOKtext/htmlwb.HFri, 30 Apr 2004 18:27:34 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *J Verschwenderische Liebe

Verschwenderische Liebe


Und als Jesus in Bethanien war im Haus Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls ? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Laßt sie in Frieden ! Was betrübt ihr sie ? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Angesichts des teuren Blumenschmucks zur Beerdigung eines Mitmenschen mag mancher oder manche von uns schon einmal gedacht haben: Hat der oder die Verstorbene wohl einen Bruchteil dieser vergänglichen Liebesbeweise zu Lebzeiten empfangen ? Ja vielleicht wird insgeheim auch kalkuliert, wie viel Geld da nach kurzer Zeit auf dem Kompost landet, während viele Bedürftige in einer Suppenküche Schlange stehen müssen. Solche Überlegungen sind nicht neu und führen mitten in das Geschehen, das der heutige Textabschnitt bezeugt. Allerdings besteht zwischen der Blumenfülle am Sarg eines Verstorbenen und dem Liebesbeweis für Jesus im Haus eines Menschen, den er vermutlich von Lepra geheilt hat, ein sehr bedeutsamer Unterschied. Jesus ist lebendig, wenn auch seine engsten Freunde über seine unmittelbar bevorstehende Auslieferung in die Hände der Gegner Bescheid wissen. Jesu Tod ist beschlossene Sache. Die Zusammenkunft im Haus Simon des Aussätzigen kann eine Art Abschiedstreffen sein, zu dem dieser Geheilte Jesus und seine Freunde eingeladen hat. Vermutlich ist es - wie damals gang und gäbe - eine Männergesellschaft. In diese sicherlich ernst gestimmte Versammlung mischt sich plötzlich eine offensichtlich wohlhabende Frau. Wahrscheinlich ist sie allen Anwesenden bekannt, denn Bethanien ist ein kleines Dorf.
Selbstbewußt geht die Frau auf Jesus zu, holt eine kleine Amphore hervor und öffnet sie. Augenblicklich verbreitet sich ein wunderbarer Duft im ganzen Raum. Schweigend salbt sie nun Jesu Kopf mit dem herrlich duftenden Öl. Empörte Unruhe entsteht unter den Männern. Kenner wissen, daß der Wert dieses Öls dem Jahresverdienst eines Arbeiters entspricht. Wie kann diese Frau nur so verschwenderisch handeln ? Die Gesellschaft macht ihr entsprechende Vorwürfe. Bis sich Jesus zu Wort meldet. Liebevoll nimmt er die Frau in Schutz : "Laßt sie in Frieden! Was betrübt ihr sie ? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis". Warum finden wir diese Begebenheit in den vier Evangelien ?

In der westlichen Welt kennen wir nur die Sitte des Blumenschmucks am Grab. Im Orient war es - zu mindest für königliche Verstorbene - üblich, den Leichnam einzubalsamieren. Es entsprach der Vorstellung, den Verstorbenen so für das Jenseits zu bewahren. Darüber hinaus ist es alter Brauch, einen König zum Zeichen seiner Königswürde zu salben. So hat im Judentum der Prophet Samuel den jungen David gesalbt, und Jesus gilt als legitimer Nachkomme dieses berühmten israelitischen Königs. Das Geschehen im Haus des geheilten Aussätzigen zeigt deutlich, daß die Frau in Jesus den Christus (Messias) erkannt hat und sich durch die öffentliche Salbung zu ihm bekennt. Wenn Jesus von der Salbung zu seinem Begräbnis spricht, deutet er damit sehr klar seine Auferstehung als Christus an, d.h. Tod und Verwesung werden keine Macht über ihn haben. Die Erfüllung dieser Verheißung soll in aller Welt als Evangelium, als Frohbotschaft, verkündigt werden. Die Salbung Jesu zum Christus durch eine Frau wird als Beispiel praktizierten Glaubens mit zur Sprache kommen. Und waren es durch die Jahrhunderte nicht immer wieder Frauen, die dem Christus in todgeweihten Menschen gedient haben ? Ich erinnere nur an Mutter Teresa. Aber Gott sei Dank haben längst auch Männer erkannt, welcher Segen auf dem Dienst an Leidenden und Sterbenden liegt.

Wenn wir also unseren Verstorbenen durch Blumen Ehre erweisen, dann müssen wir auch Sorge tragen, daß ihr Gedächtnis unter uns lebendig bleibt Der Aufwand für üppigen Blumenschmuck könnte sich sonst am Ende doch als Verschwendung erweisen Das im Friedhofsbereich unübersehbare Kreuz wäre ein nichtssagendes Todessymbol. Dagegen heißt es schon in der hebräischen Bibel bei Jesaja "Aber deine Toten werden leben". (Jes. 26, 19) Dieses Dennoch des Glaubens als Inschrift auf einem Grabkreuz wandelt dies zum Symbol ewigen Lebens und damit zum Siegeszeichen im Namen Jesu Christi. Wir sollten viel öfter den Mut haben, wie jene Frau angesichts tödlicher Bedrohung verschwenderisch zu lieben.


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