Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/015.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/015.htmlelayedxJOKtext/htmlowb.HFri, 30 Apr 2004 18:27:34 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *J Nächstenliebe - eine Falle?

Nächstenliebe - eine Falle?


Da gebot er seinen Jüngern, niemanden zu sagen, daß er der Christus sei. Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen . Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach; Gott bewahre dich, Herr ! Das widerfahre dir nur nicht ! Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich , sondern was menschlich ist.

Wer erinnert sich nicht an spannende Erzählungen vom unerkannten Königskind ? Da sind der unansehnliche Frosch, das verhexte Töchterchen Rapunzel, das verachtete Aschenputtel und viele andere Geschichten von verkannten Menschen bzw. Königskindern. Die Tatsache der Blindheit für das wahre Wesen des Gegenüber scheint die Menschheit seit ihren Anfängen umzutreiben. Auf die Frage, für wen die besten Freunde denn Jesus halten., gibt ihr Anführer Simon die Antwort "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn." Damit bekennt dieser Anhänger im Namen seiner Kollegen: Du bist der seit Generationen in diesem Volk erwartete wahre König, Du bist der Friedensherrscher aller Menschen.
Erstaunlicherweise bestätigt Jesus dieses Bekenntnis.
Gleichzeitig besteht er darauf, daß niemand seiner Freunde diese Erkenntnis verbleiten soll.
In unseren Tagen wird auf Parteitagen, in Kirchenparlamenten, auf Wirtschaftskongressen und in zig anderen Organisationen mehr oder minder verzweifelt nach Hoffnungsträgern Ausschau gehalten. Sobald eine Person als Kandidat/in geeignet scheint und dem Wählervolk glaubhaft versichert, alles nur Denkbare zu tun, um die in ihn/sie gesetzten Hoffnungen zu erfüllen, erhält dieser Mensch die erforderliche Bestätigung und darf sich in seiner Machtposition sonnen.
Jesus versagt es seinen Anhängern, ihn auf den Schild zu heben. Im Gegenteil, er macht seine Anhänger mit seinem unausweichlichen Scheitern vertraut. Er wird sehr konkret: Er wird unter den führenden theologischen und religiösen Führern des Volkes leiden müssen; es wird zu seiner Hinrichtung führen. Doch am dritten Tag wird er auferstehen.
Dieses Wort des geliebten Rabbi (Lehrers) ist für Simon Petrus zu viel. Wie kann der geliebte Sohn des lebendigen Gottes so negativ über sich selbst sprechen ?
Simon fällt dem Rabbi geradezu ins Wort: " Du und getötet werden ? Das widerfahre dir nur ja nicht: Gott, der Herr, bewahre dich !" Offenbar geht Jesus unbeeindruckt weiter in Richtung Jerusalem. Denn er muß sich umwenden, um seinen treusten Anhänger, Simon Petrus, mit seiner Antwort zu erreichen. "Geh weg von mir, Satan ! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist."
Welches Wort für den, der noch kurz zuvor den Durchblick hatte, der den Hoffnungsträger klar erkannt hat.
Ja, haben wir es, hier wieder einmal mit märchenhafter Schau zu tun, nur eben leider in umgekehrter Richtung ? Oder begegnet uns hier ein durch und durch aufrichtiger Mensch, der für seinen Hoffnungsträger auch noch das letzte Hemd gibt ?
Wie aber ist es dann zu verstehen, daß der bedrohte Hoffnungsträger von einer Aktion des Bösen (des Satan) spricht, wenn der Verteidiger sich für die Bewahrung des Hoffnungsträgers vor tödlicher Bedrohung einsetzt ?
Noch gegenwärtiger lautet die Frage: Bedeutet militärische (gewalttätige) Bewahrung vor tödlicher Bedrohung auch heute Pakt mit dem Satan (dem Hinderer) ?
In der Haltung des Simon Petrus liegt der Ausdruck praktizierter Nächstenliebe .
Jesu Wort, satanischer Geist habe Petrus zu seinem bewahrenden Engagement bewogen, ist und bleibt für wohlmeinende Gläubige ein Ärgernis. Das Bedürfnis, geliebte Hoffnungsträger vor Leiden zu bewahren, ist dem Menschen eingeboren. Dennoch gilt es, auch dieses Wort Jesu sehr, sehr ernst zu nehmen. Niemand von uns hat ein Recht, seinen Mitmenschen aus "Nächstenliebe" zu hindern, den Weg zu gehen, den Gott (das Leben) für ihn vorgesehen hat. Jesus spricht vom Satan, in unserer Sprache ist es der Hinderer,. Und vielleicht müssen wir unser aller Tun darauf hin überprüfen, ob wir hindernd sind für den Geist, der Totes zum Leben erwecken will.
Jesus wusste, sein gewaltsames Sterben war unausweichlich. Zugleich wusste er, daß sein Vater ihn nicht im Tode lassen würde. Das ist die Spannung, in der Christen seit Jahrhunder- ten sich besinnen auf das Leiden und Sterben ihres Herrn .


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