Hde.geocities.com/sonntagsgedanken/021.htmlde.geocities.com/sonntagsgedanken/021.htmlelayedxJNOKtext/htmlwNb.HFri, 07 May 2004 15:37:01 GMT Mozilla/4.5 (compatible; HTTrack 3.0x; Windows 98)en, *JN Gotteshaus - eine Räuberhöhle?

Gotteshaus - eine Räuberhöhle?


Gotteshaus - eine Räuberhöhle?

Überlegungen zu einem Text aus dem Markusevangelium Kap. 11, 15-18 am Sonntag, 9.5.04

Nach jeder Katastrophe fragen sich die Verschonten, wie hat es dazu kommen können, wer ist schuld ? Je mehr Menschenleben zu beklagen sind, umso dringlicher stellen sich die Fragen. Im Zusammenhang mit dem Terroranschlag in New York 2002 kommen immer neue Einzelheiten ans Tageslicht. Aber auch längst in die Geschichtsbücher eingegangenes Geschehen sorgt weiter für beunruhigende Fragen, so z.B. die von Deutschland ausgegangene Judenverfolgung. Ihr Ursprung ist nicht zuletzt im Kreuzestod des Jesus aus Nazareth zu finden. Trotz der frohen Kunde von seiner Auferstehung ist das Fragen nach den Hintergründen und der Bedeutung seines Schicksals niemals verstummt. In der Apostelgeschichte des Lukas umfasst diese Studienzeit den Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten, doch in Wahrheit ist diese Studienzeit bis heute zu keinem Ende gekommen. Die Anhänger und Gegner Jesu suchen und forschen immer weiter nach Zusammenhängen zwischen seinem Erdendasein und seiner geistigen Gegenwart in dieser Weltzeit. Wie in einem unendlichen Puzzle fügt sich ein Teilaspekt zum anderen. Auf einen dieser Aspekte weist ein Text aus dem Markusevangelium hin. Die erzählte Begebenheit wird in allen Evangelien erwähnt, wenn auch mit unterschiedlicher Akzentsetzung.

Markus 11,15-18 Und sie kamen nach Jerusalem. Und als er in den Tempel hineingegangen war, fing er an, die welche im Tempel verkauften, hinauszutreiben, und stieß die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um und ließ es nicht zu, dass jemand ein Gefäß durch den Tempel trug. Und er lehrte und sprach zu ihnen: -steht nicht geschrieben: "Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker ?" Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht. Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn ins Verderben bringen könnten; denn sie fürchteten ihn. Alles Volk nämlich erstaunte über seine Lehre.

Jesu Aufenthalt in der weitläufigen Tempelanlage ist nichts Ungewöhnliches. Er hat dort immer wieder gelehrt. Eines Tages packt ihn jedoch prophetischer Zorn. 500 Jahre vor ihm hatte der Prophet Jeremia an gleicher Stelle dem jüdischen Volk unerbittlich ins Gewissen geredet. Er geißelte seinerzeit den falschen Gottesdienst und warf dem Volk Götzendienst vor. "Haltet ihr denn dies Haus, das nach Gottes Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle ?" (Jer. 7,11). Viele Jahrzehnte später verkündigt ein Nachfolger Jeremias die tröstliche Botschaft: "Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker"(Jes. 56,7). Jesu zorniges Handeln im Tempel steht also in einem inneren Zusammenhang mit dem Wort der alten Propheten. Wenn Gottes Haus nicht mehr Bethaus, sondern Zufluchtsort für erpresserische Räuber geworden ist, dann muß reinigend gehandelt werden. Jesu konkreter Angriff auf die Hochburg der mächtigen Tempel-Herren trifft ins Mark. Der Mann aus Nazareth ist ein gefährlicher Ketzer und muß unschädlich gemacht werden. In unserem Volk geschah eine solche "Tempelreinigung" zuletzt durch Martin Luther vor 500 Jahren, er hatte Glück und wurde auf der Wartburg vor seinen Verfolgern in Schutzhaft genommen.

Nach Ostern erscheint den Anhängern Jesu dessen Tempelreinigung in neuem Licht. Zeichenhaft hat sich das Wort der Propheten in Jesu Schicksal erfüllt und wird sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder erfüllen. Spätestens am Pfingsttag werden Gläubige aus aller Herren Länder einmütig in einem neuen geistlichen Tempel miteinander beten und in Jesu Namen werden sie ihr Umfeld neu gestalten.


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