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Lebensgemeinschaft


Lebensgemeinschaft

Überlegungen zu einem Text des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth. 1. Kor. 11,23-25 am Sonntag nach Pfingsten und zum Fronleichnamfest

In Gegenden Deutschlands mit überwiegend katholischer Bevölkerung folgt auf die großen Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten noch das Fronleichnamsfest.
Sein Ursprung geht weit zurück in das frühe Mittelalter. Vom Sprachgebrauch dieser Zeit leitet sich auch der Name ab: vron (fron) = Herr, heilig oder hehr und
lichnam = lebender Leib, also Heiliger lebender Leib. Hinter diesem Festursprung verbirgt sich ein erbitterter Theologenstreit über das Sakramentsverständnis in der Eucharistie- bzw. Abendmahlsfeier. Dieses Streiten der Theologen beginnt jedoch nicht erst im frühen Mittelalter und hat auch heute noch kein Ende gefunden. Schon der Apostel Paulus im 1. Jahrhundert stößt auf Schwierigkeiten. Doch, Gott sei Dank, lässt er sich in dieser Frage auf keine theologisch spitzfindigen Diskussionen ein. Er stellt lediglich fest, das weiter überliefert zu haben, was er "vom Herrn her empfangen hat". In seinem Brief an die Christengemeinde in Korinth schreibt er folgendes: 1. Kor. 11, 23 - 25
Denn ich habe vom Herrn her empfangen, was ich euch auch überliefert habe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er verraten wurde, Brot genommen hat und als er das Dankgebet darüber gesprochen, hat er es gebrochen und gesagt: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis ! Desgleichen auch den Kelch nach dem Essen, indem er sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis !
Ähnlich formulierte Worte finden sich auch in den Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas. Aber warum nimmt Johannes sie nicht auf ? Ich denke, das liegt nicht am Wort vom gebrochenen Brot, sondern am Wort vom Kelch. Mit dem gebrochenen Brot gibt Jesus einen klaren Hinweis auf die ihm bevorstehende Tötung. Es ist das Todeswort.
Johannes hat dieses Wort vom gebrochenen Brot in seinem Evangelium schon vergeistigt, wenn er von dem Brot spricht, das "vom Himmel kommt" (vgl. Joh. 6, 33 + 34). Das Trinken von Jesu "vergossenem Blut" klingt bei Johannes allenfalls in dem Bildwort von Christus, dem Weinstock und dessen Reben, an (Joh. 15,1) Jesu letztes Mahl mit seinen Schülern wird als Passahmahl überliefert. Jedes Kind in Israel weiß bis heute, dass ein Passahmahl ein Gedächtnismahl ist. Das Volk Israel gedenkt der Befreiung aus Sklaverei in Ägypten, es gedenkt seiner Neuwerdung nach einem Leben in der selbstentfremdenden Sklaverei. Das seinerzeit auf die Türpfosten gestrichene Blut eines Lammes hatte sie vor der Ausrottung bewahrt. Das alles bedenken fromme Juden bis heute in der Feier des Passahmahls. Jesus kannte die Zeremonie nur zu gut aus seiner heimatlichen Praxis. Wie müssen seine Schüler aufgehorcht haben, als ihr Meister während der vertrauten Feier plötzlich seinen bevorstehenden Tod in innere Verbindung mit jener Befreiung aus ägyptischer Sklaverei bringt . In der Nacht, in der er verraten wurde, hat er Brot genommen, und als er das Dankgebet daraüber gesprochen (hat), hat er es gebrochen und gesagt: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis ! Doch Jesus lässt seinen Schülern keine Zeit, darüber nachzudenken, denn schon hat er den Kelch mit Wein ergriffen. In dieser Feier signalisiert er Lob und Dank, doch in der sie umgebenden griechischen Kultur ist er als Todeskelch bekannt. Umso befremdlicher, dass Jesus mit dem Kelch in der Hand tatsächlich von seinem vergossenen Blut spricht und im selben Atemzug von dem "Neuen Bund" in seinem Blut, jenem Signum des totalen Neuanfangs zwischen Gott und Mensch wie es die Propheten geschaut haben. In der Stunde des Verrats verkündigt Jesus den "Neuen Bund in meinem Blut". Lebt also in seinem todgeweihten Blut schon jetzt das Neue ? Ja, ist er der verkörperte Neue Bund ? Den Schülern geht die unerhörte Bedeutung der Worte Jesu nicht gleich auf. Unter dem Eindruck von Inhaftierung, Kreuzigung und Tod des geliebten Meisters interpretieren sie Jesu Blutvergießen später allzuschnell als tragischen Opfergang. Auch die frühe Kirche bleibt an dieser Anschauung haften und lehrt sie als "Opfer für den sündigen Menschen" - bis heute. Die weltweite Reaktion auf die blutige Verfilmung des Martyriums Jesu ist ein sinnfälliges Beispiel dafür, wie gläubig diese letztlich unbiblische Lehre aufgenommen wird.
Jesus hat sterben müssen, weil die religiöse Führung seiner Zeit das kompromisslose Aufbrechen des Gottesgeistes in seinem Wirken weder verstehen noch nachvollziehen konnte. Zu sehr waren sie in ihren Denkgewohnheiten erstarrt. In Jesu Wesen ist das lebendig, was der Prophet Jeremia vor zweieinhalb Jahrtausenden als "Neuen Bund" zur Rettung der Menschheit geschaut hatte (vgl. Jer. 31). Wer Jesu Blut vergießt, will den lebendigen Geist Gottes vernichten. Es ist pure Gnade, dass den Anhängern Jesu die Augen aufgegangen sind für die Wahrheit. Ob in unseren Tagen die fromme Demonstration einer geweihten Hostie am Fronleichnamsfest den jesuanischen Geist wieder neu beleben kann, muss ich dahingestellt lassen. Jesu Wort bleibt hingegen wahr: Als Auferstandener will er mit seinen Anhängern in Lebensgemeinschaft mit seinem Vater den Kelch des Lobens und Dankens neu trinken (Matt. 26, 29), denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matt. 18,20)

Mit diesen 25 "ungehaltenen Predigten" zwischen Weihnachten und Pfingsten möchte ich die Reihe vorläufig abschließen. Falls es noch Rückfragen gibt, steht mein Gästebuch auch weiterhin zur Verfügung.


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