COMENIUS-PROJEKT

LATEIN

 

 

 

Iudicium, ratio, caritas -

Der Kampf gegen Verfolgung und Aberglauben in Friedrich Spees Cautio criminalis (1631/32)

 

 

 

 

Kl. SP3 der Sunnerboskolan Ljungby

Latein (2) Kl.11/Kau Hölty-Gymnasium

Wunstorf

 

 

1.Halbjahr 1996/97

 

 

 

 

 

    1. Einführung

     

    2. Texte aus der Cautio criminalis Friedrich Spees mit Übersetzungen des Lateinkurses Kl.11/Kau 1996/97:

    2.1.1. Dubium I: An sagae, striges seu malefici revera existant ?

    2.1.2. Frage 1: Ob Wahrsagerinnen, Hexen oder Zauberer tatsächlich existieren?

    2.2.1. Dubium II: Pluresne sagae seu malefici in Germania sint ac alibi?

    2.2.2. Frage 2: Ob es in Deutschland mehr Hexen oder Zauberer gibt als anderswo?

    2.3.1. Dubium VIII: Quam caute principes et eorum officiales in hoc crimine procedere debeant?

    2.3.2. Frage 8: Wie vorsichtig müssen die Fürsten und ihre Beamten bei diesem Verbrechen vorgehen?

    2.4.1. Dubium X: An credibile sit Deum permissurum, ut aliquando innocentes simul involvantur?

    2.4.2. Frage 10: Ob es glaubwürdig ist, Gott lasse es zu, daß irgendwann auch Unschuldige in die Prozesse verwickelt werden?

    2.5.1. Dubium XVII: An captis in causa magiae permittenda defensio sit, et advocatus concedendus?

    2.5.2. Frage 17: Ob den Gefangenen im Falle der Zauberei eine Verteidigung gestattet und ein Rechtsanwalt zugestanden werden sollte ?

    2.6.1. Dubium LI: Quae brevis sit summa et methodus processuum contra sagas hodie apud multos in usu, digna, quam Divus Caesar intelligat, et Germania consideret?

    2.6.2. Frage 51: Was ist, kurzgefaßt, das Verfahren in Hexenprozessen, wie sie heute bei vielen gebräuchlich sind, würdig, daß der erhabene Kaiser es zur Kenntnis nimmt und Deutschland es bedenkt?

     

    3. Beitrag der Kl. SP3 der Sunnerboskolan Ljungby: Witchtrials in Sweden

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    EINFÜHRUNG

    1. Das Fach Latein im COMENIUS-Projekt

    Die Beschäftigung mit Friedrich Spees Cautio criminalis im Lateinunterricht der Jahrgangsstufe 11 (1.Halbjahr 1996/97) geht zurück auf eine Absprache mit Fr. Birgit Lindbäck, Lateinlehrerin an der schwedischen Partnerschule des Höltygymnasiums, vom 23.8.1996.

    Das COMENIUS-Projekt bot die Gelegenheit über den ständigen fachimmanenten Bezug zu den Grundlagen europäischer Kultur hinaus den Blick auf Themen und Texte zu richten, die bisher in nur geringem Maße oder gar nicht Unterrichtsgegenstand waren.

    Ziel der Zusammenarbeit sollte es sein, lateinische Texte der Neuzeit von europäischer Bedeutung, möglichst mit einem besonderen Bezug zu beiden Partnerländern, in Übersetzung und Interpretation zu erschließen.

    Dabei sollten sich die Schüler einerseits der Bedeutung des Lateinischen als Kultursprache - über Antike und Mittelalter hinaus und über nationale Grenzen hinweg - bewußt werden, andererseits an einem Thema arbeiten, dem über engere Fachgrenzen hinweg allgemeinere Bedeutung im Sinne des Projektthemas "Mensch - Natur - Technik" zukommt.

    Während der LK 12 unter Leitung von Herrn H.Wieck sich mit "Erziehung und Bildung von Antike bis Neuzeit" und in diesem Zusammenhang u.a. mit J.A.Comenius beschäftigte, lautete das Halbjahrsthema für den Lateinkurs Kl.11 (Kaus): "Iudicium, ratio, caritas - Der Kampf gegen Verfolgung und Aberglauben in Fr.Spees Cautio criminalis ".

     

    2. Zum Projektthema in Kl.11

    2.1. Fr.Spees Cautio criminalis

    Fr.Spees Schrift, 1631 bei Peter Lucius in Rinteln erstmals, 1632 in überarbeiteter Fassung wahrscheinlich bei Cornelius ab Egmondt in Köln (auf dem Titelblatt: Johannes Gronaeus/ Frankfurt) erschienen, ist sein einziges gedrucktes lateinisches Werk.

    Die Ursachen hierfür sind eng verbunden mit dem Charakter der Cautio. Wenden sich Spees Dichtungen ("Trutznachtigall") und Erbauungsschriften ("Güldenes Tugend-Buch", beide postum 1649) an Laien, nicht zuletzt an des Lateinischen üblicherweise unkundige Frauen, handelt es sich bei Spees Hexenschrift formal um einen wissenschaftlichen Traktat im Stil der Zeit.

    Charakteristisch sind die Kapitelüberschrift in Frageform (dubium), der jeweils die Antwort folgt (eingeleitet durch respondeo), wobei, gestützt auf Argumente und gelehrte Autoren, z.T. mehrere Begründungen (rationes) beigebracht werden.

    Daß ein sich in einem wissenschaftlichen Gewand präsentierendes Werk, in der Wissenschaftssprache der Zeit veröffentlicht wurde, erscheint kaum erstaunlich. Andererseits legte die Brisanz des Themas selbst es möglicherweise nahe, die Schrift zunächst einem engeren Kreis von Fachleuten zugänglich zu machen. Nach zunächst anonymen Veröffentlichungen, nannte erst die lateinische Ausgabe Augsburg 1731 den Verfasser auf dem Titelblatt!

    Die Cautio wendet sich, wie bereits das Titelblatt verkündet, an die Obrigkeiten, von denen Spee sich, hierin durchaus realistisch, am ehesten eine Änderung der Verhältnisse erwartete. Denn Thema der Schrift sind vornehmlich die Hexenprozesse und das ihnen zugrundeliegende Verfahren, weniger der auch im Volk tief verwurzelte Hexenglaube.

    Spees eigenen Worten zufolge ist die Cautio ein monitorium (dubium XVIII, S.61 in der Ausgabe van Oortschots), eine Mahnschrift.

    Ihr eignet entsprechend, neben argumentativen Passagen, ein stark appellativer Charakter, der sich im reichen Gebrauch rhetorischer Mittel zeigt, bis hin zu Apostrophe und Ironie (vgl. unten dubium 51 Ende).

    Die Bedeutung und der Erfolg der Schrift, bei deren Abfassung selbstverständlich auf Vorgänger, besonders den Theologen Adam Tanner (Jesuit wie Spee selbst), zurückgegriffen werden konnte, liegt

    All dies führte zu einer baldigen Rezeption des Werkes über Konfessions- und Nationalitätengrenzen hinweg. Nach den beiden Erstauflagen wird der Text bis zur Jahrhundertwende lateinisch in Posen/Poznan (1645/47) und Sulzbach (Oberpfalz, 1695) gedruckt und erscheint ferner in deutscher (Bremen 1647; Frankfurt/Main 1649), niederländischer (Amsterdam 1657) und französischer Übersetzung (Lyon 1660).

    2.2. Das schwedisch-deutsche Projekt

    Die erste deutsche Fassung der Cautio (Bremen 1647) widmete der Übersetzer, der Feldprediger Johann Seifert, seinem Dienstherrn, dem schwedischen Feldmarschall und Generalgouverneur der (Erz-) Stifter Bremen und Verden, die im Westfälischen Frieden als Herzogtum an Schweden gefallen waren.

    Da Königin Christina am 16.2.1649 die Einstellung der Hexenprozesse in den schwedisch besetzten Gebieten Deutschlands befahl, scheint die These, Spees Schrift habe hieran einen gewissen Anteil, nicht abwegig zu sein.

    Von daher lag es nahe, die Hexenverfolgungen in Schweden bzw. Deutschland sowie mögliche Einflüsse des Spee’schen Werkes zum Gegenstand der gemeinsamen Untersuchung zu machen.

    Einen Kernpunkt stellte natürlich die sprachliche und interpretatorische Arbeit am Text selbst dar. Die folgende Übersetzung einer Auswahl aus der Cautio ist ein Gemeinschaftsprodukt der am Projekt beteiligten deutschen Schüler. Hierzu wurden - mehrheitlich im Unterricht besprochene - Textpassagen von jeweils einem oder zwei Schülern in eine Endfassung gebracht. Stilistische Unterschiede werden von uns dabei bewußt in Kauf genommen; letztlich dokumentieren diese nicht nur die grundsätzliche Problematik einer Übersetzung, sondern auch den Charakter eines Gemeinschaftswerkes.

    Daß die eigentliche interpretatorische Arbeit, sei es in sprachlicher, stilistischer oder inhaltlicher Hinsicht, in den folgenden Ausführungen lediglich reflektiert wird, dürfte einleuchten. Auch hier gilt, wie so oft im schulischen Bereich: "der Weg war das Ziel".

    2.3. Zu Auswahl und Textgestaltung

    Die zur Verfügung stehende Stundenzahl erzwang eine Auswahl aus der ca.190 Druckseiten langen Schrift. Dabei wurde versucht, grundlegende Fragen, die Spee in seiner Streitschrift anspricht, trotz aller Kürzung erkennen zu lassen. Hierzu gehören u.a.:

    Der Text folgt der (ersten) historisch-kritischen Ausgabe (entsprechend der 2.Auflage von 1632) des niederländischen Germanisten und Theologen Th.G.M. van Oorschot (o.Anm.1). Veränderungen beziehen sich lediglich auf die Groß- und Kleinschreibung, die im Original - dem Zeitstil entsprechend - recht willkürlich und weitgehend vom jeweiligen Drucker abhängig ist. Ferner wurde die Ligatur & durchweg in et aufgelöst.

    E.Kaus

     

     

     

     

     

    Literaturhinweise

    1. Fr.Spee, Cautio criminalis, hrsg. v.Theo G.M. van Oorschot (= Fr.Spee, Sämtliche Schriften, hist.-krit.Ausgabe, Bd.3), Tübingen/Basel (Francke) 1992

    2. Fr.Spee, Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse, aus dem Lateinischen übertragen und eingeleitet von J.-F. Ritter, Weimar (Böhlau) 1939, ND München (dtv) 1982 u.ö.

    3. K.-J. Miesen, Friedrich Spee - Pater, Dichter, Hexenanwalt, Düsseldorf (Droste) 1987

    4. G.Franz (Hrsg.), Friedrich Spee zum 400. Geburtstag, Paderborn (Bonifatius) 1995

    (hierin u.a.:

    G.Franz, Friedrich Spee und die Bücherzensur, 66 - 100;

    A.Hahn, Die Cautio Criminalis aus soziologischer Sicht, 103 - 110;

    G.Jerouschek, Friedrich Spee als Justizkritiker, 115 - 136;

    I.M.Battafarano, Die rhetorisch-literarische Konstruktion von Spees Cautio Criminalis, 137 - 148)

    5. G.Schormann, Hexenprozesse in Deutschland, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1981, 21986

    6. Gisela Wilbertz u.a.(Hrsg.), Hexenverfolgung und Regionalgeschichte: die Grafschaft Lippe im Vergleich, Bielefeld (Verlag für Regionalgeschichte) 1994 (= Studien zur Regionalgeschichte Bd.4, Beiträge zur Geschichte der Stadt Lemgo Bd.4)

    (hierin u.a.:A.Blauert, Die Epoche der europäischen Hexenverfolgungen, 27 - 43;

    Heide Wunder, Hexenprozesse und Gemeinde, 61 - 70;

    Ingrid Ahrendt-Schulte, Hexenprozesse als Gegenstand Historischer Frauenforschung, 199 - 210;

    R.Walz, Kinder in Hexenprozessen, 211 - 231;

    G.Schwerhoff, Hexerei, Geschlecht und Regionalgeschichte, 325 - 353)

     

     

    "Die Verbindung von abstraktem Denken und

    Irrationalität" (G.Schormann)

    Von Spee in unserer Auswahl zitierte zeitgenössische Autoren:

    Petrus Binsfeld, Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum (Traktat über die Bekenntnisse der Zauberer und Hexen), Trier 1589 u.ö.

    (Peter Binsfeld [um 1546 - 1598], theologischer Schriftsteller, 1580 Weihbischof und Generalvikar in Trier, 1582 und 1586 Rektor der Universität. Binsfeld gilt - trotz seiner Hexenschrift - als bedeutender kirchlicher Reformer im Bistum Trier.)

    Johannes Bodinus, De magorum daemonomania libri VI (Sechs Bücher über die dämonische Besessenheit der Zauberer), Frankfurt 1590

    (Jean Bodin [1530 - 1596], frz.Staatsphilosoph und Theoretiker des Absolutismus, Anhänger der religiösen Toleranz. Sein oben genanntes Werk erschien zunächst in französicher Sprache [Démonomanie, Paris 1580]).

    Martinus Delrio, Disquisitionum magicarum libri sex ...(Sechs Bücher Untersuchungen über Zauberei), Leuven 1599f. (20 Auflagen!)

    (Martín Antonio Delrío [1551 - 1608], Niederländer span. Abstammung, Jesuit; vor seinem Eintritt in den Orden u.a. Jurist, erstrebte einen christlichen Humanismus [u.a. Kommentar zu den Tragödien Senecas]. Sein hier zitiertes Werk trug zur Anwendung der Folter in Hexenprozessen bei.)

    Nicolaus Remigius, Daemonolatreiae libri tres (Drei Bücher über das Hexenwesen), Lyon 1594 u.ö.

    (Nikolaus Remigius, lothringischer Hexenrichter, verfaßte auf Grund eigener Prozeßerfahrungen das obengenannte Werk. Remigius rühmte sich, in 16 Jahren 800 Menschen wegen Zauberei auf den Scheiterhaufen gebracht zu haben.)

     

     

     

    Text und Übersetzung

    An der Übersetzung wirkten mit:

    Kalina Ahlbrecht 11 A

    Sarah Baumgart 11 C

    Agnes Borecki 11 C

    Pia Brand 11 E

    Felix Eberlein 11 E

    Kathrin Erlebach 11 B

    Sven Ilgner 11 D

    Laura Kabacinski 11 B

    Ernst Kolbe 11 B

    Stefan Kramer 11 A

    Nils Lehmensiek 11 D

    Dennis Matusch 11 D

    Andreas Paul 11 E

    Jan Porwit 11 A

    Simone Rütten 11 D

    Henning Schweer 11 A

    Dennis Stemme 11 D

    Denise Thiele 11 F

    Piroska Vincent 11 F

    Daniel Wieck 11 D

    Katja Willging 11 D

    (Redaktion: E.Kaus)

     

     

     

     

    CAVTIO

    CRIMINALIS

    Seu

    DE PROCESSIBVS

    CONTRA SAGAS

    Liber.

    AD MAGISTRATVS

    Germaniae hoc tempore necessarius,

    Tum autem

     

    CONSILIARIIS, ET CONFESSARIIS

    Principum, Inquisitoribus, Iudicibus, Advocatis,

    Confessariis Reorum, Concionatoribus,

    caeteris’q lectu utilissimus.

    AVCTORE

    INCERTO THEOLOGO ROMANO

    EDITIO SECVNDA.

     

     

    FRANCOFVRTI,

    Sumptibus IOANNIS GRONAEI Austrij.

    ANNO MDCXXXII.

     

     

     

     

    SICHERHEIT IM

    STRAFVERFAHREN

    Oder

    BUCH ÜBER DIE

    HEXENPROZESSE.

    AN DIE OBRIGKEITEN

    Deutschlands, derzeit für diese notwendig,

    sodann aber

    FÜR DIE RATGEBER UND BEICHTVÄTER.

    der Fürsten, für Inquisitoren, Richter, Anwälte,

    Beichtväter der Angeklagten, Prediger,

    und die übrigen sehr nützlich zu lesen.

    VON

    EINEM UNBEKANNTEN RÖMISCHEN THEOLOGEN

    ZWEITE AUFLAGE.

    FRANKFURT

    Verlegt bei JOHANNES GRONAEUS aus Österreich.

    1632.

     

     

     

     

     

    Dubium I: An sagae, striges seu malefici revera existant ?

    Respondeo, quod sic.

    Etsi enim scio nonnullos in dubio posuisse, etiam Catholicos et doctos, quos nominare non attinet, etsi etiam quidam non temere suspicari sibi videntur fuisse aliquando in ecclesia ea tempora, in quibus de corporalibus sagarum conventibus creditum non fuit, etsi denique ipse ego, dum cum variis eius criminis reis in carceribus egi frequentius ac attentius, ne dicam curiosius, ita non semel animum involvi, ut, quid tandem huius rei crederem, pene ignoraverim, nihilominus, ubi summam tandem colligo perplexarum cogitationum, id omnino tenendum existimo: revera in mundo maleficos aliquos esse, nec id sine temeritate, ac praeposteri iudicii nota negari posse. Videantur auctores, qui argumentum hoc profitentur, Remigius, Delrius, Bodinus et alii: nostri instituti non est hic morari.

    Tot autem esse et eas omnes, quae hactenus in favillas evolarunt, neque credo vel ego vel multi quoque mecum pii viri, neque adeo, ut credam, facile persuadebit, quisquis mecum non impetu et clamore vel authoritate pertendere, sed iudicio et ratione rem examinare volet.

    Id, quod lectorem meum velle, per eam charitatem, quam legifer noster Christus vehementer voluit inter asseclas suos accendi, maximopere precor. [...]

     

     

    Frage 1: Ob Wahrsagerinnen, Hexen oder Zauberer tatsächlich existieren?

    Ich antworte, daß es so ist.

    Denn wenn ich auch weiß, daß es einige als zweifelhaft hingestellt haben, auch Gelehrte und Katholiken, welche es nicht wichtig ist zu nennen;

    wenn einige auch für sich nicht grundlos zu vermuten scheinen, daß es irgendwann solche Zeiten in der Kirche gegeben hat, in denen dem Hexensabbat kein Glauben geschenkt worden ist;

    wenn ich auch schließlich selbst, während ich mit verschiedenen Leuten, die dieses Verbrechens angeklagt waren, in den Kerkern recht häufig und aufmerksam geredet habe, um nicht zu sagen: recht neugierig, nicht nur einmal so in Verwirrung geraten bin, daß ich fast nicht gewußt habe, was ich in dieser Sache glauben sollte:

    so meine ich dennoch, wenn ich schließlich das Ergebnis der schwierigen Überlegungen zusammenfasse, man müsse hieran gänzlich festhalten:

    daß es auf der Welt tatsächlich irgendwelche Zauberer gibt, und daß dies nicht ohne Leichtfertigkeit und den Vorwurf eines verkehrten Urteils geleugnet werden kann. Man soll die Autoren, die diesen Stoff lehren, einsehen: Remigius, Delrio, Bodin und andere. Es ist nicht unsere Aufgabe, hier zu verweilen.

    Daß es aber so viele (Hexen) gibt, und daß all die es waren, die bis jetzt in Asche aufgegangen sind, glaube weder ich noch viele fromme Männer mit mir, und es wird mich nicht so leicht dazu überreden, es zu glauben, wer auch immer mit mir nicht mit Heftigkeit und Geschrei oder unter Berufung auf eine Autorität wird streiten, sondern mit vernünftigem Urteil die Sache wird klären wollen. Dies ist es, worum ich meinen Leser sehr eindringlich bitte, bei der Liebe, die, wie es unser Gesetzgeber Christus heftig begehrte, sich unter seinen Anhängern entzünden soll. [...]

     

     

     

    Dubium II: Pluresne sagae seu malefici in Germania sint ac alibi?

    Respondeo: Quaestio est de re, quam nescio. Dicam tamen verbo otii eludendi causa, quod occurrit. Itaque videntur saltem et putantur plures in Germania ac alibi reperiri.

    Ratio est. Nam imprimis constat in Germania passim fumare omnia incendiis, quae hanc luem depascant, claro utique argumento, quam late omnia efflata esse fateantur: Ita quidem, ut non parum inde nomini Germanico detractum sit apud hostes nostros, ac, loquitur Scriptura, foetere fecimus odorem nostrum coram Pharaone et servis eius, Exod.5.v.21.

    Deinde nutrimus hanc opinionem de multitudine apud nos sagarum ex duobus capitibus, quae notatu digna sunt.

    Primum est vulgi imperitia seu superstitio, quod sic ostendo:

    Docent omnes physici naturalissime causari etiam ea, quae subinde a communi ordine naturae nonnihil exerrant et extraordinaria vocari solent, ut imbrem aliquem effusiorem, saeviorem grandinem et pruinam, illustrius tonitru et similia. Docent et medici etiam pecora non secus ac homines suis morbis subdi [...].

    Haec illi. Prodat se tamen quicquam tale in Germania, maxime apud homines paganos [...], iam nos nescio qua levitate aut superstitione ducti continuo ad maleficia traducimus mentem et in sagas coniicimus causam. [...] Unde mirum non est, si intra paucos annos accrescens fama nos admodum locupletet, praesertim cum nec moveant se hic concionatores et spirituales viri, sed ipsi potius in eadem culpa sint, nec inventus ullus magistratus in Germania sit, quod sciamus, qui in pestilentissimas has susurrationes zelum suum distrinxerit [...].

    Secundum est eiusdem vulgi invidia et malevolentia, quod sic ostendo: Nulla non alia natio concedet quosdam semper esse, quibus Deus benedictionem aliquam in bonis temporalibus largiorem impertiatur [...]. Contingat tamen hoc quoque in Germania inter vulgus: mox sunt aliqui ex vicinis, quibus tardior a tergo fortuna est, qui capita conferant et conflato murmure de magia suspiciunculas suscitent.

    Quae tum demum fortius se attollunt, si eorum quempiam, quos aemulantur, viderint in templis devotiorem aut sertum suum precarium alibi quam in templo gestantem aut in genua forte ad orandum in agro aut cubiculo prostratum et similia; ut exempla mihi multa non desunt, quorum me nomine Germanorum pudet. Res indigna sane et apud alias nationes plane inaudita [...]!

     

     

    Frage 2: Ob es in Deutschland mehr Hexen oder Zauberer gibt als anderswo?

    Ich antworte: Die Frage betrifft etwas, wovon ich keine Kenntnis habe. Ich will dennoch, um nicht zu langweilen, mit einem Wort sagen, wie der Sachverhalt liegt. Nun, dem Anschein und bloßen Glauben nach wenigstens findet man in Deutschland mehr als andernorts.

    Hierfür gibt es einen Grund. Es steht nämlich fest, daß besonders überall in Deutschland alles von Scheiterhaufen qualmt, die diese Pest vertilgen sollen. Dies ist jedenfalls ein deutlicher Beweis dafür, wie weit sich dies alles verbreitet haben soll. So freilich, daß der deutsche Name davon in nicht geringem Maß Schaden erlitten hat bei unseren Feinden, und, wie die Schrift sagt, wir "unseren Atem stinken gemacht haben vor Pharao und seinen Knechten" (Exod.5,21).

    Außerdem nähren wir diese Vorstellung über eine Vielzahl von Hexen bei uns aus zwei Quellen, die es wert sind, genannt zu werden:

    Erstens ist es die Unerfahrenheit oder der Aberglaube des Volkes, was ich so zeige:

    Alle Naturwissenschaftler lehren, daß sogar das völlig natürliche Ursachen hat, welches wiederholt von den Naturgesetzen um einiges abweicht und normalerweise als "außergewöhnlich" bezeichnet wird, wie irgendein sehr ausgiebiger Regen, ein ziemlich heftiger Hagel, strengerer Frost, lauterer Donner u.ä. Auch lehren die Mediziner, daß sich überdies das Vieh nicht anders als die Menschen mit seinen Krankheiten infiziert. [...]

    Das sagen jene. Zeigt sich dennoch irgendetwas solcher Art in Deutschland, besonders bei Menschen vom Lande, [...] schon denken wir, von irgendeiner Leichtfertigkeit oder Aberglauben veranlaßt, sofort an Zauberei und schreiben die Ursache den Hexen zu. [...]

    Daher ist es nicht verwunderlich, wenn innerhalb weniger Jahre das anwachsende Gerücht uns ziemlich reich <mit Hexen> ausstattet; denn vor allem rühren sich hier weder Prediger und Geistliche (sondern sie sind eher selbst genauso schuldig) noch hat sich in Deutschland irgendeine Obrigkeit gefunden, die gegen das verderbliche Gerede ihren Eifer gerichtet hätte. [...]

    Zweitens sind es Neid und Mißgunst desselben Volkes, was ich folgendermaßen beweise:

    Jede andere Nation wird zugestehen, daß es immer Leute gibt, die Gott reichlicher mit irdischen Gütern segnet [...]. Geschieht jedoch dies gleichfalls in Deutschland bei einfachem Volk, so sind da sofort einige Nachbarn, denen das Glück zu langsam auf die Sprünge hilft, und die stecken die Köpfe zusammen, bringen Gerüchte in Gang und setzen Verdächtigungen hinsichtlich Zauberei in die Welt.

    Diese spielen sich schließlich dann noch heftiger auf, wenn sie einen von denen, die sie beneiden, beobachten, wie er in der Kirche etwas frommer erscheint, den Rosenkranz an anderem Orte als in der Kirche betet, auf dem Feld oder in der Kammer vielleicht zu Beten niederkniet und ähnliches, wobei mir eine große Zahl an Beispielen zu Gebote steht, derentwegen ich mich für uns Deutsche schäme. Unwürdig ist dies gewiß und bei anderen Nationen völlig unbekannt. [...]!

     

     

    Dubium VIII: Quam caute principes et eorum officiales in hoc crimine procedere debeant?

    Respondeo: Uti non male faciunt principes, cum in crimen hoc acriter procedunt, ita male, ac pessime, nisi maxima cum cautela, prudentia, circumspectione. [...] Itaque esto, concedam, in hoc crimine excepto sagarum licere in quibusdam aliter procedere quam communi modo in non exceptis; sed id nego tamen licere agere minus caute et circumspecte quam communi modo in non exceptis. [...]

    Rationes istae sunt:

    Ratio I: Crimen hoc occultissimum est, ut omnes fatentur: noctu plerumque geritur, et inter tenebras simul ac larvas: magna igitur opus prudentia et meditatione, ut rite in lucem producas.

    Ratio II: Videmus inchoatum semel processum contra sagas in aliquot produci, atque adeo augeri numerum puniendorum, ut integri pagi funditus absumantur, neque tum aliud profectum esse, quam quod libri aeque pleni sint nominibus aliorum; adeo ut, si porro pertinaciter insistatur, nullus videatur futurus finis ustionum, quoad tota regio exhausta sit: neque ullus umquam inventus princeps est, qui abrumpere non debuerit.[...]

    Ratio V: Audio quibusdam in locis pro salario eorum iurisconsultorum seu inquisitorum, quos principes huic negotio sagarum praeficere solent,

    constitutam esse certam pecuniam pro numero reorum, ut verbi causa in singula capita daleros quatuor aut quinque.

    Quis hic non videt vel hac sola de causa, quanta opus vigilantia sit, ne spes lucri processum vitiet, dum tanto facilius quisquis noxius putabitur, quanto loculis consultius est maiorem esse quam minorem reorum numerum. Res sane ardua et periculosa! Neque enim sancti omnes sumus aut tam inconcussae mentis, quam non ardor aliquis habendi labefactet et in transversum, si non rapiat, saltem lacessat. [...]

     

     

    Frage 8: Wie vorsichtig müssen die Fürsten und ihre Beamten bei diesem Verbrechen

    vorgehen?

    Ich antworte: Zwar handeln die Fürsten nicht schlecht, wenn sie gegen dieses Verbrechen scharf vorgehen; aber schlecht, ja besonders schlimm, wenn sie dies nicht mit größter Vorsicht, Klugheit und Umsicht tun. [...]

    Deshalb sei es, wie ich einräumen will, zugestanden, daß es erlaubt ist bei diesem Sonderverbrechen der Hexen in einigen Punkten anders vorzugehen als gewöhnlich bei normalen Verbrechen. Aber ich streite dennoch ab, daß es erlaubt ist, weniger vorsichtig oder umsichtig zu handeln als üblicherweise bei gewöhnlichen Verbrechen. [...]

    Dies sind die Gründe:

    Grund 1: Dieses Verbrechen ist sehr geheim, wie alle zugestehen: Es wird meistens bei Nacht begangen, und hinter Masken und Verkleidungen. Um es auf rechte Weise ans Licht zu bringen, benötigt man große Klugheit und viele Überlegungen.

    Grund 2: Einmal begonnene Hexenprozesse ziehen sich über einige Jahre hin, wie wir erleben. Somit wird die Zahl der zu Strafenden so vergrößert, daß ganze Bezirke von Grund auf ausgelöscht werden. Damit wird offensichtlich nichts anderes erreicht, als daß die Listen gleichmäßig voll sind mit den Namen anderer; so sehr, daß es, wenn weiter hartnäckig auf diesem Verfahren beharrt wird, zukünftig kein Ende der Verbrennungen zu geben scheint, bis die ganze Gegend entvölkert ist: Und man hat niemals einen Fürsten gefunden, der dies nicht mit Gewalt hätte beenden müssen. [...]

    Grund 5: Wie ich höre, ist in manchen Gegenden als Gehalt der Juristen oder Untersuchungsrichter, die die Fürsten mit der Leitung dieses Hexenprozesses zu beauftragen pflegen, eine feste Summe, entsprechend der Zahl der (überführten) Angeklagten, festgesetzt worden, wie z.B. pro Kopf vier oder fünf Taler.

    Wer sieht hier nicht, welche Wachsamkeit schon aus diesem einzigen Grunde nötig ist, damit die Hoffnung auf den Gewinn das Prozeßergebnis nicht verfälscht, da ein jeder desto leichter für schuldig erachtet werden wird, um so günstiger es für den Geldbeutel ist, daß die Zahl der Überführten größer als kleiner ist.

    Ein wahrhaft problematischer und gefährlicher Sachverhalt! Denn wir sind nicht alle Heilige oder so unerschütterlich, als daß uns die Habgier nicht irgendwie schwankend machte und zum Verkehrten, wenn schon nicht zwänge, so doch wenigstens verführte. [...]

     

     

    Dubium X: An credibile sit Deum permissurum, ut aliquando innocentes simul involvantur?

    [...] Respondeo: Opinio haec, quod Deus permissurus non sit, ut innocentes quoque cum nocentibus pereant, admittenda penitus non est. Nam imprimis aperit iudicibus fenestram ad socordiam, ne, ut oportet, ipsi exquisite solliciti sint et diligentes. Deinde laxat conscientias principum, ne valde curent, quales iudices, quam bonos et peritos rebus agendis praeficiant. Denique veritate quoque destituitur. Rationes istae sunt:

    Ratio I: Nam cur, obsecro, non permittat deus nunc hoc tempore, quod olim? Cum non multi solum, sed pene innumerabiles Christi martyres infandis suppliciis subiecti sunt, atque ipsiusmet huius, de quo agimus, magiae criminis rei habiti:

    praesertim cum supernatassent, ut in vita SS.Cosmae et Damiani aliorumve etc. Ubi tunc, quas Binsfeldius paulo ante citabat, divinae legis promissiones? Ubi exempla, quae afferebat, et maximum illud, ut vocabat, testimonium Cypriani? An non omnes innocentes erant? vere colebant Deum? eius nomen invocabant? in eo omnem suam spem et fiduciam repositam habebant? [...]

     

     

    Frage 10: Ob es glaubwürdig ist, Gott lasse es zu, daß irgendwann auch Unschuldige in die Prozesse verwickelt werden?

    [...] Ich antworte: Die Meinung, Gott lasse es nicht zu, daß auch Unschuldige zusammen mit Schuldigen zugrunde gehen, darf überhaupt nicht zugelassen werden.

    Denn besonders öffnet sie den Richtern das Fenster zur Sorglosigkeit, so daß sie selbst nicht, wie es nötig ist, ganz besonders gründlich und sorgfältig sind.

    Ferner macht sie das Gewissen der Fürsten nachlässig, so daß sie sich nicht sehr darum kümmern, wie gut und erfahren die Richter sind, die sie die Prozesse führen lassen. Schließlich entbehrt es auch des Wahrheitsgehaltes. Dieses sind die Gründe:

    Grund 1: Denn warum, so bitte ich euch inständig, soll Gott nicht zu dieser Zeit erlauben, was er einst erlaubt hat? Als nicht nur viele, sondern beinahe unzählige Märtyrer Christi unsäglichen Foltern unterworfen worden sind und gerade dieses Verbrechens der Zauberei, wovon wir handeln, für

    schuldig befunden wurden, zumal da sie bei der Wasserprobe obenaufgeschwommen waren, wie es u.a. in der Lebensbeschreibung der Hll. Cosmas und Damian und anderer heißt.

    Wo waren damals die Verheißungen des göttlichen Gesetzes, die Binsfeld kurz vorher zitierte? Wo sind die Beispiele, die er heranzog, und besonders jenes große Zeugnis Cyprians, wie er es nannte?

    Ob nicht alle unschuldig waren, Gott wahrhaftig verehrten, seinen Namen anriefen, alle ihre Hoffnung und ihr Vertrauen auf ihn gesetzt hatten? [...]

     

     

    Dubium XVII: An captis in causa magiae permittenda defensio sit, et advocatus concedendus?

    Pudet me quaestionis, sed iniquitas nostrorum temporum pudorem detergit; existimant imperiti (imo malitiosi et iniqui, cum tam imperitus vix quisquam esse possit), quia crimen hoc sagarumexceptum sit, omnem prorsus defensionem praescindi oportere. Sed quid sit sentiendum, [...] breviter explicabo. Itaque

    respondeo: [...] Est [...] id plane iuris naturalis (ut nemo hominum negare volet, qui ratione fungatur), ut defendere te possis, cum de culpa non es convictus. Itaque quod si capta quaepiam crimen quidem non excusare, sed a se illud amoliri vult, negans se eo scelere teneri, de quo quaeritur, an teneatur, permitti debet integerrima sui defensio et concedi advocatus, quem optimum nancisci potest. Imo tantum abest, ut negari haec ei debeant, eo quod crimen exceptum sit, ut etiam ob eam

    ipsam causam tanto promptius concedi debeant, imo merito obtrudi. Rationes istae sunt:

    Ratio I: Ridiculum est clamare crimen magiae exceptum esse, antequam constet captivam eius ream esse. Nam esto sit exceptum, sit atrox, sit funestum, sit, quantumcunque volet, quid tum postea, si persona capta eo se teneri negat? [...]

    Ratio II: Naturalis iuris est, ut nemini negetur iusta et integra sui defensio, quam optima ea haberi potest: adeoque, ut, qui per se nequit, per alium se defendat, qui maxime idoneus videatur. Quae autem iuris naturalis sunt, aeque in exceptis ac non exceptis observari debent, ut supra dictum est: frustra igitur exceptionem praetendimus, cum a iure naturali et rectae rationis dictamine exceptio non detur.

    Ratio III: Si autem, ut iam dixi, naturalis iuris est, ut nemini negetur iusta sui defensio, tanto utique minus negari oportebit, quanto maior erit sui defendendi necessitas, et quanto maius erit malum illud, contra quod se quisque defendit. [...]

     

     

    Frage 17: Ob den Gefangenen im Falle der Zauberei eine Verteidigung gestattet und ein Rechtsanwalt zugestanden werden sollte?

    Ich schäme mich dieser Frage, aber das Unrecht unserer Zeit beseitigt die Scheu. Die Unerfahrenen ( nein, vielmehr die Boshaften und Feindseligen, da kaum jemand so unerfahren sein kann) meinen, es solle, da dieses Verbrechen der Hexen eine Ausnahme sei, jede Möglichkeit einer Verteidigung voll und ganz verhindert werden. Doch was hiervon zu halten ist, [...] will ich kurz darlegen. Deshalb antworte ich:

    Es gehört [...] voll und ganz zum Naturrecht (wie kein Mensch wird abstreiten wollen, der seine Vernunft gebraucht), daß man sich verteidigen kann, wenn einem die Schuld noch nicht nachgewiesen ist.

    Wenn daher eine Gefangene das ihr Vorgeworfene nicht nur entschuldigen, sondern jenes als unhaltbar von sich weisen will, indem sie verneint, des Verbrechens schuldig zu sein, für das die Untersuchung ihre Schuld feststellen soll, muß ihr die Verteidigung ihrer Person uneingeschränkt gestattet und der bestmögliche Anwalt zugestanden werden.

    Ja, es ist vielmehr so abwegig, diese sollte ihr deshalb verweigert werden, weil es ein Sonderverbrechen sei, daß sie ihr sogar aus ebendiesem Grund um so bereitwilliger gestattet, ja sogar zurecht aufgedrängt werden muß. Die Gründe sind die folgenden:

    Grund 1: Es ist lächerlich zu schreien, das Verbrechen der Zauberei sei ein besonderes, bevor feststeht, daß die Gefangene dieses Verbrechens schuldig ist. Denn mag es auch ein Ausnahmefall, mag es gräßlich, mag es unheilvoll sein oder, was auch immer es sein will, was ist dann später, wenn die gefangene Person abstreitet, daß sie in diesem Punkte schuldig ist? [...]

    Grund 2: Es ist Bestandteil des Naturrechts, daß niemandem eine gerechte und uneingeschränkte Verteidigung seiner selbst verweigert werden darf, so gut sie auch nur geführt werden kann: und zwar so, daß, wer es selbst nicht vermag, sich mit Hilfe eines anderen verteidigen kann, der ihm am geeignetsten erscheint. Was aber Bestandteil des Naturrechts ist, muß gleichermaßen bei besonderen wie bei gewöhnlichen Verbrechen beachtet werden. Vergeblich also sprechen wir für Ausnahmen, weil es vom Naturrecht und der Vorschrift der rechten Vernunft keine Ausnahme gibt.

    Grund 3: Wenn aber, wie ich schon gesagt habe, es Bestandteil des Naturrechts ist, daß man niemandem die gerechte Verteidigung der eigenen Person verweigert, wird sie auf jeden Fall um so weniger verweigert werden dürfen, je größer die Notwendigkeit der eigenen Verteidigung und je größer das Übel sein wird, gegen das ein jeder sich verteidigt. [...]

     

     

    Dubium LI: Quae brevis sit summa et methodus processuum contra sagas hodie apud multos in usu, digna, quam Divus Caesar intelligat, et Germania consideret?

    [...]16. Plerumque tamen, ne non aliquis saltem defensioni locus Gaiae datus videatur, sistitur primum in speciem ac indicia ei primum praeleguntur et examinantur, si tamen examinantur.

    17. Quae etsi tunc illa purgat et ad singula accurate satisfacit, id non attenditur nec notatur [...].

    Imo si se purgat accurate, novum id indicium est; quippe quae, inquiunt, ni saga esset, tam eloquens non esset.

    18. Ubi consideravit, rursum alio die sistitur, et praelegitur ei decretum torturae. [...]

    21. Tum ubi sic excussa et detonsa Gaia est, torquetur, ut veritatem edisserat, id est, ut sese simpliciter ream pronunciet: quicquid aliud dictura est, veritas non erit, nec esse potest.

    22. Torquetur tamen tortura primi generis, id est, leviore: quod ita intellege, ut licet gravissima quidem ea sit, tamen respectu aliarum sequentium lenior sit. Unde si fatetur, aiunt et spargunt fassam esse sine tortura. [...]

    25. Itaque vel fatetur, vel non fatetur: aeque, quicquid fiat, actum est. [...]

    28. Quod si autem contingat quampiam ex tot tormentis animam deponere, aiunt ei a Daemone elisam cervicem esse. [...]

    30. Quod si autem Gaia nec moritur, nec scrupulosi quidam ulterius torquere audent sine novis indiciis, nec inconfessam exurere, retinetur in carcere, atque arctioribus vinculis accipitur, ibi vel ad annum integrum maceranda, dum subigatur. 35. Quidam tamen ex abundanti et exorcisari Gaiam iubent, et in alium transferri locum, ac sic iterum torqueri: si hac forte mutatione loci et expiatione maleficium taciturnitatis possit discuti.[...]

    Miseram te nimis, quid sperasti? quid non primo in carcerem accessu ream te fecisti? Age, stulta mulier et vesana, quid toties vis mori, cum possis semel? Sequere consilium et ante omnem poenam dic te ream et morere; non evades:

    nam haec denique zeli Germaniae catastrophe. [...]

     

     

     

    Frage 51: Was ist, kurzgefaßt, das Verfahren in Hexenprozessen, wie sie heute bei vielen gebräuchlich sind, würdig, daß der erhabene Kaiser es zur Kenntnis nimmt und Deutschland es bedenkt?

    [...] 16. Dennoch wird Gaia (= die Angeklagte) meistens zunächst zum Schein vorgeführt, damit es wenigstens nicht so aussieht, als ob ihr keine Möglichkeit zur Verteidigung eingeräumt worden wäre, und es werden ihr die Anzeigen zunächst verlesen und überprüft, vorausgesetzt daß sie (tatsächlich ernsthaft) überprüft werden.

    17. Wenn jene dann auch dieses sorgfältig widerlegt und zu Einzelheiten genügend Auskunft gibt, wird dies nicht beachtet und nicht notiert. Ja, falls sie sich sorgfältig rechtfertigt, ist dies sogar ein neuer Beweis, da sie ja, so sagen sie, wenn sie keine Hexe wäre, nicht so redegewandt wäre.

    18. Sobald ihre Bedenkzeit verstrichen ist, wird sie an einem anderen Tag von neuem vorgeführt, und es wird ihr der Beschluß zur Folter vorgelesen. [...]

    21. Sobald dann Gaia so untersucht und geschoren worden ist, wird sie gefoltert, damit sie die Wahrheit gesteht, das bedeutet: damit sie sich schlicht für schuldig erklärt. Was auch immer sie anderes behaupten wird, wird nicht die Wahrheit sein und kann es nicht sein.

    22. Dennoch wird sie mit der Folter ersten Grades gefoltert, das bedeutet: mit der leichteren.

    Verstehe dies so, daß sie, mag sie auch schon sehr schwer sein, dennoch im Verhältnis zu anderen, die folgen, leichter ist. Wenn sie hierauf gesteht, sagen sie, daß sie ohne Folter gestanden habe.[...]

    25. Deshalb gesteht sie entweder, oder sie gesteht nicht: gleich, was auch immer geschieht, es ist um sie geschehen. [...]

    28. Wenn dies aber geschieht, daß irgendeine Frau wegen so vieler Foltern den Geist aufgibt, dann sagen sie, daß ihr vom Teufel das Genick gebrochen worden sei. [...]

    30. Wenn nun Gaia aber weder stirbt, noch bestimmte gewissenhafte Leute ohne neue Beweise es wagen, sie weiter zu foltern und ohne Geständnis zu verbrennen, wird sie im Kerker festgehalten und ihr werden engere Fesseln angelegt, um sie dort bis zu einem ganzen Jahr zu zermürben, bis sie bezwungen wird. [...]

    35. Einige befehlen trotzdem zum Überfluß, daß Gaia auch exorziert, an einen anderen Ort verbracht und so noch einmal gefoltert werde: falls vielleicht durch diesen Ortswechsel und die Entsühnung der Schweigezauber ausgeschaltet werden könne. [...]

    Du allzu Unglückliche, was hast du gehofft? Warum hast du dich nicht beim ersten Zugang zum Kerker für schuldig erklärt? Nun, dumme und wahnsinnige Frau, warum willst du so oft sterben, obwohl du es auch nur einmal kannst? Folge meinem Rat und erkläre dich vor aller Pein für schuldig und stirb; du wirst nicht entkommen: denn dies ist schließlich das Unheil, das Deutschlands Eifer bewirkt. [...]

     

     

     

    Klasse SP 3a/ Sunnerboskolan Ljungby

     

    Witchtrials in Sweden

     

    The first known cases date back to the late 15th century. Especially during 1668 - 1676 many women were accused of sorcery; 280 women were decapitated and burned.

    In August 1669 15 women were killed in Mora (in the middle part of Sweden). Hundreds of children testified that they had been taken away by the so called witches. They claimed that they had been taken to a place called "Blåkulla" (a meeting place for witches and the devil).

    Children were encouraged and taught how to accuse women for witchery by beggars. The accusations even went so far that people turned their own family in without having any evidence.

    Witchtrials occured frequently in the provinces of Bohuslän, Dalarna, Norrland and Uppland.

    A very important book in the persuit of witches was called "The witch-hammer". This book is about how to recognize witches and it became popular because of Martin Luther and the division of the Catholic Church. Women lost there dignity in the protestant church.

    A common way to settle if a woman was a witch was the "watertest"; they threw a woman into a river and if she floated she was a witch and if she didn’t, she wasn’t a witch. But they died anyway.

    The final execution took place in 1704. In 1779 the witchcraft paragraph as well as the death penalty was banished by king Gustav III.

    Three significant persons against the witchtrials were: Queen Kristina, Urban Hjärne and Friedrich Spee.

    Zauberey "Zauberey." Flugblatt von Matthäus Merian d.Ä., 1626, Text von Johann Ludwig Gottfried (Kunstsammlungen der Veste Coburg)

    aus: W.Harms/B.Rattay, Ill. Flugblätter aus den Jahrhunderten der Reformation und der Glaubenskämpfe, Ausstellungskatalog, Coburg 1983, Nr.151

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