Du beschliesst, dass das Skelett doch nicht so gefaehrlich ist, wie es dir zuerst schien. Vielleicht findest du so heraus, was hier gespielt wird. "Ich gehe mit dir", antwortest du der Knochengestalt. "Du wirst es nicht bereuen..." erwidert sie noch, bevor sie den Raum verlaesst und dich am Arm mit sich zieht. Ihr geht die Treppe hinunter, die du gerade hinaufgestiegen bist, biegt unten nach rechts ab und geht die Treppe ins Erdgeschoss hinunter, vor der du gerade noch ueberlegt hast, ob du sie hinuntergehst oder die Tuer zu deiner rechten nimmst. An zwei grossen Fenstern vorbei, durch die du in den Blitzen, die immer wieder aufleuchten, einen verwilderten Garten erblickst, fuehrt es dich in einen weiteren Gang und wieder eine Treppe hinunter. Ihr scheint euch jetzt in einem Keller zu befinden. Die Luft ist feucht und kuehl. Kaefer kriechen am Boden entlang und aufgeschreckte Maeuse verschwinden in Loechern in den steinernen Waenden. Das Skelett laesst deinen Arm los und blickt dich an. "Wohin gehen wir?" fragst du leise. "Zum Schatz natuerlich..." antwortet das Skelett. "Er gehoerte mal der Familie meiner Frau. Jedoch wollte ihr Bruder den Schatz fuer sich allein. Mir gelang es, ihn zu verstecken. Dann sagte ich meiner Frau und meinem Schwager, dass ich ihnen das Versteck erst verrate, wenn sie sich einigen." Dein Begleiter schien Lust zu bekommen, seine Geschichte zu erzaehlen.
Gespannt hoerst du zu. Diese gruselige Gestalt ist vielleicht sogar ganz nett, auch wenn dich bei ihrem Anblick immer noch ein kalter Schauer durchfaehrt. "Ich war zu dieser Zeit schon ziemlich krank und irgendwann merkte ich, dass es nicht mehr lange gehen wird mit mir. Die beiden wollten sich den Schatz nicht teilen. Dabei haette das alles so viel einfacher gemacht. Zum Ende beschloss ich, meiner Frau das Versteck des Schatzes zu nennen, jedoch verriet ich ihr nicht, wo sich der Schluessel befand. Dies schrieb ich in meinem Testament nieder, kam aber nicht mehr dazu, es jemandem zu geben. Dann, einen Tag vor meiner Beerdigung, die mir Ruhe gebracht haette, drang ihr Bruder in mein Haus ein und versuchte sie zu zwingen, ihr das Versteck zu verraten. Meine Bediensteten ueberwaeltigten ihn und sperrten ihn in den Keller. Eigentlich nur, bis die Trauerfeier vorbei waere. Doch keiner kam mehr dazu, ihn zu befreien. Denn noch bevor die Trauerfeier begann stuermten Fremde das Haus, die wohl von dem Schatz gehoert hatten. Sie vertrieben saemtliche Bewohner und auch meine Frau konnte entkommen. Aber sie suchten vergeblich nach dem Schatz, er ist gut versteckt. Dafuer nahmen sie alles andere im Haus mit, das von Wert sein konnte. Mich liessen sie einfach imTurm liegen, ich wurde nie bestattet. Und mein Schwager fand im Keller einen unangenehmen Tot. Ihm schien der Hungertod zu lang, er erhaengte sich. Danach spukte es in diesem Haus, keiner kam mehr zurueck. Seither ist es meine Aufgabe, jemanden zu finden, dem ich den Schatz ueberlassen kann. Dann komme ich endlich zur Ruhe." Hoffnungsvoll schaut dich dein Begleiter an. "Dafuer brauchen wir allerdings erst das Buch, in das ich mein Testament geschrieben hatte. Denn die genaue Lage des Verstecks habe ich in all den Jahren vergessen. Dann werde ich dir zeigen, wo sich der Schluessel befindet." Waehrend dein Begleiter erzaehlte, hast du dich langsam beruhigt und daran gewoehnt, dass du mit jemandem sprichst, der schon lange nicht mehr lebt. "Wo ist dieses Buch?" fragst du. Noch bevor du den Satz beendet hast, faengt das Licht deiner Taschenlampe an zu flackern. Als es nach nochmaligem Aufblitzen ganz verlischt, kehrt deine Panik wieder zurueck. Mit einem Skelett als einzigen Begleiter in einem fremden Keller zu sein, ist nicht sehr angenehm... Du schauderst, als die rauhe Stimme deines Begleiters anfaengt zu sprechen. "Du hast natuerlich keine Kerze mit, oder?" Nein hast du nicht, aber ploetzlich erinnerst du dich wieder an die Ersatzbatterien, die du vor deiner Abfahrt in die Jackentasche gesteckt hast. Du oeffnest das Batteriefach der Lampe, laesst die alten Batterien auf den Boden fallen und nimmst die neuen aus der Tasche. Mit zitternden Haenden versuchst du, sie in das Fach zu legen, um die Lampe wieder benutzen zu koennen, als sie deinen, vor Angstschweis rutschigen, Haenden entgleiten. Mit wackligen Beinen laesst du dich nieder und beginnst sie zu suchen. Tastend fahren deine Haende ueber den kalten glitschigen Boden... Erschreocken zuckst du zusammen, als sich dein knochiger Begleiter wieder zu Wort meldet. "Schau..." kraechzt er.
In der Ferne, am Ende eines weitern Ganges leuchtet etwas. Du gibst die vergebliche Suche nach den Batterien auf und folgst dem Licht, die Schritte des Skeletts hinter dir...