Quellen-Studie zu Franz Bardons Kabbala

© by  Paul Allen (PA), Februar 2001

Franz Bardon Research (englisch)
Franz Bardon Forschung (deutsch)

SWQ = "Der Schlüssel zur wahren Quabbalah" von Franz Bardon.


Zum gleichen Thema: Mr. Scuttles Analyse über die Wirkungsweise der Vokalerweiterungn hier weiter unten.


Neue Studien (2001) zu den Quellen von Bardons Kabbala haben interessante neue Ansätze ergeben.

Nach neuesten Erkenntnissen ist Bardon's Kabbala (unter anderem) sehr wahrscheinlich auch auf der hebräischen mystischen Kabbala der Renaissance aufgebaut. Yudelove zeigt in seinem Buch "The Tao & the Tree of Life" eine Übereinstimmung zwischen der Zuordnung der kabbalistischen Buchstaben zu bestimmten Organen bei Bardon und Sepher Yetzirah auf. (Siehe das Diagramm: Comparison of Bardon and Sepher Yetzirah von Eric Yudelove in seinem Buch "The Tao and the Tree of Life"). Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Bardon mit den Systemen wichtiger hebräischen Kabbalisten bekannt war.

Insbesondere seien hier kabbalistische Mystiker wie

    Rabbi Abraham Abulafia (1240-1288?), einer der wichtigsten Vertreter der hebräischen Kabbala,
  1. Rabbi Moshe Cordovero von Safed = der Ramak (1522-1570), der Autor der "Pardes Rimonim", das ist eines der wichtigsten zusammenfassenden Werke der Kabbalah,

  2. und schliesslich der wahrscheinlich bekannteste hebräische Kabbalist,
  3. Rabbi Isaac Luria (1534-1572), auch "Ari" genannt, der die nach ihm benannten lurianische kabbalistische Mystik-Tradition begründete,
genannt.

Zu Abulafia muss noch angemerkt werden, dass zu seinen wichtigsten Schülern Rabbi Joseph Gikatalia (1248-1323) zählte, der Autor des "Shaarey Orah" (Pforten des Lichts). Dieses Werk enthält zum ersten mal den sogenannten kabbalistischen Lebensbaum mit seinen zehn Sephira, wie er heutzutage allgemein bekannt ist. Siehe: Figur 1 : Der Baum des Lebens (aus Portae Lucis, 1516, abgedruckt im Buch Yudeloves).

Sowohl Abulafia als auch Cordovero und Luria verwenden alle auf unterschiedliche Weise ein sehr spezielles System, das auch Bardon in seinem Werk über die Kabbala kurz streift, was in dieser Art der Übereinstimmung kein Zufall sein kann.

Ich spreche hier von der Erweiterung des Tetragrammatons YHVH durch Vokale, um bestimmte Zwecke zu erreichen. Siehe Bardon "Der Schlüssel zur wahren Quabbalah", Praxis, Stufe 10, über die Erweiterung des JHWH durch Vokale. (z.B. 3. Auflage S. 363).

Dazu schreibt Bardon im SWQ: "Interessanterweise bringe ich wenigstens einige Buchstabenkombinationen des Vierer-Schlüssels mit den Buchstaben JHWH. Wollte ich die Schlüssel anführen, die diesem Buchstaben quabbalistisch entsprechen, müßte ich abermals 256 Formeln angeben, was aus technischen Gründen undurchführbar ist. Als Beispiel wähle ich solche, die 1. weniger bekannt sind und 2. von welchen nur jene Gebrauch machen, die in der hebräischen Quabbalah gut bewandert sind."

Bardon führt dann 6 kabbalistische Formeln an, bei denen YHVH (bei Bardon JHWH) durch Vokale erweitert wurde.

  1. JaHWH
  2. JeHWH
  3. JiHWH
  4. JoHWH
  5. JuHWH
  6. JauHWH
Diese Erweiterungen mit Vokalen (hier in blauer Farbe) haben mich schon immer sehr neugierig gemacht, da ich nicht verstehen konnte, was sie zu bedeuten haben bzw. wie Bardon auf ein so "ausgefallenes" System kommt.

Bei den hebräischen Kabbalisten der Renaissance, kommt aber genau diese Methode der Vokalerweiterung an verschiedenen Stellen vor.

1. Abulafia:

Kaplan schreibt: "Once one has mastered the technique of letter permutation, the next step in Abulafias system involves the pronunciation of the various names of God. The simplest of these involves the four letters of the Tetragrammaton, YHVH. These letters are combined with the Letter Aleph, together with the five primary vowels. ... This method is presented in detail in Abulafias "Or HaShekhal" (Light of the Intellect)."

Übersetzt:

"Sobald man die Technik der Buchstaben-Permutation gemeistert hat, dann wird im nächsten Schritt von Abulafias System die Aussprache von verschiedenen Namen Gottes verwendet. Der einfachste dieser beinhaltet die vier Buchstaben des Tetragrammatons, YHVH. Diese Buchstaben werden mit dem Buchstaben "Aleph" zusammen mit den fünf Grundvokalen kombiniert. Die Methode wird ausführlich in Abulafias "Or HaShekhal" (Licht des Intellekts) erläutert. Quelle: "Meditation and Kabbalah" von Aryeh Kaplan, Seite 87 und 91.
 

Zum Beispiel:

Aussprache mit Vav:

AoVo AoVa AoVe AoVu
AaVo AaVa AaVe AaVi

usw.

Bei diesem Beispiel wird der Vorgang der Vokalisierung des YHVH noch nicht ganz deutlich, was sich aber beim nächsten Vertreter ändert. Immerhin sieht man hier schon die Grundlage eines speziellen Meditations-Systems durch Vokalerweiterung entstehen.
 
 

2. Rabbi Moshe Cordovero:

Man möge sich das umfangreiche Kapitel über Cordovero in Aryeh Kaplans "Meditation and Kabbalah" selbst durchlesen. Ich gebe hier nur das Beispiel mit den Vokalerweiterungen des Gottesnamens YHVH in bezug auf die Sephirah an.  
Sefirah Vokal   Tetragrammaton
     
Keter Kametz
a
YaHaVaHa
Chokhmah Patach
a
YaHaVaHa
Binah Tzeré
e
YeHeVeHe
Chesed Segol
e
YeHeVeHe
Gevurah Sheva
'
Y'H'V'H'
Tiferet Cholem
o
YoHoVoHo
Netzach Chirek
i
YiHiViHi
Hod Kibbutz
u
YuHuVuHu
Yesod Shurek
u
YuHuVuHu
Malkuth kein Vokal   Y H V H

[Quelle: "Meditation and Kabbalah" von Aryeh Kaplan, Seite 185.]


3. Rabbi Isaac Luria:

Rabbi Isaac Luria verwendet die Vokalerweiterung des Gottesnamens YHVH in seinem System der Yichudim.

Näheres dazu wieder im Buch "Meditation and Kabbalah" von Aryeh Kaplan, Seite 218 (The Ari, 4. Yichudim).

Dieses System der Yichudim stellt ein äusserst umfangreiches und höchst kompliziertes Meditationssystem dar, in dem die Erweiterungen nicht mehr nur Vokale sondern auch Konsonanten umfassen können. Auch die Vokalerweiterung wird zusätzlich noch stark ausgeweitet und vielfach angewendet. Die Erweiterung des Gottesnamens Tetragrammaton YHVH kommt an zahlreichen Textstellen vor, z.B.:

YOD HY VAV HY

YOD HH VV HH

YAHDVNHY

Aber es kommen auch die von Cordovero bekannten Erweiterungen des Gottesnamen YHVH mit Vokalen den Sefirah entsprechend vor, z.B.:
"Then meditate on YHVH in Chokhmah-Wisdom, where it has the vowel point Patach":
"Dann meditiere über YHVH in Chokhmah-Weisheit, wo es den Vokal-Punkt* Patach besitzt"

YaHaVaHa

"Then mediatate on YHVH in Tiferet-Beauty, where it has the vowel point Cholam":
"Dann meditiere über YHVH in Tiferet-Schönheit, wo es den Vokal Punkt* Cholam besitzt."

YoHoVoHo

* Anmerkung: In Abulafias System wird die Erweiterung durch Vokale der einzelnen Buchstaben des Tetragrammatons durch ein "Punkte-Strich-Symbolsystem" angegeben, wie wir es zum Teil von der modernen hebräischen Schrift her kennen (Dagesch System). Details darüber findet man in Kaplans Buch.

Ein kompliziertes Beispiel für die Erweiterung eines anderen Gottesnamen ist die Erweiterung von Ehyeh:
"Meditate on these three names Ehyeh":
"Meditiere über diese drei Namen Ehyeh".

AaHaYaHa AaHaYaHa AhHaYaHa


 

Hat Bardon die original Texte der hebräischen Kabbalisten gekannt?

Darüber lässt sich bisher keine definitive Aussage machen.

Einen kleinen Hinweis gibt Bardon im des SWQ wenn er schreibt: "In vielen Schriften, welche über die 72 Genien oder den Schem-Ham-Phor-Ash schreiben, wird zwar der übergeordnete Gottesname angegeben, aber der wahre Sinn oder der Schlüssel wird nicht geoffentbart."

Dank Paul M wissen wir, dass Bardon die 72 vierbuchstabigen Namen Gottes (nicht zu verwechseln mit den 72 hebräischen Gottesnamen im gleichen Diagramm) aus einer Graphik von Athanasius Kirchers "Oedipus aegyptiacus" als kabbalistische Kraftschlüssel der Merkurgenien verwendet hat. Siehe "Der Schlüssel zur wahren Quabbalah" von Franz Bardon im Kapitel Stufe XI "Der quabbalistische Gebrauch Göttlicher Namen und Wesen", Quantitätsschlüssel Kraftstoff-Schlüssel der 72 Genien der Merkurzone.

Eine Abbildung dieser Graphik über den 72-zähligen Namen Gottes im Oedipus Aegyptiacus Kirchers kann man hier finden: Athanasius Kircher: Source of "Quantity Key's". (In den "Blättern des Baumes" findet man die 72 hebräischen Namen Gottes, die Bardon als Merkurgenien bezeichnet und im zweitäussersten Kreis der Graphik die 72 Namen Gottes, die sich von den verschiedenen Ländern und Völkern bzw. deren Sprachen ableiten.)

Man kann also vermuten, dass Bardon den Oedipus Aegyptiacus kannte. Es ist allerdings auch möglich, dass er nur das "Bildmaterial" aus dem Oedipus "verstehen" konnte. Ich weiss nicht, ob Bardon in der Lage war, Latein zu verstehen. Ausserdem weiss ich auch von keiner Übersetzung aus dem Latein in eine andere Sprache der zwei sehr umfangreichen Bände des Oedipus Aegyptiacus. Das griechische Theos und andere Gottesnamen in den diversen Fremdsprachen der verschiedenen Länder (siehe Abbildung) wurden (von Bardon?) korrekt aus der Abbildung übersetzt und in Bardons Kabbalah übertragen.

Möglich ist auch, dass Bardon diese Gottesnamen aus einem ins tschechische oder deutsche übersetzte Werk oder Manuskript entnommen hatte.

Jedenfalls werden von Athanasius Kircher die weiter oben zitierten wichtigen Autoren der hebräischen mystischen Kabbala häufig im Oedipus Aegyptiacus im entsprechenden Kapitel über die hebräische Kabbala zitiert. Besonders Abulafia und Cordoveros "Pardes" werden sehr häufig angeführt. Es könnte also leicht sein, dass Bardon die Orginalliteratur dazu ausgeforscht und studiert hat. Das wäre allerdings überraschend, da meines Wissens keine Übersetzung aus der hebräischen Sprache in eine andere Sprache dieser Werke vorlag; Bardon hätte die Texte in der hebräischen Orginalfassung lesen müssen. Diese Texte waren aber nicht allgemein zugänglich sondern in verschiedenen Bibliotheken, privaten oder öffentlichen Archiven Europas verstreut und lagen zum Teil nur in Manuskriptform (also nicht gedruckt) vor.

Eine weiter Möglichkeit ist, dass Bardon zu hebräischen kabbalistischen Mystikern seiner Zeit Kontakt hatte.

Schliesslich kann es auch leicht sein, dass Bardon dieses Wissen der hebräischen Kabbala aus anderen magischen Werken entnommen hat, eventuell aus den Werken des Pietro di Abano oder Reuchlin.

Um genaueres darüber sagen zu können, müssen noch weitere Vergleiche und Studien angestellt werden.

Sollte jemand entsprechende Werke kennen, die die 72 Kraftschlüssel der Merkurgenien auch enthalten, wäre ich für eine Mitteilung dankbar.

Eine Erkenntnis ...

Und weitere Fragen ...

Von Fred Scuttle, Februar 2001

In einer Übersetzung von Paul Allen.
[ ] bedeutet Zusatz vom Übersetzer

SWQ = "Der Schlüssel zur wahren Quabbalah" von Franz Bardon.



 
 

Zufälligerweise habe auch ich mir den Kopf über die Buchstaben-Erweiterungen der Formeln im SWQ zerbrochen. Ich habe versucht durch einen Vergleich der Buchstabenerweiterunen in den dreibuchstabigen und vierbuchstabigen Formeln Übereinstimmungen zu finden und dadurch einen Zusammenhang zu entdecken. Ohne Erfolg. Irgend etwas fehlte.

Der Schlüssel um den Code zu knacken war Paul Allens "Quellen-Studie zu Franz Bardons Kabbala" - Artikel vom Februar 2001.

Der Ausgangspunkt dazu ist die Tabelle, die den Zusammenhang zwischen den Vokalen und den Sephira auflistet. Aus dieser Tabelle können wir zum Beispiel entnehmen, dass der Vokal "o" zu Tifareth zugeordnet wird.
 
  

Sefirah Vokal   Tetragrammaton
     
Keter Kametz
a
YaHaVaHa
Chokhmah Patach
a
YaHaVaHa
Binah Tzeré
e
YeHeVeHe
Chesed Segol
e
YeHeVeHe
Gevurah Sheva
'
Y'H'V'H'
Tiferet Cholem
o
YoHoVoHo
Netzach Chirek
i
YiHiViHi
Hod Kibbutz
u
YuHuVuHu
Yesod Shurek
u
YuHuVuHu
Malkuth kein Vokal   Y H V H

[Quelle: "Meditation and Kabbalah" von Aryeh Kaplan, Seite 185.]


Im SWQ lesen wir:

Jo Ho W "führt in allen drei Reichen zur absoluten Macht, daselbst alles zu erreichen".

Weiter hinten lesen wir: Jo Ho W "führt zu einer absoluten Macht, wie sie die Allmacht besitzt ..."

Im nächsten Kapitel über den vierbuchstabigen Schlüssel steht Jo HWH "läßt die Macht über andere Menschen erreichen, gibt aber auch die Überlegenheit über andere Wesen".

Tifareth entspricht der Sonne in unserem Universum, der Macht, dem persönlichen Gottesbegriff. Ich bin sicher, Sie haben das Prinzip nun durchschaut. Noch einige weitere Vergleiche und man nähert sich der Lösung des Problems. Versuchen Sie dieses Prinzip an der Formel J au aus dem SWQ.

Ich denke, dass eines der Bücher oder Manuskripte von Abulafia/Cordovero/Luria eine Serie von Übungen enthält, die auf die Erschaffung der Sephira entweder im Meditierenden oder auf die Kontaktherstellung mit den Sephira als aussenliegendes Prinzip abzielt.Ich glaube wenn der Praktiker den richtigen Kontakt hergestellt hat, dann ist er in der Lage, die Sephira in die Vokale zu verlegen.

Um ein Beispiel zu geben: Spock [aus dem Raumschiff Enterprise] ist nicht in der Lage zu lieben, deshalb wäre er auch nicht in der Lage, [einen Buchstaben] gefühlsmässig auszusprechen. Solange man also den richtigen Kontakt, möglicherweise ekstatischen Kontakt, nicht hergestellt hat, ist man auch nicht in der Lage, diese Aufgabe richtig durchzuführen.Für alle, die ein [Verständnis-] Problem mit den Modifikationen [der Formeln] haben, hier einige Beispiele:

Wir können ein Lied dadurch verändern, dass wir es auf verschiedene Art und Weise spielen. Die Melodie ist erkennbar, aber das Resultat ist unterschiedlich [z.B.] wenn man für Kinder einfach und holprig oder für Tänzer mit gleichmässigem Takt spielt oder indem man [dasselbe Stück] mit einem Orchester spielt oder elektronische Musik verwendet; all [dies] verändert [das Stück].

Wir können zu irgendwas "ja" sagen, aber durch Anheben des "a" [gleichzeitig] Zweifel ausdrücken.
Wenn wir "ja !!!" sagen, bringen wir [Freude] über eine gute Gelegenheit zum Ausdruck oder ein "triumphierendes" Gefühl. Wenn wir "ja" sagen und dabei mit der Stimme leicht vibrieren und die Basstöne etwas anheben, dann bringen wir damit ein sinnliches Erlebnis zum Ausdruck. Denken Sie darüber nach, wie wir Worte durch Modifikationen und Anpassungen verändern um besser ausdrücken zu können, was wir übermitteln wollen.
 
 Leider ist aber noch nicht der ganze Kode entschlüsselt.

Franz Bardon führt auch verschiedene andere Erweiterungen an, die in der Tabelle nicht enthalten sind. Wir wissen nicht, auf welche Art diese Vokale wirken. Wir wissen nicht, ob die Methode von Cordovero für uns anwendbar ist und ob andere Übungen uns die Anwendung dieses Schlüssels ermöglichen. Ein Studium der originalen Manuskripte wird uns einer Antwort näher bringen.

Meine Intuition sagt mir, dass sich "au" auf Malkuth bezieht und dass der Ton von Geburah ['] kurz und martialisch ist. Möglicherweise liege ich falsch. Wir können [ausserdem] annehmen, dass die Vokalerweiterungen auch mit anderen Konsonanten wirken, da auch die Formel We He Bi angeführt wird.Wir sind noch weit davon entfernt, die [vollständige] Lösung in Händen zu halten und sind mit zahlreichen weiteren Fragen konfrontiert. Falls die Göttliche Vorsehung es will, werden wir die Erlaubnis erhalten weitere Antworten zu veröffentlichen und wir hoffen, dass sie von wirklichen Schülern aufgenommen und verstanden werden.



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