Die Geschichte der Familie Goldbaum:

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Dies ist eine Zusammenfassung eines längeren Dokumentes, das im Original auf Deutsch von unserem Vater Heinz Goldbaum (geb. 1912 in Berlin, gest. am 23.4.2005 in Kiriat Bialik, Israel) verfasst wurde. Er schrieb seine eigenen Erinnerungen und die Erzählungen seines Grossvaters Adolf nieder und betrieb Ahnenforschung in verschiedenen öffentlichen Bibliotheken wie der Hebrew University in Jerusalem.

 

Danny, Noemí and Dor Goldbaum, Israel  2005

 

Der erste Goldbaum war David Goldbaum, ein jüdischer Gasthofbesitzer. Seinen Namen wählte er 1797. Sein Heimatort war Grabow, ein kleines Dorf in der preussischen Provinz Posen (heute Polen). Die nächste grössere Stadt war Ostrowo. Ende des 18. Jahrhunderts waren 6% der Bevölkerung Juden.

 

Am 17. April 1797 veröffentlichte die preussische Regierung Vorschriften, die die jüdische Bevölkerung in Posen betraf. Eine Vorschrift lautete, dass jedes jüdische Familienoberhaupt einen Familiennamen wählen musste, unter dem er und seine Nachfahren bekannt sein sollten. Bis anhin hatten Juden in diesem Gebiet keine Familiennamen. Sie nannten sich beispielsweise „David, Sohn des Jacob“, Christen dagegen hatten Familiennamen.

Seit dem 13. Jahrhundert lebten Juden in Posen, sie waren vor den Verfolgungen im zweiten und dritten Kreuzzug in Deutschland hierher geflüchtet. Im 18. Jahrhundert war die jüdische Gemeinde in Grabow gut organisiert und aktiv und ihre Mitglieder waren in der Stadtverwaltung vertreten. Die jüdische Bevölkerung war im 19. Jahrhundert in der Hauptsache als Kauleute und Handwerker tätig, Verwalter, Lehrer und Ärzte waren Deutsche und die Bauern meistens Polen.

 

Davids Sohn Loeb Goldbaum, ein Getreide Händler und Landbesitzer, heiratete eine geborene Markus, gemeinsam hatten sie zwölf Söhne und eine Tochter. Die Goldbaums waren stark und gross von Statur und wurden in der jüdischen Gemeinde sehr respektiert. Loeb war aktiv in der „Hevra Kadisha“ und hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Gräber vor der Beerdigung auszuheben. Unter den christlichen Einwohnern wurde er sehr respektiert, indem er ihnen grosszügigen Kredit für das Getreide, das verkaufte, gewährte. Er war ein wohlhabender Mann und verdiente Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich zwischen 2000 und 4000 Talern. Hinsichtlich der Erziehung seiner Kinder pflegte er die deutsche Kultur, in der Familie wurde Deutsch gesprochen.

 

Zwischen 1840 und 1880 verliessen viele der jüdischen Familien Posen, darunter elf von Loebs Kindern, ihre Familien und weitere Mitglieder eines grösseren familiären Umfeldes. Ihre Auswanderung fand innerhalb einer grösseren Auswanderungswelle der jüdischen Bevölkerung statt, die durch den nationalen Konflikt zwischen Polen und Deutschen verursacht wurde. Für Juden verschlechterten sich die Lebensverhältnisse zusehends. Obwohl sie die Deutschen unterstützten,  litten sie unter Restriktionen und der Unterdrückung sowohl durch die Deutsche Verwaltung als auch durch die polnische Bevölkerung. Nur der älteste Sohn, Adolf Goldbaum, blieb in Europa. Er war Arzt und hatte in Deutschland Medizin studiert, wo er häufig mit dem Antisemitismus unter deutschen Studentenschaft konfrontiert war. Er war ein gelehrter Mann, der neben Deutsch, Russisch, Polnisch und Französisch beherrschte.

 

Nachdem er in der preussischen Armee während des preussisch französischen Krieges von 1870 als Militärarzt gedient hatte, sah er sich nach Arbeit um. Er kam nach Lodz in Polen, wo er sich niederliess. Dort heiratete er 1879 Bronislava Gruenfeld, die Tochter eines reichen Kaufmanns. Ihr Sohn Wenzel wurde 1881 geboren. Lodz war zu der Zeit unter russischem Regiment. 1885 wurde ein Ausweisungsbefehl gegen die jüdische Bevölkerung mit deutscher Herkunft erlassen. Man stellte Adolf vor die Wahl zu konvertieren, er brachte jedoch seine Familie zurück nach Deutschland und liess sich in Frankfurt nieder, wo er bis 1918 als Arzt tätig war. Sein Sohn Wenzel Goldbaum studierte Recht in Berlin. Er war als Referendar in der Anwaltspraxis von Paul Alexander Katz tätig, einem Rechtsanwalt und Professor des Urheberrechts. In dessen Hause lernte er Marie kennen und heiratete sie 1911. Sie hatten fünf Kinder: Georg-Heinrich (Heinz) geb. 1912, Friedrich-Ludwig (Fritz) geb. 1913, Peter geb. 1917, Suse geb. 1920  und Paul-Eberhard geb. 1921.

 

Wenzel war deutscher Patriot und kämpfte vier Jahre in der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg, obwohl er damals schon als erfolgreicher und bekannter Urheberrechtsanwalt tätig war. Noch heute greift das deutsche Recht auf von ihm geschaffene Grundlagen im Urheberrecht zurück.

 

Die Familie emigrierte 1933 nach Paris. Wenzel, seine Frau Marie und die beiden jüngeren Kinder Suse und Paul verliessen Europa 1936 und emigrierten nach Ecuador. Wenzel wollte in dem Land leben, das am weitesten von Deutschland entfernt lag und in dem die Eier am billigsten waren, er hatte nicht nur den Glauben an seine Heimat sondern auch einen Grossteil seines Vermögens verloren. In der Emigration dozierte er an der Universität und fungierte als Mitglied der Delegation Ecuadors in den Vereinten Nationen. Er lernte Spanisch, verfasste Fachbücher und übersetzte spanische Lyrik und Theaterstücke ins Deutsche.

Heinz, sein ältester Sohn, emigrierte 1936 nach Palestina und diente in der Britischen Armee in Afrika und Italien während des Zweiten Weltkrieges. Er starb am 23.4.2005 in Kiriat Bialik in Israel. Er hinterlässt drei Kinder: Margurite, die in England lebt und drei Kinder hat: ?, Neomi und Danny, die beide in Israel leben. Danny hat drei Kinder: Dor, Gili und Michal.

Fritz, der zweite, ging in Frankreich zur berüchtigten Fremdenlegion, um vor den Nazis zu fliehen. Nach einer abenteuerlichen Schiffsreise erreichte er seine Eltern in Südamerika. Er liess sich in Ecuador nieder, gründete eine sehr erfolgreiche Versicherungsgesellschaft und heiratete Julia. Sie haben drei Söhne: David, Roberto, Ruben (gest. ?). David hat drei Söhne: Melisa Goldbaum Weber, Viviana und Alejandro. Roberto hat drei Kinder: Andrea, Federico und Gabriela.

Peter, der dritte Sohn, verbrachte die Emigration zunächst in England und dann in den Vereinigten Staaten. Er war als u.a. als Drehbuchautor tätig. 1955 kehrte er nach Deutschland, Berlin, zurück, wo er als Theateragent arbeitete. Dort lernte er die Schweizer Schauspielerin Elvira Schalcher kennen, heiratete sie und gemeinsam haben sie eine Tochter: Manuela Gruber-Goldbaum.  Peter erhielt 1958 den Bundesfilmpreis und war viele Jahre als Regisseur und Schriftsteller tätig. Er starb am 4.9.1981. Manuela und Bernhard Gruber-Goldbaum haben zwei Söhne: Wenzel (1988) und Peter (1993) und sie leben in der Schweiz.

Suse lebt in San Francisco und hat eine Tochter, Graciela, die mit ihrem Ehemann Leon Garry und ihrem Sohn Tomithy in Pennsylvania lebt.

Paul zog mit seiner Familie und Wenzel und Marie nach Peru, wo die Eltern verstarben (?) und begraben sind. Er lebte später in Spanien und schliesslich in Canada. Er heiratete Itala und sie haben drei Söhne: Carlos, Bill und Pepe. Carlos ist verheiratet mit Maria del Rosario und hat drei Kinder: Paul, Karl-Heinz und Erika. Bill ist mit Barbara verheiratet und sie haben drei Kinder: Diana und David. Jose ist mit Claudia verheiratet und sie haben zwei Kinder: Matthew Wenzel und Grace Evangeline.

 

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