Die Lurchi-Sammelbände
Die Bücher, in denen die Lurchi-Hefte zusammengefasst sind, werden - im Gegensatz zu den Heften - immer nachgedruckt und sind daher in den meisten Salamander-Geschäften vorrätig - zur Zeit allerdings oft nicht mehr komplett, da im Zuge der Salamander-Insolvenz ein Ausverkauf vieler Lurchi-Artikel eingesetzt hat, darunter auch der Bücher.

Für frühere Auflagen der ersten Ausgaben (speziell Band 1) werden von Sammlern schon lange höhere Preise gezahlt. Dies nicht nur "aus Prinzip", sondern auch, weil es teilweise zu inhaltlichen Veränderungen bei den Neuauflagen kam.


Geschichte

Schon im Dezember 1960 erschien der erste, noch unnumerierte, Band "Lurchis gesammelte Abenteuer" mit dem Nachdruck der Hefte 1 bis 21. Vorher hatte man mit anderen Arten von Sammelbänden experimentiert (siehe unten). Das Buch wurde mehrmals neu aufgelegt und ab dem Erscheinen von Band II im Jahre 1968 mit der Nummer I versehen. Wichtig für Sammler: Nicht jeder unnumerierte Band I ist also eine Erstauflage! Ausschlaggebend ist das Erscheinungsdatum im Impressum am Schluss des Buches.

Hier der erste Band mit dem Impressum der Erstauflage:
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Bei "Gestaltung" wird in diesem Impressum noch der Salamander-Prokurist Erwin Kühlewein genannt, der lange als Texter fungiert hatte. In späteren Auflagen steht hier richtiger Heinz Schubel vermerkt - dafür wurde nun der Texter Kühlewein, der wegen seines Weggangs von Salamander inzwischen in Ungnade gefallen war, ganz unterschlagen.

Das Papier war bei der Erstauflage noch ebenso glatt wie in den Heften, so dass die Farben gut zur Geltung kamen - bei den Neuauflagen verwendete man dann lange Zeit raueres Papier, was die Bilder stumpfer wirken lässt. Dagegen hat der Umschlag des Buches in der ersten Auflage noch nicht die glatte Folie, wie man sie von allen späteren Ausgaben kennt, sondern noch die raue Kartonoberfläche, die man auch bei anderen Jugendbüchern dieser Zeit findet.

Interessanter noch sind aber die inhaltlichen Veränderungen: In der Erstauflage des Buches ist nicht nur die später gestrichene "Kannibalenszene" des Afrika-Abenteuers noch enthalten, auch von textlichen Änderungen der späteren Auflagen ist die Ausgabe von 1960 noch unberührt. Schon einen Monat später aber erschien die erste Neuauflage mit der Kennung 50.1.61, in der bereits Veränderungen vorgenommen waren. Der schnelle Nachdruck lässt auch erkennen, dass der Sammelband viel besser ankam, als man bei Salamander selbst geglaubt hatte.

Die Lurchi-Bücher erfreuten sich dauerhafter Beliebtheit, so dass bald weitere Neuauflagen in höheren Druckzahlen folgten. Die Herstellung der Bücher wurde, wie die ganze Organisation der Lurchi-Reihe, von Salamander selbst in die Hand genommen, ohne Zusammenarbeit mit einem Verlag. Der Abgabepreis der Bücher konnte dadurch immer auf bloße Kostendeckung hin kalkuliert werden.

Insgesamt sind erschienen:

   1960  Band I     mit den Heften    1 bis 21
   1968  Band II   mit den Heften   22 bis 40
   1974  Band III  mit den Heften   41 bis 57
   1982  Band IV  mit den Heften   58 bis 71 und 73 bis 76
   1989  Band V   mit den Heften   77 bis 95
   1995  Band VI  mit den Heften   97 bis 107 und 109 bis 114
   2001  Band VII mit den Heften 115 bis 129

Die Bücher enden also mit dem letzten der klassischen "grünen Hefte", das zunächst von "Pixi"-formatigen Geschichten gefolgt wurde (siehe dazu unter
Der neue Lurchi). Hatte Band VI die Ausgaben des Zeichners Piiit Krisp vervollständigt, so bietet Band VII alle Ausgaben von Dietwald Doblies, die noch den "klassischen" Lurchi vor seiner Modernisierung zeigen. 


Fehlende Hefte

Es wurden, wie man in der obigen Aufstellung sieht, drei Hefte ausgelassen, die somit niemals in Buchform erschienen sind: 72, 96 und 108.

Beim Heft 72, das im Band IV fehlt, wurde dies nach Auskunft des Zeichners Piiit Krisp bei Salamander so entschieden aufgrund des Inhalts der Geschichte: Lurchi und Co. beschäftigen sich hier mit Elektrizität, und zwar in recht leichtfertiger Weise. Man sah hier die Gefahr, dass sich Kinder davon zu ähnlichen Experimenten anregen ließen. (Vergleiche hierzu auch die Selbstzensur des Ehapa-Verlages bei der Neuauflage von Band 7 der Reihe "Walt Disney's Lustige Taschenbücher": Hier wurde eine Szene gestrichen, in der Donald Duck in eine Steckdose fasst.)

Ferner wurde zwischen den Bänden V und VI das Heft Nummer 96 weggelassen. Hier sind zwei Gründe denkbar: Zum einen handelt es sich um das letzte Heft des Zeichners Georg Nickel, das zwischen den Geschichten des Zeichners Piiit Krisp einen deutlichen Fremdkörper gebildet hätte. Zum anderen beinhaltet das Heft 96 eine recht misslungene Kindheitsepisode, in der Lurchi und Freunde während ihrer Schulzeit allerlei lebensgefährliche Dinge treiben - auf dieses Stück alberner Antipädagogik verzichtete man wohl gerne. Das Heft 108, das in Band VI fehlt, erzählt von dem ziemlich brutalen Kampf des Lurchi-Teams gegen einen menschenfressenden Zauberriesen - kein Wunder, dass es der pädagogischen Zensur zum Opfer fiel.


Veränderungen beim Nachdruck

Gab es bei den Lurchi-Heften umfangreiche Veränderungen zwischen den einzelnen Auflagen, so findet sich das in geringerem Umfang auch bei den Büchern. Am bekanntesten ist das Beispiel der berühmten "Kannibalen-Szene": In der Heftfassung von Nummer 13 werden Lurchi und seine Freunde noch von gefährlich ausgemalten Wilden gefangen, es droht ihnen der Tod im Bratkessel. Auch in der ersten Auflage von Buch I ist das noch so zu finden. In den Neuauflagen dagegen wurde die Szene durch eine harmlosere ersetzt: Die Gruppe findet nur noch einen leeren Kessel in der afrikanischen Steppe - ohne Kannibalen.

Entsprechend wurde der Titel dieser Episode im Inhaltsverzeichnis des Buches von "Lurchi bei den Wilden" geändert zu "Lurchi in Afrika". Warum nun das ganze? Mehrere Gründe sind denkbar:
- um die jungen Leser nicht mit dieser Gefahr des Aufgefressen-werdens zu verängstigen.
- um die rassistischen Anklänge (Neger = Wilde) zu beseitigen.
- um die geographische Richtigkeit wiederherzustellen (Kannibalismus war in Afrika nie Mode...).

In den Neuauflagen des ersten Buches wurde außerdem eine Seite herausgekürzt, und zwar in der zweiteiligen Weinberg-Geschichte der Hefte 18 und 19: Das Winzerfest, das am Ende von Heft 18 steht, wurde gestrichen. Grund ist einfach, dass Heft 19 mit einem sehr ähnlichen Fest endet und man den Eindruck einer Doppelung vermeiden wollte. Viele weitere Veränderungen, meist kleinere Anpassungen des Textes, harren noch einer Katalogisierung.


Reihenfolge

Die Serie steht in den Büchern meist nicht mehr in der ursprünglichen (chronologischen) Reihenfolge der Hefte. Hier die Ordnung der Hefte in den Büchern:

Band I:  1, 2, 5, 3, 6, 14, 11, 12, 13, 15, 16, 17, 20, 21, 4, 7, 8, 9, 10, 18, 19

Band II:  22, 29, 30, 23, 27, 28, 24, 25, 26, 33, 34, 35, 37, 36, 32, 31, 38, 39, 40

Band III:  42, 43, 45, 44, 40, 50, 41, 53, 55, 54, 52, 48, 46, 51, 47, 56, 57

Band IV:  75, 67, 59, 61, 70, 60, 74, 66, 71, 64, 62, 63, 73, 68, 65, 69, 58, 76

Band V:  88, 85, 89, 81, 82, 77, 78, 84, 90, 80, 91, 95, 93, 83, 79, 86, 92, 94, 87

Band VI: 114, 111, 113, 109, 97, 98, 105, 106, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 112, 110, 107

Band VII: 115 ... 129 (Reihenfolge der Hefte)

Bis auf die späten Lurchi-Hefte, die den Titel der Geschichte auf dem Titelblatt tragen, waren die Folgen als Hefte immer unbenannt. Erst in den Büchern bekamen sie eine Bezeichnung, so dass man sie im Inhaltsverzeichnis identifizieren konnte. Die Nummern der einzelnen Geschichten wurden dafür in den Büchern nicht mehr erwähnt. Heft 9 bildet eine Ausnahme: In der Erstauflage der Heftfassung findet sich bereits der Titel "Abenteuer im Schloß" - bei den Nachdrucken des Heftes wurde er dann wieder weggelassen.


Frühe Experimente und späte Verirrungen

Bevor sich Salamander zur Produktion der Bücher entschloss, wurde mit verschiedenen Arten von Sammelbänden experimentiert, die auch in die Läden kamen. So gab es etwa in den 50er Jahren einen festen, dunkelgrünen Einband, etwas größer als die Lurchi-Hefte, der auf der Innenseite des Buchrückens Papierstreifen zum Befestigen von 20 Lurchi-Heften hat. (Man beachte, dass schon damals eine Festlegung auf etwa 20 Numern pro Sammelband getroffen war, die sich dann auch in den Büchern wiederspiegelt!) Die Einbände wurden sehr wahrscheinlich leer abgegeben, zum Einkleben der vorher selbst gesammelten Hefte.

Später, immer noch in den 50ern, gab es Stabsammelmappen des gleichen Formats aus mittelgrünem Leinen, die ebenfalls (was sonst) 20 Hefte fassten. Ähnliche Mappen wurden damals etwa für "Micky Maus"-Hefte angeboten und wurden dort gut angenommen.

Bei Lurchi jedoch waren die Mappen keine Lösung, und man kann sich den Grund vorstellen: Bei Erscheinen dieser Sammelhilfen gegen Ende der 50er Jahre hatten die meisten Kunden gar nicht mehr alle bis dahin erschienenen Hefte. Die ohnehin schon vorhandene Nachfrage nach Neuauflagen älterer Hefte, die Salamander immer nur zögernd befriedigte, wäre durch die Sammelhilfen erst recht angeheizt worden. (Zu den Neuauflagen siehe im
Kapitel über Heft 1 bis 52 und in der Wert- und Auflagenliste.)

Sammelmappen waren also keine Lösung, sondern die Sammlung musste direkt "ab Werk" erfolgen. Mit dem nächsten Versuch war man schon fast am Ziel: Anfang 1959 wurde ein gebundenes Buch produziert, das schon Ähnlichkeit mit den heute bekannten Lurchi-Büchern hatte und die Hefte 1 bis 19 umfasste. Es handelte sich aber immer noch um eine Sammlung der vorher produzierten Einzelhefte, nicht um einen Neudruck. Das schöne Buch, in grünes Leinen gebunden, enthält die ersten Hefte 1 bis 4 aus der zweiten Nachkriegsauflage und 5 bis 19 aus der ersten Nachkriegsauflage. Auf dem Titel des Buches ist klein der Titel-Lurchi von Heft 1 aufgedruckt, darunter steht "Lurchis Abenteuer" und "Folge 1 - 19".

Als Grundproblem aber blieb, dass von solchen Sammelbänden immer nur eine begrenzte Menge produziert werden konnte, abhängig von den noch vorrätigen Heften. Erst Ende des folgenden Jahres entschloss man sich, einen neuen Weg zu gehen und ein Lurchi-Buch wirklich neu zu drucken. Ein Paradigmenwechsel, denn an Stelle der bloßen Resteverwertung trat damit erstmals ein eigenes Produkt, das kalkuliert werden musste und ein gewisses unternehmerisches Risiko barg. Auf was für eine Resonanz die Reihe der Buchnachdrucke stoßen würde, ahnte noch niemand, als die inzwischen vorliegenden 21 Hefte erstmals in Buchform aufgelegt wurden: "Lurchis gesammelte Abenteuer" kamen 1960 rechtzeitig als Weihnachtsgeschenk in die Salamandergeschäfte - der Rest ist Geschichte.

Damit war das Thema der Sammelbände erledigt, sollte man meinen. Tatsächlich gab es aber gegen Ende der 60er Jahre noch zwei weitere Formen: Zunächst einen Sammelband ohne Umschlag, der die Hefte 22 bis 33 umfasste. Die 12 Hefte werden dabei von einer Klebebindung zusammengehalten und sind mit einem Rücken aus grünem Leinen versehen.

Ferner erschienen im Laufe der 60er Jahre auch broschierte Sammelausgaben von je zehn Heften, jeweils umgeben von einem grünen Pappumschlag:
Nummer 1 bis 10 (Neuauflagen von 1962)
Nummer 11 bis 20 (Neuauflagen von 1961 bis 1963)
Nummer 31 bis 40 (Erstauflagen von 1964 bis 1967)

Hintergrund war wohl, dass Salamander damals zu viele Hefte auf Lager hatte, die gar nicht alle auf normalem Wege verteilt werden konnten. Immerhin erschienen die Erstauflagen damals mit dem Lurchi-Höchstwert von 2,75 Millionen Exemplaren. Man band sie daher zu diesen eher lieblos gestalteten Sammelheften, für deren Titelbilder eine immer gleiche Lurchi-Nachzeichnung in schwarz-weiß benutzt wurde. Da alle bisher aufgetauchten Exemplare mit dem Namenseindruck desselben Salamander-Geschäftes versehen sind, handelt es sich möglicherweise gar nicht um ein Produkt des Stammhauses sondern um eine Eigeninitiative dieses Schuhhändlers. Ob es auch die Nummern 21 bis 30 in Form eines solchen Sammelbandes gab, ist bislang noch fraglich.


Sammlerpreise

Wirkliche Erstauflagen von "Lurchis gesammelte Abenteuer" Band I werden nur selten angeboten, so dass es keinen stabilen Marktpreis gibt. Je nach Erhaltungszustand dürfen aber 30 bis 40 Euro erwartet werden. Die Auflagen von 1961, die in vielem noch der Erstauflage gleichen, liegen bei 15 bis 20 Euro. Andere unnumerierte Auflagen des ersten Bandes (d.h. aus den Jahren 1962 bis 1968) sind in gutem Zustand noch mit bis zu 10 Euro zu bewerten. 

Die Erstauflage von Band II (1968) schlägt mit bis zu 15 Euro zu Buche, danach gilt als Faustregel: Bücher aus den 70er Jahren bis 5 Euro, spätere bis 3 Euro. Beschädigungen, Beschriftungen oder Bemalungen führen bei neueren Auflagen zu starken Preisabschlägen (bis zur Unverkäuflichkeit). Bei frühen Auflagen wirken sie sich weniger stark aus.

Die Klebe- und Stabsammelmappen sind extrem selten, so dass im Falle eines Angebotes mit Liebhaberpreisen zu rechnen ist. Realistisch sind 30 bis 40 Euro für die eigentliche Mappe, etwaige gesammelte Hefte sind zusätzlich zu berechnen. Bei eingeklebten Heften verringert sich allerdings der Heftwert, da ein Herauslösen nicht mehr ohne Beschädigung möglich ist.

Der Sammelband der Originale von 1 bis 19 in grünem Leinen ist wohl die seltenste unter den Lurchi-Sammelausgaben. Deshalb und wegen der darin enthaltenen hochklassigen Ausgaben ist ein Sammlerpreis von bis zu 200  Euro gerechtfertigt.

In der Größenordnung von 40 bis 50 Euro sind die geklebten Sammelbände der Hefte 22 bis 33 (Leinenrücken) sowie die drei Augaben mit Pappumschlag anzusetzen.
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