BOXINTERVIEW (www.cyberhouse.ch)Minus 8 von Wolfgang Schubert Minus 8 alias Robert Meyer, renommiert als Drum and Bass / Downbeat Produzent der Deutschschweiz und zudem aktiver DJ, liess in der Biella Fabrik die Platten zwirbeln. Box nutzte diese Gelegenheit und führte kurz vor dem Set ein Gespräch über die Musik, den Dancefloor und das Deejaying. Robert, deine Musik ist durchaus nicht zum Erfrieren. Warum der Name Minus 8?Der hat nichts mir der Temperatur zu tun, sondern kommt vom Pitchregler am Plattenspieler, der ja bekanntlich von minus 8% auf plus 8% einstellbar ist. Früher nannte ich mich Jazzy Boo und spielte überwiegend Hip Hop, Soul und Funk. Später fing ich dann mit Ambient an, den ich an grossen Raves auflegte. Dort bin ich schliesslich auf den Namen Minus 8 gekommen, der für das Minimum an Geschwindigkeit am Plattenspieler steht, da Ambient sehr langsam ist. Später kam auch Ambientjungle dazu. Jene Musik ist zwar schnell aber der Name bleibt halt derselbe. Beyond und Beyond Beyond, was so viel wie jenseits, mehr alsbedeutet, lauten die Titel deiner zwei Alben. Denkst du oft ans Jenseits? Nicht ans Jenseits im Sinne vom Tod. Sondern an die Grundidee dahinter; dass wir in einer konkreten Welt leben, es aber durch sphärische Musik fertigbringen, in eine andere Welt zu kommen. Das dritte Album wird Beyond, Beyond, Beyond heissen?Schmunzelt. Das weiss ich noch nicht. Wahrscheinlich nicht, denn dann weiss man schon, wie das siebte Album heissen wird. Du bist sowohl als Musiker/Produzent, als auch als DJ tätig. Was gefällt dir am einen mehr als am anderen? Das Produzieren ist sicherlich das seriösere. Dort arbeitest du konkret an einem Stück, an etwas Bleibendem, was vielleicht jemand zufälligerweise noch in paar Jahren hören wird. Das Deejaying hingegen ist wichtig als Einfluss zum Musik machen, damit du siehst, wie es eigentlich auf dem Dancefloor genau abläuft. Als DJ erlebt man zwei schöne Stunden, diese sind dann aber auch vorbei, die eigene Musik hingegen ein Dokument bleibt. Braucht es DJ-Erfahrung zum erfolgreichen Dancefloor-Produzent?Ich glaube, denn viele gute Musiker, gerade aus dem Jazzbereich, die überhaupt keine Ahnung vom DJ haben, haben auch versucht, Drum and Bass zu machen, jedoch funktioniert dies meistens nicht. Neben deiner musikalischen Tätigkeit hast du Architektur studiert. Gibt es Einflüsse in deiner Musik? Konkrete Einflüsse gibt es nicht. Ich schreibe also keine architektonische Musik. Das Studium, was mehr mit Kunst als mit Hüüslibauen zu tun hat, hat mich aber sicherlich beeinflusst, da es um kreative Prozesse geht. Die Vorgehensweise ist ähnlich, wie in der Musik. Man setzt sich gewisse Grenzpunkte, dann fängt man vom Nichts aus zu arbeiten. Wenn ich vor dem Computer sitze und Musik schreibe, ist dies durchaus mit dem Arbeiten an einem architektonischen Plan vergleichbar natürlich auf einer anderen Ebene. Du arbeitest oft am Computer. Bist du allein, fast isoliert am Musikschreiben?Prinzipiell arbeite ich allein, isoliere mich jedoch nicht total. Bei meine Produktionen waren ja auch Gastmusiker dabei. Früher spielte ich auch in Bands. Doch wenn du für dich alleine arbeitest, kannst du dich am besten konzentrieren und besser versuchen, den Kern der Sache zu erfassen. Fehlt dir das jammen in der Gruppe nicht?Das war auch etwas Schönes. Es gibt einfach zwei Arten von Musik. Einerseits die Sequenzer-, Trackorientierte, wo Schritt um Schritt etwas aufgebaut wird und kleine Details immer wieder verändert werden oder Livemusik, wo der Musiker im Moment reagiert. Die Trackorientierte gefällt mir nun einmal besser. Könntest du dir vorstellen deine Produktionen live umzusetzen?Ja, würde theoretisch schon klappen. Aber dazu bin ich zu faul, die Stücke nochmals neu vorzubereiten. Es wäre schlichtweg zu aufwendig. Darum spiele ich zur Zeit als DJ, was den Zweck auch erfüllt. Livesets mit Musikern habe ich aber durchaus schon gegeben. Dort spielte ich mit Jazzern zusammen, die zu 2-3 Tracks von mir und anderem Drum and Bass dazuspielten. Der Tracktitel A Midsummernight's Dream, beeinflusst von Shakespeare oder durch einen Traum von dir? Das war kein persönlicher Traum. Shakespeares Stück ist mir ein Begriff, der Track ist jedoch keine musikalische Umsetzung. Die Musik entspricht schlichtweg der Stimmung einer Nacht im Sommer. Wie kommst du auf deine Titel?Bei den meisten handelt es sich um Filmtitel, da mich der Film allgemein sehr interessiert. Kein Titel steht jedoch in direkter Beziehung zum Film. Da ich recht viele, auch ältere Filme kenne, kommen mir plötzlich die Titel in den Sinn, da sie mit der Stimmung der Tracks übereinstimmen. Es gibt also keine bestimmte Bedeutung?Ich mache keine Textmusik, d.h. es geht nicht um eine bestimmte Botschaft. Im Dance ist der Text eh schon dermassen banal, wie Oh, Yeah Baby was mich überhaupt nicht interessiert. Darum verwende ich lieber andere Titel als solches Zeugs wie let's groove, let's dance. Hast du schon Filmmusik geschrieben?Nein, ich habe schon einige Werbespots vertont, aber keine Filmmusik produziert. Das wäre sicherlich etwas vom Interessantesten, was ich in Angriff nehmen könnte, obwohl es mit grosser Wahrscheinlichkeit sehr aufwendig wäre. Zurück zu deiner Musik. Sie kommt relativ locker daher. Was hältst du von härteren Gangarten im Drum and Bass? Als DJ bringe ich ganz klar härteren Sound. Zum Tanzen gibt's Musik, die viel mehr antreibt als meine, solche spiele ich auch. Gleichzeitig herrscht bei vielen Hardstep Tracks eine rechte Monotonie, wo fixe Schemas durchgezogen werden. Heute gibt es eine Unmenge Platten, die täglich herauskommen und der grösste Teil ist voreilig veröffentlicht worden. Die Musik ist dann zuwenig interessant, weil sie eigentlich ohne konkrete Komposition entstanden ist, sondern sich auf einen Bass, der zwei, drei Töne beschränkt. In solch reduzierter Form gibt es auch Interessantes, aber das Banale überwiegt. Als Produzent möchte ich diesen Weg nicht einschlagen. Schreibe ich Musik, muss etwas mehr dahinter sein. Auch wenn die Musik auf dem Dancefloor weniger ankommt. Es gibt auch Produzenten banaler Dancefloormusik die an die Arbeit des DJ's appellieren und ihm seine Freiheit bieten wollen. Ja klar. Es gibt einerseits die komplette DJ-Musik, die eigentlich ein Werkmittel darstellt und andererseits die Musik, welche für sich selber steht. Was versuchst du in deiner Musik auszudrücken?Ich höre schon seit vielen Jahren Musik, kenne auch viele Platten und Stile. Was mich schlussendlich am meisten interessiert, ist in der Musik eine gewisse "Ruhe" zu finden, die das Ganze zusammenhält. Eine Musik, die einerseits extrem ruhig ist, andereseits unbewusst viel auslöst. Wie stellst du dir deinen idealen Hörer vor?Als ich zu produzieren angefangen, habe überlegte ich mir, dass man nie auf ein bestimmtes Publikum hin arbeiten sollte. Dies ist garantiert der falsche Weg. Das führt nur zu einem Kompromiss, den sowieso niemanden interessiert. Der ideale Hörer bin eigentlich ich selber, d.h. ich mache alles nur für mich. Dabei ist es natürlich eine erfreuliche Nebenerscheinung, wenn Leute meine Platten kaufen und an meiner Musik teilhaben. Du veröffentlichst neben der Compilation Science Fiction Jazz, auch den Play Sampler, welcher der Schweizer Drum and Bass Szene eine Plattform bieten sollte. Wie sieht es aus mit der nationalen Szene? Auf dem Play Sampler sind nur Schweizer Acts dabei und jede/r, der in der neueren elektronischen Musik aktiv ist, also Downbeat, Drum and Bass usw., kann mir gerne etwas schicken. Klar ist die Drum and Bass Szene nicht so etabliert wie in England. In der Schweiz gibt es jedoch durchaus sehr gute Acts, wie Mustang, Belair Projects, und Rollercone. Mein Anliegen ist es, möglichst viele gute Produktionen in der Schweiz zu finden, damit wir zeigen können, dass auch hier etwas in diese Richtung abgeht. Der Sampler soll schliesslich auch im Ausland verkauft werden. Zukunftspläne?Ich arbeite vor mich hin, habe aber noch keine Ahnung, wann genau das nächste Album herauskommen wird. In der letzen Zeit machte ich ein paar Remixes und arbeite an eigenen neuen Stücken. Ich denke jedoch nicht konkret an die Zukunft. Noch zum Schluss: Im Booklet deiner letzten CD sieht man dich auf die Uhr schauen. Verlegenheitspose oder bist du Uhrenfanatiker? Lacht herzhaft. Nein, Nein, das ist wirklich nur Zufall und hat keine Bedeutung |