HOMESTORY IN DER SCHWEIZER ILLUSTRIERTEN

Zu Besuch bei ROBERT MEYEER alias DJ Minus 8

von Christian Hug

Für Techno- Clubs, die mit der Zeit gehen, ist DJ Minus 8 Pflicht. Der Zürcher Robert Meyer mixt aus bekanntem Techno stilvolle neue Sounds. "Ich mache Techno fürs Wohnzimmer. Meine Musik entspannt."

Auf den Plattenspielern von DJs gibt es diesen Knopf, mit den sie das Tempo der Musik erhöhen oder drosseln können, im Extremfall bis zur Stufe Minus 8. Genau deshalb hat sich der Zürcher Robert Meyer den DJ-Künstlernamen Minus 8 zugelegt. "Ich mache keine Tanzmusik, sondern entspannende elektronische Musik fürs Wohnzimmer, die mit dem Bumm-bumm-Techno nichts mehr zu tun hat." Neun CDs sind bis jetzt erschienen, auf denen er als DJ verschiedene Singles mixt, und auf zwei weiteren CDs hat der 33-Jährige seine Eigenkompositionen veröffentlicht. Sein neues, drittes Album mit eigenen Stücken heisst "Elysian Fields" und ist diesen Sommer weltweit erschienen, wie übrigens alle seine Platten. Es ist Musik zum zuhören: atmosphärisch dicht und jazzig angehaucht. Damit wird er seinen internationalen Ruf als kreativer Weiterentwickler des Techno festigen.

Bei ihm zu Hause ist von Techno und Szene kaum etwas zu spüren. Zusammen mit seiner Frau Rita Tarnover und dem Kater Kisa wohnt er seit einem Jahr in einer kleinen Dreizimmerwohnung im Zürcher Kreis 3. Seine Computer und Musikmaschinen sind im kleinsten der drei Zimmer aufgestellt, seinem Heimstudio. Robert:"All die Platten, die ich für meine DJ-Sets benötige, lagern im Keller in Plastikkisten und einer Holzhurde." Im Wohnzimmer gibt es nichts, was auf einen Berufsmusiker hindeutet. Dafür hängt ein überdimensional grosses Werbeplakat der Modeschau Gwand aus dem Jahre 97 an der Wand - mit dem Gesicht von Rita. Rita ist Model. "In letzter Zeit habe ich aber kaum mehr vor der Kamera gestanden, sondern fotografiere lieber selbst. Ich besuche seit einem Jahr die Kunstgewerbeschule", sagt die 26-jährige gebürtige Russin und rollt dabei das r, wie das Russen eben tun, wenn sie schweizerdeutsch reden.

Kennengekernt haben sich die beiden vor sieben Jahren in Moskau. Robert schloss gerade sein Architekturstudium ab, als sich ihm über einen Freund die Möglichkeit bot, in Moskau die Kulisse eines Fernsehstudios zu gestalten. "Eines Abends gingen wir mit ein paar Kollegen essen und Rita war auch dabei. Es hat sofort gefunkt zwischen uns." Als Robert zwei Wochen später nach Zürich zurückging, beantragte Rita sogleich ein Reisevisum für die Schweiz. "Und dann noch eins und noch eins, die Dinger sind ja zeitlich beschränkt", erzählt Rita. Schliesslich haben die beiden geheiratet. "Ich glaube das war 1995", überlegt Robert laut. Jahreszahlen waren noch nie seine Stärke.

Wie auch immer. Seither sind die Beiden glücklich, wohnten erst in Küsnacht ZH und jetzt in Zürich, "weil hier alles so praktisch zentral ist", sagt Robert. Rita:"Eigentlich wollte ich gar nicht weg von Moskau. Durch meinen Model-Job kam ich ziemlich rum in der Welt, von Holland bis Thailand, das genügte mir vollauf. Aber dann kam Robert." Zürich findet Rita eher langweilig. "Hier ist das Leben nicht so impulsiv wie in Rom, Paris oder London. Aber ich habe mich hier gut eingelebt."

Nachwuchs ist für die beiden zurzeit kein Thema. Robert:"Solange ich als DJ so oft in der Nacht unterwegs bin, können wir keinen einigermassen gutbürgerlichen Lebensrhythmus entwickeln, wie er für Kinder wichtig wäre." Damit sein Leben überhaupt in mehr oder weniger geordneten Bahnen bleibt, arbeitet er im 60-Prozent-Pensum bei der auf Techno spezialisierten Plattenfirma Energetic als Webmaster und Product Manager. Abends tüftelt er in seinem Heimstudio an neuen Sounds, am Freitag und Samstag ist er als DJ Minus 8 unterwegs - regelmässig in den Zürcher Clubs Rohstofflager und Kanzlei, hin und wieder an Technopartys im Ausland, zum Beispiel in Paris und London.

"Wenn ich meinen festen Job nicht hätte, würde ich wahrscheinlich früher oder später aus der Bahn geraten. Nachts die Party schmeissen und tagsüber ausschlafen." So aber bleibt alles mehr oder weniger normal - und Robert in seiner Art einfach und geradezu unscheinbar. "Ich bin ein relativ unkomplizierter Mensch und habe eigentlich nie Streit mit den Leuten." Er hält einen Moment lang inne und überlegt wieder laut:"Natürlich bin ich hin und wieder ein bisschen unangenehm. Doch das merkt nur, wer wie Rita mit mir zusammenlebt."

Glücklicherweise nur hin und wieder und auch dann bloss ein bisschen. Diese Eigenschaft schätzt auch Roberts Bruder Arnold Meyer, in der Schweiz weit über die Szene hinaus bekannt als Techno-Papst. Wenn er bei Robert zu Besuch ist, diskutieren die beiden natürlich über die neuesten CDs und besten Partys. "Aber nicht nur", sagt Robert. "Es gibt ja noch andere Dinge im Leben."