| 1. 10 Jahre MIRROR OF DECEPTION: Lasst doch bitte noch mal die schönsten und lustigsten Momente Revue passieren (Jochen) Da gab es vieles, was in der Erinnerung haften blieb, am Frischesten sind noch die Erinnerungen an unseren Englandtrip und die beiden Konzerte mit WARNING und SOLSTICE dort im Februar. War alles perfekt organisiert und wir hatten wirklich eine gute Zeit. Einziger Wermutstropfen war, dass unser Basser Klaus nicht mit konnte, da ihm kurzfristig der Urlaub gestrichen wurde. Das reich und explizit bebilderte Tourtagebuch sollte bis zum offiziellen Erscheinen dieses Interviews auf unsere Homepage zu finden sein. Was noch? Wir hatten eine ganze Reihe erinnerungswürdiger Konzerte, wie z.B. letztes Jahr im August im Wäscherschloss hier bei uns in der Nähe (dort haben auch IN EXTREMO und andere schon Live-Mitschnitte aufgenommen)., wo wir zusammen mit END OF GREEN und SACRED STEEL in den ehrwürdigen Mauern gespielt haben. Die Show mit unseren Faves COUNT RAVEN Ende 1992 war auch unvergesslich, auch mit EVEREVE hatten wir Mitte/ Ende der 90er einige sehr coole Shows. Dann bleibt noch nachträglich unser Auftritt für einen Gehörlosenverein (die Leute hatten aber natürlich Hörgeräte!) in Erinnerung und so einiges andere, worüber ich lieber den Mantel des Schweigens hülle... 2. Ihr seid momentan bei MISKATONIC FOUNDATION, dem Label von Rich Walker von SOLSTICE unter Vertrag: Wie gestaltet sich so bis jetzt die Zusammenarbeit? Kann man schon bzgl. der Promotion der neuen Scheibe ein Resümee ziehen? Zieht ihr aus den Connections, die Rich in der Szene so hat, einen Nutzen? Bislang läuft die Zusammenarbeit sehr gut. Das war aber auch nicht anders zu erwarten, schließlich sind wir seit Jahren gut befreundet. Die Geschäftsbeziehung ist dabei eher Nebensache. Es ist natürlich noch ein sehr kleines Label mit begrenzten finanziellen Mitteln, aber wir hatten und haben keine großen Erwartungen und auch kein Problem damit, vieles in Eigeninitiative zu machen. Wir haben von Rich’s Connections genauso profitiert, wie er von unseren. Dankenswerterweise haben uns Iron Glory hierzulande in Sachen Vertrieb und Promotion sehr unter die Arme gegriffen. Ohne Ihr Zutun, was Promo und Vertrieb angeht, wäre es bislang sicherlich lange nicht so gut gelaufen. Bisher können wir uns über die Resonanzen wahrlich nicht beklagen. 3. Wieso hat es eigentlich so lange gedauert, euer Debutalbum `Mirrorsoil` auf die Menschheit loszulassen? Mir ist eigentlich keine weitere Band bekannt, die so lange gebraucht hat, eine Scheibe zu veröffentlichen. Einerseits ist das ja als gutes Omen anzusehen, zumal die Zahl der uninspirierten und voreiligen Schnellschüsse kaum mehr zu ertragen ist, und wie bedeutet uns doch ein altes Sprichwort so schön: "Was lange währt, wird endlich gut." Worin lagen denn die Gründe für diese Verzögerung konkret begründet? Bei Doomern dauert eben alles ein wenig länger... ;-)) Nein, ernsthaft: zum einen lief Einiges schief, zum anderen haben wir uns auch bewusst Zeit gelassen, da es, wie Du ja erwähnt hast, genügend Combos gibt, die überstürzt halbgare CDs veröffentlichen und den Markt überschwemmen. Daher wollten wir erst ein gewisses Level erreichen und haben auch lange Zeit nicht nach einem Label gesucht. Erst ab dem 3. Demo haben wir uns so langsam umgeschaut. „Mirrorsoil“ hätte allerdings ursprünglich schon im Frühjahr 1998 erscheinen sollen. Die Aufnahmen begannen im Dezember 1997 und daher wäre der Termin durchaus realistisch gewesen. Aber zu der Zeit kam unser damaliges Label, auf dem die 1997 Mini-CD „Veil of Lead“ erschien, in Schwierigkeiten und so lagen die einzelnen Studiosessions im labeleigenen Studio immer weiter auseinander. Irgendwann waren wir dann auch so gefrustet, dass bei uns auch die Luft ziemlich draußen war. Aber es ging dann irgendwann doch weiter und im August 1999 wurde die Aufnahmen und der Mix dann endlich abgeschlossen. Dann waren wir ein gutes Jahr auf Labelsuche, bis Rich Walker anbot, die Platte über Miskatonic Foundation zu veröffentlichen und im Januar 2001 war es dann endlich soweit. Aber so gesehen ist es im Nachhinein ganz gut, dass es alles so gekommen ist. In der Zeit, in der es im Studio nicht vorwärts ging, hat sich bandintern einiges getan, es gab eine Menge neuer musikalischer Ideen und ich denke, die Platte würde nicht so klingen, wenn sie schon vor 3 Jahren erscheinen wäre. 4. Könntet Ihr noch einmal sämtliche Veröffentlichungen von euch erwähnen und einen Kommentar dazu schreiben? “Mirror of Deception” Demo (1993): Die ersten Aufnahmen, weit mehr von Enthusiasmus als von Können geprägt. Anfang 1993 im Kinderzimmer eines Kumpels auf sehr einfachem Equipment live eingespielt. Unsere Vision war dennoch schon spürbar, wenn auch noch sehr grob modelliert. John Perez von SOLITUDE AETURNUS hat damals ein Demo bestellt, was eine große Ehre war und zeigt, dass es unter Doomern sehr familiär zugeht und man sich auch für den „Nachwuchs“ interessiert. Glaube kaum, dass sich beispielsweise SLAYER oder DEICIDE sich noch um Demos von Newcomern kümmern. Insgesamt wohlwollende Kritiken, aber dem allgemeinen Tenor nach doch noch ausbaufähig. “Words Unspoken” Demo (1994): Zweites Demo, im Januar 1994 eingespielt. Ein Jahr nach dem ersten Tape, in dem sich hörbar etwas getan hat. In einem professionellen Studio aufgenommen und von Jörg M. Knittel mit ein paar kurzen Keyboardpassagen veredelt. Brachte uns ein gutes Stück weiter und verkaufte sich recht ordentlich. “Veil of Lead” Demo (1996): Drittes Demo, aufnahmetechnischer Einstand von Gunnar (Schlagzeug) und Klaus (Bass) bei uns. Durch die neuen Mitglieder kamen einige fast schon progressive Elemente hinzu. Erste Versuche von Siffi als zweiter Sänger. Im Gegensatz zum Vorgänger eher Low-Budget, was Aufnahmezeit und Cover angeht. Wurde von uns auch nicht so umfassend verschickt und beworben wie „Words Unspoken“. Insgesamt eher Zeit des Zusammenwachens mit den neuen Mitgliedern. “Veil of Lead” Mini-CD (1997): 1997 aufgenommen, wieder unter der Regie von Ecki. Erste Versuche mit deutschen Texten, die guten Zuspruch fanden. Das Coverkonzept, das ursprünglich für’s vorige Demo vorgesehen war, konnte nun umgesetzt werden. Daher der selbe Titel, aber nur ein gleicher Song. “Mirrorsoil” CD (2001 erschienen): Die Zeit der Aufnahmen war der Tiefpunkt, das Resultat einer der bisherigen Höhepunkte in der Geschichte der Band. Drei Songs (von acht) von vorigen Releases („Asylum“, „Be Kept in Suspense“ von der Mini-CD, „Veil of Lead“ vom gleichnamigen Demo) in überarbeiteten Versionen eingespielt. Bislang sicherlich unsere abwechslungsreichste und ausgereifteste Veröffentlichung. Wir sind auch noch gut 2 Jahre nach Fertigstellung noch sehr zufrieden damit. 5. Was ist auf dem Cover von `Mirrorsoil` zu sehen und wie steht dieses Bild in Zusammenhang mit dem Albumtitel? Eine Person (in diesem Fall verkörpert von Gitarrist Siffi), die die Scherben eines Traums, einer Existenz, einer Beziehung oder (offensichtlicher: eines Spiegels) zusammensucht. Oder auch (Spontaninterpretation): zerbrochener Spiegel = 7 Jahre Pech = DOOOOOM! ;-)) Ist zwar nicht die 100%ige Umsetzung des Titelkonzepts, aber doch recht nahe und auch passend. „Mirrorsoil“ an sich steht für eine Bestandsaufnahme – wo wir zum jetzigen Zeitpunkt stehen, unsere Wurzeln (der Boden, in dem sich die Gegenwart wiederspiegelt) und der unendliche Himmel (Zukunft) darüber. In der Regel versuchen wir, unsere Coverideen selbst umzusetzen, da wir nicht auf etwas zurückgreifen möchten, was Jemand mit völlig anderen Intentionen erschaffen hat und vielleicht schon anderweitig Verwendung gefunden hat oder dieses noch tun wird.. Zudem sollte es einen gewissen Wiedererkennungswert haben. Mit den Covern von der „Veil of Lead“ Mini-CD und „Mirrorsoil“ zeichnet sich so langsam eine Linie ab und daran werden wir auch weiterhin arbeiten.. 6. Unlängst habt ihr anlässlich des Bandjubiläums eine Compilation-CD heraugebracht, welche alte sowohl als auch neue Aufnahmen beinhaltet: Welche Songs werden darauf vertreten sein, lohnt es sich für die Die-Hard-Fans, sich diesen Sampler zu kaufen oder sind nur altbekannte Sachen drauf vertreten? Da wir immer wieder nach den alten Demos gefragt werden, bot es sich an, einiges davon auf CD zu ziehen und diese exklusiv über unsere Homepage anzubieten. Neben Tracks von den ausverkauften 3 Demos, sind noch einige Songs vertreten, die nie offiziell angeboten wurden, sowie frühe Versionen von einigen Songs, die auf „Mirrorsoil“ zu finden sind und sich doch ziemlich von den Albumversionen unterscheiden. Des weiteren gibt es 3 Tracks zu hören, die wir August 2000, also nach dem Album aufgenommen haben und die aufzeigen, wo MIRROR OF DECEPTION derzeit stehen. In mehr als 70 Minuten kann man hier die Entwicklung der Band im Laufe der Jahre nachverfolgen und sich auf den aktuellen Stand bringen. Ist aber wohl eher etwas für Leute, die schon mit unserer CD oder de Mini-CD vertraut sind. 7. Hattet ihr nur dieses Konzert in Göppingen anlässlich der 10-Jahresfeier, zusammen mit solch begnadeten Combos wie DAWN OF WINTER und VOODOO SHOCK im Vorprogramm, oder hat es noch ein paar "inoffizielle" Feiern gegeben? Nein, eigentlich war das die einzige richtige Fest aus diesem Anlass. Ich weiß allerdings nicht, ob man das eine oder andere Gelage im Proberaum oder in der Stammkneipe der Freude über das 10-jährige Bestehen zuschreiben soll oder einfach der puren Lust auf kühlen Gerstensaft. Der Englandtrip war dann noch so etwas wie eine verspätete Feier. 8. Wie waren überhaupt eure Eindrücke von diesem Konzert? Es war ein gelungener Abend, an den wir uns noch lange und gerne erinnern werden. Einige Leute haben hunderte von Kilometern Anfahrtsstrecke auf sich genommen, um dabei zu sein. Es hat uns auch sehr gefreut dass unsere Freunde von DAWN OF WINTER, END OF GREEN, WELL OF SOULS, VOODOOSHOCK und THE BLUE SEASON gespielt haben. Letztere haben sogar eine hammermässige Coverversion unseres Songs „Be Kept In Supsense“ extra zu diesem Anlass einstudiert. Unsere beiden Ex-Mitglieder waren auch dabei und haben mit uns ein Stück aus alten Tagen zum Besten gegeben. Unser selbstgebrautes Spezialgetränk „Groddasoich“ hat auch regen Zuspruch gefunden. Jedenfalls war das 50 Liter Fass am Schluss leer und einige Leute haben sich an dem Abend wohl den gesündesten Rausch ihres Lebens geholt... Die Krönung war dann noch, dass wir just an diesem Tag unsere fertige CD aus dem Presswerk kam. Alles in allem mehr als gelungen. Freue mich schon auf die nächste Jubiläumsparty! 9. Ihr habt zwei Coverversionen gespielt, zum einen von `One Mind` und zum anderen von `Hippie`s Triumph`: Leider bin ich zu spät geboren und kenne die Originale nicht: Von wem stammen sie und wieso habt ihr gerade diese Songs nachgespielt? „One Mind“ stammt SAINT VITUS (von ihrer finalen Scheibe „Die Healing“, 1995) und „Hippie’s Triumph“ von COUNT RAVEN (auf dem zweiten Album „Destruction of the Void“, 1992, zu finden). „One Mind“ haben wir ursprünglich für ein Saint Vitus Tribute Album, dass nun im Juni 2001 erscheinen soll eingespielt und da uns das Cover ganz gut gelungen ist, spielen wir es auch ab und an live. „Hippie’s Triumph“ hatten wir Mitte der 90er fest im Liveprogramm und haben es anlässlich der Jubiläumsparty exhumiert und mit unseren damaligen Bandkollegen Ingo (Drums) und Hampi (Bass) dargeboten. 10. Was macht eigentlich eurer Meinung nach eine gute Coverversion aus? Einerseits sollte eine Band, die ein Stück covert ihre eigene Identität einfließen lassen und andererseits sollte man das zu covernde Stück auch mit Respekt behandeln. Man muss allerdings auch nicht immer alles bierernst nehmen, kommt immer darauf an, was man mit einer Coverversion bezwecken möchte. ELÄKELÄISET z.B. dürfen gerne auch respektlos covern. Wir haben über die Jahre hinweg schon so einige Coverstücke gebracht (z.B. auch „Snowblind“ von BLACK SABBATH und „Albino Flogged in Black“ von STILLBORN), aber momentan legen wir mehr Wert auf eigene Stücke. Es kann aber sein, dass wir mal wieder etwas in die Richtung machen, aber dann wohl eher etwas aus einem anderen Genre. 11. Ihr wart ja nicht immer vom Erfolg verwöhnt: Wie erklärt ihr euch diese Tatsache und frustriert es euch nicht, wenn untalentierte Newcomercombos, die einen gerade angesagten Stil runterleiern, mehr Beachtung finden als ihr? Wenn uns das ernsthaft zu schaffen machen würde, wären wir sicherlich nicht mehr dabei. Uns ist es schlichtweg egal, obwohl wir uns natürlich auch freuen, wenn Leute an unserer Musik Gefallen finden und wir Resonanzen bekommen. Wir ziehen unser eigenes Ding durch und haben unter Doomern mittlerweile einen guten Namen. Was in der großen, weiten Welt des Metals sonst so abgeht und wer die aktuellen Superstars sind, ist nicht weiter relevant für unsere Musik. Ich bin der Einzige von uns, der noch regelmäßig Magazine liest und so einigermaßen auf dem Laufenden ist, die Anderen interessieren sich kaum noch dafür. Doom Metal war schon immer eine Randerscheinung und wird es auch bleiben, was in gewisser Weise auch gut so ist. Wir wissen, was wir machen, warum und wofür wir das tun und das ist Grund genug. Erfolg ist auch Definitionssache. Ist es Erfolg, wenn man für 2-3 Monate im Gespräch und dann vergessen ist oder wenn sich die Leute auch noch nach Jahren an einen erinnern und einer Band die Treue halten? Ist es Erfolg, wenn man alles tut und seine Ideale aufgibt, um die breite Masse zu erreichen oder wenn man konsequent seinen eigenen Weg verfolgt? 12. Welche musikalischen Inspiratoren habt ihr so? Haupteinfluss waren und sind klassische Doom Bands wie eben CANDLEMASS, COUNT RAVEN, SAINT VITUS, PENTAGRAM, REVELATION, TROUBLE, SOLITUDE AETURNUS, BLACK SABBATH – die alte Garde also. Aber mittlerweile fließen immer wieder neue Vorlieben ein, mal merklich, mal unmerklich. Unsere Musikgeschmäcker sind recht breit gefächert und es wirkt vieles auf die eine oder andere Art ein, was um uns herum geschieht. Daher kann ein guter Popsong genauso inspirierend sein, wie Folk, Rock oder Black Metal, ein Buch, ein Film, ein Erlebnis oder Gedanke. Ich mag generell auch Bands, die aus dem eher extremen Spektrum kommen, sich aber mit der Zeit entwickelt haben und vermeintlich „ausgewimpt“ sind, wie KATATONIA, ANATHEMA, ULVER, BEYOND DAWN, PRIMORDIAL, PARADISE LOST, in meinen Augen dadurch aber an emotionaler Tiefe gewonnen haben. Oder auch solche, die gekonnt und geschmackvoll mit elektronischen Elementen arbeiten, wie SEIGMEN, THE TEA PARTY, GARMARNA. Wir setzen uns keine bewussten musikalischen Grenzen, jedoch haben wir unseren Sound mittlerweile so verinnerlicht, dass alles, was wir in dieser Besetzung machen, automatisch nach MIRROR OF DECEPTION klingt. 13. Wovon handeln eure Texte? Sind sie eng im Gesamtkontext mit der Musik verbunden? Wir schreiben nicht bewusst Texte, die die Atmosphäre des jeweiligen Songs wiederspiegeln und auch nicht umgekehrt. Trotzdem gehört und wächst beides zusammen. Weder Texte noch Musik kann man als sonderlich fröhlich bezeichnen und wir schreiben eben meist über Dinge, die uns persönlich zu schaffen machen. Emotionen, Erfahrungen, Träume, Ängste, Hoffnungen, Enttäuschungen. Damit können wir uns besser identifizieren, als mit Fantasystories, Politik oder Religion. 14. Wie komponiert Ihr eure Songs? Was entsteht zuerst: Der jeweilige Text oder die Musik? Seit geraumer Zeit entstehen alle Songs spontan im Proberaum. Es kommt nur noch selten vor, dass jemand bereits mit fertigen Riffs oder Songs ankommt. So können alle ihren Teil bereits im Entstehen beitragen. Die Musik kommt zu 95% zuerst. Dann wird meist lange Zeit mit Arbeitstexten geprobt, bis die Gesangslinien stehen und dann kommt normalerweise erst der endgültige Text. Wir sind alle keine allzu fleißigen Textschreiber und der Schwerpunkt liegt insgesamt schon eher auf der Musik. Ein Song kann auch ohne einen sonderlich tiefsinnigen Text bestehen, aber wenn nur der Text gut ist und dafür die Musik ins Hintertreffen gerät, wird es schwierig. Was wiederum auch nicht heißen soll, das wir die Texte als lästiges Beiwerk betrachten und vernachlässigen. Sie bedeuten uns und vor allem dem jeweiligen Verfasser viel. Aber wir haben eben keine spezielle Botschaft, die wichtiger wäre, als die Musik. 15. Könntet Ihr mir mittels drei Worten die Essenz MIRROR OF DECEPTIONs näher bringen? Laut, langsam und langweilig! :-)) Aber im Ernst: emotional, heavy und eigenständig bringen es wohl treffender auf den Punkt. 16. Die Bands, mit denen ihr bis jetzt u.a. gespielt habt, lesen sich wie ein "Who`s who" der Doom-Szene: Wenn ich da Namen wie COUNT RAVEN, SOLSTICE, THE LORD WEIRD SLOUGH FEG, WARNING oder GRIEF OF GOD lese, überkommt mich die Vermutung, dass ihr euch die Bands, mit denen ihr live spielt, sehr genau aussucht. Welchen Gesichtspunkten muss eine Band entsprechen, um mit euch ein Konzert spielen zu können? Wir spielen schon sehr gerne mit Bands, die wir persönlich gut finden und die zu uns passen. Es ist eine Menge Arbeit, Gigs zu organisieren, daher picken wir uns eben auch gerne mal die „Rosinen“ heraus, sofern es möglich ist. Wir verbinden das Nötige mit dem Nützlichen und wollen nicht nur etwas für uns, sondern für die gerne übersehene Doom Community im Ganzen tun und dem Publikum besondere Gruppen nahe bringen, auf die sonst wohl nur wenige stoßen würden. Aber wir sind auch nicht so engstirnig, uns ausschließlich unter Gleichgesinnten zu vergraben. Wir haben kein Problem, mit Bands jeglicher Richtungen zu spielen, da wir auch gerne Neues entdecken und man so auch mal anderes Publikum erreicht. Am schönsten ist es eben, wenn man sich mit den Bands menschlich gut versteht, auch nach dem Gig noch ordentlich einen draufmachen kann und da spielen Musikstile keine weitere Rolle. 17. Habt ihr zu den Leuten von DAWN OF WINTER/ SACRED STEEL/ MY DARKEST HATE eine besondere Beziehung? Gerrit, Jörg und Oliver sind seit Jahren gute Freunde von Siffi und mir. Wir haben schon so manches Fass zusammen aufgemacht. MY DARKEST HATE habe ich leider bislang noch nicht gehört. SACRED STEEL finde ich in Ihren Bereich herausragend und gönne Ihnen den Erfolg, da ich weiß, wie hart sie dafür arbeiten und sie voll und mit aller Konsequenz dahinter stehen. Aber DAWN OF WINTER liegt mir definitiv am meisten am Herzen. Vor kurzem haben sie endlich wieder etwas neues aufgenommen. Gerade neulich habe ich alle drei getroffen, als Oli mit seiner MISFITS Coverband TEENAGERS FROM MARS ordentlich abgerockt hat. Nicht zuletzt ist Jörg auch einer der Leute hinter Iron Glory und so schließt sich der Kreis. 18. Doch jetzt möchte ich noch wissen, ob`s von Anfang an feststand, dass ihr Doom Metal zocken solltet oder ob ihr nicht auch andere Stilistika ausprobiert hattet? Als Siffi und ich uns zusammentaten, waren CANDLEMASS, BLACK SABBATH und SANCTUARY unsere erklärten Lieblingsbands, wobei ich von Anfang an der Doom Fanatiker und er noch nicht so festgelegt war. Von SANCTUARY blieb nicht allzu viel übrig und auch den beiden Anderen kamen wir nie wirklich nahe, aber bereits unser erster gemeinsam geschriebener Song („Mirror of Deception“) war eindeutig Doom und hat unsere Linie recht klar definiert, auch wenn anfangs natürlich alles noch ziemlich roh, primitiv und unausgegoren klang. Es sind aber schon immer auch andere Elemente eingeflossen. Wir sind mit der Band gewachsen und die Band mit den und durch die involvierten Personen. Als wir anfingen, waren wir alle mehr oder weniger blutige Anfänger an unseren Instrumenten und keiner von uns hatte vorher ernsthaft Musik gemacht. Erst mit Gunnar und Klaus stießen dann 1995/ 96 Musiker zu uns, die schon einige Jahre in anderen Formationen aktiv waren. Das hat neue Einflüsse und Sichtweisen in die Musik gebracht, auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis wir uns musikalisch angenähert haben und die Einheit wurden, die wir mittlerweile sind. 19. Eure Plattenfirma preist `Mirrorsoil` als "True Heavy Metal", so manche Trendkiddies von heute sähen diese Stilbeschreibung eher auf Bands wie HAMMERFALL und Konsorten zugeschnitten. Was haltet ihr von dieser neuen Welle (die hoffentlich bald wieder an uns vorbeigeschwappt ist), HELLOWEEN so dreist (und schlecht) zu kopieren? Der Begriff „true“ wurde im Zusammenhang mit Heavy Metal in den letzten 3-4 Jahren derart inflationär ge- (um nicht zu sagen miss-) braucht, dass er seine Bedeutung nahezu vollständig verloren hat und nicht viel mehr ist, als eine sinnentleerte, nichtssagende Worthülse und Promofloskel. Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der in dem Zusammenhang mittlerweile erst mal entnervt die Augen verdreht. Wenn man jedoch über den ganzen Hype hinwegsieht, passt es letztendlich doch. Denn eine Heavy Metal Band sind wir definitiv und „true“ im Sinne, dass wir hinter dem stehen, was wir machen, daran glauben und es nicht nötig haben, ein künstliches Image vorzugeben, lassen wir gerne auch so stehen. Eben all dieses nehme ich 95% der Combos, die heutzutage unter dem „True Metal“ Banner segeln, nicht ab. Wo waren sie, als der „traditionelle“ Metal am Boden lag und wo werden sie sein, wenn das allgemeine Interesse daran wieder abebbt? Ich habe den Eindruck, viele springen nur auf einen fahrenden Zug auf und versuchen, die momentan angesagten Acts bis ins Detail zu kopieren. Mich persönlich langweilt das enorm. Es gibt wichtigere und vor allem interessantere Dinge, denen ich meine Aufmerksamkeit und mein Geld widmen kann. 20. Zum Schluss dürft ihr Leute grüßen, Lob- und Danksagungen, Verwünschungen loswerden... Dann grüßen und danken wir mal allen, die uns kennen, die sich dieses hier alles durchgelesen haben, uns unterstützen und natürlich Dir und GARDENS OF GEHENNA für die Möglichkeit uns hier so ausführlich zu äußern. Wer mehr über uns erfahren möchte, wen es nach Neuigkeiten, T-Shirts oder CDs von uns verlangt, sei an unsere Homepage (www.mirrorofdeception.com) verwiesen oder darf uns auch gerne schreiben. D o o m M e t a l l e b t ! |
| GARDENS OF GEHENNA Mag (geführt von Chris Wachter im Mai 2001) |