Unbroken Metal Nr. 10/ Mai 2001
(Interview geführt von Rüdiger  Abend im Februar 2001)

1) Ende 1997 habt ihr mit den Aufnahmen begonnen, und sie erscheint Anfang 2001 - da muss natürlich die Frage kommen, was hat euch aufgehalten?

(Jochen) Vieles - unter anderem ging das Label, für welches die CD eigentlich bestimmt war, den Weg alles Irdischen. Daher waren wir im zugehörigen Studio natürlich nicht mehr Priorität und so lagen die einzelnen Aufnahmesessions immer weiter auseinander und zogen sich im Endeffekt über fast 2 Jahre hin. Und irgendwann war bei uns auch ziemlich die Luft raus und kein Zug mehr dahinter. Fertig aufgenommen und abgemischt war die CD dann endlich im August 99. Und dann ging noch ein gutes Jahr für die Labelsuche drauf. Aber letzten Endes ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung egal, da wir ja keine Trendmucke spielen und unsere Musik heute noch genau so unmodern ist und am Massengeschmack vorbei geht, wie auch schon vor 10 Jahren. Wir sind natürlich trotzdem sehr froh, dass die Scheibe nun endlich draussen ist und die Warterei ein Ende hat!

2) War zwischenzeitlich die Auflösung der Band ein Thema, ich glaube, du warst selbst kurzzeitig ausgestiegen?

Ich bin in der Tat mal für einige Monate ausgestiegen. Ich war zu dem Zeitpunkt enorm gefrustet, da es mit den Aufnahmen nicht voran ging und dadurch auch die Stimmung innerhalb der Band an einem Tiefpunkt angelangt war. Dann kamen auch noch einige persönliche Probleme dazu und daher dachte ich, es wäre das Beste, nach damals 8 Jahren Mirror of Deception mal eine Auszeit zu nehmen. Ich wollte aber nicht, dass die Band sich auflöst und das stand auch nie ernsthaft zur Debatte. Aber zum damaligen Zeitpunkt war diese Entscheidung für mich und die Band genau die Richtige, denn seit meiner Rückkehr läuft alles besser denn je. 

3) Seit der Auflösung von Hellhound war es schwer für Doombands, überhaupt ein Label zu finden. Wer sind aus deiner Sicht momentan die wichtigsten Veröffentlicher, ausser Iron Glory natürlich ;-) ?


Zuerst mal stehen wir nicht bei
Iron Glory unter Vertrag, sondern bei dem englischen Label Miskatonic Foundation (u.a. auch Twisted Tower Dire, Warning, While Heaven Wept), hinter dem Rich Walker von Solstice steckt. Iron Glory helfen uns hierzulande dankenswerterweise mit Vertrieb und Promotion. Die wichtigsten Doomlabels sind sicherlich momentan John Perez's Brainticket Records (bzw. Gutter Records hier in Deutschland), Meteorcity, Southern Lord, Game Two und von Miskatonic Foundation wird man definitv auch noch einiges hören. Aber Hellhound hat natürlich schon eine enorme Lücke hinterlassen und derzeit würde ich persönlich noch bei keinem der genannten Labels CDs blind kaufen, nur weil hinten das Logo drauf ist. Aber wie schwer man es als Doom Band hat, ein Label zu finden, haben wir am eigenen Leib erfahren. Doom verkauft sich eben nur sehr schwer, daher schrecken viele Labels davor zurück.  

4a) Der Sound eurer CD hat mich überrascht. Nach den Mitt-90er Demos hatte ich den Eindruck, ihr würdet zu den Klangminimalisten gehören, wie z.B. die neue Oversoul oder ältere Obsessedsachen. Mit den fetten Gitarren und mehrstimmigen Vocalarrangements zählt "Mirrorsoil" eher zur etwas bombastischeren Fraktion (Count Raven, Solitude Aeturnus), oder?

Den Anstoss, überhaupt eine Band zu gründen, gaben uns
Candlemass. Und von daher ist es klar, dass wir eher die metallischere und melodischere, wenn man so will "bomastischere" Doomvariante gewählt haben und nicht die rockige, eher 70er orientierte. Der Oversoul Scheibe fühle ich mich persönlich aber denoch recht nahe, da mich die Scheibe im Herzen berührt hat, wie lange kein Album. Minimalisten sind wir in gewisser Weise immer noch. Wir versuchen eben, das für uns machbare Maximum aus 2 Stimmen, 2 Gitarren, Bass und Schlagzeug herauszuholen und legen viel Wert auf gute Melodien, was aber auch schon immer der Fall war. Da wir uns in erster Linie eben als Liveband sehen, verzichten wir auf Experimente, die auf der Bühne in dieser Besetzung nicht machbar wären. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt. Vielleicht machen wir ja mal ne CD mit nem 70-köpfigen Donkosakenchor... ;-)) 

4b) Kann man daraus schließen, dass ihr sowas früher schon gemacht hättet, wenn die technischen Mittel zur Verfügung gestanden hätten, oder ist das für dich auch eine Doom-Stilfrage wie bei den o.g. Bands?

Die musikalische Entwicklung kam mit der Zeit und sowas ist nicht planbar. Wir haben immer zum jeweiligen Zeitpunkt einer Aufnahme das gemacht, was uns sowie musikalisch, wie technisch möglich war und weiter an uns gearbeitet. Die Platte klingt eben einfach auch daher besser und fetter, da wir das erste Mal mehr als ein Wochenende für die Aufnahmen hatten, in nem anständigen Studio waren und wir uns weiterentwickelt haben. Ich würde aber auch nicht sagen, dass sich die Musik grossartig verändert hat, ein roter Faden zieht sich durch alle unsere Veröffentlichungen, vom ersten Rumpelkammerdemo bis zur aktuellen CD. Wir haben natürlich unsere Markenzeichen und Stilmittel, können und wollen auch unsere Einflüsse nicht verleugnen, aber abgesehen davon gibt es keine Richtlinien für uns, ausser unseren eigenen Vorstellungen. Für mich steht Doom für Individualität, künstlerische Freiheit und Selbstverwirklichung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von uns zukünftig krasse Stilwechsel zu erwarten sind. Wir werden aber auch nicht auf der Stelle treten.

5) Gleich zu Anfang, in "Asylum", habt ihr einen putzigen Soundeffekt drin, klingt fast wie ein Didgeridoo. Bitte um Erklärung.

Dieser putzige Soundeffekt ist unser Sänger und Gitarrist Siffi, der sich hier an Kehlkopfgesang versucht. Ich hab mir nach einer Fernsehreportage über Nomaden in der Mongolei mal eine CD von einer Band namens
Huun Huur Tu besorgt, die diese Art des Gesangs pflegt. Hat etwas sehr archaisches, mystisches und eigentümliches. Siffi hat es mal bei mir gehört, war beeindruckt und hat sich selbst damit befasst. Irgendwann kam es dann eben auch bei uns zum Einsatz und passt perfekt. Wird auch zukünftig immer mal wieder Verwendung finden. 

6) Ich finde "Weiss" sehr gelungen, weil der deutsche Text auch doomig kommt. Hattet ihr Befürchtungen, dass die Leute solch einem Experiment gerade jetzt (Rammstein, Onkelz, Gothicmetal-Welle) sehr mißtrauisch gegenüberstehen? Gab es negative Kritik?
 
Vielen Dank! Bislang haben wir fast nur positive Stimmen zu "Weiss" gehört. Der Song scheint irgendwie schon hervorzustechen, jedenfalls werden wir des öfteren darauf angesprochen. Es steckte allerdings kein Kalkül dahinter, einen deutschen Song zu machen. Es war einfach eine spontane Idee und hat gleich sehr gut gepasst. Und warum soll man als deutsche Band nicht auch mal was in der Muttersprache machen? Englische und amerikanische Bands haben damit ja auch kein Problem. Ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, eines Tages nur noch deutsche Texte zu haben. Mit den genannten Bands wurden wir bislang noch nicht in Verbindung gebracht, da wir zum einen musikalisch ganz anders ausgerichtet sind und eben auch auf unsere eigene Art und Weise an die Sache herangegangen sind und nicht versuchen, den eh sehr persönlichen, deutschen Text irgendwie kalt, hart oder herrisch klingen zu lassen, wie das bei einigen anderen deutschsprachigen Metalbands der Fall ist.

7) Warum profitiert Doom deiner Ansicht nach nicht von der "Zurück zum True Metal"-Welle? Wenn ich mir angucke, dass unter den 150 Bands, die 1999 und 2000 beim größten Szenetreffen in Wacken aufspielten, gerade mal 3 (in Worten: drei) Doombands waren, scheint sich nichts zu bewegen.

In meinen Augen ist Doom eine der, wenn nicht die "trueste" Metalspielarten, da es schliesslich die Keimzelle des Metals schlechthin ist. Aber dieses ganze "True Metal" Gefasel der letzten Zeit ödet mich nur noch an. Warten wir mal ab, wieviele "True Metal" Bands und Fans in 2-3 Jahren noch übrig sein werden. Momentan wollen die Leute das wohl und daher hat es auch seine Berechtigung, aber mich persönlich interessiert das alles nur sehr am Rande. Die Geschmäcker sind ja zum Glück verscheiden und jeder hat die freie Wahl, das zu hören, was ihm zusagt. Die "True Metal" Welle geht am Doom genauso vorüber, wie alle vergangenen und noch kommenden Trends auch. Auf Doom muss man sich einlassen wollen, vielleicht sogar irgendwie eine Ader dafür haben, es ist tiefgründig, ehrlich und ungekünstelt und eignet sich nur schwerlich zum mal eben so nebenher konsumieren. Das spricht zum Großteil eben nur eine eingeschworene Minderheit an, aber lieber so, als eine riesige Herde, die sich nach nem Jahr wieder anders orientiert und dem nächsten "grossen Ding" hinterherhechelt. Doom war immer da und wird es auch immer sein, man bekommt eben nur nicht alle Veröffentlichungen auf dem Silbertablett serviert, sondern muss selbst tätig werden und sich auf die Suche machen. Derzeit scheint es um die Szene aber wieder recht gut bestellt zu sein, wie  hochkarätige Scheiben von Thunderstorm, Abdullah, Oversoul beweisen und auch Dawn of Winter rappeln sich so langsam wieder auf. Auch im Demobereich tut sich mit Bands wie z.B. Well of Souls, Voodooshock, Icefall, Pale Divine wieder einiges. In Wacken würden wir selbstverständlich auch mal sehr gerne spielen, keine Frage. Für dieses Jahr hab ich wenig Hoffnung, aber vielleicht klappt es ja nächstes Jahr. 

8) Das leitet über zu eurer Perspektive für die nächste Zeit. Wenn diese Songs von 1997-99 sind, müßtet ihr das nächste Album eigentlich schon bald nachschieben können, falls ihr fleißig wart ;-). Was sind eure Pläne, wie es mit der Band weitergehen soll?

Die Songs sind zum Teil sogar noch älter, "Veil of Lead" z.B. entstand bereits 1995. Aber 5-6 neue Songs stehen in der Tat schon und wir hoffen gegen Ende 2001/ Anfang 2002 wieder in's Studio zu können. 3 davon haben wir bereits vorab eingespielt. Sie werden im Lauf des Jahres auf diversen Compilations (u.a. haben wir auch "One Mind" für einen Saint Vitus Tribute aufgenommen)  zu finden sein und kann man sich die Songs auch auf unserer Homepage (
www.mirrorofdeception.com) herunterladen. Ansonsten machen wir uns Ende Februar erst mal auf den Weg nach England, um dort einige Shows mit Warning und Solstice zu spielen. Danach werden wir schauen, dass wir möglichst viel live in Deutschland unterwegs sein können. Vielen Dank für das coole Interview!!

Doom Metal lives!!!