Mirror Of Deception – Doom Metal mit Leib und Seele

Der Underground ist für das kulturelle Überleben einer florierenden Szene, die sich als solche begreifen will, immens wichtig, wird jedoch von vielen Medien und Fans einfach ignoriert. Leute, wacht
auf, es gibt unglaublich gute Bands zu entdecken, wenn man sich nicht nur auf die in den ’großen’ Mags vorgestellten Acts versteift... Mirror Of Deception sind ein absoluter Geheimtip und für mich ganz klar die beste Doom-Band aus hiesigen Gefilden. Da vor kurzem mit dem ergreifenden „Mirrorsoil“ das offizielle Debüt-Album des Quintetts erschien, gab es also genug Gründe dieser langjährig aktiven Truppe meine persönliche Oblivion-Seite zu widmen, weswegen ich mich mit den Gitarristen Jochen Fopp und Michael ’Siffi’ Siffermann in Verbindung setzte.


Wie würdet Ihr jemandem, der Euch noch nie gehört hat, Eure Musik beschreiben?

>> (Siffi) Ich würde sie als melodiösen Doom Metal mit emotionalem Gesang bezeichnen. Wir sind keineswegs nur langsam, was man meist von Doom-Bands erwartet. Aber zumindest für mich zeichnet sich guter Doom auch durch Vielseitigkeit und nicht durch Monotonie aus. Unseren Stil haben wir zwar, allerdings erweitert sich dieser immer wieder und daher haben wir unsere Grenzen noch lange nicht erreicht. Wir werden mit allen möglichen Bands in Verbindung gebracht, recht oft mit Solstice oder Revelation, aber auch mit Candlemass und Solitude Aeturnus wurden wir schon verglichen. <<

Was ja auch durchaus Sinn macht und nur als Kompliment verstanden werden kann. Was war denn eigentlich dafür ausschlaggebend, daß Ihr Euch mit Haut und Haaren dem Doom verschrieben habt?

>> (Jochen) Meine erste Begegnung mit Candlemass hat meine Hörgewohnheiten und mein Leben grundlegend verändert und war auch der entscheidende Anstoß, selbst eine Band zu starten. Die Haupteinflüsse waren dann auch großteils in der klassischen Doom-Riege zu finden, aber mit der Zeit haben sich unsere Interessen und Vorlieben erweitert und heutzutage kann uns (wenn auch nicht immer hörbar) so gut wie alles inspirieren – vom seichtem Popsong bis hin zum krassesten Black Metal. Alles was um uns herum geschieht, färbt irgendwie ab. <<
>> (Siffi) Doom Metal ist für mich die ehrlichste und emotionalste Musikform um Gefühle zum Ausdruck zu bringen. <<

Wie würdet Ihr „Nicht-Eingeweihten“ die Magie des Doom-Metal beschreiben und wie reagiert Ihr auf den Vorwurf, Doom sei „langsame, monotone und langweilige“ Mucke?

>> (Siffi) Monotone und langweilige Musik findest du überall, allem voran in den Charts. Meiner Meinung nach ist Doom Metal nicht sonderlich populär, da viele nicht wissen, was das überhaupt sein soll, sich nicht mit ihren Gefühlen auseinandersetzen wollen oder können oder eben keinen Zugang dazu finden. Für mich ist das ein Ventil die ganze Scheiße zu verarbeiten, aber auch einfach dem Ganzen zu entfliehen. Diese Stilart ist ehrlich und spielt dir keine schöne, heile Welt vor. Wenn man den Doom richtig verstehen will, muß man sich aber auch mit der Musik auseinandersetzen und sich fallen lassen können. Es ist eben keine Schnellkost. Die Musik, wie wir sie uns vorstellen, ist im Allgemeinen sehr melodiös und wird auf das Wesentliche beschränkt, was aber mitnichten monoton ist. Es wird lediglich auf unnötigen ’Schnickschnack’ verzichtet. <<
>> (Jochen) Ich zitiere aus einem Review: „Musik, die sich um deine Trauer legt wie ein dunkler, wärmender Mantel und das Gefühl, jemand versteht dich und deine schweren Gedanken in dieser dunklen Zeit...“. Passender könnte ich es auch nicht ausdrücken. Für mich ist Doom ein tiefes Gefühl, Kraft, Trost, Hoffnung, Zufluchtsort und Heimat in einem. Wir werden unsere nächste Platte ganz einfach „Laut, langsam und langweilig“ betiteln, dann sind die Fronten geklärt. <<

Was haltet Ihr eigentlich von der momentanen Veröffentlichungswut im sogenannten Stoner-Rock-Bereich? Steht Ihr auf einige der "Stoner-Acts"?

>> (Jochen) Ich verfolge das Geschehen in der Stoner-Rock-Szene nur am Rande, da inzwischen alles zu unübersichtlich geworden ist. Etliches aus diesem Bereich gibt mir persönlich auch nicht gerade viel. Mir fehlen die guten Melodien und die emotionale Tiefe, die ich am Doom so liebe. Aber vielleicht habe ich auch einfach noch nicht die richtigen Scheiben entdeckt. Ich mag zwar einige Bands, die gerne in diese Schublade gepackt werden, wie z.B. Kyuss, Spiritual Beggars, Spirit Caravan, Terra Firma oder Abdullah, glaube aber kaum, dass diese sich mit dem oberflächlichen Begriff identifizieren können, der ihre Musik ja auf blosse Kiffermucke reduziert. Anfangs hatte ich noch die Hoffnung, daß einige Leute über den Umweg Stoner-Rock auch auf die klassischen Doom Bands stoßen, aber das ist wohl eher selten der Fall. <<

Nächstes Stichwort: Eure neue CD „Mirrorsoil“

>> (Jochen) Aufgrund verzögerter Studiotermine und der anschließenden Labelsuche erstreckten sich die Aufnahmen zu „Mirrorsoil“ zunächst über einen Zeitraum von fast zwei Jahren und bis zum Release dauerte es dann fast noch mal so lange, was uns einiges an Nerven, Blut, Schweiß und Tränen gekostet hat. Es war eine ziemliche Bewährungsprobe, aber letzten Endes sind wir gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervorgegangen und ich denke, wir haben ein ganz ordentliches Debüt abgeliefert, mit dem wir zufrieden sein können. Die „Mirrorsoil“-Lyrics handeln von Dingen, die uns persönlich beschäftigen, von unseren Erfahrungen, Träumen, Wünschen und Gedanken. Die Texte sind uns wichtig, aber mit keiner klaren, greifbaren Message verbunden. Keine Belehrungen, sondern persönliche Bestandsaufnahmen. <<

Jochen, Du bist seit Jahren im Underground sehr aktiv, wie wichtig sind Dir diese Szene-Kontakte?

>> Eine Band ohne Underground-Connections hat keine Basis und wird nicht lange Bestand haben. Wir tragen unseren Teil zum Underground bei und sind natürlich auch dankbar für jegliche Unterstützung, wobei ich mir insgesamt mehr Idealismus und Zusammenhalt wünschen würde, schließlich sitzen wir doch alle im gleichen Boot. Zu viele Fanzines interviewen nur die ewig gleichen Combos, die schon in den großen Heften bis zum Erbrechen durchgekaut werden und zu viele Bands verschanzen sich innerhalb der Genregrenzen, was in gewisser Weise sicherlich auch auf uns zutrifft. <<

Möchtet Ihr noch was los werden?

>> (Jochen) Vielen Dank für die Möglichkeit, sich an dieser Stelle zu äußern. Wer mehr über uns erfahren möchte oder über Doom fachsimpeln möchte, kann uns gerne kontaktieren oder mal einen Blick auf unsere Hompage (www.mirrorofdeception.com) werfen und zu unseren Gigs kommen. DOOM METAL LEBT! <<

Christoph Lücker
Oblivion Magazin
(Interview geführt im Mai 2001)