| Idealismus im Übermaß Ebenfalls dem Doom mit Haut und Haar verschrieben haben sich MIRROR OF DECEPTION. Im Gegensatz zu den eher straight nach vorne abrockenden Spirit Caravan, frönt die im Stuttgarter Raum ansässige Band allerings einer weitaus melancholischeren, unglaublich emotionalen Variante dieser zeitlosesten aller Metal-Spielarten. MIRROR OF DECEPTION haben mit dem famosen Longplay-Debüt "Mirrorsoil" einen echten Meilenstein gesetzt, an dem sich künftig nicht nur die einheimische Zeitlupenfraktion messen lassen muss. Die Band selbst krebst dabei schon seit 10 Jahren durch den bundesdeutschen Underground. "Los ging es für uns im Sommer 1990", erinnert sich Gitarrist Jochen Fopp. "Damals tat ich mich mit unserem zweiten Gitarristen Michael Siffermann zusammen, um eine Band im Stil von Sanctuary und Candlemass auf die Beine zu stellen. Na ja, von den Sanctuary-Einflüssen ist nichts übrig geblieben und Candlemass sind wir auch nicht richtig nahe gekommen. Aber es war zumindestens sein Anfang, der dann zu drei Demos, der 1997 erschienenen Mini-CD "Veil of Lead" und schließlich zu unserem aktuellen Album führte." Wobei "Mirrorsoil" eigentlich schon vor 3 Jahren veröffentlicht werden sollte. Zumindest wurden 1997 mit den Aufnahmen begonnen und die Scheibe dann 1999 fertiggestellt. Warum hat es weitere zwei Jahre bis zum Release gedauert? "Die Platte sollte eigentlich auf demselben kleinen Label wie die Mini-CD erscheinen. Die Firma hat sich mittlerweile allerdings aus dem Labelgeschäft zurückgezogen und betreibt nur noch ein Tonstudio. Von daher mussten wir erst mal einen neuen Deal ergattern." Gelandet ist man schließlich in England bei The Miskatonic Foundation, der Firma von Solstice-Gitarrist Rich Walker. Das Ganze Hin und Her war aber zumindest für Jochen zu viel des Schlechten, so dass er sich 1998 kurzzeitig aus dem Line-up verabschiedete, weil er, wie er es im "Mirrorsoil"-Booklet ausdrückt, den Glauben an die Band verloren hatte. "Damals ging es überhaupt nicht mehr voran, und ich hatte vom ganzen Musikgeschäft einfach gründlich die Schnauze voll", nimmt er kein Blatt vor den Mund. "Die Stimmung innerhalb der Band war vollkommen im Keller. Ich brauchte definitiv eine Pause, um einige Dinge zu überdenken. Seit ich aber wieder dabei bin und wir alle an einem Strang ziehen, läuft es besser als je zuvor, und wir haben mehr erreicht als in all den früheren Jahren." ...was wohl nicht zuletzt auch am allgemeinen Aufwärtstrend im Doom-Genre liegt. Alles nur eine Folge des Stoner-Rock-Trends? "Ich sehe da eigentlich keinen so starken Zusammenhang. Bei uns waren es einfach viele unglückliche Umstände, durch die wir ausgebremst wurden. Das ging ja nicht nur uns so. Bands wie Internal Void oder Penance standen plötzlich ebenfalls ohne Deal da, weil niemand mehr Doom-Scheiben veröffentlichen wollte.Warum eigentlich? Doom war kommerziell nie wirklich erfolgreich, aber trotzdem wurden beständig neue Scheiben veröffentlicht. In der zweiten Hälfte der Neunziger fehlte es bei den verantwortlichen Label-Menschen einfach an Idealismus." Ein Idealismus, den die Betreiber kleiner Label wie Southern Lord oder eben The Miskatonic Foundation derzeit gottlob wieder im Übermaß aufbringen und der schon immer gerade in diesem Genre eine der wichtigsten Triebfedern war. "Richtig. Das gilt sowohl für die Fans, wie auch für die Musiker. Zum einen kriegt man viele Platten halt nicht so einfach im Laden um die Ecke, und für Konzerte muss man oft verdammt lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Auf Musikerseite ist dagegen viel Eigeninitiative gefragt, da es praktisch keinerlei Support von finanzstarken Plattenfirmen gibt. Aber wer Doom spielt, gibt eben trotz aller Schwierigkeiten nicht so leicht auf! Gerade das macht doch einen Teil der Faszination dieses Genres aus." Andreas Stappert |
| Rock Hard (Nr. 172/ September 2001) |