Unabhängige Rätekommunisten im Interview:

"Alle Macht den Räten?!"

(Grauzone.Info - Nr. 29, Sommer 2004)

Grauzone.Info: Könnt ihr euch kurz vorstellen? Was macht ihr ausser Lohnarbeit verrichten?

UR: Einige von uns schlagen sich mittels Lohnarbeit durchs Leben, andere plagen sich ohne die verhasste Beschäftigung als Arbeitslose und in Massnahmen des Arbeitsamtes ab. Einige von uns haben von 1995 bis 2001 das Fanzine "Revolution Times" herausgebracht; im Jahr 2000 haben wir begonnen die Zeitung "Soziale Befreiung" und die Broschürenreihe "Bibliothek des Widerstandes" herauszubringen. In beiden beschäftigen wir uns mit den Klassenkämpfen der Vergangenheit und Gegenwart, üben eine Kritik der auf Lohnarbeit basierenden kapitalistischen Gesellschaft, aber ebenso eine Kritik linker Praxis in Form der Parteien und Gewerkschaften. In unseren Schriften "Terror des Kapitals" und "Zur Kritik der Arbeiterbewegung, der Marxismus und der Linken" haben wir unsere Kritik und unsere Positionen zusammengefasst. Als Kommunisten und sozialrevolutionäre ArbeiterInnen haben wir uns als Unabhängige Rätekommunisten organisiert, weil wir die Notwendigkeit sehen, uns auszutauschen, vereint zu handeln, Kritik und Positionen fortzuentwickeln. In diesem Rahmen sehen wir unsere Broschüren, Diskussionen, Flugblätter, unsere Homepage, etc. als Beitrag, um Diskussions-, Bewusstseins- und Bewusstwerdungsprozesse - wo möglich und nötig - zu befruchten, zu beschleunigen und Denkanstösse zu geben. Dass daraus andere Möglichkeiten unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen entstehen können, ist klar. Darüber hinaus versucht jeder von uns mit KollegInnen, FreundInnen und GenossInnen Handeln zu koordinieren, kollektiv Diskussionen zu führen und zu initiieren, theoretische Widerspiegelung vergangener und gegenwärtiger Kämpfe zu versuchen, Erfahrungen auszutauschen, ...

Grauzone.Info: Stell mal kurz die rätekommunistischen Positionen vor und zeige die Unterschiede zu anderen kommunistische Strömungen und zum Anarchismus auf?

UR: Es ist sehr schwierig dies "kurz" zu tun. Der Rätekommunismus ist in den 1920ern als Reaktion und Kritik des russischen Staatskapitalismus entstanden. Rätekommunisten wie Hermann Gorter und Anton Pannekoek kritisierten damals die Diktatur der Partei in Russland, wiesen auf den Fortbestand der Lohnarbeit hin, Rätekommunisten wie Cajo Brendel haben z.B. auf den revolutionären Charakter der Rebellion von Kronstadt 1921 hingewiesen ... Lange bevor Trotzkisten halbherzig die russische Bürokratie kritisierten, haben dies die Rätekommunisten, aber auch Anarchisten getan. In der Tradition des Rätekommunismus standen teilweise Gruppen wie Socialisme ou Barbarie in Frankreich oder die Gruppe Solidarity in Grossbritannien. Das Verdienst des historischen Rätekommunismus ist es, das, was uns die einträchtige Union aus Antikommunisten und Partei"kommunisten" als Kommunismus verkaufen will, als Fortbestand der Herrschaft des Menschen über den Menschen zu entlarven und eine Perspektive einer kommunistischen Gesellschaft jenseits von "revolutionärer" Partei, "proletarischem" Staat und "sozialistischer" Lohnarbeit aufzuzeigen. Für den Rätekommunismus steht die Selbstorganisation der Menschen im Mittelpunkt, nicht die Herrschaft einer Minderheit. Der Rätekommunismus ist eine solide Basis zur Kritik der russischen Revolution 1917, der Bolschewiki und des russischen Staatskapitalismus. Was wir allerdings am Rätekommunismus kritisieren, ist seine fehlende Kritik auch am Werk von Marx und Engels. Beide haben eine Menge guter Bücher und Kritiken geschrieben (allein das Kapital ist allemal lesenswert!), allerdings sollten sich manche Marxisten einmal fragen, warum sich so verschiedene "kommunistische" Fraktionen wie Trotzkisten und Stalinisten zugleich auf Marx und Engels beziehen können. So sind z.B. im "Kommunistischen Manifest" (und nicht nur dort!) Stellen zu finden, die wir als eine Rechtfertigung des Staatskapitalismus auffassen können. Aufgrund unserer Kritik am Werk von Marx und Engels, das sehr widersprüchlich ist, sehen wir uns auch nicht als "Marxisten", sondern als Vertreter eines nachmarxistischen Kommunismus.
Da es "den" Anarchismus nicht gibt, ist es schwierig zu sagen, worin der Unterschied zu "dem" Anarchismus liegt. Was das Endziel einer befreiten Gesellschaft angeht, sehen wir nicht allzuviele Unterschiede zu AnarchistInnen. Was uns trennt, ist eher der Weg zu dieser Gesellschaft, egal ob sie nun Kommunismus oder Anarchie genannt wird. Z.B. haben wir unsere Schwierigkeiten mit anarchistischen Theoretikern wie Silvio Gesell, Stirner oder Proudhon, die doch eher sehr merkwürdige Vorstellungen haben (teilweise antisemitisch oder Proudhons Gerede von einer "gerechten" Warenproduktion oder der an sich guten Konkurrenz) und eher weniger über eine materialistische Kritik des Kapitalismus verfügen. Unsere Probleme haben wir auch mit AnarchistInnen, die wie z.B. Erich Mühsam Landkommunen verklären oder zu Wahlen gegen rechte Parteien aufrufen. Das zeigt uns nur, dass diese nicht über eine konsequente und materialistische Analyse und Kritik des Staates und des Parlamentarismus verfügen. Oder die Anarchosyndikalisten, bei denen wir den Eindruck haben, dass sie an die Stelle des Allheilmittels der Parteikommunisten (also der Partei) die Gewerkschaft stellen und die historischen Erfahrungen mit dieser Organisationsform ignorieren. Unsere Kritik an den verschiedenen Anarchismen wie am Parteikommunismus und Gewerkschaftsfetischismus haben wir in unserer Broschüre "Zur Kritik der Arbeiterbewegung, des Marxismus und der Linken" ausführlich dargelegt.
Mit KollegInnen im Betrieb, seien sie nun MarxistInnen oder AnarchistInnen, haben solche eher theoretischen Streitigkeiten nicht allzu grossen Stellenwert. Dort zählen die konkreten Probleme, die konkrete Antworten erfordern.

Grauzone.Info: Ihr wart in Österreich - wie hat' s euch gefallen, was war gut, was schlecht?

UR: Wir fanden die Veranstaltungen gut. Es waren viele interessante Leute da und es gab viele interessante Diskussionen, die oft sehr weit gingen und unheimlich erfrischend wirkten. Diese Diskussionen haben gezeigt, dass auch in Österreich eine Schicht sozialrevolutionärer ArbeiterInnen und Jugendlicher existiert, für die eine Perspektive jenseits dieses Systems anstrebenswert ist und die auch in Betrieben über Erfahrungen verfügen. ML-Sekten haben uns zum Glück in Frieden gelassen.

Grauzone.Info: In Graz wurde euer Vortrag abgesagt mit dem Vorwurf, dass ihr in einigen Artikeln und Broschüren den 2. Weltkrieg nur als imperialistischen Verteilungskrieg seht und ihr einer Gleichsetzung des Nationalsozialismus mit anderen kapitalistischen Systemen Vorschub leistet. Wie antwortet ihr auf diese Kritik bzw. hat sich eure Position geändert? (Anmerkung: Die vollständige Begründung zur Absage des Vortrages von MAYDAY 2000 kann unter MAYDAY nachgelesen werden.)

UR: Zuerst einmal sei gesagt, dass wir es äusserst schade fanden, dass der Termin in Graz abgesagt wurde, ohne dass wir darauf reagieren konnten. Wir hätten gerne die verschiedenen Positionen und unsere Kritik am Faschismus/Antifaschismus ausdiskutiert, die wir in unserer Broschüre "Auschwitz als Alibi. Kritik des bürgerlichen Antifaschismus" und in unserem Flugblatt "Es gibt keine 'richtige' Seite in einem imperialistischen Krieg!" vertreten. Diesen Abend hätten wir alle dazu nutzen können. Zunächst: Unsere Position hat sich nicht geändert. Wenn wir die Lage in Israel/Palästina oder im Irak sehen, bestätigt sich unsere Position: nämlich die, sich auf keine der jeweils beiden nationalistischen und imperialistischen Lager zu schlagen. Es ist nichts "revolutionär" daran sich über getötete amerikanische GIs oder zerbombte irakische Städte zu freuen. Es hat nichts mit einer befreiten Gesellschaft zu tun, den Staat Israel und sein Handeln zu verteidigen, ebensowenig wie es "fortschrittlich" ist, eine nationalistische und völkische "Befreiungsbewegung" in Form von palästinensischen Selbstmordattentätern zu unterstützen. Ebenso ist unsere Position zum 2. Weltkrieg wie zu jedem Krieg und zu jedem Konflikt in der kapitalistischen Gesellschaft: Wir stellen uns nicht auf die eine oder andere Seite im kapitalistischen Konkurrenzkampf. Weder die eine noch die andere Seite im 2. Weltkrieg vertrat die Perspektive einer befreiten Gesellschaft. Auf beiden Seiten wurden die Massen unter nationalistischen und rassistischen Ideologien und Parolen in einen Krieg in das grösste Menschen- und Warenschlachtfest des 20. Jahrhunderts gehetzt. Wer uns Relativierung von Auschwitz vorwirft, nur weil wir darauf hinweisen, dass die Nazi-Verbrechen nicht die ersten und die letzten in der Geschichte waren und sind, relativiert selbst die Verbrechen des Kapitalismus. Die ganze Geschichte des Kapitalismus ist eine einzige Geschichte von Verbrechen, Kriegen, Massenmorden und Blutbädern. Dabei steht der Nationalsozialismus durchaus in der Tradition des westeuropäischen Kolonialismus, der in Amerika, Asien und Afrika wütete. Dass es neben dem vom Deutschen Reich begonnenen 2. Weltkrieg und dem industriellen Massenmord an den Juden andere Massenmorde, Kriege und Verbrechen gegeben hat, macht den Nationalsozialismus nicht weniger verbrecherisch. Es zeigt aber, dass die Nazis keineswegs ein Monopol auf Verbrechen hatten und haben. Die Einführung und Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise und der Lohnarbeit in Europa war kein "friedlicher" Vorgang, die Ausrottung der Indianer in Nordamerika nicht "unblutiger", die Menschenversuche Japans in China nicht "zivilisierter", der Mord an den Hereros in der Kolonie "Deutsch-Südwestafrika" kein "Kavaliersdelikt" und der Krieg der USA in Vietnam nicht "humaner"! In unserem Flugblatt schrieben wir hierzu: "Der Linkskommunist Karl Korsch hat einmal treffend die ‚Neuheit' der faschistischen Politik zusammengefasst: 'Die Neuheit der totalitären Politik ergibt sich aus der Tatsache, dass die Nazis auf die ‚zivilisierten' europäischen Völker die Methoden ausgeweitet haben, die bisher den 'Eingeborenen' und den 'Wilden' vorbehalten waren, die ausserhalb der sogenannten Zivilisation lebten.' Auch die KZs sind ursprünglich keine Erfindung der Nazis, sondern ein Produkt des westlichen Kolonialsystems des späten 19. Jahrhunderts und des Systems der Gefängnisse und Arbeitshäuser. Die USA, ebenso wie z.B. England, die ihren Krieg als Kreuzzug für die ‚Menschenrechte' ausgaben, sind mit dem Blut von Millionen Indianern, Kulis und Sklaven errichtet worden. Bezeichnenderweise gibt es in Washington zwar ein Holocaust Museum, aber keines, das an den Mord an den Sklaven erinnert. Dabei sind mindestens 12 Millionen Kulis aus Asien in die Kolonien oder nach Amerika gebracht worden und 10-20 Millionen Afrikaner wurden versklavt. Das erzwungene Zu-Tode-Arbeiten, die Versklavung von Menschen, die Ausrottung von Millionen waren also keineswegs eine ‚Neuheit', der industrialisierte Massenmord und Krieg hingegen schon. Die Ausbeutung, der Krieg, die Repression und die Unterdrückung gehören zum Kapitalismus und seiner Geschichte wie das Prinzip der Profitmaximierung (...) Im Gegenteil benutz(t)en die Alliierten den deutschen Faschismus und seine Verbrechen, um ihn als ein Alibi für eigene Verbrechen im imperialistischen Krieg und im kapitalistischen Frieden zu benutzen: ‚Vor dem Greuel des kapitalistischen Todes soll das Proletariat die Greuel des kapitalistischen Lebens vergessen und dass beide unzertrennlich miteinander verbunden sind. Vor den Experimenten der SS-Ärzte soll vergessen werden, dass der Kapitalismus im grossen Massstab mit Alkohol, mit krebserregenden Produkten, mit den Strahlungen der ‚demokratischen' Atombomben usw. experimentiert. Man zeigt die Lampenschirme aus Menschenhaut, damit vergessen wird, dass der Kapitalismus aus dem lebendigen Menschen, seiner Arbeitskraft, einen Lampenschirm macht. Vor den Bergen von Haaren, Goldzähnen, vor dem zur Ware gewordenen Körper des toten Menschen soll man vergessen, dass der Kapitalismus das Leben der Menschen selbst, die Arbeit, zur Ware gemacht hat.' (Amadeo Bordiga)" In unserer Broschüre "Zur Kritik ..." schreiben wir: "Diejenigen, die uns die Relativierung der Nazi-Verbrechen vorwerfen, relativieren selbst die Verbrechen des Kapitalismus. Auschwitz und der 2. Weltkrieg sind nur ein Teil der Kontinuität einer über Leichen gehenden Produktionsweise, welche Geschäfte mit Leben und Tod, Freunden und Feinden macht und nicht nur sprichwörtlich über Leichen geht. Nicht der Faschismus ist das Monster (auch wenn er immer wieder dazu aufgebauscht wird), es ist die normale, alltägliche kapitalistische Produktionsweise, die normale kapitalistische Ökonomie, die verschiedene Zustände (Krieg - Frieden, Demokratie - Faschismus) kennt, welche das Monster ist und nicht ihre Zustände, die ihr als fremd entgegengestellt werden. Das heutige Paradies des Supermarktes und die Freiheit des Konsums ist erkauft mit der Hölle der Lohnarbeit, hat seine Geschichte in den Arbeitshäusern und Kriegen, Gesetzen und Sozialversicherungen." Wir relativieren nicht, es kommt uns aber darauf an, nicht auf die Ideologien der Herrschenden reinzufallen: Der 2. Weltkrieg war kein Krieg Faschismus-Demokratie. Interessant ist, dass diese unsere Position i 2. Weltkrieg von einer Minderheit aus Links- und Rätekommunisten vertreten wurde. Die aus Deutschalnd und Österreich stammenden GenossInnen der "Revolutionären Kommunisten Deutschlands" (RKD) um Georg Scheuer (dieser beschreibt diesen Widerstand in seinem Buch "Nur Narren fürchten nichts") haben während des 2. Weltkrieges in Frankreich Widerstand geleistet, der internationalistisch gesonnen war und nichts mit der nationalistischen Resistance, deren Feinde die "Boche" (=Deutschen) und nicht das kapitalistische System mit seinen Mördern und Profiteuren, gemeinsam hatte.

Grauzone.Info: Wie seht ihr die Zukunft - haben rätekommunistische Ansätze eine Chance auf Verbreitung/ verbreitete Akzeptanz?

UR: Rätekommunistische Positionen waren seit ihren Anfängen in den 1920ern Minderheitenpositionen und das werden sie wohl bis zu einer sozialen Revolution bleiben. Wir haben gar nicht die Illusion wir könnten Kämpfe herbeizaubern oder eine Massenbewegung aufbauen; das wollen wir auch gar nicht. Wir sehen unsere Rolle eher bescheiden: Wir wollen mit unseren Mitteln die Selbsttätigkeit der kämpfenden ArbeiterInnen und Menschen fördern und ihre Selbstbewusstwerdungsprozesse beschleunigen. Dabei sehen wir die dialektische Widersprüchlichkeit der Verhältnisse: Die ArbeiterInnen, die jeden Tag die Ursache ihrer Unterdrückung und Ausbeutung reproduzieren, kämpfen jeden Tag ihre kleinen Kämpfe gegen das System der Lohnarbeit und es liegt in ihren Händen das alles zu beenden. Dabei sind sie sich oft nicht dessen bewusst, was sie tun; oft treiben die Verhältnisse sie zu Verhalten, dessen Konsequenzen ihnen noch nicht klar ist. Sie lernen wie wir alle im Vorwärtsgehen. Keiner kann ihnen das abnehmen. So wie sie, ja uns alle keiner befreien kann ausser uns selbst. Die Geschichte zeigt, dass Menschen überall dort, wo sie Ausbeutung und Unterdrückung ausgesetzt waren, sich widersetzt haben. Menschen haben sich immer unter den ganz spezifischen Bedingungen und Verhältnissen ihre spezifischen Kämpfe geführt und sich in diesen Kämpfen Organe der Selbstorganisation und des Kampfes geschaffen (bisher z.B. Räte, Komitees), ohne die Weisungen einer Partei- oder einer Gewerkschaftszentrale.
Es existieren Keimformen einer kommunistischen Gesellschaft im Hier und Heute: z.B. Solidarität, egalitäre Tendenzen in ArbeiterInnenkämpfen (z.B. in Bezug auf die Löhne), die Formulierung der Bedürfnisse, die Selbstorganisation der Menschen jenseits bürgerlicher Vermittlung in Form von Politik und Institutionen.

Grauzone.Info: Sagt mal etwas zum Titel eurer Veranstaltungen in Österreich "Krise + Perspektiven der Linken"?

UR: Der Grossteil der Linken mit seinen genehmigten Demos, Kampagnen, seiner alternativen Politik, etc. ist nichts weiter als ein linkes Feigenblatt des politischen Systems. Ihr "Widerstand" ist berechenbar, sie spielen mit im Polit-Zirkus mit seinen demokratischen Narrenfreiheiten. Eine Perspektive auf gesellschaftliche Veränderung in Richtung einer befreiten Gesellschaft haben diese Gruppen und Organisationen nicht wirklich. Denn ihr "Widerstand" setzt als gegeben voraus (Lohnarbeit, kapitalistischer Frieden und Demokratie, (Sozial)Staat, Experten und Spezialisten, Geld und Warenwirtschaft, etc.), wogegen der eigentliche Widerstand beginnen müsste: die Existenz des Menschen als ausgebeutetes und staatsbürokratisch verwaltetes Wesen, als Objekt. Wirkliche Änderungen werden durch soziale Kämpfe erreicht werden, wie auch die neue soziale Organisation einer befreiten Gesellschaft in diesen Kämpfen ihre Keimformen finden wird. An diesen Kämpfen werden Linke beteiligt sein, aber anders als sie sich das vorstellen. Als Teile der Bewegungen, als Lohnabhängige in vielfältigen Konflikten, nicht als Teil ihrer Organisationen und Gruppen, die heute schon kaum gesellschaftliche Relevanz in sozialen Kämpfen haben.

Grauzone.Info: Danke fürs Interview - letzte Worte?

UR: Es ist sehr schwierig all das, was wir sagen wollen, so sehr in einigen Worten zu konzentrieren, so dass nicht der Sinn verlorengeht und dass das wichtigste gesagt ist. Wer Interesse an unseren Positionen und unserer Kritik hat, kann unsere oben genannten Schriften im Infoladen Grauzone oder bei uns direkt (Revolution Times, Postlagernd, D-23501 Lübeck) ordern. Im Internet sind wir auch mit einer Menge Texten vertreten, schaut einfach mal unter www.oocities.com/revolutiontimes/ nach. Ansonsten möchten wir Euch noch das Buch "Die Welt verändern, ohne die Macht zu erobern" von John Holloway als spannende Lektüre empfehlen, auf die Ihr Euch einlassen solltet. Grüsse gehen an alle, mit denen wir in Österreich gute und anregende Gespräche und Diskussionen und auch jede Menge Spass hatten, vor allem nach Innsbruck und Linz. Dank nochmals an alle, die uns diese Tour ermöglicht haben! Wir hoffen auf ein Wiedersehen. Vergesst nicht: Bessere Zeiten kommen nicht wie der Morgen nach einer durchschlafenen Nacht! Red Devil

Interview für "Grauzone.Info" # 29 (Sommer 2004)

UR steht für Unabhängige Rätekommunisten; Grauzone.Info ist das Infoblatt des Infoladen Grazone, PF 705, 6021 Innsbruck, Austria Grauzone

*** Als weitere Lektüre empfehlen wir: * Noam Chomsky, Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung, dtv 1995 * Michael Ewert, Blinde Flecken. Auschwitz und die Verherrlichung des Mechanischen, Edition Nautilus 2001 * Jacques Pauwels, Der Mythos vom guten Krieg. Die USA und der 2. Weltkrieg, PapyRossa, 2001 * Adam Hauschild, Schatten über dem Kongo. Die Geschichte eines fast vergessenen Menschheitsverbrechens, rororo 2002 * Enzo Traverso, Moderne und Gewalt. Eine europäische Genealogie des Nazi-Terrors, ISP Verlag 2003 * Lutz Schulenburg (Hg.), Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche! Rebellische Widerworte, Edition Nautilus 2004

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