"Welche Perspektive hat die Anti-Globalisierungsbewegung? Eine notwendige Kritik"

"Welche Perspektive hat die Anti-Globalisierungsbewegung? Eine notwendige Kritik"

VII.2 Eine spekulative Prognose

Jede Prognose, wie sich die AGB weiterentwickeln könnte, bleibt notwendigerweise spekulativ und das wichtigste ist immer noch die Rolle, die sie - wie oben analysiert - derzeit spielt (Verkürzung von Kritik, Kanalisierung von Protest, Schüren und Wiederbelebung von Illusionen, Reservoir für Organisationen der alten Arbeiterbewegung und Nazis). Unserer Meinung nach hat diese Bewegung vier mögliche Perspektiven:

Ein Teil wird resignieren, weil sich durch die Demos nichts grossartig ändern wird.

Ein Teil wird zunehmend mit staatlichen Institutionen oder Konzernen zusammenarbeiten und ihre Positionen wie die Tobin-Steuer werden wie in Frankreich zunehmend von der etablierten Politik aufgenommen werden. Dieser Teil wird eine "alternative" Krisenpolitik betreiben und eventuell als "alternative" Politiker wie die Grünen enden und ihre Rolle bei der Modernisierung spielen. Dieser Teil der AGB fordert eine andere Politik, aber bestimmt nicht das Ende aller Politik. Ein Beginn zu dieser Entwicklung stellen die NGOs dar, welche bei zwischenstaatlichen Konferenzen und Gipfeln mitreden dürfen und mit denen sich der Kapitalismus ein Alibi gesichert hat. Selbst Frankreichs Aussenminister Vedrine sprach sich für eine "humane und kontrollierte Globalisierung" aus, was auch die Bedeutung dieser Ideologie bei der Formierung der unterschiedlichen Wirtschaftsblöcke sowie in Bezug auf die ideologische Unterfütterung antiamerikanischer Einstellungen verdeutlicht. Ein Teil der AGB stellt bereits heute mit ihrer Ablehnung des "US-Imperialismus", der "Lokalisierung der Wirtschaft" und in Form protektionistischer Forderungen die national(istisch)e Begleitmusik zur Formierung der verschiedenen Wirtschaftsblöcke dar. Insofern stimmt es, was die holländische Gruppe "De Fabel van de illegaal" schreibt: "Anti-GlobalisierungsaktivistInnen, die den Kapitalismus kritisieren, während sie den miteinander im Streit liegenden Eliten nachjagen, bleiben innerhalb derselben Ideologie."

Ein Teil wird aus der Frustration heraus eventuell zu Methoden des individuellen Terrors greifen.

Ein Teil wird die Perspektivlosigkeit dieser künstlich organisierten Bewegung erkennen und zu einer generellen Kritik des Systems übergehen, sich an sozialen Kämpfen in den Betrieben orientieren und nach einer revolutionären Perspektive suchen, welche allein - jenseits von Resignation und Opportunismus - eine wirkliche Perspektive darstellt.

Auch wenn viele Details unserer Kritik und die Kritik an der Kritik teilen, so müssen sie sich doch den Vorwurf gefallen lassen, dass sie diese Bewegung organisieren. Auch wenn sie uns "prinzipiell" zustimmen, betreiben sie aber weiterhin ihre aktionistische, opportunistische Praxis, d.h. sie betreiben Politik. Sie erzählen den Leuten Sachen, die sie selbst nicht glauben, organisieren sie für Forderungen und Ziele, die sie zu erreichen nicht annehmen. Anstatt die Diskussion und das Bewusstsein vorwärtszutreiben, wird es fixiert auf Übergangsforderungen, Etappenziele, faule Kompromisse, bürgerliche Kategorien, etc. Was zählt ist nicht ihre Kritik, denn sie ist theoretisch und hat keine praktischen Auswirkungen. Wäre sie praktisch, wäre ihre Praxis eine andere. Uns in unserer Kritik beizustimmen und dennoch weiter fortzufahren wie bisher ist nicht nur inkonsequent, sondern auch verlogen. In welcher Weise wird mit dieser Bewegung (d.h. mit der AGB) das Bewusstsein gehoben, das Selbstvertrauen gestärkt und die Selbsttätigkeit der Massen gefördert? Diese Frage stellen wir nicht den Kids und Lohnabhängigen, die ihre verständliche Wut über den Kapitalismus freien Lauf lassen und sich zu orientieren versuchen. Diese Frage stellen wir denen, welche die AGB organisieren, die vorgeben einen politischen Anspruch zu haben, aber anscheinend nicht fähig oder willens sind, ihr eigenes Handeln zu überdenken. Ihnen scheint der Gewinn für die eigene Gruppe wichtiger als wirkliche, dauerhafte Veränderungen oder der Zugewinn an Selbstvertrauen für die Organisierten.

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