19.08.2003

Tschechien

Ortsnamen

Wenn man die tschechische Sprache nicht kennt, sind viele tschechische Ortsnamen mehr als ungewöhnlich und zum Teil sehr schwer auszusprechen. Sobald man aber die Bedeutung einiger Wörter kennt, welche sehr häufig in Ortsnamen vorkommen, ist diese Angelegenheit gleich nicht mehr ganz so fremdartig:

Tschechisch
Deutsch
Beispiel
dolní
"Unter-"
Dolní Radouň - dolina = Niederung
důl Tal
Sůdkuv Důl
horní
"Ober-"
Horní Povelice
hrad
Burg
Jindřichův Hradec - würde wörtlich übersetzt soviel wie "Heinrichburg" bedeuten
malý
klein
Malý Ratmírov
nad
an, über
Kamenice nad Lipou
nová
Neu (weibl.)
Nová Bystřice
v, ve
in, an, um
Třemešna ve Slezsku - wörtlich "Třemešna in Schlesien"
včela
Biene
Včelnička - der deutsche Name war "Bienental"
velký
groß
Velký Ratmírov
ves
Dorf
Nová Ves
u
bei, an
Haltestelle "Żďár u Kamenice n. L."

Die in dieser Website beschriebenen Strecken lagen zum Teil in gemischtsprachigen Gebieten, wo bis zu den dramatischen Ereignissen, die vor, während und nach dem 2. Weltkrieg stattgefunden haben, durchaus auch die deutschen Ortsnamen geläufig waren. Da es - vielleicht abgesehen von Kärnten - international üblich ist, auf Wegweisern die Ortsnamen in jener Sprache anzuschreiben, die dort gesprochen wird, möchte ich diesen Usus aufgreifen und werde bei den Bildbeschreibungen die heutigen tschechischen Namen verwenden. Die entsprechenden deutschen Namen können Sie den folgenden Tabellen entnehmen.

Nová Bystřice - Jindřichův Hradec - Obrataň

Nová Bystřice
Neubistritz
Albeř Albern
Hůrky
Adamsfreiheit
Senotín
Zinolten
Kaproun
Kaltenbrunn
Kunžak-Lomy
Königseck-Tieberschlag
Střížovice
Drösowitz
Malý Ratmírov
Klein Rammerschlag
Blažejov
Blauenschlag
Jindřiš
Heinrichsschlag
Jindřichův Hradec
Neuhaus
Horní Skrýchov
Ober Grieschau
Dolní Radouň
Wenkerschlag
Lovětín
Lowietin
Nová Včelnice
Neuötting
Żďár u Kamenice n. L.
Schadlar bei Kamnitz (Linde)
Kamenice nad Lipou
Kamenitz an der Linde
Včelnička
Bienental
Černovice u Tábora
Teschernowitz bei Tabor
Křeč Kretsch
Sudkův Důl
Sudekgruben
Obrataň Wobratain

Třemešná ve Slezsku - Osoblaha

Třemešná ve Slezsku
Röwersdorf
Liptaň Liebenthal
Dívčí Hrad
Maidelburg
Horní Povelice
Oberpaulowitz
Amalín
Amalienfeld
Slezké Rudoltice
Rosswald
Koberno
Kawarn
Bohušov
Füllstein
Osoblaha
Hotzenplotz

Ondrášov - Mor. Beroun - Dvorce

Ondrášov
Andersdorf
Moravský Beroun
Bärn
Dvorce
Hof

Aussprache

"Jeder Buchstabe wird so gesprochen, wie er geschrieben wird."
Ganz so einfach ist die Sache nun auch wieder nicht. Es gibt etliche Ortsnamen, wo man sich das nur sehr schwer vorstellen kann. Ich will hier niemanden mit stimmlosen, stimmhaften, weichen und harten Konsonanten, Assimilation und dergleichen quälen. Es genügt vorerst einmal zu wissen, daß sich die Aussprache der einzelnen Buchstaben tatsächlich kaum ändert. So ist z.B. ein "c" immer ein [tß] und ein "č" immer ein [tsch]. Das wird von deutsch sprechenden Personen gerne ignoriert und auch oft vermischt.
Außerdem ist es für den Zuhörer oft überraschend, wie weich diese Sprache etwa im Gegensatz zu Russisch ausgesprochen wird. Allerdings gibt es aus historischen Gründen starke regionale Unterschiede zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache.

Selbstlaute

Wie in Deutsch, nur daß e wie [ä] und o offen wie in "Post" ausgesprochen wird. Ein Apostroph (á, é, í, ó, ý, ú) oder ein ° (ů) über dem Selbstlaut bedeutet, daß er lange ausgesprochen wird. Die Länge ist sehr wichtig und kann zum Teil den Wortsinn entscheidend verändern (byt = Wohnung, být = sein). Abweichungen zu Deutsch:

Tschechisch
"Lautschrift" Anmerkung
ě [jä] Verschmelzung von j und ä
y [i] wie in "bitte". Niemals wie "ü" aussprechen.
ý [ii] wie in "Tiger"

Diphthonge

Tschechisch
"Lautschrift" Anmerkung
ou
[oU] o mit Übergang zum u
au
[aU] a mit Übergang zum u
eu
[eU] e mit Übergang zum u

Mitlaute

Die meisten Mitlaute sind wie in der deutschen Sprache auszusprechen. Allerdings werden ck [tß'k] und auch sch [ß'cH] stets getrennt ausgesprochen. Folgende Buchstaben weichen ab oder sind in Deutsch nicht vorhanden:
 
Tschechisch
"Lautschrift" Anmerkung
č [tsch] wie in "tschechisch"
ď oder d' [dj] Verschmelzung von d und j wie in Nadja. 
h [h] behaucht wie in "Haus"; dient nie als Dehnungslaut. In manchen Regionen wird dieser Buchstabe am Wortende wie ch ausgesprochen.
ch [cH] wie in "Buch"; wird im tschechischen Alphabet wie ein eigener Buchstabe behandelt.
ň [nj] wie in "Cognac"
r [r] Zungenspitzen-r. Dieser Mitlaut kann Silben-bildend sein.
ř [rsch] Verschmelzung von r und ž bzw. stimmlos r und š am Wortende. Diesen Laut gibt es nur in der tschechischen Sprache und seine korrekte Aussprache unterscheidet deutlich hörbar den Anfänger vom Könner. Leider kommt dieser Laut auch in  zahlreichen Ortsnamen ausgiebig vor. Man kann sich also ziemlich schnell die Blöße geben, sobald man sich vergeblich abmüht, diese Namen halbwegs richtig auszusprechen. Die korrekte Aussprache variiert zudem noch mit Wortmitte und Wortende sowie eventuell folgenden "harten" oder "weichen" Konsonanten...
š [sch] stimmlos wie in Schaf
ť oder t' [tj] Verschmelzung von t und j wie in Katja.
z [s] wie in "Rose"
ž [sch] weich wie in "Journal" oder "Garage"

Der Mitteleuropäische Zeichensatz, Unicode und der K(r)ampf mit den Browsern

In diesen Seiten sollen tschechische Wörter korrekt geschrieben und auch dargestellt werden! Ich könnte schließlich auch keinen deutschen Text flüssig lesen, wenn der Autor alle Umlaute ignorieren "wurde" - das nur einmal als kleine negative Kostprobe. Dabei werden aber sehr schnell die Untiefen der verschiedensten Browser in unterschiedlichen Betriebssystemen erreicht. Die anfängliche Idee, die Seiten im Mitteleuropäischen Zeichensatz ISO-8859-2 (auch bekannt als Latin-2) zu verfassen, habe ich sehr bald aufgegeben. Zu viele weit verbreitete Browser scheitern sofort daran. Ebenso wenig bewähren sich HTML-Notationen wie z.B. č oder &#010D;. Nur die modernsten Browser stellen das korrekt als č dar. Letztendlich scheint Unicode UTF-8 doch die beste und für die Zukunft sicherste Wahl zu sein. Das soll aber nicht bedeuten, daß es selbst damit keine Probleme mehr geben würde.

Vergleichen Sie einmal folgende Zeichenfolge mit den Screenshots:

ČĎĚŘŠŤŽáéěíóúůýčďňřšťž und ÄÖÜäöüß

Sollte dieser Text überhaupt nicht mit jenen in den unten gezeigten Screenshots zusammenpassen, kontrollieren Sie zuerst unter View/Character Coding, ob Ihr Browser auch wirklich Unicode(UTF-8) korrekt erkannt hat. Falls nicht, wählen Sie Unicode(UTF-8) manuell aus.

Windows

IExplorer 6, Windows 2000

Unter Windows 2000 (sowie unter NT4) und IExplorer 6 scheint das ja recht gut zu funktionieren. Ebenso wird der Text auf dem selben PC von Netscape 7 und Opera korrekt dargestellt.

Mit einem IExplorer 4 unter Windows 98 gab es dagegen auf einen anderen PC meistens nur Fragezeichen anstelle der gewünschten Sonderzeichen zu sehen. Die bittere Lösung: den alten Schrott wegschmeißen und etwas besseres installieren, oder in Zukunft mit immer mehr unlesbaren Unicode-Seiten leben lernen...

Mozilla 1.3 (SuSE Linux 7.2)

Mozilla 1.3, SuSE Linux 7.2

Die brauchbarsten Ergebnisse kann man im Mozilla 1.3 bekommen, wenn man unter Edit/Preferences/Appearance/Fonts bei "Unicode" überall den misc-fixed-iso10646-1 sowie "Sans Serif" einstellt. Was dabei absolut nicht zufriedenstellend funktioniert: das Ändern der Zeichengröße. Man hat ständig das Gefühl, gleichzeitig verschiedene Fonts präsentiert zu bekommen - was ja offensichtlich leider auch der Fall sein dürfte.

Netscape (SuSE Linux 7.2)

Netscape 6.1, SuSE Linux 7.2

Mit Netscape 6 schaut das mit den gleichen Einstellungen gleich noch einmal viel hässlicher aus. Nicht nur, daß einige Sonderzeichen viel zu klein erscheinen, werden sie dazu noch in einer ganz anderen, viel zu fetten Schriftart angezeigt, was die Lesbarkeit auch nicht unbedingt fördert. Aber immerhin werden zumindest bei mir die richtigen Buchstaben dargestellt.

Das kann ich allerdings vom Netscape 4.77 nicht behaupten. Warum eigentlich dieser Browser bei mir seit Jahren auf die absurde Idee kommt, daß alle (also nicht nur meine!) Seiten in "traditionelles Chinesisch" kodiert wären, kann ich nicht nachvollziehen. So stellt man eben mühsam auf Western- bzw. Central-European oder Unicode um, aber es hilft alles nichts. Hier komme ich auf keinen grünen Zweig. Mit dieser Version funktioniert auch nahezu keine osteuropäische Web-Site zufriedenstellend. Ebenso wenig die westeuropäischen, sobald auch nur ein Umlaut darin vorkommt. Spaßig wird es erst recht, wenn mit dem Ändern der Font-Größe auf einmal andere Zeichen als zuvor dargestellt werden! Mit helvetica(NSPseudofonts) und auch times(NSPseudofonts), Größe 12 wird in dieser Seite nur Mist angezeigt, mit Größe 14 geht es dagegen auf einmal!? Das kann es wohl nicht sein - die 4.77er Version ist in diesem Sinne unbrauchbar und verdient keinen Support durch die HTML-Autoren. Lösung: wegschmeißen und etwas besseren nehmen! Netscape 4.77-Freaks können ja einmal mit verschiedenen Fonts und Fontgrößen herumspielen. Die Screenshots zeigen ja, wie die obige Zeichenfolge ausschauen sollte.

Konqueror (Version 2.1.1, KDE2)

Konqueror 2.1.1, KDE2, SuSE Linux 7.2

Mit den Default-Einstellungen war der Text nicht zu entziffern. Erst als ich unter Settings/Configure Konqueror/Konqueror Browser/Appearance für iso-10646-1 die Schriftart fixed und Fontsize large ausgewählt habe, war die Darstellung zufriedenstellend. Alle Zeichen wurden danach korrekt und sogar in der richtigen Schriftart angezeigt. Und das bei allen Zoomstufen.

Fazit

Mehr als Unicode zu verwenden, kann man als HTML-Autor wirklich nicht machen. Sollten Sie also noch immer Probleme bei der Darstellung der Zeichen haben, dann tut es mir leid, aber das liegt an den Versäumnissen der Browserhersteller. So neu und modern ist Unicode nun auch wieder nicht.

Letztendlich kann man sagen, daß die Unterstützung von Unicode nicht überall zufriedenstellend ist! Vor allem sind die unter Linux verwendeten Zeichen wenigsten im Netscape eher hässlich und passen nicht zum übrigen Text. Ich gehöre sicher nicht zu der Gruppe der berüchtigten "Web-Designer", die den Inhalt nur auf den IExplorer trimmen. Aber bezüglich den osteuropäischen Sonderzeichen hat hier Windows sogar bei nicht mehr ganz aktuellen Versionen wie NT 4 eindeutig die Nase vorn. Dies soll bitte als positive Kritik und vor allem als Ansporn verstanden werden...


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