10.August.2011 - Die neue Website ist bald fertig, spaetestens dann geht diese Fassung offline!:) www.fraenkische-wappenrolle.de
Ellrichshausen-Rothenburg, RKM von - Wappenrolle fuer Franken im Internet
Reichserbküchenmeister von Ellrichshausen-Rothenburg
Blasonierung: Geviert, 1 und 4 fünf
mal schräggeteilt Rot Silber, 2 und 3 Silber eine Burg mit zwei
Türmen Rot; ein Herzschild Schwarz, in einem Bord Gold ein
Reichsapfel Gold; 3 gekrönte Helme, 1 ein mit dem Wappenbild des Herzschildes
belegtes
achteckiges
Helmbrett besteckt mit Pfauenfedernaugen an den Spitzen zwischen eingebogenen
Brettseiten, Decken Schwarz Gold, 2 zwischen zwei mit dem Wappenbild des Herzschildes
belegten Sturmfahnen ein Steinbock in den Tinkturen wie 1 und 4,
goldbewehrt, Decken Rot Silber, 3 zwei
mit dem Wappenbild wie 2 und 3 belegte Sturmfahnen.
Wappenberechtigt sind alle
Angehörigen des reichsunmittelbaren Hauses der Reichsfreiherren
von Ellrichshausen aus dem Hause der Reichserbküchenmeister von
Rothenburg.
Die Reichserbküchenmeister des Heiligen Römischen Reiches aus dem Hause Rothenburg
Schon an den Höfen der spätrömischen Kaiser
gab es „Hofämter“, zu denen auch das Amt des Küchenmeisters zählte. Anders als
die Amtsbezeichnung vielleicht vermuten lässt, umfasste dessen Aufgabe aber nicht
etwa das Zubereiten der Speisen, sondern vielmehr die umfassende Leitung des
kaiserlichen Haushaltes. Diese hohe und einflussreiche Position im engsten
Umfeld des römischen Kaisers machten den Küchenmeister zu einer Art Minister. Berühmtheit
erlangte der römische Küchenmeister Castulus,
der um 286 den Märtyrer-Tod starb und von der katholischen Kirche bis heute als
Heiliger verehrt wird. Die wichtigste Stätte seines Gedenkens ist das Münster
zu Moosburg bei Landshut, für das Hans Leinberger gegen 1515 den berühmten Castulus-Altar schuf.
Nach dem Untergang des antiken römischen
Reiches und den Stürmen der Völkerwanderung griffen die Karolinger im 8. Jh. die
Tradition des römischen Reiches auf. In tiefer Hinwendung zum Christentum
erwuchs so aus dem antiken römischen Reich das Heilige Römische Reich, das Sacrum Imperium Romanum. (Der Zusatz "Deutscher Nation"
erscheint erst in der Mitte des 15. Jhs. Es sollte damit auf das staatstragende
Volk hingewiesen werden). Die damit verbundene Übernahme der antiken Hofämter
führte zugleich eine germanische Tradition fort, weil auch die germanischen
Königshöfe des Frühmittelalters gleichartige Einrichtungen kannten; so etwa die
Höfe der Merowinger und der Karolinger.
Ob das Amt des Küchenmeisters in der Zeit
zwischen etwa 800 und 1150 kontinuierlich bestand und mit welchen Aufgaben es verbunden
war, kann aus den erhaltenen Quellen nicht eindeutig beantwortet werden. Gegen
1150 erscheint mit Arnold von Rothenburg ein Truchsess am Hofe der Kaiser aus
dem Hause der Hohenstaufen. Die Aufgaben eines Truchsess und jene eines
Küchenmeisters waren in früherer Zeit nicht voneinander geschieden, gingen
vielmehr ineinander über. So ist der Bedeutungsgehalt des Wortes „Truchsess“ in
der Forschung umstritten und wird entweder vom althochdeutschen Wort „truht“
(=Schar) mit der Bedeutung „Vorsitzender einer Schar“ abgeleitet oderals „Speisensetzer“ übersetzt. Letztere
Interpretation findet in der „Goldenen Bulle“ aus dem Jahre 1356 überzeugend Deckung.
In diesem wichtigsten Reichsgesetz wurde der Erz-Truchsess des Heiligen
Römischen Reiches, der Pfalzgraf bei Rhein, verpflichtet, dem Kaiser beim
Krönungsmahl die Speisen auf einer silbernen Schüssel zu servieren.
Im Laufe des Hochmittelalters erfolgten zwei
wesentliche Entwicklungsschritte in der rechtlichen Ausgestaltung des Amtes des
Reichsküchenmeisters. Zum einen richtete König Philipp von Schwaben (1198-1208;
Gegenkönig zu Kaiser Otto Ivon) das Reichshofamt als feste Institution ein. In
welchem Jahr dies geschah, kann aus den erhaltenen Quellen nicht genau bestimmt
werden. Manches spricht für 1204 (Entstehung des Reichsapfels in Köln), vieles für
1206. Zum anderen gelangte das Reichsamt bleibend an das Haus Rothenburg. Die seit
dem 13. Jh. bestehende dauerhafte Verbindung des Amtes mit einer bestimmten
Familie setzte einen sich im 12. Jh. vollziehenden Wandel im Verständnis von
Ämtern und Funktionen voraus. Erloschen die Ämter zuvor in aller Regel mit dem
Tode des Inhabers, konnten sie seit dem 12. Jh. allmählich vererbt werden. Aus
dem Hofamt des Reichsküchenmeisters entstand so das Hofamt des Reichserbküchenmeisters des Heiligen Römischen
Reiches. Magister Coquinae Imperialis,
meist aber Magister Aulae Imperialis lauteten
seine lateinischen Bezeichnungen.
Für die Deutsche Literaturgeschichte ist
die Einrichtung des Reichserbküchenmeisteramtes von immenser Wichtigkeit
geworden. Durch den im Nibelungenlied erwähnten Küchenmeister „Rumold“ gelang der
Literaturwissenschaft die zeitlichen Zuordnung der Aufzeichnung des so
bedeutenden Epos der europäischen Literatur.
Während des Hochmittelalters setzte auch eine
Änderung bei den Aufgaben des Reichshofamtes ein. Oblag den Amtsinhabern früher
die Leitung des kaiserlichen Haushaltes, verschob sich ihre Aufgabe nun
zunehmend auf die Ebene der Repräsentation. Eine sehr wichtige Aufgabe hatten
die Reichserbküchenmeister im Krönungsritual wahrzunehmen, wie in den sog. „Ordines", den Regelungen der
Krönung, festgehalten wird. Daraus eine Szene. Bei der Krönung ging der Kaiser,
umgeben von den höchsten Würdenträgern des Reiches, zu den einzelnen Stationen
des Staatsaktes. Wenn die 7 Kurfürsten, welche die Reichserzämter innehatten, nicht
selbst tätig wurden, vertraten sie die Inhaber der Reichshofämter. An der Spitze
der Formation schritt der Reichserzmarschall, der Herzog von Sachsen, und in
seiner Vertretung der Reichserbmarschall, der Reichsgraf von Papenheim, mit dem
gezückten Schwert. Ihm folgten 3 Würdenträger. In der Mitte der Reichserztruchsess,
der Pfalzgraf bei Rhein, vertreten durch den Reichserbküchenmeister aus dem
Hause Rothenburg, der den Reichsapfel auf einem Polster zu tragen hatte. Links
von ihm trug der Reichserzschenk, der König von Böhmen, vertreten durch den
Reichserbschenk, den Reichsgrafen von Limpurg, die Reichskrone
und rechts trug der
Reichserzkämmerer, der Markgraf von Brandenburg, vertreten durch
den Reichsfreiherren von Dalberg, das Szepter. Hinter den Dreien ging
der Kaiser. Die Positionen des
Marschalls, des Küchenmeisters bzw. des Truchsess und des Kaisers
blieben immer
gleich, jene der beiden anderen konnten wechseln. Als Symbol des
gesamten
Kosmos und nicht bloß der Welt, musste der Reichsapfel immer in
der Mitte
getragen werden.
Wie Abbildungen auf Siegeln, Münzen etc.
zeigen, hielten schon im antiken Griechenland und in der römischen Kaiserzeit
die Herrscher bei Staatsakten eine „Sphaira“
als Hoheitssymbol in Händen. Diese meist aus Gold gefertigten Kugeln ohne Kreuz
waren die Vorform des Reichsapfels. Der Reichsapfel des Heiligen Römischen
Reiches (Sphaira mit Kreuz) entstand
gegen 1204 in Köln und wird heute in der Schatzkammer zu Wien aufbewahrt. Im
Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein und im Wappen des Hauses Rothenburg scheint
der Reichsapfel als Hinweis auf das Amt des Reichserztruchsess bzw. auf das Amt
des Reichserbküchenmeisters auf.
Die Szene aus der Kaiserkrönung und das tiefgehende
Symbol des Reichsapfels weisen auf den hohen staatsmetaphysischen Gehalt des
Reichserbküchenmeisteramtes hin. Ein Wesenszug der mittelalterlichen Geschichte
war der andauernd schwelende Konflikt zwischen den Kaisern und den Päpsten, der
im Gegensatz zwischen Romulus und Remus seine vorchristliche Vorform hatte. Sowohl
aus handfesten politischen Gründen aber auch aus sehr tiefgehenden religiösen
Überzeugungen verstanden sich die Kaiser wie auch die Päpste als Stellvertreter
Christi auf Erden. Hierin liegt der tiefere geistige Hintergrund des
Investiturstreites. Die Idee, der andere Christus (lat. "alter Christus"), also der zweite
Christus zu sein, war für die Zeit des Hochmittelalters ein zentraler
Leitgedanke. Um die Stellvertreterrolle des Kaisers sichtbar zu machen, wurde
die Darstellung des gesamten Staatswesens den christlichen Vorbildern nachgestaltet.
In den wichtigsten Objekten der von den Kaisern in Auftrag gegebenen Kunstwerken,
wie z.B. dem Karls-Schrein in Aachen (Kaiser Karl nimmt auf dem Goldschrein den
Platz ein, der sonst Christus vorbehalten war), oder auch bei manchen, meist liturgisch
gestalteten Staatsakten ist der Anspruch zu erkennen.
Ein in der Forschung bislang zuwenig
beachteter Aspekt ist der Einfluss der Gemeinschaft von Christus und den 12
Aposteln auf die Staatsmetaphysik des Hohen Mittelalters. So wie Christus umgab
sich auch der Kaiser mit 12 Vertrauten. 3 geistliche Kurfürsten (3 ist die Zahl
des Dreieinigen Gottes) und 4 weltliche Kurfürsten (4 ist die Zahl des im
Diesseits orientierten, Gott vertrauenden Menschen) wählen den Kaiser. Dieser
ist nun der 8te. 8 ist die Zahl der Auferstehung, weil Christus am 8. Tag des Passionsgeschehens
auferstand. Taufkapellen und „staatstragende“
Kirchen wie Aachen oder die von den Habsburgern errichtete Kirche zu
Othmarsheim, Elsass, wurden nicht zuletzt deshalb als Oktogon gebaut. Zu den 7
müssen weitere 5 treten, um die Schar der Apostel vollzählig zu machen. Dies waren
die Hofämter, und einer davon war der Küchenmeister. Das Festhalten an der
traditionellen, jedoch keineswegs bindenden 4-Zahl der Hofämter (vgl.
"Quaternionen) musste dabei zugunsten des weitaus höherwertigen Gedankens
der Repräsentanz von Christus und den 12 Aposteln zurücktreten. Bei den
liturgisch gestalteten Kaiserkrönungen, zu deren wichtigsten Zeremonien das Krönungsmahl
zählte, konnte das Symbol deutlich sichtbar werden.
Da der kaiserliche Hof Vorbild für alle
geistlichen und weltlichen Fürstenhöfe war, richteten viele Höfe eigene
Hofämter und damit auch das Amt des Küchenmeisters ein. Namen oder Funktionsbezeichnungen
wie "Küchenmeister", "Truchsess", "Schenk" oder "Kämmerer"
gehen fast immer auf solche Amtsträger von Fürsten zurück und dürfen nicht mit
den Reichshofämtern verwechselt werden. Hervorstechend sichtbar wurde das
Vorbild von „Christus und den 12 Apostel“ in den altösterreichischen Ländern,
wo die wichtigsten Adelshäuser eines Erblandes die Ehrenbezeichnung "Apostel-Geschlechter"
(nicht zwingend 12) führten.
Als Tilmann Riemenschneider um 1500 lange nach
dem Aussterben der Hohenstaufen für die Freie Reichsstadt Rothenburg den
unvergleichlichen „Heiligen Blut Altar“ schuf, stellte er -anders als der Name
des Altares vielleicht erwarten lässt- nicht eine Kreuzigungsszene dar, sondern
das Letzte Abendmahl. Dachten Riemenschneider und zuvor schon der Schöpfer des
„Zwölf Boten Altares“ (= „12 Apostel Altar“; Hauptaltar von St. Jakob zu
Rothenburg) vielleicht an die von den Hohenstaufen vertretene Staatsauffassung
und das damit verbundene Krönungsmahl bzw. an das symbolische Letzte Abendmahl,
die sich ja in dem mit Rothenburg verknüpften Reichserbküchenmeisteramt
manifestiert hatte ?
Seit König Philipp das
Reichserbküchenmeisteramt um 1206 eingerichtet hatte, lag es in den Händen des früher
weit verzweigten Hauses Rothenburg. Schon in der 2. Hälfte des 12. Jhs. erschienen
Mitglieder des Hauses in kaiserlichen Diensten im Weichbild von Rothenburg, nachdem
die Hohenstaufen gegen 1115 die Grafen von Comburg-Rothenburg beerbt hatten und
Rothenburg zu einem Herrschaftsmittelpunkt auszubauen begannen. Vom Hause
Rothenburg sind mehrere Zweige bekannt, wobei die detailgenauen Zusammenhänge
heute nur sehr schwer erforschbar sind. Es waren dies die von Nordenberg, ältere
und jüngere Linie (früher meist „Nortenberg“), die von Seldeneck, die von Ellrichshausen,
die von Bebenburg die von Rothenburg, die von Weiltingen, die von Hornburg, und
andere mehr. Gemeinsam sind allen Zweigen die Besitzstände in den selben
Gegenden (Schwerpunkt südlich von Würzburg bis Dinkelsbühel), die selben
Vornamen bei Männern und Frauen in den selben und aufeinander folgenden Generationsebenen
und die gleichen, voneinander nach heraldischen Gesetzmäßigkeiten leicht
abgewandelten und so die Zusammenhänge darstellenden Wappen. Der letzte heute
noch lebende Zweig der Reichserbküchenmeister des Hauses Rothenburg sind die ehemals
reichsunmittelbaren Reichsfreiherren von Ellrichshausen.
Mächtigster und weitaus bedeutendster Zweig
des Hauses Rothenburg waren die 1144 urkundlich erstmals erwähnten Herren von
Nordenberg. In der heutigen Forschung wird zwischen einem älteren bis um 1237
auf dem Nordenberg wirkenden Zweig und einem jüngeren, der bis 1383 die Burg
besaß, unterschieden. Neben dem Reichsamt des Küchenmeisters hatten einige
Mitglieder des Hauses auch die Funktion eines „scultetus“ von Rothenburg inne, waren also die mit der Verwaltung
der Stadt betrauten kaiserlichen Beamte.
Die hervorstechendste Persönlichkeit des
Hauses Nordenberg aus dem jüngeren Zweig war der im Jahre 1276 verstorbene
Reichserbküchenmeister Lupold von Nordenberg. Große politische Bedeutung erlangte
er durch seine engen Beziehungen zu Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und
nach dem dramatischen Untergang der Hohenstaufen durch seine Unterstützung für Rudolf
I. von Habsburg bei der Wahl zum Deutschen König (1273). Lupolds Interesse galt
jedoch nicht alleine der Politik, sondern im hohen Maße auch dem Geistesleben
seiner Zeit. Seine enge Verbindung zu Albertus Magnus, dem bedeutendsten
Gelehrten des 13. Jhs. und Lehrer des Thomas von Aquin, ist dafür ein beredtes Zeugnis.
Als Lupold von Nordenberg um 1256 den Amtssitz der Reichserbküchenmeister in
Rothenburg, die „curia“, das Schloss
in der Stadt, in ein Dominikanerinnen-Kloster umwandelte, weihte es Albertus Magnus
ein. Der Überlieferung zufolge soll Albertus Magnus auch das von Lupold zur
Aufbewahrung der Heiligen-Blut-Reliquie um 1250 gestiftete, romanische Kreuz
geweiht haben. Als Nachlassverwalter der hohenstaufischen Güter in Rothenburg
war wohl auch die Heiligen-Blut-Reliquie an Lupold gekommen, die später das
religiöse Kernstück von Tilmann Riemenschneiders Heiligen-Blut-Altar zu
Rothenburg bilden sollte. Im Kreuzgang des Rothenburger Dominikanerinnen-Klosters
ist der aus der Zeit um 1340 stammende Grabstein des Reichserbküchenmeisters
Lupold zu sehen.
Die heute noch beeindruckenden Reste der Burg
in Nordenberg (Gemeinde Windelsbach) –vergleichbar den großen Reichsburgen des
Hochmittelalters- geben Zeugnis für den Status der Herrn von Nordenberg. Als
älteste Erwähnung der Burg wird eine Urkunde von Kaiser Lothar II. aus dem
Jahre 1128 angesehen. Höchst ungewöhnlich und für die Zeitgenossen wohl zutiefst
beeindruckend war der Untergang der Festung als sie im Jahre 1408 von den
Kellergewölben bis zum Dach mit Pulver gefüllt und gesprengt wurde. Schon zuvor,
im Jahre 1383, hatten die Herren von Nordenberg ihre Burg aufgrund großer
wirtschaftlicher Probleme an die Freie Reichsstadt Rothenburg verkauft. Im 15.
Jh. verlieren sich die Spuren des Hauses Nordenberg.
Ihre Erben im Amt des
Reichserbküchenmeisters wurden die ihnen stammverwandten Herren von Seldeneck.
Dieser Zweig des Hauses Rothenburg benannte sich nach der Burg Seldeneck (Gemeinde
Creglingen) über Bettwar im Tal der Tauber. Die mächtige Festung war wohl in
staufischer Zeit im 12. Jh. entstanden, gegen 1400 an die Freie Reichsstadt
Rothenburg gekommen und kurze Zeit später zerstört worden. Aus der Mitte des
16. Jhs. erlangte Philipp von Seldeneck als Verfasser kriegswissenschaftlicher
Abhandlungen Berühmtheit. Gegen 1580 starben die Herren von Seldeneck aus. Die
heute lebenden Freiherren von Seldeneck führen den uralten Namen und das Wappen
fort, sind aber eine Nebenlinie des Hauses Baden und gehen nicht auf die
Reichserbküchenmeister zurück.
Ein weiterer, Ende des Mittelalters
ausgestorbener Zweig des Hauses Rothenburg waren die Herren von Bebenburg
(Bemberg, Gemeinde Rot am See). So wie andere Zweige
auch übten sie das Reichserbamt des Küchenmeisters jedoch nie aus. Die
bedeutendste Persönlichkeit des Zweiges war Lupold von Bebenburg (~1297 – 1363),
Bischof von Bamberg und Verfasser wichtiger rechtswissenschaftlicher Werke zum
Reichsrecht. Als einer der bedeutendsten Juristen
seiner Zeit hatte er wesentlichen Einfluss auf die rechtliche Ausgestaltung der
„Goldenen Bulle“. Das unter Kaiser Karl Ivon im Jahre 1356 ergangene
Verfassungsgesetz gehörte zum Fundament des Verfassungsrechtes des Heiligen
Römischen Reiches bis zu dessen Ende im Jahre 1806. Vielleicht geht die
mehrfache Erwähnung der Reichserbküchenmeister in dem Gesetz –und zwar alsZweig Nordenberg- Rothenburg- auf die
Mitarbeit des Bischofs Lupold zurück.
Letzter heute noch lebender Zweig des
Hauses Rothenburg sind die Reichsfreiherren von Ellrichshausen. Der Name geht
auf die Ortschaft Ellrichshausen (Gemeinde Satteldorf) zurück, das neben einer
Reihe von umliegenden Orten, Burgen usw. im Hoch- und Spätmittelalter zum
Besitzstand der verschiedenen Zweige des Hauses Rothenburg zählte. Bis zum Ende
des Heiligen Römischen Reiches gehörten die Herren von Ellrichshausen der
reichsunmittelbaren Ritterschaft an.
Viele Mitglieder des Hauses Ellrichshausen erreichten
in staatlichen und kirchlichen Diensten hohe und höchste Funktionen; so im
Hochstift Würzburg, im Reichsstift Feuchtwangen, in den Klöstern Heilsbronn,
Neresheim, Gnadenthal und nicht zuletzt wegen der familiären Zusammenhänge im
Dominikanerinnen Kloster zu Rothenburg. Politische Bedeutung von europäischem
Rang erlangten Conrad (+1449) und Ludwig von Ellrichshausen (+1467; in alter
Schreibweise auch " Erlichshausen " ), die zwischen 1441 und 1467 hintereinander
in einer sehr bewegten Zeit als Hochmeister des Deutschen Ordens und Fürsten in
Preußen die Geschicke des Ordens lenkten. Im Kloster Heilsbronn erinnert ein kunsthistorisch
sehr bedeutsames Grabmal an Wilhelm von Ellrichshausen (+1480). Jörg von
Ellrichshausen (~+1570) machte sich wegen seines sozialen Engagements in der
Zeit der Bauernkriege einen großen Namen. Bis um etwa 1600 lag der Schwerpunkt
der Besitzungen des Hauses Ellrichshausen zischen Rothenburg und Crailsheim,
später war Schloß Assumstadt bei Züttlingen der Lebensmittelpunkt des Hauses.
An die über Jahrhunderte bestehende
Beziehung zum Hause Habsburg konnte Carl Reinhard von Ellrichshausen (+1779)
anknüpfen als er Mitte des 18. Jhs. an den Kaiserhof zu Wien ging. Unter
Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. wurde er Generalfeldzeugmeister,
der bei der Kaiserin und dem Kaisers großes Vertrauen genoß. Joseph II. schrieb
für ihn sogar eigenhändig eine ehrenvolle und persönlich gehaltene Totenrede. Er
ist der Erbauer des Schlosses Assumstadt, das wegen seiner stark am
österreichischen Barock orientierten Gestaltung eine kunsthistorische
Besonderheit in Franken darstellt. Große wissenschaftliche Leistungen mit
zahlreichen Publikationen und empirischen Forschungsergebnissen erbrachte
Wilhelm Julius Ludwig von Ellrichshausen (+1832) in seiner Funktion als Direktor
der landwirtschaftlichen Universität Hohenheim (Stuttgart). Während des 2.
Weltkrieges gingen das jahrhundertealte Familienzentrum Schloß Assumstadt und
die gesamten Besitzungen in einer dramatischen Entwicklung verloren. Als Folge
davon verpflanzte Dr. Conrad von Ellrichshausen, langjähriger österreichischer
Konsul in Spanien, die Familie nach Österreich, wo die Reichsfreiherren von
Ellrichshausen und letzten Reichserbküchenmeister von Rothenburg bis heute
leben.