Bertolt Brecht ... ein paar Gedichte

Gedichte von Bert Brecht

 

Der Rauch

Das kleine Haus unter den Bäumen am See.
Vom Dach steigt Rauch.
Fehlt er
Wie trostlos dann wären 
Haus, Bäume und See.



Das dreizehnte Sonett

Das Wort, das du mir oft schon vorgehalten
Kommt aus dem Florentinischen, allwo
Die Scham des Weibes Fica heißt. Sie schalten
Den großen Dante schon deswegen roh
Weil er das Wort verwandte im Gedichte.
Er wurd beschimpft darum, wie ich heute las
Wie einst der Paris wegen Helenas
(Der aber hatte mehr von der Geschichte!)
 
Jedoch du siehst jetzt, selbst der düstere Dante
Verwickelte sich in den Streit, der tobt
Um dieses Ding, das man doch sonst nur lobt.
Wir wissen’s nicht nur aus dem Machiavelle:
Schon oft, im Leben wie im Buch entbrannte
Der Streit um die mit Recht berühmte Stelle.



Liebesgewohnheiten

Es ist nicht so, daß der Genuß nur bleibt.
Oftmals verspürt, steigt er noch oftmals an.
Das noch einmal zu tun, was wir schon oft getan
Das ist es, was uns so zusammentreibt.
 
Dies kleine Zucken deines Hintern, längst
Erwartet schon! O deines Fleisches List!
Dies angenehme, was das zweite ist
Wonach du mit erstickter Stimme drängst!
 
Dies Aufgehn deiner Knie! Dies sich Begattenlassen!
Dies Zittern dann, durch das mein Fleisch erfährt
Daß kaum gestillte Lust dir wiederkehrt!
Dies faule Drehn! Dies lässig nach mir fassen
Wenn du schon lächelst!
Ach, so oft man’s tut:
Wär’s nicht schon oft getan, wär’s nicht so gut!



Saune und Beischlaf

Am besten fickt man erst und badet dann.
Du wartest, bis sie sich zum Eimer bückt
Besiehst den nackten Hintern, leicht entzückt
Und langst sie, durch die Schenkel, spielend an.
 
Du hälst sie in der Stellung, jedoch später
Sei’s ihr erlaubt, sich auf den Schwanz zu setzen
Wünscht sie, die Fotze aufwärts sich zu netzen.
Dann freilich, nach der Sitte unsrer Väter
Dient sie beim Bad. Sie macht die Ziegel zischen
Im schnellen Guß (das Wasser hat zu kochen)
Und peitscht dicht rot mit zarten Birkenreisern
Und so, allmählich, in dem immer heißern
Balsamischen Dampf läßt du dich ganz erfrischen
Und schwitzt dir das Geficke aus den Knochen.



Sonett über einen durchschnittlichen Beischlaf

Bis ich dich endlich übern Stuhle habe
Hoff ich, du seist endlich die ausgesiebte
Und etwas nässer als die, die ich liebte
(Es pflanzt die Hoffnung, ach, uns noch am Grabe!)
 
Ich seh, es geht. Ich hoffe: nicht zu schnell
Von nun an denk ich immer nur an Ihn
Gut: weniger Lieb und weniger Vaselin
Dafür bricht der jetzt Schweiß aus ihrem Fell
 
Ach du verglichst mich schon mit einem Pferde
Vor fünf Minuten, wie ich darauf scheiße!
Dieweil ich sinne, wie ich fertig werde
Nennst du mich Emil, der ich nicht so heiße
 
Dies alles ist in höherm Sinne schnuppe
Im Schweiß des Antlitz’ koch ich meine Suppe



Das neunte Sonett

Als du das Vögeln lerntest, lehrt ich dich
So vögeln, daß du mich dabei vergaßest
Und deine Lust von meinem Teller aßest
Als liebtest du die Liebe und nicht mich.
 
Ich sagte: tut nichts, wenn du mich vergißt
Als freutest du dich eines andern Manns!
Ich geb nicht mich, ich geb dir einen Schwanz
Er tut dir nicht nur gut, weil’s meiner ist.
 
Wenn ich so wollte, daß du untertauchst
In deinem eignen Fleische, wollt ich nie
Daß du mit eine wirst, die da gleich schwimmt
Wenn einer aus Versehn hinkommt an sie.
Ich wollte, daß du nicht viel Männer brauchst
Um einzusehn, was dir vom Mann bestimmt.



Von der Scham beim Weibe

Sonett Nr. 10

Ich lieb es nicht, wenn Weiber lange brauchen
Die mir gefällt, die unersättlich kam
Und rasch gestillt wird, ihre schnelle Scham
Zwischen Durst und Abwehr pausenlos verhauchen.
 
Der Liebesakt muß sie von Grund verändern
Bis zur Erstellung! Mit vermischten Leibern
Sei’n bei den Männern und sei’n bei den Weibern
Die Köpfe so entfernt wie in verschiedenen Ländern.
 
Zu große Scham, dem Mann ans Fleisch zu greifen
Zu große Lust, es ganz sich zu verkneifen
Das Weib soll sein an seiner Lust gemessen.
 
Zu schön, sich nicht zum Warten zu bequemen
Zu unersättlich, nicht alles zu nehmen
Ist es gestattet ihr, sich zu vergessen.



Vom Genuß der Ehemänner

Sonett Nr. 11

Ich liebe meine ungetreuen Frauen:
Sie sehn mein Auge starr auf ihrem Becken
Und müssen den gefüllten Schoß vor mir verstecken
(Es macht mir Lust, sie dabei anzuschauen).
 
Im Mund noch den Geschmack des andern Manns
Ist sie gezwungen, mich recht geil zu machen
Mit diesem Mund mich lüstern anzulachen
Im kalten Schoß noch einen andern Schwanz!
 
Und während ich sie tatenlos betrachte 
Essend die Tellerreste ihrer Lust
Erwürgt sie den Geschlechtsschlaf in der Brust
 
Ich war noch voll davon, als ich die Verse machte!
(Doch war es eine teure Lust gewesen
Wenn dies Gedicht hier die Geliebten läsen).



Ballade von den untreuen Weibern

1
Willst du ein Weib, mein Sohn, für dich allein
Dann mach dein Testament für diese Erde
Wird nicht dein Maul wie das von einem Schwein
Dann gleicht dein Schwanz bald dem von einem Pferde
‘s Gibt dies und das Weib, das sich dann beschwert
Doch die begehre nicht: sie ist nichts wert
 
2
Lüg’s ihr, daß keiner größer ist als deiner
Sag’s ihr ganz deutlich, Junge, nimm ein Beil
Und setz dich neben sie, sonst steckt ihr einer
Sofort ein Kissen unters Hinterteil
Es gibt auch dies und das Weib, das sich wehrt
Halt dich von diesen fern: sie ist nichts wert
 
3
Hau in die Bettstatt neben euch dein Messer
Und geh ja nicht hinaus, wenn du nicht mußt
Dann nimm sie mit, ich sag dir, ‘s ist besser
sonst greift ihr wieder einer an die Brust
‘s gibt dies und das Weib, das sich drum nicht schert
doch halt dich fern von der: sie ist nichts wert
 
4
Du darfst sie auch nachts nicht zu oft gebrauchen
Sonst schläfst du allzu tief und nichts ist schlimmer
Kannst du im Schlaf nicht grad noch Pfeife rauchen
Läuft sie doch gleich noch in ein andres Zimmer
‘s gibt dies und das Weib, das den Schlummer ehrt
Halt dich von der entfernt: sie ist nichts wert



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