Willkommen bei Immanuel Kant, dem bedeutendsten deutschen Philosophen. Kant hat nicht nur entscheidende Durchbrüche geleistet, sondern wirkt bis heute nach. In den Natur- und Rechtswissenschaften, aber selbstverständlich insbesondere in der Wissenschaftstheorie und der Philosophie, aber auch in der Politik ist das Werk Kants so aktuell, daß eine ernsthafte Beschäftigung mit diesen Themen immer zu Kant führt.
Kant schreibt seine ersten Werke in lateinischer Sprache, wie es damals üblich war. Dann geht er allerdings zur deutschen Sprache über, was erheblich dazu beiträgt, daß sich Deutsch als Wissenschaftssprache durchsetzt. Kant war Professor für Metaphysik und Logik an der Universität in Königsberg. Später wird Kant Rektor der Universität. Der letzte Nachfolger als Rektor war übrigens Prof. Dr. von Grünberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg politisch hervortrat.
Seine größte Bedeutung erlangte Kant durch die drei Kritiken, nämlich die "Kritik der reinen Vernunft", die "Kritik der Urteilskraft" und die "Kritik der praktischen Vernunft". Das Wort "Kritik" verstand Kant dabei in seiner ursprünglichen (griechischen) Bedeutung, nämlich als Prüfung. Mit heutigen "Kritiken" (Theaterkritik, Buchkritik usw.), bei denen meistens dumme Menschen die Werke gebildeter Zeitgenossen "zerreißen", hat dies nichts zu tun. Wer neu auf Kant zugeht, tut also gut daran, sich zu vergegenwärtigen, daß Kant "Prüfung der reinen Vernunft", "Prüfung der Urteilskraft" und "Prüfung der praktischen Vernunft", und nicht etwa deren Ablehnung meint. Kant machte sich also daran, die Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Vernunft zu ermessen. Das ist eine Aufgabe, der sich jeder unterziehen muß, der die Grenzen der Wissenschaft untersucht, in der Biologie, Psychologie, Medizin und Verhaltensforschung sich mit dem menschlichen Verstand und der Vernunft befaßt.
Insbesondere die Kritik der reinen Vernunft (KrV) beendete den Rationalismus. Der Glaube an die Allmacht der Vernunft ist seit Kant dahin - zumindest bei denen, die auch lesen. IIdeologen machen deshalb gerne einen Bogen um Kant herum. Man hat selten gehört, daß etwa Marxisten sich mit Kant beschäftigen. Das ist wie Feuer und Wasser. So bedeutsam die KrV ist, so schwer ist der Zugang zu ihr. Die kantische Eigenart, bandwurmartige Sätze zu bilden, die sich oft über mehrere Seiten hinziehen, macht das Lesen manchmal mühsam. Allerdings erzieht die Kant-, insbesondere die KrV-Lektüre zu präzisem Denken. Im Regelfall sind die Kant-Sätze nämlich korrekt über mehrere Nebensatz-Ebenen durchkonstruiert. Aber zugegeben: Das ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Die Kritik der praktischen Vernunft (KpV) ist - wie die Metaphysik der Sitten - ein Ethik-Buch. Kant hält sich immer sehr streng an die usrprüngliche Bedeutung der griechischen Wörter. "Prüfung der handelnden Vernunft" müßte man also auf deutsch sagen. Hier, in der KpV (und gleichlautend in der Vorrede zur Metaphysik der Sitten) entwickelt Kant seinen berühmten kategorischen Imperativ:
Handle stets so, daß die Maximen deiner Handlungen als Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnten.
Hier erkennt man auch sofort ein häufiges Mißverständnis: Nicht jede einzelne Handlung soll Grundlage einer Gesetzgebung sein können, sondern deren Maximen. Übrigens findet man ähnliche Ethik-Grundsätze auch anderswo, z. B. bei Konfuzius.
Berühmt geworden sind zwei kleinere Schriften, die sich auch gut als Anfangslektüre eignen, nämlich "Was ist Aufklärung?" und "Zum ewigen Frieden". Die Aufklärungsschrift definiert die Aufklärung als den "Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit." "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", ist für Kant der Schlachtruf der Aufklärung. Wir wissen, daß unter Aufklärung auch anderes verstanden wurde. Hier beschäftigen wir uns mit Kant und daher mit seiner Interpretation. Gerade in der heutigen Zeit zunehmender geistiger Uniformierung durch die Gehirnverklebemasse der "politischen Korrektheit" sind solche Aufrufe wieder angebracht und ganz aktuell. Also: Immer an die Kantsche Aufklärungsschrift denken, wenn jemand "politische Korrektheit" einfordert. Nur, wenn wir unseren eigenen Verstand gebrauchen, können wir der zunehmenden Diktatur der politischen Korrektheit entgehen.
Auch die Friedensschrift ist höchst aktuell und lesenswert. Wer zu lesen anfängt, liest sofort im ersten Satz des Vorwortes, daß Kant den Titel "Zum ewigen Frieden" als "satirische Überschrift" bezeichnet. An einen ewigen Frieden glaubt er nicht. Aber er stellt die Bedingungen auf, die erfüllt sein müssen, damit Frieden herrscht. Eine davon ist ganz aktuell, nämlich die Forderung, daß es kein Recht auf Einwanderung geben darf. Die kleine Schrift ist gerade heute sehr lesenswert.
Wo man zu lesen beginnen soll, hängt sicher auch von der eigenen Interessenslage ab. Naturwissenschaftlich Interessierte kommen um die Kritik der reinen Vernunft nicht herum - trotz ihres Umfangs. Juristen benötigen die (ausgeführte) Metaphysik der Sitten. Politisch Interessierte sollten die beiden erwähnten kleinen Schriften "Was ist Aufklärung?" und "Zum ewigen Frieden" lesen.
Für alle ist sicher die "Vorrede zur Metaphysik der Sitten" als Ethik-Grundlage mit dem kategorischen Imperativ sehr empfehlenswert. Die Vorrede hält sich auch umfangsmäßig in Grenzen.
Man sollte übrigens von der Vorstellung Abstand nehmen, man könne Kant "diagonal" lesen. Damit läßt sich Kants Denken nicht erschließen. Kant erfordert Denkdisziplin - und damit auch gründliches Lesen. Wer also die Zeit nicht aufbringen kann, sollte sich von Anfang an die "dünneren" Werke auswählen - so unqualifiziert dieses Auswahlkriterium auch klingen mag. Eine gute Möglichkeit ist auch die Lektüre der Einleitungen. Hier stellt Kant üblicherweise die Systematik seiner Schriften dar. Die Einleitung zur KrV zum Beispiel ist bereits eine sehr nützliche und hilfreiche Lektüre. Vielleicht regt sie ja dazu an, mehr zu lesen.
Ich hoffe, daß ich bei Ihnen mit diesen paar Zeilen etwas Interesse geweckt habe. Auf den anderen Kant-Seiten finden Sie mehr. Nur zu!
Ihr
Winfried Krauß
Welcome to this short introduction to Immanuel Kant, the most important German philosopher. Kant started some revolution in thinking and influences the discusssions until today. Science and especially science theory, philosophy, right and politics are actual matters of subject of Kants work. A serious work on these items need to be familiar with the foundations by Kant.
The first books of Kant are written in Latin language, as usual in this time. Then Kant changes to German language. This results in the acceptance of German as a language of science and philosophy. Kant was professor for mathematics and logics at the university of Königsberg. Königsberg is situated in the northern part of Ostpreußen (East Prussia), ruled by Russia since the end of the 2nd world war, and called by the Russian communists as "Kaliningrad".
The main importance of Kant is in the three critiques, the critique of pure reason, the critique of practical reason and the critique of judgment. Have in mind, that Kant uses the original meaning of the words, especially on the ancient Greek based terms. "Critique" therefore means anything like "checking". "Practical" (from the Greek word for "to act") reason means the acting reason; the ethics you should use, if you manages something.
The Critique of Pure Reason finishes the time of rationalism. The check of the possibilities of the pure reason shows the limits of reason. Kant tries to give the limit between rationalism and empirism.
The Critique on Practical Reason goes about ethics. It includes the "categorical imperative" as the base of all ethics.
Your
Winfried Krauß
© Winfried Krauß. Letzte Änderung: Januar 1998